Urteil des BVerwG vom 30.09.2009, 1 WB 68.08

Entschieden
30.09.2009
Schlagworte
Versetzung, Luftwaffe, Friedenspflicht, Ermessensfehler, Kontrolle, Verfügung, Überprüfung, Anweisung, Form, Bewirtschaftung
Urteil herunterladen

BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

BESCHLUSS

BVerwG 1 WB 68.08

In dem Wehrbeschwerdeverfahren

des Herrn Stabsfeldwebel …,

- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte -

hat der 1. Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts durch

den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Golze, den Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Deiseroth, den Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Langer, den ehrenamtlichen Richter Oberstleutnant Rogasch und den ehrenamtlichen Richter Stabsfeldwebel Kozawski

am 30. September 2009 beschlossen:

Der Antrag wird zurückgewiesen.

Gründe:

I

1Der Antragsteller wendet sich gegen seine Wegversetzung von einem Dienstposten als Luftbetankungsmeister bei der 1. …staffel der Flugbereitschaft des

Bundesministeriums der Verteidigung.

2Der 1965 geborene Antragsteller ist Berufssoldat in der Laufbahn der Feldwebel

des Allgemeinen Fachdienstes der Luftwaffe; seine Dienstzeit wird voraussichtlich mit Ablauf des ... August 2019 enden. Zum Stabsfeldwebel wurde er

am ... März 2004 ernannt. Seit dem ... August 1999 war er als Luftfahrzeugbordmechanikermeister auf dem Luftfahrzeugmuster Challenger (CL) 601 bei

der 1., zeitweise bei der 2. …staffel der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung eingesetzt. Vom ... Juli 2004 bis zum ... Juli 2008

wurde er bei der 1. …staffel auf dem Dienstposten Luftbetankungsmeister

(Teileinheit/Zeile …) verwendet. Aufgrund der angefochtenen Versetzungsverfügung der Stammdienststelle der Bundeswehr leistet er seit dem 8. Juli 2008

auf dem Dienstposten Stabsdienstfeldwebel Streitkräfte …, beim …kommando

der Luftwaffe in Köln seinen Dienst.

3Die (damalige) Stammdienststelle der Luftwaffe hatte dem Antragsteller in einem Personalgespräch am 12. Februar 2004 mitgeteilt, dass nach dem „Besatzungskonzept für das Waffensystem Airbus A 310“ vom 9. Dezember 2003 und

dem Stärke- und Ausrüstungsnachweisungs-Bearbeitungsauftrag BMVg FüL I 4

vom 28. Januar 2004 mit dem Wegfall von zehn Dienstposten Luftbetankungsmeister bei der Flugbereitschaft als Interimslösung nur noch zwei Dienstposten

Luftbetankungsmeister vorgesehen seien. In der durch Versetzungsverfügung

Nr. vom ... Juni 2004 angeordneten Versetzung des Antragstellers auf den

o.g. Dienstposten Luftbetankungsmeister bei der 1. …staffel war deshalb die

voraussichtliche Verwendungsdauer bis zum 31. Dezember 2006 festgesetzt.

Den Charakter dieser Verwendung als „Interimslösung“ bekräftigte die Stammdienststelle der Luftwaffe gegenüber dem Antragsteller mit Schreiben vom

2. Juli 2004. Die voraussichtliche Verwendungsdauer auf dem Dienstposten

Luftbetankungsmeister, Teileinheit/Zeile …, wurde anschließend von der

Stammdienststelle der Bundeswehr zuletzt bis zum 31. März 2008 verlängert.

Im Hinblick auf den Wegfall dieses Dienstpostens bot die Stammdienststelle

dem Antragsteller mit Schreiben vom 21. Juni 2007 als Einplanungsmöglichkeit

u.a. den ab 1. April 2008 zu besetzenden Dienstposten Stabsdienstfeldwebel

Streitkräfte …, beim …kommando der Luftwaffe in Köln an. In einem weiteren

Personalgespräch am 18. Oktober 2007 wurde als Ergebnis festgehalten, dass

die Stammdienststelle die Verwendungswünsche des Antragstellers prüfen und

ihn innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen über das Ergebnis informieren

werde; sofern wider Erwarten die Dienstposten Luftbetankungsmeister verlängert würden, werde der Antragsteller auf seinem Dienstposten verbleiben bzw.

auf diesen zurückversetzt; sofern keine Einplanungsmöglichkeit in den erörterten Verwendungsalternativen bestehe, werde der Antragsteller zum 1. April

2008 auf den Dienstposten beim …kommando versetzt.

