Urteil des BGH, Az. I ZR 86/11

Leitsatzentscheidung
BUNDESGERICHTSHOF
IM NAMEN DES VOLKES
URTEIL
I ZR 86/11
Verkündet am:
15. November 2012
Führinger
Justizangestellte
als Urkundsbeamtin
der Geschäftsstelle
in dem Rechtsstreit
Nachschlagewerk:
ja
BGHZ:
nein
BGHR:
ja
BGB § 204 Abs. 1 Nr. 1; ZPO § 167
Eine Abtretung der Klageforderung nach Eintritt der Hemmungswirkung gemäß
§ 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB, § 167 ZPO, aber vor Zustellung der Klage an den Be-
klagten, führt nicht zur Beendigung der Hemmung des Laufs der Verjährungs-
frist.
BGH, Urteil vom 15. November 2012 - I ZR 86/11 - OLG Stuttgart
LG Stuttgart
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Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung
vom 15. November 2012 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Bornkamm und
die Richter Pokrant, Prof. Dr. Büscher, Prof. Dr. Schaffert und Dr. Koch
für Recht erkannt:
Die Revision gegen das Urteil des 3. Zivilsenats des Oberlandes-
gerichts Stuttgart vom 20. April 2011 wird auf Kosten des Beklag-
ten zurückgewiesen.
Von Rechts wegen
Tatbestand:
Die Klägerin, ein deutsches Speditionsunternehmen, nimmt den in Italien
ansässigen Beklagten wegen Verlustes von Transportgut aus abgetretenem
Recht auf Schadensersatz in Anspruch.
Die Kraftverkehr N. Italia S.A.R.L., eine Tochtergesellschaft der Kläge-
rin mit Sitz in Italien (im Weiteren: N. Italia), beauftragte den Beklagten am
11. November 2005 mit dem Transport einer Partie Schokolade von Reichen-
bach/Deutschland nach San Nicola La Strada/Italien. Ein Fahrer des Beklagten
übernahm das auf 34 Paletten gepackte Gut mit einem Nettogewicht von
14.074 kg am 14. November 2005 in Reichenbach, wo die Klägerin für die A.
R. GmbH & Co. KG (im Weiteren: Versenderin) ein Lager unterhielt,
zur Beförderung nach Italien. Er erreichte am 15. November 2005 gegen 17 Uhr
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die nördlich von Neapel gelegene Autobahnraststätte "Teano Ovest", auf der er
den beladenen Lkw abstellte, um eine Pause einzulegen. In der folgenden
Nacht wurde der Fahrer von drei Männern auf der Raststätte überfallen, das
Transportgut wurde geraubt. Am 5. April 2006 stellte die Versenderin der Kläge-
rin für die abhandengekommene Ware 60.767,52
€ in Rechnung.
Die Klägerin hat die Auffassung vertreten, der Beklagte hafte für den Ver-
lust des Gutes gemäß Art. 17 Abs. 1 CMR, da die Voraussetzungen für einen
Haftungsausschluss nach Art. 17 Abs. 2 CMR nicht vorlägen. Darüber hinaus
schulde der Beklagte ihr den Ersatz der durch die außergerichtliche Rechtsver-
folgung angefallenen Kosten, weil er sich mit der Erfüllung ihrer berechtigten
Schadensersatzforderung in Verzug befunden habe.
