Urteil des BPatG vom 10.07.2001, 24 W (pat) 30/01

Aktenzeichen: 24 W (pat) 30/01

BPatG: beschreibende angabe, marke, patent, ware, verkehr, unterscheidungskraft, forschung, datenverarbeitung, eigenschaft

BUNDESPATENTGERICHT

24 W (pat) 30/01 _______________ Verkündet am 10. Juli 2001

(Aktenzeichen)

BESCHLUSS

In der Beschwerdesache

betreffend die Markenanmeldung 398 26 594.1

hat der 24. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts auf die

mündliche Verhandlung vom 10. Juli 2001 unter Mitwirkung des Richters

Dr. Hacker als Vorsitzenden, des Richters Dr. Schmitt und der Richterin Werner

BPatG 154

6.70

beschlossen:

Auf die Beschwerde der Anmelderin wird der Beschluß der Markenstelle für Klasse 42 des Deutschen Patent- und Markenamts

vom 18. August 1999 aufgehoben.

Gründe

I.

In das Register als Marke eingetragen werden soll die Bezeichnung

TopScan

ursprünglich für

"Dienstleistungen aus dem Bereich der wissenschaftlichen und industriellen Forschung; Dienstleistungen beim Erstellen von Programmen für die Datenverarbeitung; Dienstleistungen aus dem

Bereich des Vermessungswesens, nämlich der Erfassung und

Verarbeitung topographischer Information".

Die Markenstelle für Klasse 42 des Deutschen Patent- und Markenamts hat die

Anmeldung zurückgewiesen mit der Begründung, die angemeldete Marke sei freihaltungsbedürftig und nicht unterscheidungskräftig. Die Begriffskombination

"TopScan" beschreibe lediglich die Art und Bestimmung der damit gekennzeichneten Dienstleistungen, in dem sie darauf hinweise, daß die Anmelderin topographische Daten erfasse und aufbereite.

Die Anmelderin hat Beschwerde eingelegt. Im Laufe des Beschwerdeverfahrens

hat sie das Dienstleistungsverzeichnis eingeschränkt durch den Zusatz ", sämtliche vorgenannten Dienstleistungen ausgenommen das Scannen von Daten".

Insoweit verfolgt sie ihr Eintragungsbegehren weiter mit dem (sinngemäßen) Antrag,

den angefochtenen Beschluß aufzuheben.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sachverhalts wird auf den Inhalt der Akten

Bezug genommen.

II.

Die Beschwerde ist nach Einschränkung des ursprünglichen Dienstleistungsverzeichnisses durch den Zusatz ", sämtliche vorgenannten Dienstleistungen ausgenommen das Scannen von Daten" begründet.

In diesem dienstleistungsmäßigen Umfang scheitert die Eintragung der angemeldeten Marke nicht an den Vorschriften des § 8 Abs 2 Nr 1 und 2 MarkenG.

Die Wortzusammenfügung "TopScan" stellt für die jetzt noch beanspruchten

Dienstleistungen keine freihaltungsbedürftige beschreibende Angabe im Sinne von

§ 8 Abs 2 Nr 2 MarkenG dar. Von dieser Bestimmung werden nur solche Wörter

bzw Wortzusammenfügungen erfaßt, die einen unmittelbaren Waren- oder

Dienstleistungsbezug aufweisen, also die im Gesetz im einzelnen aufgeführten

Angaben beinhalten oder sonstige Merkmale der Waren oder Dienstleistungen

oder unmittelbar mit ihnen in Beziehung stehende Umstände bezeichnen (vgl BGH

GRUR 1999, 1093, 1094 "FOR YOU"; vgl auch BGH GRUR 2000, 882, 883 "Bücher für eine bessere Welt"). Der angemeldeten Wortzusammenfügung fehlt es in-

soweit an einem entsprechenden Dienstleistungsbezug. Sie bezeichnet weder

eine Eigenschaft oder ein sonstiges Merkmal der jetzt noch beanspruchten

Dienstleistungen, noch einen für den Wirtschaftsverkehr wichtigen und für die

umworbenen Kundenkreise irgendwie bedeutsamen Umstand mit Bezug auf diese

Dienstleistungen.

Das Markenwort "TopScan" besteht aus den beiden Bestandteilen "Top" und

"Scan". Dabei kann dahinstehen, ob das Präfix "Top" soviel wie "besonders gut"

bedeutet oder als Verkürzung von "Topo" für Begriffe wie "Ort, Stelle" etc steht.

Denn das Grundwort "Scan", das fachbegrifflich als Verb oder als Verkürzung von

"Scanning, Scanner" alltäglich ist und auf die Tätigkeit des Abtastens von Daten

(Informationen) hinweist (vgl BPatG BlPMZ 1989, 219 f "CYTOSCAN; BGH MarkenR 2001, 304, 305 "GENESCAN"), verfügt nicht mehr über einen beschreibenden Aussagegehalt im oben dargelegten Sinne, nachdem der das Dienstleistungsverzeichnis nunmehr einschränkende Zusatz klarstellt, daß die beanspruchten Dienstleistungen erbracht werden, ohne daß etwa topographische Daten mit einem Scanner abgetastet werden.

Der angemeldeten Wortzusammenfügung "TopScan" kann auch nicht die gemäß

§ 8 Abs 2 Nr 1 MarkenG erforderliche Unterscheidungskraft abgesprochen werden. Entsprechend den vorherigen Ausführungen ist dem Markenwort "TopScan"

kein für die fraglichen Dienstleistungen im Vordergrund stehender beschreibender

Begriffsgehalt zuzuordnen (vgl BGH GRUR 2001, 162, 163 "RATIONAL SOFT-

WARE CORPORATION"). Auch handelt es sich weder um einen gebräuchlichen

Ausdruck der deutschen bzw der englischen Sprache, der vom Verkehr stets nur

als solcher und nicht als betriebliches Unterscheidungsmittel verstanden wird (vgl

BGH GRUR 1999, 1089, 1091 "YES"), noch sprechen sonstige Umstände gegen

die Eignung der angemeldeten Marke, in Zusammenhang mit den noch

beanspruchten Dienstleistungen als betrieblicher Herkunftshinweis verstanden zu

werden.

Der Beschwerde ist somit stattzugeben.

Dr. Hacker Werner Dr. Schmitt

br/Bb

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