Urteil des BGH vom 26.09.2013
BGH: unrichtige rechtsmittelbelehrung, verfügung, verfassungsbeschwerde, freiheitsentziehung, anfechtung, inhaftierung, rechtswidrigkeit, überprüfung
BUNDESGERICHTSHOF
BESCHLUSS
V ZB 84/13
vom
26. September 2013
in der Zurückschiebungshaftsache
- 2 -
Der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 26. September 2013 durch die
Vorsitzende
Richterin
Dr. Stresemann
und
die
Richter
Dr. Lemke,
Prof. Dr. Schmidt-Räntsch, Dr. Czub und Dr. Kazele
beschlossen:
Die Rechtsbeschwerde des Betroffenen gegen den Beschluss der
2. Zivilkammer des Landgerichts Görlitz vom 7. Mai 2013 wird als
unzulässig verworfen.
Gerichtskosten werden nicht erhoben. Im Übrigen trägt der Be-
troffene die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens.
Der Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens beträgt
1.500
€.
Gründe:
I.
Das Amtsgericht hat auf Antrag der beteiligten Behörde mit Beschluss
vom 15. März 2013 im Wege der einstweiligen Anordnung vorläufige Haft zur
Sicherung der Zurückschiebung des Betroffenen bis längstens 11. April 2013
und die sofortige Wirkung der Entscheidung angeordnet. Auf weiteren Antrag
der beteiligten Behörde hat es mit Beschluss vom 10. April 2013 endgültige Haft
zur Sicherung der Zurückschiebung bis zum 16. April 2013 angeordnet und die
einstweilige Anordnung vom 15. März 2013 aufgehoben. Am 16. April 2013 ist
1
- 3 -
der Betroffene nach Polen zurückgeschoben worden. Auf seine Beschwerde
hat das Landgericht festgestellt, dass der Beschluss des Amtsgerichts vom
15. März 2013 ihn in seinen Rechten verletzt hat, aber davon abgesehen, die
Erstattung der außergerichtlichen Kosten des Betroffenen durch den Träger der
beteiligten Behörde anzuordnen. Dagegen wendet sich der Betroffene mit der
Rechtsbeschwerde.
II.
Das Beschwerdegericht hält die Haftanordnung für rechtswidrig, weil
dem Betroffenen keine schriftliche Übersetzung des Haftantrags in dessen rus-
sischer Heimatsprache ausgehändigt worden sei. Da dieser Fehler dem Amts-
gericht anzulasten sei, sei es nicht gerechtfertigt, der beteiligten Behörde die
außergerichtlichen Kosten des Betroffenen aufzuerlegen.
III.
1. Das Rechtsmittel ist nicht statthaft.
a) Dafür kann offen bleiben, ob die Rechtsbeschwerde des Betroffenen
in Freiheitsentziehungssachen auch dann nach § 70 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3
FamFG ohne Zulassung statthaft wäre, wenn sie sich, wie hier, auf die Anfech-
tung der Kostenentscheidung beschränkt.
b) Hier ist die Rechtsbeschwerde jedenfalls nach § 70 Abs. 4 FamFG
ausgeschlossen. Danach findet die Rechtsbeschwerde gegen einen Beschluss
im Verfahren über die Anordnung, Abänderung oder Aufhebung einer einstwei-
ligen Anordnung nicht statt. Dazu gehören auch Entscheidungen im Verfahren
2
3
4
5
- 4 -
über einstweilige Anordnungen in Freiheitsentziehungssachen (Senat, Be-
schlüsse vom 11. November 2010 - V ZB 123/10, juris Rn. 3 und vom
3. Februar 2011 - V ZB 128/10, FGPrax 2011, 148 Rn. 4 f.). Ein solcher Fall
liegt hier vor. Das Amtsgericht hat mit dem Beschluss vom 15. März 2013 die
vorläufige Inhaftierung des Betroffenen im Wege der einstweiligen Anordnung
angeordnet und sich hierzu auf § 427 FamFG gestützt. Das Landgericht, des-
sen Kostenentscheidung angegriffen wird, hat die Rechtswidrigkeit dieser Ent-
scheidung festgestellt. Damit hat es sein Bewenden.
c) Nichts anderes ergäbe sich, wenn das Amtsgericht, wie der Betroffene
mutmaßt,
„offenbar in ständiger Rechtsprechung trotz Vorliegens der Anord-
nungsvoraussetzungen die Freiheitsentziehung nur einstweilen anordnet[e], […]
um dem Betroffenen den Weg in die Rechtsbeschwerde zu versperren
“. Nach
der Entscheidung des Gesetzgebers stehen für die Überprüfung derartiger Ver-
fahrensweisen nur die Beschwerde zum Landgericht und gegebenenfalls die
Verfassungsbeschwerde zur Verfügung, nicht jedoch die Rechtsbeschwerde
zum Bundesgerichtshof. Mehr ist verfassungsrechtlich nicht geboten (vgl. Se-
nat, Beschluss vom 3. Februar 2011 - V ZB 128/10, FGPrax 2011, 148 Rn. 7).
d) Es muss deshalb nicht entschieden werden, ob die Mutmaßung des
Betroffenen eine tragfähige Grundlage hat oder ob sich die Verfahrensweise
des Amtsgerichts daraus erklärt, dass das Beschwerdegericht auch in einfa-
chen Sachverhalten stets die vorherige Aushändigung einer schriftlichen Über-
setzung des Haftantrags verlangt. Das ist nach der Rechtsprechung des Bun-
desgerichtshofs allerdings nicht erforderlich (Beschlüsse vom 4. März 2010
- V ZB 222/09, BGHZ 184, 323, 331 Rn. 16 f., vom 6. Dezember 2012 - V ZB
224/11, FGPrax 2013, 87 Rn. 11 und vom 12. Juli 2013 - V ZB 224/12, juris
Rn. 10).
6
7
- 5 -
2. Die Kostenentscheidung beruht auf § 84 FamFG. Der Senat hat die
Nichterhebung der Gerichtskosten nach § 16 KostO angeordnet, weil die Einle-
gung des nicht statthaften Rechtsmittels durch die unrichtige Rechtsmittelbeleh-
rung des Beschwerdegerichts veranlasst worden ist.
Stresemann
Lemke
Schmidt-Räntsch
Czub
Kazele
Vorinstanzen:
AG Görlitz, Entscheidung vom 15.03.2013 - XIV B 13/13 -
LG Görlitz, Entscheidung vom 07.05.2013 - 2 T 51/13 -
8