Urteil des BGH, Az. I ZR 96/07

Zerknitterte Zigarettenschachtel Leitsatzentscheidung
BUNDESGERICHTSHOF
IM NAMEN DES VOLKES
URTEIL
I ZR 96/07 Verkündet
am:
5. Juni 2008
Führinger
Justizangestellte
als
Urkundsbeamtin
der
Geschäftsstelle
in dem Rechtsstreit
Nachschlagewerk: ja
BGHZ: nein
BGHR: ja
Zerknitterte Zigarettenschachtel
BGB §§ 12, 812 Abs. 1 Satz 2 Fall 2, § 823 Abs. 1 Ah
Wird der Name einer bekannten Persönlichkeit ohne deren Einwilligung in einer
Werbeanzeige genannt, kann nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass
dem Schutz des Persönlichkeitsrechts des Genannten stets der Vorrang gegenüber
der Meinungsäußerungsfreiheit des Werbenden zukommt. Vielmehr kann die mit der
Namensnennung verbundene Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts hinzuneh-
men sein, wenn sich die Werbeanzeige einerseits in satirisch-spöttischer Form mit
einem in der Öffentlichkeit diskutierten Ereignis auseinandersetzt, an dem der Ge-
nannte beteiligt war, und wenn andererseits der Image- oder Werbewert des Ge-
nannten durch die Verwendung seines Namens nicht ausgenutzt und nicht der Ein-
druck erweckt wird, als identifiziere er sich mit dem beworbenen Produkt oder emp-
fehle es.
BGH, Urt. v. 5. Juni 2008 - I ZR 96/07 - OLG Hamburg
LG
Hamburg
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Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung
vom 5. Juni 2008 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Bornkamm und die Rich-
ter Pokrant, Prof. Dr. Büscher, Dr. Bergmann und Dr. Koch
für Recht erkannt:
Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Hanseatischen
Oberlandesgerichts Hamburg, 7. Zivilsenat, vom 15. Mai 2007 im
Kostenpunkt und insoweit aufgehoben, als zum Nachteil der Beklag-
ten erkannt worden ist.
Auf die Berufung der Beklagten wird das Urteil des Landgerichts
Hamburg, Zivilkammer 24, vom 21. Januar 2005 im Kostenpunkt und
im Umfang der Aufhebung des Berufungsurteils abgeändert.
Die Klage wird auch insoweit abgewiesen.
Der Kläger hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.
Von Rechts wegen
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Tatbestand:
Der Kläger ist Repräsentant des Hauses Hannover. Er war im Jahre 1998 in
eine körperliche Auseinandersetzung mit einem Kameramann vor seinem Gut Ca-
lenberg verwickelt, bei der er den Kameramann mit einem Regenschirm schlug. Fer-
ner wurde in der Presse im Januar 2000 über eine Auseinandersetzung des Klägers
mit einem Diskothekenbesitzer auf der vor der Küste Kenias gelegenen Insel Lamu
berichtet.
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Die Beklagte zu 1 ist das deutsche Tochterunternehmen eines international tä-
tigen Tabakkonzerns. Die Beklagte zu 2 ist eine Werbeagentur. Die Beklagte zu 1
warb ab dem 27. März 2000 - ohne Einwilligung des Klägers - ganzseitig in verschie-
denen bundesweit erscheinenden Publikationen sowie auf Werbeplakaten mit einem
nachstehend verkleinert wiedergegebenen Werbemotiv, das unter der Textzeile "War
das Ernst? Oder August?" eine allseits eingedrückte, leicht geöffnete Zigaretten-
schachtel zeigt:
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Der Kläger hat die Beklagten deswegen abgemahnt. Die Beklagte zu 2 hat
daraufhin eine Unterlassungsverpflichtungserklärung abgegeben. Gegen die Beklag-
te zu 1 hat der Kläger eine einstweilige Verfügung erwirkt, die die Beklagte zu 1 als
endgültige Regelung anerkannt hat. Eine Erstattung der Abmahnkosten und der Kos-
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ten der Abschlusserklärung sowie die Zahlung von Schadensersatz haben die Be-
klagten abgelehnt.
