Urteil des BGH vom 30.11.2006, III ZB 22/06

Entschieden
30.11.2006
Schlagworte
Zustellung, Frist, Ablauf der frist, Wahrung der frist, Partei, Zpo, Gkg, Antrag, Erklärung, Anlass
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BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

III ZB 22/06

vom

30. November 2006

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk: ja

BGHZ: ja

BGHR: ja

StrEG § 13; ZPO § 167

Eine Partei, die sich für bedürftig halten darf, wahrt die Frist des § 13 Abs. 1

Satz 2 StrEG auch durch einen vollständigen Prozesskostenhilfeantrag, wenn

die Klage unverzüglich nach der von ihr nicht verzögerten Entscheidung über

den Prozesskostenhilfeantrag zugestellt wird.

BGH, Beschluss vom 30. November 2006 - III ZB 22/06 - OLG Nürnberg

LG Nürnberg-Fürth

Der III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 30. November 2006 durch

den Vorsitzenden Richter Schlick und die Richter Dr. Wurm, Dr. Kapsa, Dörr

und Dr. Herrmann

beschlossen:

Auf die Rechtsbeschwerde der Klägerin wird der Beschluss des

Oberlandesgerichts Nürnberg, 4. Zivilsenat, vom 6. Februar 2006

- 4 W 2798/05 - aufgehoben.

Die Sache wird zur erneuten Entscheidung über die begehrte

Prozesskostenhilfe an das Beschwerdegericht zurückverwiesen.

Gründe:

I.

1Die Klägerin verlangt vom beklagten Freistaat eine Entschädigung für

erlittene Strafverfolgungsmaßnahmen. Mit rechtskräftigem Beschluss vom

13. November 2003 stellte das Amtsgericht fest, dass die Klägerin wegen im

Einzelnen beschriebener strafprozessualer Maßnahmen zu entschädigen sei.

Mit am 7. April 2005 zugegangenem Bescheid vom 31. März 2005 lehnte der

Generalstaatsanwalt den Entschädigungsantrag der Klägerin ab.

2Die Klägerin reichte am 6. Juli 2005 beim Landgericht eine durch ihre

Prozessbevollmächtigte unterzeichnete Klage und - in separatem Schriftsatz -

einen Prozesskostenhilfeantrag ein, in dem es heißt, "die beabsichtigte Klage"

habe hinreichende Aussicht auf Erfolg. Zur Begründung wird auf die "anliegende Klage" Bezug genommen. In einer Stellungnahme zu dem Prozesskostenhilfeantrag machte der Beklagte mit Schriftsatz vom 9. August 2005 geltend, die

Klage sei derzeit bei Gericht nicht anhängig und die Klageanträge seien nur

unter der Bedingung der Gewährung von Prozesskostenhilfe gestellt. Hierauf

erklärte die Klägerin mit Schriftsatz vom 22. August 2005, dass die Klage bei

Gericht anhängig sei und die Klageanträge nicht nur bedingt für den Fall der

Prozesskostenhilfebewilligung gestellt worden seien. Auf Verfügung des Gerichts vom 29. August 2005, wie das Gesuch behandelt werden solle, wiederholte sie mit Schreiben vom 2. September 2005 diese Klarstellung und bat um

Berechnung der Gerichtskosten. Nach Aufforderungen vom 16. und 28. September 2005 überwies sie den angeforderten Kostenvorschuss am 29. September 2005. Die Klage wurde sodann am 28. Oktober 2005 zugestellt.

3Das Landgericht, das die Klage als nicht unbedingt erhoben behandelt

hat, hat den Prozesskostenhilfeantrag am 5. Dezember 2005 zurückgewiesen,

weil die Ausschlussfrist nach § 13 StrEG nicht gewahrt sei. Die Zustellung der

Klage am 28. Oktober 2005 sei nicht mehr rechtzeitig im Sinne des § 167 ZPO

erfolgt. Das Beschwerdegericht hat die Beschwerde der Klägerin zurückgewiesen und die Rechtsbeschwerde zugelassen.

II.

4Die Rechtsbeschwerde ist begründet. Prozesskostenhilfe kann der Klägerin nicht mit der Begründung versagt werden, die Frist des § 13 StrEG sei

durch die Zustellung der am 6. Juli 2005 bei Gericht eingegangenen Klage nicht

gewahrt worden.

