Urteil des BGH vom 20.07.2010, VI ZR 200/09

Entschieden
20.07.2010
Schlagworte
Kreditwesen, Satzung, Inland, Unternehmen, Unerlaubte handlung, Zpo, Gesellschaft, Beteiligung, Einfluss, Anleger
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BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

VI ZR 200/09 Verkündet am: 20. Juli 2010 Böhringer-Mangold, Justizamtsinspektorin als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

in dem Rechtsstreit

Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung

vom 20. Juli 2010 durch den Vorsitzenden Richter Galke, die Richter Zoll und

Wellner, die Richterinnen Diederichsen und von Pentz

für Recht erkannt:

Die Revision des Klägers gegen das Urteil des 17. Zivilsenats des

Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 15. Mai 2009 wird zurückgewiesen.

Der Kläger hat die Kosten der Revision zu tragen.

Von Rechts wegen

Tatbestand:

1Der Kläger macht gegen die Beklagte, eine Aktiengesellschaft nach türkischem Recht, Schadensersatzansprüche aus dem Erwerb von Anteilen der

Beklagten geltend.

Die Beklagte ist eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in 2

Konya/Türkei. Sie hielt Ende 1998 Anteile dreier einer GmbH deutschen Rechts

vergleichbaren Gesellschaften sowie Aktien von einundzwanzig in der Türkei

ansässigen Gesellschaften, von denen vierzehn im Mehrheitsbesitz der Beklagten standen. Die Gesellschaften waren wirtschaftlich in der Textil-, Lebensmittel-, Maschinenbau- und Baubranche tätig. Die Beklagte verfügte nicht über die

Erlaubnis nach dem Gesetz über das Kreditwesen (in der Fassung der Bekanntmachung vom 9. September 1998, BGBl. I 1998, S. 2776; künftig: KWG

a.F.). Eine Anzeige nach dem bis zum 31. Dezember 2003 gültigen Gesetz

über den Vertrieb ausländischer Investmentanteile und über die Besteuerung

der Erträge aus ausländischen Investmentanteilen (in der Fassung der Bekanntmachung vom 9. September 1998, BGBl. I 1998, S. 2820 künftig:

AuslInvestmG) hatte sie ebenfalls nicht erstattet.

3Der Kläger, der sein Vermögen islamischen Glaubensgrundsätzen entsprechend weder in verzinslichen noch in spekulativen Wertpapieren anlegen

wollte, erwarb im Jahr 1999 nicht börsennotierte Anteilsscheine der Beklagten

zu einem Kaufpreis von DM 96.800 (€ 49.493,05). Einen Teil der Anteilsscheine

veräußerte er später für 11.000. Der Erwerb wurde über I. Y., einen Gründungsgesellschafter der Beklagten, abgewickelt. Mit Anwaltsschreiben vom

24. April 2006 forderte der Kläger die Beklagte erfolglos zur Rückzahlung von

68.014,60 auf.

Das Landgericht hat die Klagabweisung durch Versäumnisurteil nach 4

dem Einspruch des Klägers aufrechterhalten. Die dagegen gerichtete Berufung

des Klägers ist erfolglos geblieben. Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen

Revision verfolgt der Kläger sein Klagebegehren in Höhe eines Anspruchs von

38.493,05 weiter.

Entscheidungsgründe:

I.

5Das Berufungsgericht hat die internationale Zuständigkeit deutscher Gerichte für deliktische Ansprüche des Klägers bejaht, aber deliktische Ansprüche

gegen die Beklagte verneint. Soweit der Kläger mehr als 38.493,05 verlange,

fehle die schlüssige Darlegung eines Schadens. Bei der Veräußerung der Anteile habe es sich um keine der in § 1 Abs. 1 und Abs. 1a KWG a.F. genannten

Geschäfte gehandelt. Die Veräußerung sei deshalb nicht erlaubnispflichtig gewesen, so dass Schadensersatzansprüche gemäß § 823 Abs. 2 BGB i.V.m.