4Mit Schreiben vom 31. März 2008 teilte die Stammdienststelle dem Antragsteller mit, die von ihm im Personalgespräch am 18. Oktober 2007 geäußerten

Verwendungswünsche ließen sich nicht realisieren. Deshalb bleibe es bei der

angekündigten Versetzung zum 1. April 2008 auf den Dienstposten Teileinheit/Zeile beim …kommando der Luftwaffe in Köln.

5Gegen diese Versetzung legte der Antragsteller mit Schreiben vom 1. April

2008 Beschwerde ein und machte im Wesentlichen geltend, für seinen bisherigen Dienstposten habe bis zum 31. Dezember 2007 der Zusatz bestanden,

dass ein Nutzungs- und Auslastungsnachweis zu erstellen sei. Im Februar habe

man ihm mitgeteilt, dass der Dienstposten seit dem 17. Januar 2008 „offen“ sei

und der Zusatz der Bewertung nicht mehr bestehe. Deshalb habe die Stammdienststelle aus seiner Sicht keine Grundlage für seine Wegversetzung. Inzwischen habe er durch den S 1 der Fliegenden Gruppe erfahren, dass sein

Dienstposten seit dem 15. März 2008 gesperrt sei. Eine Begründung sei dafür

jedoch nicht gegeben worden. Er beanstande außerdem, dass er entgegen der

Ankündigung im Personalgespräch vom 18. Oktober 2007 nicht innerhalb von

zwei bis drei Wochen das Ergebnis der Prüfung einer Versetzung auf Dienstposten erhalten habe, die seinen beruflichen Interessen entsprächen.

6Unter dem 8. Mai 2008 ordnete die Stammdienststelle der Bundeswehr mit Versetzungsverfügung Nr. die Versetzung des Antragstellers auf den oben genannten Dienstposten Teileinheit/Zeile beim …kommando der Luftwaffe mit

Dienstantritt am 2. Juni 2008 an.

7Mit der Stärke- und Ausrüstungsnachweisungs-Pflegemaßnahme Nr. 59/2008

wurden am 13. Juni 2008 die Dienstposten Luftbetankungsmeister, Teileinheit/

Zeilen und …, bei der 1. …staffel A 310 der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung mit sofortiger Wirkung gestrichen. Dazu ist in der

entsprechenden Verfügung des Luftwaffenamtes vom 13. Juni 2008 ausgeführt,

dass aufgrund von Verzögerungen in der Umrüstung des Luftfahrzeugs A 310

auf Multi Role Transport Tanker (MRTT, Tankerversion) diese Dienstposten zu

streichen seien; derzeit und auch zukünftig seien für diese Dienstposten keine

Aufgaben erkennbar (A 310-MRTT fehlt).

8Mit der 1. Korrektur vom 7. Juli 2008 zur Versetzungsverfügung Nr. vom

8. Mai 2008 ordnete die Stammdienststelle den 8. Juli 2008 als neuen Dienstantrittstermin des Antragstellers an.

9Die Beschwerde des Antragstellers wies der Bundesminister der Verteidigung

- PSZ I 7 - mit Bescheid vom 1. August 2008 zurück. Gegen diese am 8. August

2008 zugestellte Entscheidung richtet sich der Antrag des Antragstellers auf

Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. August 2008, den der

Bundesminister der Verteidigung - PSZ I 7 - mit seiner Stellungnahme vom

2. September 2008 dem Senat vorgelegt hat.

10Zur Begründung trägt der Antragsteller insbesondere vor:

Trotz der Ankündigung seiner Verwendung auf dem Luftfahrzeugmuster A 310

MRTT und nach anschließend wechselnden Planungen der Stammdienststelle

der Luftwaffe sei es bei ihm nicht zu einer tatsächlichen Verwendung als Luftbetankungsmeister gekommen. Aufgrund völliger Planlosigkeit sei er auf seinem Dienstposten rechtswidrig auch dann noch unbeschäftigt geblieben, als er

wirkungsvoll auf dem nun einsatzbereiten Tanker hätte eingesetzt werden kön-

nen. Stattdessen habe die aufgezeigte Planlosigkeit zu der rechtswidrigen Versetzungsverfügung vom 8. Mai 2008 geführt. In einer auch ihn betreffenden E-