Der Kläger hat - soweit in der Revisionsinstanz noch von Bedeutung - bean-
tragt,
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a) die Beklagten zu verurteilen, als Gesamtschuldner an den Kläger
60.000
€ nebst 5% Zinsen über dem Basissatz seit dem
21. Januar 2004 zu zahlen;
b) die Beklagte zu 2 zu verurteilen, an den Kläger 1.253,69 € nebst
5% Zinsen über dem Basissatz seit dem 21. Januar 2004 zu zah-
len.
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Die Beklagten sind der Klage entgegengetreten.
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Die Vorinstanzen haben der Klage - soweit hier von Bedeutung - stattgegeben
(OLG Hamburg ZUM 2007, 660 = AfP 2007, 371 = NJW-RR 2007, 1417).
Mit ihrer vom Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgen die Beklag-
ten ihr auf vollständige Abweisung der Klage gerichtetes Begehren weiter. Der Klä-
ger beantragt, die Revision zurückzuweisen.
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Entscheidungsgründe:
I. Das Berufungsgericht hat angenommen, dem Kläger stehe wegen der
rechtswidrigen Benutzung seiner Vornamen in den beanstandeten Werbeanzeigen
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ein Anspruch auf Zahlung von Wertersatz in Höhe von 60.000 € gegen die Beklagten
gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Fall 2, § 818 Abs. 2 BGB zu. Die Beklagte zu 2 sei zu-
dem zur Erstattung der Abmahnkosten verpflichtet. Zur Begründung hat es ausge-
führt:
Die Beklagten hätten ohne rechtlichen Grund in das dem Kläger zustehende
Recht am eigenen Namen eingegriffen und dadurch auf Kosten des Klägers einen
vermögenswerten Vorteil erlangt, indem sie seinen Vornamen im Rahmen der Wer-
beanzeigen rechtswidrig benutzt hätten. Der Kläger sei aufgrund der Verwendung
seiner beiden Vornamen wegen der damals zahlreichen Presseberichterstattungen
über den Vorfall vor dem Gut Calenberg sowie seiner Beziehung zu Prinzessin Caro-
line von Monaco, seiner jetzigen Ehefrau, für eine Vielzahl der angesprochenen
durchschnittlichen Adressaten zu erkennen gewesen. Dieser Eingriff in das Namens-
recht des Klägers sei nicht gerechtfertigt. Bei der insoweit gebotenen Güter- und In-
teressenabwägung sei maßgeblich zu bedenken, dass die Anzeige mit dem die Vor-
namen des Klägers einbeziehenden Wortspiel im Rahmen einer von der Beklagten
zu 2 für die Beklagte zu 1 gestalteten Werbekampagne veröffentlicht worden sei.
Durch die Verwendung der Vornamen des Klägers und die Anspielung auf seine
vermeintliche Bereitschaft zu tätlicher Auseinandersetzung habe in erster Linie bei
den Betrachtern Aufmerksamkeit erregt werden sollen, um die Bekanntheit und den
Absatz der von der Beklagten beworbenen Zigarettenmarke zu erhöhen. Dieser Ge-
sichtspunkt spreche im Regelfall für ein Überwiegen des allgemeinen Persönlich-
keitsrechts des Klägers. Soweit sich der Schutz des Art. 5 Abs. 1 GG auch auf reine
Wirtschaftswerbung erstrecke, sei in dem vom Kläger angegriffenen Werbemotiv der
Informationsgehalt für die Allgemeinheit darauf beschränkt, dass das Wortspiel die-
jenigen Betrachter, die von der Tätlichkeit des Klägers bereits Kenntnis gehabt hät-
ten, daran erinnert habe. Das beanstandete Werbemotiv habe keinen oder allenfalls
geringen meinungsbildenden Gehalt. Insgesamt führe die Abwägung der beiderseiti-
gen Interessen, die auf Seiten der Beklagten ganz überwiegend durch die angestreb-
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te Werbewirkung und nur geringfügig durch meinungsbildende Faktoren geprägt sei-
en, zu einem Vorrang des Persönlichkeitsrechts des Klägers. Danach hätten die Be-
klagten dem Kläger das durch den rechtswidrigen Eingriff in dessen Persönlichkeits-
recht Erlangte zu erstatten und dementsprechend die Lizenzgebühr zu zahlen, die
bei ordnungsgemäßem Rechtserwerb aufzuwenden gewesen wäre. Dieses Entgelt
habe das Landgericht mit 60.000 € nicht zu hoch bemessen. Die Erstattung der Ab-
mahnkosten könne der Kläger von der Beklagten zu 2 gemäß § 823 Abs. 1, § 249
BGB i.V. mit Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 GG verlangen.