§ 32 KWG a.F. nicht bestünden. Auch die Voraussetzungen für Ansprüche nach

§ 823 Abs. 2 BGB i.V.m. mit den §§ 2, 7, 8 AuslInvestmG lägen nicht vor. Eine

Anzeigepflicht nach den §§ 2, 7, 8 AuslInvestmG habe der Beklagten vor der

Veräußerung der Anteile nicht oblegen, weil es sich nicht um ausländische Investmentanteile im Sinne dieses Gesetzes gehandelt habe. Das Vermögen der

Beklagten sei nicht zur Kapitalwertsicherung nach den Grundsätzen der Risikomischung im Sinne des Auslandinvestmentgesetzes angelegt. Darlegungsund beweispflichtig dafür sei der Kläger, der aus dem behaupteten Verstoß gegen §§ 2, 8 AuslInvestmG einen Schadensersatzanspruch herleite. Es sei nicht

Sache der Beklagten darzulegen, dass sie ihre Beteiligungen nicht zum Zwecke

der Risikomischung halte, sondern tatsächlich Einfluss auf das Management

nehme. Die Gelder der Anleger sollten unter Beachtung der islamischen Glaubensgrundsätze im operativen Geschäft eingesetzt werden. Selbst wenn die

Beklagte sich jeder Einflussnahme auf die Beteiligungsgesellschaften enthalten

hätte, sei sie mit dem Ziel tätig geworden, für die Unternehmen der Kombassan-Gruppe Kapital bei nicht in der Türkei ansässigen Anlegern zu beschaffen.

Sie sei damit eine Finanzierungsgesellschaft, die nicht von § 1 Abs. 1 AuslInvestmG erfasst worden sei. Die Beklagte hafte auch nicht nach § 831 BGB

i.V.m. § 823 Abs. 1, Abs. 2 BGB, § 263 StGB. Die vom Kläger geäußerte Vermutung, dass I. Y. ihn vorsätzlich habe betrügen oder sittenwidrig schädigen

wollen, sei nicht erwiesen. Umstände, aus denen sich ergebe, dass sich die

Beklagte von Anfang an mit Hilfe eines "Schneeballsystems" finanziert habe,

habe der Kläger nicht vorgetragen. Die Beklagte sei an zahlreichen Unterneh-

men beteiligt und auf unterschiedlichen Geschäftsfeldern wirtschaftlich tätig. Sie

sei keine bloße "Briefkastenfirma". Es könne auch nicht festgestellt werden,

dass etwaige unrichtige Angaben des I. Y. von der Beklagten veranlasst oder

zumindest geduldet worden seien. Hierfür reiche nicht aus, dass nach Auffassung des Klägers den Organen der Beklagten habe bewusst sein müssen, in

Anbetracht der Einwerbung erheblicher Kapitalmittel seien die Anleger über die

näheren Bedingungen ihrer Beteiligung im Unklaren gelassen worden. Dafür,

dass die Organe der Beklagten durch eigenes Handeln vorsätzlich den Schaden des Klägers herbeigeführt hätten, fehle hinreichend substantiierter Tatsachenvortrag.

II.

Die Revision ist unbegründet. 6

1. Die Klage ist zulässig. 7

8Das Berufungsgericht hat, da eine vorrangige internationale Gerichtsstandsregelung im Verhältnis zur Türkei, dem Sitz der Beklagten, nicht besteht,

zutreffend seine Zuständigkeit aus dem besonderen Deliktsgerichtsstand des

§ 32 ZPO hergeleitet. Die internationale Zuständigkeit der deutschen Gerichte

ist auch unter der Geltung des § 545 Abs. 2 ZPO in der Revisionsinstanz von

Amts wegen zu prüfen (vgl. Senat, Urteil vom 2. März 2010 - VI ZR 23/09 -

WRP 2010, 653; BGHZ 153, 82, 84 ff.; BGH, Urteil vom 20. November 2008

- I ZR 70/06 - TranspR 2009, 26 Tz. 17 = VersR 2009, 807 m.w.N.; vom

22. Oktober 2009 - I ZR 88/07 - TranspR 2009, 479), denn die Vorschriften

über die örtliche Zuständigkeit (§§ 12 ff. ZPO) regeln mittelbar auch die Grenzziehung zwischen der Zuständigkeit deutscher und ausländischer Gerichte (vgl.

