Urteil des BPatG vom 26.06.1999, 30 W (pat) 162/01

Aktenzeichen: 30 W (pat) 162/01

BPatG: verwechslungsgefahr, gesamteindruck, form, aluminium, winter, rauch, grundstoff, unterliegen, trennung, eugh

BUNDESPATENTGERICHT

30 W (pat) 162/01

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(Aktenzeichen)

BESCHLUSS

In der Beschwerdesache

betreffend die angegriffene Marke 399 07 009

BPatG 152

6.70

hat der 30. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der

Sitzung vom 4 März 2002 unter Mitwirkung des Vorsitzenden Richters

Dr. Buchetmann, der Richterin Winter und des Richters Schramm

beschlossen:

Die Beschwerde der Inhaberin der angegriffenen Marke wird zurückgewiesen.

Gründe

I.

In das Markenregister unter der Nr 399 07 009 eingetragen und am 26. Juni 1999

veröffentlicht worden ist

siehe Abb. 1 am Ende

ua für folgende Waren der Klassen 6, 7 und 8:

"unedle Metalle und deren Legierungen; Waren aus Metall, soweit

in Klasse 6 enthalten; Baumaterialien aus Metall; transportable

Bauten aus Metall; Schienenbaumaterial aus Metall; Kabel und

Drähte aus Metall (nicht für elektrische Zwecke); Schlosserwaren

und Kleineisenwaren; Metallrohre; Geldschränke; Halbzeuge aus

Leichtmetall in Form von Profilen, Schienen, Blechen und Platten;

Abdeckkappen (Endstücke) für vorgenannte Waren aus Metall

oder Kunststoff; Lochschienen (als Halbzeuge); Fensterbänke aus

Metall, Regenschutzschienen für Fenster und Türen; Maschinen

für die Metall- und/oder Kunststoffverarbeitung; Werkzeugmaschinen; Hand- und Maschinenwerkzeuge; Leichtmetall-Profilkonstruktionen als Maschinenteile; handbetätigte Werkzeuge; handbetätigte Geräte für den Maschinenbau sowie für die Bautechnik".

Widerspruch erhoben hat die Inhaberin der älteren, seit dem 27. Juli 1994 ua für

Waren der Klassen 6, 7 und 8, nämlich

"Baumaterialien aus Metall; transportable Bauten aus Metall,

Schlosserwaren und Kleineisenwaren; Metallrohre; Geldschränke,

Transportbehälter und –paletten aus Metall, Lager- und Werkzeugkästen aus Metall; Metallprofile; Leitern aus Metall; Waren

aus Metall (soweit in Klasse 6 enthalten); Transport-, Hebe- und

Fördergeräte sowie –maschinen; Räder und Rollen sowie Rollenund Röllchenbahnen als Teile vorgenannter Maschinen, Verpackungsmaschinen; Handwerkeuge, handbetätigte Geräte für die

Produktionsbetriebstechnik und die Bautechnik, Messerschmiedewaren"

eingetragenen Marke 2 073 102

Die Markenstelle für Klasse 6 des Deutschen Patent- und Markenamts hat die Eintragung der angegriffenen Marke wegen Verwechslungsgefahr teilweise gelöscht,

nämlich hinsichtlich der Waren der Klassen 6, 7 und 8 und im Übrigen den Widerspruch zurückgewiesen. Begründend ist ausgeführt, daß im Umfang der teilweisen

Löschung Warenähnlichkeit zu bejahen sei, da die beiderseitigen Waren unter den

Oberbegriff "Metallwaren" fielen. Da die angegriffene Marke durch die Buchstabenkombination "RBB" geprägt werde, führe dies zu Verwechslungen mit der Widerspruchsmarke.

Die Inhaberin der angegriffenen Marke hat Beschwerde eingelegt, diese aber in

der Sache nicht begründet.

Die Inhaberin der angegriffenen Marke beantragt,

den angefochtenen Beschluß aufzuheben und den Widerspruch in

vollem Umfang zurückzuweisen.

Die Widersprechende hat im Beschwerdeverfahren keine Erklärungen abgegeben.

Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Beschluß der Markenstelle Bezug

genommen.

II.

Die zulässige Beschwerde hat in der Sache keinen Erfolg. Es besteht auch nach

Auffassung des Senats Verwechslungsgefahr.

Die Beurteilung der Verwechslungsgefahr erfolgt durch Gewichtung von in Wechselbeziehung zueinanderstehenden Faktoren, insbesondere der Ähnlichkeit der

Marken, der Ähnlichkeit der damit gekennzeichneten Waren sowie der Kennzeichnunskraft der Widerspruchsmarke, so daß ein geringer Grad der Ähnlichkeit

der Waren durch einen hohen Grad der Ähnlichkeit der Marken ausgeglichen werden kann und umgekehrt (ständige Rechtsprechung zB EuGH MarkenR 1999, 22

- CANON; BGH MarkenR 1999; 297 - HONKA; BGH MarkenR 2000, 359

- BAYER/BeiChem; MarkenR 2001, 204, 205 - REVIAN/EVIAN).

Der Senat geht bei seiner Entscheidung von einer durchschnittlichen Kennzeichnungskraft und damit von einem normalen Schutzumfang der Widerspruchsmarke

aus, da entgegenstehende Anhaltspunkte nicht ersichtlich sind. Zum Zeitpunkt

ihrer Eintragung hatte sie zwar nur Schutz als Gesamtzeichen, nicht als Buchstabenzeichen (vgl § 4 Abs 2 Nr 1 WZG). Mit dem Inkrafttreten des Markengesetzes

(1.1.1995) ist indessen das abstrakte Schutzhindernis von Buchstaben entfallen,

so daß auch die Bewertung des Schutzes der Marke insoweit nach der neuen

Rechtslage zu erfolgen hat, weil die angegriffene Marke erst nach dem

1. Januar 1995 angemeldet worden ist (vgl dazu BPatG Mitt 2001, 391 mtv). Konkrete Schutzhindernisse bezüglich der Buchstabenfolge "RBB" sind nicht feststellbar und auch von den Beteiligten nicht vorgetragen.

Eine Verwechslungsgefahr kann vorliegend dann ernsthaft in Betracht gezogen

werden, wenn für die Beurteilung der Ähnlichkeit der Buchstabenmarke der Widersprechenden mit der angegriffenen Kombinationsmarke in dieser der Bestandteil "RBB" selbständig kollisionsbegründende Bedeutung hat. Davon ist nach

den von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen auszugehen. Die angegriffene Gesamtmarke wird allein durch "RBB" geprägt.

Selbständig kollisionsbegründend ist einer von mehreren Markenbestandteilen

nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs dann, wenn er den Gesamteindruck der mehrgliedrigen Marke prägt; davon ist auszugehen, wenn die übrigen

Markenteile für die angesprochenen Verkehrskreise in einer Weise zurücktreten,

daß sie für den Gesamteindruck vernachlässigt werden können (BGH MarkenR

2000, 20 - RAUSCH/ELFI RAUCH). Für die Prägung des Gesamteindrucks kommen kennzeichnungsschwache bzw schutzunfähige Bestandteile nicht in Betracht;

ebensowenig kann von einer Prägung des Gesamteindrucks durch einen Markenbestandteil ausgegangen werden, wenn sich dieser nur als gleichwertig mit ande-

ren Markenbestandteilen darstellt (vgl Althammer/Ströbele MarkenG 6. Aufl § 9

Rdn 160, 180 mwN). Anhaltspunkte für Schutzhindernise hinsichtlich der Buchstabenkombination "RBB" liegen nicht vor. Demgegenüber treten die weiteren Bestandteile "Aluminium" und "Profiltechnik" in der angegriffenen Marke zurück; sie

können zur Beschreibung der Art, der Beschaffenheit oder der Bestimmung der

verfahrensgegenständlichen Waren dienen 8 Abs 2 Nr 2 MarkenG) und werden

deshalb bei der Zeichenbenennung gerne vernachlässigt. Damit stehen sich bei

Benennungen der Marken "RBB" und "RBB" gegenüber. Unter diesen Umständen

bedarf es im Bereich der Waren eines erheblichen Abstandes, um der Verwechslungsgefahr zu begegnen. Ein solcher Abstand liegt nicht vor.

