Urteil des BGH, Az. 2 AZR 628/80

BGH (zpo, abnahme des werks, verjährungsfrist, abweisung der klage, 1995, höhe, erste instanz, gegenstand, rechtsmittel, streitgegenstand)
BUNDESGERICHTSHOF
IM NAMEN DES VOLKES
URTEIL
IX ZR 73/00
Verkündet am:
21. Juni 2001
Preuß,
Justizangestellte
als Urkundsbeamtin
der Geschäftsstelle
in dem Rechtsstreit
Nachschlagewerk:
ja
BGHZ: (nur zu b)
ja
a) BRAO § 51
Die Pflicht des Rechtsanwalts, den Mandanten bei begründetem Anlaß über den
gegen sich bestehenden Schadensersatzanspruch sowie dessen kurze Verjährung
zu belehren, entfällt, wenn ein anderer Rechtsanwalt namens des Mandanten den
Regreßanspruch rechtzeitig anmeldet.
b) ZPO § 556
Eine Anschlußrevision ist unzulässig, die einen anderen Lebenssachverhalt betrifft
als denjenigen der Revision und die mit dem von dieser erfaßten Streitgegenstand
auch nicht in einem unmittelbaren rechtlichen oder wirtschaftlichen Zusammenhang
steht.
BGH, Urteil vom 21. Juni 2001 - IX ZR 73/00 - OLG Düsseldorf
LG Kleve
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Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung
vom 18. Januar 2001 durch den Vorsitzenden Richter Dr. Kreft und die Richter
Stodolkowitz, Kirchhof, Dr. Fischer und Raebel
für Recht erkannt:
Auf die Revision der Beklagten wird - unter Verwerfung der An-
schlußrevision der Klägerin als unzulässig - das Urteil des
23. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Düsseldorf zu I.1., II. und
III. des Urteilsausspruchs teilweise aufgehoben und wie folgt neu
gefaßt:
I. 1. Die Beklagten werden verurteilt, als Gesamtschuldner an die
Klägerin 26.359,24 DM nebst 4 % Zinsen hieraus seit dem
22. September 1997 und aus 19.500,65 DM für die Zeit vom
8. März bis 21. September 1997 zu zahlen. Im übrigen bleibt
die Zahlungsklage in dem Umfang abgewiesen, wie die
1. Zivilkammer des Landgerichts Kleve darüber durch Tei-
lurteil vom 9. Dezember 1998 erkannt hat.
II.
Auf die Berufung der Klägerin wird die Kostenentscheidung
des Schlußurteils der 1. Zivilkammer des Landgerichts Kleve
vom 31. Mai 1999 abgeändert: Die Kosten des Rechtsstreits
(erster Instanz) fallen der Klägerin zu 77 % und im übrigen
den Beklagten als Gesamtschuldnern zur Last.
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III.
Die Kosten des Berufungsrechtszugs hat die Klägerin zu
78 % zu tragen; der Rest wird den Beklagten als Gesamt-
schuldnern auferlegt.
IV.
Die Kosten des Revisionsverfahrens haben die Beklagten
gesamtschuldnerisch zu 8 % zu tragen; den Rest hat die
Klägerin zu tragen.
Von Rechts wegen
Tatbestand:
Die Klägerin betreibt ein Unternehmen, das sich im wesentlichen mit der
Herstellung von Anlagen zur Lüftung, Heizung und Wärmerückgewinnung so-
wie des Sonnenschutzes befaßt. Sie ließ sich von den Beklagten, die gemein-
sam in einem Rechtsanwaltsbüro tätig sind, in einer Vielzahl von Fällen an-
waltschaftlich beraten und vertreten. Nach Kündigung dieses Mandatsverhält-
nisses hat die Klägerin die Beklagten auf Schadensersatz wegen Schlechter-
füllung des Anwaltsvertrages in zahlreichen Fällen in Höhe von insgesamt
193.639,54 DM in Anspruch genommen. Einer der Fälle betrifft einen Prozeß
der Klägerin gegen die Eheleute B. Dem liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
Die Klägerin wirkte aufgrund eines Werkvertrages an der Erstellung ei-
ner Speditionshalle mit. Den Auftrag erteilten die Eheleute B. als Bauherren.
Von dem vereinbarten Werklohn zahlten die Auftraggeber 107.577,02 DM
nicht. Nach Erteilung der Schlußrechnung durch die Klägerin und Abnahme
des Werks am 7. Mai 1992 beauftragte die Klägerin die Beklagten mit Schrei-
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ben vom 2. Juni 1993 mit der klageweisen Geltendmachung der restlichen For-
derung. Die im April 1995 von den Beklagten erhobene Klage wurde durch Ur-
teile des Landgerichts und des Oberlandesgerichts Hamburg wegen Verjäh-
rung abgewiesen.
Seit der Beendigung des Mandatsverhältnisses mit den Beklagten wurde
die Klägerin von Rechtsanwälten der Sozietät St. vertreten. Diese machten mit
Schreiben vom 25. Februar 1997 an die Beklagten einen Schadensersatzan-
spruch in Höhe von 127.007,76 DM wegen dieser Angelegenheit geltend, der
sich aus der Hauptforderung von 107.577,02 DM und Kosten der Rechtsverfol-
gung in Höhe von 19.500,65 DM zusammensetzen sollte. Die Haftpflichtversi-
cherung der Beklagten verweigerte die Zahlung und berief sich auf Verjährung.
Sodann machte die Klägerin mit Schriftsatz vom 20. März 1998 den Anspruch
durch eine Klageerweiterung in dem in erster Instanz rechtshängigen Verfah-
ren gegen die Beklagten geltend.
Das Landgericht hat durch Teilurteil vom 9. Dezember 1998 die Beklag-
ten zur Zahlung von 38.662,28 DM - davon 19.500,65 DM wegen der Angele-
genheit B. - verurteilt. Auf beiderseitige Rechtsmittel hat das Berufungsgericht
der Klägerin 146.280,99 DM zugesprochen, davon 139.422,40 DM wegen der
Angelegenheit B. Mit ihrer Revision greifen die Beklagten ihre Verurteilung we-
gen der Ansprüche an, die ihren Grund in der Auseinandersetzung der Kläge-
rin mit den Eheleuten B. haben. Der Senat hat die Revision nur in Höhe von
119.921,75 DM angenommen.
Die Klägerin hat unselbständige Anschlußrevision eingelegt, mit der sie
die Zahlung weiterer 25.472,66 DM verlangt. Diesen Anspruch stützt sie auf
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den Vorwurf, daß die Beklagten Werklohnforderungen auch gegen zwei weite-
re Kunden der Klägerin - L. und S. - durch mangelhafte Prozeßführung hätten
verjähren lassen.
