Urteil des BPatG vom 24.02.2003, 29 W (pat) 82/03

Entschieden
24.02.2003
Schlagworte
Bestandteil, Gleichbehandlung im unrecht, Verkehrsdurchsetzung, Unterscheidungskraft, Gestaltung, Datenbank, Begriff, Werbung, Geschäftsführung, Anbieter
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BUNDESPATENTGERICHT

29 W (pat) 82/03

_______________________

(Aktenzeichen)

BESCHLUSS

In der Beschwerdesache

betreffend die Markenanmeldung 302 22 037.2

hat der 29. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der

Sitzung vom 24. September 2003 durch die Vorsitzende Richterin Grabrucker, die

Richterin Pagenberg und die Richterin k.A. Fink

beschlossen:

BPatG 152

10.99

Der Beschluss der Markenstelle für Klasse 38 des Deutschen Patent- und Markenamts vom 24. Februar 2003 wird aufgehoben, soweit die Anmeldung für die Dienstleistungen „Werbung; Geschäftsführung, Unternehmensverwaltung, Büroarbeiten; Unterhaltung;

sportliche und kulturelle Aktivitäten“ zurückgewiesen wurde.

Im Übrigen wird die Beschwerde zurückgewiesen.

Gründe

I.

Die Wortmarke

XtraSMS-Spaß

ist am 30. April 2002 für die Waren und Dienstleistungen der

Klasse 9:

Elektrische und elektronische, optische, Mess-, Signal-, Kontroll- oder Unterrichtsapparate und –instrumente (soweit in Klasse 9 enthalten); Apparate zur Aufzeichnung, Übertragung, Verarbeitung und Wiedergabe von Ton, Bild und/oder Daten;

maschinenlesbare Datenaufzeichnungsträger, Chip-Karten; Datenverarbeitungsgeräte und Computer;

Klasse 35:

Werbung; Geschäftsführung, Unternehmensverwaltung, Büroarbeiten;

Klasse 38:

Telekommunikation; Betrieb und Vermietung von Geräten und Einrichtungen für

die Telekommunikation;

Klasse 41:

Unterhaltung; sportliche und kulturelle Aktivitäten;

Klasse 42:

Gestaltung von Telefonansagen für Dritte; Erstellen von Programmen für die Datenverarbeitung; Dienstleistungen einer Datenbank, nämlich Vermietung von

Zugriffszeiten zu und Betrieb von Datenbanken; Projektierung und Planung von

Einrichtungen für die Telekommunikation

zur Eintragung in das Markenregister angemeldet worden.

Die Markenstelle für Klasse 38 des Deutschen Patent- und Markenamts hat die

Anmeldung mit Beschluss vom 24. Februar 2003 wegen fehlender Unterscheidungskraft zurückgewiesen. Bei dem Bestandteil „Xtra“ handele es sich um die

lautmalerische Schreibweise des Wortes „extra“, das in Wortverbindungen etwas

Zusätzliches, Besonderes ausdrücke. Der Bestandteil „SMS“ sei die allgemein

bekannte Abkürzung des Begriffs „Short Message Service“, der die Möglichkeit

der Übermittlung kurzer Textmitteilungen über das Handy beschreibe. Der weitere

Bestandteil „Spaß“ sei aus sich heraus verständlich. Die sprachüblich gebildete

Kombination bedeute in ihrer Gesamtheit daher soviel wie „besonderer SMS-

Spaß“. In Verbindung mit den beanspruchten Waren und Dienstleistungen verstehe der angesprochene Verkehr das Zeichen daher lediglich als beschreibenden

Hinweis auf deren Inhalt und Zweckbestimmung.

Die Anmelderin hat Beschwerde eingelegt. Zwar handele es sich bei „SMS“ um

die verbreitete Abkürzung des Begriffs „short message service“, der die Möglichkeit bezeichne mittels Mobilfunk schriftliche Mitteilungen zu versenden und zu

empfangen. Hingegen stelle „Xtra“ nicht die gebräuchliche Abwandlung des Wortes „Extra“, sondern ein Wortspiel dar, bei dem die inhaltliche Bedeutung in den

Hintergrund trete. Als phantasievoller Kombination englisch- und deutschsprachiger Elemente sei „XtraSMS-Spaß“ daher weder freihaltebedürftig noch fehle dem

Zeichen die erforderliche Unterscheidungskraft. Dementsprechend gebe es sowohl hinsichtlich aller drei Bestandteile einschlägige Voreintragungen. Zu berücksichtigen sei außerdem, dass die Anmelderin seit 1997 einen großen Teil ihrer

