Urteil des BPatG vom 07.10.2003, 33 W (pat) 182/01

Entschieden
07.10.2003
Schlagworte
Allgemeines verwaltungsrecht, Nichtigkeit, Bindungswirkung, Einverständnis, Gleichbehandlung, Offenkundigkeit, Verweigerung, Rückgriff, Analogie, Disposition
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BUNDESPATENTGERICHT

33 W (pat) 182/01

_______________________

(Aktenzeichen)

BESCHLUSS

In der Beschwerdesache

BPatG 152

10.99

betreffend die Marke 394 07 336

hat der 33. Senat des Bundespatentgerichts (Marken-Beschwerdesenat) in der

Sitzung vom 7. Oktober 2003 durch den Vorsitzenden Richter Winkler und die

Richter Baumgärtner und Kätker

beschlossen:

Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Gründe

I.

Die Antragsgegnerin hat am 19. Dezember 1994 die Buchstabenfolge

MQI

für verschiedene Dienstleistungen der Klassen 35, 36, 41 und 42 angemeldet. Auf

den Hinweis der Markenstelle 35 vom 12. September 1995, dass das angemeldete Zeichen als reines Buchstabenzeichen nach den bis zum 31. Dezember 1994

geltenden Vorschriften des Warenzeichengesetzes von der Eintragung ausgeschlossen sei, eine Eintragung aber unter Umständen nach dem ab

1. Januar 1995 in Kraft getretenen Markengesetz in Betracht käme, wenn die Anmelderin innerhalb einer Frist von 2 Monaten ihr Einverständnis mit der Verschiebung des Anmeldetags auf den 1. Januar 1995 erkläre, teilte die Anmelderin mit

Schreiben vom 10. November 1995 mit, dass sie das angemeldete Zeichen bereits nach dem Warenzeichengesetz für schutzfähig halte. Sie bitte die Markenstelle, ihre Bedenken fallen zu lassen und das Zeichen einzutragen. Mit Beschluss

vom 25. Januar 1996 hat die Markenstelle für Klasse 35 die Anmeldung wegen

des absoluten Versagungsgrundes nach § 4 Abs. 2 Nr. 1 WZG i.V.m. § 156 Abs. 4

MarkenG zurückgewiesen, da das Zeichen ein nicht als Wort aussprechbares oder

grafisch besonders ausgestaltetes reines Buchstabenzeichen sei und die Anmelderin sich nicht mit der Verschiebung des Zeitranges einverstanden erklärt habe.

Gegen diesen Beschluss hat die Anmelderin Erinnerung eingelegt und im Rahmen

des Erinnerungsverfahrens mit Schreiben vom 20. Januar 1998, eingegangen

beim Deutschen Patentamt am 29. Januar 1998, die Zustimmung zur Verschiebung des Zeitrangs auf den 1. Januar 1995 erklärt. Mit Beschluss der Markenstelle

für Klasse 35 vom 5. Mai 1998 wurde der Zurückweisungsbeschluss vom 25. Januar 1996 aufgehoben und das angemeldete Zeichen „MQI“ am 28. Oktober 1999

mit dem Zeitrang des 1. Januar 1995 mit der auf die Kommentierung bei Althammer/Ströbele/Klaka (MarkenG 5. Aufl. Rn 14 zu § 156) gestützten Begründung

eingetragen, dass die Anmelderin nicht gehindert gewesen sei, ihre Einverständniserklärung mit der Zeitrangverschiebung erst im Laufe des Erinnerungsverfahrens zu erklären; absolute Schutzhindernisse nach dem Markengesetz stünden

der Eintragung nicht entgegen.

Die Antragstellerin hat Löschungsantrag gestellt, den sie darauf stützt, dass der

angegriffenen Marke die Zeitrangverschiebung zu Unrecht zuerkannt worden sei.

Ihr käme nur der Zeitrang der Anmeldung zu, so dass die Marke nach dem Warenzeichengesetz zu beurteilen sei, nach dem sie als reine Buchstabenmarke

nicht schutzfähig sei. Die Antragsgegnerin hat dem Löschungsantrag rechtzeitig

widersprochen und ist der Auffassung der Antragstellerin entgegengetreten.