Zwischen den beiderseitigen Waren besteht im Umfang der Teillöschung Identität

bzw enge Ähnlichkeit im markenrechtlichen Sinn; letzteres gilt auch, soweit den

Waren "Unedle Metalle und deren Legierungen; ...Halbzeuge aus Leichtmetall in

Form von Profilen, Schienen, Blechen und Platten; Lochschienen (als Halbzeuge)"

der angegriffenen Marke auf der Seite der Waren der Widerspruchsmarke zB

"Baumaterialien aus Metall; Metallprofile; Waren aus Metall..." Fertigprodukte gegenüberstehen. Vorprodukte und daraus hergestellte Halbfertig- und Fertigerzeugnisse sind zwar dann nicht ähnlich, wenn sie in verschiedenen Betrieben hergestellt bzw vertrieben werden, unterschiedlichen Zwecken dienen und sich auch

nicht an die gleichen Abnehmer wenden. Das läßt sich vorliegend aber nicht feststellen. Die Vertriebswege zwischen den Halbzeugen einerseits und den Fertigprodukten andererseits unterscheiden sich im Bereich der Metallindustrie nicht

maßgeblich. So ist etwa Warengleichartigkeit zwischen "Baustoffen aus Metall"

und "gewalzten und gegossenen Bauteilen, Maschinenguß, Formmetallteilen" bejaht worden (vgl Richter/Stoppel, Die Ähnlichkeit von Waren und Dienstleistungen,

11. Aufl, S 79, Stichwort "Baustoffe aus Metall"), ebenso zwischen "Metallhalbfabrikaten aus Messing, ...Aluminium, nämlich Bänder, Drähte..." und "Rohrleitungen" (Richter aaO S 235) sowie "unedlen Metallen und Legierungen, gegossen, geschmiedet oder gewalzt als Formteile" und "Waren aus Metall, nämlich

Knopf, Schnallenteile" (Richter aaO S 338). Auch kann keine klare Trennung zwi-

schen Herstellern der Halb- und Endprodukte gezogen werden. Bei "Baumaterialien aus Metall; Metallprofile; Waren aus Metall...", für die die Widerspruchsmarke

auch geschützt ist, kann es sich um Produkte handeln, die aus unedlen Metallen

und deren Legierungen bestehen, ohne daß ein ins Gewicht fallender, spezieller

und speziellen Industriezweigen zuordenbarer Verarbeitungsprozeß notwendig ist,

sondern bei denen die wesentliche Wertschätzung durch den Grundstoff bestimmt

wird (vgl BGH aaO Bayer/BeiChem, Althammer/Ströbele aaO § 9 Rdn 70 ff).

Hinzu kommt, daß jedenfalls einzelne Fertigteile auch regelmäßig von den Metallherstellern selbst (mit-)produziert werden (zB Profile). Im vorliegenden Fall müssen auch die Abnehmerkreise der beiderseitigen Waren nicht differieren.

Auch wenn zu Gunsten der Inhaberin der angegriffenen Marke davon auszugegangen wird, dass sich die gegenüberstehenden Waren regelmäßig nicht an das

allgemeine Publikum wenden, sondern an jeweils abgegrenzte Abnehmerkreise,

die dem Fachpublikum zuzuordnen sind und schon deshalb der Gefahr von

Markenverwechslungen nur eingeschränkt unterliegen, schließt das hier unter den

gegebenen Umständen die Verwechslungsgefahr nicht hinreichend sicher aus.

Zu einer Auferlegung von Kosten aus Billigkeitsgründen besteht keine Veranlassung 71 Abs 1 Satz 1 MarkenG).

Dr. Buchetmann Winter Schramm

Hu

Abb. 1

Letze Urteile des Bundespatentgerichts

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2 ZA (pat) 10/14 vom 30.04.2015

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