Waren und Dienstleistungen mit Marken kennzeichne, die mit dem Präfix „Xtra“

gebildet seien. Angesichts der Marktstellung der Anmelderin und der erheblichen

Werbeaufwendungen für die Einführung und Marktdurchsetzung der „XtraCard“

genieße die „Xtra“-Markenfamilie bei den beteiligten Verkehrskreisen eine überdurchschnittliche Bekanntheit. Zum Nachweis der Verkehrsdurchsetzung des

Stammbestandteils „Xtra“ hat die Anmelderin das Ergebnis einer im Februar 2001

durchgeführten Verkehrsbefragung vorgelegt. Danach gaben 51% der Gesamtbevölkerung und 75% der 14- bis 29-jährigen an, die Bezeichnung „Xtra“ im Bereich

Mobilfunk schon einmal gehört oder gesehen zu haben. Die Frage, ob die mit

„Xtra“ bezeichneten Produkte und Dienstleistungen im Mobilfunkbereich von einem ganz bestimmten Anbieter kämen, wurde von 33% der befragten Gesamtbevölkerung und 54% in der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen bejaht. Die Anmelderin

ist der Auffassung, dass der Verkehr in dem angemeldeten Zeichen infolge der

Bekanntheit des Bestandteils „Xtra“ eine Abwandlung dieses Bestandteils bzw

eine Abwandlung der eingetragenen Marke „XtraCard“ erkenne und das Zeichen

daher ohne weiteres als Unternehmenshinweis verstehe.

Sie beantragt sinngemäß,

den angefochtenen Beschluss aufzuheben.

II.

Die zulässige Beschwerde hat in der Sache nur teilweise Erfolg. Dem angemeldeten Zeichen fehlt für die beanspruchten Waren und Dienstleistungen mit

Ausnahme der im Tenor genannten die erforderliche Unterscheidungskraft 8

Abs 2 Nr 1, § 37 Abs 1 MarkenG).

Unterscheidungskraft im Sinne der genannten Vorschrift ist die einer Marke innewohnende konkrete Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungsmittel für die angemeldeten Waren und Dienstleistungen eines Unternehmens gegenüber solchen

anderer Unternehmen aufgefasst zu werden. Bei der Prüfung der Unterscheidungskraft ist grundsätzlich von einem großzügigen Maßstab auszugehen, so

dass auch ein geringes Maß ausreicht, um das Schutzhindernis zu überwinden.

Die Unterscheidungskraft einer Wortmarke fehlt nur dann, wenn das Zeichenwort

eine für die beanspruchten Waren und Dienstleistungen im Vordergrund stehende

Sachaussage darstellt oder es sich um ein gebräuchliches Wort der deutschen

oder einer bekannten Fremdsprache handelt, das vom Verkehr - etwa wegen einer

entsprechenden Verwendung in der Werbung stets nur als solches und nicht als

Unterscheidungsmittel verstanden wird (BGH GRUR 1999, 1089 YES; GRUR

2002, 64 - INDIVIDUELLE). Ersteres ist hier der Fall.

1. Maßgeblich für die Prüfung der Unterscheidungskraft eines Zeichens sind die

Waren und Dienstleistungen, für die das Zeichen Schutz begehrt, und die Wahrnehmung der Verkehrskreise, an die sich diese Waren und Dienstleistungen richten (vgl EuGH GRUR 2001, 1148 - Bravo; EuG WRP 2002, 426 - LITE). Als Abnehmer bzw Empfänger der beanspruchten Waren und Dienstleistungen kommt

der durchschnittlich informierte, aufmerksame und verständige Endverbraucher in

Betracht (vgl EuGH GRUR Int 1998, 795 - Gut Springenheide; BGH GRUR 2002,

812 - FRÜHSTÜCKS-DRINK II).

2. Das angemeldete Zeichen ist sprachüblich aus den beiden Bestandteilen

„XtraSMS“ und „Spaß“ zusammengesetzt. Die Bedeutung der Begriffe „SMS“ und

„Spaß“ haben Anmelderin und Markenstelle insoweit übereinstimmend dargelegt.

Bei „Xtra“ handelt es sich um eine werbeübliche Abwandlung des Wortes „extra“.