Entscheidungsgründe:
A.
Die Revision ist im Umfang ihrer Annahme durch den Senat begründet.
I.
Das Berufungsgericht hat der Klägerin im Zusammenhang mit dem Auf-
trag der Eheleute B. insgesamt einen Schadensersatzanspruch von
139.422,40 DM zugesprochen: 107.577,02 DM als Ersatz für die nicht mehr
durchsetzbare Vergütungsforderung der Klägerin gegen die Eheleute B. und
31.845,38 DM als Ersatz von Kosten des Vorprozesses; vom letztgenannten
Betrag sind nur noch 12.344,73 DM in der Revisionsinstanz streitig.
Zur Begründung hat das Berufungsgericht im wesentlichen ausgeführt:
Der Klägerin stehe der Anspruch aus dem Gesichtspunkt der positiven Ver-
tragsverletzung des Anwaltsvertrages zu. Den Vergütungsanspruch der Kläge-
rin gegen die Eheleute B., für den nach den Urteilen des Landgerichts und des
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Oberlandesgerichts Hamburg die zweijährige Verjährungsfrist des § 196 Abs. 1
Nr. 1 BGB gegolten habe, hätten die Beklagten verjähren lassen, weil sie zu
spät Klage erhoben hätten. Die erstinstanzlichen Kosten des Rechtsstreits über
den Anspruch seien Folgen dieser Pflichtverletzung.
Auf eine Verjährung des nunmehr eingeklagten Ersatzanspruchs der
Klägerin gemäß § 51b BRAO könnten sich die Beklagten nicht berufen. Die
Klägerin habe einen Sekundäranspruch erlangt, so gestellt zu werden, als sei
der Primäranspruch nicht verjährt, denn die Beklagten hätten sie nicht über
deren Pflichtverletzung und die Verjährung des Schadensersatzanspruchs be-
lehrt. Diese könnten sich nicht darauf berufen, daß die Klägerin seit Ende 1996
von einer anderen Rechtsanwaltskanzlei beraten worden sei. Sie seien darle-
gungspflichtig für eine Aufklärung der Klägerin durch deren neue Rechtsan-
wälte, daß der Primäranspruch bestehe und wann er verjähre; dieser Vor-
tragslast hätten die Beklagten nicht entsprochen.
II.
Diese Ausführungen halten der revisionsrechtlichen Nachprüfung in ei-
nem wesentlichen Punkt nicht stand.
1. Der von der Klägerin gegen die Beklagten geltend gemachte An-
spruch auf Zahlung von 107.577,02 DM wegen der entgangenen Werklohnfor-
derung ist verjährt. Die dreijährige Verjährungsfrist gemäß § 51b BRAO (§ 51
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BRAO a.F.) begann mit Schadenseintritt am 1. Januar 1995 und endete mit
Ablauf des 31. Dezember 1997.
a) Der dem Regreßanspruch gegen die Beklagten zugrundeliegende,
von der Klägerin behauptete Werklohnanspruch gegen die Eheleute B. ver-
jährte mit Ablauf des 31. Dezember 1994. Es handelte sich um einen Vergü-
tungsanspruch aus einem Werkvertrag, für den die zweijährige Verjährung ge-
mäß § 196 Abs. 1 Nr. 1 BGB galt. Die Verjährungsfrist begann am 1. Januar
1993 zu laufen, § 201 BGB, nachdem der Anspruch mit der Abnahme am
7. Mai 1992 entstanden war.
Dieser Vergütungsanspruch unterlag nicht, wie die Revisionserwiderung
meint, einer vierjährigen Verjährungsfrist nach § 196 Abs. 2 BGB. Die Leistung,
deren Vergütung die Klägerin verlangte, war nicht für einen Gewerbebetrieb
der Werkbesteller, der Eheleute B., erbracht.
Die insoweit darlegungs- und beweispflichtige Klägerin (vgl. BGHZ 49,
258, 261) hat nicht dargetan, daß die Eheleute B. die Werkleistungen der Klä-
gerin nicht als Privatleute, sondern für einen berufsmäßigen Geschäftsbetrieb
in Anspruch genommen hätten. Daß ein Werkvertrag über die Errichtung einer
Speditionsanlage geschlossen wurde, reicht für einen solchen Schluß ebenso-
wenig aus wie der Auftragsumfang von rd. 1,5 Mio. DM. Die Errichtung von
Gebäuden durch den Eigentümer dient nicht ohne weiteres einem Gewerbebe-
trieb, sondern ist eine Art der Nutzung des Eigentums am Grundstück. Sie stellt
regelmäßig eine Kapitalanlage dar (BGHZ 74, 273, 277 f). Die Ausnahme von
diesem Grundsatz, daß die Verwaltung des Bauwerks eine besonders umfang-
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reiche berufsmäßige Tätigkeit erfordert, ist weder vorgetragen noch sonst er-
sichtlich.
Für die Klägerin spricht auch nicht die Vermutung des § 344 Abs. 1
HGB. Sie hat im gegenwärtigen Rechtsstreit nicht vorgetragen, daß die Ehe-
leute B. als Kaufleute im Handelsregister eingetragen gewesen seien. Ihre
Kaufmannseigenschaft ergibt sich auch nicht hinreichend aus sonstigen Um-
ständen. Daß Herr B. früher Inhaber einer Speditionsfirma in der Rechtsform
einer GmbH & Co. KG war, deren Geschäftsführer er - nach dem Vortrag der
Revisionserwiderung - noch immer ist, läßt keine andere Beurteilung zu. Da-
durch wird er nicht persönlich zum Kaufmann. Es ist zudem nicht vorgetragen,
daß er das Gebäude, an dessen Errichtung die Klägerin mitwirkte, als Ge-
schäftsführer der Spedition herstellen ließ.
b) Aufgrund der Verjährung der Werklohnforderung kommt - anders als
das Landgericht gemeint hat - gegen die Beklagten allein ein Schadensersatz-
anspruch wegen Verletzung vertraglicher Pflichten in Betracht. Die Verjährung
eines solchen Anspruchs beginnt gemäß § 51b BRAO grundsätzlich mit dessen
Entstehung. Im vorliegenden Fall wäre der - zu unterstellende - Ersatzanspruch
mit dem Eintritt der Verjährung des Werklohnanspruchs entstanden.