Die Klägerin hat den Beklagten wegen des streitgegenständlichen Ver-
lusts zunächst unter Berufung auf eine Abtretung der N. Italia vom 29. März
2006 auf Schadensersatz in Anspruch genommen. Nach Einreichung, aber vor
Zustellung der Klage an den Beklagten hat sie den geltend gemachten Scha-
densersatzanspruch am 28. September 2006 an die N. Italia zurückabgetre-
ten. Diese hat die Klageforderung nach Zustellung der Klage gegen Ansprüche
aufgerechnet, die dem Beklagten unstreitig gegen sie zustanden. Die Klägerin
hat daraufhin die Feststellung begehrt, dass der Rechtsstreit mit Ausnahme der
verlangten vorgerichtlichen Rechtsverfolgungskosten in der Hauptsache erledigt
sei. Im Berufungsverfahren ist die Klägerin zu ihrem ursprünglichen Zahlungs-
antrag zurückgekehrt, weil die N. Italia - so der Vortrag der Klägerin - mit
Vereinbarung vom 23. August 2007 erneut sämtliche Schadensersatzansprü-
che aus dem Transport vom 14. November 2005 gegen den Beklagten an sie
abgetreten habe. Die von der N. Italia erklärte Aufrechnung sei mangels
Zustimmung des Beklagten nicht wirksam geworden. Die N. Italia sei damit
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einverstanden, dass sie, die Klägerin, die Ansprüche aus dem Transportvertrag
vom 11. November 2005 weiterverfolge und Zahlung an sich verlange.
Im Übrigen hätten auch die Voraussetzungen für eine gewillkürte Prozess-
standschaft vorgelegen. Ein schutzwürdiges Eigeninteresse an der Verfolgung
der streitgegenständlichen Ansprüche ergebe sich aus dem Umstand, dass sie
wegen des Verlustes der Ware am 25. November 2005 an die Versenderin
Schadensersatz geleistet habe.
Die Klägerin hat zuletzt beantragt,
den Beklagten zu verurteilen, an sie 60.767,52
€ nebst Zinsen sowie vorgerichtli-
che Kosten in Höhe von 1.479,90
€ zu zahlen,
hilfsweise für den Fall, dass
a) der Beklagte der Aufrechnung vom 31. Oktober 2006 zustimmt sowie
b) das Berufungsgericht die Umstellung auf den ursprünglichen Klageantrag als
unzulässig ansehen sollte,
1. den Beklagten zu verurteilen, an sie 1.479,90
€ zu zahlen,
2. den Beklagten zu verurteilen, an sie 2.793,62
€ (Zinsen) zu zahlen,
3. festzustellen, dass der Rechtsstreit sich in Höhe des Betrages von
60.767,52
€ durch Aufrechnung der N. Italia S.A.R.L. vom 31. Oktober
2006 in der Hauptsache erledigt hat.
Die Beklagte hat die Einrede der Verjährung erhoben.
Das Berufungsgericht hat der vom Landgericht für unbegründet erachteten
Klage in seinem ersten Urteil in der Hauptsache nach Abzug von 2.000
€ für
Transportkosten in Höhe von 58.767,52
€ nebst Zinsen stattgegeben. Darüber
hinaus hat es der Klägerin einen Anspruch auf Erstattung vorgerichtlicher Kos-
ten in Höhe von 1.479,90
€ zuerkannt (OLG Stuttgart, Urteil vom 31. Oktober
2007 - 3 U 92/07, juris). Dieses Urteil hat der Senat auf die Revision der Be-
klagten und die Anschlussrevision der Klägerin aufgehoben und die Sache zur
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neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwie-
sen, weil die von der Beklagten erhobene Verjährungseinrede für unbegründet
erachtet und die geltend gemachte Schadensersatzforderung in Höhe von
2.000
€ für Transportkosten gekürzt worden war (BGH, Urteil vom 29. Oktober
2009 - I ZR 191/07, TranspR 2010, 200).
Das Berufungsgericht hat dem Klagehauptantrag in seinem zweiten Urteil
nunmehr in vollem Umfang stattgegeben (OLG Stuttgart, TranspR 2011, 340).
Mit seiner vom Senat zugelassenen Revision, deren Zurückweisung die Kläge-
rin beantragt, erstrebt der Beklagte weiterhin die Wiederherstellung des die
Klage abweisenden erstinstanzlichen Urteils.