Mail des Lufttransportkommandos vom 15. Juni 2007 an den S 3 der Flugbereitschaft sei abermals um Bewertung seines ehemaligen Dienstpostens gebeten worden; darin sei auch festgehalten, dass die „Friedenspflicht" nach der

Besonderen Anweisung für die Er- und Bearbeitung von Stärke- und Ausrüstungsnachweisungen in der Luftwaffe (BesAnEr-/BearbSTAN) 502/301 bis zum

30. Juni 2008 andauere und ein Antrag auf Änderung der Stärke- und Ausrüstungsnachweisung bis zu diesem Zeitpunkt nicht möglich sei.

11Der Antragsteller beantragt,

die Versetzungsverfügung Nr. der Stammdienststelle der Bundeswehr vom 8. Mai 2008 aufzuheben.

12Der Bundesminister der Verteidigung beantragt,

den Antrag zurückzuweisen.

13Die Zuversetzung des Antragstellers zum …kommando der Luftwaffe sei gerechtfertigt, weil der verfügte Dienstposten seit dem 1. April 2008 frei und zu

besetzen sei. Dies sei dem Antragsteller bereits im Personalgespräch am

18. Oktober 2007 mitgeteilt worden. Sein bisheriger Dienstposten Luftbetankungsmeister bei der Flugbereitschaft sei am 13. Juni 2008 weggefallen. Damit

bestehe spätestens seit diesem Zeitpunkt eine zwingende dienstliche Notwendigkeit für die Wegversetzung. Soweit der Antragsteller sich gegen die Änderung der Stärke- und Ausrüstungsnachweisung wende, verkenne er, dass die

Änderung oder Streichung einer bestimmten Stelle oder einer bestimmten Stellencodierung in der Stärke- und Ausrüstungsnachweisung keine anfechtbare

Maßnahme im Sinne des § 17 Abs. 3 WBO darstelle. Hinsichtlich der behaupteten „völligen Planlosigkeit“ sei darauf hinzuweisen, dass im Rahmen der

durchgeführten Auslastungsprüfungen und aufgrund von Verzögerungen bei

der Einführung des A 310 MRTT erst im Juni 2008 endgültig entschieden worden sei, die zunächst eingerichteten Dienstposten mangels Auslastung und

Begründbarkeit wieder zu streichen. Lange Zeit hätten durch den verzögerten

Zulauf des A 310 MRTT keine ausreichenden Erfahrungen und keine gesicher-

ten Erkenntnisse vorgelegen, sodass der Zeitraum der zweijährigen „Friedenspflicht“ fast vollständig ausgeschöpft worden sei. Auf diese „Friedenspflicht“

könne sich der Antragsteller im Übrigen nicht erfolgreich berufen, weil die

zugrundeliegende Besondere Anweisung lediglich die organisatorischen Rahmenbedingungen der Bearbeitung der Stärke- und Ausrüstungsnachweisung für

die beteiligten Dienststellen regele, gegenüber dem einzelnen Soldaten jedoch

keine individuellrechtlich schützende Funktion entfalte.

14Wegen der weiteren Einzelheiten des Sachverhalts wird auf den Inhalt der Akten Bezug genommen. Die Beschwerdeakte des Bundesministers der Verteidigung - PSZ I 7 - Az.: - und die Personalgrundakte des Antragstellers haben

dem Senat bei der Beratung vorgelegen.

II

15Der Anfechtungsantrag, der sich sinngemäß auch gegen den Beschwerdebescheid des Bundesministers der Verteidigung vom 1. August 2008 richtet, ist

zulässig, aber unbegründet.

