Urteil des BGH vom 05.08.2010, 2 StR 296/10

Entschieden
05.08.2010
Schlagworte
Schwerer fall, Menge, Stpo, Ecstasy, Gewicht, Antrag, Base, Anzahl, Annahme, Aufhebung
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BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

2 StR 296/10

vom

5. August 2010

in der Strafsache

gegen

wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge

Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 5. August 2010 gemäß

§ 349 Abs. 2 und 4 StPO beschlossen:

1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Aachen vom 1. März 2010 dahin abgeändert, dass

a) der Angeklagte im Fall II. 9 der Urteilsgründe des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln schuldig ist,

b) die Einzelstrafe im Fall II. 9 der Urteilsgründe auf ein Jahr

Freiheitsstrafe festgesetzt wird.

2. Die weitergehende Revision wird verworfen.

3. Der Angeklagte hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Gründe:

1Das Landgericht hat den Angeklagten wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in zehn Fällen zu einer

Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Die hiergegen auf die Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten hat in dem aus der

Beschlussformel ersichtlichen Umfang Erfolg. Im Übrigen hat die Nachprüfung

des Urteils keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben 349

Abs. 2 StPO).

2

mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG) hält

im Fall II. 9 der Urteilsgründe rechtlicher Überprüfung nicht stand.

Nach den Feststellungen der Kammer erwarb der Angeklagte 2.000 3

Ecstasy-Tabletten mit einem Wirkstoffgehalt von 2% und verkaufte diese gewinnbringend weiter. Ausgehend von dieser Stückzahl kann jedoch keine ausreichend sichere Feststellung der Überschreitung des Grenzwerts der "nicht

geringen Menge" bei Ecstasy-Tabletten von 30 Gramm MDA/MDMA/MDE-Base

(BGHSt 42, 255, 262) getroffen werden, da die in der Praxis als Ecstasy vertriebenen Tabletten von unterschiedlichem Gewicht sind. Auch die vorliegend

hohe Anzahl an Tabletten lässt nicht die Annahme einer Überschreitung des

Grenzwerts der "nicht geringen Menge" zu. So errechnet sich ausgehend von

2.000 Tabletten bei einem durchschnittlich vorkommenden Gewicht von etwa

200-250 mg pro Tablette und einem Wirkstoffgehalt von 2% nur ein Gesamtwirkstoffgehalt von acht bis zehn Gramm Base.

42. Der Angeklagte ist daher im Fall II. 9 der Urteilsgründe (nur) des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln schuldig, wobei angesichts der

Feststellungen der Kammer zur Gewerbsmäßigkeit des Handelns ein besonders schwerer Fall gemäß § 29 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 BtMG vorliegt.

Der Senat hat den Schuldspruch selbst geändert, weil ergänzende Feststellungen nicht zu erwarten sind. § 265 StPO steht der Schuldspruchänderung nicht

entgegen. Der geständige Angeklagte hätte sich nicht anders als geschehen

verteidigen können.

3. Die Änderung des Schuldspruchs hat die Aufhebung des betroffenen

5 1. Die Verurteilung des Angeklagten wegen unerlaubten Handeltreibens

Einzelstrafenausspruchs von einem Jahr und drei Monaten zur Folge. Der Senat setzt die Einzelstrafe in Übereinstimmung mit dem Antrag des Generalbun-

desanwalts gemäß § 354 Abs. 1 StPO auf ein Jahr fest 29 Abs. 3 Satz 1

BtMG).

6Angesichts der Höhe der Einsatzstrafe von zwei Jahren und vier Monaten und der Vielzahl der Taten ist auszuschließen, dass das Landgericht bei

Festsetzung der um drei Monate herabgesetzten Einzelstrafe im Fall II. 9 der

Urteilsgründe auf eine niedrigere Gesamtfreiheitsstrafe erkannt hätte.

74. Der geringfügige Erfolg der Revision rechtfertigt es nicht, den Angeklagten teilweise von den Kosten seines Rechtsmittels zu entlasten 473

Abs. 4 StPO).

Rissing-van Saan Fischer Schmitt

Eschelbach Ott

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