Urteil des BGH vom 10.04.2008, VIII ARZ 14/73

Aktenzeichen: VIII ARZ 14/73

BGH (rechtliches gehör, antragsteller, verfügung, gutachter, rücknahme, verhandlung, verletzung, befangenheit, gutachten, beschwerde)

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

AnwZ (B) 102/05

vom

10. April 2008

in dem Verfahren

wegen Widerrufs der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft hier: Anhörungsrüge nach § 29a FGG

Der Bundesgerichtshof, Senat für Anwaltssachen, hat durch den Vorsitzenden

Richter Dr. Ganter, die Richter Dr. Ernemann, Dr. Frellesen und Schaal sowie

die Rechtsanwälte Dr. Wüllrich, Dr. Frey und Prof. Dr. Quaas

am 10. April 2008

beschlossen:

Das Ablehnungsgesuch des Antragstellers gegen die am Senatsbeschluss vom 26. November 2007 beteiligten Richter wird als unzulässig verworfen.

Der Tatbestandsberichtigungsantrag des Antragstellers, die Rüge

des Antragstellers, durch den Senatsbeschluss vom

26. November 2007 in seinem Anspruch auf rechtliches Gehör

verletzt worden zu sein, sowie die Gegenvorstellung des Antragstellers gegen den Senatsbeschluss werden zurückgewiesen.

Der Antragsteller hat die Kosten des Rügeverfahrens zu tragen.

Gründe:

I.

1Mit seinem Beschluss vom 26. November 2007 hat der Senat die sofortige Beschwerde des Antragstellers gegen den Beschluss des 1. Senats des

Anwaltsgerichtshofs des Landes Nordrhein-Westfalen vom 17. Juni 2005, mit

dem der Antrag des Antragstellers auf gerichtliche Entscheidung gegen die Widerrufsverfügung der Antragsgegnerin vom 4. Dezember 2003 zurückgewiesen

worden war, zurückgewiesen. Der Antragsteller lehnt mit Schriftsatz vom

11. Februar 2008 die am Beschluss beteiligten Richter des Senats wegen Befangenheit ab und beantragt Tatbestandsberichtigung; darüber hinaus wendet

er sich gegen den Senatsbeschluss mit der Gehörsrüge, hilfsweise mit einer

Gegenvorstellung.

II.

Der Befangenheitsantrag und der Tatbestandsberichtigungsantrag sind 2

unzulässig; die Anhörungsrüge und die Gegenvorstellung des Antragstellers

sind nicht begründet.

1. Das Ablehnungsgesuch 42 Abs. 1 ZPO) ist unzulässig. 3

4Bei der Ablehnung eines oder mehrerer Richter müssen ernsthafte Umstände aufgeführt werden, die die Besorgnis der Befangenheit der abgelehnten

Richter aus Gründen rechtfertigen, die in persönlichen Beziehungen der abgelehnten Richter zu den Parteien oder zur Streitsache liegen; der Ablehnungsgrund muss durch nachvollziehbaren Bezug zum konkreten Rechtsstreit wenigstens ansatzweise substantiiert sein (st.Rspr.; vgl. Beschluss vom

7. November 1973 - VIII ARZ 14/73, NJW 1974, 55, 56; BVerwG, NJW 1997,

3327). Dies ist bei dem Ablehnungsgesuch des Antragstellers nicht der Fall. Es

richtet sich gegen sämtliche am Senatsbeschluss vom 26. November 2007 beteiligten Richter, nicht wegen persönlicher Beziehungen der Richter zu den Beteiligten oder zur Streitsache; derartige Umstände führt der Antragsteller nicht

an. Aus der mit dem Ablehnungsgesuch verbundenen, an die abgelehnten

Richter gerichteten "Aufforderung zur sofortigen dienstlichen Äußerung über

ihre Irrationalität und ihre zum Richterausschluss führende Selbstbetroffenheit

durch meine Offenlegung der GG-gemäße Rechtsprechung ausschließenden

Justizmängel" geht hervor, dass der Antragsteller die Richter wegen ihrer Beteiligung an dem nach seiner Auffassung nicht verfassungsgemäßen Justizsystem

ablehnt. Ein in dieser Weise begründeter Befangenheitsantrag ist, wie der Senat im vorliegenden Verfahren bereits in seinem Beschluss vom 25. Juni 2007

(AnwZ (B) 102/05, juris) entschieden hat, offensichtlich missbräuchlich; an der

Entscheidung über ein solches Ablehnungsgesuch können auch die abgelehnten Richter selbst mitwirken (Senatsbeschluss vom 25. Juni 2007, aaO; BGH,

Beschluss vom 7. November 1973, aaO; BVerwGE 50, 36, 37).

