Urteil des BGH vom 10.02.2010, VIII ZR 253/08

Entschieden
10.02.2010
Schlagworte
Winzer, Eigenschaft, Zugesicherte eigenschaft, Vertragliche haftung, Verwendung, Zusicherung, Wein, Sache, Höhe, Handelsvertreter
Urteil herunterladen

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

VIII ZR 253/08 Verkündet am: 17. März 2010 Vorusso, Justizhauptsekretärin als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk: ja

BGHZ: nein

BGHR: ja

BGB §§ 434, 443, 459 aF, 463 aF, 280

Zur Frage der Einstandspflicht des Verkäufers von Kunststoffverschlüssen für Weinflaschen im Hinblick auf die Haltbarkeit der damit verschlossenen Weine.

BGH, Urteil vom 17. März 2010 - VIII ZR 253/08 - OLG Köln LG Bonn

Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung

vom 10. Februar 2010 durch den Vorsitzenden Richter Ball, die Richter

Dr. Achilles und Dr. Schneider, die Richterin Dr. Fetzer sowie den Richter

Dr. Bünger

für Recht erkannt:

Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des 7. Zivilsenats

des Oberlandesgerichts Köln vom 28. August 2008 aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch

über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand:

1Die Klägerin betreibt ein Weingut. Die Beklagte produziert und vertreibt

unter anderem Kunststoffkorken für Weinflaschen. Die Klägerin bestellte bei der

Beklagten über den Handelsvertreter H. ab April 2000 insgesamt

93.489 Kunststoffkorken; die letzten Bestellungen über jeweils 20.000 Stück

datieren vom 12. März und 4. Mai 2002. Im Jahr 2005 liefen erstmals Reklamationen von Kunden der Klägerin ein, dass die mit Kunststoffkorken der Beklagten verschlossenen Weine ungenießbar seien. Am 5. Juli 2005 teilte die Klägerin dies der Beklagten mit.

Mit der Klage hat die Klägerin die Beklagte auf Zahlung von insgesamt 2

129.285,51 in Anspruch genommen. Zur Begründung hat sie vorgetragen,

sämtliche ihrer mit Kunststoffkorken der Beklagten verschlossenen Weine seien

aufgrund des unzureichenden Oxidationsschutzes der Verschlüsse binnen eines Zeitraums von zwei bis drei Jahren ungenießbar geworden. In dem mit dem

Handelsvertreter H. geführten Verkaufsgespräch sei ihr jedoch zugesichert worden, dass mit den Kunststoffkorken eine qualitätssichernde Verkorkungsdauer von mindestens fünf bis sechs Jahren erzielt werden könne. Aufgrund der nicht eingehaltenen Zusicherung sei Wein im Verkaufswert von

114.129,67 ungenießbar geworden. Für den verdorbenen Wein seien der

Klägerin Lagerkosten in Höhe von 5.196,78 sowie Entsorgungskosten in Höhe von 6.184,06 entstanden. Zudem habe sie Nacherfüllungsforderungen ihrer Kunden erfüllen müssen, die weitere Schäden in Höhe von 3.775 verursacht hätten. Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Das Berufungsgericht

hat der Klägerin unter Zurückweisung der weitergehenden Berufung Schadensersatz in Höhe von 60.209,41 nebst Zinsen zuzüglich einer monatlichen Zahlung von 138 auf die insgesamt zu erwartenden Entsorgungskosten zugesprochen.

3Mit der vom Senat zugelassenen Revision erstrebt die Beklagte die Wiederherstellung des erstinstanzlichen Urteils.

Entscheidungsgründe:

4Die Revision hat Erfolg.

I.

5Das Berufungsgericht hat - soweit revisionsrechtlich von Interesse - ausgeführt:

6Die Klägerin habe gegen die Beklagte einen Schadensersatzanspruch

gemäß § 463 Satz 1, § 459 Abs. 2 BGB aF, da den von ihr vertriebenen Kunststoffkorken eine von der Beklagten zugesicherte Eigenschaft gefehlt habe. Der

Klägerin sei jedenfalls konkludent zugesichert worden, dass auch mit der Verwendung von Kunststoffkorken, ähnlich wie bei der Verwendung von Naturkorken, eine Lagerfähigkeit der hiermit verschlossenen Weine von fünf bis sechs

Jahren ermöglicht werde. Diese Zusicherung sei nicht eingehalten worden, da

mit den von der Beklagten vertriebenen Kunststoffkorken üblicherweise nur eine

Lagerfähigkeit des Weines von maximal drei Jahren erreicht werde.