Richtet sich die Pflichtverletzung des Rechtsanwalts allgemein gegen
das Vermögen seines Mandanten - wie beim Verjährenlassen von Forderun-
gen -, so tritt ein Schaden ein, sobald die Vermögenslage des Betroffenen in-
folge der Handlung im Vergleich mit dem früheren Vermögensstand schlechter
geworden ist. Hierzu genügt es, daß die Verschlechterung sich wenigstens
dem Grunde nach verwirklicht hat, mag ihre Höhe auch noch nicht beziffert
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werden können (BGHZ 100, 228, 231; 114, 150, 152 f). Obwohl die Verjährung
nur auf Einrede berücksichtigt wird (§ 222 Abs. 1 BGB), ist zumindest bei strei-
tigen Ansprüchen ein Schaden schon infolge des Ablaufs der Verjährungsfrist
zu bejahen, weil nach der Lebenserfahrung damit gerechnet werden muß, daß
der Schuldner zur Abwehr des erhobenen Anspruchs von der Verjährungsein-
rede Gebrauch machen wird (Senatsurt. v. 14. Juli 1994 - IX ZR 204/93,
NJW 1994, 2822, 2823 f; v. 6. Juli 2000 - IX ZR 134/99, NJW 2000, 2661,
2692 f). Im vorliegenden Fall war der geltend zu machende Anspruch der Klä-
gerin streitig: die Eheleute B. haben ihn nicht erfüllt, weil sie sich eines entge-
genstehenden Vertragsstrafenanspruchs und eines anspruchsmindernden
Skontoabzuges berühmten.
c) Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts sind die Beklagten nicht
unter dem Gesichtspunkt der Sekundärhaftung (vgl. dazu Zugehör, Handbuch
der Anwaltshaftung, Rn. 1251 ff) gehindert, die Verjährungseinrede zu erhe-
ben.
Die Pflicht des Rechtsanwalts, den Mandanten bei begründetem Anlaß
über den gegen sich bestehenden Schadensersatzanspruch sowie dessen kur-
ze Verjährung zu belehren, entfällt, wenn der Mandant rechtzeitig vor Ablauf
der Verjährungsfrist im Hinblick auf die Regreßfrage anwaltlich beraten wird
(Senatsurt. v. 27. Januar 1994 - IX ZR 195/93, NJW 1994, 1405, 1407). Von
einer ausreichenden Belehrung darf der regreßpflichtige Anwalt grundsätzlich
ausgehen, wenn ein anderer Rechtsanwalt namens des Mandanten dessen
Schadensersatzanspruch rechtzeitig anmeldet (Senatsurt. v. 14. November
1991 - IX ZR 31/91, NJW 1992, 836, 837). Rechtzeitig ist diese Belehrung
durch einen anderen Anwalt, wenn sie so lange vor Ablauf der Verjährungsfrist
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des § 51b BRAO erfolgt, daß der Primäranspruch bei Anwendung der im Ver-
kehr erforderlichen Sorgfalt noch verjährungsunterbrechend gerichtlich geltend
gemacht werden kann. Die Belehrungspflicht des mit der Prüfung von Regreß-
ansprüchen betrauten Rechtsanwalts tritt an die Stelle derjenigen des Anwalts,
der die zum Schadensersatz verpflichtende Handlung begangen hat; der Man-
dant ist durch die Haftung des neuen Anwalts hinreichend gesichert (Senatsurt.
v. 14. Dezember 2000 - IX ZR 332/99, NJW 2001, 826, 828).
So lag es hier. Der Primäranspruch verjährte mit Ablauf des 31. Dezem-
ber 1997 (siehe oben 1 vor a). Die Klägerin wurde von Rechtsanwälten der So-
zietät St. betreut. Unter dem 25. Februar 1997 hatten diese Anwälte ein
Schreiben an die Beklagten gerichtet, mit dem sie den hier in Rede stehenden
Schadensersatzanspruch begründeten und genau bezifferten sowie bis zum
7. März 1997 die Bestätigung verlangten, daß die Beklagten ihre Berufshaft-
pflichtversicherung von dem Vorgang informiert hätten. Die Klägerin hatte also
mindestens zehn Monate vor Ablauf der Verjährungsfrist Kenntnis von ihrem
Anspruch gegen die Beklagten. Das genügte zur Unterbrechung der Primär-
verjährung.
d) Die Beklagten waren nicht unter dem Gesichtspunkt der unzulässigen
Rechtsausübung (§ 242 BGB) gehindert, die Verjährungseinrede zu erheben.
Wegen des Zwecks der Verjährungsregelung des § 51b BRAO sind an
den Einwand der unzulässigen Rechtsausübung strenge Anforderungen zu
stellen (Senatsurt. v. 29. Februar 1996 - IX ZR 180/95, WM 1996, 1106, 1108).
Er kommt insbesondere in Betracht, wenn der Verpflichtete den Berechtigten
nach objektiven Maßstäben zu der Annahme veranlaßt hat, sein Anspruch sei
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auch ohne Rechtsstreit vollständig zu befriedigen (vgl. Senatsurt. v. 3. No-
vember 1988 - IX ZR 203/87, WM 1988, 1855, 1858), oder wenn der Ver-
pflichtete bei dem Berechtigten den Eindruck erweckt oder aufrechterhält, des-
sen Ansprüche nur mit sachlichen Argumenten bekämpfen zu wollen, und ihn
dadurch von der rechtzeitigen Klageerhebung abhält (vgl. BGH, Urt. v.
4. November 1997 - VI ZR 375/96, NJW 1998, 902, 903).
In solcher Weise haben sich hier weder die Beklagten noch deren Be-
rufshaftpflichtversicherung verhalten. Auf das Schreiben der Rechtsanwälte der
Klägerin vom 25. Februar 1997, mit dem der Primäranspruch erstmals geltend
gemacht wurde, haben die Beklagten mit Schreiben vom 5. und 21. März 1997
mitgeteilt, ihren Berufshaftpflichtversicherer unterrichtet zu haben, und darauf
hingewiesen, daß die Versicherungsbedingungen dem Versicherungsnehmer
eine Erklärung zur Sache verbieten. Sie haben zwar hinzugefügt, "daß begrün-
dete Ansprüche an uns persönlich nicht scheitern werden". Ferner haben sie
mitgeteilt, daß sie "eine Konfrontation mit einer jahrelangen Mandantin ... nicht
wünschen", sowie Hilfestellung und Gespräche angeboten. Sie haben aber
nicht einmal angedeutet, den geltend gemachten Anspruch anzuerkennen.
