Urteil des BGH vom 05.06.2008, I ZR 96/07

Aktenzeichen: I ZR 96/07

Zerknitterte Zigarettenschachtel Leitsatzentscheidung

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

I ZR 96/07 Verkündet am: 5. Juni 2008 Führinger Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk: ja BGHZ: nein BGHR: ja

Zerknitterte Zigarettenschachtel

BGB §§ 12, 812 Abs. 1 Satz 2 Fall 2, § 823 Abs. 1 Ah

Wird der Name einer bekannten Persönlichkeit ohne deren Einwilligung in einer Werbeanzeige genannt, kann nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass dem Schutz des Persönlichkeitsrechts des Genannten stets der Vorrang gegenüber der Meinungsäußerungsfreiheit des Werbenden zukommt. Vielmehr kann die mit der Namensnennung verbundene Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts hinzunehmen sein, wenn sich die Werbeanzeige einerseits in satirisch-spöttischer Form mit einem in der Öffentlichkeit diskutierten Ereignis auseinandersetzt, an dem der Genannte beteiligt war, und wenn andererseits der Image- oder Werbewert des Genannten durch die Verwendung seines Namens nicht ausgenutzt und nicht der Eindruck erweckt wird, als identifiziere er sich mit dem beworbenen Produkt oder empfehle es.

BGH, Urt. v. 5. Juni 2008 - I ZR 96/07 - OLG Hamburg LG Hamburg

Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung

vom 5. Juni 2008 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Bornkamm und die Richter Pokrant, Prof. Dr. Büscher, Dr. Bergmann und Dr. Koch

für Recht erkannt:

Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Hanseatischen

Oberlandesgerichts Hamburg, 7. Zivilsenat, vom 15. Mai 2007 im

Kostenpunkt und insoweit aufgehoben, als zum Nachteil der Beklagten erkannt worden ist.

Auf die Berufung der Beklagten wird das Urteil des Landgerichts

Hamburg, Zivilkammer 24, vom 21. Januar 2005 im Kostenpunkt und

im Umfang der Aufhebung des Berufungsurteils abgeändert.

Die Klage wird auch insoweit abgewiesen.

Der Kläger hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.

Von Rechts wegen

Tatbestand:

1Der Kläger ist Repräsentant des Hauses Hannover. Er war im Jahre 1998 in

eine körperliche Auseinandersetzung mit einem Kameramann vor seinem Gut Calenberg verwickelt, bei der er den Kameramann mit einem Regenschirm schlug. Ferner wurde in der Presse im Januar 2000 über eine Auseinandersetzung des Klägers

mit einem Diskothekenbesitzer auf der vor der Küste Kenias gelegenen Insel Lamu

berichtet.

2Die Beklagte zu 1 ist das deutsche Tochterunternehmen eines international tätigen Tabakkonzerns. Die Beklagte zu 2 ist eine Werbeagentur. Die Beklagte zu 1

warb ab dem 27. März 2000 - ohne Einwilligung des Klägers - ganzseitig in verschiedenen bundesweit erscheinenden Publikationen sowie auf Werbeplakaten mit einem

nachstehend verkleinert wiedergegebenen Werbemotiv, das unter der Textzeile "War

das Ernst? Oder August?" eine allseits eingedrückte, leicht geöffnete Zigarettenschachtel zeigt:

3Der Kläger hat die Beklagten deswegen abgemahnt. Die Beklagte zu 2 hat

daraufhin eine Unterlassungsverpflichtungserklärung abgegeben. Gegen die Beklagte zu 1 hat der Kläger eine einstweilige Verfügung erwirkt, die die Beklagte zu 1 als

endgültige Regelung anerkannt hat. Eine Erstattung der Abmahnkosten und der Kos-

ten der Abschlusserklärung sowie die Zahlung von Schadensersatz haben die Beklagten abgelehnt.

4Der Kläger hat - soweit in der Revisionsinstanz noch von Bedeutung - beantragt,

a) die Beklagten zu verurteilen, als Gesamtschuldner an den Kläger

60.000 nebst 5% Zinsen über dem Basissatz seit dem

21. Januar 2004 zu zahlen;

b) die Beklagte zu 2 zu verurteilen, an den Kläger 1.253,69 nebst

5% Zinsen über dem Basissatz seit dem 21. Januar 2004 zu zahlen.

