Urteil des BGH vom 27.06.2006, VI ZR 143/05

Aktenzeichen: VI ZR 143/05

BGH (höhe, haftung, unternehmer, zivilrechtliche haftung, zeitliche kongruenz, zivilrechtlicher anspruch, vorschrift, stand, mitverschulden, umfang)

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

VI ZR 143/05 Verkündet am: 27. Juni 2006 Holmes, Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk: ja

BGHZ: ja

BGHR: ja

SGB VII § 110

Ein Sozialversicherungsträger kann wegen der von ihm erbrachten Aufwendungen

beim Rückgriff nach § 110 SGB VII grundsätzlich auch auf den fiktiven Schmerzensgeldanspruch des Geschädigten gegen den nach den §§ 104 ff. SGB VII haftungsprivilegierten Schädiger zurückgreifen.

BGH, Urteil vom 27. Juni 2006 - VI ZR 143/05 - OLG Köln

LG Köln

Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung

vom 27. Juni 2006 durch die Vizepräsidentin Dr. Müller und die Richter

Dr. Greiner, Wellner, Pauge und Stöhr

für Recht erkannt:

Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des 21. Zivilsenats

des Oberlandesgerichts Köln vom 30. Mai 2005 wird auf ihre Kosten zurückgewiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand:

Die klagende Berufsgenossenschaft nimmt die Beklagte wegen eines 1

Arbeitsunfalls ihres Versicherten gemäß § 110 SGB VII in Anspruch.

Der Versicherte stürzte am 25. Mai 2001 im Betrieb der Beklagten aus 2

beträchtlicher Höhe ab und verletzte sich schwer. Aus Anlass dieses Unfalls

erbrachte die Klägerin Leistungen in Höhe von 32.687,64 €, von denen die Beklagte bzw. ihr Haftpflichtversicherer 15.000 ersetzte. Die Parteien sind sich

einig, dass die grundsätzlichen Voraussetzungen für einen Anspruch nach

§ 110 SGB VII wegen einer groben Fahrlässigkeit auf Beklagtenseite vorliegen

und von einem 50%igen Mitverschulden des Versicherten auszugehen ist. Sie

streiten darüber, ob die Klägerin wegen der von ihr erbrachten Aufwendungen

auch auf den fiktiven Schmerzensgeldanspruch des Geschädigten gegen die

Beklagte zurückgreifen kann.

3Mit der vorliegenden Klage macht die Klägerin einen weiteren Betrag von

15.000 geltend, welcher dem - der Höhe nach unstreitigen - fiktiven Schmerzensgeldanspruch des Geschädigten gegen die Beklagte entspricht. Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Auf die Berufung der Klägerin hat das Oberlandesgericht die Beklagte zur Zahlung von 15.000 nebst Zinsen verurteilt. Mit

der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgt die Beklagte ihren

Antrag auf Zurückweisung der Berufung weiter.

Entscheidungsgründe:

I.

4Nach Auffassung des Berufungsgerichts, dessen Urteil in r+s 2005, 306

veröffentlicht worden ist, kann die Klägerin wegen der von ihr erbrachten Aufwendungen im Rahmen des § 110 SGB VII auch auf den fiktiven Schmerzensgeldanspruch des Geschädigten gegen die Beklagte zurückgreifen. Von dem

Haftungsprivileg der §§ 104 ff. SGB VII werde auch der Schmerzensgeldanspruch erfasst, obwohl der Sozialversicherungsträger nach dem für ihn maßgebenden Leistungskatalog kein Schmerzensgeld zahle. Eine Kongruenz, wie sie

§ 116 SGB X vorsehe, sei bei dem Rückgriff nach § 110 SGB VII nicht erforderlich. Hierbei handele es sich um einen originären Anspruch des Sozialversicherungsträgers und nicht um einen übergegangenen Anspruch wie bei § 116 SGB

X. Aus dem Gesetzeswortlaut und der Gesetzesbegründung ergebe sich nicht,

dass für jede Aufwendung des Sozialversicherungsträgers ein kongruenter zivilrechtlicher Anspruch des Geschädigten gegeben sein müsse. Vielmehr sei die

Haftung des Unternehmers der Höhe nach beschränkt, nämlich auf den Umfang

des Schadens, den er ohne die Haftungsbeschränkung der §§ 104 ff. SGB VII

dem Geschädigten zivilrechtlich hätte ersetzen müssen. Dazu gehöre auch das

Schmerzensgeld. Auch dann stehe der Unternehmer besser als nach der früheren Vorschrift des § 640 RVO.

