Urteil des BGH vom 03.11.2010, 1 StR 520/10

Entschieden
03.11.2010
Schlagworte
Person, Linie, Datenbank, Wahl, Täterschaft, Wurzel, Stpo, Analyse, Europa, Verwendung
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BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

1 StR 520/10

vom

3. November 2010

BGHSt: BGHR: Nachschlagewerk: Veröffentlichung: ja ja ja ja

StPO § 261

Zum Beweiswert einer kombinierten Analyse von Kern-DNA und mitochondrialer DNA.

BGH, Beschluss vom 3. November 2010 - 1 StR 520/10 - LG Landshut

in der Strafsache

gegen

wegen versuchten Mordes u.a.

Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 3. November 2010 beschlossen:

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts

Landshut vom 1. April 2010 wird als unbegründet verworfen.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Gründe:

1Der Angeklagte war vom Landgericht Landshut vom Vorwurf einer im

Jahr 1990 begangenen Vergewaltigung einer ihm unbekannten 75 Jahre alten

Frau und des anschließend zu deren Nachteil versuchten Verdeckungsmordes

zunächst freigesprochen worden, weil sich die Kammer von seiner Täterschaft

nicht hatte überzeugen können. Dieses Urteil hatte der Senat auf die staatsanwaltschaftliche Revision aufgehoben und die Sache zu neuer Verhandlung und

Entscheidung an das Landgericht zurückverwiesen (BGH, Urteil vom 26. Mai

2009 - 1 StR 597/08, BGHSt 54, 15). Dieses hat den Angeklagten nunmehr wegen der ihm zur Last gelegten Taten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von

13 Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die hiergegen gerichtete, auf die

Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten bleibt aus den in der Antragsschrift des Generalbundesanwalts vom 6. Oktober 2010 dargelegten Gründen

ohne Erfolg 349 Abs. 2 StPO). Ergänzend hierzu bemerkt der Senat:

Die von der Revision im Wesentlichen angegriffene Beweiswürdigung ist 2

rechtsfehlerfrei. Insbesondere hat das insofern durch mehrere Sachverständige

beratene Landgericht die Ergebnisse der durchgeführten DNA-Untersuchungen

zutreffend bewertet. Diese bezogen sich auf zwei an der Unterhose bzw. an

den Strümpfen des Opfers sichergestellte Fremdschamhaare. Nach der Analyse stammte die aus der Wurzel eines Haares gewonnene Kern-DNA, d.h. die im

Kern der menschlichen Zelle vorhandene Erbsubstanz, 1.000 Mal wahrscheinlicher vom Angeklagten als von einer anderen Person.

Da das zweite Haar keine Wurzel mehr aufwies, konnte insofern nur die 3

außerhalb des Kerns in den Mitochondrien enthaltende DNA (sog. mitochondriale DNA [mtDNA]; vgl. BGH aaO) untersucht werden. Insoweit ergab

sich, dass diese - sowie ebenso die aus dem anderen Haar gewonnene -

mtDNA 4.591 Mal wahrscheinlicher vom Angeklagten stammte als von einer

anderen nicht über die mütterliche Linie mit ihm verwandten Person mit zufällig

derselben Sequenz. Zur Bestimmung dieser Wahrscheinlichkeit durfte entgegen

der Ansicht der Revision auf die nach wissenschaftlichen Maßstäben geführte

Innsbrucker Datenbank EMPOP zurückgegriffen werden. Denn in diese finden

für die forensische Verwendung nur randomisierte Einzelproben Eingang, d.h.

solche, die bereits auf der Basis von Populationsstudien erhoben worden sind,

so dass die Datenbank einen repräsentativen Querschnitt der in Europa vorkommenden mtDNA-Sequenzen enthält.

Insofern ebenfalls sachverständig beraten durfte das Landgericht zudem 4

zu der Einschätzung gelangen, dass die genannten Untersuchungsergebnisse

der beiden unterschiedlichen Arten von Erbsubstanzen (UA S. 77) im Sinne der

Produktregel dergestalt voneinander unabhängig sind (vgl. hierzu BGH, Urteil

vom 12. August 1992 - 5 StR 239/92, BGHSt 38, 320, 323; Beschluss vom

5. Februar 1992 - 5 StR 677/91, NStZ 1992, 601, 602), dass sie als Faktoren

miteinander kombiniert werden können. Es konnte daher im Rahmen seiner

Beweiswürdigung als gewichtiges Indiz für die Täterschaft des Angeklagten ansehen, dass die sichergestellten Schamhaare im Ergebnis 4.591.000 Mal wahrscheinlicher von diesem stammen als von einer anderen, nicht über die mütterliche Linie mit ihm verwandten Person.

VRiBGH Nack ist wegen Wahl Graf Urlaubsabwesenheit an der Unterschrift gehindert.

Wahl

Jäger Sander

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 278/01 vom 17.10.2001

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 245/01 vom 17.10.2001

Leitsatzentscheidung

NotZ 39/02 vom 31.03.2003

Anmerkungen zum Urteil