7Die Zusicherung ergebe sich vorliegend zum einen aus dem von der

Beklagten verbreiteten Werbematerial, mit dem Kunststoffkorken als "Alternative zum Naturkork" beworben worden seien. Diese Werbung sei im Zusammenhang mit dem auf der Website des Handelsvertreters H. befindlichen

Hinweis zu sehen, mit der Verwendung von Kunststoffkorken könne eine

"enorme Qualitätssicherung für Ihre Kunden" erreicht werden. Zudem habe der

Handelsvertreter der Beklagten unstreitig die mit Naturkork vergleichbare Lagerfähigkeit des Weines eigens hervorgehoben, indem er im Kundengespräch

mit einem Vertreter der Klägerin darauf hingewiesen habe, dass einzelne Winzer sogar Weine mit typisch langer Lagerzeit (z.B. Beerenauslesen) mit Kunststoffkorken der Beklagten verschlössen. Mit dem Einwand, der Zeuge H.

habe durch diese Bemerkung lediglich auf den Wagemut einiger Winzer

verweisen wollen, könne die Beklagte nicht gehört werden, denn es komme

nicht darauf an, wie die Beklagte die Bemerkung verstanden wissen wolle, sondern allein darauf, wie die Klägerin sie aus ihrem objektiven Empfängerhorizont

habe verstehen dürfen. Angesichts der dem Handelsvertreter der Beklagten für

die Kaufentscheidung der Klägerin bekannten Bedeutung der Lagerfähigkeit

habe die Klägerin die Aussage dahin verstehen dürfen, dass mit Kunststoffkorken die gleiche Lagerfähigkeit des Weines erreicht werde wie durch die Verwendung von Naturkorken, zumal diese Erklärung durch die Benennung von

Referenzadressen anderer Winzer noch verstärkt worden sei.

II.

8Diese Beurteilung des Berufungsgerichts hält revisionsrechtlicher Nachprüfung nicht stand. Die vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen vermögen seine Auffassung, der Klägerin sei konkludent eine Eigenschaft zugesichert worden, nicht zu tragen.

9Jedenfalls soweit Lieferungen der Beklagten auf Bestellungen der Klägerin vor dem 1. Januar 2002 beruhen, sind gemäß Art. 229 § 5 Satz 1 BGB die

bis zum 31. Dezember 2001 geltenden Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches anwendbar. Danach besteht eine vertragliche Haftung der Beklagten

gemäß § 463 Satz 1, § 459 Abs. 2 BGB aF nicht.

Ob eine Angabe zur Kaufsache lediglich deren Beschreibung dient 10

459 Abs. 1 aF BGB) oder mit ihr eine Eigenschaft zugesichert wird 459

Abs. 2 BGB aF), ist wie bei jeder Willenserklärung nach anerkannten Auslegungsgrundsätzen (§§ 133, 157 BGB) in erster Linie danach zu beurteilen, in

welchem Sinn sie der Geschäftsgegner als Erklärungsempfänger verstehen

durfte. Entscheidend für die Annahme einer Zusicherung ist, dass aus Sicht des

Käufers der Wille des Verkäufers erkennbar wird, in vertragsmäßig bindender

Weise die Gewähr für das Vorhandensein einer Eigenschaft der Kaufsache zu

übernehmen, und der Verkäufer damit seine Bereitschaft zu erkennen gibt, für

alle Folgen des Fehlens dieser Eigenschaft einzustehen (Senatsurteile vom

17. April 1991 - VIII ZR 114/90, WM 1991, 1224, unter II 2 a aa; vom 21. April

1993 - VIII ZR 113/92, NJW 1993, 1854, unter II 1 a; vgl. auch Senatsurteil vom

29. November 2006 - VIII ZR 92/06, NJW 2007, 1346, Tz. 20 zur Beschaffenheitsgarantie nach § 443 Abs. 1 Alt. 1, § 444 Alt. 2 BGB; jeweils m.w.N.). Die

Einstandspflicht des Verkäufers erstreckt sich hierbei gemäß § 463 Satz 1 BGB

aF auch auf die Verpflichtung zum Schadensersatz, wobei Schadensersatz

selbst dann zu leisten ist, wenn den Verkäufer hinsichtlich des Fehlens der zugesicherten Eigenschaft kein Verschulden trifft 276 Abs. 1 Satz 1 BGB), während dem Käufer gemäß § 464 BGB aF nur positive Kenntnis des Mangels

schadet (Senatsurteile vom 13. Mai 1998 - VIII ZR 292/97, WM 1998, 1590,

unter II; vom 20. März 1996 - VIII ZR 109/95, WM 1996, 1592, unter II 1 b). Mit

Rücksicht auf diese weitreichenden Folgen ist insbesondere bei der Annahme

einer - grundsätzlich möglichen - konkludenten Übernahme einer solchen

Einstandspflicht Zurückhaltung geboten (BGHZ 128, 111, 114; 132, 55, 57 ff.;

Senatsurteil vom 13. Dezember 1995 - VIII ZR 328/94, WM 1996, 452, unter II 2

a; jeweils m.w.N.).