Entscheidungsgründe:
I. Das Berufungsgericht hat angenommen, der Beklagte sei der Klägerin
aus abgetretenem Recht der N. Italia gemäß Art. 17 Abs. 1, Art. 23 Abs. 1
CMR zum Schadensersatz in der geltend gemachten Höhe verpflichtet. Die von
der Beklagten erhobene Einrede der Verjährung hat das Berufungsgericht er-
neut nicht durchgreifen lassen. Dazu hat es ausgeführt:
Die Klägerin sei aktivlegitimiert. Der Transportvertrag, aus dem die streit-
gegenständliche Schadensersatzforderung resultiere, sei zwar zwischen der
N. Italia und dem Beklagten geschlossen worden. Die N. Italia habe die
ihr gegen den Beklagten wegen des Diebstahls der Ware zustehenden Scha-
densersatzansprüche jedoch zunächst am 29. März 2006 und nochmals - nach
der am 28. September 2006 vorgenommenen Rückabtretung - am 23. August
2007 an die Klägerin abgetreten. Die jeweiligen Abtretungen seien sofort wirk-
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sam gewesen. Einem Forderungserwerb der Klägerin aufgrund der am 23. Au-
gust 2007 vorgenommenen Abtretung stehe nicht die von der N. Italia am
31. Oktober 2006 erklärte Aufrechnung gegen Frachtvergütungsansprüche des
Beklagten entgegen; die Aufrechnung sei unwirksam gewesen, weil die zur Auf-
rechnung gestellte Schadensersatzforderung nach Grund und Höhe streitig ge-
wesen sei.
Der an die Klägerin abgetretene Schadensersatzanspruch aus Art. 17
Abs. 1 CMR belaufe sich gemäß Art. 23 Abs. 1 CMR auf 60.767,52
€. Die Klä-
gerin habe den Umfang und den Wert des abhandengekommenen Gutes hin-
reichend belegt. Die Haftungshöchstgrenze nach Art. 23 Abs. 3 CMR werde
angesichts des Gewichts der gestohlenen Ware mit der geltend gemachten
Schadensersatzforderung nicht erreicht. Der zuerkannte Zinsanspruch sei ge-
mäß Art. 27 Abs. 1 CMR begründet. Der Anspruch auf die geltend gemachten
vorgerichtlichen Kosten ergebe sich aus §§ 249, 286 BGB. Die Voraussetzun-
gen für einen Haftungsausschluss nach Art. 17 Abs. 2 CMR lägen nicht vor.
Die von der Beklagten erhobene Verjährungseinrede greife nicht durch.
Die im Streitfall zur Anwendung kommende einjährige Verjährungsfrist (Art. 32
Abs. 1 Satz 1 CMR) habe nach Art. 32 Abs. 1 Satz 3 Buchst. b CMR am
17. Dezember 2005 zu laufen begonnen und daher frühestens am 16. Dezem-
ber 2006 geendet. Eine Hemmung des Laufs der Verjährungsfrist beurteile sich
gemäß Art. 32 Abs. 3 CMR nach dem Recht des angerufenen Gerichts. Dem-
entsprechend kämen im Streitfall die §§ 203 ff. BGB - und damit auch § 204
Abs. 1 Nr. 1 BGB - zur Anwendung. Die Vorschrift des § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB
erfordere die Klage eines materiell Berechtigten. Die Klägerin sei zum Zeitpunkt
der Klageerhebung (27. Oktober 2006) materiell Berechtigte in Bezug auf die
geltend gemachte Schadensersatzforderung gewesen. Ihr habe aufgrund einer
von der N. Italia erteilten (generellen) Ermächtigung die Befugnis zugestan-
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den, den streitgegenständlichen Schadensersatzanspruch im eigenen Namen
geltend zu machen und Zahlung an sich zu verlangen. Die Prozessführungsbe-
fugnis der Klägerin sei dem Beklagten gegenüber vor Ablauf der Verjährungs-
frist offengelegt worden.
