Urteil des BGH, Az. XII ZB 161/13

BGH: rechtliches gehör, auskunftserteilung, aufwand, apotheke, erstellung, kapitalvermögen, verpachtung, vermietung, hilfsperson, steuerberater
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
XII ZB 161/13
vom
11. September 2013
in der Familiensache
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Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 11. September 2013 durch
die Richter Dr. Klinkhammer, Weber-Monecke, Schilling, Dr. Nedden-Boeger
und Guhling
beschlossen:
Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des 2. Zivilsenats
- Familiensenat - des Oberlandesgerichts München vom 1. März
2013 wird auf Kosten des Antragsgegners verworfen.
Beschwerdewert: bis 600
Gründe:
I.
Die Antragstellerin nimmt den Antragsgegner auf Zugewinnausgleich in
Anspruch. Nachdem der Antragsgegner Auskunft über sein Endvermögen zum
Zeitpunkt der Zustellung des Scheidungsantrags erteilt hatte, hat die Antragstel-
lerin auch Auskunft über das Vermögen zum Trennungszeitpunkt beantragt.
Das Familiengericht hat den Antragsgegner in erster Stufe verurteilt, der
Antragstellerin in näher bezeichnetem Umfang Auskunft über seine Vermö-
gensverhältnisse zu dem erstinstanzlich festgestellten Trennungszeitpunkt zu
erteilen. Dabei hat es das Auskunftsbegehren abgewiesen, soweit es sich auf
Wertangaben zu der vom Antragsgegner betriebenen Apotheke bezogen hat,
weil diesbezüglich bereits Auskunft erteilt bzw. die beantragte Auskunft für erle-
digt erklärt worden sei.
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Die hiergegen eingelegte Beschwerde des Antragsgegners hat das
Oberlandesgericht verworfen, weil der Wert des Beschwerdegegenstands den
Betrag von 600 € nicht übersteige. Dagegen richtet sich die Rechtsbeschwerde
des Antragsgegners.
II.
Die gemäß §§ 117 Abs. 1 Satz 4 FamFG, 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, 522
Abs. 1 Satz 4 ZPO statthafte Rechtsbeschwerde ist nicht zulässig, weil die
Voraussetzungen des § 574 Abs. 2 ZPO nicht erfüllt sind.
1. Die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erfordert keine Ent-
scheidung des Rechtsbeschwerdegerichts. Der angefochtene Beschluss ver-
letzt den Antragsgegner nicht in seinem verfahrensrechtlich gewährleisteten
Anspruch auf wirkungsvollen Rechtsschutz (Art. 2 Abs. 1 GG in Verbindung mit
dem Rechtsstaatsprinzip) oder in seinem Anspruch auf rechtliches Gehör
(Art. 103 Abs. 1 GG). Die genannten Verfahrensgrundrechte verbieten es den
Gerichten, den Parteien den Zugang zu einer in der Verfahrensordnung einge-
räumten Instanz in unzumutbarer, aus Sachgründen nicht zu rechtfertigender
Weise zu erschweren (vgl. Senatsbeschluss vom 12. Oktober 2011
- XII ZB 127/11 - FamRZ 2011, 1929 mwN). Entgegen der Auffassung der
Rechtsbeschwerde liegt auch kein Verstoß des Beschwerdegerichts gegen das
Willkürverbot des Art. 3 Abs. 1 GG vor.
2. Das Oberlandesgericht hat die Erstbeschwerde nach §§ 68 Abs. 2
Satz 2, 61 Abs. 1 FamFG als unzulässig verworfen, weil der Wert des Be-
schwerdegegenstandes 600
€ nicht übersteige. Das ist aus Rechtsgründen
nicht zu beanstanden.
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a) Das Beschwerdegericht hat ausgeführt, der Wert des Beschwerdege-
genstandes richte sich nach dem Aufwand an Zeit und Kosten, den die Erfül-
lung des titulierten Anspruchs erfordere. Der erforderliche Zeitaufwand sei auf
höchstens sechs Arbeitsstunden zu schätzen, denn der Antragsgegner könne
auf seine umfangreiche und von der Gegenseite akzeptierte Auskunft zum End-
vermögen zurückgreifen und müsse lediglich veränderte Werte oder Kontostän-
de einsetzen und überprüfen, ob Vermögensgegenstände weggefallen oder erst
nach dem Trennungszeitpunkt hinzugekommen seien. Als Stundensatz seien
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€ anzusetzen. Die daneben anfallenden Kosten für Kopien seien auf 100 €
zu schätzen. Soweit sich der Antragsgegner darauf berufe, aus gesundheitli-
chen Gründen nicht zur Auskunftserteilung in der Lage zu sein, sei das nicht
hinreichend belegt. Außerdem habe er sich selbst zur Auskunft bereit erklärt
und lediglich den Stichtag beanstandet. Mehraufwendungen habe er trotz ge-
richtlichen Hinweises nicht vorgetragen. Insgesamt könne daher allenfalls ein
Betrag zwischen 300 und 600
€ anfallen.
b) Das Oberlandesgericht hat zutreffend erkannt, dass für die Bemes-
sung des Wertes des Beschwerdegegenstandes bei der Verurteilung zur Aus-
kunftserteilung das Interesse des Rechtsmittelführers maßgebend ist, die Aus-
kunft nicht erteilen zu müssen. Abgesehen von dem Fall eines besonderen Ge-
heimhaltungsinteresses ist auf den Aufwand an Zeit und Kosten abzustellen,
den die sorgfältige Erteilung der geschuldeten Auskunft erfordert (Senatsbe-
schlüsse vom 23. Mai 2012 - XII ZB 594/11 - juris Rn. 6; vom 21. März 2012
- XII ZB 420/11 - juris Rn. 6; vom 26. Oktober 2011 - XII ZB 465/11 - FamRZ
2012, 24 Rn. 16 und vom 23. März 2011 - XII ZB 436/10 - FamRZ 2011, 882
Rn. 9 mwN).
