Urteil des BGH vom 16.10.2012
BGH: haftpflichtversicherer, ermessen, hauptsache
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
VI ZR 127/12
vom
16. Oktober 2012
in dem Rechtsstreit
- -
2
Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 16. Oktober 2012 durch den
Vorsitzenden Richter Galke, den Richter Wellner, die Richterin Diederichsen,
den Richter Pauge und die Richterin von Pentz
beschlossen:
Die Kosten des Rechtsstreits werden der Beklagten auferlegt.
Streitwert des Revisionsverfahrens: 158,99
€
Gründe:
Der Kläger hat den Rechtsstreit in der Hauptsache für erledigt erklärt,
nachdem die Beklagten die noch im Streit stehende Forderung nebst Zinsen
und Kosten beglichen haben. Mit Schriftsatz vom 4. September 2012 haben die
zweitinstanzlichen Prozessbevollmächtigten der Beklagten nach Belehrung der
Erledigungserklärung des Klägers nicht widersprochen (§ 91a Abs. 1 Satz 2
ZPO) und mitgeteilt, die mit der Revision geltend gemachte Forderung werde
anerkannt und sei zwischenzeitlich beglichen worden. Zwar sind die Prozess-
bevollmächtigten zweiter Instanz der Beklagten mangels Zulassung vor dem
Bundesgerichtshof grundsätzlich nicht postulationsfähig (§ 78 Abs. 1 Satz 3
ZPO). Die Entscheidung gemäß § 91a Abs. 1 Satz 1 ZPO ergeht jedoch im Ver-
fahren außerhalb der mündlichen Verhandlung und unterliegt insoweit nicht
dem Anwaltszwang (§ 91a Abs. 1, § 78 Abs. 3 ZPO; vgl. BGHZ 123, 264, 266;
1
- -
3
Senatsbeschlüsse vom 10. Februar 2004 - VI ZR 110/03, DAR 2004, 344 und
vom 15. September 2011 - VI ZR 137/11, AGS 2012, 40).
Der Beklagten sind unter Berücksichtigung des bisherigen Sach- und
Streitstands nach billigem Ermessen die Kosten des Rechtsstreits aufzuerlegen
(§ 91a ZPO). Dies ergibt sich unter den besonderen Umständen des vorliegen-
den Falles schon daraus, dass sich der beklagte Haftpflichtversicherer durch
die Zahlung der Klageforderung in die Rolle des Unterlegenen begeben hat.
Der Senat stellt darauf bei Verkehrsunfallsachen in ständiger Rechtsprechung
dann ab, wenn der beklagte Haftpflichtversicherer den mit der Klage geforder-
ten Betrag zahlt und erklärt, die Kosten des Rechtsstreits übernehmen zu wol-
len. Im vorliegenden Fall gilt nichts anderes. Zwar fehlt die ausdrückliche Erklä-
rung, die Kosten des Rechtsstreits übernehmen zu wollen. Doch ist nicht er-
kennbar, dass die Zahlung aus anderen Gründen erfolgt ist als dem, dass der
Rechtsstandpunkt des Klägers im Ergebnis hingenommen wird. Die Beklagten
haben auf die Revisionsbegründung des Klägers nicht erwidert, der Erledi-
gungserklärung nicht widersprochen und die Kosten des Rechtsstreits gezahlt.
Bei dieser Sachlage hat der Senat nicht mehr zu prüfen, ob die vom Kläger ver-
folgte Forderung bis zur Erledigungserklärung begründet war oder nicht (vgl.
2
- -
4
Senatsbeschlüsse vom 21. September 2010 - VI ZR 11/10 und vom 15. Sep-
tember 2011 - VI ZR 137/11, aaO, jeweils mwN).
Galke
Wellner
Diederichsen
Pauge
von Pentz
Vorinstanzen:
AG Hersbruck, Entscheidung vom 14.04.2011 - 2 C 174/11 -
LG Nürnberg-Fürth, Entscheidung vom 16.02.2012 - 2 S 3976/11 -