Vielmehr haben sie ausdrücklich die Frage gestellt, ob Ansprüche der Klägerin
"wirklich ... verjährt sein" könnten. Bei der notwendigen objektiven Betrachtung
konnte daraus weder der Schluß gezogen werden, die Beklagten stellten eine
Befriedigung der Klägerin ohne Rechtsstreit in Aussicht, noch daß die Beklag-
ten auf die Einrede der Verjährung verzichten wollten. Das gilt erst recht für
das Schreiben der Haftpflichtversicherung vom 20. März 1997, das sich in ei-
ner Eingangsbestätigung erschöpft sowie eine Antwort in Aussicht stellt.
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Keinem der Schreiben kann etwa entnommen werden, daß die Klägerin
dadurch von der rechtzeitigen Erhebung der Regreßklage abgehalten werden
sollte. Das eigene Schreiben der neuen Rechtsanwälte der Klägerin vom
14. Januar 1998 an den Haftpflichtversicherer deutet derartiges auch nicht an.
Vielmehr haben sie diesem darin eine Äußerungsfrist bis zum 25. Januar 1998
gesetzt. Die Klägerin war danach der Meinung, bis zu diesem Zeitpunkt mit
verjährungsunterbrechenden Maßnahmen zuwarten zu können. Das genügt
nicht für den Einwand der unzulässigen Rechtsausübung gegenüber der Ver-
jährungseinrede (vgl. Senatsurt. v. 1. Oktober 1987 - IX ZR 202/86, NJW 1988,
265, 266).
2. Der weiter geltend gemachte Anspruch der Klägerin auf Ersatz von
Prozeßkosten in Höhe von 12.344,73 DM ist gemäß § 51b BRAO ebenfalls
verjährt.
a) Der Anspruch betrifft Kosten in Höhe von 10.865,78 DM zuzüglich
Zinsen in Höhe von 1.478,95 DM, die zugunsten der Rechtsanwälte der Ehe-
leute B. festgesetzt worden sind. Der entsprechende Kostenfestsetzungsbe-
schluß des Landgerichts Hamburg vom 9. März 1999 betrifft die erstinstanzli-
che Vertretung der Eheleute B. Dies hat das Berufungsgericht aufgrund der
eigenen Angaben der Klägerin mit Recht angenommen. Die Klägerin hat näm-
lich das zugrunde liegende Schreiben der Rechtsanwälte Dr. Ste. und R. vom
3. März 1999 eingereicht, mit dem diese für die Eheleute B. um Kostenfestset-
zung für die erste Instanz baten.
b) Die Verjährung dieses Anspruchs begann im April 1995 mit der Kla-
geerhebung vor dem Landgericht Hamburg. Die Einleitung eines Rechtsstreits,
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mit dem eine erkennbar verjährte Forderung eingeklagt wird, stellt regelmäßig
eine schuldhafte Pflichtverletzung des Rechtsanwalts der klagenden Partei ge-
gen diese, seine Mandantin, dar. Entgegenstehende Umstände sind hier nicht
dargetan.
Der Schaden der Klägerin lag in der Belastung mit den Verfahrensko-
sten. Dieser war durch die Pflichtverletzung der Beklagten ursächlich begrün-
det, weil sie die Klägerin einen aussichtslosen Prozeß führen ließen. Der Ko-
stenschaden tritt schon mit der Erhebung der aussichtslosen Klage ein, weil
damit ein erster Teil des Schadens in Form der Gerichtskosten entsteht, für die
der Kläger als Zweitschuldner haftet (BGH, Urt. v. 7. Februar 1995 - X ZR
32/93, NJW 1995, 2039, 2041).
Die dreijährige Verjährungsfrist für diesen Schadensersatzanspruch lief
folglich im April 1998 ab.
c) Die Klägerin hat den Ersatz des Kostenschadens erst mit Schriftsatz
vom 20. April 1999, also nach Ablauf der Verjährungsfrist geltend gemacht. Der
zuvor geltend gemachte Prozeßkostenschaden von 19.500,65 DM - dessent-
wegen der Senat die Revision der Beklagten nicht angenommen hat - betraf
die Kosten der eigenen Rechtsanwälte der Klägerin sowie diejenigen der Ge-
genseite für die zweite Instanz. Das prozessuale Geltendmachen dieses An-
spruchs unterbrach nicht die Verjährung bezüglich des später eingeführten An-
spruchs auf Ersatz zusätzlicher Kosten. Denn die Unterbrechungswirkung
durch Klageerhebung tritt nur für den jeweils geltend gemachten Anspruch ein.
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d) Der Umstand, daß die Klägerin den Kostenfestsetzungsbeschluß des
Landgerichts Hamburg vom 9. März 1999 erst nach Ablauf der Verjährungsfrist
für den Ersatzanspruch erhalten haben kann, steht der Verjährungseinrede der
Beklagten gemäß § 222 Abs. 1 BGB nicht entgegen. Die Verjährungsfrist nach
§ 51b BRAO beginnt auch dann zu laufen, wenn der Mandant den Schaden
und damit seinen Ersatzanspruch nicht kennt (Senatsurt. v. 5. November 1992
- IX ZR 200/91, NJW 1993, 1320, 1321). Im vorliegenden Fall war offenkundig,
daß die erstinstanzlichen außergerichtlichen Kosten der Eheleute B. noch nicht
festgesetzt waren. Die Klägerin hätte diesen Schaden von vornherein wenig-
stens zum Gegenstand einer Feststellungsklage machen können. Ein Scha-
densersatzanspruch wegen Verletzung der Pflichten aus dem Anwaltsvertrag
kann auch schon entstanden sein, wenn er der Höhe nach nicht feststeht oder
feststellbar ist oder sich noch nicht konkret ausgewirkt hat. Wenn der Mandant
mangels Bezifferbarkeit des Schadens noch keine Leistungsklage zu erheben
vermag, genügt jedenfalls die Möglichkeit zur Erhebung einer Feststellungskla-
ge für den Schadenseintritt (Senatsurt. v. 1. Februar 1990 - IX ZR 82/89,
WM 1990, 815, 816).
III.
Der Senat kann in der Sache abschließend entscheiden (§ 565 Abs. 3
Nr. 1 ZPO). Aufgrund des maßgeblichen Sach- und Streitstandes ist die Klage
im aufgezeigten Umfang unbegründet.
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Zur Klarstellung wird darauf hingewiesen, daß das Berufungsurteil zu I 2
des erkennenden Teils bestehen bleibt.
B.
Die Anschlußrevision der Klägerin ist unzulässig.
I.
Gemäß § 556 ZPO kann sich der Revisionsbeklagte grundsätzlich der
Revision anschließen.
