Urteil des BVerwG vom 19.01.2010, 1 B 22.09

Aktenzeichen: 1 B 22.09

Anhörung, Fürsorgepflicht, Hinweispflicht, Gefahr

BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

BESCHLUSS

BVerwG 1 B 22.09 VGH 10 B 09.476

In der Verwaltungsstreitsache

hat der 1. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 19. Januar 2010 durch die Präsidentin des Bundesverwaltungsgerichts Eckertz-Höfer, den Richter am Bundesverwaltungsgericht Richter und die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Fricke

beschlossen:

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 14. Juli 2009 wird zurückgewiesen.

Der Kläger trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.

Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Beschwerdeverfahren auf 5 000 festgesetzt.

Gründe:

1Die auf die Revisionszulassungsgründe der grundsätzlichen Bedeutung der

Rechtssache 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) und des Verfahrensmangels 132

Abs. 2 Nr. 3 VwGO) gestützte Beschwerde hat keinen Erfolg.

2Die Beschwerde hält die Frage für grundsätzlich bedeutsam, „ob die möglicherweise falschen Angaben des Klägers im Asylverfahren“ eine Straftat bzw.

eine Ordnungswidrigkeit darstellen. Sie macht damit - von allem anderen abgesehen - nicht ersichtlich, wie es bei einer Grundsatzrüge erforderlich ist, dass

sich in einem Revisionsverfahren in dem von der Beschwerde angesprochenen

Zusammenhang eine grundsätzlich klärungsbedürftige und entscheidungserhebliche Frage des revisiblen Rechts stellen würde, die über den Einzelfall des

Klägers hinaus von allgemeiner Bedeutung ist. In Wahrheit rügt die Beschwerde

die Sachverhalts- und Beweiswürdigung des Berufungsgerichts in Bezug auf die

vom Kläger begangenen Rechtsverstöße. Dies kann jedoch nicht zur Zulassung

der Revision führen.

3Auch der von der Beschwerde geltend gemachte Verfahrensmangel führt nicht

zur Zulassung der Revision. Die Beschwerde bringt vor, das Berufungsgericht

hätte den Kläger in der mündlichen Verhandlung darauf hinweisen müssen,

dass er keine Fragen beantworten müsse, die ihn der Gefahr der Strafverfolgung aussetzten. Die Beschwerde bezieht sich in diesem Zusammenhang auf

die bei der informatorischen Anhörung des Klägers gestellte Frage, ob der Kläger eine Erlaubnis der beklagten Ausländerbehörde gehabt habe, „seinen“

Landkreis zu verlassen, sowie auf Fragen in Bezug auf Gültigkeit und Vorlage

seines Nationalpasses. Unabhängig davon, ob und ggf. in welcher Weise unter

den hier gegebenen Umständen eine verfahrensrechtliche Hinweis- bzw. Fürsorgepflicht des Berufungsgerichts bestanden hat, legt die Beschwerde nicht

dar, dass die fraglichen Angaben des Klägers in der Berufungsverhandlung

über das hinaus gegangen sind, was zuvor bereits den Akten zu entnehmen

war (vgl. etwa Schriftsatz des Klägers vom 23. April 2009 an das Berufungsgericht zu den Passfragen sowie die Ausländerakte zur Frage der Verlassenserlaubnis). Dies ist auch sonst nicht ersichtlich. Im Übrigen hat sich das Berufungsgericht nicht für Straftaten des Klägers interessiert, sondern für Verstöße

gegen Rechtsvorschriften im Sinne des § 55 Abs. 2 Nr. 2 AufenthG, die zum

Teil Ordnungswidrigkeiten dargestellt haben. Die Beklagte weist zu Recht darauf hin, dass diese Ordnungswidrigkeiten Jahre zurücklagen und im Zeitpunkt

der Berufungsverhandlung nicht mehr geahndet werden konnten. Insofern hätte

die Beschwerde auch von daher näher erläutern müssen, woraus sich eine

Hinweispflicht des Gerichts ergeben haben soll.

4Der Senat sieht von einer weiteren Begründung ab 133 Abs. 5 Satz 2

Halbs. 2 VwGO).

5Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 2 VwGO. Die Streitwertfestsetzung ergibt sich aus § 47 Abs. 1 und 3 sowie aus § 52 Abs. 2 GKG.

Eckertz-Höfer Richter Fricke

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