Urteil des BGH vom 16.01.2006, II ZR 76/04

Aktenzeichen: II ZR 76/04

Cash-Pool Leitsatzentscheidung

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

II ZR 76/04 Verkündet am: 16. Januar 2006 Vondrasek Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk: ja

BGHZ: ja

BGHR: ja

- Cash-Pool -

GmbHG § 5 Abs. 4, § 19 Abs. 5, § 56 Abs. 2

Die in ein Cash-Pool-System einbezogenen Gesellschaften mit beschränkter

Haftung unterliegen - ohne dass ein "Sonderrecht" für diese Art der Finanzierung anerkannt werden könnte - bei der Gründung und der Kapitalerhöhung den

Kapitalaufbringungsvorschriften des GmbHG und den dazu von der höchstrichterlichen Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen.

BGH, Urteil vom 16. Januar 2006 - II ZR 76/04 - OLG Dresden

LG Zwickau

Der II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat auf die mündliche

Verhandlung vom 16. Januar 2006 durch den Vorsitzenden Richter

Prof. Dr. Goette und die Richter Dr. Kurzwelly, Prof. Dr. Gehrlein, Dr. Strohn

und Caliebe

für Recht erkannt:

Die Revision gegen das Urteil des 18. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Dresden vom 10. März 2004 wird auf Kosten des Beklagten zurückgewiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand:

1Der Kläger ist Verwalter in dem am 1. März 1999 eröffneten Gesamtvollstreckungsverfahren über das Vermögen der A. GmbH (nachfolgend: Schuldnerin). Er nimmt den Beklagten und dessen im Parallelrechtsstreit II ZR 75/04 verklagten Vater Dr. K. M. (nachfolgend: Dr. M.) auf Leistung übernommener, angeblich rückständiger Einlagen in Höhe von jeweils 750.000,00 DM

(= 383.468,91 €) aus einer am 16. Dezember 1997 beschlossenen Erhöhung

des Stammkapitals der Schuldnerin von 2,5 Mio. DM auf 4,0 Mio. DM in Anspruch.

2Der Beklagte und Dr. M., die bereits seit 1. Dezember 1995 Mitgesellschafter der Schuldnerin sind und diese aufgrund ihrer Beteiligungen gemeinsam beherrschten, hatten zumindest bis zur Eröffnung des Gesamtvoll-

streckungsverfahrens aufgrund "maßgeblicher" Beteiligung zugleich zusammen

die Mehrheitsmacht über die D. von R. M. GmbH & Co. KG (nachfolgend: D.).

Die D. hatte seit langem als Zentralgesellschaft zusammen mit anderen Unternehmen eines Konzernverbundes mit der Dr. AG Da. (nachfolgend: Dr.-Da.)

das sog. "drecon-Verfahren", ein automatisches Cash-Managementsystem

(nachfolgend: Cash-Pool), vereinbart, bei dem zum Zwecke des besseren

Liquiditätsmanagements buchungstäglich zu Gunsten oder zu Lasten des sog.

Zentralkontos der D., über das diese allein verfügungsberechtigt war, sämtliche

"Nebenkonten" der anderen teilnehmenden Konzerngesellschaften "auf Null

gestellt" wurden; dabei sollte die Übertragung der Guthaben und Debetsalden

jeweils mit endgültiger Wirkung erfolgen. Ab Oktober 1996 wurde auch die

Schuldnerin mit ihrem seitdem als Nebenkonto behandelten einzigen - bei der

Dr. AG P. geführten - Geschäftskonto (im Folgenden: Nebenkonto) in den

Cash-Pool einbezogen.

