Urteil des BGH vom 23.10.2008, 3 StR 413/08

Aktenzeichen: 3 StR 413/08

BGH (strafkammer, menge, aufhebung, stpo, vorschrift, einlassung, betäubungsmittelhandel, prüfungspflicht, anschluss, voraussetzung)

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

3 StR 413/08

vom

23. Oktober 2008

in der Strafsache

gegen

wegen Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge u. a.

Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Beschwerdeführers und des Generalbundesanwalts - zu 2. auf dessen Antrag - am

23. Oktober 2008 gemäß § 349 Abs. 2 und 4 StPO einstimmig beschlossen:

1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des

Landgerichts Duisburg vom 25. Juni 2008 im Strafausspruch aufgehoben; jedoch bleiben die zugehörigen Feststellungen aufrecht erhalten.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des

Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

2. Die weitergehende Revision wird verworfen.

Gründe:

1Das Landgericht hat den Angeklagten wegen unerlaubten Besitzes von

Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in neun

Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Dagegen wendet sich die auf eine Verfahrensbeanstandung und auf die Sachrüge gestützte

Revision des Beschwerdeführers.

2Die Rüge der Verletzung des § 338 Nr. 8 StPO hat aus den in der Antragsschrift des Generalbundesanwalts dargelegten Gründen keinen Erfolg. Im

Hinblick auf den Schuldspruch hat die Überprüfung des Urteils auf die Sachrüge

ebenfalls keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben.

3Der Strafausspruch kann hingegen keinen Bestand haben. Die Strafkammer hat es in den Urteilsgründen unterlassen zu prüfen und zu erörtern, ob

die Vorschrift des § 31 Nr. 1 BtMG zur Anwendung kommen konnte, was hier

zu einem auf die allgemeine Sachrüge zu berücksichtigenden Darlegungsmangel führt (vgl. BGH bei Schoreit NStZ 1987, 64; sehr weitgehend BGHR BtMG

§ 31 Nr. 1 Prüfungspflicht 1). Denn zu einer Erörterung drängten die folgenden

Besonderheiten des Falles: Der nicht vorbestrafte Angeklagte, der als Zwischenkurier zwischen dem die Betäubungsmittel in die Bundesrepublik einführenden Kurier H. und dem Betäubungsmittelhändler S. fungierte,

wurde zufällig bei einer Drogenübergabe von einer Zivilstreife beobachtet und

im Anschluss daran - ebenso wie H. - festgenommen. Vorherige Erkenntnisse

oder Ermittlungshandlungen der Strafverfolgungsbehörden hinsichtlich des Auftraggebers S. und dessen Betäubungsmittelhandel erwähnt das Urteil nicht.

Die eine Handelstätigkeit bestreitende Aussage S. s hat die Strafkammer nicht geglaubt und stattdessen die ihn belastende Einlassung des Angeklagten der Entscheidung zu Grunde gelegt. Danach lag es ausgesprochen nahe, dass der Angeklagte durch freiwillige Benennung seines Auftraggebers dazu beigetragen hat, die Tat über seinen eigenen Tatbeitrag hinaus aufzuklären.

Die Vorschrift des § 31 Nr. 1 BtMG greift bereits ein, wenn der Täter durch konkrete Angaben die Voraussetzung dafür geschaffen hat, dass gegen den Belasteten ein Strafverfahren voraussichtlich mit Erfolg durchgeführt werden kann

(BGHR BtMG § 30 Abs. 2 Strafrahmenwahl 4). Selbst wenn die Ermittlungsbehörden von anderer Seite Erkenntnisse über den Auftraggeber S. gewonnen hätten, steht das einem durch den Angeklagten herbeigeführten Aufklärungserfolg nicht zwingend entgegen. In der Rechtsprechung des Bundesge-

richtshofs ist anerkannt, dass auch der Täter, der Angaben zu Hintermännern

macht, die sich mit Erkenntnissen der Strafverfolgungsbehörden decken, dadurch eine sicherere Grundlage für den Nachweis der betreffenden Taten und

der Möglichkeit ihrer strafrechtlichen Verfolgung schaffen kann; das genügt für

die Anwendung des § 31 BtMG (BGHR BtMG § 31 Nr. 1 Aufdeckung 18, 19).

4Der dargestellte Erörterungsmangel führt zur Aufhebung des Strafausspruchs; die rechtsfehlerfrei getroffenen Feststellungen können hingegen bestehen bleiben. Weitere dazu nicht in Widerspruch stehende Feststellungen

kann der neue Tatrichter treffen.

Becker Pfister Sost-Scheible

Hubert Schäfer

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Leitsatzentscheidung

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