51. a) Nach § 13 Abs. 1 Satz 2 StrEG ist die Klage, mit der die Entscheidung

über den Entschädigungsanspruch im Rechtsweg zu überprüfen ist, innerhalb

von drei Monaten nach Zustellung der Entscheidung zu erheben. Für die Erhebung der Klage kommt es nach § 253 Abs. 1 ZPO grundsätzlich auf deren Zustellung an. Soll durch die Zustellung - wie hier - eine Frist gewahrt werden, tritt

diese Wirkung nach § 167 ZPO bereits mit Eingang des Antrags oder der Erklärung ein, wenn die Zustellung demnächst erfolgt. Diese Bestimmung ist auch

auf die Klagefrist des § 13 Abs. 1 Satz 2 StrEG anwendbar (vgl. Senatsurteil

vom 17. März 1983 - III ZR 154/81 - MDR 1983, 1002 f zu § 270 Abs. 3 ZPO

a.F.).

6b) Ob eine Zustellung "demnächst" im Sinne des § 167 ZPO erfolgt ist,

beurteilt sich nach dem Sinn und Zweck dieser Regelung. Danach soll die Partei bei der Zustellung von Amts wegen vor Nachteilen durch Zustellungsverzögerungen innerhalb des gerichtlichen Geschäftsbetriebs bewahrt werden. Denn

derartige Verzögerungen liegen außerhalb ihres Einflussbereichs. Dagegen

sind der Partei die Verzögerungen zuzurechnen, die sie oder ihr Prozessbevollmächtigter 85 Abs. 2 ZPO) bei gewissenhafter Prozessführung hätte vermeiden können. Eine Zustellung "demnächst" nach der Einreichung oder Anbringung des zuzustellenden Antrags oder der zuzustellenden Erklärung bedeutet daher eine Zustellung innerhalb einer nach den Umständen angemessenen,

selbst längeren Frist, wenn die Partei oder ihr Prozessbevollmächtigter unter

Berücksichtigung der Gesamtsituation alles Zumutbare für die alsbaldige Zustellung getan hat. Die Zustellung ist dagegen nicht mehr "demnächst" erfolgt,

wenn die Partei, der die Fristwahrung obliegt, oder ihr Prozessbevollmächtigter

durch nachlässiges - auch leicht fahrlässiges - Verhalten zu einer nicht bloß

geringfügigen Zustellungsverzögerung beigetragen hat (vgl. Senatsurteil vom

7. April 1983 - III ZR 140/81 - VersR 1983, 661, 662; Senatsbeschluss vom 2.

November 1989 - III ZR 181/88 - BGHR ZPO § 270 Abs. 3 demnächst 4; siehe

auch BGHZ 145, 358, 362 m.w.N.).

7Diese Grundsätze gelten auch bei Verzögerungen durch ein Prozesskostenhilfeverfahren. Deshalb wahrt die Einreichung der Klageschrift auch in diesem Fall rückwirkend die Frist, wenn die Klage nur unverzüglich nach der vom

Kläger nicht verzögerten (positiven oder negativen) Entscheidung über den

Prozesskostenhilfeantrag zugestellt wird (vgl. Senatsurteil vom 21. März 1991

- III ZR 94/89 - NJW 1991, 1745, 1746).

82. Gemessen an diesen Grundsätzen ist es bis zur Zustellung der Klage am

28. Oktober 2005 zu keinen nennenswerten Verzögerungen gekommen, die der

Klägerin zuzurechnen wären.

9a) In der Frist des § 13 Abs. 1 Satz 2 StrEG ist hier nicht nur ein mit einem Prozesskostenhilfeantrag versehener Klageentwurf eingegangen, sondern

bereits die von einem postulationsfähigen Anwalt unterzeichnete Klageschrift.