11Ausgehend hiervon reichen die vom Berufungsgericht festgestellten Umstände im Streitfall nicht aus, um eine konkludente Zusicherung der Beklagten

des Inhalts annehmen zu können, mit den von ihr vertriebenen Kunststoffkorken

werde, ähnlich wie bei Naturkorken, eine Lagerfähigkeit des hiermit verschlossenen Weines von fünf bis sechs Jahren oder länger ermöglicht. Sowohl die

Broschüre der Beklagten, mit der Kunststoffkorken als "Alternative zum Naturkork" beworben wurden, als auch der Hinweis auf der Website des Handelsvertreters der Beklagten, mit der Verwendung von Kunststoffkorken könne eine

"ernorme Qualitätssicherung für Ihre Kunden" erreicht werden, erschöpfen sich

in der anpreisenden Beschreibung der Kaufsache, der ein Haftungswille nicht

entnommen werden kann. Daran vermag auch die - unstreitige - Äußerung des

Handelsvertreters der Beklagten, einige Winzer verschlössen sogar langlebige

Weine mit Kunststoffkorken, nichts zu ändern. Entgegen der Auffassung der

Revision hat es das Berufungsgericht allerdings aus der maßgeblichen Sicht

der Klägerin zutreffend als zweifelhaft erachtet, hierin lediglich einen Hinweis

auf den Wagemut mancher Winzer zu sehen. Es erscheint jedenfalls - je nach

dem Gesprächskontext, in dem die Bemerkung fiel - nicht ausgeschlossen,

dass die Klägerin diese Bemerkung dahin verstehen durfte, die Beklagte sei

damals der Auffassung gewesen, ein verantwortungsbewusster Winzer könne

selbst langlebige Weine mit Kunststoffkorken der Beklagten fachgerecht und

qualitätssichernd verschließen. Eine konkludente Zusicherung, mit Kunststoffkorken der Beklagten verschlossene Weine hätten die gleiche Haltbarkeit wie

mit Naturkorken verschlossene Weine, liegt hierin jedoch noch nicht. Denn es

fehlt jeder Anhaltspunkt für die Annahme, mit den Angaben habe die Beklagte

- aus der maßgeblichen Sicht der Klägerin - in vertragsmäßig bindender Weise

die Bereitschaft zu erkennen gegeben, für alle Folgen des Fehlens dieser Beschaffenheit verschuldensunabhängig einstehen zu wollen.

III.

12Das Berufungsurteil ist daher aufzuheben 562 Abs. 1 Satz 1 BGB).

Die Sache ist zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO), da der Senat in der Sache

nicht abschließend entscheiden kann. Der von der Klägerin erhobene Anspruch

richtet sich ausschließlich auf den Ersatz von ihr behaupteter Mangelfolgeschäden, die ihr durch die Verwendung von Kunststoffkorken der Beklagten entstanden seien. Ob die hierauf gerichtete Klage insgesamt abweisungsreif ist, kann

auf der Grundlage der getroffenen Feststellungen derzeit nicht abschließend

beurteilt werden.

131. Das Berufungsgericht hat den Anspruch der Klägerin bisher nur auf

der Grundlage der bis zum 31. Dezember 2001 geltenden Vorschriften des

Bürgerlichen Gesetzbuches unter dem rechtlichen Gesichtspunkt des Fehlens

einer zugesicherten Eigenschaft 459 Abs. 2, § 463 Satz 1 BGB aF) geprüft.