Senat, Urteile vom 3. Mai 1977 - VI ZR 24/75 - NJW 1977, 1590 und vom

2. März 2010 - VI ZR 23/09 aaO; BGH, Urteil vom 22. November 1994 - XI ZR

45/91 - NJW 1995, 1225, 1226 jeweils m.w.N.). Zur Begründung des Gerichtsstands gemäß § 32 ZPO reicht die schlüssige Behauptung von Tatsachen aus,

auf deren Grundlage sich ein deliktischer Anspruch ergeben kann (Senat, Urteil

vom 2. März 2010 - VI ZR 23/09 - aaO; BGHZ 132, 105, 110; Hüßtege in Thomas/Putzo, ZPO, 30. Aufl., § 32 Rn. 8; Zöller/Vollkommer, ZPO, 28. Aufl. § 32

Rn. 19 m.w.N.). Im Rahmen der Prüfung der internationalen Zuständigkeit genügt es mithin, dass der Kläger die Voraussetzungen der - nach dem insoweit

maßgeblichen deutschen Recht - deliktischen Ansprüche nach den §§ 823 ff.

BGB schlüssig behauptet hat. Nach § 32 ZPO ist für Klagen aus unerlaubten

Handlungen das Gericht zuständig, in dessen Bezirk die Handlung begangen

ist. Begehungsort der deliktischen Handlung kann sowohl der Handlungs- als

auch der Erfolgsort sein, so dass eine Zuständigkeit wahlweise dort gegeben

ist, wo die Verletzungshandlung begangen wurde oder dort, wo in ein geschütztes Rechtsgut eingegriffen wurde (vgl. BGHZ 132, 105, 110 f.).

9Der Begehungsort der vom Kläger behaupteten unerlaubten Handlungen

liegt danach im Inland, weil die Anteile an der Beklagten von ihm im Inland erworben worden sind und der behauptete Schaden ebenfalls im Inland eingetreten ist. Auch sind deliktische Ansprüche auf der Grundlage des Klagevortrags

hinreichend dargetan. Hätte die Beklagte nach ihrem Geschäftszweck die eingesammelten Gelder in erster Linie kapitalwertsichernd in Anlagen mit gemischten Risiken investieren wollen, käme ein Schadensersatzanspruch des Klägers

nach § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. den §§ 2, 8 AuslInvestmG in Betracht, da die

Beklagte die Aufnahme der Geschäfte dem Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen gemäß § 7 AuslInvestmG nicht angezeigt hat und somit ihre Geschäfte im

Widerspruch zu § 8 Abs. 1 AuslInvestmG getätigt hätte.

10

im Inland somit gegeben, ist umfassend zu prüfen, ob das Schadensersatzbegehren des Klägers aufgrund eines deliktischen Anspruchs begründet ist. Die

internationale Zuständigkeit ist allerdings lediglich für deliktische Ansprüche gegeben, sie zieht nicht - kraft Sachzusammenhangs - die Zuständigkeit auch für

nicht deliktische Ansprüche nach sich. Insoweit steht dem deutschen Gericht

keine Prüfungsbefugnis zu (vgl. hierzu ausführlich BGHZ 132, 105, 111 ff.

m.w.N.).

112. Auf der Grundlage der rechtlich nicht zu beanstandenden Feststellungen des Berufungsgerichts sind deliktische Ansprüche des Klägers gegen die

Beklagte nicht gegeben.

12a) Ob das der Klage zugrunde gelegte vom Kläger behauptete Geschehen als unerlaubte Handlung einzuordnen ist, richtet sich nach dem am Gerichtsstand geltenden Recht. Deutsches Recht ist sowohl nach den Regelungen

in Art. 40 ff. EGBGB (in Kraft getreten zum 1. Juni 1999 durch Gesetz vom

21. Mai 1999, BGBl. I 1999 S. 1026) als auch nach dem zuvor geltenden deutschen Kollisionsrecht analog Art. 220 Abs. 1 EGBGB (BT-Drucks. 14/343 S. 7)

anzuwenden.

b) Ein Schadensersatzanspruch nach § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. den §§ 2,

13 Ist die internationale Zuständigkeit nach dem deliktischen Gerichtsstand

8 AuslInvestmG ist nicht gegeben. Zwar hat die ausländische Investmentgesellschaft, die beabsichtigt, ausländische Investmentanteile im Inland zu vertreiben,

