Urteil des BPatG vom 06.07.2005, 24 W (pat) 123/05

Aktenzeichen: 24 W (pat) 123/05

BPatG: edelmetall, papier, unterscheidungskraft, haushalt, begriff, verkehr, eugh, kunststoff, unternehmen, novum

BUNDESPATENTGERICHT

24 W (pat) 123/05

_______________________

(Aktenzeichen)

BESCHLUSS

In der Beschwerdesache

betreffend die Markenanmeldung 305 12 925.2

hat der 24. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der

Sitzung vom 10. Oktober 2006 unter Mitwirkung

BPatG 152

08.05

beschlossen:

Auf die Beschwerde der Anmelderin wird der Beschluss der Markenstelle für Klasse 3 des Deutschen Patent- und Markenamts

vom 6. Juli 2005 aufgehoben.

Gründe

I.

Die Wortmarke

Absolutum

ist für die folgenden Waren der Klassen 3, 14, 16, 18, und 21 zur Eintragung in

das Register angemeldet worden:

Klasse 3:

Wasch- und Bleichmittel; Putz-, Polier-, Fettentfernungs- und

Schleifmittel; Seifen; ätherische Öle; Mittel zur Körper- und

Schönheitspflege; Haarwässer; Zahnputzmittel; Parfümeriewaren;

Parfüms; Toilettewasser; Parfümerieöle; ätherische Essenzen;

Pfefferminz für Parfümeriewaren; pflanzliche Aromastoffe (ätherische Öle); Duftholz; Duftwasser; Deodorants für den persönlichen

Gebrauch (Parfümerieartikel); Antitranspiranten (schweißhemmende Toilettemittel); desinfizierende Seifen; desodorierende

Seifen; medizinische Seifen; schweißhemmende Seifen; Seifen

gegen Fußschweiß; Toilettemittel (Körperpflege); Toilettenseifen;

Färbemittel für Toilettezwecke; Farbentfernungsmittel; Bleichmittel

für kosmetische Zwecke; Haarfärbemittel; Haarspray; Haar-

waschmittel; Shampoos; Haarwasser; Enthaarungsmittel; Hautcreme (kosmetisch); Lotionen für kosmetische Zwecke; Öle für

Körper- und Schönheitspflege; Öle für kosmetische Zwecke; Rosenöl; Kölnischwasser; Kosmetika; Lippenstifte; Make-up;

Schminke; Schminkmittel; Schminkpuder; Kosmetiknecessaires

(gefüllt); Kosmetikstifte; Badesalze, nicht für medizinische Zwecke;

kosmetische Badezusätze; Mandelmilch für kosmetische Zwecke;

Mundpflegemittel, nicht für medizinische Zwecke; Atemfrischesprays; Nagelpflegemittel; Neutralisierungsmittel für Dauerwellen;

Onduliermittel für Haare; Pomaden für kosmetische Zwecke; Rasiermittel; Rasierseife; Rasiersteine (antiseptisch); Rasierwasser;

Räuchermittel (Duftstoffe); Reinigungsmilch für Körper- und

Schönheitspflege; Schönheitsmasken; Talkumpuder für Toilettezwecke; Watte für kosmetische Zwecke; Wattestäbchen für kosmetische Zwecke; Weichspülmittel für Wäsche; Duftstoffe für die

Wäsche; Augenbrauenkosmetika; Augenbrauenstifte; Wimpernkosmetika; Wimperntusche (Mascara), künstliche Nägel, künstliche Wimpern; Klebestoffe für kosmetische Zwecke; Klebstoffe für

künstliche Wimpern; Schuhcreme; Schuhwichse; Schusterpech;

Schusterwachs; Ziermotive für kosmetische Zwecke.

Klasse 14:

Edelmetalle und deren Legierungen sowie daraus hergestellte

oder damit plattierte Waren, soweit sie nicht in anderen Klassen

enthalten sind; Juwelierwaren; Schmuckwaren; Edelsteine; Uhrenund Zeitmeßinstrumente; Juwelierwaren; Ketten (Schmuckwaren);

Halsketten (Schmuck); ringe (Schmuck); Ohrringe; Schlüsselanhänger (Fantasie-, Schmuckwaren); Schmucknadeln; Manschettenknöpfe; Krawattennadeln; Silberschmuck; Gold- und Silberwaren (ausgenommen Messerschmiedewaren; Gabeln und Löffel);