1. Dazu hat der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs durch Urteil vom
26. Januar 2001 (V ZR 462/99, n.v.) entschieden, daß eine unselbständige An-
schlußrevision, die sich auf einen anderen als den von der Hauptrevision er-
faßten prozessualen Anspruch bezieht, unstatthaft sei. Zur Begründung hat er
darauf verwiesen, daß mit der unselbständigen Anschlußrevision nur ein An-
trag innerhalb der Hauptrevision gestellt werden könne.
Auch der Bundesfinanzhof hält auf der Grundlage des § 155 FGO - der
u.a. auf § 556 ZPO verweist - mit gleichartiger Begründung eine selbständige
Anschlußrevision für unzulässig, die einen anderen Steuerfall betrifft als die
Revision (BFH BStBl. 1984 II S. 167, 169; 1985 II S. 69, 72, jew. m.w.Nachw.).
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Das Bundessozialgericht nimmt zu § 202 SGG i.V.m. § 521 Abs. 1 ZPO
an, daß sich unselbständige Anschlußrechtsmittel - einschließlich der An-
schlußberufung - allgemein nicht auf einen Teil der angefochtenen Entschei-
dung beziehen können, den das Hauptrechtsmittel selbst nicht erfaßt (Urt. v.
11. Dezember 1979 - 7 RAr 2/79; v. 19. Juni 1996 - 6 RKa 24/95; v. 23. Juni
1998 - B 4 RA 33/97 R).
2. Darüber hinaus hat der Bundesgerichtshof entschieden, daß An-
schlußrevisionen unzulässig sind, wenn bis zum Zeitpunkt ihrer Einlegung die
Revision selbst nur (noch) wegen eines bestimmten Anspruchs oder Sachver-
halts zulässig war. Das wurde insbesondere angenommen, wenn die Revision
von vornherein lediglich wegen eines bestimmten Anspruchs zugelassen war
(BGHZ 111, 158, 166 f; 130, 50, 58; Urt. v. 21. Mai 1968 - VI ZR 27/68,
NJW 1968, 1470, 1471; v. 25. April 1995 - VI ZR 272/94, NJW 1995, 1955,
1956; v. 19. November 1997 - XII ZR 1/96, NJW-RR 1998, 506), und ferner zu
der Zeit, als die Revision in Amtshaftungssachen noch unbeschränkt zulässig
war, für andere als derartige Ansprüche (BGHZ 36, 162, 165 f). Endlich hat der
erkennende Senat eine Anschlußrevision für unzulässig gehalten, bei der sich
die Anschließung auf einen Anspruch bezog, dessentwegen die Hauptrevision
schon abgelehnt war (BGHZ 131, 95, 97 f.).
Ebenso nimmt das Bundesarbeitsgericht für den Fall, daß die Revision
nur für einen von mehreren Klageansprüchen zugelassen worden ist, auf der
Grundlage des § 556 Abs. 1 ZPO an, durch eine unselbständige Anschlußrevi-
sion könne nicht die Entscheidung des Berufungsgerichts über einen anderen
Streitgegenstand zur Nachprüfung des Revisionsgerichts gestellt werden (MDR
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1983, 348 Nr. 117; Urt. v. 21. Oktober 1982 - 2 AZR 628/80; v. 26. Januar 1995
- 2 AZR 355/94). Gleiches hat das Bundesverwaltungsgericht zu § 141 i.V.m.
§ 127 VwGO (Urt. v. 16. Dezember 1980 - 5 C 105/79) und das Bundessozial-
gericht (Urt. v. 24. November 1978 - 11 RA 9/78) ausgesprochen.
Diese Erwägungen greifen im vorliegenden Fall nicht unmittelbar ein.
Denn das Berufungsgericht hat sich über eine Zulassung der Revision nicht
ausgesprochen. Der Senat hat die Revision der Beklagten ganz überwiegend
angenommen und eine Annahme nur wegen eines Teils des zu ersetzenden
Schadens abgelehnt.
II.
Eine unselbständige Anschlußrevision ist unzulässig, die einen anderen
Lebenssachverhalt betrifft als denjenigen der Revision und die mit dem von
dieser erfaßten Streitgegenstand auch nicht in einem unmittelbaren rechtlichen
oder wirtschaftlichen Zusammenhang steht.
1. Die unselbständige Anschlußrevision ist akzessorischer Natur (BGHZ
36, 162, 166; BGH, Urt. v. 26. Oktober 1993 - VI ZR 155/92, NJW 1994, 801,
803). Sie muß sich deshalb grundsätzlich auf einen der Überprüfung durch die
Hauptrevision zugänglichen Gegenstand der angefochtenen Entscheidung be-
ziehen (BGH, Urt. v. 28. April 1987 - VI ZR 1 + 43/86, WM 1987, 834; RG HRR
1934, Nr. 968) oder jedenfalls in einem inneren Zusammenhang damit stehen.
Dies schließt es aus, einen prozessualen Anspruch, der nicht bereits von der
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Hauptrevision umfaßt ist und mit diesem auch nicht in einem unmittelbaren
rechtlichen oder wirtschaftlichen Zusammenhang steht, zum Gegenstand einer
unselbständigen Anschlußrevision zu machen. Insoweit ist es grundsätzlich
unerheblich, aus welchem Grund - sei es infolge Nichtannahme der Revision,
Nichterreichens der Revisionssumme oder unterlassenen Angriffs - der Streit-
gegenstand der Anschlußrevision nicht von der Hauptrevision erfaßt wird.
Zwar werden auf der Grundlage des § 521 ZPO ganz überwiegend An-
schlußberufungen, die einen anderen prozessualen Anspruch als das
Hauptrechtsmittel zum Gegenstand haben, für zulässig gehalten (RGZ 156,
240, 242; RG Gruch 49, 1028, 1031; JW 1913, S. 140 Nr. 19 im Anschluß an
RGZ 46, 373, 374 f; MünchKomm-ZPO/Rimmelspacher, 2. Aufl. § 521 Rn. 21;
Musielak/
Ball, ZPO 2. Aufl. § 521 Rn. 7; Stein/Jonas/Grunsky, ZPO 21. Aufl. § 521
Rn. 10; Zöller/Gummer, ZPO 22. Aufl. § 521 Rn. 22). Dieser Grundsatz ist aber
auf die Anschlußrevision nicht ohne weiteres zu übertragen. Denn im Beru-
fungsverfahren als zweiter Tatsacheninstanz wäre eine Beschränkung der An-
schließung sinnlos, weil die unselbständige Anschlußberufung auch mit dem
Ziel der Klageerweiterung oder der Erhebung einer Widerklage eingelegt wer-
den kann (vgl. BGHZ 4, 229, 234); damit soll der Tatsachenstoff erschöpfend
erfaßt werden. Die durch die Revision eingeleitete Rechtsprüfung ist dagegen
auf bestimmte Streitgegenstände zu beschränken; die Anschlußrevision setzt
dementsprechend auch eine Beschwer voraus (BGH, Urt. v. 31. Mai 1995
- VIII ZR 267/94, NJW 1995, 2563, 2565).