dem Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen nach § 7 Abs. 1

AuslInvestmG dies anzuzeigen. Nach § 8 Abs. 1 AuslInvestmG darf der Vertrieb

von ausländischen Investmentanteilen erst aufgenommen werden, wenn seit

dem Eingang der vollständigen Anzeige drei Monate verstrichen sind, ohne

dass die Behörde die Aufnahme des Vertriebs untersagt hat. Das vor einer An-

zeige gemäß § 7 Abs. 1 AuslInvestmG geltende Vertriebsverbot des § 8 Abs. 1

AuslInvestmG ist eine den Anleger schützende Regelung im Sinne des § 823

Abs. 2 BGB, weil das Anzeigeverfahren der Überprüfung der ausländischen

Investmentgesellschaft und somit auch dem Interesse des Anlegerschutzes

dient (BT-Drucks. V/3494 S. 21 f.; BGH, Urteil vom 13. September 2004 - II ZR

276/02 - NJW 2004, 3706, 3709; Baur, Investmentgesetze, 2. Aufl., § 8

AuslInvestmG, Rn. 2). Jedoch kann nach den Umständen des Streitfalls auch

unter Berücksichtigung des Revisionsvorbringens nicht angenommen werden,

dass die Beklagte mit dem Verkauf der Anteile an den Kläger ausländische Investmentanteile im Sinne der Legaldefinition des § 1 Abs. 1 AuslInvestmG im

Inland vertrieben hat.

14aa) Nach § 1 Abs. 1 Satz 1 AuslInvestmG, das zum Zeitpunkt des Erwerbs der Anteile durch den Kläger noch in Kraft war, galt für den Vertrieb von

Anteilen an einem ausländischen Recht unterstehenden Vermögen, das nach

dem Grundsatz der Risikomischung aus Wertpapieren, Forderungen aus Gelddarlehen, über die eine Urkunde ausgestellt war, Einlagen oder Grundstücken

angelegt war, Abschnitt 1 dieses Gesetzes. Das Auslandinvestmentgesetz folgte einem wirtschaftlichen Investmentbegriff (BT-Drucks. V/3494 S. 17, Pfüller/Schmitt in Brinkhaus/Scherer, AuslInvestmG, § 1 Rn. 24, 44; Assmann/Schütze/Baur, Handbuch des Kapitalanlagerechts, 2. Aufl., § 19 Rn. 14).

Auf die gewählte Rechtsform des Unternehmens kam es nicht an. Anders als

bei inländischen Investmentgesellschaften (vgl. § 1 Abs. 1 des Gesetzes über

Kapitalanlagegesellschaften in der Fassung der Bekanntmachung vom

9. September 1998; BGBl. I 1998, S. 2726) war die Bildung eines Sondervermögens nicht Voraussetzung. Es war unerheblich, ob die Anteile Miteigentum

am Fondsvermögen verkörperten oder nur einen schuldrechtlichen Anspruch

auf Beteiligung in bestimmter Höhe gewährten oder mitgliedschaftliche Rechte

umfassten. Entscheidend war, dass das Vermögen nach den Grundsätzen der

Risikomischung angelegt worden ist oder angelegt werden sollte. Risikomischung bedeutete in diesem Zusammenhang, dass die der Investmentgesellschaft zufließenden Gelder zur Sicherung des Kapitalwerts in einer Vielzahl von

Wertpapieren oder Grundstücken oder beiden angelegt wurden (BT-

Drucks. V/3494 S. 17).

bb) Ob ausländisches Investmentvermögen im Sinne des § 1 15

AuslInvestmG vorlag, ist unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles durch den Tatrichter zu beurteilen (vgl. Schreiben des Bundesaufsichtsamts

für Kreditwesen vom 1. Juli 1977, V 2-X-10/77 in Beckmann/

Scholtz/Vollmer, Investment, Stand Juli 2009, 448 Nr. 10; Baur, aaO § 1

AuslInvestmG Rn. 39). Die tatrichterliche Würdigung ist nur eingeschränkt in

der Revision darauf überprüfbar, ob die Würdigung bei richtiger Anwendung der

Norm vollständig und rechtlich möglich ist und nicht gegen Denkgesetze oder

Erfahrungssätze verstößt. Danach begegnet keinen durchgreifenden Bedenken,

dass das Berufungsgericht eine Anzeigepflicht der Beklagten verneint hat, weil

sie keine ausländischen Investmentanteile im Sinne des Auslandinvestmentgesetzes im Inland vertrieben hat.