Die Verkürzung der Vorsilbe „Ex“ auf den Buchstaben „X“ ist ein in der Werbesprache häufig verwendetes Gestaltungsmittel (vgl BPatG 24 W (pat) 270/97

- XPERTWARE; 26 W (pat) 46/01 - X-TRA; 27 W (pat) 153/97 - X-tra; 28 W (pat)

159/99 - XTREME; 28 W (pat) 59/00 - XPERT; 30 W (pat) 3/02 - PlantXpert). In

Kombination mit Substantiven kennzeichnet der Begriff „Extra“ eine Sache als etwas Zusätzliches, Besonderes, zB Extrablatt, Extraklasse, Extrawurst (vgl Duden,

Deutsches Universalwörterbuch, 4. Aufl 2001, CD-ROM) und gehört damit zu einem der sehr häufig in der Allgemeinsprache vorkommenden und in ihr verwurzelten Wortbildungselemente. Dementsprechend dient er auch als allgemeines

Werbeschlagwort und findet für Waren und Dienstleistungen jedweder Art Verwendung, so auch im beanspruchten Waren- und Dienstleistungsgebiet.

3. Als eine Kombination schutzunfähiger Begriffe fehlt dem Zeichen die erforderliche Unterscheidungskraft. In der Gesamtheit bedeutet „XtraSMS-Spaß“ nämlich

soviel wie „Extra-SMS-Spaß“ und enthält damit auch in der Verbindung der beiden

Bestandteile keinen Aussagegehalt, der über eine beschreibende Bedeutung hinausgeht. Aus den der Anmelderin übersandten Rechercheunterlagen geht hervor, dass der Begriff „Spaß“ ebenso wie das englische Synonym „Fun“ im Zusammenhang mit Mobilfunkkommunikation häufig verwendet wird (vgl zB

www.sendman.de - „Hab Spass mit deinem Handy“; wwww,sms-donkey.com

- „Bist du bereit für den totalen SMS-Fun?“; www.t-mobile.de - „So macht Datensenden Spaß“). Darüber hinaus werden im Internet eine Vielzahl sogenannter

SMS-Sprüche angeboten, die nach Rubriken wie „Humor“ oder „Fun“ geordnet

sind. Angesichts dieser Verwendungen weist das angemeldete Zeichen hinsichtlich der Dienstleistung des Mobilfunks sowie der zugehörigen Geräte lediglich darauf hin, dass sie einen Extra-SMS-Spaß ermöglichen. Wegen des engen sachlichen Zusammenhangs zwischen SMS als einem Datendienst und dem Erstellen

der Software, die die Datenübermittlung technisch ermöglicht, bzw der Projektierung und Planung der zugehörigen Netzwerke und Vermittlungsstellen, erschließt

sich auch bezüglich dieser Dienstleistungen der beschreibende Aussagegehalt

ohne weiteres. Hinsichtlich der „Dienstleistungen einer Datenbank, nämlich Vermietung von Zugriffszeiten zu und Betrieb von Datenbanken“ erschöpft sich das

Zeichen in einer Inhaltsangabe. Das angesprochene Publikum ist bei Datenbanken an thematische Bezeichnungen gewöhnt und wird angesichts der großen

Sachnähe zwischen dem Erstellen einer Datenbank und deren Betrieb auch inso-

weit nur den thematischen Hinweis auf Texte für den Extra-SMS-Spaß erkennen.

Gleiches gilt für die Dienstleistung „Gestaltung von Telefonansagen für Dritte“,

denn auch dabei ist es naheliegend, dass es sich um eine Gestaltung mittels SMS

handelt. In Verbindung mit den nicht im Tenor genannten Waren und Dienstleistungen wird der Verkehr „XtraSMS-Spaß“ daher lediglich als Sachhinweis auf einen zusätzlichen SMS-Spaß auffassen und nicht als einen Hinweis auf einen bestimmten Anbieter. Aus der Tatsache, dass die Abkürzung „SMS“ sowohl zur Bezeichnung des Mobilfunkdienstes als auch für die Textmitteilung selbst verwendet

wird, ergibt sich nichts anderes. Auf dem hier einschlägigen Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie erschöpfen sich beide Bedeutungen in

einem beschreibenden Aussagegehalt, den der Verkehr unmittelbar erfasst.

