Urteil des BGH, Az. 3 StR 217/13

BGH: erpressung, freiheitsberaubung, wagen, beihilfe, gewalt, anschluss, vollzug, überzeugung, bargeld, unterlassen
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
3 StR 217/13
vom
26. November 2013
in der Strafsache
gegen
1.
2.
3.
4.
wegen zu 1.-3.: erpresserischen Menschenraubes u.a.
zu 4.: Beihilfe zur versuchten schweren räuberischen Erpressung u.a.
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Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung der Beschwerde-
führer und des Generalbundesanwalts - zu 3. auf dessen Antrag - am
26. November 2013 gemäß § 349 Abs. 2 und 4, § 354 Abs. 1 StPO einstimmig
beschlossen:
1. Auf die Revisionen der Angeklagten B. und Y. wird
das Urteil des Landgerichts Rostock vom 21. Dezember 2012,
soweit es diese Angeklagten betrifft, mit den zugehörigen Fest-
stellungen aufgehoben.
Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhand-
lung und Entscheidung, auch über die Kosten der Rechtsmittel
der Angeklagten, an eine andere Strafkammer des Landge-
richts zurückverwiesen.
2. Auf die Revision des Angeklagten W. wird das vorbezeich-
nete Urteil dahin geändert, dass der Angeklagte im Tatkomplex
2 wegen erpresserischen Menschenraubes in Tateinheit mit
schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverlet-
zung und Freiheitsberaubung verurteilt ist.
3. Die weitergehende Revision des Angeklagten W. sowie die
Revision des Angeklagten S. werden verworfen.
Die Angeklagten W. und S. haben die Kosten ihrer
Rechtsmittel und die den Nebenklägern im Revisionsverfahren
dadurch entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.
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Gründe:
Das Landgericht hat die Angeklagten B. , Y. und W. "wegen
erpresserischen Menschenraubes in Tateinheit mit schwerer räuberischer Er-
pressung in drei tateinheitlichen Fällen, wobei es in einem Fall beim Versuch
blieb, und in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberau-
bung" (Tatkomplex 2) sowie "wegen versuchter besonders schwerer räuberi-
scher Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Köperverletzung und Freiheits-
beraubung" (Tatkomplex 1) zu Gesamtfreiheitsstrafen von acht Jahren
(B. ), fünf Jahren und zehn Monaten (Y. ) sowie vier Jahren und drei
Monaten (W. ) verurteilt. Den Angeklagten S. hat es wegen gefährlicher
Körperverletzung in Tateinheit mit Freiheitsberaubung und Beihilfe zur versuch-
ten schweren räuberischen Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren
und neun Monaten verurteilt. Es hat außerdem gegen B. und Y. eine
Adhäsionsentscheidung getroffen. Die hiergegen gerichteten Revisionen der
Angeklagten B. und Y. führen zur Aufhebung des Urteils hinsichtlich
dieser beiden Beschwerdeführer. Die Revision des Angeklagten W. führt zu
einer Änderung des Schuldspruchs. Im Übrigen bleibt sie - ebenso wie die Re-
vision des Angeklagten S. - ohne Erfolg.
Nach den Feststellungen des Landgerichts wurde der Nebenkläger
H. zuerst vom Angeklagten S. und in der Folgezeit auch von den ande-
ren Angeklagten geschlagen, gefesselt und in einen Wagen verbracht. Der An-
geklagte B. wollte auf diese Weise den Nebenkläger zu Schutzgeldzah-
lungen bewegen, womit auch die Angeklagten Y. und W. einverstan-
den waren. Dem Angeklagten S. ging es lediglich darum, den Nebenkläger
aus einem Lokal zu werfen. Es kam ihm gelegen, dass die anderen Angeklag-
ten den Nebenkläger in ihre Gewalt bringen wollten, um von diesem Schutzgeld
zu erpressen, wobei er sich allerdings nicht vorstellte, dass diese dabei auch
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gefährliche Werkzeuge verwenden würden. Die Angeklagten B. , Y.
und W. verbrachten den Nebenkläger H. daraufhin in ein andernorts
gelegenes Anwesen. Dort ver
langten sie von ihm die Zahlung von 2.000 €, wo-
bei sie ihn wechselweise und einvernehmlich schlugen oder mit dem Tod be-
drohten. Der Nebenkläger wurde dabei auch mit einem Besenstiel geschlagen,
der dadurch in zwei Teile zerbrach (Tatkomplex 1).
In seiner Todesangst gab der Nebenkläger H. vor, von dem Neben-
kläger K. Geld zu bekommen, und erzählte den drei Angeklagten, dieser ver-
füge über einen Wagen von erheblichem Wert. Die Angeklagten beschlossen
daraufhin, die Erpressung auf K. zu erstrecken und sich auch in den Besitz
des Wagens zu bringen. Mit Hilfe des H. lockten sie K. auf einen Park-
platz, erlangten unter Bedrohung mit körperlicher Misshandlung das Auto und
die Autoschlüssel, fesselten ihn mit Kabelbindern und verbrachten ihn ebenfalls
zu dem Anwesen. Dort zwangen sie ihn durch Schläge, bei seiner Lebensge-
fährtin anzurufen und diese zu beauftragen, dem Nebenkläger H. den Kraft-
fahrzeugbrief auszuhändigen. Dementsprechend erhielten die Angeklagten als-
bald auch die Wagenpapiere. Darüber hinaus forderten die Angeklagten von
K.
die Zahlung von 15.000 €. Als den Angeklagten bewusst wurde, dass es
keine erfolgversprechende Möglichkeit mehr gab, die beiden Nebenkläger zur
Übergabe weiterer Vermögenswerte zu bringen, ließen sie diese frei (Tatkom-
plex 2).