16Zwar hat der Antragsteller seine Beschwerde vom 1. April 2008 nur gegen die

ihm mit Schreiben der Stammdienststelle der Bundeswehr vom 31. März 2008

eröffnete Vororientierung seiner Versetzung auf den Dienstposten Teileinheit/Zeile beim …kommando der Luftwaffe eingelegt, er war jedoch nicht

gehalten, nach Erlass der Versetzungsverfügung Nr. vom 8. Mai 2008 die

Beschwerde gegen diese Verfügung zu erneuern. Nach der Rechtsprechung

des Senats muss eine nach Kenntnisnahme von der eröffneten Vororientierung,

aber vor Erhalt der förmlichen Versetzungsverfügung eingelegte Beschwerde

gegen die Versetzung nach Eröffnung der Versetzungsverfügung nicht

wiederholt werden (vgl. z.B. Beschluss vom 29. Januar 2008 - BVerwG 1 WB

10.07 - nicht veröffentlicht in Buchholz 449 § 3 SG Nr. 42>).

17Die Versetzungsverfügung der Stammdienststelle der Bundeswehr vom 8. Mai

2008 in der Fassung der 1. Korrektur vom 7. Juli 2008 ist in der Gestalt des Be-

schwerdebescheides des Bundesministers der Verteidigung vom 1. August

2008 rechtmäßig und verletzt den Antragsteller nicht in seinen Rechten.

18Ein Soldat hat grundsätzlich keinen Anspruch auf eine bestimmte fachliche oder

örtliche Verwendung oder auf Verwendung auf einem bestimmten Dienstposten. Ein dahingehender Anspruch lässt sich auch nicht aus der Fürsorgepflicht ableiten. Vielmehr entscheidet der zuständige Vorgesetzte oder die zuständige personalbearbeitende Stelle über die Verwendung, sofern hierfür ein

dienstliches Bedürfnis besteht, nach pflichtgemäßem Ermessen. Diese Ermessensentscheidung kann der Senat nach Maßgabe des § 17 Abs. 3 Satz 2 WBO

und des § 114 VwGO auf Ermessensfehler überprüfen. Die angefochtene Versetzungsentscheidung weist keine Rechts- oder Ermessensfehler auf.

19Das ihm nach § 3 Abs. 1 SG zustehende Verwendungsermessen hat das Bundesministerium der Verteidigung im Sinne der Gewährleistung einer gleichmäßigen Verwaltungspraxis (Art. 3 Abs. 1 GG) - unter anderem - in den Richtlinien

zur Versetzung, zum Dienstpostenwechsel und zur Kommandierung von Soldaten vom 3. März 1988 (VMBl S. 76) in der zuletzt am 11. August 1998 (VMBl

S. 242) geänderten Fassung - Versetzungsrichtlinien - gebunden und in Nr. 5

dieser Versetzungsrichtlinien mehrere Regelbeispiele des dienstlichen Bedürfnisses für Weg- und Zuversetzungen festgelegt. Für die vom Antragsteller in

erster Linie angefochtene Wegversetzung von seinem Dienstposten bei der

Flugbereitschaft besteht ein dienstliches Bedürfnis.

20Nach Nr. 5 Buchst. c der Versetzungsrichtlinien ist das dienstliche Bedürfnis für

eine (Weg-)Versetzung gegeben, wenn der Dienstposten des Soldaten weggefallen ist. Entsprechendes gilt nach der Rechtsprechung des Senats, wenn der

Dienstposten zum Versetzungs- bzw. Umsetzungsstichtag wegfallen wird (Beschlüsse vom 25. September 2002 - BVerwG 1 WB 30.02 - Buchholz 236.1 § 3

SG Nr. 30, vom 10. Oktober 2002 - BVerwG 1 WB 40.02 - und vom 10. März

2004 - BVerwG 1 WB 55.03 -). Die Regelung der Nr. 5 Buchst. c setzt inzident

voraus, dass im Zeitpunkt der Ausübung des Ermessens vor der beabsichtigten

Versetzung die definitive Entscheidung über den Wegfall des Dienstpostens

bereits gefallen ist und deshalb feststeht, dass die Rechtsgrundlage für die weitere Verwendung des Soldaten auf diesem innegehabten Dienstposten fehlt.

