Urteil des BGH, Az. VIII ZR 93/01

BGH (ersatz der kosten, abgrenzung zu, zugesicherte eigenschaft, kaufvertrag, zeitpunkt, mangel, leasingvertrag, firma, annahme, zpo)
BUNDESGERICHTSHOF
IM NAMEN DES VOLKES
URTEIL
VIII ZR 93/01
Verkündet am:
13. Februar 2002
Mayer,
Justizangestellte
als Urkundsbeamtin
der Geschäftsstelle
in dem Rechtsstreit
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Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung
vom 13. Februar 2002 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Deppert und die
Richter Dr. Hübsch, Dr. Beyer, Dr. Leimert und Wiechers
für Recht erkannt:
Auf die Revision der Beklagten und die Anschlußrevision der Klä-
gerin wird das Urteil des 2. Zivilsenats des Oberlandesgerichts
Frankfurt am Main vom 23. März 2001 aufgehoben.
Die Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung,
auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Beru-
fungsgericht zurückverwiesen.
Von Rechts wegen
Tatbestand:
Die Parteien streiten darum, ob die Klägerin als Leasingnehmerin der
Käuferin, der Firma B. Leasing GmbH, berechtigt ist, aus abgetretenem Recht
der Leasinggeberin von der Beklagten als Verkäuferin des Leasingfahrzeugs,
eines gebrauchten Lastkraftwagens, wegen dessen Mangelhaftigkeit Scha-
densersatz zu verlangen.
Die Klägerin hatte zunächst beabsichtigt, von der Beklagten dieses
Fahrzeug selbst zu erwerben. Ausgehend davon, daß ihr die Klägerin einen
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entsprechenden "Auftrag" erteilt habe, hatte die Beklagte ihr unter dem Datum
vom 16. Dezember 1997 eine "Auftragsbestätigung" übersandt.
Am 17. Dezember 1997 schlossen die Klägerin und die B. Leasing
GmbH über das Fahrzeug einen Leasingvertrag. In den Vertragsbedingungen
zum Leasingvertrag wird der Ausschluß der Haftung der Leasinggeberin für
Fehler der Leasingsache und die Abtretung aller ihr gegen den Lieferanten der
Leasingsache zustehenden Gewährleistungsansprüche an den Leasingnehmer
bestimmt. Am 18. Dezember 1997 unterzeichnete die Beklagte den ihr von der
Leasinggesellschaft übersandten Kaufvertrag über den Lastkraftwagen. Darin
heißt es unter anderem:
"Zu den nachstehenden bzw. angehefteten Bedingungen schlie-
ßen die Parteien B. Leasing GmbH als Käufer und der nachste-
hend bezeichnete Verkäufer diesen Kaufvertrag."
Am 18. Dezember 1997 wurde das Leasingfahrzeug der Klägerin über-
geben. Bereits kurz nach dessen Übernahme rügte die Klägerin gegenüber der
Beklagten verschiedene Mängel. Diese erteilte der Firma R. am 5. Januar
1998 einen Reparaturauftrag und übernahm auch die Reparaturkosten. In der
Folgezeit erteilte die Klägerin der Firma R. weitere Reparaturaufträge. Am
2. März 1998 beauftragte die Klägerin den Sachverständigen H. mit der Er-
stellung eines Gutachtens über den Zustand des Lastkraftwagens. Der Sach-
verständige erstattete unter dem 5. März 1998 zwei im wesentlichen gleich-
lautende Gutachten.
Die Klägerin begehrt von der Beklagten Rückzahlung des Kaufpreises
von 101.200 DM Zug um Zug gegen Übertragung des Eigentums an dem Last-
kraftwagen, Freistellung von Reparaturkosten in Höhe von insgesamt
15.792,33 DM, Ersatz der Kosten von 1.510,65 DM für zwei Gutachten sowie
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die Feststellung, daß die Beklagte sich mit der Rücknahme des Fahrzeugs in
Annahmeverzug befinde.
Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Das Berufungsgericht hat
der Klage im wesentlichen stattgegeben. Mit der Revision erstrebt die Beklagte
die Wiederherstellung des landgerichtlichen Urteils. Mit der Anschlußrevision
verfolgt die Klägerin ihren Anspruch auf die Gutachterkosten weiter.
Entscheidungsgründe:
I.
Das Berufungsgericht hat ausgeführt:
Der Klägerin stehe gegen die Beklagte ein aus abgetretenem Recht der
Leasinggeberin hergeleiteter Schadensersatzanspruch nach § 463 BGB nicht
zu. Es könne nicht davon ausgegangen werden, daß dem Lastkraftwagen im
Zeitpunkt des Vertragsschlusses eine zugesicherte Eigenschaft gefehlt habe.