2. Allerdings mögen gewichtige Gründe dagegen sprechen, eine unselb-
ständige Revision allein schon dann für unzulässig zu halten, wenn sie nur ei-
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nen anderen Streitgegenstand betrifft als die Hauptrevision. Eine derartige Ab-
grenzung mag häufig schwierige Zweifelsfragen aufwerfen. Ansprüche, die
formell unterschiedliche Streitgegenstände begründen, können innerlich in ei-
nem so engen Zusammenhang stehen, daß es dem Zweck der Anschlie-
ßungsmöglichkeit widerspräche, dem Revisionsbeklagten eine Anschlußrevisi-
on zu verwehren: Die §§ 521, 556 ZPO sollen die prozessuale Waffengleich-
heit und die Billigkeit im Falle einer infolge der Revision ohnehin gebotenen
Überprüfung wahren (MünchKomm-ZPO/Wenzel aaO § 556 Rn. 1). Dies mag
es im Einzelfall insbesondere gebieten, daß Angriffs- und Verteidigungsmittel,
die sich auf ein einheitliches Rechtsverhältnis beziehen, durch eine Anschluß-
revision allgemein geltend gemacht werden können.
Das braucht hier jedoch nicht abschließend entschieden zu werden.
Denn ein vergleichbarer Zusammenhang besteht im vorliegenden Fall nicht.
Zwar waren die Parteien durch ein Dauermandat miteinander verbunden. Die
einzelnen Aufträge, welche die Beklagten aufgrund dessen für die Klägerin
ausführten, hätten aber ebenso gut jeweils den Gegenstand eines selbständi-
gen Anwaltsdienstvertrages bilden können; letzteres entspricht sogar dem Re-
gelfall. Die Revision betrifft die Durchsetzung eines Werklohnanspruchs der
Klägerin gegen einen einzelnen Kunden. Deren Anschlußrevision soll Ansprü-
che gegen zwei andere Kunden durchsetzen, die unabhängig voneinander zu
verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten Werkleistungen der Klä-
gerin in Anspruch nahmen. Für die von der Beklagten zu erhebenden Wer-
klohnklagen waren jeweils andere Gerichte zuständig. Die Entscheidung über
keine dieser Forderungen hing in irgendeiner Weise von derjenigen über einen
anderen der hier fraglichen Ansprüche ab. Eine selbständige Revision wäre
wegen keines der beiden Ansprüche (über 16.845,59 DM und 8.627,07 DM)
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zulässig gewesen, ebensowenig für beide zusammen. Der Grundsatz der pro-
zessualen Waffengleichheit gebietet es ebensowenig wie die Billigkeit, für der-
artig verschiedene Ansprüche die Verbindung durch eine Anschlußrevision
zuzulassen. Das allgemeine wirtschaftliche Kompensationsinteresse des Revi-
sionsbeklagten genügt allein nicht.
3. Dieser Auslegung steht § 554 des Regierungsentwurfs eines Geset-
zes zur Reform des Zivilprozesses nicht entgegen. Danach wird die Anschluß-
revision allgemein für zulässig erklärt. Zur Begründung wird ausgeführt, es sei
unbillig, der friedfertigen Partei, die bereit sei, sich mit der Entscheidung abzu-
finden, die Anschließungsmöglichkeit für den Fall abzuschneiden, daß der
Gegner die Entscheidung wider Erwarten angreife. Inwieweit diese Vorschrift
Anschlußrevisionen über das derzeit geltende Recht hinaus ermöglicht, kann
offenbleiben. Auf der Grundlage des Reformgesetzentwurfs könnte die Ab-
grenzung an Bedeutung verlieren: Wenn allgemein Revisionen nur noch im
Falle ihrer Zulassung statthaft sind, wären gemäß der bisherigen Auslegung
(s.o. I 2) unselbständige Anschlußrevisionen lediglich zulässig, soweit sie sich
auf den Streitteil beziehen, für den die Hauptrevision zugelassen ist.
4. Mit diesem Ergebnis weicht der erkennende Senat nicht von Ent-
scheidungen sonstiger Senate des Bundesgerichtshofs ab. Soweit diese un-
selbständige Anschlußrevisionen auch zu anderen Streitgegenständen als
denjenigen der Hauptrevision für zulässig gehalten haben, bestand jeweils ein
unmittelbarer rechtlicher und wirtschaftlicher Zusammenhang zum Streitgegen-
stand der Hauptrevision.
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a) Der I. Zivilsenat hat durch Urteil vom 28. Februar 1991 (I ZR 94/89,
GRUR 1991, 680, 681 f) eine Anschlußrevision in einer Wettbewerbssache für
zulässig gehalten, in welcher die Klägerin zwei Verbotsanträge gestellt hatte:
nämlich der Beklagten zu verbieten, sich überhaupt als Porzellanmanufaktur zu
bezeichnen, sowie sich als "älteste" derartige Manufaktur zu bezeichnen. Das
Berufungsgericht hatte nur dem zweitgenannten Antrag stattgegeben. Nach-
dem die Klägerin Revision gegen die Abweisung ihres ersten Antrags eingelegt
hatte, hat die Beklagte Anschlußrevision gegen ihre Verurteilung gemäß dem
zweiten Antrag eingelegt. Ob insoweit unterschiedliche Streitgegenstände vor-
lagen, mag offenbleiben. Jedenfalls bestand durch die einheitliche Werbebe-
hauptung ein unmittelbarer rechtlicher und wirtschaftlicher Zusammenhang
zwischen beiden Verbotsanträgen.
In der Entscheidung BGHZ 138, 55, 57 ff (ausführlicher abgedruckt in
WM 1998, 1693) waren die unterschiedlichen Rechtsfolgen einer für unzuläs-
sig gehaltenen, einheitlichen Werbebehauptung Gegenstand einer Anschluß-
revision. Das Berufungsgericht hatte den Beklagten zwar verurteilt, eine be-
stimmte Behauptung zu unterlassen, aber den weitergehenden Antrag des Klä-
gers zurückgewiesen, dem Beklagten auch die Ankündigung von Preisnachläs-
sen zu verbieten. Gegen diese Abweisung der Klage hatte der Kläger Revision
eingelegt, der sich der Beklagte angeschlossen hatte, soweit er seinerseits
verurteilt worden war. Beide umstrittenen Erklärungen standen in einem un-
mittelbaren Zusammenhang miteinander.