(1) Die im Inland angebotenen Geschäftsanteile der Beklagten betreffen 16

zwar Vermögen, das ausländischem Recht untersteht. Ausweislich des vorgelegten Handelsregisterauszuges liegt der Verwaltungssitz der Beklagten in Konya/Türkei. Die Beklagte unterliegt somit nach ihrem Gesellschaftsstatut, das

für außerhalb der Europäischen Union liegende Staaten gewohnheitsrechtlich

an den Sitz der Gesellschaft anknüpft, dem türkischen Recht (BGHZ 25, 134,

144; MünchKomm-BGB/Kindler 4. Aufl., IntGesR Rn. 5). Das türkische Recht

nimmt die Verweisung an. Nach Art. 8 Abs. 4 Satz 1 des türkischen Gesetzes

über internationales Privat- und Zivilverfahrensrecht (in Hirsch/Tekinalp, Das

türkische Aktien- und GmbH-Recht, 2. Aufl., S. 114 ff.) ist auf das Recht des in

den Statuten der Gesellschaft angegebenen Verwaltungssitzes abzustellen.

Somit ist das Gesellschaftsstatut der Beklagten das türkische Recht. Die Anwendung der Regelungen des Auslandsinvestmentgesetzes setzt jedoch darüber hinaus voraus, dass das Vermögen der Beklagten zur Sicherung des Kapitalwerts nach dem Grundsatz der Risikomischung angelegt war. Dies war nach

den vom Berufungsgericht getroffenen und nicht zu beanstandenden Feststellungen aber nicht der Fall.

17(2) Die Beklagte verfolgte mit der Mischung der unternehmerischen Risiken nicht vorrangig das Ziel, den Kapitalwert des Anlagevermögens zu sichern,

sondern Gewinne durch unterschiedliche unternehmerische Beteiligungen zu

erwirtschaften und somit den bei ihr investierten Anlegern mit den islamischen

Glaubensgrundsätzen vereinbare Renditen zu verschaffen. Ob die Unternehmen, an denen sich die Beklagte beteiligte, oder die Beklagte selbst börsennotiert waren, ist hierfür nicht maßgebend. Davon ist aber entgegen der Auffassung der Revision auch das Berufungsgericht nicht ausgegangen.

18Das Auslandinvestmentgesetz sollte nicht jede Form des Wertpapiererwerbs erfassen, sondern nur das Investmentsparen als wichtiges Bindeglied

zwischen dem traditionellen Kontensparen und dem direkten Wertpapiererwerb

in Form von Aktien (BT-Drucks. V/3494 S. 14). Es betrifft deshalb nicht Kapitalanlagen, die auf die Wertschöpfung aus dem Einsatz der Anlagemittel zur Finanzierung der Teilnahme am allgemeinen Wirtschaftsverkehr eines Unternehmens gerichtet sind (Volckens/Panzer, IStR 2005, 426, 427), selbst wenn eine

risikogestreute Vermögensanlage das Ergebnis einer sonstigen operativen Tätigkeit ist (Volckens/Panzer, aaO, 429) und damit als "zufällige Risikomischung"

anzusehen ist (Rundschreiben 14/2008 der BaFin - WA - zum Anwendungsbereich des Investmentgesetzes nach § 1 Satz 1 Nr. 3 Investmentgesetz). Ein Investmentunternehmen muss primär das Ziel der Kapitalwertsicherung durch die

Risikomischung verfolgen (BVerwG, NJW 1980, 2482; Pfüller/Schmitt in Brinkhaus/Scherer, aaO, § 1 AuslInvestmG Rn. 46). Die Anlage muss vorrangig den

bestmöglichen Ausgleich von Ertrags-, Wertsicherungs- und Liquiditätserwartungen der Anleger erreichen wollen (Cox in Schuster, Investmenthandbuch,

1971, S. 46; Beckmann/Scholtz/Vollmer/Beckmann, aaO, 410 § 1 Rn. 47), so

dass durch die Risikomischung im Wesentlichen das gesamte Unternehmensrisiko abgefangen wird und sich das Unternehmensrisiko mit dem Anlagerisiko

deckt (Schreiben des Bundesamtes für Kreditwesen vom 1. Juli 1977 - V 2-X-

10/77 - in Beckmann/Scholtz/Vollmer, aaO, 448 Nr. 10; Volckens/Panzer, aaO).