52. Der Tatbestandsberichtigungsantrag ist - ungeachtet seiner Zulässigkeit im Übrigen (vgl. dazu Senatsbeschlüsse vom 29. März 2005 - AnwZ (B)

72/02 - und vom 18. Oktober 2006 - AnwZ (B) 91/05, jeweils www.bundesgerichtshof.de) - jedenfalls unbegründet, weil der Senatsbeschluss keine unrichtige Wiedergabe des Sachverhalts enthält. Die Feststellung des Senats,

dass der Antragsteller den Aufforderungen der Antragsgegnerin, sich mit dem

Gutachter in Verbindung zu setzen und dessen Gutachten vorzulegen, nicht

nachkam, ist richtig. Dem steht das Vorbringen des Antragstellers, er habe den

Gutachter vergeblich nach den Kosten einer zehnsekündigen Begutachtung

befragt, nicht entgegen.

3. Die nach § 29a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 FGG i.V.m. § 42 Abs. 6 BRAO 6

statthafte Anhörungsrüge ist zulässig, hat in der Sache aber keinen Erfolg.

7Eine entscheidungserhebliche Verletzung des Anspruchs des Antragstellers auf rechtliches Gehör liegt nicht vor. Der Senat hat in seinem Beschluss

vom 26. November 2007 weder Tatsachen noch sonstige Umstände verwertet,

zu denen der Antragsteller nicht gehört worden wäre. Er hat das schriftsätzliche

und mündliche Vorbringen des Antragstellers auch nicht übergangen, sondern

für nicht durchgreifend erachtet; dies gilt auch für das auf Seite 3 f. der Gehörsrüge aufgeführte Vorbringen des Antragstellers und seines Verfahrensbevollmächtigten.

8Entgegen der Auffassung des Antragstellers liegt auch keine das rechtliche Gehör verletzende Überraschungsentscheidung vor. Der Senat hat sich in

der mündlichen Verhandlung zur Erfolgsaussicht der sofortigen Beschwerde

nicht geäußert und war entgegen der Auffassung des Antragstellers auch nicht

dazu verpflichtet, dies vor der Beratung zu tun.

Mit seinen weiteren Ausführungen greift der Antragsteller die tatsächliche 9

und rechtliche Würdigung des Sachverhalts durch den Senat an. Insoweit

macht er keine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend,

sondern die sachliche Unrichtigkeit der getroffenen Entscheidung. Dies ist nicht

Gegenstand des Rügeverfahrens.

104. Die hilfsweise erhobene Gegenvorstellung, mit welcher der Antragsteller den Sachverhalt in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht abweichend vom

Senatsbeschluss würdigt, kann - unabhängig von der Frage ihrer Zulässigkeit

überhaupt - keinen Erfolg haben, weil die Sachentscheidung des Senats

- außerhalb des Verfahrens der Anhörungsrüge - unabänderlich ist. Davon abgesehen rechtfertigt die Gegenvorstellung des Antragstellers auch keine andere

Beurteilung der angegriffenen Widerrufsverfügung.

Es kann insbesondere dahingestellt bleiben, ob der Antragsteller beim 11

Anwaltsgerichtshof einen Antrag auf Wiederaufnahme des beim Anwaltsgerichtshof geführten, rechtskräftig abgeschlossenen Verfahrens 1 ZU 65/02 (dazu Senatsbeschluss vom 4. März 2005 - AnwZ (B) 53/03) gestellt hat. Die in

dem Verfahren 1 ZU 65/02 angegriffene Verfügung der Antragsgegnerin vom

13. März 2002, mit welcher der Antragsteller gemäß §§ 8a, 15 BRAO a.F. aufgefordert worden war, zur Überprüfung der Widerrufsvoraussetzungen nach

§ 14 Abs. 2 Nr. 3 BRAO ein fachärztliches Gutachten über seinen Gesundheitszustand vorzulegen, ist vom Senat im vorliegenden Verfahren überprüft worden.

Der Senat hat die Rechtmäßigkeit der damaligen Verfügung in seinem Beschluss vom 26. November 2007 bestätigt (unter III 2 a).

12Das Vorbringen des Antragstellers, ihm sei mit Verfügung der Antragsgegnerin vom 8. Dezember 2004 der Anwaltsausweis bis zum Jahre 2009 verlängert worden, ist für die Entscheidung nicht erheblich. In einer Verlängerung

des Anwaltsausweises während eines noch nicht abgeschlossenen Widerrufsverfahrens liegt entgegen der Auffassung des Antragstellers keine schlüssige

Rücknahme des Zulassungswiderrufs. Eine Rücknahme ist auch nicht, wie der

Antragsteller meint, darin zu sehen, dass die Antragsgegnerin in der mündlichen Verhandlung vor dem Senat nicht vertreten war.

Ganter Ernemann Frellesen Schaal

Wüllrich Frey Quaas

Vorinstanz:

AGH Hamm, Entscheidung vom 17.06.2005 - 1 ZU 74/03 -

Letze Urteile des Bundesgerichtshofs

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 278/01 vom 17.10.2001

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 245/01 vom 17.10.2001

Leitsatzentscheidung

NotZ 39/02 vom 31.03.2003

Urteil herunterladen
Informationen
Optionen
Sie suchen einen Anwalt?

Wir finden den passenden Anwalt für Sie! Nutzen Sie einfach unseren jusmeum-Vermittlungsservice!

Zum Vermittlungsservice