II. Die Revision der Beklagten hat Erfolg. Sie führt zur Aufhebung des ange-
fochtenen Urteils und zur Abweisung der Klage in dem in der Revisionsinstanz noch
anhängigen Umfang. Dem Kläger steht der geltend gemachte Anspruch auf Zahlung
einer fiktiven Lizenzgebühr weder aus § 812 Abs. 1 Satz 1 Fall 2 BGB noch aus
§ 823 Abs. 1 BGB i.V. mit Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 GG, § 12 BGB zu. Er kann von
der Beklagten zu 2 auch nicht die Erstattung der Abmahnkosten verlangen. Sämtli-
che Ansprüche setzen voraus, dass die Beklagten den Kläger in rechtswidriger Wei-
se in seinem Persönlichkeitsrecht einschließlich seines Rechts an seinem Namen
verletzt haben. Daran fehlt es, weil sich die Beklagten hinsichtlich der Verwendung
der Vornamen des Klägers in der fraglichen Werbeanzeige auf den Schutz der Mei-
nungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) berufen können.
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1. Rechtlich zutreffend ist das Berufungsgericht allerdings davon ausgegan-
gen, dass eine unbefugte Nutzung der vermögenswerten Bestandteile des allgemei-
nen Persönlichkeitsrechts sowie der besonderen Persönlichkeitsrechte wie des Na-
mens und des Rechts am eigenen Bild einen Bereicherungsanspruch des Rechtsträ-
gers aus Eingriffskondiktion (§ 812 Abs. 1 Satz 1 Fall 2 BGB) begründet. Da das Er-
langte nicht herausgegeben werden kann, ist Wertersatz zu leisten (§ 818 Abs. 2
BGB), der nach den bei der Verletzung von Immaterialrechtsgütern geltenden
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Grundsätzen bestimmt werden kann. Der Wertersatz kann daher auch nach der übli-
chen Lizenzgebühr berechnet werden.
2. Das Berufungsgericht hat ferner rechtsfehlerfrei festgestellt, dass die Be-
klagten in der beanstandeten Werbeanzeige den Namen des Klägers zu kommerziel-
len Zwecken genutzt und damit in die vermögenswerten Bestandteile des Persön-
lichkeitsrechts des Klägers eingegriffen haben. Das Namensrecht nach § 12 BGB
und das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Namensträgers können auch durch die
Verwendung von Vornamen in Alleinstellung verletzt werden, wenn schon der alleini-
ge Gebrauch der Vornamen beim angesprochenen Verkehr die Erinnerung an einen
bestimmten Träger weckt (vgl. BGH, Urt. v. 27.1.1983 - I ZR 160/80, GRUR 1983,
262, 263 = WRP 1983, 339 - Uwe). Das Berufungsgericht hat rechtsfehlerfrei festge-
stellt, für eine Vielzahl der durchschnittlichen Betrachter der Werbeanzeige sei der
Kläger aufgrund der Verwendung der beiden Vornamen Ernst und August wegen der
damals zahlreichen Presseberichte über tätliche Auseinandersetzungen des Klägers
zu erkennen gewesen. Soweit die Revision geltend macht, es handele sich um all-
tägliche Vornamen, viele Verbraucher würden das auf die Auseinandersetzungen, an
denen der Kläger beteiligt gewesen sei, Bezug nehmende Wortspiel schon nicht er-
kennen, vermag sie einen Rechtsfehler des Berufungsgerichts nicht aufzuzeigen.
Denn das Berufungsgericht hat seine gegenteilige Auffassung rechtsfehlerfrei auf die
von der Revision nicht angegriffene Feststellung gestützt, die Medien hätten wieder-
holt über diese Vorfälle und zuvor schon seit längerer Zeit vielfach über die Bezie-
hung des Klägers zur Tochter des damaligen Fürsten von Monaco, seiner jetzigen
Ehefrau, berichtet und dabei den Kläger regelmäßig mit seinen Vornamen Ernst Au-
gust benannt, meist ergänzt durch das Adelsprädikat "Prinz"; aus diesem Grunde
seien seine Vornamen weiten Kreisen der Öffentlichkeit bekannt gewesen, als das in
Rede stehende Werbemotiv verbreitet worden sei.