Halbedelsteine; Gegenstände aus Goldimitat; Geldbörsen aus

Edelmetall; Strass (Edelsteinimitation); Hutverzierungen (aus

Edelmetall); Medaillen; Medaillons (Schmuck); Broschen

(Schmuck); Schmuckkästen aus Edelmetall; Abzeichen aus Edelmetall; Amulette (Schmuckwaren); Anstecknadeln (Schmuckwaren); Armbänder (Schmuck); Banknotenklammern; Behälter aus

Edelmetall, für Haushalt oder Küche; Bernsteinschmuck; Beschläge für Geschirre aus Edelmetall; Bonbonnieren aus Edelmetall; Büsten aus Edelmetall; Dosen aus Edelmetall; Doubléwaren

(Edelmetall); Draht aus Edelmetall (Schmuck); Edelmetalle (roh

oder teilweise bearbeitet); Edelsteine; Gefäße aus Edelmetall, für

Haushalt und Küche; Handtuchhalter aus Edelmetall; Haushaltsgeräte aus Edelmetall, Kabaretts (Servierplatten) aus Edelmetall;

Kaffeekocher, aus Edelmetall (nicht elektrisch); Kaffeeservice aus

Edelmetall; Teedosen aus Edelmetall; Tee-Eier aus Edelmetall;

Teekannen aus Edelmetall; Teeservice aus Edelmetall; Teesiebe

aus Edelmetall; Kästen aus Edelmetall; Kerzenauslöscher aus

Edelmetall; Kerzenleuchter aus Edelmetall; Kerzenmanschetten

aus Edelmetall; Körbe aus Edelmetall für den Haushalt; Krüge aus

Edelmetall; Küchengefäße aus Edelmetall; Küchengeräte aus

Edelmetall; Kunstgegenstände aus Edelmetall; Kupferjetons;

Münzen; Nadeletuis aus Edelmetall; Nadeln aus Edelmetall;

Nussknacker aus Edelmetall; Pfefferstreuer aus Edelmetall; Platten aus Edelmetall; Puderdosen aus Edelmetall; Schnallen aus

Edelmetall; Schuhverzierung (aus Edelmetall); Schüsseln aus

Edelmetall; Serviettenringe aus Edelmetall; Siebe aus Edelmetall;

Silbergeschirr; Silbergespinste; Streichholzschachteln aus Edelmetall; Streichholzständer aus Edelmetall; Suppenschüsseln aus

Edelmetall; Tabletts aus Edelmetall für den Haushalt; Tafelaufsätze aus Edelmetall; Tafelgeschirr aus Edelmetall; Tafelservice

aus Edelmetall; Tassen aus Edelmetall; Untertassen aus Edelmetall; Teller aus Edelmetall; Vasen aus Edelmetall; Eierbecher

aus Edelmetall; Essig- und Ölkännchen aus Edelmetall; Essigund Ölständer aus Edelmetall; Flakons aus Edelmetall; Zeitmessgeräte; Zeitmessinstrumente; Uhren; Armbanduhren; Taschenuhren; Pendeluhren, Solaruhren; elektrische Uhren; Stoppuhren;

Chronografen (Uhren); Chronometer (Zeitmesser); Uhrenarmbänder; Uhrenbeweger; Uhrenetuis; Uhrengehäuse; Uhrengehäuse

(Taschenuhren); Uhrenpendel; Uhrenschmucketuis; Uhrfedern;

Uhrgläser; Uhrketten; Uhrkettenanhänger (Berlocken); Uhrwerke;

Uhrzeiger; Anker für Uhren; Federgehäuse für Uhren; Zifferblätter

für Uhren; Zeigerwerke für Uhren; Zentraluhren; Wecker.

Klasse 16:

Papier; Pappe (Karton) und Waren aus diesen Materialien, soweit

sie nicht in anderen Klassen enthalten sind; Druckereierzeugnisse;

Fotografien; Schreibwaren; Klebstoffe für Papier- und Schreibwaren oder für Haushaltszwecke; Künstlerbedarfsartikel; Pinsel;

Schreibmaschinen und Büroartikel (ausgenommen Möbel); Lehrund Unterrichtsmittel (ausgenommen Apparate); Verpackungsmaterial aus Kunststoff, soweit es nicht in anderen Klassen enthalten ist; Drucklettern; Büromaterialien aus Papier; zur Typisierung einer Corporate Identity mit spezifischen Kennzeichen versehen; Druckereierzeugnisse; Schülerbedarf (Papier- und Schreibwaren); Schriften, Veröffentlichungen; Zeitschriften, Magazine;