Ein Schadensersatzanspruch der Klägerin könnte sich jedoch auch aus positiver Vertragsverletzung ergeben, falls die von der Beklagten gelieferten Kunststoffkorken einen Fehler aufwiesen, der ihre Tauglichkeit zu dem nach dem

Vertrag vorausgesetzten Gebrauch aufhob oder beeinträchtigte 459 Abs. 1

BGB aF), und dadurch ein Schaden an weiteren Rechtsgütern der Klägerin

- hier dem Wein - entstanden ist. Ein derartiger Mangel könnte sich nach den

bislang vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen aus der Äußerung

des Handelsvertreters der Beklagten ergeben, einige Winzer verschlössen

selbst langlebige Weine (z.B. Beerenauslesen) mit Kunststoffkorken der Beklagten. Denn dieser Erklärung könnte - wie dargelegt (siehe oben II) - aus der

maßgeblichen Sicht der Klägerin unter Umständen entnommen werden, ein

verantwortungsbewusster Winzer könne selbst langlebige Weine, die regelmäßig eine längere als die durch den Verschluss mit Kunststoffkorken üblicherweise erreichbare Haltbarkeit von drei Jahren aufweisen, mit den Produkten der

Beklagten fachgerecht und qualitätssichernd verschließen. Ob der Bemerkung

dieser Sinngehalt beigemessen werden kann und sie mit diesem Verständnis

Grundlage der vertraglichen Vereinbarungen der Parteien geworden ist, kann

derzeit nicht abschließend beurteilt werden; denn es kommt entscheidend auf

den gesamten Gesprächskontext an, in dem die Erklärung des Handelsvertreters fiel. Hierzu hat das Berufungsgericht bislang keine Feststellungen getroffen. Auch rügt die Revision in diesem Zusammenhang zu Recht, dass das Berufungsgericht insoweit erheblichen Sachvortrag der Beklagten übergangen hat.

Die Beklagte hat unter Beweisantritt vorgetragen, dass es in den Verkaufsgesprächen mit dem Zeugen H. um den Verschluss sogenannter "schnell

drehender Weine" gegangen sei, die üblicherweise innerhalb von ein bis zwei

Jahren getrunken würden. Damit hat sich das Berufungsgericht bislang nicht

auseinandergesetzt. Dies wird nachzuholen sein. Denn sollte dies zutreffen,

konnte die Klägerin eine längere, über drei Jahre hinausgehende Haltbarkeit

der mit Kunststoffkorken der Beklagten verschlossenen Weine bereits nach

dem Vertragszweck nicht erwarten.

Wie die Revision zutreffend ausführt, wird sich das Berufungsgericht 14

darüber hinaus - neben dem Gesichtspunkt des Verschuldens

276 Abs. 1 Satz 1 BGB) - auch mit dem Vorbringen der Beklagten zu beschäftigen haben, der Klägerin sei bereits ab Mitte des Jahres 2001 bekannt

gewesen, dass die Kunststoffkorken der Beklagten einen zuverlässigen Oxidationsschutz nicht gewährleisteten. Hierauf könnte eine protokollierte Aussage

der Klägerin im Termin vor dem Landgericht am 3. September 2007 hindeuten,

wonach die Klägerin erklärt habe, dass ihr im Jahre 2001 ein "penetranter Geschmack der Weine" aufgefallen sei, der "mit den Kunststoffkorken der Beklagten zu tun" gehabt habe.

152. Das Berufungsgericht hat für seine rechtliche Würdigung ausschließlich die bis zum 31. Dezember 2001 geltenden Vorschriften des Bürgerlichen

Gesetzbuches herangezogen. Dies ist indes nach den getroffenen Feststellungen nicht zweifelsfrei, denn danach hat die Klägerin am 12. März und 4. Mai

2002 jeweils 20.000 Korken bestellt. Weitere Feststellungen zu Inhalt und Ausgestaltung der Lieferbeziehungen der Parteien sind in den Tatsacheninstanzen

nicht getroffen worden. Auf dieser Grundlage kann derzeit nicht beurteilt werden, ob die bis zum 31. Dezember 2001 geltenden Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches auch auf die im Jahr 2002 erfolgten Bestellungen anwend-

bar sind. Denn dies wäre gemäß Art. 229 § 5 Satz 2 EGBGB nur dann der Fall,

wenn sich die Lieferbeziehung der Parteien als vor dem 1. Januar 2002 entstandenes, bis in das Jahr 2002 hinein reichendes Dauerschuldverhältnis darstellen würde. Dies wäre etwa anzunehmen, wenn bereits im Jahr 2000 eine

verbindliche Liefervereinbarung über von der Klägerin sukzessive abzurufende

Teilmengen zustande gekommen wäre. Sollten sich die Bestellungen der Klägerin hingegen als jeweils selbständige Kaufverträge darstellen, sind auf die

Bestellungen der Klägerin aus dem Jahr 2002 die ab dem 1. Januar 2002 geltenden Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches anzuwenden. In diesem