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3. Dagegen kann dem Berufungsgericht nicht in seiner Beurteilung gefolgt
werden, der Eingriff in das einen Teil des Persönlichkeitsrechts des Klägers darstel-
lende Namensrecht sei nicht gerechtfertigt. Das Berufungsgericht hat bei der von ihm
vorgenommen Güter- und Interessenabwägung nicht hinreichend berücksichtigt,
dass die vermögensrechtlichen Bestandteile des allgemeinen Persönlichkeitsrechts
wie auch des Namensrechts nur einfachrechtlich geschützt sind, während sich die
Beklagten ihrerseits auf das verfassungsrechtlich geschützte Grundrecht der Mei-
nungsäußerungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) berufen können. Unter Berücksichtigung
der Schwere des Eingriffs in das Persönlichkeitsrecht des Klägers ist der Ausübung
des Grundrechts der Meinungsäußerungsfreiheit im Streitfall daher der Vorrang ein-
zuräumen.
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a) Bei dem in der Revisionsinstanz noch anhängigen Anspruch auf Zahlung
einer Lizenzgebühr in Höhe von 60.000 € geht es ausschließlich um einen Eingriff
der Beklagten in die vermögenswerten Bestandteile des allgemeinen Persönlichkeits-
rechts sowie des Namensrechts des Klägers. Eine etwaige Beeinträchtigung der
ideellen Bestandteile seines Persönlichkeitsrechts, auf die der Kläger seinen bereits
in erster Instanz abgewiesenen Klageanspruch auf Zahlung einer Geldentschädigung
gestützt hat, steht nicht zur Überprüfung. Während die Persönlichkeitsrechte, soweit
sie dem Schutz ideeller Interessen dienen, zum verfassungsrechtlich gewährleisteten
Kern der Persönlichkeitsentfaltung (Art. 1 und 2 Abs. 1 GG) gehören, ist der Schutz
der von der Rechtsprechung entwickelten vermögenswerten Bestandteile der Per-
sönlichkeitsrechte lediglich zivilrecht begründet (BVerfG, Kammerbeschl. v.
22.8.2006 -
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BvR
1168/04, GRUR 2006, 1049, 1050
f.; BGHZ 169, 340
Tz. 21 - Rücktritt des Finanzministers). Den nur einfachrechtlich geschützten vermö-
gensrechtlichen Bestandteilen des Persönlichkeitsrechts kommt gegenüber der ver-
fassungsrechtlich geschützten Meinungsäußerungsfreiheit grundsätzlich kein Vor-
rang zu (vgl. BGHZ 169, 193 Tz. 14 - kinski-klaus.de; ferner Ehmann, AfP 2007, 81,
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82; Soehring/Link in Weberlin/Wallraf/Deters, Im Zweifel für die Pressefreiheit, 2008,
S. 285, 294).
b) Unter Berücksichtigung der Intensität des hier in Rede stehenden Eingriffs
in den vermögensrechtlichen Bestand des Persönlichkeitsrechts des Klägers kommt
bei der gebotenen Güter- und Interessenabwägung der Rechtsposition, auf die sich
die Beklagten bei der Verbreitung der Werbeanzeige unter Berufung auf Art. 5 Abs. 1
GG stützen, ein größeres Gewicht zu.
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aa) Der Schutz des Art. 5 Abs. 1 GG erstreckt sich, wovon auch das Beru-
fungsgericht ausgegangen ist, auch auf kommerzielle Meinungsäußerungen und auf
reine Wirtschaftswerbung, die einen wertenden, meinungsbildenden Inhalt hat (vgl.