Ebenso wenig steht die begriffliche Unschärfe des Begriffs „XtraSMS-Spaß“ der

Annahme einer beschreibenden Angabe entgegen. Denn auch wenn sich daraus

nicht konkret entnehmen lässt, worin das Besondere des SMS-Spaßes besteht, ist

der betroffene Themenbereich durch den Begriff „SMS-Spaß“ eingegrenzt und

damit ausreichend beschrieben (vgl BGH GRUR 2000, 882 - Bücher für eine bessere Welt). Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass das angesprochene Publikum

im Bereich der SMS infolge der technischen Gegebenheiten in besonderem Maße

an eine sprachliche Verkürzung auf das Wesentliche gewöhnt ist (vgl Der Sprachendienst 3/03, S 118 - Zur Sprache der SMS-Kommunikation).

4. Der Hinweis der Anmelderin auf die zahlreichen Voreintragungen von Kombinationsmarken mit den Bestandteilen „Xtra“, „SMS“ und „Spaß“ führt zu keiner anderen Beurteilung. Aus der Eintragung gleicher oder vergleichbarer Marken kann

kein Eintragungsanspruch hergeleitet werden, da es sich bei der Entscheidung

über die Eintragbarkeit einer Marke nicht um eine Ermessens-, sondern um eine

gebundene Entscheidung handelt. Zudem muss die Beachtung des Grundsatzes

der Gleichbehandlung mit dem Gebot rechtmäßigen Handelns der Erteilungsbehörde in Einklang gebracht werden, wonach niemand einen Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht hat (vgl EuG MarkenR 2002, 260 - SAT.2).

5. Auch unter Berücksichtigung des Grundsatzes, dass ein zusammengesetztes

Kennzeichen in seiner Gesamtheit schutzfähig sein kann, wenn eines der von

Haus aus schutzunfähigen Elemente sich im Verkehr gemäß § 8 Abs 3 MarkenG

durchgesetzt hat, wie die Beschwerdeführerin dies für den Bestandteil „Xtra“ in

Anspruch nimmt, wird der angesprochene Verkehr in der Bezeichnung „XtraSMS-

Spaß“ keinen Herkunftshinweis erkennen (vgl BGH GRUR 1983, 245 - BEKA Robusta; Fezer, Markenrecht, 3. Aufl 2001, § 8 Rdn 434; Ingerl/Rohnke, MarkenG,

2. Aufl 2003, § 8 Rdn 325; Ströbele/Hacker, MarkenG, 7. Aufl 2003, § 8 Rdn 468).

Weder aus der von der Anmelderin vorgetragenen intensiven Benutzung einer

Vielzahl von „Xtra“-Marken mit anderen Wortverbindungen, noch aus einer etwaigen Durchsetzung des Bestandteils „Xtra“ alleine kann die Schutzfähigkeit abgeleitet werden.

5.1. Die von der Anmelderin vorgelegte Verkehrsbefragung zum Nachweis der

Verkehrsdurchsetzung des Bestandteils „Xtra“ bezieht sich ausschließlich auf den

Mobilfunkbereich, so dass die Verkehrsdurchsetzung grundsätzlich nur für die

Dienstleistung des Mobilfunks und die Mobilfunkgeräte in Betracht kommt. Allerdings genügt die Verkehrsbefragung nicht den von der ständigen Rechtsprechung

für die Durchsetzung eines Zeichens geforderten Ansprüchen. Die Produkte und

Dienstleistungen im Mobilfunkbereich richten sich an die Allgemeinheit der Bevölkerung. Da sich das Spektrum möglicher Nutzer von Mobilfunkdienstleistungen

und –geräten von Kindern und Jugendlichen über die gesamte berufstätige Bevölkerung bis hin zu Seniorinnen und Senioren erstreckt, kann das Ergebnis der

Befragung unter den 14- bis 27jährigen nach Auffassung des Senats nicht

entscheidungserheblich sein. Diese Altersgruppe mag zwar als die begehrteste

Zielgruppe derartiger Waren und Dienstleistungen in Betracht kommen, sie ist

jedoch nicht ausschlaggebend für die Bestimmung der Verkehrskreise im

markenrechtlichen Sinne. Soweit das Ergebnis der Verkehrsbefragung vom

Februar 2001 unter der sogenannten erwachsenen Gesamtbevölkerung ab

14 Jahren einen Zuordnungsgrad von 33% für die Bezeichnung „Xtra“ als Hinweis

auf einen Anbieter im Mobilfunkbereich ergibt, liegt dieser Prozentsatz deutlich

unter dem vom Bundesgerichtshof in ständiger Rechtsprechung verlangten

Durchsetzungsgrad von mindestens 50%, die auch auf Zustimmung in der

Literatur trifft (vgl BGH GRUR 2001, 1042 - REICH UND SCHÖN; Fezer,

Markenrecht, 3. Aufl 2001, § 8 Rdn 432; Ingerl/Rohnke, MarkenG, 2. Aufl 2003,

§ 8 Rdn 336; Ströbele/Hacker, MarkenG, 7. Aufl 2003, § 8 Rdn 468).