II. Die gegen diese Beurteilung gerichteten Angriffe der Revision haben im
Ergebnis keinen Erfolg. Die vom Beklagten erhobene Verjährungseinrede greift
nicht durch, weil der Lauf der im vorliegenden Fall maßgeblichen Verjährungs-
frist von einem Jahr (Art. 32 Abs. 1 Satz 1 CMR) in noch unverjährter Zeit ge-
mäß Art. 32 Abs. 3 CMR, § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB in Verbindung mit § 167 ZPO
gehemmt worden ist.
1. Aus dem ersten Revisionsurteil des Senats vom 29. Oktober 2009
ergibt sich bereits, dass der Beklagte der Klägerin für den Verlust des Gutes
gemäß Art. 17 Abs. 1 CMR in Verbindung mit Art. 1260 Codice Civile Scha-
densersatz schuldet und dass der zu ersetzende Schaden sich gemäß Art. 23
Abs. 1 CMR auf 60.767,52
€ beläuft (BGH, TranspR 2010, 200 Rn. 17, 25 bis
31). Ebenso steht fest, dass der Beklagte sich nicht mit Erfolg auf den Haf-
tungsausschlussgrund des Art. 17 Abs. 2 CMR berufen kann (BGH, TranspR
2010, 200 Rn. 18 bis 24).
2. Der vom Berufungsgericht zuerkannte Zinsanspruch ist gemäß Art. 27
Abs. 1 CMR begründet. Insoweit wird von der Revision auch keine Rüge erho-
ben.
3. Das Berufungsgericht hat der Klägerin auch mit Recht einen Anspruch
auf Erstattung der geltend gemachten vorgerichtlich entstandenen Rechtsver-
folgungskosten in Höhe von 1.459,90
€ zuerkannt. Der Anspruch ergibt sich
entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts allerdings nicht aus §§ 249, 286
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BGB, weil sich die Verpflichtung zur Zahlung von Verzugszinsen gemäß Art. 32
Abs. 1 Nr. 3 EGBGB aF nach dem auf den Vertrag anwendbaren Recht richtet
(vgl. BGH, Urteil vom 12. November 2009 - Xa ZR 76/07, TranspR 2010, 153
Rn. 17). Die von der N. Italia an die Klägerin abgetretene Forderung unter-
liegt gemäß Art. 28 Abs. 4 EGBGB aF dem italienischen Recht (vgl. BGH,
TranspR 2010, 200 Rn. 27).
Die Ersatzpflicht des Beklagten für die geltend gemachten Rechtsanwalts-
kosten besteht aber auch nach italienischem Recht, dessen maßgebliche Be-
stimmungen der Senat selbst ermitteln und auslegen kann. Dabei kann offen-
bleiben, ob die Auslegung ausländischen Rechts durch den Tatrichter der revi-
sionsrechtlichen Überprüfung gemäß § 560 Abs. 1, § 545 Abs. 1 ZPO in der seit
dem 1. September 2009 geltenden Fassung zugänglich ist. Denn nach der
Übergangsbestimmung in Art. 111 FGG-Reformgesetz, mit dem die Vorschrift
des § 545 Abs. 1 ZPO geändert worden ist, sind auf Verfahren, die bis zum In-
krafttreten des FGG-Reformgesetzes eingeleitet worden sind, die zuvor gelten-
den Vorschriften anzuwenden. Ist das Verfahren - wie im vorliegenden Fall - in
erster Instanz nach dem bisherigen Recht eingeleitet worden, erfolgt auch die
Durchführung des Rechtsmittelverfahrens nach dem bisher geltenden Recht
(vgl. BT-Drucks. 16/6308, S. 359). Die Bestimmung des § 545 Abs. 1 ZPO in
der vor dem 1. September 2009 geltenden Fassung hat eine revisionsrechtliche
Überprüfung des ausländischen Rechts zwar nicht vorgesehen. Das Revisions-
gericht war dadurch jedoch nicht gehindert, ausländisches Recht selbst zu er-
mitteln und seiner Entscheidung zugrunde zu legen, wenn das Berufungsgericht
- wie im Streitfall - dieses Recht außer Betracht gelassen und infolgedessen
nicht gewürdigt hat (vgl. BGH, TranspR 2010, 153 Rn. 21).