3Einen Tag nach dem Kapitalerhöhungsbeschluss, am 17. Dezember

1997, transferierte die D. von einem bei der Sparkasse Da. geführten Konto

die vom Beklagten und von Dr. M. übernommenen neuen Einlagen von

insgesamt 1,5 Mio. DM auf ein von dem Geschäftsführer der Schuldnerin,

Pe., auf Anraten der Rechtsabteilung der D. bereits vor Beurkundung des

Kapitalerhöhungsbeschlusses bei der R.bank Di., Me., als Termingeldkonto

(Konditionen: 30 Tage) errichtetes Sonderkonto; dort sollten die Einlagebeträge

bis zur Eintragung der Kapitalerhöhung belassen werden, um die endgültige

Leistung zu freier Verfügung der Geschäftsleitung der Schuldnerin zu

gewährleisten. Nach Eintragung der Kapitalerhöhung am 12. Januar 1998

überwies die Schuldnerin von dem Sonderkonto den gesamten dort angelegten Einlagenbetrag einschließlich aufgelaufener Zinsen - unter An-

gabe des Verwendungszwecks "Erhöhung Stammkapital" - auf ihr in den Cash-

Pool einbezogenes Nebenkonto. Nachdem dort am 21. Januar 1998 die Wertstellung erfolgt war, wurde der Gesamtbetrag gemäß der dem drecon-Verfahren

zugrunde liegenden Verrechnungsabrede mit Ablauf desselben Tages von dem

Nebenkonto - durch Stellung dieses Kontos "auf Null" - wieder abgebucht und

dem Zentralkonto der D. gutgeschrieben. In diesem Umfang verringerten sich

die bis zum Abend des 20. Januar 1998 auf mindestens 4.266.106,36 DM angewachsenen Verbindlichkeiten der Schuldnerin gegenüber der D. im Rahmen

des Cash-Pool-Verfahrens; gleichzeitig reduzierten sich die Verbindlichkeiten

der D. im (Außen-)Verhältnis zur Dr.-Da. entsprechend. In der Folgezeit erhöhte

sich der interne Sollsaldo der Schuldnerin bei der D. bis zur Beendigung ihrer

Teilnahme am Cash-Pool am 17. Dezember 1998 wieder um 1,65 Mio. DM.

4Das Landgericht hat nach Beweiserhebung die Klage abgewiesen. Auf

die Berufung des Klägers hat das Oberlandesgericht ihr - mit Ausnahme eines

geringen Teils des Zinsanspruchs - stattgegeben. Mit der - vom Berufungsgericht zugelassenen - Revision verfolgt der Beklagte sein Begehren auf vollständige Abweisung der Klage weiter.

Entscheidungsgründe:

5Die Revision des Beklagten ist nicht begründet.

6I. Das Berufungsgericht hat ausgeführt:

7Die von dem Beklagten und seinem Vater über die von ihnen beherrschte D. auf das Sonderkonto der Schuldnerin geleisteten Zahlungen hätten

deren Einlageverbindlichkeiten aus der Kapitalerhöhung nicht wirksam getilgt,

weil der Gesamtbetrag entsprechend einer angesichts des zeitlichen und sachlichen Zusammenhangs nach den Gesamtumständen zu vermutenden, vom

Beklagten nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme nicht widerlegten Vorabsprache alsbald nach Art eines Zahlungskreislaufs über das Nebenkonto im

Rahmen des Cash-Pool-Systems an die D. und damit - aufgrund der Beherrschungsverhältnisse - zugleich an die Inferenten zurückgeflossen sei und dadurch in entsprechender Höhe die bereits zuvor bestehende Darlehensverbindlichkeit der Schuldnerin gegenüber der D. verringert habe. Im wirtschaftlichen

Ergebnis sei daher der Schuldnerin objektiv nicht die im Kapitalerhöhungsbeschluss festgesetzte Bareinlage, sondern aufgrund des verrechnungsähnlichen