Zeitungen; Kataloge; Broschüren; Prospekte; Rundschreiben; Abreißkalender; Alben; Notizbücher; Einbände; Postkarten; Anzeigekarten; Glückwunschkarten; Schulungsmaterialien aus Papier;

Handbücher; Comic-Hefte; Etiketten, nicht aus Textilstoffen; Aufkleber, Stickers aus Papier; Abziehbilder; Bilder; Fahnen, Wimpel

aus Papier; Folien aus Kunststoff für Verpackungszwecke; Folien

aus regenerierter Zellulose für Verpackungszwecke; Formulare,

Formblätter; grafische Darstellungen; grafische Reproduktionen;

Hüllen; Karteikarten; Schreibunterlagen; Stempel; Papier; Briefpapier; Holzpapier; Papiertüten; Schachteln aus Pappe oder aus Papier; Kartonagen; Pappe; Klebebänder für Papier- und Schreibwaren, Packpapier; Plakate aus Papier und Pappe; Plakatträger aus

Papier oder Pappe; Schilder aus Papier und Pappe; Transparente;

Verpackungsbeutel, -hüllen, -taschen aus Papier oder Kunststoff;

Verpackungsmaterial aus Karton; Verpackungsmaterial aus

Stärke; Viskosefolien für Verpackungszwecke; Zeitpläne; Farbkästen, Lätzchen aus Papier, Malkästen, Platzdeckchen, Sets aus

Papier; Tischdecken aus Papier; Tischtücher aus Papier.

Klasse 18:

Leder und Lederimitationen sowie Waren daraus, soweit sie nicht

in anderen Klassen enthalten sind; Reise- und Handkoffer; Regenschirme, Sonnenschirme und Spazierstöcke; Kunstleder; Lederbezüge für Möbel; Ledergurte; Lederimitationen; Lederriemen

(Lederstreifen); Lederzeug; Möbelüberzüge aus Leder; Schlüsseletuis (Lederwaren); Schulterriemen; Umhängeriemen; Reisenecessaires (Lederwaren); Handkoffergriffe; Reisetaschen; Rucksäcke; Taschen mit Rollen; Handtaschen; Handtaschenkarkassen;

Hüfttaschen (Wimmerl); Dokumentenkoffer; Schulranzen; Tornister (Ranzen); Schultaschen; Aktentaschen; Dokumentenmappen; Kartentaschen [Brieftaschen]: Jagdtaschen; Badetaschen;

Kleidersäcke für die Reise; Kosmetikkoffer; Brieftaschen; Notenmappen; Kindertragetaschen; Campingtaschen; Einkaufsnetze;

Einkaufstaschen; Geldbörsen (Geldbeutel); Geldbörsen, nicht aus

Edelmetall; Werkzeugtaschen aus Leder (leer); Kästen aus Leder

oder aus Lederpappe; Hutschachteln aus Leder; Dosen aus Leder

oder Lederpappe; Kästen und Dosen aus Vulkanfiber; Schachteln

aus Leder oder Lederpappe;

Regenschirmgriffe; Gehstöcke; Stöcke (Spazierstöcke), Schirmfutterale; Schirmgestänge; Schirmringe; Schirmstöcke; Sonnenschirme.

Klasse 21:

Geräte und Behälter für Haushalt und Küche (nicht aus Edelmetall

oder plattiert); Kämme, Schwämme, Bürstenmaterial; Putzzeug;

Glaswaren, Porzellan und Steingut, soweit sie nicht in anderen

Klassen enthalten sind; Abfalleimer; Aerosolzerstäuber, nicht für

medizinische Zwecke; Augenbrauenbürsten; Babybadewannen

[tragbare]; Babyflaschenwärmer [nicht elektrisch]; Becher, nicht

aus Edelmetall; bemalte Glaswaren; Bierkrüge; Bonbonnieren,

nicht aus Edelmetall; Bürsten und Bürstenwaren, insbesondere

zur Körper- und Schönheitspflege, auch aus Porzellan, Ton oder

Glas; Butterdosen und -glocken; Chinesische Porzellanwaren;

Eierbecher, nicht aus Edelmetall; Elektrische Bürsten (ausgenommen Maschinenteile); Elektrische Kämme; Elektrische Zahnbürsten; Emailliertes Glas; Flaschen, Feldflaschen; Flakons, nicht

aus Edelmetall; Formen für Eiswürfel; Glasbehälter und -gefäße;

