Urteil des BGH vom 13.10.2010, V BLw 16/56

Aktenzeichen: V BLw 16/56

BGH (gemischte schenkung, rechtssatz, blw, abweichung, schenkung, kaufpreis, unentgeltlichkeit, antrag, genehmigung, abschluss)

BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

BLw 12/09

vom

13. Oktober 2010

in der Landwirtschaftssache

Der Bundesgerichtshof, Senat für Landwirtschaftssachen, hat am 13. Oktober

2010 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Krüger und die Richter

Dr. Lemke und Dr. Czub - gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 4 LwVG ohne Zuziehung

ehrenamtlicher Richter -

beschlossen:

Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des Senats für

Landwirtschaftssachen des Oberlandesgerichts Naumburg vom

21. Oktober 2009 wird auf Kosten der Beteiligten zu 1 und zu 2,

die der Beteiligten zu 4 auch die außergerichtlichen Kosten des

Rechtsbeschwerdeverfahrens zu erstatten haben, als unzulässig

verworfen.

Der Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens beträgt

12.500 €.

Gründe:

I.

1Die Antragsteller erstreben die Erteilung der Genehmigung nach dem

Grundstücksverkehrsgesetz für den Erwerb einer landwirtschaftlich genutzten

Fläche von dem Beteiligten zu 3 und wenden sich gegen die Ausübung des

siedlungsrechtlichen Vorkaufsrechts durch die Beteiligte zu 4. Das Landwirtschaftsgericht hat ihren Antrag, die Genehmigungsbehörde zu verpflichten, die

Genehmigung zu erteilen, zurückgewiesen. Die sofortige Beschwerde ist ohne

Erfolg geblieben. Mit der - nicht zugelassenen - Rechtsbeschwerde verfolgen

sie ihren Antrag weiter.

II.

21. Nach Art. 111 Abs. 1 Satz 1 FGGRG sind auf das Rechtsmittel die bis

zum 1. September 2009 geltenden Vorschriften über die Rechtsbeschwerde in

§§ 24 ff. LwVfG anzuwenden. Danach ist die Rechtsbeschwerde an den Bundesgerichtshof unzulässig, weil das Beschwerdegericht sie nicht zugelassen hat

24 Abs. 1 LwVG aF), ein Fall von § 24 Abs. 2 Nr. 2 LwVG aF nicht gegeben

ist und auch die Voraussetzungen der Divergenzrechtsbeschwerde nach § 24

Abs. 2 Nr. 1 LwVG aF nicht vorliegen.

Eine die Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde begründende Divergenz 3

setzt voraus, dass das Beschwerdegericht eine bestimmte Rechtsfrage abweichend von der in der Rechtsbeschwerdebegründung anzuführenden Entscheidung eines der in § 24 Abs. 2 Nr. 2 Nr. 1 LwVG aF bezeichneten Gerichte entschieden hat und der angefochtene Beschluss auf der Abweichung beruht (Senat, Beschlüsse vom 9. Juli 1956 - V BLw 16/56, BGHZ 21, 234, 236 und vom

1. Dezember 1983 - V BLw 18/83, BGHZ 89, 149, 151).

2. Die Rechtsbeschwerde ist danach nicht zulässig. 4

a) Die in der Rechtsmittelbegründung zitierte Vergleichsentscheidung 5

des Bundesgerichtshofs (Urteil vom 17. April 2002 - IV ZR 259/01, NJW 2002,

2469, 2470) enthält allerdings den Rechtssatz, dass die für eine Schenkung

unentbehrliche Einigung der Vertragsparteien über die (zumindest teilweise)

Unentgeltlichkeit dann zu vermuten ist, wenn zwischen den Leistungen der einen und der anderen Seite objektiv ein auffälliges, grobes Missverhältnis vorliegt, das den Vertragsschließenden nicht verborgen sein kann. Bei Rechtsgeschäften zwischen Verwandten ist für die einzelnen Leistungen von Werten

auszugehen, die bei verständiger, die konkreten Umstände berücksichtigender

Beurteilung als noch vertretbar gelten können.

6Ob das Beschwerdegericht, wie die Rechtsbeschwerde meint, unter Bezugnahme auf einen Beschluss des Oberlandesgerichts Brandenburg (NJW

2008, 2720, 2721), einen von der Vergleichsentscheidung abweichenden, allgemeinen Rechtssatz aufgestellt hat, dass bei Rechtsgeschäften zwischen

Verwandten und Freunden eine gemischte Schenkung nie zu vermuten sei,

sondern den konkreten Nachweis der Einigung über die (teilweise) Unentgeltlichkeit des Geschäfts erfordere, ist zweifelhaft. Das Beschwerdegericht hat

diesen rechtlichen Gesichtspunkt allein bei der Würdigung der notariellen Urkunde vom 25. Mai 2009, in dem die Kaufvertragsparteien nachträglich den

vereinbarten Kaufpreis als einen Freundschaftspreis bezeichnet haben, berücksichtigt, zur Feststellung des Vertragswillens bei Abschluss des Kaufvertrages

vom 30. Juni 2008 jedoch nicht herangezogen.

7b) Die Frage, ob das Beschwerdegericht in diesem Punkt einen von der

Vergleichsentscheidung abweichenden Rechtssatz aufgestellt hat, kann hier

jedoch dahinstehen. Die angegriffene Entscheidung beruhte nämlich nicht auf

der Abweichung. Das Beschwerdegericht hat nämlich - worauf die Rechtsbeschwerdeerwiderung zutreffend hinweist - eine aus dem Verhältnis zwischen

dem Kaufpreis und dem Bodenrichtwert begründete Vermutung des Willens des

Verkäufers zu einer teilweisen unentgeltlichen Veräußerung des Grundstücks

als widerlegt angesehen, weil der Beteiligte zu 3 bei seiner Anhörung erklärt

hat, dass nach seiner damaligen Einschätzung der von den Beteiligten zu 1 und

zu 2 vorgeschlagene Preis vor dem Hintergrund der von ihm erzielten Pachten

in Ordnung gewesen sei.

III.

8Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 44, 45 LwVG und die Bestimmung

des Gegenstandswerts auf §§ 33, 36, 37 LwVG i.V.m. § 19 Abs. 1 KostO.

Krüger Lemke Czub

Vorinstanzen:

AG Dessau-Roßlau, Entscheidung vom 13.05.2009 - 8 Lw 4/08 -

OLG Naumburg, Entscheidung vom 21.10.2009 - 2 Ww 5/09 -

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Leitsatzentscheidung

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