5Eine Doppelhaftung des Unternehmers bei der Entsperrung nach § 104

Abs. 1 Satz 1 SGB VII sei mehr theoretischer Natur und könne nicht vorkommen, weil der Sozialversicherungsträger dann gegenüber dem Unternehmer

gemäß § 110 Abs. 2 SGB VII auf den Rückgriff verzichten müsse. Auch das

Argument, bei Zulassung des Rückgriffs auf das fiktive Schmerzensgeld sei der

Betriebsfrieden gestört, überzeuge nicht. Diese Situation ergebe sich nämlich

auch, wenn um die Frage der groben Fahrlässigkeit oder um ein etwaiges Mitverschulden des Geschädigten gestritten werde.

II.

Das angefochtene Urteil hält der revisionsrechtlichen Überprüfung stand. 6

Zutreffend hat das Berufungsgericht angenommen, dass ein Sozialversicherungsträger wegen der von ihm erbrachten Aufwendungen im Rahmen des

§ 110 SGB VII auch auf den fiktiven Schmerzensgeldanspruch des Geschädigten gegen den nach den §§ 104 ff. SGB VII haftungsprivilegierten Schädiger

zurückgreifen kann.

1. Nach einer Auffassung im Schrifttum, auf die sich die Revision stützt, 7

ist der Ersatzanspruch des Sozialversicherungsträgers auf die Höhe eines

sachlich und zeitlich kongruenten Schadensersatzanspruchs begrenzt (vgl.

Gamperl, NZV 2001, 401, 404; HWK/Giesen, § 110 SGB VII Rn. 6; Küppers-

busch, Ersatzansprüche bei Personenschaden, 8. Aufl., Rn. 563 und NZV 2005,

393, 395; Rolfs in Erfurter Kommentar zum Arbeitsrecht, 6. Aufl., SGB VII,

§ 110 Rn. 7; Stern-Krieger/Arnau, VersR 1997, 408, 412; vgl. auch Peck, SP

2005, 123 f.). Nach anderer Meinung ist dies nicht der Fall (vgl. Bereiter-

Hahn/Mehrtens, Unfallversicherung, 4. Aufl., Stand: Mai 2005, § 110 Rn. 7.2;

Brackmann/Krasney, Handbuch der Sozialversicherung, Band 3/2, Gesetzliche

Unfallversicherung - SGB VII -, 12. Aufl., Stand: April 2003, § 110 Rn. 14;

Hauck/Noftz/Nehls, SGB VII, Stand: Mai 2005, § 110 Rn. 17; Kornes, r+s 2002,

309, 312; Krasney, NZS 2004, 68, 75; Lauterbach-Dahm, Unfallversicherung,

Sozialgesetzbuch VII, 4. Aufl., § 110 Rn. 19; Lehmacher, die BG 2003, 464,

465 f. und NZV 2006, 63 f.; F. Müller NZV 2001, 366, 369; vgl. auch Lemcke r+s

2005, 307 f.). Dieser Auffassung schließt sich der erkennende Senat an.

8a) Das Haftungsprivileg der §§ 104 ff. SGB VII bezweckt zum einen, mit

der aus den Beiträgen der Unternehmer finanzierten, verschuldensunabhängigen Unfallfürsorge die zivilrechtliche auf Verschulden gestützte Haftung der Unternehmer abzulösen, indem sie über die Berufsgenossenschaften von allen

dazugehörigen Unternehmen gemeinschaftlich getragen und damit für den jeweils betroffenen Unternehmer kalkulierbar wird. Sie dient dem Unternehmer

als Ausgleich für die allein von ihm getragene Beitragslast. Zum andern soll mit

ihr der Betriebsfrieden im Unternehmen zwischen diesem und den Beschäftigten sowie den Beschäftigten untereinander gewahrt werden (vgl. Senatsurteile

BGHZ 148, 214, 219 f.; 157, 213, 218; vom 24. Januar 2006 - VI ZR 290/04 -

VersR 2006, 548, 549; vgl. auch BVerfGE 34, 118, 129 f., 132). Dem liegt

zugleich die Überlegung zugrunde, dass das Zusammenwirken im Betrieb je

nach den daraus drohenden Gefahren leicht zu Schädigungen führen kann, so

dass eine Haftung des Schädigers in der Regel als unbillig erscheint und nur

dann Platz greifen soll, wenn ihn ein besonders schwerer Vorwurf trifft und des-

halb eine Belastung der Versichertengemeinschaft nicht mehr vertretbar erscheint (vgl. Senatsurteil BGHZ 154, 11, 18).