1. Revisionen der Angeklagten B. und Y.
Die Revisionen der Angeklagten haben mit der Sachbeschwerde Erfolg,
so dass es auf die erhobenen Verfahrensrügen nicht ankommt. Die Beweis-
würdigung hält rechtlicher Nachprüfung nicht stand.
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Die Würdigung der Beweise ist Sache des Tatrichters, dem es obliegt,
das Ergebnis der Hauptverhandlung festzustellen und zu würdigen. Die revisi-
onsgerichtliche Überprüfung ist darauf beschränkt, ob dem Tatrichter Rechts-
fehler unterlaufen sind. Dies ist in sachlich-rechtlicher Hinsicht der Fall, wenn
die Beweiswürdigung widersprüchlich, unklar oder lückenhaft ist, gegen Denk-
oder gesicherte Erfahrungssätze verstößt oder wenn das Tatgericht zu hohe
Anforderungen an die Überzeugungsbildung gestellt hat (BGH, Urteil vom
7. Februar 2013 - 3 StR 503/12, juris Rn. 10 mwN). Nach diesen Maßstäben ist
die Beweiswürdigung rechtsfehlerhaft, denn sie unterlässt die hier notwendige
Erörterung eines naheliegenden Falschbelastungsmotivs des Angeklagten W.
.
Der Angeklagte B. hat keine Angaben zur Sache gemacht und im
letzten Wort seine Anwesenheit am Tatort bestritten. Der Angeklagte Y.
hat den Tatvorwurf ebenfalls bestritten. Das Landgericht stützt seine Überzeu-
gung im Wesentlichen auf die Aussage des Mitangeklagten W. . Dieser hat-
te bereits vor Eröffnung des Hauptverfahrens im Rahmen einer mündlichen
Haftprüfung ein umfassendes Geständnis abgelegt und die Mitangeklagten
B. und Y. als Mittäter benannt. Im Anschluss an die Aussage war er
vom weiteren Vollzug der Untersuchungshaft verschont worden. Im Hinblick auf
diese Angaben des Angeklagten W. hat das Landgericht jeweils die
Voraussetzungen des § 46b Abs. 1 StGB angenommen (UA S. 7, 23, 25, 51,
53).
Unter diesen Umständen hätte sich das Landgericht bei der Beweiswür-
digung mit dem naheliegenden, für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aus-
sage wesentlichen Gesichtspunkt auseinandersetzen müssen, dass sich der
Angeklagte W. mit seiner Aussage die Voraussetzungen und Vorteile der
Kronzeugenregelung (§ 46b StGB) sichern wollte und damit der Versuchung
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ausgesetzt war, Dritte deswegen wahrheitswidrig zu belasten (vgl. BGH, Be-
schluss vom 15. Januar 2003 - 1 StR 464/02, BGHSt 48, 161, 168; Beschluss
vom 23. Oktober 1991 - 5 StR 455/91, StV 1992, 98). Die Verurteilung der An-
geklagten B. und Y. kann daher deinen Bestand haben.
Damit ist die sofortige Beschwerde des Angeklagten Y. gegen die
Kostenentscheidung gegenstandslos.
2. Revision des Angeklagten W.
Die auf die allgemeine Sachbeschwerde gestützte Revision des Ange-
klagten führt lediglich zur Änderung des Schuldspruchs im Tatkomplex 2.
Die Angeklagten brachten den Nebenkläger K. in ihre Gewalt, miss-
handelten und bedrohten ihn, um von ihm dessen Kraftwagen, die dazuge-
hörenden Fahrzeugpapiere und auch Geld zu erlangen. Im Verlauf des länger
andauernden Tatgeschehens fesselten sie ihn mit Kabelbindern. Aufgrund der
Nötigungshandlungen übergab ihnen der Nebenkläger den Wagen und veran-
lasste die Übergabe der Wagenpapiere. Lediglich mit dem Bemühen, Bargeld
zu erlangen, blieben die Angeklagten erfolglos. Diese Teilakte einer sukzessi-
ven Tatausführung stellen eine Tat im Rechtssinne dar. Der Angeklagte hat
sich deshalb einer (vollendeten) schweren räuberischen Erpressung schuldig
gemacht, die in Tateinheit mit dem erpresserischen Menschenraub, der gefähr-
lichen Körperverletzung und der Freiheitsberaubung steht.
Ansonsten hat die Nachprüfung des Urteils keinen durchgreifenden
Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben. Zwar hat das Landge-
richt, wie der Generalbundesanwalt im Einzelnen ausgeführt hat, bei der Straf-
zumessung im Fall 1 der Urteilsgründe die Prüfung einer Strafrahmenverschie-
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bung gemäß § 46b StGB unterlassen. Indes schließt der Senat aus, dass die
für diese Tat gefundene Freiheitsstrafe hierauf beruht.
Der Erfolg der Revision ist nicht so wesentlich, dass es unbillig wäre, den
Angeklagten mit den gesamten Kosten des Rechtsmittelverfahrens zu belasten
(§ 473 Abs. 4 StPO).
3. Revision des Angeklagten S.
Das Rechtsmittel bleibt ohne Erfolg, da die Nachprüfung des Urteils auf
Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des An-
geklagten ergeben hat.
Becker Pfister Schäfer
Mayer Spaniol
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