Urteil des BGH vom 22.01.2014, VIII ZR 178/13

Entschieden
22.01.2014
Schlagworte
Kaufvertrag, Wirtschaftliche einheit, Leasingvertrag, Verbraucher, Auflösende bedingung, Leasinggesellschaft, Zustandekommen, Leasinggeber, Lieferung, Ware
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BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

VIII ZR 178/13 Verkündet am: 22. Januar 2014 Ring, Justizhauptsekretärin als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk: ja

BGHZ: nein

BGHR: ja

BGB §§ 355, 358, 359, 499, 500

Auf das so genannte Eintrittsmodell, bei dem ein Verbraucher zunächst einen Kaufvertrag über die spätere Leasingsache und zur Finanzierung einen Leasingvertrag

abschließt, sind die Vorschriften über verbundene Verträge (§§ 358, 359 BGB aF)

weder unmittelbar noch entsprechend anwendbar.

BGH, Urteil vom 22. Januar 2014 - VIII ZR 178/13 - OLG Düsseldorf LG Mönchengladbach

Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 22. Januar 2014 durch den

Vorsitzenden Richter Ball, die Richterin Dr. Milger, die Richter Dr. Achilles und

Dr. Schneider sowie die Richterin Dr. Fetzer

für Recht erkannt:

Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des 17. Zivilsenats

des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 17. Mai 2013 aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch

über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand:

1Der Beklagte ist seit 1993 mit dem Tätigkeitsbereich "Montage von vorgeformten Elementen" im Gewerberegister eingetragen. Nachdem er bis dahin

vor allem im Bereich der Treppenmontage tätig gewesen war, schloss er im

April 2009 als Folge der Insolvenz seines bisherigen (Haupt-)Auftraggebers unter der Bezeichnung "Montage- & Event-Service V. Kr. " mit der K.

GmbH (im Folgenden: K. ), einem mit der Klägerin personell verbundenen Unternehmen, eine Kooperationsvereinbarung betreffend die Montage und den Vertrieb von Wohnwagenschutzdächern. Daneben schloss der Beklagte mit der Klägerin einen Kaufvertrag über einen

"Schutzdach-Business-Trailer Montageanhänger inkl. Komplettausstattung" zu

einem Preis von 19.932,50 €. Gleichzeitig unterzeichnete er unter Hinweis auf

seinen seit 1993 bestehenden Gewerbebetrieb "Kr. Montage-Service" für

den gekauften Montageanhänger einen an die a. -Leasing (im Folgenden: Leasinggesellschaft) gerichteten Antrag auf Abschluss eines Leasingvertrages mit

Restwertgarantie; insoweit war vorgesehen, dass die Leasinggesellschaft anstelle des Beklagten in den Kaufvertrag eintreten sollte. Der Leasingantrag wurde jedoch von der Leasinggesellschaft nicht angenommen, nachdem der Beklagte wenige Tage später gegenüber der K. seine Vertragserklärungen

sämtlich widerrufen und in der Folge die Erfüllung des Kaufvertrages verweigert

hatte.

2Das Landgericht hat der auf Zahlung des Kaufpreises nebst Zinsen und

vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten sowie auf Feststellung des Annahmeverzugs gerichteten Klage stattgegeben. Das Oberlandesgericht hat sie abgewiesen. Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision erstrebt die Klägerin

die Wiederherstellung des erstinstanzlichen Urteils.

Entscheidungsgründe:

3Die Revision hat Erfolg.

I.

4Das Berufungsgericht hat zur Begründung seiner Entscheidung im Wesentlichen ausgeführt:

5Der Klägerin stünden keine Ansprüche aus dem Kaufvertrag mehr zu,

weil der Beklagte zum Widerruf seiner auf den Abschluss des Leasingvertrages

gerichteten Willenserklärung berechtigt gewesen sei und der dadurch gemäß

§ 355 Abs. 1 BGB in der bis zum 29. Juli 2010 geltenden Fassung (im Folgenden: BGB aF) bewirkte Wegfall dieser Willenserklärung nach § 358 Abs. 2 BGB

aF auch den Wegfall der Bindung an den Kaufvertrag zur Folge gehabt habe.