Die Frage einer Einzahlung oder Anforderung eines Gerichtskostenvorschusses

für die Zustellung der Klage stellte sich (zunächst) nicht, da die Klägerin mit der

Stellung ihres Prozesskostenhilfeantrags deutlich machte, dass sie im Hinblick

auf ihre persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse von entstehenden Ge-

richtskosten befreit werden wollte. Dies setzte notwendigerweise eine nähere

Prüfung ihres Prozesskostenhilfeantrags und - nach Maßgabe des § 118 Abs. 1

ZPO - eine Anhörung des Gegners voraus. Eine solche, im Bewilligungsverfahren angelegte Verzögerung steht der Möglichkeit einer (späteren) Zustellung

"demnächst" im Sinne des § 167 ZPO nicht entgegen. Die Klägerin war insoweit

- entgegen der Ansicht des Beschwerdegerichts - auch nicht gehalten, einen

Antrag nach § 14 Nr. 3 GKG zu stellen und auf diese Weise eine Zustellung

ihrer Klage vor einer ihren Prozesskostenhilfeantrag bescheidenden Entscheidung herbeizuführen (a.A. Meyer, StrEG, 6. Aufl. 2005, § 13 Rn. 8). Weil das

aus der Sicht der antragstellenden Partei unverzögerlich betriebene Prozesskostenhilfebewilligungsverfahren eine Zustellung "demnächst" nicht ausschloss,

stand für die Klägerin auch keine zu einem nicht zu ersetzenden Schaden - in

der Gestalt eines Anspruchsverlustes - führende Verzögerung im Sinne des

§ 14 Nr. 3 Buchst. b GKG im Raum, die Anlass für eine entsprechende Antragstellung hätte geben müssen.

10b) Die prozessuale Situation veränderte sich nicht dadurch, dass der Beklagte im Bewilligungsverfahren nach § 118 ZPO geltend machte, die Klage sei

bei Gericht noch nicht anhängig und die Klageanträge seien nur unter der Bedingung der Gewährung von Prozesskostenhilfe gestellt. Dass das erstere nicht

zutraf, war den Akten ohne weiteres zu entnehmen. Die Vorinstanzen haben

sich indes, ungeachtet der von der Klägerin alsbald vorgenommenen Klarstellung, die Klage sei nicht nur bedingt erhoben worden, auf den Standpunkt gestellt, die Klägerin habe keinen eindeutigen Willen zur unbedingten Klageerhebung erkennen lassen und sei darum für die Verzögerung verantwortlich, die

sich aus der späten Einzahlung eines Gerichtskostenvorschusses ergeben habe. Dem ist nicht zu folgen.

11aa) Die aus der Sicht der Vorinstanzen bestehende Unklarheit über die

Vorgehensweise der Klägerin hat nicht zu einer beachtlichen Verzögerung des

Verfahrens geführt. Gleichviel ob die Klägerin die Klage unbedingt erheben

wollte oder ob sie (zunächst) nur eine Entscheidung über den Prozesskostenhilfeantrag begehrte, waren dieselben prozessualen Schritte zu gehen. Mangels

einer Vorschusszahlung und eines Antrags nach § 14 Nr. 3 GKG konnte die

Klage in keinem Fall sofort zugestellt werden. Das Gericht hatte daher - wie

geschehen - keine andere rechtliche Möglichkeit, als zunächst der Gegenseite

Gelegenheit zu geben, sich zu dem Prozesskostenhilfeantrag der Klägerin zu

äußern. Der Senat teilt deshalb nicht die Auffassung des Beschwerdegerichts,

aus der Übermittlung des Prozesskostenhilfeantrags an den Gegner habe die

Klägerin entnehmen müssen, dass das Gericht nicht von einer unbedingt erhobenen Klage ausgegangen sei, und es habe für sie Anlass bestanden, wegen

des Ausbleibens einer Kostenanforderung eine Nachfrage an das Gericht zu

richten. Die Übermittlung ihres Antrags an die Gegenseite gab ihr keinen Hinweis auf ein Missverständnis des Gerichts. Mit einer sofortigen Zustellung der

Klage konnte sie von vornherein nicht rechnen; auch das Unterbleiben einer

Kostenanforderung war nicht "verdächtig", denn durch Stellung ihres Prozesskostenhilfeantrags wollte die Klägerin von der Entrichtung von Gerichtsgebühren gerade befreit werden. Sie hatte daher erst im Hinblick auf den Einwand der