21Hier stand zwar weder zum Versetzungsstichtag 1. April 2008 noch im Zeitpunkt des Erlasses der Versetzungsverfügung am 8. Mai 2008 das Datum des

definitiven Wegfalls des bisherigen Dienstpostens des Antragstellers fest. Diese

Entscheidung ist erst am 13. Juni 2008 vom dafür zuständigen Luftwaffenamt

(Abteilung Personalstruktur, Organisation, Controlling, Aufwandsbegrenzung,

Rationalisierung) getroffen worden, auf das - nach Darstellung des Bundesministers der Verteidigung, der der Antragsteller nicht entgegengetreten ist -

die beim Bundesministerium der Verteidigung - L I 4 - liegende Entscheidungszuständigkeit delegiert worden war. In dem hier vorliegenden Fall, dass

dem Antrag auf gerichtliche Entscheidung ein Beschwerdeverfahren vorangegangen ist, ist Gegenstand der Überprüfung jedoch nicht (isoliert) die ursprüngliche Maßnahme, sondern die Maßnahme in der Gestalt, die sie durch die Entscheidung über die Beschwerde erhalten hat. Das ergibt sich aus einer entsprechenden Anwendung des § 79 Abs. 1 Nr. 1 VwGO (Beschluss vom 12. August 2008 - BVerwG 1 WB 35.07 - BVerwGE 132, 1 <7> = Buchholz 450.1 § 19

WBO Nr. 2 = NZWehrr 2009, 69; vgl. nunmehr § 23a Abs. 2 WBO n.F.). Der

Bundesminister der Verteidigung hat im Beschwerdebescheid vom 1. August

2008 die Wegversetzung ausdrücklich auf den am 13. Juni 2008 eingetretenen

Wegfall des bisherigen Dienstpostens des Antragstellers gestützt. Das dienstliche Bedürfnis für die Wegversetzung des Antragstellers war damit noch vor

dem Termin seines Dienstantritts auf dem Dienstposten beim Waffensystemkommando am 8. Juli 2008 gegeben. Für die Rechtsstellung eines Soldaten

werden Versetzungen nach Nr. 12 Abs. 1 ZDv 14/5 Teil B 171 (erst) mit dem

Tag des tatsächlichen Dienstantritts wirksam. Über den bevorstehenden Wegfall seines bisherigen Dienstpostens war der Antragsteller im Personalgespräch

am 18. Oktober 2007 und zuvor im Personalgespräch am 11. Januar 2005 informiert worden.

22Die Ermessensentscheidung über die Wegversetzung des Antragstellers ist

auch im Übrigen rechtlich nicht zu beanstanden. Sie war insbesondere nicht

durch eine „Friedenspflicht“ gebunden, in deren Rahmen eine Änderung der

Stärke- und Ausrüstungsnachweisung nicht erneut beantragt werden kann. Die

vom Bundesminister der Verteidigung vorgelegte Besondere Anordnung (Bes-

AnEr-/BearbSTAN) 502/301 sieht in Nr. 303 eine „Friedenspflicht“ in der Form

vor, dass Änderungsanträge zu einer bereits haushaltsseitig gebilligten Stärkeund Ausrüstungsnachweisung erst dann zulässig sind, wenn nach Einnahme

der neuen Struktur/Ablauforganisation oder Realisierung einer neuen/anderen

Aufgabenstellung entsprechend ausreichende Erfahrungen und gesicherte Erkenntnisse vorliegen, die eine Änderung der Stärke- und Ausrüstungsnachweisung erfordern, grundsätzlich frühestens zwei Jahre nach Inkrafttreten der Stärke- und Ausrüstungsnachweisung. Diese Regelung richtet sich erkennbar nur

an die mit der Dienstpostenplanung und -bewirtschaftung betrauten Dienststellen der Bundeswehr; sie greift weder mittelbar noch unmittelbar in die individuellen Rechte einzelner Soldaten ein.

23Soweit der Antragsteller inzident die Änderung der Stärke- und Ausrüstungsnachweisung für Dienstposten in der Flugbereitschaft angreift, verkennt er, dass

die Änderung von Dienstposten in der Stärke- und Ausrüstungsnachweisung

auf einer organisatorischen Maßnahme des Bundesministers der Verteidigung

beruht, die die individuelle Rechtssphäre eines Soldaten nicht tangiert. Diese

Maßnahmen unterliegen nach ständiger Rechtsprechung des Senats nicht der

wehrdienstgerichtlichen Kontrolle (vgl. Beschlüsse vom 11. Dezember 2003

- BVerwG 1 WB 26.03 - und vom 23. Juni 2004 - BVerwG 1 WB 25.03 -

nicht veröffentlicht in Buchholz 236.1 § 3 SG Nr. 34>). Lediglich in

Ausnahmefällen, in denen die Änderung einer Stärke- und Ausrüstungsnachweisung gezielt gegen die förderliche Verwendung eines bestimmten förderungsfähigen Soldaten gerichtet ist und insofern keine sachlichen, sondern persönliche Gründe hat, kommt eine wehrdienstgerichtliche Überprüfung der darauf beruhenden Verwendungsentscheidung unter diesem speziellen Aspekt in

Betracht (Beschluss vom 11. Dezember 2003 - BVerwG 1 WB 26.03 - m.w.N.).