9b) Um die einer Berufsgenossenschaft angehörenden Unternehmen nicht

über Gebühr zu belasten, hat der Gesetzgeber den Sozialversicherungsträgern

einen Rückgriffsanspruch eingeräumt, weil diese dann für ihre Aufwendungen

zu Lasten des verantwortlichen Schädigers (sei es der Unternehmer, sei es der

Arbeitskollege) schadlos gestellt werden sollen, wenn der an sich nach den

§§ 636, 637 RVO oder den §§ 104 ff. SGB VII Haftungsprivilegierte den Unfall

durch ein besonders zu missbilligendes Verhalten herbeigeführt hat (vgl. Senatsurteile BGHZ 57, 314, 317; 75, 328, 330 f.; vom 15. Januar 1974

- VI ZR 137/72 - VersR 1974, 651, 652). Bei einem solchen Verhalten sind neben dem das Schadensrecht beherrschenden Ausgleichsgedanken auch präventive und erzieherische Gründe zu berücksichtigen (vgl. Senatsurteile BGHZ

57, 96, 99, 102; 57, 314, 322; 75, 328, 331; 154, 11, 18).

10Diese Schadlosstellung hat der Gesetzgeber bis zum 31. Dezember

1996 durch § 640 RVO verwirklicht. Nach dieser Vorschrift hafteten die durch

§ 636 oder 637 RVO privilegierten Personen, die den Versicherungsfall vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt hatten, für alle Aufwendungen, die die

Träger der Sozialversicherung nach Gesetz oder Satzung infolge des Arbeitsunfalls erbringen mussten (vgl. Senatsurteil BGHZ 57, 314, 318 ff.), also nicht

nur für Sozialleistungen des Sozialversicherungsträgers, sondern auch für dessen weitere Aufwendungen. Eine Begrenzung der Höhe nach bestand nicht.

Auch wenn die Aufwendungen über den zivilrechtlichen Schadensersatzanspruch hinaus gingen, musste der Schädiger sie in voller Höhe ersetzen. Nach

dieser Regelung stand mithin der Refinanzierungsgedanke des Sozialversicherungsträgers und damit die Beitragsentlastung der Mitglieder bei der Schadenbereinigung im Vordergrund (Kornes, r+s 2002, 309, 312).

Nach Überleitung des Unfallversicherungsrechts in das SGB VII ist der 11

Regressanspruch der Sozialversicherungsträger für Unfälle ab dem 1. Januar

1997 in § 110 SGB VII geregelt. Nach dieser Vorschrift haften Personen, deren

Haftung nach den §§ 104 bis 107 SGB VII beschränkt ist, bei vorsätzlicher oder

grob fahrlässiger Herbeiführung des Versicherungsfalls ebenfalls für die infolge

des Versicherungsfalls entstandenen Aufwendungen, jedoch nur bis zur Höhe

des zivilrechtlichen Schadensersatzanspruchs.

Mit dieser Änderung hat der Gesetzgeber der am bis dahin geltenden 12

Recht geäußerten Kritik Rechnung getragen. Der Rückgriff nach § 640 RVO

konnte dazu führen, dass der nach dieser Vorschrift Haftende dem Sozialversicherungsträger mehr zahlen musste als er nach allgemeinem Schadensersatzrecht an den Geschädigten hätte zahlen müssen. Es wurde als unbillig empfunden, dass der Unternehmer bei grob fahrlässiger Verursachung eines Unfalls

seines Arbeitnehmers gegenüber dem von ihm mitfinanzierten Sozialversicherungsträger in größerem Umfang haften konnte als gegenüber seinem Arbeitnehmer nach Zivilrecht und zudem ohne die Möglichkeit, ein Mitverschulden

einzuwenden (vgl. Kornes, aaO; Lang SVR 2005, 391, 392; Lehmacher, die BG

2003, 464; Stern-Krieger/Arnau, aaO). Die Haftung sollte deshalb mit Einführung des § 110 SGB VII nach der amtlichen Gesetzesbegründung auf den Umfang des Schadensersatzes beschränkt werden, den der Verpflichtete zivilrechtlich hätte leisten müssen. Im Übrigen sollte die in § 110 Abs. 1 SGB VII geregelte Schadensersatzpflicht im Wesentlichen dem bis dahin geltenden Recht entsprechen (vgl. BT-Drucks. 13/2204 S. 101).