Die Löschungsabteilung des Deutschen Patent und Markenamts hat den Löschungsantrag mit Beschluss vom 1. März 2001 als unzulässig verworfen, da er

nicht auf einen gesetzlichen Löschungsgrund gestützt sei. Formelle Mängel des

Eintragungsverfahrens, wie die fehlerhafte Anordnung der Zeitrangverschiebung,

seien nicht mit der Sanktion der Nichtigkeit belegt. Die Antragstellerin trage nur

vor, dass die angegriffene Marke bei Beachtung der gesetzlichen Vorschriften und

dem dann anwendbaren Warenzeichengesetz nicht hätte eingetragen werden

dürfen, nicht aber, dass sie nach dem an ihrem Anmeldetag 1. Januar 1995 für sie

geltenden Markengesetz schutzunfähig war.

Hiergegen richtet sich die Beschwerde der Antragstellerin. Sie trägt vor, dass sie

nicht etwa die im einzelnen dargelegten formellen Mängel des Eintragungsverfahrens als Löschungsgrund angegeben habe. Diese seien vielmehr eine selbstverständliche Vorfrage, um zu klären, nach welchen rechtlichen Vorschriften die

Schutzfähigkeit der angegriffenen Marke zu beurteilen sei. Löschungsgrund sei

§ 4 Abs. 2 Nr. 1 WZG. Geprüft werden müsse, ob die unrichtige Zeitrangverschiebung durch die Eintragung der Marke geheilt sei. Nach Auffassung der Antragstellerin müsse es im Markenrecht - vergleichbar der Sachlage im Patentrecht -

auf Grund der eminenten Wichtigkeit des Prioritätsprinzips bei allen gewerblichen

Schutzrechten, insbesondere wegen der Wirkung gegenüber Dritten, möglich sein,

nach der Eintragung der Marke den gesetzlich richtigen Anmeldetag festzustellen

und dann auf dieser Basis die materiellrechtliche Frage zu klären, ob ein Widerspruchs- oder Löschungsgrund gegeben sei oder nicht bzw. welches Recht auf

eine Markenregistrierung anzuwenden sei.

Sie beantragt,

den angefochtenen Beschluss aufzuheben und die angegriffene

Marke zu löschen.

Die Antragsgegnerin hat sich im Beschwerdeverfahren nicht geäußert.

II.

Die zulässige Beschwerde ist nicht begründet. Der Löschungsantrag ist zwar zulässig, er führt aber nicht zum Erfolg, da der Eintragung der angegriffenen Marke

ein Löschungsgrund nicht entgegensteht.

1.Die Beschwerde scheitert nicht bereits daran, dass der Löschungsantrag

unzulässig war. Im Gegensatz zur Auffassung der Löschungsabteilung war

er nicht nur auf formelle Mängel des Anmeldeverfahrens gestützt. Die Antragstellerin hat zwar die Begründung ihres Löschungsantrags vom

14. Juni 2000 mit dem Hinweis eingeleitet, dass die angegriffene Marke zu

löschen sei, „weil ihr zu Unrecht eine Zeitrangverschiebung auf den

1.1.1995 zugestanden und ihr deshalb der Zeitrang des tatsächlichen

Anmeldetags 19.12.1994 zukommt mit der Folge, dass die Marke nach dem

alten Warenzeichengesetz zu beurteilen ist“. Aus den weiteren

Ausführungen im folgenden Satz: „Als reine Buchstabenmarke ist sie (die

angegriffene Marke) jedoch nach dem Warenzeichengesetz nicht

schutzfähig“, ergibt sich demgegenüber bereits, dass die Antragstellerin

den Löschungsgrund des § 4 Abs. 2 Nr. 1 WZG für einschlägig erachtete,

was sie in der Zusammenfassung ihrer Antragsbegründung unter II. des

Schriftsatzes vom 14.06.2000 dann auch noch ausdrücklich ausführt. Dass

dieser Löschungsgrund nicht durchgreift, betrifft die Begründetheit und nicht

die Zulässigkeit des Löschungsantrags.

2.Die Beschwerde ist nicht begründet, da ein gesetzlicher Löschungsgrund

nicht vorliegt. Insbesondere ist kein Raum für die von der Antragstellerin

geforderte Zurückverschiebung des Zeitrangs der angegriffenen Marke wegen des im Eintragungsverfahrens aufgetretenen Verfahrensfehlers mit der

Folge, dass die Marke nach den Vorschriften des WZG gelöscht werden

müsste.

Die in diesem Zusammenhang geäußerte Auffassung der Antragstellerin,

dass die Frage des für die Markenregistrierung anwendbaren Rechts vom

Anmeldetag abhängt, trifft angesichts der in § 152 ff MarkenG getroffenen

Übergangsbestimmungen nicht zu.

a) § 152 MarkenG bestimmt ausdrücklich die Anwendbarkeit des

MarkenG auch für vor dem 1. Januar 1995 angemeldete Marken.