Glaskugeln; Isolierflaschen; Isoliergefäße für Getränke und/oder

Nahrungsmittel; Kammetuis; Keksdosen; Kühltaschen; Kunstgegenstände aus Porzellan, Ton oder Glas; Papier- oder Plastikbecher; Papierteller; Parfümzerstäuber; Proviantdosen; Puderdosen,

nicht aus Edelmetall; Seifendosen; Seifenspender; Sparbüchsen,

nicht aus Metall; Statuen aus Porzellan, Ton oder Glas; Steingutwaren; Tabletts, aus Papier, für den Haushalt; Tabletts, nicht aus

Edelmetall, für den Haushalt; Tafelaufsätze, nicht aus Edelmetall;

Tafelgeschirr, nicht aus Edelmetall; Tafelservice, nicht aus Edelmetall; Tassen, nicht aus Edelmetall; Teedosen, nicht aus Edel-

metall; Teekannen, nicht aus Edelmetall; Teeservice, nicht aus

Edelmetall; Teller, nicht aus Edelmetall; Toilettenecessaires;

Töpfe; Topfhandschuhe; Trinkgefäße, Trinkgläser, Trinkhörner,

Vasen, nicht aus Edelmetall; Zahnbürsten; Zuckerdosen, nicht aus

Edelmetall.

Mit Beschluss vom 6. Juli 2005 hat die mit einer Beamtin des höheren Dienstes

besetzte Markenstelle für Klasse 3 des Deutschen Patent- und Markenamts die

Anmeldung wegen Fehlens jeglicher Unterscheidungskraft gemäß §§ 8 Abs. 2

Nr. 1, 37 Abs. 1 MarkenG zurückgewiesen. Zur Begründung hat sie im Wesentlichen ausgeführt, der Begriff „Absolutum“ werde von den Verkehrskreisen dahingehend verstanden, dass es sich bei den mit diesem Begriff gekennzeichneten Waren um solche handele, die vollkommen und ideal in ihrer Konstruktion seien. Zwar

sei der Begriff „Absolutum“ lexikalisch nicht nachweisbar, aufgrund ähnlich gebildeter Worte wie beispielsweise „Novum“, „Maximum“, „Unicum“, „Factum“ usw.

werde dieser jedoch ohne weiteres als Wortbildung im Sinne von „absolut“ verstanden. Folglich gebe der als Marke angemeldete Begriff „Absolutum“ keinen

Hinweis auf ein bestimmtes Unternehmen, sondern weise in glatt beschreibender,

sloganartiger Form auf die Perfektion der Waren hin. Um zu diesem Verständnis

des Begriffes „Absolutum“ zu gelangen, sei keine Analyse des Begriffs notwendig,

da es sich hierbei um ein allgemein verständliches Wort handele. Ob der Begriff

„Absolutum“ auch im Sinne von § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG freihaltebedürftig sei,

könne dahingestellt bleiben.

Hiergegen richtet sich die Beschwerde der Anmelderin. Sie trägt vor, dass gemäß

höchstrichterlicher Rechtsprechung jede, wenn auch noch so geringe Unterscheidungskraft ausreiche, um die Eintragbarkeit eines Zeichens zu begründen. Im

Rahmen der Prüfung der Unterscheidungskraft sei von der Markenstelle nicht hinreichen gewürdigt worden, dass zwischen der Bezeichnung „Absolutum“ und den

von der Anmeldung umfassten Waren kein hinreichend enger, beschreibender

Warenbezug bestehe. Der Bundesgerichtshof habe in einem Beschluss vom

24. Juni 1999 - I ZB 45/96 - ausdrücklich festgestellt, dass ein hinreichend enger

Warenbezug zwischen der Bezeichnung „ABSOLUT“ und beispielsweise der Ware

„Wodka“ nicht gegeben sei. Um dennoch von einem Fehlen jeglicher Unterscheidungskraft ausgehen zu können, hätte daher die Markenstelle feststellen müssen,

dass es sich bei der Bezeichnung „Absolutum“ um ein gängiges und alltägliches

Wort der deutschen Sprache handele, so dass der Verkehr dieses stets nur als

solches, nicht jedoch auch als Unterscheidungsmittel auffassen würde. Dies sei

jedoch nicht der Fall. Die Markenstelle habe auch keine Feststellungen dazu getroffen, dass der Verkehr infolge einer entsprechenden werbemäßigen Verwendung des Begriffs „Absolutum“ diesen tatsächlich als eine werbeüblich anpreisende Aussage verstehe. Die Bezeichnung „Absolutum“ sei dagegen eine neu

gebildete Wortkombination, der kein eindeutiger Bedeutungsinhalt, insbesondere

auch nicht eine Bedeutung im Sinne von „absolut“ zugesprochen werden könne.