Letztgenannte Vorschrift sei gemäß § 499 BGB aF auf die leasingtypische Vertragsgestaltung des hier gegebenen "Eintrittsmodells" anwendbar, bei dem der

Kaufvertrag von vornherein in der Absicht geschlossen werde, dass mit dem

späteren Zustandekommen des korrespondierenden Leasingvertrages über das

Kaufobjekt der Leasinggeber in den Kaufvertrag eintrete und der Leasingnehmer aus diesem entlassen werde. Zwar fehle es bei einer solchen Vertragsgestaltung an der typischen Aufspaltung eines einheitlichen Vertragsverhältnisses

in zwei gleichzeitig nebeneinander bestehende Verträge, da der Leasingnehmer

zur selben Zeit jeweils nur aus einem Vertrag verpflichtet sei. Werde der Leasingvertrag aber widerrufen, lebten bei getrennter Betrachtung der Verträge die

ansonsten hinfälligen kaufvertraglichen Pflichten des Leasingnehmers wieder

auf, und er bleibe damit an einen Vertrag gebunden, den er allein im Hinblick

auf das vorgesehene Zustandekommen des Leasingvertrages abgeschlossen

habe. Das Schutzbedürfnis des Leasingnehmers sei deshalb in einem solchen

Fall demjenigen bei Aufspaltung in zwei zeitgleich geschlossene Verträge vergleichbar.

6Auch die Gesetzesmaterialien zeigten, dass der Gesetzgeber die Anwendbarkeit des § 358 BGB in den Fällen der Finanzierungshilfe - und damit

auch im Falle des Finanzierungsleasings - jedenfalls in denjenigen Konstellationen ausdrücklich gewünscht und für möglich gehalten habe, in denen die

Voraussetzungen dieser Vorschrift im Einzelfall erfüllt seien, also der Vertrag

über die Lieferung der Ware mit dem Leasingvertrag derart verknüpft sei, dass

das Leasinggeschäft ganz oder teilweise der Finanzierung des anderen Vertrages diene und beide Verträge eine wirtschaftliche Einheit bildeten. Das sei hier

der Fall.

7Der vom Beklagten angestrebte Leasingvertrag habe ausschließlich der

Finanzierung des Kaufvertrages über den Anhänger gedient. Allein diese objektive wirtschaftliche Funktion des Leasingvertrages rechtfertige trotz Fehlens

zweier gleichzeitig nebeneinander bestehender Vertragsbindungen des Leasingnehmers die entsprechende Anwendung des § 358 BGB. Hiervon ausgehend habe es vorliegend auch nicht einer in vergleichbaren Fällen häufig in den

Kaufvertrag zur Klarstellung aufgenommenen Leasingfinanzierungsklausel bedurft.

8Dass das zur Annahme einer wirtschaftlichen Einheit beider Verträge im

Sinne von § 358 Abs. 3 BGB aF erforderliche Zusammenwirken zwischen Leasinggeber und Verkäufer vorgelegen habe, stehe nach den Bekundungen der

bei den Vertragsverhandlungen für die Klägerin tätigen Zeugin E. ebenfalls

fest. Danach sei der Leasingvertrag nicht aufgrund eigener Initiative des Beklagten zustande gekommen, sondern von der Klägerin unter Verwendung von

ihr überlassenen Vordrucken der Leasinggesellschaft vermittelt worden. Zwar

könne als zutreffend unterstellt werden, dass der Beklagte vor Unterzeichnung

des Kaufvertrages von der Zeugin ausdrücklich darauf hingewiesen worden sei,

dass der Kaufvertrag zunächst einmal unabhängig von dem avisierten Leasingvertrag abgeschlossen werde, und dass der Beklagte sich bei Nichtzustandekommen des Leasingvertrages um eine anderweitige Finanzierung des Kaufpreises für den Montageanhänger bemühen müsse. Der Zeugin sei allerdings

aus den Angaben des Beklagten durchaus bewusst gewesen, dass dieser nach

seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten den Kaufvertrag ohne Finanzierung des

Kaufpreises über den Leasingvertrag nicht habe abschließen können, so dass

ihr die objektive Funktion des Leasingvertrages zum Zwecke der Kaufpreisfinanzierung bekannt gewesen sei. Wenn sie dennoch darauf beharrt habe, dass

das Zustandekommen des Kaufvertrages von dem Zustandekommen der Finanzierung über den Leasingvertrag unabhängig sein sollte, habe darin der un-

zulässige Versuch einer dem Beklagten nachteiligen Abänderung des § 358

BGB aF gelegen.

9Dem Beklagten habe das in Anspruch genommene Recht zum Widerruf

des Leasingvertrages zugestanden, da er bei Abschluss des Kaufvertrages ein

dem Verbraucher gleich stehender Existenzgründer im Sinne des § 507 BGB

aF gewesen sei. Denn die beabsichtigte Tätigkeit des Klägers für die K.

habe mit seiner bisherigen Tätigkeit nicht im Zusammenhang gestanden. Es

habe sich nicht nur um eine Ausweitung der bereits ausgeübten Montagetätigkeit, sondern um eine neue, davon klar abgrenzbare Spezialtätigkeit mit zusätzlichen Vertriebsaufgaben gehandelt, durch die sich der Beklagte ein zweites, im

Vergleich zu seiner bisherigen Tätigkeit neuartiges "Standbein" habe verschaffen wollen. Die Widerrufserklärung sei gegenüber der Leasinggesellschaft auch

wirksam geworden. Zwar sei die Erklärung an die K. und nicht an die

Leasinggesellschaft gerichtet gewesen. Nach den Umständen sei jedoch davon

auszugehen, dass die K. das zugrunde liegende Schreiben als Empfangsbotin auch an die Leasinggesellschaft weitergegeben haben müsse.