BVerfGE 71, 162, 175; 102, 347, 359 - Benetton; BGHZ 169, 340 Tz. 15 - Rücktritt
des Finanzministers, m.w.N.). Dabei haben nicht nur Beiträge, die sich mit Vorgän-
gen von historisch-politischer Bedeutung befassen, einen meinungsbildenden Inhalt
(zu einer Werbeanzeige mit einem aktuellen politischen Tagesereignis vgl. BGHZ
169, 340 Tz. 20 - Rücktritt des Finanzministers), sondern auch solche, die Fragen
von allgemeinem gesellschaftlichen Interesse aufgreifen. Auch durch unterhaltende
Beiträge kann Meinungsbildung stattfinden; solche Beiträge können die Meinungsbil-
dung unter Umständen nachhaltiger anregen und beeinflussen als sachbezogene
Informationen (vgl. BVerfGE 101, 361, 389 f. - Caroline von Monaco; BVerfG, Kam-
merbeschl. v. 2.5.2006 - 1 BvR 507/01, NJW 2006, 2836 Tz. 11; BGH, Urt. v.
3.7.2007 - VI ZR 164/06, GRUR 2007, 902 Tz. 7 = WRP 2007, 1216, m.w.N.).
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bb) Das beanstandete Werbemotiv der Beklagten befasst sich, wie das Beru-
fungsgericht rechtsfehlerfrei angenommen hat, in satirisch-spöttischer Form mit den
durch die Darstellung der verbeulten Zigarettenpackung in Bezug genommenen Ver-
haltensweisen des Klägers bei den tätlichen Auseinandersetzungen vor dem Gut
Calenberg sowie auf der Insel Lamu. Über diese Vorfälle war in den Medien wieder-
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holt mit Namensnennung und Abbildung des Klägers berichtet worden, weil wegen
der Beziehung des Klägers zu der Tochter des damaligen Fürsten von Monaco ein
besonderes Informationsinteresse der Öffentlichkeit an diesen Ereignissen bestand.
Die Bekanntheit einer Person im öffentlichen Leben kann ein besonderes Informati-
onsinteresse der Öffentlichkeit begründen, das es rechtfertigen kann, über bestimmte
Verhaltensweisen dieser Person auch mit Namensnennung und Abbildung zu berich-
ten (vgl. BVerfG, Kammerbeschl. v. 13.6.2006 - 1 BvR 565/06, NJW 2006, 2835
Tz. 11; BGH, Urt. v. 15.11.2005 - VI ZR 286/04, GRUR 2006, 257 Tz. 22 = WRP
2006, 261). Einer Berichterstattung mit Namensnennung und Abbildung über solche
Ereignisse von gesellschaftlicher Relevanz steht auch nicht der Schutz der Privat-
sphäre nach Art. 8 EMRK (vgl. dazu EGMR GRUR 2004, 1051 Tz. 76 - von Hanno-
ver/Deutschland) entgegen (BVerfG NJW 2006, 2835 Tz. 14 f.; BGH GRUR 2006,
257 Tz. 26; BGH GRUR 2007, 902 Tz. 9).
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cc) Obwohl die Beklagten die tätlichen Auseinandersetzungen des Klägers vor
seinem Gut Calenberg und auf der Insel Lamu im Rahmen einer Werbekampagne
aufgegriffen haben, können sie sich folglich gleichwohl auf den besonderen Schutz
der Meinungsäußerungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) berufen. Entgegen der Auffassung
des Berufungsgerichts führt der Umstand, dass mit der Anzeige durch die Verwen-
dung der Vornamen des Klägers und durch die Anspielung auf seine vermeintliche
Bereitschaft zu tätlicher Auseinandersetzung in erster Linie bei den Betrachtern Auf-
merksamkeit erregt werden sollte, um letztlich die Bekanntheit und den Absatz der
von den Beklagten beworbenen Zigarettenmarke zu erhöhen, nicht zu einem grund-
sätzlichen Überwiegen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts des Klägers. Das Be-
rufungsgericht hat bei seiner Abwägung nicht hinreichend beachtet, dass im Streitfall,
wie dargelegt, lediglich der zivilrechtlich, nicht verfassungsrechtlich begründete
Schutz der vermögenswerten Bestandteile des Persönlichkeitsrechts betroffen ist.