Hin- und Herzahlens lediglich die Befreiung von einer Verbindlichkeit zugeflossen. Damit sei der Umgehungstatbestand einer verdeckten Sacheinlage erfüllt,

so dass die Einlageschuld nicht getilgt sei. Die Tatsache, dass der Kapitalaufbringungsvorgang schließlich auch im Rahmen eines Cash-Pool-Systems stattgefunden habe, rechtfertige keine andere Beurteilung. Eine nachträgliche Erfüllung der Einlageverbindlichkeit habe der Beklagte nicht substantiiert vorgetragen. Abgesehen davon könne die spätere erneute Inanspruchnahme des Cash-

Pool-Zentralkontos in Höhe von weiteren 1,65 Mio. DM seitens der Schuldnerin

nicht als zulässige, die Einlageverbindlichkeit tilgende Verrechnung angesehen

werden.

8II. Diese Beurteilung hält revisionsrechtlicher Nachprüfung stand.

9Das Berufungsgericht hat zu Recht den Beklagten - ebenso wie in dem

Parallelverfahren dessen Vater Dr. M. - zur (nochmaligen) Leistung der jeweils

übernommenen Stammeinlage von 750.000,00 DM (= 383.468,91 €) aus der

Kapitalerhöhung vom 16. Dezember 1997 verurteilt.

10Beide Inferenten haben mit der Einzahlung der Einlagebeträge durch die

von ihnen gemeinsam beherrschte D. auf das zuvor nur für kurze Zeit errichtete

Festgeld-Sonderkonto der Schuldnerin am 17. Dezember 1997 nicht - wie für

eine ordnungsgemäße Kapitalaufbringung erforderlich (vgl. BGHZ 153, 107,

109) - zur freien Verfügung des Geschäftsführers der Schuldnerin geleistet und

damit ihre Einlageschuld 19 Abs. 1 GmbHG) nicht wirksam getilgt. Denn dieser Zahlungsvorgang war - wie das Berufungsgericht zutreffend angenommen

hat - lediglich Teil eines gegen § 56 Abs. 2, § 19 Abs. 5, § 5 Abs. 4 Satz 1

GmbHG verstoßenden und damit unwirksamen Umgehungsgeschäftes in Form

einer verdeckten Sacheinlage.

11Als verdeckte Sacheinlage wird es angesehen, wenn die gesetzlichen

Regeln für Sacheinlagen dadurch unterlaufen werden, dass zwar eine Bareinlage vereinbart wird, die Gesellschaft aber bei wirtschaftlicher Betrachtung von

dem Einleger aufgrund einer im Zusammenhang mit der Übernahme der Einlage getroffenen Absprache einen Sachwert erhalten soll (vgl. BGHZ 155, 329,

331).

12Eine solche verdeckte Sacheinlage lag hier vor, weil - nach den vom Berufungsgericht revisionsrechtlich einwandfrei getroffenen Feststellungen - die

gesamte Einlage, wie von vornherein beabsichtigt, alsbald nach der nur knapp

einen Monat später erfolgten Eintragung der Kapitalerhöhung unter Auflösung

des Sonderkontos auf das einzige Geschäftskonto der Schuldnerin weitergeleitet und von dort im Rahmen des bestehenden Cash-Pools noch am Abend desselben Tages kraft der Poolvereinbarung "automatisch" dem Zentralkonto der

von den Inferenten beherrschten D. gutgeschrieben worden ist mit der Folge

einer entsprechenden anteiligen Tilgung der die Einlage seinerzeit erheblich

übersteigenden Darlehensverbindlichkeiten der Schuldnerin gegenüber der

D.. Aufgrund dieses verrechnungsähnlichen Hin- und Herzahlens ist der

Schuldnerin im wirtschaftlichen Ergebnis objektiv nicht der im Kapitalerhöhungsbeschluss verlautbarte Barbetrag, sondern - die Wirksamkeit des Vorgangs unterstellt - die anteilige Befreiung von den gegenüber der D. bereits seit

längerem bestehenden Darlehensverbindlichkeiten aus der Cash-Pool-

Verbindung zugeflossen (vgl. zur Darlehensschuld als Gegenstand verdeckter

Sacheinlage bei der Kapitalerhöhung bereits BGHZ 110, 47, 60; 113, 335,

339 f.; zur Qualifizierung der Geldbewegungen zwischen Zentral- und Quellkonten im Cash-Pool als Darlehen: vgl. Hellwig in FS Peltzer, 163, 165; Sieger/