Die Anmelderin beantragt sinngemäß,

den angefochtenen Beschluss der Markenstelle aufzuheben.

Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Inhalt der Akten Bezug genommen.

II.

Die zulässige Beschwerde der Anmelderin hat in der Sache Erfolg. Nach Auffassung des Senats stehen der Eintragung der angemeldeten Marke keine absoluten

Schutzhindernisse entgegen, insbesondere ist die als Marke angemeldete Bezeichnung „Absolutum“ nicht als Angabe zu beurteilen, der jegliche Unterscheidungskraft im Sinne von § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG fehlt.

Unterscheidungskraft im Sinn der genannten Bestimmungen ist die einer Marke

innewohnende (konkrete) Eignung, die Waren oder Dienstleistungen, für welche

die Eintragung beantragt wird, als von einem bestimmten Unternehmen stammend

zu kennzeichnen und diese Waren oder Dienstleistungen von denjenigen anderer

Unternehmen zu unterscheiden (vgl. u. a. EuGH GRUR 2003, 514, 517 (Nr. 40)

„Linde, Winward u. Rado“; GRUR 2004, 428, 431 (Nr. 48) „Henkel“; BGH

GRUR 2002, 1070, 1071 „Bar jeder Vernunft“; GRUR 2003, 1050, 1051

„Cityservice“). Die Unterscheidungskraft ist zum einen im Hinblick auf die angemeldeten Waren oder Dienstleistungen und zum anderen im Hinblick auf die beteiligten Verkehrskreise zu beurteilen, wobei auf die mutmaßliche Wahrnehmung

eines normal informierten und angemessen aufmerksamen und verständigen

Durchschnittsverbrauchers der fraglichen Waren oder Dienstleistungen abzustellen ist (vgl. u. a. EuGH GRUR 2003, 514, 517 (Nr. 41) „Linde, Winward u. Rado“;

GRUR 2004, 428, 431 (Nr. 50) „Henkel“; GRUR 2006, 411, 412 (Nr. 24) „Matratzen Concord/Hukla“). Ausgehend hiervon besitzt eine Bezeichnung regelmäßig

dann eine hinreichende Unterscheidungskraft, wenn ihr die angesprochenen

Verkehrskreise für die in Rede stehenden Waren oder Dienstleistungen keinen im

Vordergrund stehenden beschreibenden Begriffsinhalt zuordnen können und die

Marke von diesen auch nicht als Werbeslogan, Qualitätshinweis, Aufforderung

zum Kauf oder aus sonstigen Gründen nicht als Unterscheidungsmittel verstanden

wird (vgl. u. a. EuGH GRUR 2004, 674, 678 (Nr. 86) „Postkantoor“; GRUR

Int. 2005, 224, 226 (Nr. 44) „DAS PRINZIP DER BEQUEMLICHKEIT“; BGH

GRUR 2005, 417, 418 „BerlinCard“). Dies trifft auf die als Marke angemeldete

Bezeichnung „Absolutum“ bezogen auf die von ihr umfassten Waren zu.

Das Wort „Absolutum“ kann von dem lateinischen Verb „absolvere“ (ablösen, losmachen, befreien, vollenden, zu Ende bringen) hergeleitet werden, dessen Perfektpartizip „absolutum“ lautet, das wiederum z. B. für die Bedeutungen „in sich

abgeschlossen“, „vollendet“, „vollständig“, „vollkommen“, „unabhängig“, „uneingeschränkt“, „unbedingt“ und auch - wie die Markenstelle in der angegriffenen Entscheidung insoweit zutreffend ausgeführt hat - für die Bedeutung „absolut“ stehen

kann (Langenscheidts Großwörterbuch der lateinischen Sprache, Menge-Güthling,

Teil 1, 16. Aufl., 1967, Stichworte: „absolutus“, „absolvo“). Fremdsprachigen An-

gaben wie „Absolutum“ ist die erforderliche Unterscheidungskraft nur dann abzusprechen, wenn ihre die Unterscheidungskraft ausschließende Bedeutung von den