Ein Schuldner, der sich in Verzug befindet, ist gemäß Art. 1218 Codice Ci-
vile zum Schadensersatz verpflichtet (vgl. Eccher/Schurr/Christandl, Handbuch
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italienisches Zivilrecht, Kap. 3 Rn. 90). Nach Art. 1219 Abs. 1 Codice Civile ge-
rät ein Schuldner durch Aufforderung oder Mahnung in Verzug. Ob im Streitfall
eine nach italienischem Recht hinreichende Mahnung vorgelegen hat, hat das
Berufungsgericht zwar nicht festgestellt. Jedoch hat der Verkehrshaftungsversi-
cherer des Beklagten mit dem an die N. Italia gerichteten Schreiben vom
10. Februar 2006 jegliche Ersatzpflicht zurückgewiesen. Dies führt zum auto-
matischen Verzug des Beklagten im Sinne von Art. 1219 Abs. 2 Nr. 2 Codice
Civile (vgl. Eccher/Schurr/Christandl aaO Kap. 3 Rn. 88). Der zu ersetzende
Schaden umfasst nach Art. 1223 Codice Civile den vom Gläubiger erlittenen
Verlust, soweit dieser eine unmittelbare Folge der Verspätung ist. Hierzu zählen
auch die infolge des Schuldnerverzugs des Beklagten entstandenen Kosten der
Rechtsverfolgung.
4. Ohne Erfolg wendet sich die Revision gegen die Annahme des Beru-
fungsgerichts, die streitgegenständliche Schadensersatzforderung sei nicht ver-
jährt.
a) Die Beurteilung des Berufungsgerichts, die Klägerin sei aufgrund einer
von der N. Italia (generell) erteilten Ermächtigung zum Zeitpunkt der Klage-
erhebung (27. Oktober 2006) berechtigt gewesen, die Klageforderung im eige-
nen Namen geltend zu machen, ist allerdings nicht frei von Rechtsfehlern.
aa) Das Berufungsgericht hat angenommen, der Lauf der im Streitfall
maßgeblichen einjährigen Verjährungsfrist des Art. 32 Abs. 1 Satz 1 CMR sei
gemäß Art. 32 Abs. 3 CMR, § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB gehemmt gewesen, weil
die Klägerin als Einziehungsermächtigte rechtzeitig Klage erhoben habe. Die
Vernehmung der Zeugen P. und B. habe ergeben, dass der Klägerin
von der N. Italia eine Einziehungsermächtigung erteilt worden sei. Hierfür
spreche auch der weitere Umstand, dass die Klägerin dem Beklagten schon am
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30. November 2005 eine Rechnung über 65.877,76
€ erteilt und Zahlung an
sich verlangt habe. In die gleiche Richtung weise auch die Tatsache, dass die
Klägerin sich mit Schriftsatz vom 22. März 2006 wegen der Schadensregulie-
rung an den Versicherer des Beklagten gewandt habe. Die Bekundungen der
vernommenen Zeugen hätten zudem ergeben, dass die Ermächtigung seitens
der N. Italia nicht nur auf eine außergerichtliche Geltendmachung der For-
derung beschränkt gewesen sei. Der Umstand, dass die N. Italia Schadens-
ersatzansprüche wegen des streitgegenständlichen Schadensereignisses zu-
sätzlich am 29. März 2006 an die Klägerin abgetreten habe, stehe der Annah-
me einer Einziehungsermächtigung nicht entgegen. Eine Einziehungsermächti-
gung könne (hilfsweise) neben einer primären Zession geltend gemacht wer-
den.