Hasselbach, BB 1999, 645, 646; Ränsch in Freundesgabe Döser, 557, 558;

Jäger, DStR 2000, 1653; Cahn, ZHR 166 (2002), 278, 280 - jew. m.w.Nachw.).

131. Schon der enge sachliche und zeitliche Zusammenhang zwischen der

Einzahlung des gesamten Einlagebetrages auf das als Termingeldkonto auf

Empfehlung der Rechtsabteilung der D. eigens eingerichtete Sonderkonto am

Tage nach dem Kapitalerhöhungsbeschluss und dem praktisch von vornherein

vorgezeichneten "Rücklauf" des Geldes knapp einen Monat später auf dem

Weg über den Cash-Pool an die von den Inferenten gemeinsam beherrschte D.

begründet die Vermutung, dass die (objektive) Umgehung der Sachkapitalaufbringungsregeln durch Einschaltung des Cash-Pool zwischen den beteiligten

Gesellschaftern vorher so abgesprochen wurde (vgl. Senat BGHZ 153, 107,

109 m.w.Nachw.). Das Berufungsgericht hat insoweit in nahe liegender, revisionsrechtlich einwandfreier Würdigung ein planartig abgestimmtes Handeln daraus abgeleitet, dass die festgestellte stillschweigende Billigung des der Gesellschafterversammlung der Schuldnerin bekannt gegebenen Vorgehens der Geschäftsführung einer Verabredung im vorliegenden Fall gleich steht, in deren

Folge der Einlagebetrag - wie beabsichtigt - zwangsläufig wieder an den Inferenten zurückfloss.

14Nachdem sich der Geschäftsführer der Schuldnerin, Pe., unmittelbar an

den Geschäftsführer der Komplementär-GmbH der D. KG, Dr. Mer., mit der Forderung gewandt hatte, die D. müsse die Überschuldung der Schuldnerin "reparieren", wurde von dort aus offensichtlich für die beiden Inferenten, die

gemeinsam beide Gesellschaften beherrschten, die Stammkapitalerhöhung bei

der Schuldnerin in die Wege geleitet. Dabei erteilte die Rechtsabteilung der D.

dem Geschäftsführer der Schuldnerin, Pe., den - von diesem auch befolgten -

Rat, zur (vermeintlichen) Gewährleistung einer "Leistung zur freien Verfügung"

die Einlagen aus der Kapitalerhöhung auf ein eigens zu diesem Zweck zu errichtendes Festgeldsonderkonto überweisen zu lassen und es dort bis zur Eintragung der Kapitalerhöhung zu belassen, weil die Schuldnerin ansonsten nur

noch über das in den Cash-Pool einbezogene Nebenkonto als einziges Geschäftskonto verfügte, über das im Falle einer sofortigen Überweisung der Einlage dorthin diese noch am selben Tage unmittelbar an die D. zurückgelangt

und damit die Einzahlung zur endgültig freien Verfügung verfehlt worden wäre.