Zwar könne in der von der Klägerin behaupteten Zusage, von seiten der Be-
klagten werde vor Übergabe des Lastkraftwagens noch die Hauptuntersuchung
gemäß § 29 StVZO durchgeführt, durchaus die Zusicherung einer Eigenschaft
im Sinne von § 459 Abs. 2 BGB gesehen werden. Die Klägerin habe jedoch
nicht nachgewiesen, daß der Lastkraftwagen bereits im Zeitpunkt der TÜV-
Überprüfung sowie der Bremssonderuntersuchung am 17. Dezember 1997 mit
den von ihr behaupteten und von dem Sachverständigen H. bei seiner Unter-
suchung am 2. März 1998 festgestellten Mängeln behaftet gewesen sei. Auf die
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Mängel, deren Behebung Gegenstand des Auftrags vom 5. Januar 1998 gewe-
sen sei, könne die Klägerin sich selbst dann, wenn sie einer beanstandungslo-
sen TÜV-Abnahme entgegengestanden hätten, jedenfalls deswegen nicht be-
rufen, weil sie damit einverstanden gewesen sei, daß die Beklagte sie bei der
Firma R. auf eigene Kosten habe beseitigen lassen. Die Klägerin könne
jedoch Wandelung des Kaufvertrages verlangen, da der Lastkraftwagen bei
Übergabe mangelhaft im Sinne von § 459 Abs. 1 BGB gewesen sei. Ein zur
Wandelung berechtigender Mangel sei in der Verschweißung der Radbolzen
an der Radnabe der zweiten Achse zu sehen. Das Vorliegen dieses Mangels,
der nicht Gegenstand des Beweisbeschlusses des Landgerichts vom
17. Dezember 1998 gewesen sei, habe der Privatsachverständige H. fest-
gestellt. Der Mangel sei auch im Zeitpunkt der Übergabe vorhanden gewesen.
Die Annahme, die Klägerin habe die Anschweißung der Radbolzen selbst vor-
genommen, widerspreche jeglicher Lebenserfahrung. Dem Wandelungsrecht
der Klägerin stehe ein Gewährleistungsausschluß nicht entgegen. Die Allge-
meinen Geschäftsbedingungen der Beklagten, die einen vollständigen Ge-
währleistungsausschluß vorsähen, seien nicht Bestandteil des Kaufvertrages
mit der Leasinggeberin geworden.
Da die Voraussetzungen des § 463 BGB nicht gegeben seien, habe die
Klägerin keinen Anspruch auf Ersatz der Kosten des Sachverständigen H.
und der DEKRA-Prüfbescheinigung.
II.
Diese Ausführungen halten den Rügen der Revision und der Anschluß-
revision nicht stand.
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1. Nicht zu beanstanden ist allerdings entgegen der Auffassung der Re-
vision, daß das Berufungsgericht von einem Kaufvertrag zwischen der Beklag-
ten und der Leasinggeberin sowie einem der Klägerin seitens der Leasingge-
berin abgetretenen Wandelungsrecht ausgegangen ist. Die Beklagte unter-
zeichnete am 18. Dezember 1997 den ihr von der Leasinggesellschaft über-
sandten Kaufvertrag; sie nahm damit das Angebot der Leasingfirma zum Ab-
schluß des Kaufvertrages über den Lastkraftwagen an. Der Leasinggeberin
standen demnach grundsätzlich die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche
gegen die Beklagte zu, die aber nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen
der Leasinggeberin vom Leasingnehmer, hier der Klägerin, geltend zu machen
sind.
Rechtsfehlerfrei ist auch die Annahme des Berufungsgerichts, ein etwa
zuvor zustande gekommener Kaufvertrag zwischen den Parteien sei mit dem
Abschluß des Kaufvertrages zwischen der Beklagten und der Leasinggeberin
einverständlich aufgehoben worden. Zu Unrecht beruft sich die Revision für
ihre Auffassung, ein Kaufvertrag, den ein Nutzungsinteressent mit dem Liefe-
ranten schließe, bleibe bindend, auch wenn der Interessent im nachhinein ei-
nen Leasingvertrag schließe, auf die Entscheidungen des Senats vom
19. Dezember 1979 (VIII ZR 95/79, NJW 1980, 698) sowie vom 9. Mai 1990
(VIII ZR 222/89, NJW-RR 1990, 1009). Diesen beiden Entscheidungen liegen
Sachverhalte zugrunde, die mit dem hier vorliegenden nicht vergleichbar sind.
In beiden Fällen sind Kaufverträge mit einer Leasingfinanzierungsklausel ge-
schlossen worden; in beiden Fällen kam es weder zu einem Kaufvertrag mit der
Leasingfirma noch zu einem Leasingvertrag mit dem Autokäufer.