Dafür bietet der vorliegende Fall jedoch keine Anhaltspunkte.

24Das dienstliche Bedürfnis für die Zuversetzung des Antragstellers auf den

Dienstposten Stabsdienstfeldwebel Streitkräfte, Teileinheit/Zeile …, beim

…kommando der Luftwaffe ergibt sich aus Nr. 5 Buchst. a der Versetzungsrichtlinien. Danach ist das dienstliche Bedürfnis für eine (Zu-)Versetzung gegeben, wenn - wie hier - ein Dienstposten zu besetzen ist. Dies stellt der Antragsteller selbst nicht in Frage, wie er die Zuversetzungsentscheidung der

Stammdienststelle auch im Übrigen nicht substanziiert angreift.

25Persönliche Hinderungsgründe im Sinne der Nr. 6 und Nr. 7 der Versetzungsrichtlinien hat der Antragsteller nicht geltend gemacht. Solche sind für den Senat auch nicht ersichtlich.

26Mit dem Vortrag, die Stammdienststelle habe - entgegen der Zusage im Personalgespräch am 18. Oktober 2007 - nicht innerhalb von zwei bis drei Wochen

ihre Entscheidung über seine künftige Verwendung mitgeteilt, rügt der Antragsteller die Art und Weise der Verfahrensbehandlung durch eine Dienststelle

der Bundeswehr. Dieser Streitgegenstand ist jedoch nach ständiger Rechtsprechung des Senats in isolierter Form einer wehrdienstgerichtlichen Kontrolle entzogen. Lediglich die Abschlussentscheidung über die Verwendung kann gerichtlich überprüft werden (Beschlüsse vom 26. Februar 2008 - BVerwG 1 WB

47.07 -, vom 25. Juni 2008 - BVerwG 1 WB 23.07 - Buchholz 450.1 § 17 WBO

Nr. 72 = NZWehrr 2009, 26 und vom 27. Mai 2009 - BVerwG 1 WB 18.09 -).

27Die Versetzungsverfügung ist auch formell nicht zu beanstanden.

28Auf die Schutzfrist in Nr. 21 der Versetzungsrichtlinien kann sich der Antragsteller nicht berufen, denn die hier streitige Versetzung ist nicht mit einem Wechsel

des Standortverwaltungsbereichs verbunden. Ferner ist nicht ersichtlich, dass

die Stammdienststelle ihre Entscheidung ohne Anhörung des Antragstellers getroffen hätte. Im Schreiben der Stammdienststelle vom 21. Juni 2007 und im

Personalgespräch vom 18. Oktober 2007 ist ihm diese Versetzung bereits als

Option bekannt gegeben worden; er hatte anschließend hinreichend Gelegenheit, sich zu der beabsichtigten Personalmaßnahme zu äußern.

Golze RiBVerwG Dr. Deiseroth Dr. Langer ist wegen Krankheit gehindert zu unterschreiben.

Golze

BVerwG: wohnsitz in der schweiz, wohnsitz im ausland, ausbildung, liechtenstein, aeuv, ohne erwerbstätigkeit, subjektives recht, besuch, unzumutbarkeit, anwendungsbereich

5 C 19.11 vom 10.01.2013

BVerwG: vollziehung, gebärdensprache, kunst, aussetzung, verfahrenskosten, download, link, ermessen, presse

9 VR 4.13 vom 28.05.2013

BVerwG (treu und glauben, rechtliches gehör, zivildienst, verwaltungsgericht, rechtssatz, bundesverwaltungsgericht, einberufung, beschwerde, ausbildung, zdg)

6 B 107.08 vom 22.08.2007

Anmerkungen zum Urteil