Ausnahmen von diesem Grundsatz bestehen nur, soweit entsprechende ausdrücklichen Regelungen bestehen wie in § 156 MarkenG

für nach altem Recht nicht eintragbare Zeichen. Diese konnten nur

dann trotz des im Zeitpunkt ihrer Anmeldung der Eintragung entgegenstehenden geltenden Rechts nach dem neuen MarkenG behandelt und gegebenenfalls eingetragen werden, wenn sich der Anmelder innerhalb der 2-Monatsfrist des § 156 Abs. 3 MarkenG mit einer

Zeitrangverschiebung einverstanden erklärte. In einem Fall wie dem

vorliegenden, in dem der Anmelder auf seinem Standpunkt beharrte,

dass das angemeldete Zeichen bereits nach altem Recht eintragbar

sei, musste die Anmeldung gem. § 156 Abs. 4 MarkenG zurückgewiesen werden. Dies folgt daraus, dass in einer solchen Äußerung

des Anmelders konkludent die Mitteilung liegt, mit der Zeitrangverschiebung nicht einverstanden zu sein (vgl. auch amtl. Begründung

Sonderheft S. 124). Demzufolge war der Beschluss der Markenstelle

für Klasse 35 vom 25. Januar 1996 korrekt, da der Anmeldung § 4

Abs. 2 Nr. 1 WZG entgegenstand (vgl. BGH BlPMZ 2002, 464 ff

- BWC; BGH GRUR 1996, 202 ff UHQ). Unabhängig von der

streitigen bzw. offenen (vgl. BGH a.a.O. BWC) Frage, bis wann ein

Einverständnis mit einer Zeitrangverschiebung im äußersten Fall

wirksam erklärt werden kann, ist eine solche Erklärung jedenfalls

dann ausgeschlossen, wenn das Einverständnis - wie im

vorliegenden Fall einmal verweigert worden ist (BGH a.a.O.

- BWC), so dass der Antragstellerin insoweit zuzustimmen ist, dass

der Erinnerungsbeschluss vom 15. Mai 1998 und damit die

Eintragung der angegriffenen Marke auf einer fehlerhaften

Anwendung des § 156 MarkenG beruht.

b) Trotz des erheblichen Verfahrensfehlers entfaltet die Eintragung

aber Bindungswirkung, insbesondere führt der Fehler nicht dazu,

dass die Eintragung im Sinne des allgemeinen Verwaltungsrechts

einen nichtigen Verwaltungsakt darstellt, der ipso jure rechtsunwirksam wäre. Dies folgt zunächst aus allgemeinen Erwägungen. Auch

wenn das VwVfG in Verfahren vor den Patenbehörden nicht anwendbar ist 2 Abs. 2 Nr. 3 VwVfG; vgl. insoweit auch BPatG

BlPMZ 1999, 318 f - REAL BIG), erscheint es vertretbar, die dortigen

Maßstäbe vergleichsweise heranzuziehen, zumal die Grundsätze

über die Nichtigkeit von Verwaltungsakten zu den allgemein

anerkannten Grundsätzen des Verwaltungsrechts zählen (Ossenbühl

in Erichsen/Martens, Allgemeines Verwaltungsrecht, 9. Auflage

1992, Rn 88). Von einem entsprechend § 44 Abs. 1 VwVfG die Nichtigkeit nach sich ziehenden offensichtlichen Mangel, d.h. von einem

Rechtsverstoß, der für einen unvoreingenommenen, mit den Umständen vertrauten verständigen Beobachter ohne weiteres ersichtlich war oder sich geradezu aufdrängte (vgl. Kopp, VwVfG, 8. Aufl.

2003, Rn 12 zu § 44 m.w.N.), kann im Hinblick auf die von der Markenstelle zitierte Kommentarstelle, nach der eine spätere Einverständniserklärung auch nach einer vorangegangenen Verweigerung

möglich erschien, zunächst nicht ausgegangen werden. Die verwaltungsrechtlichen Bestimmungen über die Nichtigkeit von Verwaltungsakten verlangen zwar nicht stets die Offensichtlichkeit des

Mangels: § 44 Abs. 2 VwVfG sieht für einige ausgewählte besonders

schwerwiegende und gravierender Verfahrensfehler die unmittelbare

Nichtigkeit auch ohne Offenkundigkeit vor. Ein mit den dort normierten Tatbeständen vergleichbarer Fall liegt hier aber nicht vor.

c) Eine vom Deutschen Patent- und Markenamt bindend eingetragene

Marke kann insbesondere unter Zugrundelegung der speziellen

Bestimmungen des Markengesetzes nur in einem Löschungsverfahren wieder beseitigt werden (Ströbele/ Hacker MarkenG 7. Aufl

2003 Rn. 7 ff zu § 41). Dies wird von der Antragstellerin auch nicht

bezweifelt, sie ist aber der Auffassung, dass für die Löschung auf die

Vorschriften des WZG abzustellen sei, da die Zeitrangverschiebung

zu Unrecht erfolgt sei. Hierfür besteht aber keine Rechtsgrundlage,

insbesondere steht der Anwendung des alten Rechts § 152

MarkenG entgegen.