bb) Die Revision rügt mit Recht, dass den Ausführungen des Berufungs-
gerichts nicht zu entnehmen ist, ob es - wie es erforderlich gewesen wäre - die
Wirksamkeit der von der Klägerin behaupteten Einziehungsermächtigung nach
italienischem Recht beurteilt hat, weil es in den Gründen an Darlegungen dazu
fehlt. Die Einziehungsermächtigung ist unbeschadet ihrer dogmatischen Ein-
ordnung im internen deutschen Recht international privatrechtlich als Abtretung
zu qualifizieren mit der Folge, dass sie in Fällen mit Auslandsberührung nach
den für die Abtretung maßgeblichen Kollisionsregeln zu beurteilen ist (vgl. BGH,
Urteil vom 24. Februar 1994 - VII ZR 34/93, BGHZ 125, 196, 204). Da die der
Einziehungsermächtigung zugrundeliegende Schadensersatzforderung der N.
Italia gegen den Beklagten dem italienischen Recht unterliegt (vgl. Rn. 17),
beurteilt sich die Wirksamkeit einer Forderungsabtretung gemäß Art. 33 Abs. 2
EGBGB aF ebenso nach italienischem Recht (vgl. BGH, TranspR 2010, 200
Rn. 27).
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b) Der Rechtsfehler des Berufungsgerichts erfordert jedoch nicht die Auf-
hebung des angefochtenen Urteils und eine Zurückverweisung des Rechts-
streits an das Berufungsgericht, weil sich das Berufungsurteil aus anderen
Gründen als richtig erweist (§ 561 ZPO). Die Klägerin war nach den Feststel-
lungen des Berufungsgerichts zum Zeitpunkt der Einreichung der Klage am
1. August 2006 Inhaberin der streitgegenständlichen Schadensersatzforderung
und damit Berechtigte im Sinne von § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB.
aa) Das Berufungsgericht hat angenommen, dass die Klägerin durch die
nach italienischem Recht zu beurteilende Abtretung der in Rede stehenden
Schadensersatzforderung vom 29. März 2006 unmittelbar und mit sofortiger
Wirkung zu deren Inhaberin geworden ist. Diese Beurteilung lässt keinen
Rechtsfehler erkennen und wird von der Revision auch nicht in Frage gestellt.
Die Auslegung des italienischen Rechts, insbesondere die Annahme des Beru-
fungsgerichts, dass die in Art. 1264 Abs. 1 Codice Civile geregelte Information
des Schuldners keine konstitutive Voraussetzung für die Wirksamkeit der Abtre-
tung sei, ist nach dem im Streitfall noch zur Anwendung kommenden § 545
Abs. 1 ZPO aF im Übrigen der revisionsrechtlichen Nachprüfung entzogen (vgl.
Rn. 18).
bb) Als Forderungsinhaberin war die Klägerin daher materiell Berechtigte
im Sinne von § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB, als sie die Klageschrift in noch unverjähr-
ter Zeit am 1. August 2006 beim Landgericht Stuttgart eingereicht hat. Die Ein-
reichung der Klageschrift in unverjährter Zeit hat gemäß § 167 ZPO in Verbin-
dung mit § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB zur Hemmung der noch laufenden Verjäh-
rungsfrist geführt. Der Umstand, dass die Klägerin die mit der Klage geltend
gemachte Schadensersatzforderung vor Zustellung der Klageschrift wieder an
die N. Italia zurück abgetreten hat, ändert hieran entgegen der Auffassung
des Berufungsgerichts nichts. Für die Verjährungshemmung ist es nicht erfor-
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derlich, dass die materielle Berechtigung auch noch zum Zeitpunkt der Klage-
zustellung fortbesteht (aA OLG Brandenburg, Urteil vom 2. April 2008
- 3 U 83/07, juris Rn. 27; Lakkis in jurisPK-BGB, 6. Aufl., § 204 Rn. 27).