Dabei kann der dem Beschwerdegericht bei seiner Schätzung einge-
räumte Ermessensspielraum im Rechtsbeschwerdeverfahren nur eingeschränkt
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darauf überprüft werden, ob das Gericht die gesetzlichen Grenzen überschritten
oder sein Ermessen fehlerhaft ausgeübt hat (Senatsbeschlüsse vom 23. Mai
2012 - XII ZB 594/11 - juris Rn. 7; vom 21. März 2012 - XII ZB 420/11 - juris
Rn. 7; vom 26. Oktober 2011 - XII ZB 465/11 - FamRZ 2012, 24 Rn. 17; vom
14. Februar 2007 - XII ZB 150/05 - FamRZ 2007, 711 Rn. 9; vom 3. November
2004 - XII ZB 165/00 - FamRZ 2005, 104, 105; BGHZ 155, 127 = FamRZ 2003,
1267, 1268 und vom 24. Juli 2002 - XII ZB 31/02 - FamRZ 2003, 597). Letzte-
res ist hier nicht der Fall.
aa) Das Beschwerdegericht hat berücksichtigt, dass der Antragsgegner
bereits eine von der Antragstellerin akzeptierte Auskunft zum Endvermögen
abgegeben hat, auf die er für die jetzt geschuldete Auskunft aufbauen kann.
Diese Erwägung ist rechtlich nicht zu beanstanden, weil der für den konkreten
Einzelfall zu schätzende Aufwand maßgeblich ist, der aufgrund bereits geleiste-
ter Vorarbeiten reduziert sein kann.
Die gegen den vom Beschwerdegericht geschätzten Stundenaufwand
von der Rechtsbeschwerde erhobenen Rügen sind unbegründet. Die von ihr
zum Beleg eines erhöhten Aufwands angeführten Einzelangaben zu Grund-
stücksgrößen, Belastungen, Baujahr, Bauweise, Nutzungsart, Nutzungsflächen
und anderen Faktoren sind allesamt bereits in der zum Endvermögen erteilten
Auskunft enthalten, so dass der Antragsgegner hierauf in vollem Umfang zu-
rückgreifen kann. Dass sich Angaben in Bezug auf den Apothekenbetrieb auf-
wandserhöhend auswirken, ist schon deshalb ausgeschlossen, weil das Famili-
engericht dem Antragsgegner eine Auskunftspflicht zum Wert der Apotheke
nicht auferlegt hat. Auch die von der Rechtsbeschwerde angeführten Einkünfte
aus Vermietung und Verpachtung sowie aus Kapitalvermögen können die Rich-
tigkeit der Wertfestsetzung des Beschwerdegerichts nicht in Frage stellen. Der
Antragsgegner muss - wie das Beschwerdegericht zutreffend ausgeführt hat -
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unabhängig von der Einkunftsart lediglich die verschiedenen Beträge und Kon-
tenstände zum Trennungszeitpunkt einsetzen und die Aufstellung im Übrigen
auf ihre Vollständigkeit überprüfen. Dass dies zusammen mit Kopierkosten ei-
nen Gesamtaufwand von über 600
€ verursacht, ist weder dargelegt noch er-
sichtlich.
bb) Ebenso unbegründet ist der weitere Einwand der Rechtsbeschwerde,
das Beschwerdegericht habe die für die Erstellung einer Vermögensbilanz an-
fallenden Kosten eines Steuerberaters in Höhe von 1.500 bis 2.000
€ unbe-
rücksichtigt gelassen. Die Kosten der Hinzuziehung einer sachkundigen Hilfs-
person können bei Bemessung des Wertes des Beschwerdegegenstands näm-
lich nur Berücksichtigung finden, wenn sie zwangsläufig entstehen, weil der
Auskunftspflichtige selbst zu einer sachgerechten Auskunftserteilung nicht
in der Lage ist (Senatsbeschlüsse vom 23. Mai 2012 - XII ZB 594/11 - juris
Rn. 8; vom 21. März 2012 - XII ZB 420/11 - juris Rn. 8; vom 26. Oktober 2005
- XII ZB 25/05 - FamRZ 2006, 33, 34; Senatsurteil vom 11. Juli 2001
- XII ZR 14/00 - FamRZ 2002, 666, 667).
Davon ist das Beschwerdegericht hier zu Recht nicht ausgegangen. So-
weit die Rechtsbeschwerde zur Begründung ihrer Rüge auf die Apotheke ab-
stellt, übersieht sie, dass der Antragsgegner insoweit nicht zur Auskunftsertei-
lung verurteilt worden ist. Auch im Übrigen ist nicht ersichtlich, inwiefern die von
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ihm zu erteilende Auskunft die Erstellung einer Vermögensbilanz oder einer
sonstigen Bilanz auf den Trennungszeitpunkt durch einen Steuerberater erfor-
dern soll.
Klinkhammer Weber-Monecke Schilling
Nedden-Boeger Guhling
Vorinstanzen:
AG München, Entscheidung vom 22.11.2012 - 521 F 7700/11 -
OLG München, Entscheidung vom 01.03.2013 - 2 UF 1945/12 -