5.2. Aber selbst wenn man nicht auf einen bestimmten, fest fixierten Prozentsatz

für die Annahme der Verkehrsdurchsetzung abstellen (vgl EuGH GRUR 1999, 723

- Chiemsee Rdn 52), sondern weitere maßgebliche Kriterien für eine Verkehrsdurchsetzung, insbesondere den Marktanteil der Anmelderin, den Werbeaufwand

und die Dauer der Benutzung, berücksichtigen wollte, können die hierzu von der

Beschwerdeführerin gemachten Angaben nicht stützend für die Annahme einer

Verkehrsdurchsetzung von „Xtra“ herangezogen werden. Nach dem Vortrag der

Anmelderin und ausweislich des vorgelegten Werbematerials verwendet die Anmelderin den Bestandteil „Xtra“ stets in Kombination mit anderen Begriffen zur

Kennzeichnung ihrer Produkte und Dienstleistungen. Marktanteil, Höhe der Werbeaufwendungen sowie Dauer der Benutzung beziehen sich daher nicht auf den

Bestandteil „Xtra“ alleine, sondern gelten zum einen für alle von der Beschwerdeführerin benutzten Marken mit dem Bestandteil „Xtra“ und zum anderen eben nur

für diese Wortverbindungen und nicht für die isolierte Verwendung des Bestandteils „Xtra“. Auch soweit der für die Marke „XtraCard“ getätigte Werbeaufwand gesondert ausgewiesen ist, gilt Gleiches. Diese Aufwendungen können nicht als

Nachweis für eine isolierte Verkehrsdurchsetzung von „Xtra“ gelten.

5.3. Eine Zurückverweisung an das Deutsche Patent- und Markenamt zur Durchführung eines Verkehrsdurchsetzungsverfahrens kam nicht in Betracht, da die Beschwerdeführerin die Verkehrsbefragung vom Februar 2001 bereits als Nachweis

der Verkehrsdurchsetzung vorgelegt hatte und der Senat sie auch als solchen

nach den fachlichen Kriterien einer demoskopischen Umfrage behandelt und in

das Verfahren miteinbezogen hat. Ein darüber hinausgehender Vortrag der Beschwerdeführerin dafür, dass die Durchführung einer erneuten Umfrage aufgrund

möglicher veränderter Umfrageergebnisse seit Februar 2001 zu einem anderen

Ergebnis führen könnte, lag nicht vor. Für den Senat ergaben sich auch keine anderen Anhaltspunkte, denen nachzugehen die Amtsermittlungspflicht geboten

hätte. Insbesondere erscheint der Zeitraum von zweieinhalb Jahren als nicht zu

weit zurückliegend um hier vernünftigerweise von deutlich anderen Ergebnissen

zugunsten der Beschwerdeführerin ausgehen zu müssen.

6. Im Übrigen stünden der Schutzfähigkeit des angemeldeten Zeichens unter Einbeziehung der in der Entscheidung „BEKA Robusta“ des Bundesgerichtshofs zum

Ausdruck kommenden Grundsätze noch folgende Überlegungen entgegen:

6.1. Im vorliegenden Fall ist die Bezeichnung „Xtra“ nicht selbständiger Teil eines

mehrgliedrigen Kennzeichens, sondern bildet mit dem weiteren Bestandteil „SMS“

eine Wortverbindung. Die Binnengrossschreibung des Bestandteils „SMS“ ist eine

übliche grafische Gestaltung, aus der sich nicht die Mehrteiligkeit des Zeichens

ableiten lässt (vgl BPatG 29 (W) pat 208/01 - TeleOffice; 30 (W) pat 244/01 orderView; 32 (W) pat 281/02 - kochSensor; 33 (W) pat 142/00 - EasyTrade). Bereits

aus diesem Grund ist der Fall nicht ohne weiteres übertragbar.

6.2. Die Verbindung der beiden schutzunfähigen Bestandteile ergibt ein neues

Wort mit einem eigenständigen und für die beanspruchten Waren und Dienstleistungen als Sachaussage geeigneten Sinngehalt, in dem der Verkehr das als verkehrsbekannt unterstellte Element „Xtra“ nicht mehr als Herkunftshinweis erkennt.