Hingegen genügt nicht, dass das Vermögen objektiv risikogemischt mit verschiedenen möglichen Verlust- und Gewinnchancen in einer Vielzahl von Vermögenswerten im Sinne des § 1 Abs. 1 Satz 1

AuslInvestmG angelegt ist. Zu der die Risiken mischenden Zusammensetzung

des Vermögens muss vielmehr hinzukommen, dass der Geschäftsbetrieb des

Unternehmens nach seiner objektiven Ausgestaltung gerade auf die Anlage von

Geldvermögen und nicht auf andere Zwecke gerichtet ist (vgl. BVerwG, NJW

1980, 2482 "Hapimag"; Baur, aaO, § 1 AuslInvestmG Rn. 40 ff., Beckmann/Scholtz/Vollmer/Beckmann, aaO, 410 § 1 Rn. 12; Pfüller/Schmitt in

Brinkhaus/Scherer, aaO, § 1 AuslInvestmG Rn. 45 ff.; Assmann/Schütze/Baur,

Handbuch des Kapitalanlagerechts, 2. Aufl., § 19 Rn. 18; Volckens/Panzer,

IStR 2005, 426, 428).

19Kein anzeigepflichtiges Investment liegt vor, wenn die unternehmerische

Beteiligung mit dem Ziel erfolgt, in die unternehmerischen Entscheidungs- und

Verantwortungsbereiche der Anlageobjekte einzutreten und deren Selbständigkeit einzuschränken, mithin also unternehmerischen Einfluss auf die Beteiligungsgesellschaften auszuüben (Schreiben des Bundesaufsichtsamts für Kreditwesen vom 30. August 1990 - V 2-X-11/90 - in Beckmann/Scholtz/Vollmer,

aaO, 448 Nr. 26; vom 7. Dezember 2001 - V 2-X-3818/2001 - aaO, 448 Nr. 38;

Pfüller/Schmitt in Brinkhaus/Scherer, aaO, § 1 AuslInvestmG, Rn. 55; Baur,

aaO, § 1 Rn. 47; Beckmann/Scholtz/Vollmer/Beckmann, aaO, 410 § 1

Rn. 13 f.). Zur Ermittlung des objektiven Zwecks der unternehmerischen Beteiligungen können die Satzung, die Vertrags- und Anlagebedingungen sowie Verkaufsprospekte oder ähnliche Schriftstücke herangezogen werden (Beckmann/Scholtz/Vollmer/Beckmann, aaO, 410 § 1 Rn. 41; Rundschreiben

14/2008 der BaFin - WA - zum Anwendungsbereich des Investmentgesetzes

nach § 1 Satz 1 Nr. 3 Investmentgesetz). Auf die subjektiven Ziele der Anleger

kommt es hingegen nicht an.

20(3) Der Geschäftszweck nach dem Inhalt der Satzung der Beklagten war

auf Investitionen in unternehmerische Beteiligungen gerichtet. Gemäß § 3 der

Satzung der Beklagten war Unternehmensgegenstand unter anderem die Produktion einer Vielzahl von Gegenständen der Textil- und Maschinenbauindustrie

sowie die Produktion und der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten und

Baustoffen 3 Satz 1 der Satzung der Beklagten). Nach § 3 Satz 2 der Satzung durfte sich die Beklagte an anderen Unternehmen beteiligen und in deren

Vorständen vertreten sein. Weiter war der Beklagten gestattet, bei Unternehmensgründungen oder Kapitalerhöhungen Hilfe zu leisten und aus diesem Anlass oder bei Kreditaufnahmen oder Käufen Garantien abzugeben oder Sicherheiten zu stellen. Die Beklagte durfte Dienste in Bezug auf die Lagerhaltung,

Zoll, Transport und Inkasso erbringen und finanzielle und rechtliche Beratungen

durchführen sowie Verträge über Lizenzen, Patente und Marken, auch im Hinblick auf die Unternehmen, an denen Beteiligungen bestehen, abschließen.

Schließlich konnte sie soziale Einrichtungen für das Personal von Firmen errichten und betreiben und sich damit auch am Personalwesen der Unternehmen

beteiligen. Damit eröffnete sich aber der Beklagten ein erheblicher Einfluss auf

die Finanzen und Investitionen der Anlageunternehmen. Mit den Engagements

waren zwangsläufig finanzielle Risiken verbunden, die die Beklagte zusätzlich

zum Wertverlust der eigenen Anteile treffen konnten. Auch gehen diese Befugnisse weit über die bloße Teilhabe am Kapitalwert unternehmerisch selbständig