15Angesichts dieser der Gesellschafterversammlung der Schuldnerin bekannten Umstände hat das Berufungsgericht revisionsrechtlich einwandfrei die

Überzeugung gewonnen, die Einrichtung des befristeten Termingeldsonderkontos an Stelle eines weiteren Geschäftsgirokontos außerhalb des Cash-Pool sei

in der von vornherein feststehenden Erkenntnis und in der Absicht erfolgt, den

Kapitalerhöhungsbetrag nach einer - fälschlich für ausreichend erachteten -

"Karenzfrist" unmittelbar im Anschluss an die Eintragung der Kapitalmaßnahme

im Handelsregister dem einzigen Geschäftskonto der Schuldnerin - und damit

zugleich dem Cash-Pool - zuzuführen. Da die Verknüpfung zwischen Einzahlung und Rückfluss angesichts der lediglich auf kurze Frist angelegten Einrichtung des Sonderkontos bei der Beschlussfassung über die Kapitalerhöhung

solchermaßen bereits vorgezeichnet war und die weitere Vorgehensweise von

der Gesellschafterversammlung der Schuldnerin, auf der sich die Inferenten in

zurechenbarer Weise von dem Geschäftsführer Pe. vertreten ließen, mitgetragen, jedenfalls aber nicht beanstandet wurde, bedurfte es - wie das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat - keiner weitergehenden ausdrücklichen,

auf das Ziel der Übertragung des Einlagebetrages in den Cash-Pool und damit

die automatische Teiltilgung der Verbindlichkeiten der Schuldnerin gegenüber

der D. gerichteten Absprachen.

16Die in diesem Zusammenhang von der Revision erhobene Verfahrensrüge nach § 398 ZPO, das Berufungsgericht habe verabsäumt, den Zeugen Pe.

erneut zu vernehmen, ist unbegründet. Das Berufungsgericht hat seine im Ergebnis von dem Landgericht abweichende Überzeugung nicht auf Umstände

gestützt, die die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen oder die Glaubhaftigkeit seiner

Aussage betrafen. Vielmehr hat es in zulässiger Weise im Rahmen der Ausfüllung des Rechtsbegriffs der "Leistung zur endgültig freien Verfügung der Geschäftsleitung" unstreitige Tatsachen bewertet, die das Landgericht außer Betracht gelassen hatte; insoweit kam es auf die - nicht durch objektive Tatsachen

gestützte - persönliche Bewertung der Vorgänge durch den Zeugen nicht entscheidend an. Es blieb allein dem Berufungsrichter im Rahmen seiner freien

tatrichterlichen Überzeugungsbildung überlassen, welche Schlüsse er aus solchen nicht beweisbedürftigen, weil unstreitigen Tatsachen zog. Eine Bindung an

lückenhafte erstinstanzliche Feststellungen - zumal wenn es sich wie hier um

unstreitiges Tatsachenmaterial handelte - bestand entgegen der Ansicht der

Revision nicht.

172. Vergeblich versucht die Revision auch, die unter dem Blickwinkel der

Beherrschung der D. durch die beiden Inferenten i.S. der §§ 15 ff. AktG ge-

botene Zurechnung der Einbindung dieser Gesellschaft in den Kapitalerhöhungsvorgang, insbesondere die Geldhin- und -rückflüsse bezüglich der Einlagezahlungen, mit der Rüge angeblich fehlender Feststellungen zu den genauen

Beteiligungsverhältnissen in Frage zu stellen.

18Der Tatbestand einer Umgehung der Kapitalaufbringungsregeln setzt die

personelle Identität zwischen Inferent und Auszahlungsempfänger nicht unbedingt voraus (BGHZ 153, 107, 111). Es genügt vielmehr, dass der oder die Inferenten durch die Leistung des Dritten bzw. an den Dritten mittelbar in gleicher

Weise begünstigt werden, wie durch eine unmittelbare Leistung; u.a. bei der

Leistung an ein von dem oder den Inferenten beherrschtes Unternehmen ist

dies nach der Rechtsprechung des Senats der Fall (vgl. BGHZ 125, 141, 144).