5Die Beklagten sind der Klage entgegengetreten.

6Die Vorinstanzen haben der Klage - soweit hier von Bedeutung - stattgegeben

(OLG Hamburg ZUM 2007, 660 = AfP 2007, 371 = NJW-RR 2007, 1417).

7Mit ihrer vom Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgen die Beklagten ihr auf vollständige Abweisung der Klage gerichtetes Begehren weiter. Der Kläger beantragt, die Revision zurückzuweisen.

Entscheidungsgründe:

8I. Das Berufungsgericht hat angenommen, dem Kläger stehe wegen der

rechtswidrigen Benutzung seiner Vornamen in den beanstandeten Werbeanzeigen

ein Anspruch auf Zahlung von Wertersatz in Höhe von 60.000 gegen die Beklagten

gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Fall 2, § 818 Abs. 2 BGB zu. Die Beklagte zu 2 sei zudem zur Erstattung der Abmahnkosten verpflichtet. Zur Begründung hat es ausgeführt:

9Die Beklagten hätten ohne rechtlichen Grund in das dem Kläger zustehende

Recht am eigenen Namen eingegriffen und dadurch auf Kosten des Klägers einen

vermögenswerten Vorteil erlangt, indem sie seinen Vornamen im Rahmen der Werbeanzeigen rechtswidrig benutzt hätten. Der Kläger sei aufgrund der Verwendung

seiner beiden Vornamen wegen der damals zahlreichen Presseberichterstattungen

über den Vorfall vor dem Gut Calenberg sowie seiner Beziehung zu Prinzessin Caroline von Monaco, seiner jetzigen Ehefrau, für eine Vielzahl der angesprochenen

durchschnittlichen Adressaten zu erkennen gewesen. Dieser Eingriff in das Namensrecht des Klägers sei nicht gerechtfertigt. Bei der insoweit gebotenen Güter- und Interessenabwägung sei maßgeblich zu bedenken, dass die Anzeige mit dem die Vornamen des Klägers einbeziehenden Wortspiel im Rahmen einer von der Beklagten

zu 2 für die Beklagte zu 1 gestalteten Werbekampagne veröffentlicht worden sei.

Durch die Verwendung der Vornamen des Klägers und die Anspielung auf seine

vermeintliche Bereitschaft zu tätlicher Auseinandersetzung habe in erster Linie bei

den Betrachtern Aufmerksamkeit erregt werden sollen, um die Bekanntheit und den

Absatz der von der Beklagten beworbenen Zigarettenmarke zu erhöhen. Dieser Gesichtspunkt spreche im Regelfall für ein Überwiegen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts des Klägers. Soweit sich der Schutz des Art. 5 Abs. 1 GG auch auf reine

Wirtschaftswerbung erstrecke, sei in dem vom Kläger angegriffenen Werbemotiv der

Informationsgehalt für die Allgemeinheit darauf beschränkt, dass das Wortspiel diejenigen Betrachter, die von der Tätlichkeit des Klägers bereits Kenntnis gehabt hätten, daran erinnert habe. Das beanstandete Werbemotiv habe keinen oder allenfalls

geringen meinungsbildenden Gehalt. Insgesamt führe die Abwägung der beiderseitigen Interessen, die auf Seiten der Beklagten ganz überwiegend durch die angestreb-

te Werbewirkung und nur geringfügig durch meinungsbildende Faktoren geprägt seien, zu einem Vorrang des Persönlichkeitsrechts des Klägers. Danach hätten die Beklagten dem Kläger das durch den rechtswidrigen Eingriff in dessen Persönlichkeitsrecht Erlangte zu erstatten und dementsprechend die Lizenzgebühr zu zahlen, die

bei ordnungsgemäßem Rechtserwerb aufzuwenden gewesen wäre. Dieses Entgelt

habe das Landgericht mit 60.000 nicht zu hoch bemessen. Die Erstattung der Abmahnkosten könne der Kläger von der Beklagten zu 2 gemäß § 823 Abs. 1, § 249

BGB i.V. mit Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 GG verlangen.