Geht es um Eingriffe in die vermögenswerten Bestandteile des Persönlichkeitsrechts,
weil der Name einer bekannten Persönlichkeit ohne deren Einwilligung in einer Wer-
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beanzeige genannt wird, kann nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden,
dass dem Schutz des Persönlichkeitsrechts des Genannten stets der Vorrang ge-
genüber der Meinungsäußerungsfreiheit des Werbenden zukommt. Vielmehr kann
die mit der Namensnennung verbundene Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts
hinzunehmen sein, wenn sich die Werbeanzeige einerseits in satirisch-spöttischer
Form mit einem in der Öffentlichkeit diskutierten Ereignis auseinandersetzt, an dem
der Genannte beteiligt war, und wenn andererseits der Image- oder Werbewert des
Genannten durch die Verwendung seines Namens nicht ausgenutzt und nicht der
Eindruck erweckt wird, als identifiziere er sich mit dem beworbenen Produkt oder
empfehle es (vgl. BGHZ 169, 340 Tz. 19 - Rücktritt des Finanzministers, m.w.N.).
Diesen Eindruck erweckt die beanstandete Werbeanzeige nach den Feststel-
lungen des Berufungsgerichts jedoch nicht. Sie erinnert vielmehr, wie auch das Beru-
fungsgericht angenommen hat, diejenigen Betrachter, die von den tätlichen Ausei-
nandersetzungen des Klägers bereits Kenntnis hatten, an diese Vorfälle und die
diesbezüglichen Medienberichterstattungen; Betrachter ohne jegliche Vorkenntnis
von den Berichterstattungen konnten dagegen den Witz des Wortspiels mit den Vor-
namen des Klägers nicht verstehen. Die Ereignisse, auf die die Werbeanzeige im
zeitlichen Zusammenhang mit der darüber in den Medien erfolgten Diskussion Bezug
nimmt, werden zudem nicht einfach genannt, sondern in besonders pfiffiger Weise
kommentiert. Die Werbeanzeige ist daher Teil der öffentlichen Auseinandersetzung
über die von ihr aufgegriffenen tätlichen Auseinandersetzungen des Klägers. Sie hat
über die satirisch-spöttische Anspielung auf die der Öffentlichkeit bereits bekannten
Geschehnisse hinaus auch nach Auffassung des Berufungsgerichts keinen den Klä-
ger beleidigenden oder ernsthaft herabsetzenden Inhalt. Da nicht der Eindruck er-
weckt wird, der Kläger identifiziere sich in irgendeiner Weise mit dem beworbenen
Produkt, kann eine Herabsetzung des Klägers insbesondere nicht darin gesehen
werden, dass es sich hier um eine Werbung für Tabakerzeugnisse handelt. Danach
ist der Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Klägers gegenüber der Meinungsäu-
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ßerungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG), auf die sich die Beklagten berufen können, von
geringerem Gewicht. Das Interesse des Klägers, ohne seine Einwilligung in der Wer-
beanzeige nicht genannt zu werden, muss daher gegenüber der Ausübung dieses
Grundrechts zurücktreten.
4. Aus den vorstehend genannten Gründen steht dem Kläger auch ein Scha-
densersatzanspruch wegen Verletzung der vermögenswerten Bestandteile seines
Persönlichkeitsrechts nach § 823 Abs. 1 BGB i.V. mit Art. 1 und 2 Abs. 1 GG auf
Zahlung einer Lizenzgebühr nicht zu.
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5. Da durch die beanstandete Werbeanzeige weder die vermögenswerten Be-
standteile noch - mangels eines beleidigenden oder ernsthaft herabsetzenden In-
halts - die ideellen Bestandteile des Persönlichkeitsrechts des Klägers verletzt wor-
den sind, kann er von der Beklagten zu 2 auch nicht Erstattung der Abmahnkosten
verlangen.
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III. Auf die Revision der Beklagten ist das Berufungsurteil daher aufzuheben,
soweit zum Nachteil der Beklagten entschieden worden ist. Auch insoweit ist die Kla-
ge unter Abänderung der erstinstanzlichen Entscheidung abzuweisen.
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Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 Abs. 1 ZPO.
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Bornkamm
Pokrant
Büscher
Bergmann
Koch
Vorinstanzen:
LG Hamburg, Entscheidung vom 21.01.2005 - 324 O 970/03 -
OLG Hamburg, Entscheidung vom 15.05.2007 - 7 U 23/05 -