19Zwar beherrschten der Beklagte und Dr. M. nach dem vom Kläger vorgelegten Handelsregisterauszug nicht jeweils einzeln die D.. Das ist aber im vorliegenden Fall unerheblich, weil die Inferenten die von ihnen jedenfalls gemeinsam beherrschte D. im gleichgerichteten Interesse übereinstimmend als Hilfsinstrument zum gemeinsamen Zweck der Aufbringung ihrer Einlageverbindlichkeiten gegenüber der Schuldnerin eingesetzt haben und auch die Rückflüsse

entsprechend der vom Berufungsgericht - wie ausgeführt: ordnungsgemäß -

festgestellten vorherigen Abrede ihnen wiederum über die D. zugute kommen

sollten. Im Übrigen haben sich der Beklagte und sein Vater in den Tatsacheninstanzen selbst als "maßgeblich" Beteiligte bzw. sogar als "Mehrheitsgesellschafter" der D. bzw. diese Gesellschaft als "ihr" Unternehmen bezeichnet, so

dass sie ohnehin nicht nunmehr in der Revisionsinstanz in zulässiger Weise

ihren beherrschenden Einfluss i.S. des § 17 AktG und die daraus resultierende

Zurechnung der Einlagezahlungen und Rückflüsse in Abrede stellen können.

203. Die Anwendung der Grundsätze über die verdeckte Sacheinlage, die

nach der neueren Rechtsprechung des Senats entsprechend § 27 Abs. 3

Satz 1 AktG auch im GmbH-Recht die Nichtigkeit sowohl des schuldrechtlichen

als auch des dinglichen Rechtsgeschäfts hinsichtlich der Einlage zur Folge haben (BGHZ 155, 329), ist entgegen der Ansicht der Revision nicht etwa deshalb

suspendiert, weil der Kapitalaufbringungsvorgang bei der Kapitalerhöhung im

Rahmen eines Cash-Pool-Systems stattgefunden hat.

21Auch die in ein Cash-Pool-System einbezogenen Gesellschaften mit beschränkter Haftung unterliegen - ohne dass ein "Sonderrecht" für diese Art der

Finanzierung anerkannt werden könnte - bei der Gründung und der Kapitalerhöhung den Kapitalaufbringungsvorschriften des GmbHG und den dazu von der

höchstrichterlichen Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen. Das ist im Übrigen auch den an der Kapitalerhöhung im vorliegenden Fall Beteiligten bewusst

gewesen. Nur deswegen haben sie es - im Ansatz zutreffend - für erforderlich

gehalten, die Einlagen nicht sogleich auf das einzige vorhandene, aber in den

Cash-Pool einbezogene Geschäftskonto der Schuldnerin einzuzahlen, sondern

stattdessen den - hier indessen verfehlten - Umweg über ein für wenige Tage

neu eingerichtetes Termingeldkonto zu wählen.

22An der unzulässigen Umgehung der Kapitalaufbringungsvorschriften im

Wege der verdeckten Sacheinlage durch die automatische Umbuchung des in

den Cash-Pool eingespeisten Einlagebetrages vom Nebenkonto der Schuldnerin auf das Zentralkonto der D. ändert sich - entgegen der Ansicht des Beklagten - insbesondere dadurch nichts, dass der Schuldnerin aufgrund der

Cash-Pool-Vereinbarung die Möglichkeit eingeräumt war, durch Verursachung

eines - durch das Zentralkonto auszugleichenden - weiteren Debetsaldos auf

ihrem P.er Nebenkonto wirtschaftlich die auf dem Zentralkonto bewirkte

partielle Rückführung ihrer dortigen Darlehensverbindlichkeit gegenüber der D.

wieder zu egalisieren. Ersichtlich steht eine solche nur schuldrechtlich eingeräumte mittelbare Möglichkeit der Belastung des der alleinigen (dinglichen) Verfügungsberechtigung der D. als Kontoinhaberin unterliegenden Zentralkontos

durch die Schuldnerin nicht - wie dies zu einer wirksamen Kapitalaufbringung

erforderlich wäre - deren uneingeschränkter, endgültig freier Verfügungsmacht

über die auf einem eigenen Geschäftskonto außerhalb des Cash-Pool befindliche Einlage gleich.