2. Zu Recht rügt die Revision aber, daß die Würdigung des Berufungs-
gerichts, die verschweißten Radbolzen seien als ein Mangel anzusehen, der
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bereits zum Zeitpunkt der Übergabe vorhanden gewesen sei, auf Verfahrens-
fehlern beruht (§ 286 ZPO).
a) Soweit das Berufungsgericht in der Verschweißung der Radbolzen an
der Radnabe einen Mangel des Fahrzeugs in Abgrenzung zu den zuvor be-
handelten Verschleiß- und Abnutzungserscheinungen - für die es, im Revisi-
onsverfahren unangegriffen, eine Haftung der Beklagten verneint - gesehen
hat, setzt es sich in Widerspruch zu dem gerichtlich eingeholten Sachverstän-
digengutachten, ohne sich mit diesem auseinandergesetzt zu haben. Im Ge-
gensatz zu den Ausführungen des Berufungsgerichts war der Zustand der
Radbolzen Gegenstand des landgerichtlichen Beweisbeschlusses und des
eingeholten Sachverständigengutachtens. Der Sachverständige ist zu dem Er-
gebnis gelangt, daß die Schäden insoweit Verschleißschäden seien. Warum
das Berufungsgericht entgegen diesen eindeutigen Ausführungen des Sach-
verständigen zu dem Ergebnis gelangt ist, daß es sich bei der "Verschwei-
ßung" nicht um eine Verschleißerscheinung handle, läßt sich den Entsche i-
dungsgründen nicht entnehmen. Das Berufungsgericht geht offensichtlich da-
von aus, daß die "Verschweißung" der Radbolzen an der Radnabe, wie sie der
Sachverständige H.
in seinem Gutachten festgestellt hat, nur durch einen äußeren Eingriff erfolgt
sein kann. Daß eine derartige "Verschweißung" aber auch durch eine entspre-
chende Erhitzung beim Fahren eingetreten sein kann, worauf die Revision hin-
weist, hat das Berufungsgericht nicht bedacht. Das Berufungsgericht maßt sich
damit eine Sachkunde an, die es nicht hat.
b) Das Berufungsgericht hat auch wesentlichen Sachvortrag der Be-
klagten unberücksichtigt gelassen (§ 286 ZPO). Die Revision verweist auf den
unter Beweis gestellten Vortrag der Beklagten, eine Verschweißung der Rad-
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bolzen sei nur bei einer Überprüfung der Verdrehsicherheit der Radbolzen
feststellbar, eine solche Prüfung habe sie am 17. Dezember 1997 durchführen
lassen; dabei seien in dieser Hinsicht keine Beanstandungen der Radbolzen
erhoben worden, was dafür spreche, daß die Radbolzen bei Übergabe des
Fahrzeugs am 18. Dezember 1997 nicht verschweißt gewesen seien. Dieser
Sachvortrag der Beklagten steht im Widerspruch zur Annahme des Berufungs-
gerichts, der Mangel sei bereits bei Übergabe des Fahrzeugs am
18. Dezember 1997 vorhanden gewesen.
c) Schließlich sind die Würdigungen des Berufungsgerichts wider-
sprüchlich (§ 286 ZPO). Das Berufungsgericht hat zunächst ausgeführt, die
Klägerin habe nicht nachgewiesen, daß der Lastkraftwagen bereits am
17. Dezember 1997 diejenigen Mängel aufgewiesen habe, die der Sachver-
ständige H. bei seiner Untersuchung am 2. März 1998 festgestellt habe. Zu
den von dem Sachverständigen H. am 2. März 1998 festgestellten Mängeln
gehören jedoch auch die festgeschweißten Radbolzen an den Radnaben der
zweiten Achse rechts. Gleichwohl hat das Berufungsgericht dann angenom-
men, diese Mängel seien bereits im Zeitpunkt der Übergabe vorhanden gewe-
sen.
3. Die Anschlußrevision hat ebenfalls Erfolg. Sie macht zu Recht gel-
tend, daß der Klägerin ein Schadensersatzanspruch gemäß § 463 BGB und
damit ein Anspruch auf Ersatz der Kosten des Sachverständigengutachtens
sowie der DEKRA-Prüfbescheinigung zustehen könnte, wenn - wovon das Be-
rufungsgericht ausgeht - im Zeitpunkt der Übergabe die Radbolzen an der
Radnabe festgeschweißt waren und die Beklagte - wie von der Klägerin be-
hauptet - zugesagt hat, vor Übergabe des Lastkraftwagens werde noch die
Hauptuntersuchung gemäß § 29 StVZO durchgeführt. Unter Zugrundelegung
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dieses Vorbringens der Klägerin hat das Berufungsgericht hierin die Zusiche-
rung eines den Vorschriften einer solchen Untersuchung tatsächlich entspre-
chenden Zustands des Fahrzeugs gesehen (BGHZ 103, 275, 280 f).
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III.
Das angefochtene Urteil kann daher auf der Grundlage der bisherigen
Feststellungen keinen Bestand haben. Die Sache ist jedoch nicht zur Endent-
scheidung reif, da es hierzu noch weiterer tatsächlicher Feststellungen bedarf.
Deshalb ist das Berufungsurteil aufzuheben, und die Sache ist an das Beru-
fungsgericht zurückzuverweisen.
Dr. Deppert
Dr. Hübsch
Dr. Beyer
Dr. Leimert
Wiechers