Urteil des BGH vom 19.12.2012, XII ZB 241/12

Aktenzeichen: XII ZB 241/12

BGH: rechtsmittelbelehrung, entlassung

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

XII ZB 241/12

vom

19. Dezember 2012

in der Betreuungssache

Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 19. Dezember 2012 durch

den Vorsitzenden Richter Dose, die Richterin Weber-Monecke und die Richter

Dr. Klinkhammer, Schilling und Dr. Nedden-Boeger

beschlossen:

Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 8. Zivilkammer

des Landgerichts Oldenburg vom 12. April 2012 wird verworfen.

Das Verfahren der Rechtsbeschwerde ist gerichtsgebührenfrei

131 Abs. 5 Satz 2 KostO).

Gründe:

1Die Rechtsbeschwerde ist mangels Zulassung nicht statthaft und daher

unzulässig. Die Voraussetzungen für eine zulassungsfreie Rechtsbeschwerde

in Betreuungssachen gemäß § 70 Abs. 3 Nr. 1 FamFG liegen nicht vor.

2Betreuungssachen zur Bestellung eines Betreuers im Sinne der §§ 70

Abs. 3 Satz 1 Nr. 1, 271 Nr. 1 FamFG sind Verfahren nach § 1896 BGB. Dabei

kann es sich sowohl um ein Erstverfahren als auch um ein Verlängerungsverfahren handeln, für das § 295 Abs. 1 FamFG eine entsprechende Anwendung

der Vorschriften über die erstmalige Anordnung dieser Maßnahme, also der

§§ 1896 ff. BGB, anordnet. Die besonders hohe Eingriffsintensität ergibt sich

bei diesen Verfahren daraus, dass mit der Bestellung des Betreuers zugleich

die Anordnung der Betreuung selbst einhergeht. Denn § 1896 BGB unterscheidet nicht zwischen Anordnung der Betreuung und Bestellung eines Betreuers;

vielmehr ist eine Einheitsentscheidung zu treffen.

3Die Bestellung eines Ergänzungsbetreuers nach den §§ 1899 Abs. 4,

1908 i Abs. 1, 1795 Abs. 1, 1796, 181 BGB lässt demgegenüber die angeordnete Betreuung und den hier hinsichtlich der begehrten Änderung des Erbvertrages in Rede stehenden Aufgabenkreis der Vermögensangelegenheiten in

seinem Umfang unberührt. Eine Änderung ergibt sich allein hinsichtlich der Zuständigkeit der Betreuer zur Wahrnehmung einzelner Angelegenheiten: Soweit

die Ergänzungsbetreuung reicht, tritt der Ergänzungsbetreuer an die Stelle des

(eigentlichen) Betreuers; im Übrigen bleibt der Betreuer für den Aufgabenkreis

zuständig. Ein solches Verfahren fällt ­ ebenso wie die Entlassung des bisherigen Betreuers ­ unter die Auffangbestimmung des § 271 Nr. 3 FamFG (Senatsbeschluss vom 25. Mai 2011 ­ XII ZB 283/10 ­ FamRZ 2011, 1219 Rn. 13).

4Die vom Landgericht unzutreffend erteilte und unterschriebene Rechtsmittelbelehrung, wonach gegen seine Entscheidung die Rechtsbeschwerde

statthaft sei, kann die Zulassung der Rechtsbeschwerde nicht ersetzen (vgl.

Senatsbeschluss vom 20. Juli 2011 ­ XII ZB 445/10 ­ FamRZ 2011, 1728

Rn. 12 ff., 16).

Dose Weber-Monecke Klinkhammer

Schilling Nedden-Boeger

Vorinstanzen:

AG Westerstede, Entscheidung vom 25.11.2011 - 61 XVII 7514 -

LG Oldenburg, Entscheidung vom 12.04.2012 - 8 T 32/12 -

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