10II. Die Revision der Beklagten hat Erfolg. Sie führt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Abweisung der Klage in dem in der Revisionsinstanz noch

anhängigen Umfang. Dem Kläger steht der geltend gemachte Anspruch auf Zahlung

einer fiktiven Lizenzgebühr weder aus § 812 Abs. 1 Satz 1 Fall 2 BGB noch aus

§ 823 Abs. 1 BGB i.V. mit Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 GG, § 12 BGB zu. Er kann von

der Beklagten zu 2 auch nicht die Erstattung der Abmahnkosten verlangen. Sämtliche Ansprüche setzen voraus, dass die Beklagten den Kläger in rechtswidriger Weise in seinem Persönlichkeitsrecht einschließlich seines Rechts an seinem Namen

verletzt haben. Daran fehlt es, weil sich die Beklagten hinsichtlich der Verwendung

der Vornamen des Klägers in der fraglichen Werbeanzeige auf den Schutz der Meinungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) berufen können.

111. Rechtlich zutreffend ist das Berufungsgericht allerdings davon ausgegangen, dass eine unbefugte Nutzung der vermögenswerten Bestandteile des allgemeinen Persönlichkeitsrechts sowie der besonderen Persönlichkeitsrechte wie des Namens und des Rechts am eigenen Bild einen Bereicherungsanspruch des Rechtsträgers aus Eingriffskondiktion 812 Abs. 1 Satz 1 Fall 2 BGB) begründet. Da das Erlangte nicht herausgegeben werden kann, ist Wertersatz zu leisten 818 Abs. 2

BGB), der nach den bei der Verletzung von Immaterialrechtsgütern geltenden

Grundsätzen bestimmt werden kann. Der Wertersatz kann daher auch nach der üblichen Lizenzgebühr berechnet werden.

122. Das Berufungsgericht hat ferner rechtsfehlerfrei festgestellt, dass die Beklagten in der beanstandeten Werbeanzeige den Namen des Klägers zu kommerziellen Zwecken genutzt und damit in die vermögenswerten Bestandteile des Persönlichkeitsrechts des Klägers eingegriffen haben. Das Namensrecht nach § 12 BGB

und das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Namensträgers können auch durch die

Verwendung von Vornamen in Alleinstellung verletzt werden, wenn schon der alleinige Gebrauch der Vornamen beim angesprochenen Verkehr die Erinnerung an einen

bestimmten Träger weckt (vgl. BGH, Urt. v. 27.1.1983 - I ZR 160/80, GRUR 1983,

262, 263 = WRP 1983, 339 - Uwe). Das Berufungsgericht hat rechtsfehlerfrei festgestellt, für eine Vielzahl der durchschnittlichen Betrachter der Werbeanzeige sei der

Kläger aufgrund der Verwendung der beiden Vornamen Ernst und August wegen der

damals zahlreichen Presseberichte über tätliche Auseinandersetzungen des Klägers

zu erkennen gewesen. Soweit die Revision geltend macht, es handele sich um alltägliche Vornamen, viele Verbraucher würden das auf die Auseinandersetzungen, an

denen der Kläger beteiligt gewesen sei, Bezug nehmende Wortspiel schon nicht erkennen, vermag sie einen Rechtsfehler des Berufungsgerichts nicht aufzuzeigen.

Denn das Berufungsgericht hat seine gegenteilige Auffassung rechtsfehlerfrei auf die

von der Revision nicht angegriffene Feststellung gestützt, die Medien hätten wiederholt über diese Vorfälle und zuvor schon seit längerer Zeit vielfach über die Beziehung des Klägers zur Tochter des damaligen Fürsten von Monaco, seiner jetzigen

Ehefrau, berichtet und dabei den Kläger regelmäßig mit seinen Vornamen Ernst August benannt, meist ergänzt durch das Adelsprädikat "Prinz"; aus diesem Grunde

seien seine Vornamen weiten Kreisen der Öffentlichkeit bekannt gewesen, als das in

Rede stehende Werbemotiv verbreitet worden sei.

