Urteil des BGH, Az. VII ZB 19/02

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BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
VII ZB 19/02
vom
23. Oktober 2003
in dem Rechtsstreit
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Der VII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 23. Oktober 2003 durch den
Vorsitzenden Richter Dr. Dressler und die Richter Prof. Dr. Thode, Dr. Wiebel,
Dr. Kuffer und Prof. Dr. Kniffka
beschlossen:
Die Rechtsbeschwerde der Klägerin gegen den Beschluß des
8. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 17. Juni 2001
wird zurückgewiesen.
Die Klägerin trägt die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens
nach einem Beschwerdewert von 415,28
Gründe:
I.
Die Bauelemente C. GmbH (im folgenden: Schuldnerin) erbrachte Lei-
stungen für eine Firma K. Wohnungsbau (später K. Bau), deren Inhaber der
Beschwerdeführer ist.
Die Klägerin als Insolvenzverwalterin über das Vermögen der Schuldne-
rin hat die Beklagte auf Werklohnzahlung in Anspruch genommen. Klage und
Ladung sind zuletzt dem weiteren Beteiligten als Geschäftsführer der K. Wohn-
bau GmbH durch Niederlegung zugestellt worden. Die Klägerin hat sodann ein
Versäumnisurteil erwirkt, das im Passivrubrum die K. Wohnbau GmbH, vertre-
ten durch den Geschäftsführer Siegfried K., ausweist und das durch Übergabe
an den weiteren Beteiligten zugestellt worden ist.
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Hiergegen hat der weitere Beteiligte Einspruch mit der Begründung ein-
legen lassen, die Beklagte existiere nicht und habe auch nie existiert, eine Ver-
tragsbeziehung habe nur zwischen der Gemeinschuldnerin und der Firma K.
Wohnungsbau bzw. der Firma K. Bau, Inhaber Siegfried K., bestanden. Auf den
Antrag der Klägerin, das Passivrubrum zu berichtigen, hat das Landgericht den
Hinweis erteilt, dies komme nicht in Betracht. Daraufhin hat die Klägerin die
Klage zurückgenommen. Auf Antrag des weiteren Beteiligten hat das Landge-
richt der Klägerin mit im Passivrubrum die K. Wohnbau GmbH ausweisendem
Beschluß die Kosten des Rechtsstreits auferlegt. Der von dem weiteren Betei-
ligten gestellte Kostenfestsetzungsantrag ist von der Rechtspflegerin zurückge-
wiesen worden. Auf die sofortige Beschwerde hat das Beschwerdegericht den
Beschluß der Rechtspflegerin abgeändert und die beantragten Kosten festge-
setzt. Dagegen richtet sich die zugelassene Rechtsbeschwerde der Klägerin.
II.
Die Rechtsbeschwerde ist unbegründet.
1. Nach Ansicht des Beschwerdegerichts sind, wenn ein Kläger eine
nicht existente Partei, wie hier eine GmbH, mit einer Klage in Anspruch nehme,
die hinter der nicht existenten Partei gegebenenfalls stehenden Personen, ins-
besondere etwa genannte gesetzliche Vertreter, berechtigt, für die nicht exi-
stente Partei bereits im Erkenntnisverfahren mit dem Ziel aufzutreten, eine Ab-
weisung der Klage als unzulässig zu erreichen oder bei bereits ergangenen
erstinstanzlichen Entscheidungen Rechtsmittel mit einem entsprechenden Ziel
einzulegen. Für den Streit um die Existenz oder Nichtexistenz einer Partei sei
die tatsächlich nicht existente Partei im Erkenntnisverfahren zunächst als exi-
stent zu behandeln. Entsprechendes müsse für das Kostenfestsetzungsverfah-
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ren gelten, denn mit dem Erkenntnisverfahren seien zwangsläufig Kosten auf
seiten der nichtexistenten Partei oder der für sie auftretenden Beteiligten ver-
bunden. Demjenigen, der auf seiten der nichtexistenten Partei zulässig ein Er-
kenntnisverfahren geführt habe, müsse im Erfolgsfall auch ein festsetzbarer
Kostenerstattungsanspruch zugebilligt werden, sei es unmittelbar im Namen der
nichtexistenten Partei oder unter ausdrücklicher Klarstellung, an welche hinter
ihr stehende Person die Kostenerstattung zu erfolgen habe.
2. Dies hält den Angriffen der Rechtsbeschwerde im Ergebnis stand.
Dem weiteren Beteiligten steht ein festsetzbarer Kostenerstattungsanspruch zu.
Insoweit bedarf die vom Beschwerdegericht aufgeworfene Frage, ob die hinter
einer nichtexistierenden Partei stehende Person kostenrechtlich wie eine Partei
zu behandeln ist, wenn sie im Verfahren gegen die nichtexistierende Partei auf-
getreten ist, keiner Entscheidung.
