Urteil des BGH, Az. XI ZR 385/03

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BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
XI ZR 385/03
vom
8. Juni 2004
in dem Rechtsstreit
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Der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden
Richter Nobbe, die Richter Dr. Müller, Dr. Wassermann, die Richterin
Mayen und den Richter Dr. Appl
am 8. Juni 2004
beschlossen:
Die Beschwerde der Beklagten gegen die Nichtzulas-
sung
der
Sprungrevision
in
dem
Urteil
der
6. Zivilkammer des Landgerichts Göttingen vom
13. November 2003 wird zurückgewiesen.
Die Beklagte trägt die Kosten des Beschwerdeverfah-
rens.
Der Gegenstandswert für das Beschwerdeverfahren
beträgt 511.291,88 €.
Gründe:
Die Rechtssache hat keine grundsätzliche Bedeutung (§ 566
Abs. 4 Satz 1 ZPO).
Die Beklagte hat in der Begründung ihrer Nichtzulassungsbe-
schwerde eine klärungsbedürftige Rechtsfrage von grundsätzlicher Be-
deutung nicht dargelegt, insbesondere nicht aufgezeigt, daß der vom
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Landgericht verneinte Wegfall der Bereicherung in Fällen der vorliegen-
den Art umstritten ist. Die von der Beklagten angeführten Rechtsansich-
ten führen insoweit zum gleichen Ergebnis.
Zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung ist eine Ent-
scheidung des Senats schon deshalb nicht erforderlich, weil das Landge-
richt in Übereinstimmung mit Urteilen der Oberlandesgerichte Hamm (5 U
104/02) vom 21. November 2002 und Stuttgart (10 U 27/03) vom
2. September 2003 sowie des Landgerichts Tübingen (7 O 63/02) vom
17. Januar 2003 zu Recht zu dem Ergebnis gelangt ist, daß sich eine
Kommune gegenüber einem Bereicherungsanspruch einer anderen
Kommune bei "Rückzahlungen" an K. nicht auf einen Wegfall der Be-
reicherung (§ 818 Abs. 3 BGB) berufen kann.
Der Klägerin, die der Beklagten ein Darlehen gewähren wollte,
steht ein Bereicherungsanspruch nur deshalb zu, weil ein wirksamer Dar-
lehensvertrag zwischen den Parteien nicht zustande gekommen ist. Wä-
re ein solcher Vertrag geschlossen worden, hätte sich die Beklagte ge-
genüber der Klägerin weder darauf berufen können, die Darlehensvaluta
durch unwirtschaftliche Verwendung verloren zu haben, noch hätte sie
geltend machen können, der Darlehensrückzahlungsanspruch der Kläge-
rin sei durch "Rückzahlung" der Valuta an den vermeintlichen Darle-
hensgeber K. getilgt worden. In der Rechtsprechung des Bundesge-
richtshofs ist anerkannt, daß sich der Empfänger eines rechtsgrundlos
ausgezahlten Darlehens nicht auf den Verlust der Darlehensvaluta beru-
fen kann (Senatsurteil vom 2. Februar 1999 - XI ZR 74/98, WM 1999,
724, 725 m.w.Nachw.). Für den Einwand des Bereicherungsschuldners,
die rechtsgrundlos erhaltene Darlehensvaluta an einen nicht mehr lei-
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stungsfähigen Dritten "zurückgezahlt" zu haben, kann nichts anderes
gelten. Die Zins- und Tilgungsleistungen der Beklagten an K. beruhen
einzig auf einem leichtfertigen Verhalten der Beklagten, mit dem die Klä-
gerin nichts zu tun hat. Obwohl die Beklagte, die noch in ihrem Schrei-
ben vom 25. Juni 2002 selbst davon ausgegangen ist, K. habe den
Kredit im Jahre 1990 lediglich "vermittelt", keinen Anlaß zu der Annahme
hatte, der Finanzmakler K. persönlich habe von der Klägerin die Zah-
lung von 1.000.000 DM zu fordern und sei deshalb in der Lage, die Klä-
gerin zur Zahlung dieses Betrages an die Beklagte anzuweisen, hat sie
ohne Abschluß eines schriftlichen Darlehensvertrages allein auf die An-
weisung von K. Zahlungen in Höhe mehrerer Millionen DM an ihn per-
sönlich geleistet. Erst dadurch sind die Veruntreuungen durch K. mög-
lich geworden. Der Beklagten gleichwohl die Möglichkeit einzuräumen,
den daraus resultierenden Verlust unter Berufung auf § 818 Abs. 3 BGB
auf die Klägerin abzuwälzen, ist durch nichts zu rechtfertigen. Die Be-
klagte kann sich vielmehr nur an K. halten, dem sie leichtfertig ver-
traut hat.
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Von einer weiteren Begründung wird in entsprechender Anwen-
dung des § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbs. 2 ZPO abgesehen.
Nobbe Müller Wassermann
Mayen Appl