II.

10Diese Beurteilung hält revisionsrechtlicher Nachprüfung nicht stand.

11Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts hat es sich bei dem

Kaufvertrag und dem in Aussicht genommenen Leasingvertrag nicht um verbundene Verträge im Sinne von § 499 Abs. 2, §§ 500, 358 Abs. 3 BGB aF gehandelt. Der vom Beklagten erklärte Widerruf seines Angebots auf Abschluss

des Leasingvertrages hat deshalb die Bindung an den mit der Klägerin geschlossenen Kaufvertrag, auf den § 499 Abs. 1 BGB aF mangels Gewährung

eines Zahlungsaufschubs selbst keine Anwendung findet (vgl. Münch-

KommBGB/Schürnbrand, 5. Aufl., § 499 Rn. 17), nicht gemäß § 358 Abs. 2

BGB aF beseitigen können. Mit der vom Berufungsgericht gegebenen Begründung kann daher ein Kaufpreisanspruch der Klägerin 433 Abs. 2 BGB) nicht

verneint werden.

121. Die hier anwendbaren § 499 Abs. 1, 2, § 500 BGB aF sehen vor, dass

auf Finanzierungsleasingverträge zwischen einem Unternehmer und einem

Verbraucher, dem gemäß § 507 BGB aF ein Existenzgründer gleich gestellt ist,

die Vorschriften der §§ 358, 359 BGB aF über verbundene Verträge entsprechende Anwendung finden. § 358 Abs. 3 Satz 1 BGB aF bestimmt unter anderem, dass ein Vertrag über die Lieferung einer Ware und ein Verbraucherdarlehensvertrag verbunden sind, wenn das Darlehen ganz oder teilweise der Finanzierung eines anderen Vertrags dient und beide Verträge eine wirtschaftliche

Einheit bilden. Hat bei Vorliegen eines solchen verbundenen Vertrages der

Verbraucher seine auf den Abschluss des Verbraucherdarlehensvertrags gerichtete Willenserklärung - hier aufgrund eines vom Berufungsgericht angenommenen Widerrufsrechts nach § 495 Abs. 1, §§ 500, 507, 355 Abs. 1 BGB

aF - wirksam widerrufen, ist er gemäß § 358 Abs. 2 Satz 1 BGB aF auch an

seine Willenserklärung, die auf den Abschluss eines mit diesem Verbraucherdarlehensvertrag verbundenen Vertrages über die Lieferung einer Ware gerichtet ist, nicht mehr gebunden.

132. Es kann dahinstehen, ob die Auffassung des Berufungsgerichts zutrifft, dass der Beklagte bei Kauf des Anhängers und der von ihm beantragten

Leasingfinanzierung als Existenzgründer im Sinne des § 507 BGB aF anzusehen war, und ob der Widerruf in einer den Anforderungen des § 355 Abs. 1 Satz

2 BGB aF genügenden Weise gegenüber der Leasinggesellschaft erklärt worden ist. Denn entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts findet § 358

BGB aF auf Leasingfinanzierungen, auch wenn sie nach dem so genannten

Eintrittsmodell erfolgen sollen, schon deshalb keine Anwendung, weil es hierbei

an dem von dieser Vorschrift vorausgesetzten Erfordernis einer Bindung des

Verbrauchers an zwei rechtlich selbstständige Verträge fehlt, von denen der

eine der Finanzierung des anderen dient.

14a) Ob und in welchem Umfang die für Finanzierungsleasingverträge in

§ 500 BGB aF enthaltene Verweisung auf die §§ 358, 359 BGB aF auch ohne

das in diesen Bestimmungen für einen Einwendungsdurchgriff vorausgesetzte

Erfordernis einer Bindung des Verbrauchers an zwei rechtlich selbstständige

Verträge zum Tragen kommen kann, ist allerdings umstritten (zum Meinungsstand Reinking/Eggert, Der Autokauf, 12. Aufl., Rn. L 151 ff.). Vor allem im

Schrifttum wird, namentlich um ein weitgehendes Leerlaufen der genannten

Verweisung zu vermeiden, überwiegend angenommen, dass der Gesetzgeber

sich mit dieser Verweisung umfassend (Graf von Westphalen/Woitkewitsch, Der

Leasingvertrag, 6. Aufl., Kap. L Rn. 378; ebenso zu §§ 3, 9 VerbrKrG OLG

Rostock, OLGR 1996, 89, 90), zumindest aber für den Anwendungsfall des Eintrittsmodells zugunsten des Verbraucher-Leasingnehmers dafür entschieden

habe, dass dieser im Umfang der Verweisung in den Genuss der Verbraucherrechte beim finanzierten Kauf kommen solle (z.B. Bülow in Bülow/Artz, Verbraucherkreditrecht, 7. Aufl., § 506 Rn. 91; Staudinger/Kessal-Wulf, BGB, Neubearb. 2012, § 358 Rn. 43; jeweils mwN; vgl. auch MünchKommBGB/

Habersack, 6. Aufl., § 358 Rn. 17, § 359 Rn. 10 ff.).

