Urteil des BGH vom 05.07.2000, XII ZR 70/98

Aktenzeichen: XII ZR 70/98

BGH (abweisung der klage, anlage, hauptvertrag, mietvertrag, bezeichnung, büro, inhalt, vermieter, verbindung, vertreter)

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

4 StR 576/07

vom

11. Dezember 2007

in der Strafsache

gegen

wegen schwerer räuberischer Erpressung u.a.

Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts und des Beschwerdeführers am 11. Dezember 2007 gemäß § 349

Abs. 2 und 4 StPO beschlossen:

1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des

Landgerichts Saarbrücken vom 10. Juli 2007

a) im Schuldspruch dahin geändert, dass der Angeklagte der schweren räuberischen Erpressung in

Tateinheit mit Diebstahl schuldig ist,

b) im Rechtsfolgenausspruch, auch soweit eine Entscheidung nach § 64 StGB unterblieben ist, mit den

Feststellungen aufgehoben.

2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des

Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

3. Die weiter gehende Revision wird verworfen.

Gründe:

1Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schwerer räuberischer Erpressung in Tatmehrheit mit Diebstahl zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier

Jahren und drei Monaten verurteilt. Dagegen wendet sich der Angeklagte mit

seiner Revision, mit der er die Verletzung formellen und materiellen Rechts

rügt. Das Rechtsmittel hat mit der Sachrüge den aus der Beschlussformel er-

sichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist es aus den Gründen der Antragsschrift des

Generalbundesanwalts unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

21. Der Schuldspruch bedarf der Änderung, weil die Strafkammer das

Konkurrenzverhältnis zwischen der schweren räuberischen Erpressung und

dem Diebstahl unrichtig beurteilt und insoweit Tatmehrheit angenommen hat.

3Zwar sind mehrere natürliche Handlungen grundsätzlich auch mehrere

Taten im Rechtssinne. Eine Ausnahme besteht jedoch, wenn mehrere an sich

selbständige Betätigungen zeitlich, räumlich und situativ derart miteinander verbunden sind, dass sie bei natürlicher Betrachtungsweise eine einheitliche Handlung bilden. Unter diesen Umständen ist von einer Tat im Rechtssinne auszugehen (BGHR StGB vor § 1/natürliche Handlungseinheit, Entschluss einheitlicher 13). So verhält es sich hier. Die Wegnahme des Mobiltelefons erfolgte bei

Gelegenheit der zwar vollendeten, aber noch nicht beendeten schweren räuberischen Erpressung zum Nachteil desselben Tatopfers.

4Der Senat kann den Schuldspruch umstellen, da auszuschließen ist,

dass sich der Angeklagte gegen das geänderte Konkurrenzverhältnis anders

als geschehen hätte verteidigen können.

52. Mit der Schuldspruchänderung entfallen die von der Strafkammer festgesetzten Einzelstrafen (vier Jahre sowie sechs Monate Freiheitsstrafe). Die

Festsetzung der vom Landgericht als angemessen erachteten Gesamtstrafe

oder der höheren Einzelstrafe als Strafe für das einheitliche Delikt in entsprechender Anwendung des § 354 Abs. 1 StPO kommt hier nicht in Betracht, da

die vom Landgericht vorgenommene Strafzumessung nicht frei von Rechtsfehlern ist (vgl. nachstehend a). Darüber hinaus hätte sich das Landgericht ange-

sichts der getroffenen Feststellungen zur Prüfung der Frage, ob eine Maßregel

nach § 64 StGB anzuordnen ist, veranlasst sehen müssen (vgl. nachstehend b).

Der Rechtsfolgenausspruch unterliegt deshalb insgesamt der Aufhebung.

6a) Soweit das Landgericht bei Bemessung der Einzelstrafen maßgeblich

zu Lasten des Angeklagten berücksichtigt hat, dass er "zur Tatzeit wegen nicht

weniger als vier Verurteilungen ... unter laufender Bewährung ... stand", hat es,

worauf der Generalbundesanwalt zu Recht hinweist, übersehen, dass die Verurteilung durch das Amtsgericht St. Ingbert vom 19. September 2006 nach der

verfahrensgegenständlichen Tat vom 28. August 2006 ergangen ist. Der Senat

kann in Anbetracht der Höhe der verhängten Strafen nicht ausschließen, dass

sich dieser Rechtsfehler bei der Bemessung der Einzelstrafen und der Gesamtstrafe ausgewirkt hat. Die Strafe ist deshalb für das einheitliche Delikt neu zuzumessen. Der neue Tatrichter wird auch zu berücksichtigen haben, dass die

Strafe aus dem Urteil des Amtsgerichts St. Ingbert vom 19. September 2006

gesamtstrafenfähig 55 StGB) ist.

7b) Nach den Feststellungen konsumiert der vielfach wegen Gewalt- und

Eigentumsdelikten vorbestrafte Angeklagte seit vielen Jahren regelmäßig Heroin. Die verfahrensgegenständliche Tat spielte im Drogenmilieu. Der Angeklagte hatte sich vor Tatbeginn nicht ausschließbar Heroin gespritzt und wies im

Tatzeitpunkt überdies eine Blutalkoholkonzentration von 2,48 auf. Er hatte

bei seiner kurz nach der Tat erfolgten Festnahme deutliche Ausfallerscheinungen. Deshalb hat das Landgericht nicht auszuschließen vermocht, dass er

die Tat im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit im Sinne des § 21

StGB begangen hat.

8In Anbetracht dieser Umstände hätte der Tatrichter - gemäß § 246 a

StPO unter Hinzuziehung eines Sachverständigen - über die Frage einer Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt nach § 64 StGB (n.F.)

befinden müssen. Zwar muss nach der Neuregelung des § 64 StGB die Maßregel nicht mehr zwingend angeordnet werden. Gleichwohl soll auch weiterhin,

wenn die Voraussetzungen des § 64 StGB vorliegen, nur in besonderen Ausnahmefällen von der Unterbringung abgesehen werden (BTDrucks. 16/5137,

S. 10, 16/1344, S. 12). Ein solcher liegt hier nach den bisherigen Feststellungen

nicht vor. Die Urteilsgründe lassen trotz einer im Rahmen eines früheren Maßregelvollzugs gescheiterten Therapie auch nicht erkennen, dass bei dem Angeklagten die erforderliche hinreichend konkrete Aussicht auf einen Behandlungserfolg 64 Satz 2 StGB n.F.) nicht besteht. Vielmehr hat sich der Angeklagte

im September 2006 aus eigenem Antrieb um die Aufnahme in einer Therapieeinrichtung bemüht, was auf eine bei ihm vorhandene Therapiebereitschaft hinweist.

9Der Anordnung einer Unterbringung nach § 64 StGB (n.F.) steht nicht

entgegen, dass nur der Angeklagte Revision eingelegt hat, § 358 Abs. 2 Satz 2

StPO. Die Nichtanordnung der Maßregel hat der Beschwerdeführer auch nicht

von seinem Revisionsangriff ausgenommen.

Tepperwien Maatz Athing

Ernemann Sost-Scheible

Letze Urteile des Bundesgerichtshofs

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 278/01 vom 17.10.2001

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 245/01 vom 17.10.2001

Leitsatzentscheidung

NotZ 39/02 vom 31.03.2003

Urteil herunterladen
Informationen
Optionen
Sie suchen einen Anwalt?

Wir finden den passenden Anwalt für Sie! Nutzen Sie einfach unseren jusmeum-Vermittlungsservice!

Zum Vermittlungsservice