Urteil des BGH vom 18.06.2014, III ZR 537/13

Entschieden
18.06.2014
Schlagworte
Durchgriff, Geschäftsführung, Erwerb, Reiter, Risikoverteilung, Erbberechtigung, Herausgabe, Verfügung, übereinstimmung, Rückzahlung
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BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

III ZR 537/13

vom

18. Juni 2014

in dem Rechtsstreit

Der III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 18. Juni 2014 durch den

Vizepräsidenten Schlick und die Richter Seiters, Tombrink, Dr. Remmert und

Reiter

beschlossen:

Die Beschwerde des Beklagten gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 15. Zivilsenats des Oberlandesgerichts

Karlsruhe vom 5. Juli 2013 - 15 U 174/12 - wird zurückgewiesen.

Der Beklagte hat die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen.

Der Streitwert wird auf 66.119,56 festgesetzt.

Gründe:

1Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unbegründet, weil weder die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat noch die Fortbildung des Rechts oder die

Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts erfordert 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO).

21. Einen Aufwendungsersatzanspruch des beklagten Erbenermittlers gegen

die Klägerinnen (Erbinnen) aus Geschäftsführung ohne Auftrag (§§ 677, 683,

670 BGB) hat das Berufungsgericht in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des erkennenden Senats (Senatsurteile vom 23. September 1999 - III ZR

322/98, NJW 2000, 72 f und vom 23. Februar 2006 - III ZR 209/05, NJW-RR

2006, 656) zutreffend abgelehnt. Für den vorliegenden Fall kommt hinzu, dass

der Beklagte nach seinem eigenen - unstreitigen - Vorbringen zum Zwecke des

Nachweises des Erbrechts der Brüder Sch. (Scheinerben) beauftragt worden und somit in deren Interesse tätig geworden ist.

32. Einen bereicherungsrechtlichen Durchgriff der Klägerinnen gegen den

Beklagten entsprechend § 816 Abs. 1 Satz 2 BGB - gerichtet auf Rückzahlung

des Honorars, das der Beklagte von den Scheinerben aus Mitteln des Nachlasses erhalten hat - hat das Berufungsgericht rechtsfehlerfrei bejaht.

4a) Der Bundesgerichtshof hat bei rechtsgrundloser Verfügung des Nichtberechtigten einen "Durchgriff" des Berechtigten gegen den Erwerber (Dritten)

analog § 816 Abs. 1 Satz 2 BGB für zulässig erachtet, wenn der Erwerber (Dritte) nicht schutzbedürftig ist; dann kann der rechtsgrundlose Erwerb im Einzelfall

dem unentgeltlichen Erwerb gleichgestellt werden (BGH, Urteil vom 12. Juli

1962 - VII ZR 28/61, BGHZ 37, 363, 368 ff; hinsichtlich der Frage, ob eine Gewinnchance ein Gegenwert ist, relativiert im Urteil vom 25. April 1967 - VII ZR

1/65, BGHZ 47, 393, 395 f). Diese letztlich auf die Umstände des Einzelfalls

abstellende Linie verfolgt der Bundesgerichtshof generell für bereicherungsrechtliche Ansprüche im Mehrpersonenverhältnis. Ob die Rückabwicklung "im

Dreieck" (hier: "Doppelkondiktion") oder im "Durchgriff" ("Einheitskondiktion")

stattfindet, entzieht sich jeder schematischen Betrachtung, sondern ist in erster

Linie anhand der Besonderheiten des Falles im Hinblick auf eine sachgerechte

bereicherungsrechtliche Abwicklung unter Berücksichtigung des Vertrauensschutzes und der Risikoverteilung zwischen den Beteiligten der Vermögensverschiebung zu beurteilen (s. etwa Senatsurteil vom 4. Februar 1999 - III ZR

56/98, NJW 1999, 1393, 1394 mwN; BGH, Urteil vom 18. Januar 2012 - I ZR

187/10, NJW 2012, 2034, 2038 Rn. 46).

5b) Ausgehend davon hat das Berufungsgericht für den vorliegenden Fall

zu Recht einen "Durchgriff" der Klägerinnen gegen den Beklagten analog § 816

Abs. 1 Satz 2 BGB gebilligt. Dem Beklagten werden hierdurch keine Gegenrechte genommen, die er (wie bei einer Doppelkondiktion, s. § 404 BGB) sonst

gegen die Brüder Sch. geltend machen könnte. Den Brüdern Sch. (seinen Auftraggebern) gegenüber hat der Beklagte keine Befugnis zum Behaltendürfen des streitigen Honorars. Wie beide Vorinstanzen zu Recht ausgeführt

haben, ergibt sich aus der Honorarvereinbarung, dass dem Beklagten das Honorar nur dann zustehen soll, wenn den Brüdern Sch. das Nachlassvermögen dauerhaft und rechtmäßig - als wirklichen Erben - zufällt (vgl. für einen ähnlich gelagerten Fall auch KG, MDR 2009, 497 f). Da diese Voraussetzung nicht

erfüllt ist, hat der Beklagte das Honorar ohne rechtlichen Grund erlangt und ist

er mithin zur Herausgabe des Honorars verpflichtet. Auch sonst stehen ihm keine Gegenrechte gegen die Brüder Sch. zu. Er hat diesen mit seinen Nachforschungen zur Erbberechtigung insbesondere keinen vermögenswerten Vorteil zugewendet, da sie nicht Erben sind. Weder von den Brüdern Sch. noch

von den Klägerinnen kann der Beklagte Aufwendungsersatzanspruch aus Geschäftsführung ohne Auftrag verlangen (s.o., unter 1). Daher wird dem Beklagten mit der Gestattung des "Durchgriffs" nichts genommen. Er ist also nicht

schutzbedürftig. Nach den Rechtsprechungsgrundsätzen des Bundesgerichtshofs dürfen die Klägerinnen mithin direkt beim Beklagten kondizieren.

6Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbsatz 2 ZPO abgesehen.

Schlick Seiters Tombrink

Remmert Reiter

Vorinstanzen:

LG Baden-Baden, Entscheidung vom 19.11.2012 - 4 O 55/12 -

OLG Karlsruhe, Entscheidung vom 05.07.2013 - 15 U 174/12 -

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 278/01 vom 17.10.2001

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 245/01 vom 17.10.2001

Leitsatzentscheidung

NotZ 39/02 vom 31.03.2003

Anmerkungen zum Urteil