133. Dagegen kann dem Berufungsgericht nicht in seiner Beurteilung gefolgt

werden, der Eingriff in das einen Teil des Persönlichkeitsrechts des Klägers darstellende Namensrecht sei nicht gerechtfertigt. Das Berufungsgericht hat bei der von ihm

vorgenommen Güter- und Interessenabwägung nicht hinreichend berücksichtigt,

dass die vermögensrechtlichen Bestandteile des allgemeinen Persönlichkeitsrechts

wie auch des Namensrechts nur einfachrechtlich geschützt sind, während sich die

Beklagten ihrerseits auf das verfassungsrechtlich geschützte Grundrecht der Meinungsäußerungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) berufen können. Unter Berücksichtigung

der Schwere des Eingriffs in das Persönlichkeitsrecht des Klägers ist der Ausübung

des Grundrechts der Meinungsäußerungsfreiheit im Streitfall daher der Vorrang einzuräumen.

14a) Bei dem in der Revisionsinstanz noch anhängigen Anspruch auf Zahlung

einer Lizenzgebühr in Höhe von 60.000 geht es ausschließlich um einen Eingriff

der Beklagten in die vermögenswerten Bestandteile des allgemeinen Persönlichkeitsrechts sowie des Namensrechts des Klägers. Eine etwaige Beeinträchtigung der

ideellen Bestandteile seines Persönlichkeitsrechts, auf die der Kläger seinen bereits

in erster Instanz abgewiesenen Klageanspruch auf Zahlung einer Geldentschädigung

gestützt hat, steht nicht zur Überprüfung. Während die Persönlichkeitsrechte, soweit

sie dem Schutz ideeller Interessen dienen, zum verfassungsrechtlich gewährleisteten

Kern der Persönlichkeitsentfaltung (Art. 1 und 2 Abs. 1 GG) gehören, ist der Schutz

der von der Rechtsprechung entwickelten vermögenswerten Bestandteile der Persönlichkeitsrechte lediglich zivilrecht begründet (BVerfG, Kammerbeschl. v.

22.8.2006 - 1 BvR 1168/04, GRUR 2006, 1049, 1050 f.; BGHZ 169, 340

Tz. 21 - Rücktritt des Finanzministers). Den nur einfachrechtlich geschützten vermögensrechtlichen Bestandteilen des Persönlichkeitsrechts kommt gegenüber der verfassungsrechtlich geschützten Meinungsäußerungsfreiheit grundsätzlich kein Vorrang zu (vgl. BGHZ 169, 193 Tz. 14 - kinski-klaus.de; ferner Ehmann, AfP 2007, 81,

82; Soehring/Link in Weberlin/Wallraf/Deters, Im Zweifel für die Pressefreiheit, 2008,

S. 285, 294).

15b) Unter Berücksichtigung der Intensität des hier in Rede stehenden Eingriffs

in den vermögensrechtlichen Bestand des Persönlichkeitsrechts des Klägers kommt

bei der gebotenen Güter- und Interessenabwägung der Rechtsposition, auf die sich

die Beklagten bei der Verbreitung der Werbeanzeige unter Berufung auf Art. 5 Abs. 1

GG stützen, ein größeres Gewicht zu.

16aa) Der Schutz des Art. 5 Abs. 1 GG erstreckt sich, wovon auch das Berufungsgericht ausgegangen ist, auch auf kommerzielle Meinungsäußerungen und auf

reine Wirtschaftswerbung, die einen wertenden, meinungsbildenden Inhalt hat (vgl.

BVerfGE 71, 162, 175; 102, 347, 359 - Benetton; BGHZ 169, 340 Tz. 15 - Rücktritt

des Finanzministers, m.w.N.). Dabei haben nicht nur Beiträge, die sich mit Vorgängen von historisch-politischer Bedeutung befassen, einen meinungsbildenden Inhalt

(zu einer Werbeanzeige mit einem aktuellen politischen Tagesereignis vgl. BGHZ

169, 340 Tz. 20 - Rücktritt des Finanzministers), sondern auch solche, die Fragen

von allgemeinem gesellschaftlichen Interesse aufgreifen. Auch durch unterhaltende

Beiträge kann Meinungsbildung stattfinden; solche Beiträge können die Meinungsbildung unter Umständen nachhaltiger anregen und beeinflussen als sachbezogene

Informationen (vgl. BVerfGE 101, 361, 389 f. - Caroline von Monaco; BVerfG, Kammerbeschl. v. 2.5.2006 - 1 BvR 507/01, NJW 2006, 2836 Tz. 11; BGH, Urt. v.