234. Die mithin wegen der nicht ordnungsgemäßen Kapitalaufbringung hier

noch offene Einlageschuld ist auch nicht nachträglich vom Beklagten und seinem Vater bzw. - ihnen zurechenbar - von der D. als von ihnen beherrschtem

Unternehmen erfüllt worden.

24Zwar kann - wie beim verbotenen, nicht zur endgültig freien Verfügung

der Geschäftsführung führenden Hin- und Herzahlen (vgl. Sen.Urt. v. 21. November 2005 - II ZR 140/04, ZIP 2005, 2203 und v. 9. Januar 2006

- II ZR 72/05, z.V.b.) - auch im Falle der verdeckten Sacheinlage die weiterhin

geschuldete Bareinlage grundsätzlich durch nochmalige Zahlung zur freien Verfügung der Geschäftsführung bewirkt werden. Eine derartige Leistung muss

sich dann aber zweifelsfrei der noch offenen Einlage zuordnen lassen, sei es im

Wege einer ausdrücklichen oder - sofern keine anderen Forderungen in ähnlichem Umfang bestehen - konkludenten, gegebenenfalls durch Auslegung zu

ermittelnden Tilgungsbestimmung (vgl. dazu auch Sen.Urt. v. 21. November

2005 aaO S. 2204 m.w.Nachw.).

25Eine solche nochmalige (nachträgliche) Zahlung in Verbindung mit einer

derartigen Tilgungsbestimmung bezüglich der ausstehenden Einlageschuld hat

der Beklagte indessen nicht substantiiert vorgetragen. Seine wiederholte, allgemein gehaltene Berufung darauf, dass die Schuldnerin auch nach der

- fehlgeschlagenen - Einlagezahlung erneut "Auszahlungen" in Form weiterer

darlehensweiser Inanspruchnahme des Zentralkontos erhalten habe, reicht

hierfür nicht aus. Das ständige automatische Zero-Balancing im Rahmen des

Cash-Management-Systems lässt eine derartige - gebotene - Zuordnung zu der

noch ausstehenden Einlageschuld nicht einmal ansatzweise erkennen.

26Abgesehen davon wäre im Anschluss an die im Wege des (einfachen)

Hin- und Herzahlens oder der verdeckten Sacheinlage unzulässig umgangene

Kapitalaufbringung eine seitens der Gesellschaft im Einvernehmen mit dem Inferenten durchgeführte Verrechnung des dann bestehen gebliebenen

(Bar-)Einlageanspruchs mit etwaigen Neuforderungen des Gesellschafters nach

ständiger Senatsrechtsprechung nur dann zulässig, wenn diese fällig, liquide

und vollwertig sind und die spätere Verrechnung nicht bereits im Zeitpunkt der

Begründung der (ursprünglichen) Einlageschuld abgesprochen war bzw. eine

solche Absprache nicht vermutet wird (BGHZ 153, 107, 112; BGHZ 152, 37, 43

m.w.Nachw.). Die der Vereinbarung des Cash-Management-Systems allgemein

zugrunde liegende Kontokorrent- oder Verrechnungsabrede lässt einen Bezug

zu der konkreten Einlageforderung schon deshalb vermissen, weil die

Beteiligten seinerzeit - wie das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat -

irrtümlich von einer unmittelbar am 17. Dezember 1997 wirksam gewordenen

Tilgung ausgegangen sind.

Goette Kurzwelly Gehrlein

Strohn Caliebe

Vorinstanzen:

LG Zwickau, Entscheidung vom 24.06.2003 - 4 O 220/02 -

OLG Dresden, Entscheidung vom 10.03.2004 - 18 U 1227/03 -

Letze Urteile des Bundesgerichtshofs

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 278/01 vom 17.10.2001

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 245/01 vom 17.10.2001

Leitsatzentscheidung

NotZ 39/02 vom 31.03.2003

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