Der in der Entscheidung „BEKA Robusta“ formulierte Grundsatz, wonach ein aus

zwei schutzunfähigen Bestandteilen zusammengesetztes Zeichen in der Regel

dann schutzfähig ist, wenn sich ein Bestandteil im Verkehr durchgesetzt hat, beruht hingegen auf der Annahme, dass der Verkehr auch im Nebeneinander eines

verkehrsbekannten Elements mit einem weiteren schutzunfähigen Bestandteil regelmäßig den Herkunftshinweis erkennt. Bei den von der Rechtsprechung entwickelten Erfahrungssätzen zur Wahrnehmung von Zeichen kommt es aber stets

auf die Umstände des Einzelfalls an. Dementsprechend hat der Bundesgerichtshof

wiederholt diese Einzelfallprüfung zur Wahrnehmung mehrgliedriger Zeichen

durch den Verkehr betont (zB BGH GRUR 1999, 241 - Lions; GRUR 2000, 233

- RAUSCH/ELFI RAUCH; WRP 2003, 1228 City Plus). Dabei ergibt sich für den

Senat im vorliegenden Fall Folgendes: Der Bestandteil „Xtra“ ist in seiner Verbindung mit der Abkürzung „SMS“ zu einem neuen Gesamtbegriff mit einem eigenständigen, die Waren und Dienstleistungen beschreibenden Sinngehalt geworden,

der vom angesprochenen Publikum nur als solcher und nicht als Kombination eines Herkunftshinweises mit einer beschreibenden Angabe verstanden wird. Denn

als allgemeiner und werbeüblicher Ausdruck der Verstärkung lässt sich das Wort

„extra“ zu einer beliebigen Anzahl von Begriffen verbinden, bei denen jeweils der

weitere Bestandteil die Sachaussage enthält. Dementsprechend ergab die Recherche des Senats in der Wortschatz-Datenbank der Universität Leipzig rund

1.500 Treffer für Wortverbindungen mit dem Begriff „Extra“ und rund 1.100 Treffer

für Zusammensetzungen mit dem Bestandteil „Extra-„ (ohne Mehrfachnennung,

vgl www.wortschatz.uni-leipzig.de). Auf Grund der sprachüblichen Wortbildung

und der Häufigkeit der Verwendung von „extra“ im allgemeinen Sprachgebrauch

erkennt der Verkehr den Bestandteil „Xtra“ daher in dem angemeldeten Zeichen

nur in seiner beschreibenden Bedeutung. Sein unter Umständen möglicher Charakter als herkunftshinweisender Stamm einer Serienmarke ist darin untergegangen und tritt in der Wahrnehmung des Verkehrs vollkommen zurück.

6.3. Des weiteren handelte es sich bei BEKA um ein bereits seit langem im Wege

der Verkehrsdurchsetzung eingetragenes Zeichen, dh es ging um die Besitzstandswahrung und nicht - wie hier - um die Anerkennung der Verkehrsdurchsetzung für einen schutzunfähigen Bestandteil einer Wortverbindung im Rahmen des

Eintragungsverfahrens.

7. Hinsichtlich der Dienstleistungen „Werbung; Geschäftsführung, Unternehmensverwaltung, Büroarbeiten; Unterhaltung; sportliche und kulturelle Aktivitäten“ ist

jedoch die Unterscheidungskraft zu bejahen. Zwar handelt es sich dabei um

Dienstleistungen, die auch mit Hilfe von SMS angeboten oder in Anspruch genommen werden können und damit auch grundsätzlich Gegenstand eines Extra-

SMS-Spaßes sein können. Insoweit besteht aber zum SMS als einer besonderen

Kommunikationsform nur ein mittelbarer Zusammenhang, denn diese Dienstleistungen sind ihrer Art nach unabhängig von der Kommunikationsmitteln, mit den sie

erbracht werden. Das Wort „XtraSMS-Spaß“ bezeichnet oder beschreibt daher

weder wesentliche Merkmale dieser Dienstleistungen noch lässt sich ihm für diese

Dienstleistungen ein im Vordergrund stehender Begriffsgehalt zuordnen, der die

Verkehrskreise von der Vorstellung wegführen könnte, es mit einem Unternehmenshinweis zu tun zu haben.

Grabrucker Pagenberg Fink

Cl

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Anmerkungen zum Urteil