3.7.2007 - VI ZR 164/06, GRUR 2007, 902 Tz. 7 = WRP 2007, 1216, m.w.N.).

17bb) Das beanstandete Werbemotiv der Beklagten befasst sich, wie das Berufungsgericht rechtsfehlerfrei angenommen hat, in satirisch-spöttischer Form mit den

durch die Darstellung der verbeulten Zigarettenpackung in Bezug genommenen Verhaltensweisen des Klägers bei den tätlichen Auseinandersetzungen vor dem Gut

Calenberg sowie auf der Insel Lamu. Über diese Vorfälle war in den Medien wieder-

holt mit Namensnennung und Abbildung des Klägers berichtet worden, weil wegen

der Beziehung des Klägers zu der Tochter des damaligen Fürsten von Monaco ein

besonderes Informationsinteresse der Öffentlichkeit an diesen Ereignissen bestand.

Die Bekanntheit einer Person im öffentlichen Leben kann ein besonderes Informationsinteresse der Öffentlichkeit begründen, das es rechtfertigen kann, über bestimmte

Verhaltensweisen dieser Person auch mit Namensnennung und Abbildung zu berichten (vgl. BVerfG, Kammerbeschl. v. 13.6.2006 - 1 BvR 565/06, NJW 2006, 2835

Tz. 11; BGH, Urt. v. 15.11.2005 - VI ZR 286/04, GRUR 2006, 257 Tz. 22 = WRP

2006, 261). Einer Berichterstattung mit Namensnennung und Abbildung über solche

Ereignisse von gesellschaftlicher Relevanz steht auch nicht der Schutz der Privatsphäre nach Art. 8 EMRK (vgl. dazu EGMR GRUR 2004, 1051 Tz. 76 - von Hannover/Deutschland) entgegen (BVerfG NJW 2006, 2835 Tz. 14 f.; BGH GRUR 2006,

257 Tz. 26; BGH GRUR 2007, 902 Tz. 9).

18cc) Obwohl die Beklagten die tätlichen Auseinandersetzungen des Klägers vor

seinem Gut Calenberg und auf der Insel Lamu im Rahmen einer Werbekampagne

aufgegriffen haben, können sie sich folglich gleichwohl auf den besonderen Schutz

der Meinungsäußerungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) berufen. Entgegen der Auffassung

des Berufungsgerichts führt der Umstand, dass mit der Anzeige durch die Verwendung der Vornamen des Klägers und durch die Anspielung auf seine vermeintliche

Bereitschaft zu tätlicher Auseinandersetzung in erster Linie bei den Betrachtern Aufmerksamkeit erregt werden sollte, um letztlich die Bekanntheit und den Absatz der

von den Beklagten beworbenen Zigarettenmarke zu erhöhen, nicht zu einem grundsätzlichen Überwiegen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts des Klägers. Das Berufungsgericht hat bei seiner Abwägung nicht hinreichend beachtet, dass im Streitfall,

wie dargelegt, lediglich der zivilrechtlich, nicht verfassungsrechtlich begründete

Schutz der vermögenswerten Bestandteile des Persönlichkeitsrechts betroffen ist.