In dem Urteil vom 6. Mai 1999 (I ZR 5/97, NJWE-WettbR 1999, 249,
251) ging es um unterschiedliche Rechtsfolgen einer einzigen Wettbewerbs-
handlung. Das Berufungsgericht hatte den Beklagten im wesentlichen zur Un-
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terlassung, zur Auskunftsleistung und zum Schadensersatz verurteilt. Dagegen
richtete sich die Revision des Beklagten. Die Klägerin schloß sich der Revision
insoweit an, als ein Teil ihres Auskunftsanspruchs abgewiesen worden war.
Schließlich stritten die Parteien in dem Sachverhalt, der dem Urteil vom
23. November 2000 (I ZR 78/98, n.v.) zugrunde lag, über die Unterlassung von
drei Behauptungen in einem einzigen Werbeschreiben. Das Berufungsgericht
hatte den Beklagten zur Unterlassung nur einer der Behauptungen verurteilt.
Nachdem dieser dagegen Revision eingelegt hatte, schloß sich die Klägerin
dem Rechtsmittel mit dem Ziel an, dem Beklagten auch die beiden anderen
Behauptungen zu untersagen.
b) Der Vorgängersenat des XII. Zivilsenats hat durch Beschluß vom
5. Dezember 1979 - IV ZB 75/79 (FamRZ 1980, 233) entschieden, daß ein
Rechtskraftzeugnis über einen Scheidungsausspruch nicht erteilt werden darf,
wenn hinsichtlich einer Folgesache ein Rechtsmittel eingelegt ist, weil der
Gegner sich diesem auch wegen des Scheidungsausspruchs anschließen kön-
ne. Eine solche Anschlußrevision wurde also für zulässig gehalten. Nach Auf-
fassung des IX. Zivilsenats besteht zwischen dem Scheidungsausspruch und
allen einzelnen Folgeansprüchen jedenfalls ein unmittelbarer rechtlicher Zu-
sammenhang im zuvor (oben zu 2.) genannten Sinne. Dies betrifft zugleich den
Beschluß des Vorgängersenats des XII. Zivilsenats vom 14. Oktober 1981
(IVb ZB 593/80, FamRZ 1982, 36, 37 f), in dem eine Anschlußbeschwerde zum
Versorgungsausgleich mangels Rechtsschutzinteresses für unzulässig gehal-
ten wurde. Wenn danach ein derartiges Anschlußrechtsmittel stillschweigend
für statthaft erachtet wurde, so bezog es sich auf dieselbe Rechtsfolge wie die
Rechtsbeschwerde selbst, nämlich auf den Versorgungsausgleich.
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Durch Urteil vom 3. Februar 1999 (XII ZR 82/97, EzFamR FGB § 39
Nr. 9) hat der Bundesgerichtshof eine Anschlußrevision als unbegründet zu-
rückgewiesen, also für zulässig gehalten. In dem zugrundeliegenden Sachver-
halt hatte das Berufungsgericht ein Haus, das Eheleuten gemeinsam gehörte,
nach der Ehescheidung der Ehefrau zugewiesen, ihr aber eine Ausgleichs-
zahlung an den Ehemann auferlegt; ferner hatte es zugunsten des Ehemannes
eine Sicherungshypothek auf dem Grundstück angeordnet. Der Ehemann ver-
folgte mit der für ihn zugelassenen Revision sein Begehren auf eine höhere
Ausgleichszahlung weiter. Dem schloß sich die Ehefrau mit dem Ziel an, ihre
Verpflichtung zur Bestellung einer Sicherungshypothek entfallen zu lassen.
Beide Rechtsmittel betrafen im Kern dieselbe Ausgleichszahlung.
Das Urteil vom 29. September 1999 (XII ZR 313/98, NJW 2000, 354,
359) betraf einen Streit zwischen Verpächter und Pächter. Das Berufungsge-
richt hatte die Klage auf Feststellung eines Pachtverhältnisses ebenso abge-
wiesen wie eine Widerklage. Diese betraf Ansprüche wegen wertsteigender,
infolge vorzeitiger Vertragsbeendigung nutzlos gewordener Investitionen. Ge-
gen die Abweisung seiner Feststellungsklage hatte der Kläger Revision einge-
legt, während der Beklagte mit einer unselbständigen Anschlußrevision sein
Zahlungsbegehren weiterverfolgen wollte. Diese wurde als weder grundsätzlich
noch erfolgversprechend nicht zur Entscheidung angenommen; die Zulässig-
keit wurde also vorausgesetzt. Revision und Anschlußrevision waren insoweit
innerlich miteinander verknüpft, als sie den Bestand eines Pachtverhältnisses
und alternativ Folgen seiner Unwirksamkeit betrafen.
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Genauso verhielt es sich in dem Sachverhalt, welcher dem Urteil des
Bundesgerichtshofs vom 18. Januar 1995 (XII ZR 30/93, ZMR 1995, 480, 483)
zugrunde lag. Der Kläger verlangte Schadensersatz wegen des Mangels einer
Mietsache. Der Beklagte forderte mit seiner Widerklage die Räumung sowie
Mietzahlung oder Nutzungsentschädigung. Das Berufungsgericht hatte die
Verurteilung des Klägers zur Räumung aufgrund der Widerklage bestehen las-
sen, aber unter anderem einen Zahlungsanspruch des Beklagten abgewiesen.
Mit seiner Revision wandte der Kläger sich gegen seine Räumungspflicht. Der
Beklagte wollte sich ihr hinsichtlich der Abweisung seines Zahlungsanspruchs
anschließen. Die Anschlußrevision wurde als zwar zulässig, aber als weder
erfolgversprechend noch von grundsätzlicher Bedeutung nicht angenommen.