Entgegen der Auffassung der Antragstellerin könnte zunächst erwogen werden, dass der Zeitrang an der Bindungswirkung der konstitutiven 4 Nr. 1 MarkenG) Eintragung teilnimmt. Hierfür spricht im

vorliegenden Fall die Regelung in § 156 Abs. 1 und 3 MarkenG.

Danach hat die Zeitrangverschiebung eine wenn auch mittelbare

materiellrechtliche Wirkung, nämlich wie in der Gesetzesbegründung (Sonderheft BlPMZ 1994, 124) hervorgehoben dass

die eigentlich fehlende Eintragbarkeit der angemeldeten Marke nach

altem Recht bei einer einvernehmlichen Verschiebung des Zeitrangs

(aus Gründen der Gleichbehandlung) zur Eintragbarkeit bzw.

jedenfalls zur Anwendbarkeit des neuen Rechts führt. Anwendbarkeit

des neuen Rechts und „Entscheidung“ über den maßgeblichen

Zeitrang gehören insoweit untrennbar zueinander, d.h. die

Verschiebung des Zeitrangs ist Eintragungsvoraussetzung und

könnte daher von der Bindungswirkung der Eintragung als umfasst

angesehen werden. Die von der Antragstellerin angeführte

Entscheidung BGH BlPMZ 1971, 347 ff - Funkpeiler kann nicht für

ein gegenteiliges Ergebnis herangezogen werden, denn auf Grund

der Vorschrift des § 156 Abs. 1 iVm Abs. 3 stand der für die

Anwendbarkeit des neuen Rechts und damit für die Schutzfähigkeit

maßgebliche „Anmeldetag“ hier zur grundsätzlichen Disposition des

Anmelders.

Dies kann aber letztlich dahinstehen, denn unabhängig vom Zeitrang

und vom Verlauf des Eintragungsverfahrens sowie von dort etwa

aufgetretenen Fehlern bei der Beurteilung der Eintragbarkeit für das

Löschungsverfahren gelten nach § 152 S. 1 MarkenG auch für vor

dem 1.1.1995 angemeldete Marken die Vorschriften des MarkenG

mit der Einschränkung entgegenstehender Regelungen in den

§§ 153 ff MarkenG. Die das Löschungsverfahren wegen absoluter

Schutzhindernisse betreffende Übergangsvorschrift des § 162

MarkenG enthält für den vorliegenden Fall keine entgegenstehende

Regelungen. Es liegt keine der dort angeführten Fallkonstellationen

vor, so dass gemäß § 152 S.1 MarkenG für die Löschung die §§ 49 ff

MarkenG unmittelbar anzuwenden sind.

d) § 50 Abs. 1 Nr. 3 iVm Abs. 2 S. 1 MarkenG setzt eine Eintragung

entgegen § 8 MarkenG zum Zeitpunkt der Eintragung und der Entscheidung voraus. Ein Schutzhindernis zum Zeitpunkt der Eintragung, die nach den Vorschriften des MarkenG erfolgte oder zum

Zeitpunkt der Entscheidung wird von der Antragstellerin nicht geltend

gemacht und ist auch nicht erkennbar. Ein beschreibender oder nicht

unterscheidungskräftiger Sinngehalt für die beanspruchten Dienstleistungen lässt sich der Buchstabenkombination „MQI“ nicht beilegen.

e) Es ist der Antragstellerin zuzugestehen, dass auf Grund § 156

Abs. 4 MarkenG nach der Weigerung der Markeninhaberin, sich mit

einer Zeitrangverschiebung einverstanden zu erklären, im

Eintragungsverfahren nur eine Zurückweisung der Anmeldung in

Betracht gekommen wäre. Eine konkrete Vorschrift, wie ein Verstoß

gegen § 156 Abs. 4 MarkenG zu behandeln ist, fehlt. Ob dies eine

von der Regelung in §§ 152 ff MarkenG nicht erfasste planwidrige

Regelungslücke darstellt, ist angesichts der Bestimmung in § 152

S. 1 MarkenG zweifelhaft. Denn die im Löschungsverfahren für die

Nichtigkeit maßgebenden Gründe sind in §§ 50, § 162 MarkenG abschließend geregelt. Verfahrensfehler im engeren Sinn haben auf

den weiteren Bestand einer Marke grundsätzlich keine Auswirkungen. Aber selbst bei Annahme einer Regelungslücke ist diese im