13c) Hieraus ergibt sich nicht, dass der Ersatzanspruch des Sozialversicherungsträgers auf die Höhe eines sachlich und zeitlich kongruenten Schadensersatzanspruchs begrenzt werden sollte.

Der Wortlaut des § 110 SGB VII enthält anders als § 116 SGB X, der den 14

Übergang der zivilrechtlichen Ansprüche des versicherten Sozialleistungsberechtigten auf den Sozialleistungsträger bei Arbeitsunfällen außerhalb des Sozialversicherungsverhältnisses regelt, eine solche Einschränkung nicht. § 110

SGB VII begründet im Unterschied zu § 116 SGB X auch keinen gesetzlichen

Übergang eines Anspruchs des Geschädigten, der vielmehr bei Bestehen einer

Haftungsprivilegierung nach §§ 104 ff. SGB VII schon dem Grunde nach entfällt. Deshalb handelt es sich bei § 110 SGB VII um einen originären Anspruch

des Sozialversicherungsträgers (vgl. Senatsurteil BGHZ 154, 11, 18). Gegenüber der früheren Rechtslage, wonach dem Sozialversicherungsträger sämtliche Aufwendungen ersetzt wurden, zielte die Gesetzesänderung darauf ab, die

Haftung des Unternehmers auf den Umfang seiner zivilrechtlichen Haftung zu

beschränken. Daraus ergibt sich nicht, dass der Gesetzgeber abweichend vom

früheren Recht eine sachliche und zeitliche Kongruenz verlangen wollte. Ohnehin wird mit dem Erfordernis der Kongruenz regelmäßig das Ziel verfolgt, den

Übergang von Ansprüchen, wie etwa bei § 116 SGB X, zu begrenzen. Um einen solchen Anspruch handelt es sich hier jedoch nicht.

Nach allem ist die Gesetzesänderung so zu verstehen, dass die Haftung 15

des Schädigers bei einem Regress des Sozialversicherungsträgers der Höhe

nach - auch im Hinblick auf ein etwaiges Mitverschulden - an die fiktive zivilrechtliche Haftung gegenüber dem Geschädigten angeglichen werden sollte.

Nach der Neuregelung durch § 110 SGB VII soll der dem Regress ausgesetzte

Schädiger so gestellt werden, wie er ohne die Privilegierung nach den §§ 104 ff.

SGB VII stünde. Er soll einerseits nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft der

der Berufsgenossenschaft angehörenden Unternehmen privilegiert werden, andererseits aber nicht einer höheren Haftung ausgesetzt sein als ohne Privilegierung.

2. Da somit eine Kongruenz der Ansprüche nicht erforderlich ist, ist der 16

fiktive Anspruch auf Schmerzensgeld entgegen der Auffassung der Revision

und eines Teils des Schrifttums (vgl. HWK/Giesen, § 110 SGB VII Rn. 6; Küppersbusch NZV 2005, 393, 395 f.; Lemcke, aaO; Rolfs in Erfurter Kommentar

zum Arbeitsrecht, 6. Aufl., SGB VII, § 110 Rn. 7; Stern-Krieger/Arnau, VersR

1997, 408, 412; vgl. auch Arbeitskreis VI des 39. Verkehrsgerichtstages, VersR

2001, 308, 310; Peck, SP 2005, 123 f.) bei der Ermittlung des Umfangs des

fiktiven zivilrechtlichen Schadensersatzanspruchs zu berücksichtigen (so: Bereiter-Hahn/Mehrtens, aaO; Brackmann/Krasney, aaO; Hauck/Nehls, aaO; Kornes, aaO; Krasney, aaO; Lehmacher, die BG 2003, 464, 465 f. und NZV 2006,

63 f.; F. Müller NZV 2001, 366, 369).