Die beiderseitigen Ansprüche ergaben sich aus einem Streit über die Wirk-
samkeit eines einheitlichen Mietvertrages.
c) Der II. Zivilsenat hat in einem Urteil vom 30. April 2001 (II ZR 322/99
- WM 2001, 1113, 1115) eine unselbständige Anschlußrevision für zulässig
gehalten. In dem zugrunde liegenden Fall hatte der klagende Konkursverwalter
Schadensersatzansprüche aus § 93 Abs. 2 AktG mit dem Hauptantrag auf Lei-
stung an die von ihm verwaltete Konkursmasse und mit dem Hilfsantrag auf
Leistung an einen Dritten geltend gemacht. Das Berufungsgericht hatte nur
dem Hilfsantrag stattgegeben. Dagegen hatte der Beklagte Revision eingelegt,
welcher sich der Kläger mit dem Ziel anschloß, die Verurteilung gemäß dem
Hauptantrag zu erreichen. Die Zulässigkeit der Anschlußrevision wird damit
begründet, sowohl der Haupt- als auch der Hilfsantrag hätten ein und dasselbe
Klagebegehren zum Gegenstand, nämlich die Verurteilung des verklagten Vor-
standsmitglieds auf Leistung von Schadensersatz: mit dem Hauptantrag in
Form der Kompensation des Schadens der Muttergesellschaft durch Zahlung
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direkt an sie, mit dem Hilfsantrag auf Ausgleich des Schadens der Mutterge-
sellschaft durch Wiederauffüllung des Vermögens der Tochtergesellschaft. Ob
insoweit unterschiedliche Streitgegenstände vorliegen, mag zweifelhaft sein:
Die Begründetheit des Hauptantrags setzte voraus, daß das Vermögen der
Tochtergesellschaft zwischenzeitlich aus eigenen Mitteln der Muttergesell-
schaft aufgefüllt worden war. Jedenfalls liegt derselbe Lebenssachverhalt zu-
grunde, und beide Anträge stehen in einem unmittelbaren rechtlichen sowie
wirtschaftlichen Zusammenhang.
d) Der Kartellsenat des Bundesgerichtshofs hat durch Beschluß vom
15. April 1986 (KVR 1/85, GRUR 1986, 747, 749) unselbständige Anschluß-
rechtsbeschwerden im Rechtsbeschwerdeverfahren gemäß den §§ 73 ff GWB
für statthaft erklärt. In dem zur Entscheidung stehenden Fall wurde die An-
schlußrechtsbeschwerde auch für zulässig gehalten. Zugrunde lag die Verfü-
gung einer Landeskartellbehörde, durch die einer Genossenschaft die Durch-
führung ihrer Satzung in vier Punkten untersagt worden war. Auf deren Be-
schwerde wurde noch über drei Punkte gestritten. Das Beschwerdegericht hob
die Verfügung hinsichtlich zweier Punkte auf und wies die Beschwerde bezüg-
lich des dritten Punktes zurück. Die Genossenschaft begehrte mit ihrer Rechts-
beschwerde, die angefochtene Verfügung auch hinsichtlich des letzten Punktes
aufzuheben. Die Landeskartellbehörde legte eine unselbständige Anschluß-
rechtsbeschwerde mit dem Ziel ein, ihre Verfügung hinsichtlich der beiden
weiteren, streitig gebliebenen Punkte ebenfalls aufrechtzuerhalten. Auch inso-
weit kann offenbleiben, ob der Streit über verschiedene Einzelregelungen der
einheitlichen Satzung unterschiedliche Streitgegenstände begründet. Jeden-
falls liegt ein einheitlicher Lebenssachverhalt vor. Zudem besteht zwischen den
verschiedenen Bestandteilen einer Genossenschaftssatzung ein durch den
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Genossenschaftszweck bedingter unmittelbarer rechtlicher sowie wirtschaftli-
cher Zusammenhang.
Mit Urteil vom 10. Oktober 1989 (KZR 22/88, GRUR 1990, 474, 475 f)
wurde über die Begründetheit einer Anschlußrevision entschieden, diese also
für zulässig gehalten. Das klagende Unternehmen verlangte von der Beklagten
Unterlassung und Schadensersatz wegen einer Äußerung ihres Geschäftsfüh-
rers, in der das klagende Unternehmen eine Boykottaufforderung sah. Die Un-
terlassungsklage hatte in den Vorinstanzen Erfolg, während die Schadenser-
satzklage abgewiesen wurde. Mit der Revision verfolgte die Klägerin ihren auf
Schadensersatz gerichteten Klageantrag weiter. Die Anschlußrevision er-
strebte demgegenüber Klageabweisung auch hinsichtlich des Unterlassungs-
begehrens. Beiden Rechtsmitteln lag eine einheitliche Äußerung des Ge-
schäftsführers, also ein und derselbe Lebenssachverhalt zugrunde. Ferner
standen die daraus abzuleitenden Rechtsfolgen in einem unmittelbaren rechtli-
chen sowie wirtschaftlichen Zusammenhang.
Auch in einem Urteil vom 8. Mai 1990 (KZR 23/88, GRUR 1990, 1047,
1049 f) hat der Kartellsenat eine Anschlußrevision als unbegründet zurückge-
wiesen, also ihre Zulässigkeit bejaht. Die klagende Einzelhändlerin verlangte
von der Beklagten als örtlich zuständiger Generalvertretung aufgrund vertragli-
cher Absprachen bestimmte Ausgleichsvergütungen; für den Fall, daß die
Rückvergütungsabreden nichtig seien, machte die Klägerin Schadensersatzan-
sprüche geltend. Das Berufungsgericht hatte der Klage teilweise unter dem
Gesichtspunkt des Schadensersatzes stattgegeben und die weitergehende
Klage abgewiesen. Mit der Revision erstrebte die Beklagte die Klageabweisung
in vollem Umfang. Mit ihrer Anschlußrevision verfolgte die Klägerin ihren Zah-
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lungsantrag in ganzer Höhe weiter, gestützt auf die Gültigkeit des Vertrages.
Die Unwirksamkeit des Rückvergütungsvertrages gemäß § 15 GWB änderte
nichts daran, daß ein einheitlicher Lebenssachverhalt zugrunde lag. Unabhän-
gig von der unterschiedlichen Begründung wurde sogar ein einheitliches Aus-
gleichsziel verfolgt.
e) Das Urteil vom 26. Januar 2001 (V ZR 462/99), mit dem der V. Zivil-
senat eine Anschlußrevision für unzulässig gehalten hat, betraf einen Streit
zwischen zwei Grundstücksnachbarn über die Auslegung eines gegenseitigen
Dienstbarkeitsvertrages. In diesem Falle könnte ein innerer Zusammenhang in
dem vom Senat zuvor (oben 2.) aufgezeigten Sinne vorgelegen haben. Gleich-
wohl beruht das hier zu erlassende Urteil nicht auf einer möglichen Abwei-
chung in diesem Punkt; denn der erkennende Senat hält die vorliegende An-
schlußrevision für unzulässig.
Entsprechendes gilt gegenüber dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom
4. Oktober 1983 (I R 16/82, aaO). Hier griff die Revision eine Pfändungsverfü-
gung des Finanzamts an, während dessen Anschlußrevision gegen die Gewäh-
rung von Vollstreckungsschutz für unzulässig gehalten wurde.
Kreft Stodolkowitz Kirchhof
Fischer Raebel