beteiligten inländischen Verkehrskreisen erkannt werden kann (vgl. EuGH

GRUR 2006, 411, 413 (Nr. 32) „Matratzen Concord/Hukla“). Wie die Markenstelle

zutreffend festgestellt hat, ist „Absolutum“ im Inland weder lexikalisch nachweisbar

noch handelt es sich bei diesem Ausdruck um eine Bezeichnung, die als solche in

die deutsche Umgangs- oder Werbesprache eingegangen ist. Nichts anderes

ergibt sich auch aus der von der Markenstelle im Internet durchgeführten

Recherche, deren Ergebnis keine beschreibende, sondern eher eine

markenmäßige Verwendung des Wortes „Absolutum“ belegt. Für die beteiligten

inländischen Verkehrskreise drängt sich daher bei der Bezeichnung „Absolutum“

ein eindeutiger Sinngehalt nicht auf. Jedenfalls kann der Ansicht der Markenstelle

nicht gefolgt werden, dass der Verkehr mit diesem Wort einen konkreten im

Vordergrund stehenden, beschreibenden Begriffsinhalt verbindet. Die von der

Markenstelle angenommenen Begriffsinhalte „vollkommen“, „ideal“ oder „perfekt“

erschließen sich nicht unmittelbar, sondern sind allenfalls das Ergebnis einer

analysierenden Betrachtung, wie sie der Verkehr jedoch nicht anzustellen pflegt

(vgl. Ströbele/Hacker, Markengesetz, 8. Aufl., § 8 Rdn. 54). Das Fehlen jeglicher

Unterscheidungskraft bei der Bezeichnung „Absolutum“ kann auch nicht damit

begründet werden, der Verkehr werde sich im Zusammenhang mit der hier in

Rede stehenden Bezeichnung ähnlicher ihm bekannter Wortbildungen wie z. B.

„Novum“, „Maximum“, „Factum“ oder „Unicum“ besinnen. Diese Begriffe sind zwar

auch der lateinischen Sprache entnommen, haben sich aber im deutschen

Sprachgebrauch mit allgemein verständlichen und bekannten Bedeutungsinhalten

durchgesetzt. Insoweit unterscheiden sie sich wesentlich von dem Wort

„Absolutum“, das gerade keinen Eingang in den deutschen Sprachschatz

gefunden hat.

Ein vordergründiger, einen Herkunftshinweis ausschließender Begriffsinhalt ergibt

sich bei der Bezeichnung „Absolutum“ auch nicht aus einer begrifflichen Gleichsetzung mit dem in der deutschen Sprache bekannten Wort „absolut“. Zwar er-

scheint der Vortrag der Anmelderin, der Entscheidung des Bundesgerichtshofs

vom 24. Juni 1999 (BGH GRUR 1999, 1096, 1097 „ABSOLUT“) sei die verbindliche Feststellung einer hinreichenden Unterscheidungskraft des Wortes

„ABSOLUT“ für die Ware „Wodka“ zu entnehmen, nicht ohne weiteres überzeugend. Letztlich kann die Frage der Unterscheidungskraft des Begriffs „absolut“

aber dahingestellt bleiben. Selbst wenn diesem geläufigen Ausdruck als allgemeinem Werbebegriff für bestimmte Waren die erforderliche Unterscheidungskraft

abzusprechen wäre, könnte eine solche Bewertung nicht ohne weiteres auch auf

die angemeldete Marke „Absolutum“ übertragen werden. Gerade die Bekanntheit

des deutschen Begriffs „absolut“ steht einer Gleichsetzung mit dem fremdsprachigen Wort „Absolutum“ entgegen, das durch die zusätzliche Endung „-um“ eine

durchaus auffällige Veränderung erfährt. In diesem Zusammenhang ist nicht zu

verkennen, dass die bloße Möglichkeit einer inhaltlichen Bezugnahme auf einen

bekannten Begriff die hinreichende Unterscheidungskraft einer abgewandelten

Angabe noch nicht ohne weiteres ausschließt (vgl Ströbele/Hacker, a. a. O., § 8

Rdn. 88).

Mangels eines beschreibenden Aussagegehalts der als Marke angemeldeten Bezeichnung „Absolutum“ ist letztlich auch das Schutzhindernis des § 8 Abs. 2 Nr. 2

MarkenG zu verneinen.

gez.

Unterschriften

Letze Urteile des Bundespatentgerichts

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2 ZA (pat) 10/14 vom 30.04.2015

Urteil vom 23.07.2015

2 Ni 20/13 (EP) vom 23.07.2015

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