Urteil des BVerfG vom 12.04.2013, 2 BvR 759/13

Aktenzeichen: 2 BvR 759/13

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BUNDESVERFASSUNGSGERICHT

- 2 BvR 759/13 -

In dem Verfahren über die Verfassungsbeschwerde

des Herrn H...

gegen den Beschluss des Landgerichts Giessen vom 5. April 2013 - 2 StVK-Vollz.

118/13 -

hier: Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung

hat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch

die Richterin Lübbe-Wolff,

den Richter Landau

und die Richterin Kessal-Wulf

gemäß § 32 Abs. 1 in Verbindung mit § 93d Abs. 2 BVerfGG in der Fassung der

Bekanntmachung vom 11. August 1993 ( BGBl I S. 1473 ) am 12. April 2013

einstimmig beschlossen:

Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung wird abgelehnt.

Gründe:

1. Der strafgefangene Beschwerdeführer beantragt den Erlass einer einstweiligen

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Anordnung dahingehend, dass der zuständigen Justizvollzugsanstalt im Rahmen

einer Besuchsüberstellung die Fesselung des Beschwerdeführers untersagt werde.

a) Gemäß § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bundesverfassungsgericht im Streitfall

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einen Zustand durch einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur Abwehr

schwerer Nachteile, zur Verhinderung drohender Gewalt oder aus einem anderen

wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend geboten ist. Dabei haben die Gründe,

die für die Verfassungswidrigkeit des angegriffenen Hoheitsakts vorgetragen werden,

grundsätzlich außer Betracht zu bleiben, es sei denn, die Verfassungsbeschwerde

erwiese sich als von vornherein unzulässig oder offensichtlich unbegründet. Muss der

Ausgang des Verfassungsbeschwerdeverfahrens als offen angesehen werden, sind

die Folgen, die eintreten würden, wenn die einstweilige Anordnung nicht erginge, die

Verfassungsbeschwerde später aber Erfolg hätte, gegen die Nachteile abzuwägen,

die entstünden, wenn die begehrte einstweilige Anordnung erlassen würde, der

Verfassungsbeschwerde der Erfolg aber zu versagen wäre (vgl. BVerfGE 91, 70

<74 f.> ; 105, 365 <370 f.>; stRspr). Eine einstweilige Anordnung kann nur ergehen,

wenn diese Abwägung ein deutliches Überwiegen der Gründe ergibt, die für den

Erlass der Anordnung sprechen (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten

Senats vom 15. November 2006 - 2 BvQ 63/06 -, juris; Beschluss der 3. Kammer des

Zweiten Senats vom 30. Juli 2009 - 2 BvR 1422/09 -, juris; Beschluss der 3. Kammer

des Zweiten Senats vom 3. Februar 2011 - 2 BvR 132/11 -, juris; Beschluss der 3.

Kammer des Zweiten Senats vom 10. Februar 2012 - 2 BvR 228/12 -. juris).

b) Danach ist eine einstweilige Anordnung hier nicht zu erlassen. Zwar ist die

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Verfassungsbeschwerde nicht offensichtlich unbegründet. Die gebotene Abwägung

führt jedoch zu dem Ergebnis, dass die begehrte einstweilige Anordnung nicht

ergehen kann, weil die für den Erlass einer einstweiligen Anordnung sprechenden

Belange nicht in der erforderlichen Weise deutlich überwiegen.

Ergeht die einstweilige Anordnung nicht, erweist sich die Verfassungsbeschwerde

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aber später als begründet, muss der Beschwerdeführer einen Grundrechtseingriff in

Form einer verdeckten Fesselung (sog. Hamburger Fessel) während des

Rücktransports von Berlin nach Butzbach hinnehmen. Nach den Annahmen, von

denen im vorliegenden Verfahren die Justizvollzugsanstalt und die

Strafvollstreckungskammer ausgegangen sind und die beim gegenwärtigen

Verfahrensstand nach den hier maßgeblichen Abwägungsgrundsätzen hypothetisch

als zutreffend zu unterstellen sind (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des

Zweiten Senats vom 3. Februar 2011 - 2 BvR 132/11 -, juris; Beschluss der 3.

Kammer des Zweiten Senats vom 10. Februar 2012 - 2 BvR 228/12 -. juris), ist die

Fesselung jedoch erforderlich, um ein Entweichen des wegen Mordes zu einer

lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilten Beschwerdeführers zu verhindern.

Unter diesen Umständen kann das erforderliche deutliche Überwiegen der für den

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Erlass einer einstweiligen Anordnung sprechenden Gründe nicht festgestellt werden

(vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 3. Februar 2011 - 2

BvR 132/11 -, juris).

2. Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

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Lübbe-Wolff Landau Kessal-Wulf

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