Wege der Analogie durch einen Rückgriff auf die bestehenden Löschungsvorschriften ohne weiteres zu schließen. Eine Löschung der

angegriffenen Marke hat auch dies nicht zur Folge. Denn den geltenden Löschungsvorschriften, die sich auf absolute Schutzhindernisse beziehen, kann ein Grundgedanke entnommen werden, der

auf die vorliegende Konstellation wegen ihrer gleichgelagerten

Interessenlage übertragbar ist. § 50 Abs. 2 S. 1 MarkenG bestimmt,

dass eine Marke nur dann gelöscht werden kann, wenn einer der genannten Löschungsgründe sowohl im Zeitpunkt der Eintragung als

auch im Zeitpunkt der Entscheidung bestand bzw. besteht. Fällt somit ein einmal gegebenes Schutzhindernis weg, kann eine Löschung

nicht mehr erfolgen. In § 162 Abs. 2 S. 2 MarkenG ist für ein nach

altem Recht zu Unrecht eingetragenes Zeichen geregelt, dass eine

Löschung nur erfolgen kann, wenn das Zeichen auch nach dem

neuen Recht nicht schutzfähig ist. Entsprechendes findet sich auch

in § 20 Abs. 1 ErstrG. Aus diesen Vorschriften ist für Löschungsverfahren wegen absoluter Schutzhindernisse der allgemeine Grundsatz herzuleiten, dass eine Löschung nicht mehr erfolgen darf, wenn

dem Zeichen im Zeitpunkt der Entscheidung kein Schutzhindernis

(mehr) entgegensteht, es also mit dem geltenden Recht in Einklang

steht. Zieht man diesen Grundsatz in Verbindung mit dem weiteren

allgemein gültigen Grundsatz, dass eine zwischen Anmeldung und

Eintragung eintretende Rechtsänderung sich unmittelbar auf die

Eintragbarkeit auswirkt (vgl. amtl. Begründung a.a.O.), zur

Schließung der o.g. Lücke heran, ist eine Löschung ausgeschlossen.

Ein spezieller Grund, dass der Markeninhaber abweichend von diesen Grundsätzen vorliegend schlechter zu stellen wäre, als in sonstigen Fällen, in denen ein Zeichen (nur) nach altem Recht nicht

schutzfähig war, ist nicht ersichtlich. Dies umso weniger, als § 156

Abs. 1 und 3 MarkenG den Grundsatz, dass sich eine zwischen Anmeldung und Eintragung eintretende Rechtsänderung unmittelbar

auf die Eintragbarkeit auswirkt, prinzipiell nicht durchbricht, sondern

von einer zusätzlichen Voraussetzung, nämlich der Zeitrangverschiebung abhängig macht. Diese Voraussetzung ist unabhängig

davon, dass dies verfahrensfehlerhaft geschehen ist erfüllt und der

damit vom Gesetzgeber verfolgte Zweck, die Gleichbehandlung der

in Betracht kommenden Anmeldungen sicherzustellen (amtl. Begründung a.a.O.). Eine Besserstellung des Markeninhabers ist auf

Grund des späteren Anmeldetags ebenfalls ausgeschlossen.

Nach alledem ist die Beschwerde zurückzuweisen.

III.

Für die Zulassung der Rechtsbeschwerde besteht kein Anlass. Der hier zu entscheidende Fall bezieht sich auf einen speziellen, den Übergang vom Warenzeichengesetz zum Markengesetz betreffenden Sachverhalt, bei dem zum einen

nicht zu erkennen ist, inwieweit er über den konkreten Einzelfall hinaus grundsätzliche Bedeutung für weitere Fälle erlangen könnte. Zum anderen erfordert er angesichts der geltenden Vorschriften keine Rechtsfortbildung. Eine divergierende

Rechtsprechung zu der angesprochenen Problematik besteht nicht.

Ein Grund, einem der Beteiligten die Kosten ganz oder teilweise aufzuerlegen

71 Abs. 1 Sätze 1 und 2 MarkenG), ist nicht gegeben.

Winkler Baumgärtner Kätker

Cl

Urteil vom 30.04.2015

2 ZA (pat) 10/14 vom 30.04.2015

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Anmerkungen zum Urteil