Der weitere Beteiligte ist bereits deshalb berechtigt, Kostenfestsetzung
zu verlangen, weil er der Beklagte des Rechtsstreits ist und der Klägerin die
Kosten des Rechtsstreits nach Klagerücknahme auferlegt worden sind.
Es entspricht ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, daß
bei unrichtiger äußerer Bezeichnung grundsätzlich die Person als Partei anzu-
sprechen ist, die erkennbar durch die Parteibezeichnung getroffen werden soll.
Es kommt darauf an, welcher Sinn der von der klagenden Partei in der Klage-
schrift gewählten Parteibezeichnung bei objektiver Würdigung des Erklärungs-
inhalts beizulegen ist (vgl. BGH, Urteil vom 24. Januar 1952 - III ZR 196/50,
BGHZ 4, 328, 334, 335; BGH, Beschluß vom 9. November 1977 - VIII ZB 34/77,
VersR 1978, 139-140; BGH, Urteil vom 26. Februar 1987 - VII ZR 58/86, NJW
;
RR 1995, 764-765).
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Die vom Rechtsbeschwerdegericht frei vorzunehmende Auslegung der in
der Klageschrift zum Ausdruck gekommenen prozessualen Willenserklärung
(vgl. BGH, Urteil vom 24. Januar 1952 - III ZR 196/50, aaO; BGH, Urteil vom
16. Mai 1983 - VIII ZR 34/82, NJW 1983, 2448-2449) führt zu dem Ergebnis,
daß im Ausgangsrechtsstreit das Unternehmen verklagt werden sollte, das der
Schuldnerin den der Werklohnklage zugrundeliegenden Auftrag erteilt hatte,
also das Unternehmen, dessen Inhaber der weitere Beteiligte ist.
Eine K. Wohnbau GmbH existierte unstreitig zu keinem Zeitpunkt. Schon
in der vorgerichtlichen Korrespondenz war das vom weiteren Beteiligten ge-
führte Unternehmen von der Schuldnerin und nachfolgend von der Klägerin
gelegentlich irrtümlich als GmbH angesprochen worden.
Dem weiteren Beteiligten war ohne weiteres erkennbar, dass sich die
Klage bei richtigem Verständnis der Bezeichnung der Beklagten gegen ihn
selbst richtete. Dies machen auch spätere Prozessvorgänge deutlich, die
ebenfalls als Auslegungsmittel in Betracht kommen (vgl. BGH, Urteil vom
26. Februar 1987 - VII ZR 58/86, aaO). Nachdem das Versäumnisurteil an ihn
als Geschäftsführer der GmbH zugestellt worden ist, hat er Rechtsanwälte be-
auftragt, die in seinem Namen für ihn persönlich Einspruch gegen das Ver-
säumnisurteil eingelegt haben. Diesen Einspruch hat er zwar in erster Linie da-
mit begründen lassen, mit der GmbH sei eine nichtexistierende Partei verklagt
worden. Er hat jedoch hilfsweise in der Sache vortragend unstreitig gestellt, daß
der der Klage zugrundeliegende Bauvertrag zwischen der Gemeinschuldnerin
und ihm als Inhaber der Einzelfirma K. Wohnbau (jetzige Bezeichnung: K. Bau)
zustande gekommen ist. Die Klägerin hat nach Einspruchseinlegung klarge-
stellt, die Beklagte sei keine GmbH, sondern eine Einzelfirma, der Vertragspart-
ner der Schuldnerin habe verklagt sein sollen, sei aber irrtümlich unzutreffend
bezeichnet worden. Auch hat der weitere Beteiligte die Ansicht vertreten, daß
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spätestens zu dem Zeitpunkt, als die Klägerin schriftsätzlich die Firma K. Bau in
Anspruch genommen habe, ein Rechtsstreit gegen ihn anhängig geworden sei.
Daraus ergibt sich, daß nicht etwa eine nicht existente Partei in der
Rechtsform einer GmbH, sondern der weitere Beteiligte, wenn auch unter einer
objektiv unrichtigen Bezeichnung, verklagt sein sollte. Folgerichtig hat dieser
auch den der Kostengrundentscheidung des Landgerichts zugrundeliegenden
Kostenantrag gestellt. Daß der Kostenbeschluß des Landgerichts den weiteren
Beteiligten noch mit der unrichtigen Bezeichnung K. Wohnbau GmbH im Pas-
sivrubrum nennt, steht einer Kostenfestsetzung zu seinen Gunsten nicht entge-
gen, weil dieser Beschluß ebenso wie der Kostenfestsetzungsbeschluß gemäß
§ 319 ZPO jederzeit berichtigt werden kann.
3. Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.
Dressler Thode Wiebel
Kuffer Kniffka