bleibender Anlageobjekte, die für das Investment ansonsten charakteristisch ist,

hinaus (vgl. Schreiben des Bundesaufsichtsamts für Kreditwesen vom

30. August 1990, aaO). Nach den in der Satzung niedergelegten Geschäftszielen sollte sich die Beklagte auf vielfältige Weise an den unternehmerischen Entscheidungen der Anlageunternehmen beteiligen können, wozu sie unternehmerischen Sachverstand in strategische Entscheidungen dieser Unternehmen einbringen musste. Es bestand ein unternehmerisches Risiko neben dem Anlagerisiko. Die Gesellschaftsziele der Beklagten widersprachen damit dem Zweck

der breiten Vermögensstreuung mit der Möglichkeit schneller Umschichtung,

durch die auch kurzfristige Kurs- und Zinsschwankungen zur Gewinnerzielung

ausgenutzt werden könnten. Ein solcher Zweck ist aber kennzeichnend für das

von den Vorschriften des Auslandinvestmentgesetzes betroffene Kapitalinvestment (Schreiben des Bundesaufsichtsamts für Kreditwesen vom 30. August

1990, aaO; OLG Celle, WM 2003, 325, 328).

21(4) Für eine unternehmerische Beteiligung sprechen maßgebend auch

die Mehrheitsbeteiligungen der Beklagten. Mehrheitsbesitz führt regelmäßig zur

Abhängigkeit und zu einem beherrschenden Einfluss auf die Gesellschaft, weil

dem Mehrheitsaktionär über die Mehrheit der Stimmrechte die Möglichkeit offen

steht, mehr als die Hälfte der Mitglieder der Führungsgremien der beherrschten

Gesellschaft zu stellen und damit deren Leitung zu bestimmen. Des Nachweises konkreter, aktiver Beeinflussung, wie dies der Kläger verlangt, bedarf es

dann nicht (vgl. Pfüller/Schmitt in Brinkhaus/Scherer, aaO, § 1 AuslInvestmG,

Rn. 57; Schreiben des Bundesaufsichtsamts für Kreditwesen vom 28. August

1991 - V 2-X-12/91 - in Beckmann/Scholtz/Vollmer, aaO, 448 Nr. 27; vom

7. Dezember 2001, aaO).

Die Beklagte besaß in vierzehn Aktiengesellschaften mehr als die Hälfte 22

der Anteile, bei zwölf Kapitalgesellschaften hielt sie über 75 % der Anteile. Nach

türkischem Aktienrecht geht damit regelmäßig eine entsprechende Stimmrechtsmehrheit in der Generalversammlung einher (Art. 373 Abs. 1 Satz 1

THGB in Hirsch/Tekinalp, aaO, S. 95 f.), sofern nicht besondere Umstände wie

z.B. Mehrstimmrechtsaktien (Artt. 373 Abs. 1 Satz 2, 401 THGB aaO) oder

Stimmbindungsverträge dies verhindern. In der Generalversammlung wird unter

anderem über die Gewinnverteilung und die Wahl der Verwaltungsratsmitglieder

entschieden (Art. 369 THGB aaO). Der Verwaltungsrat wiederum leitet die Aktiengesellschaft türkischen Rechts und vertritt sie entweder selbst oder durch von

ihm eingesetzte Direktoren ("monistisches System" Artt. 317, 342 THGB aaO).

Das Stimmrecht eröffnet mithin unmittelbar die Möglichkeit zur Einflussnahme

auf die Zusammensetzung der leitenden Organe der Gesellschaft. Damit hatte

die Beklagte die rechtliche Möglichkeit, entscheidenden unternehmerischen Einfluss zu nehmen auf die Gesellschaften, an denen sie beteiligt war, sofern sie

ihre Aktionärsrechte wahrnahm. Dass dies der Fall war, hat auch der Kläger

nicht in Frage gestellt.

Dass die Beteiligung der Beklagten in sieben weiteren Fällen unter 50 % 23

lag, rechtfertigt keine andere Beurteilung. Die übrigen Anteile an diesen Unternehmen hielten die Schwestergesellschaften der Beklagten, so etwa die Kombassan Holding A.S. Dazu waren die Organe der Gesellschaften personell

identisch besetzt, so dass von einer gegenseitigen Einflussnahme und Abstimmung auszugehen ist. Hinsichtlich der Beteiligung der Beklagten an drei Unternehmen, deren Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach

deutschem Recht vergleichbar ist, fehlt bereits eine Vermögensanlage in Wertpapieren im Sinne des § 1 Abs. 1 Satz 1 AuslInvestmG. Geschäftsanteile an

einer GmbH sind nämlich keine Wertpapiere, auch wenn sie verbrieft sind

(Schreiben des Bundesaufsichtsamts für Kreditwesen vom 28. August 1991

- V 2-X-12/91 - in Beckmann/Scholtz/Vollmer, aaO, 448, Nr. 27).