17Die entgegengesetzte Auffassung (Nichtberücksichtigung des Schmerzensgeldanspruchs) wird insbesondere damit begründet, dass es in § 847 BGB

a.F. und § 253 BGB nicht "Schadensersatz", sondern "Entschädigung in Geld"

heißt. Dies ändert indes nichts daran, dass es sich dabei um einen Anspruch

auf Ersatz (immateriellen) Schadens und somit um einen Schadensersatzanspruch handelt. § 847 BGB a.F. war in das System der Schadensersatzansprüche aus unerlaubter Handlung nach §§ 823 ff. BGB eingebettet und damit als

bürgerlichrechtlicher Schadensersatzanspruch konstruiert (vgl. BGHZ [GS] 18,

149, 157; BGH, Urteil vom 23. Oktober 2003 - III ZR 9/03 - VersR 2004, 332,

335; G. Müller, VersR 1993, 909, 910 f.). Für § 253 BGB ergibt sich dies sowohl

aus seiner gesetzessystematischen Einordnung bei den §§ 249 ff. BGB als

auch aus dem Wortlaut der Vorschrift, die an einen "Schaden, der nicht Vermögensschaden ist" anknüpft. § 253 Abs. 2 BGB setzt einen Anspruch auf Schadensersatz dem Grunde nach voraus und besagt, dass ein solcher Anspruch

auch den Ausgleich eines vom Geschädigten erlittenen immateriellen Schadens

umfasst. Dabei spricht die Formulierung "wegen des Schadens, der nicht Vermögensschaden ist" statt "Ersatz des Schadens" nicht gegen die Einordnung

als Schadensersatzanspruch. Vielmehr erklärt sich die weniger bestimmte Formulierung in § 847 BGB a.F. und § 253 BGB aus den Besonderheiten des immateriellen Schadens (vgl. dazu grundlegend BGHZ 7, 223, 225 ff.; [GS] 18,

149, 154 ff.), ohne dass hierdurch die Wertung des Anspruchs als Schadensersatzanspruch in Frage gestellt werden könnte (vgl. BGHZ 7, 223, 225 f.; G. Müller, aaO, 911). Das Gleiche gilt für die Bezeichnung als Schadensersatzanspruch eigener Art (BGHZ [GS] 18, 149).

18Es ist auch von der Sache her konsequent, den Schmerzensgeldanspruch in die Ermittlung des fiktiven Schadensersatzanspruchs einzubeziehen.

Nur dies wird dem Anliegen des Gesetzgebers gerecht, den Schädiger im Falle

des Regresses so zu stellen, wie er ohne die Haftungsprivilegierung wegen des

dann gegebenen Schadensersatzanspruchs des Geschädigten stünde.

3. Entgegen der Auffassung der Revision steht der Einbeziehung des 19

Anspruchs auf Zahlung eines Schmerzensgeldes auch nicht entgegen, dass es

(insbesondere) in den Fällen der Entsperrung des Haftungsprivilegs wegen der

Möglichkeit sowohl eines Regresses durch den Sozialversicherungsträger als

auch eines Schadensersatzverlangens des Geschädigten zu einer Doppelbelastung des Schädigers kommen könnte. Derartige Fälle einer Anspruchskonkurrenz, die zudem nicht häufig sein dürften, könnten ggf. durch einen Verzicht

des Sozialversicherungsträgers auf seinen Anspruch gelöst werden, zu dem er

in pflichtgemäßer Ausübung seines Ermessens nach §§ 110 Abs. 2 SGB VII, 39

SGB I sogar verpflichtet sein kann (vgl. Senatsurteile BGHZ 57, 96, 99; 69, 354,

360). Danach wird der Sozialversicherungsträger regelmäßig auf eine Anspruchsrealisierung zum Nachteil des Versicherten ganz oder teilweise verzichten müssen (vgl. Bereiter-Hahn/Mehrtens, aaO; Kornes, aaO, 314 f.; Lehmacher, die BG 2003, 464 f.; Regress - Referenten - Tagung des HVBG 1997,

HVBG-Info 10/1997, 899, 902).

204. Nach allem ist die Revision mit der Kostenfolge aus § 97 Abs. 1 ZPO

zurückzuweisen.

Müller Greiner Wellner

Pauge Stöhr

Vorinstanzen:

LG Köln, Entscheidung vom 20.08.2004 - 18 O 433/03 -

OLG Köln, Entscheidung vom 30.05.2005 - 21 U 22/04 -

Letze Urteile des Bundesgerichtshofs

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 278/01 vom 17.10.2001

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 245/01 vom 17.10.2001

Leitsatzentscheidung

NotZ 39/02 vom 31.03.2003

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