Die Vorschrift des § 167 ZPO verlegt den Zeitpunkt der Verjährungshem-
mung unter der - im Streitfall gegebenen - Voraussetzung, dass die Zustellung
der Klageschrift demnächst erfolgt, generell auf den Eingang der Klageschrift
bei Gericht. Der Umstand, dass die Klägerin den Rechtsverlust zum Zeitpunkt
der Klagezustellung wegen der von ihr zuvor erklärten Abtretung selbst herbei-
geführt hat, ändert daran nichts. Denn mit Einreichung der Klageschrift konnte
die Klägerin die von Amts wegen zu bewirkende Zustellung, die Voraussetzung
für den Eintritt der Rechtshängigkeit war, nicht mehr beeinflussen. Durch die
Regelung in § 167 ZPO sollen die Parteien bei der Zustellung von Amts wegen
vor Nachteilen durch Verzögerungen innerhalb des gerichtlichen Geschäftsab-
laufs bewahrt werden, weil sie auf den Geschäftsbetrieb keinen Einfluss neh-
men können (vgl. BGH, Urteil vom 11. Juli 2003 - V ZR 414/02, NJW 2003,
2830, 2831). Da sich der genaue Zeitpunkt der Klagezustellung oftmals - etwa
wie im vorliegenden Fall bei einer Zustellung im Ausland - nicht kurzfristig durch
eine Nachfrage bei Gericht in Erfahrung bringen lässt, ist für die Beteiligten ei-
ner Forderungsübertragung nicht ohne weiteres erkennbar, wer bei Klagezu-
stellung Inhaber der übertragenen Forderung ist. Käme es für die Verjährungs-
hemmung ungeachtet der Bestimmung des § 167 ZPO auch auf die Berechti-
gung im Zeitpunkt der Klagezustellung an, wäre der Zessionar, der dem kla-
genden Zedenten keine Einziehungsermächtigung erteilt hat, zur Vermeidung
verjährungsbedingter Nachteile genötigt, ins Ungewisse hinein die Forderung
selbst erneut gerichtlich geltend zu machen. Nach der der Vorschrift des § 167
ZPO zugrundeliegenden Wertung, das Verjährungsinteresse des Schuldners
gegenüber dem Interesse des Anspruchstellers auf Rechtsdurchsetzung unter
den Voraussetzungen des § 167 ZPO zurückzustellen, ist eine solche mehrfa-
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che gerichtliche Befassung mit der Streitsache nicht gerechtfertigt. Eine Abtre-
tung der Klageforderung an einen Dritten nach Eintritt der Hemmungswirkung
gemäß § 167 ZPO, § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB führt daher nicht zur Beendigung
der Hemmung des Laufs der Verjährungsfrist (vgl. auch BGH, Urteil vom
20. Oktober 1983 - I ZR 86/82, NJW 1984, 2102, 2104 zu § 211 BGB aF).
Dementsprechend ist im Streitfall für die Verjährungshemmung maßgeblich,
dass die Klägerin bei Einreichung der Klage am 1. August 2006 im Sinne von
§ 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB berechtigt war, den streitgegenständlichen Schadens-
ersatzanspruch geltend zu machen (vgl. BGH, TranspR 2010, 200 Rn. 47).
c) Durch die einseitig gebliebene Erledigungserklärung der Klägerin ist ih-
re materielle Berechtigung nicht entfallen, da diese Erklärung nicht die Rechts-
hängigkeit des für erledigt erklärten Anspruchs beendet (BGH, TranspR 2010,
200 Rn. 47).
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III. Danach ist die Revision des Beklagten mit der Kostenfolge aus § 97
Abs. 1 ZPO zurückzuweisen.
Bornkamm
Pokrant
Büscher
Schaffert
Koch
Vorinstanzen:
LG Stuttgart, Entscheidung vom 16.04.2007 - 36 O 106/06 KfH -
OLG Stuttgart, Entscheidung vom 20.04.2011 - 3 U 49/10 -
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