Fall wären für die aufgrund der Bestellungen aus dem Jahr 2002 gelieferten

Korken lediglich Ansprüche der Klägerin aus einer Beschaffenheitsgarantie gemäß § 443 BGB zu verneinen, da hierfür die gleichen - hier nicht vorliegenden

(siehe oben II) - Anforderungen erfüllt sein müssen wie bei einer zugesicherten

Eigenschaft nach § 459 Abs. 2 BGB aF (Senatsurteil vom 29. November 2006,

aaO). Dagegen käme nach dem seit dem 1. Januar 2002 geltenden Recht hinsichtlich der Bestellungen vom 14. März und 4. Mai 2002 ein (allerdings verschuldensabhängiger) Schadensersatzanspruch der Klägerin aus § 437 Nr. 3,

§ 280 Abs. 1 BGB in Betracht.

16a) Gemäß § 434 Abs. 1 Satz 1 BGB liegt ein Sachmangel der Kaufsache

vor, wenn dieser eine vertraglich vereinbarte Beschaffenheit fehlt. Eine derartige Beschaffenheitsvereinbarung könnte sich nach den bislang vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen, je nach dem Gesprächskontext, aus der

Äußerung des Handelsvertreters der Beklagten ergeben, einige Winzer verschlössen selbst langlebige Weine (z.B. Beerenauslesen) mit Kunststoffkorken

der Beklagten (siehe oben III 1). Auch hinsichtlich dieses möglichen Anspruchs

der Klägerin wird sich das Berufungsgericht mit der von der Beklagten behaupteten Kenntnis der Klägerin von der mangelnden Eignung der Produkte der Beklagten zu beschäftigen haben 442 Abs. 1 Satz 1 BGB).

b) Sollte das Berufungsgericht eine Beschaffenheitsvereinbarung nach 17

§ 434 Abs. 1 Satz 1 BGB verneinen, könnte sich die Mangelhaftigkeit der

Kunststoffkorken aus § 434 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2, Satz 3 BGB ergeben, da die

Kunststoffkorken von der Beklagten als "Alternative zum Naturkork" beworben

wurden, mit deren Verwendung nach den Aussagen auf der Website des Handelsvertreters H. eine "enorme Qualitätssicherung für Ihre Kunden"

erreicht werden könne. Die öffentlichen Äußerungen der Beklagten beziehungsweise ihres Handelsvertreters hätten - worauf die Revision zutreffend

hinweist (RB 4-6) - allerdings schon dann keine Bedeutung für die Kaufentscheidung der Klägerin gewinnen können, wenn sie bei Vertragsschluss in dieser Form noch gar nicht vorlagen. Dies hat die Beklagte behauptet. Zu dieser

gemäß § 434 Abs. 1 Satz 3 Halbs. 2 BGB von der Beklagten zu beweisenden

Tatsache sind bislang keine Feststellungen getroffen worden.

3. Unabhängig davon könnte ein Anspruch der Klägerin aus § 823 Abs. 1 18

BGB gegeben sein. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann

eine Verletzung des Eigentums an einer Sache nicht nur durch eine Beeinträchtigung der Sachsubstanz, sondern auch durch die sonstige Verletzung des Integritätsinteresses des Käufers erfolgen, etwa dadurch, dass durch einen

Sachmangel auf die Nutzungs- und Verkaufsfähigkeit der Sache eingewirkt wird

(BGHZ 55, 153, 159). So kann zum Beispiel eine über die Störung des Äquivalenzinteresses hinaus gehende, das Eigentum des Käufers verletzende Handlung darin gesehen werden, dass eine mangelhafte Verkorkung den damit verschlossenen Wein stärker als normal oxidieren lässt und der Wein deshalb wegen Qualitätsminderung seine amtliche Prüfnummer verliert (BGH, Urteil vom

21. November 1989 - VI ZR 350/88, NJW 1990, 908, unter II 2 b bb). Falls das

Berufungsgericht daher nach erneuter Verhandlung einen Mangel feststellen

sollte, ist der Anspruch der Klägerin auch unter diesem rechtlichen Gesichtspunkt zu prüfen.

Ball Dr. Achilles Dr. Schneider

Dr. Fetzer Dr. Bünger

Vorinstanzen:

LG Bonn, Entscheidung vom 15.10.2007 - 9 O 352/06 -

OLG Köln, Entscheidung vom 28.08.2008 - 7 U 172/07 -

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 278/01 vom 17.10.2001

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 245/01 vom 17.10.2001

Leitsatzentscheidung

NotZ 39/02 vom 31.03.2003

Anmerkungen zum Urteil