Geht es um Eingriffe in die vermögenswerten Bestandteile des Persönlichkeitsrechts,

weil der Name einer bekannten Persönlichkeit ohne deren Einwilligung in einer Wer-

beanzeige genannt wird, kann nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden,

dass dem Schutz des Persönlichkeitsrechts des Genannten stets der Vorrang gegenüber der Meinungsäußerungsfreiheit des Werbenden zukommt. Vielmehr kann

die mit der Namensnennung verbundene Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts

hinzunehmen sein, wenn sich die Werbeanzeige einerseits in satirisch-spöttischer

Form mit einem in der Öffentlichkeit diskutierten Ereignis auseinandersetzt, an dem

der Genannte beteiligt war, und wenn andererseits der Image- oder Werbewert des

Genannten durch die Verwendung seines Namens nicht ausgenutzt und nicht der

Eindruck erweckt wird, als identifiziere er sich mit dem beworbenen Produkt oder

empfehle es (vgl. BGHZ 169, 340 Tz. 19 - Rücktritt des Finanzministers, m.w.N.).

19Diesen Eindruck erweckt die beanstandete Werbeanzeige nach den Feststellungen des Berufungsgerichts jedoch nicht. Sie erinnert vielmehr, wie auch das Berufungsgericht angenommen hat, diejenigen Betrachter, die von den tätlichen Auseinandersetzungen des Klägers bereits Kenntnis hatten, an diese Vorfälle und die

diesbezüglichen Medienberichterstattungen; Betrachter ohne jegliche Vorkenntnis

von den Berichterstattungen konnten dagegen den Witz des Wortspiels mit den Vornamen des Klägers nicht verstehen. Die Ereignisse, auf die die Werbeanzeige im

zeitlichen Zusammenhang mit der darüber in den Medien erfolgten Diskussion Bezug

nimmt, werden zudem nicht einfach genannt, sondern in besonders pfiffiger Weise

kommentiert. Die Werbeanzeige ist daher Teil der öffentlichen Auseinandersetzung

über die von ihr aufgegriffenen tätlichen Auseinandersetzungen des Klägers. Sie hat

über die satirisch-spöttische Anspielung auf die der Öffentlichkeit bereits bekannten

Geschehnisse hinaus auch nach Auffassung des Berufungsgerichts keinen den Kläger beleidigenden oder ernsthaft herabsetzenden Inhalt. Da nicht der Eindruck erweckt wird, der Kläger identifiziere sich in irgendeiner Weise mit dem beworbenen

Produkt, kann eine Herabsetzung des Klägers insbesondere nicht darin gesehen

werden, dass es sich hier um eine Werbung für Tabakerzeugnisse handelt. Danach

ist der Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Klägers gegenüber der Meinungsäu-

ßerungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG), auf die sich die Beklagten berufen können, von

geringerem Gewicht. Das Interesse des Klägers, ohne seine Einwilligung in der Werbeanzeige nicht genannt zu werden, muss daher gegenüber der Ausübung dieses

Grundrechts zurücktreten.

204. Aus den vorstehend genannten Gründen steht dem Kläger auch ein Schadensersatzanspruch wegen Verletzung der vermögenswerten Bestandteile seines

Persönlichkeitsrechts nach § 823 Abs. 1 BGB i.V. mit Art. 1 und 2 Abs. 1 GG auf

Zahlung einer Lizenzgebühr nicht zu.

215. Da durch die beanstandete Werbeanzeige weder die vermögenswerten Bestandteile noch - mangels eines beleidigenden oder ernsthaft herabsetzenden Inhalts - die ideellen Bestandteile des Persönlichkeitsrechts des Klägers verletzt worden sind, kann er von der Beklagten zu 2 auch nicht Erstattung der Abmahnkosten

verlangen.

22III. Auf die Revision der Beklagten ist das Berufungsurteil daher aufzuheben,

soweit zum Nachteil der Beklagten entschieden worden ist. Auch insoweit ist die Klage unter Abänderung der erstinstanzlichen Entscheidung abzuweisen.

23Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 Abs. 1 ZPO.

Bornkamm Pokrant Büscher

Bergmann Koch

Vorinstanzen:

LG Hamburg, Entscheidung vom 21.01.2005 - 324 O 970/03 -

OLG Hamburg, Entscheidung vom 15.05.2007 - 7 U 23/05 -

Letze Urteile des Bundesgerichtshofs

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 278/01 vom 17.10.2001

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 245/01 vom 17.10.2001

Leitsatzentscheidung

NotZ 39/02 vom 31.03.2003

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