Gegenseite, die Klage sei noch nicht anhängig und die Klageanträge seien nur

unter der Bedingung der Gewährung von Prozesskostenhilfe gestellt, Anlass,

eine klarstellende Erklärung abzugeben, die sie auf Anfrage des Gerichts noch

einmal bekräftigt hat. Dann aber hätte, nachdem seit dem 6. Juli 2005 eine Klage bei den Akten war, im normalen Ablauf des Prozesskostenhilfeverfahrens

ohne nennenswerte Verzögerung über diesen Antrag entschieden werden können. Insbesondere hatte die Klägerin ihre persönlichen und wirtschaftlichen

Verhältnisse bereits am 6. Juli 2005 unter Beifügung des Vordrucks, eines Bei-

blatts und weiterer Belege über ihr Einkommen und ihre laufenden Belastungen

ordnungsgemäß dargestellt, was ebenfalls in der Frist des § 13 Abs. 1 Satz 2

StrEG zu geschehen hat (vgl. hierzu Senatsbeschluss vom 30. November 2006

- III ZB 23/06 - zur Veröffentlichung vorgesehen). Dass das Landgericht mit Verfügung vom 9. September 2005 zur Glaubhaftmachung ihrer Belastungen die

Vorlage weiterer Belege (über tatsächliche Leistungen anstelle der bislang vorgelegten Rechnungen) begehrte, ließ ihren Antrag nicht als ungenügend erscheinen. Selbst wenn man davon ausgehen wollte, die Vorinstanzen hätten

Prozesskostenhilfe aus Gründen des materiellen Rechts, zu denen sich nur die

landgerichtliche Entscheidung am Rande verhält, verweigert, zeigt doch der

weitere Verlauf, dass die Klägerin auf die Vorschussanforderung innerhalb einer

Frist von weniger als 14 Tagen den Gerichtskostenvorschuss eingezahlt hat,

um (notfalls) das Verfahren auf eigene Kosten durchzuführen. Dass es im Anschluss an die Vorschusszahlung erst am 28. Oktober 2005 zur Zustellung der

Klage gekommen ist, ist eine der Klägerin nicht zurechenbare Verzögerung, die

der Zustellung "demnächst" nicht entgegensteht.

12bb) Im Übrigen ist eine andere Beurteilung auch dann nicht veranlasst,

wenn man davon ausgehen wollte, die Klägerin habe in der Frist des § 13

Abs. 1 Satz 2 StrEG noch keine unbedingte Klage erhoben, sondern zunächst

nur einen Prozesskostenhilfeantrag gestellt. Zwar genügt die Stellung eines

Prozesskostenhilfeantrags und seine Übermittlung an die Gegenseite für sich

gesehen nicht, die Ausschlussfrist des § 13 Abs. 1 Satz 2 StrEG zu wahren

(vgl. Meyer, aaO; Meyer-Goßner, StPO, 49. Aufl. 2006, Anhang 5 § 13 StrEG

Rn. 1; BGHZ 98, 295, 298 zur Wahrung der Frist des § 12 Abs. 3 VVG). Insoweit kommt es vielmehr auf die Zustellung der Klage an. Das Kammergericht

(KG-Report Berlin 2005, 168) hat erwogen, die Wertung des § 204 Abs. 1

Nr. 14 BGB entsprechend heranzuziehen, der für die Veranlassung der Be-

kanntgabe des erstmaligen Antrags auf Gewährung von Prozesskostenhilfe

- neben einer Klageerhebung 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB) - eine eigenständige

Möglichkeit der Verjährungshemmung eingeführt hat. Dem kann in dieser Allgemeinheit nicht gefolgt werden. Zwar ist die entsprechende Anwendung einzelner Verjährungsvorschriften, insbesondere soweit sie Hemmungstatbestände

betreffen, je nach dem Sinn und Zweck der in Rede stehenden Ausschlussfrist

in Betracht zu ziehen (vgl. Senatsurteil BGHZ 79, 1, 2 zu § 12 StrEG und § 206

BGB a.F.). Ein Bedürfnis hierfür besteht indes nicht, weil den Interessen der

finanziell unbemittelten Partei dadurch Rechnung getragen werden kann, dass

sie innerhalb der Ausschlussfrist des § 13 Abs. 1 Satz 2 StrEG Prozesskostenhilfe beantragt und die Klage unverzüglich nach der von ihr nicht verzögerten

(positiven oder negativen) Entscheidung über den Prozesskostenhilfeantrag

zugestellt wird (so wohl auch OLG Schleswig JurBüro 2000, 208; Schätzler/Kunz, StrEG, 3. Aufl. 2003, § 13 Rn. 3). Dies hat der Bundesgerichtshof bereits für die Frist des § 12 Abs. 3 Satz 1 VVG entschieden, wonach der Versicherer von der Verpflichtung zur Leistung frei wird, wenn der Anspruch auf die

Leistung nicht innerhalb von sechs Monaten gerichtlich geltend gemacht wird

(vgl. BGHZ 98, 295, 299 ff; Urteil vom 8. März 1989 - IVa ZR 17/88 - NJW-RR

1989, 675).