24War - wie dargelegt - nach der aus der Satzung ersichtlichen Anlagestrategie der Beklagten nicht eine bloße Partizipation am Kapitalwert der unternehmerisch selbständig bleibenden Anlageobjekte gewollt, sondern ein die Selbständigkeit einschränkender Eintritt in deren unternehmerische Entscheidungsund Verantwortungsbereiche, entsprach die Kapitalanlage nicht dem Wesen

des Investments im Sinne des Auslandinvestmentgesetzes (Schreiben des

Bundesaufsichtsamts für Kreditwesen vom 20. August 1990, aaO; vom

7. Dezember 2001 aaO; Baur, aaO, § 1 AuslInvestmG, Rn. 47; Pfüller/Schmitt

in Brinkhaus/Scherer, aaO, § 1 AuslInvestmG, Rn. 55, 57; Beckmann/Scholtz/Vollmer/Beckmann, aaO, 410 § 1 Rn. 15).

25cc) Erfolglos rügt die Revision, das Berufungsgericht habe die Anforderungen an die Darlegungs- und Beweislast des Klägers überspannt. Dass das

Vermögen der Beklagten nach dem Grundsatz der Risikomischung angelegt ist,

hat der Kläger nach allgemeinen Beweisgrundsätzen als anspruchsbegründende Voraussetzung darzulegen und zu beweisen. Dies gilt auch für den Nachweis, dass der objektive Geschäftszweck primär auf Kapitalwertsicherung gerichtet ist. Erleichterungen kämen nur dann in Betracht, wenn dem Kläger substantiierter Vortrag nicht möglich oder nicht zumutbar wäre, während die Beklagte Kenntnis von den maßgeblichen Tatsachen hätte und es ihr zumutbar

wäre, nähere Angaben zu machen. Dies ist anzunehmen, wenn das Unwissen

der darlegungspflichtigen Partei darauf beruht, dass sie außerhalb des von ihr

vorzutragenden Geschehensablaufs steht (Senat, Urteil vom 24. November

1998 - VI ZR 388/97 - VersR 1999, 774, 775; Urteil vom 9. Dezember 2008

- VI ZR 173/07 - VersR 2009, 408, 409; BGHZ 140, 156, 158). Im Streitfall käme eine sekundäre Darlegungslast der Beklagten mithin erst in Betracht, wenn

auch nach Auswertung der Satzung und anderer öffentlich oder dem Kläger

zugänglicher Quellen, wie auch zum Beispiel den Berichten der Aktiengesellschaft, Lücken im vorzutragenden Geschehensablauf verblieben. Dies ist hier

nicht der Fall. Der Kläger stellt die Beteiligungen der Beklagten und die Ausübung der damit verbundenen Stimmrechte nicht in Frage. Unter Zugrundelegung des Vortrags des Klägers und der Satzung teilt der erkennende Senat die

Auffassung des Berufungsgerichts, dass eine kapitalwertsichernde, risikogemischte Anlage im Sinne des Auslandinvestmentgesetzes nicht gegeben ist.

Der Kläger kann sich somit nicht auf den Schutz des Auslandinvestmentgesetzes berufen.

26c) Die Revision wendet sich nicht dagegen, dass das Berufungsgericht

Schadensersatzansprüche des Klägers nach § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 32

KWG a.F. und im Hinblick auf das Auftreten des I. Y. nach §§ 831, 31 BGB

i.V.m. § 823 Abs. 2 BGB, § 263 StGB und § 826 BGB verneint hat. Dagegen ist

auch von Rechts wegen nichts zu erinnern (vgl. Senatsurteil vom 23. März 2010

- VI ZR 57/09 - unter II. 2. b), d) und e) z.V.b.).

Galke Zoll Wellner

Diederichsen von Pentz

Vorinstanzen:

LG Duisburg, Entscheidung vom 07.07.2008 - 4 O 337/06 -

OLG Düsseldorf, Entscheidung vom 15.05.2009 - I-17 U 107/08 -

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 278/01 vom 17.10.2001

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 245/01 vom 17.10.2001

Leitsatzentscheidung

NotZ 39/02 vom 31.03.2003

Anmerkungen zum Urteil