13Grundlage hierfür ist die Überlegung, dass es im Bereich der Verwirklichung des Rechtsschutzes der allgemeine Gleichheitssatz (Art. 3 Abs. 1 GG) in

Verbindung mit dem Rechtsstaatsprinzip (Art. 20 Abs. 3 GG) gebietet, die prozessuale Stellung von Bemittelten und Unbemittelten weitgehend anzugleichen

(vgl. BVerfGE 81, 347, 356 m.w.N.). Es ist daher in der Rechtsprechung des

Bundesgerichtshofs schon früher anerkannt worden, dass ein ordnungsgemäß

begründetes und vollständiges Armenrechtsgesuch, das am letzten Tag vor

Ablauf der Frist bei Gericht eingereicht wird, die Hemmungswirkung des § 203

Abs. 2 BGB a.F. auslöst (vgl. BGHZ 70, 235, 237 ff). Verlangt die in Rede stehende Vorschrift darüber hinaus die Erhebung der Klage oder - dem weitgehend gleichbedeutend - die gerichtliche Geltendmachung eines Anspruchs (vgl.

BGHZ 98, 295; Senatsurteil vom 21. März 1991 - III ZR 94/89 - NJW 1991,

1745), muss hinzukommen, dass die unbemittelte Partei, soweit noch nicht geschehen, alsbald die Klage einreicht, sobald über das Prozesskostenhilfegesuch entschieden worden ist (vgl. BGH, Urteil vom 8. März 1989 aaO). Sie

bleibt daher auch bei Stellung eines Prozesskostenhilfeantrags in der Pflicht,

nach der Entscheidung über ihr Gesuch weiterhin alles ihr Zumutbare zu tun,

damit die Klage "demnächst" im Sinne des § 167 ZPO zugestellt werden kann.

14Eine andere Beurteilung ist nicht deshalb veranlasst, weil es sich bei

dem hier verfolgten Anspruch um einen öffentlich-rechtlichen Entschädigungsanspruch handelt. Dieser Gesichtspunkt rechtfertigt es nicht, die Rechte der

unbemittelten Partei gegenüber der bemittelten Partei in Ansehung der Wahrung der Ausschlussfrist des § 13 Abs. 1 Satz 2 StrEG zu schmälern. Eine Partei, die sich berechtigt für bedürftig halten darf, kann auch nicht allgemein darauf verwiesen werden, sie müsse bereits innerhalb der Ausschlussfrist eine

Klage einreichen und einen Antrag nach § 14 Nr. 3 GKG stellen. Die Vorfinanzierung eines postulationsfähigen Prozessbevollmächtigten, der eine entsprechende Klage unterzeichnen müsste, kann im Hinblick auf die persönlichen und

wirtschaftlichen Verhältnisse der um Prozesskostenhilfe nachsuchenden Partei

nicht verlangt werden.

153. Da das Beschwerdegericht noch nicht geprüft hat, ob die Klage, was den

geltend gemachten Entschädigungsanspruch angeht, in der Sache hinreichende Erfolgsaussicht hat, ist das Verfahren zur weiteren Entscheidung an das Beschwerdegericht zurückzuverweisen.

Schlick Wurm Kapsa

Dörr Herrmann

Vorinstanzen:

LG Nürnberg-Fürth, Entscheidung vom 05.12.2005 - 4 O 6608/05 -

OLG Nürnberg, Entscheidung vom 06.02.2006 - 4 W 2798/05 -

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 278/01 vom 17.10.2001

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 245/01 vom 17.10.2001

Leitsatzentscheidung

NotZ 39/02 vom 31.03.2003

Anmerkungen zum Urteil