15Ein anderer Teil des Schrifttums (Wolf/Eckert/Ball, Handbuch des gewerblichen Miet-, Pacht- und Leasingrechts, 10. Aufl., Rn. 1799 ff.; Beckmann,

Finanzierungsleasing, 3. Aufl., § 5 Rn. 11 f.) sowie die neuere Instanzrechtsprechung (OLG Düsseldorf, WM 2010, 2258, 2259 f.; OLG Frankfurt am Main,

Urteil vom 28. Januar 2009 - 17 U 241/08, juris Rn. 34 ff.; OLG Brandenburg,

Urteil vom 23. April 2008 - 3 U 115/07, juris Rn. 24) stehen hingegen auf dem

Standpunkt, dass die auf den finanzierten Abzahlungskauf zugeschnittenen

§§ 358, 359 BGB selbst für das Eintrittsmodell im Regelfall nicht auf das bei

einem Finanzierungsleasing bestehende Dreiecksverhältnis und die dabei bestehenden leasingtypischen Wechselbeziehungen passten. Denn durch deren

sachgerechte Handhabung sei der Leasingnehmer auch ohne einen gesetzlich

vorgesehenen Widerrufs- und Einwendungsdurchgriff hinreichend geschützt.

16b) Der Senat schließt sich der letztgenannten Auffassung an.

17aa) Die in § 358 Abs. 3 Satz 1 BGB aF enthaltene Legaldefinition der

verbundenen Verträge setzt nach ihrem Wortlaut einen Vertrag über die Lieferung einer Ware (oder über die Erbringung einer anderen Leistung) sowie einen

Verbraucherdarlehensvertrag, also ein finanziertes Geschäft einerseits und ein

Finanzierungsgeschäft andererseits, voraus. Diese werden dadurch zu einem

verbundenen Geschäft, dass das Finanzierungsgeschäft der Finanzierung des

Liefervertrages dient. Hiernach ist der Tatbestand eines verbundenen Geschäftes begrifflich nur gegeben, wenn sich der Verbraucher einer Mehrzahl von Vertragsverhältnissen gegenüber sieht, von denen eines der Finanzierung des anderen dient, so dass er durch die damit einher gehende Ausgliederung der Finanzierung zweifach vertraglich gebunden ist (Staudinger/Kessal-Wulf, aaO,

§ 358 Rn. 21; Graf von Westphalen/Woitkewitsch, aaO, Kap. L Rn. 377).

18Daran fehlt es hier. Denn eine solche Vertragsgestaltung, die es dem

Verbraucher ermöglichen soll, seine durch den Liefervertrag begründete Schuld

mittels des zu diesem Zweck eingegangenen Finanzierungsgeschäfts gegenüber dem Lieferanten zu begleichen (jurisPK-BGB/Wildemann, 6. Aufl., § 358

Rn. 22), ist auch bei einem Leasingvertrag nach dem Eintrittsmodell nicht gegeben, da der Leasingvertrag nicht der Finanzierung des Kaufvertrages durch

den Käufer dient (OLG Düsseldorf, aaO; OLG Brandenburg, aaO). Der Kaufvertrag dient vielmehr umgekehrt als Teil des leasingtypischen Dreiecksverhältnis-

ses dem anstelle des Leasingnehmers in den Kaufvertrag eintretenden Leasinggeber zur Beschaffung des Leasinggegenstandes, den er benötigt, um seine durch den Leasingvertrag begründete Gebrauchsüberlassungspflicht erfüllen

zu können. Der Leasingnehmer ist auch bei dem Eintrittsmodell vertraglich entweder nur gegenüber dem Verkäufer oder - nach Begründung des Leasingverhältnisses - nur gegenüber dem Leasinggeber gebunden.

19bb) Das Berufungsgericht hält gleichwohl eine entsprechende Anwendung des § 358 BGB aF für geboten, weil der angestrebte Leasingvertrag nach

seiner objektiven wirtschaftlichen Funktion ausschließlich der Finanzierung des

Kaufvertrages über den Anhänger gedient habe. Dabei verkennt es aber zum

einen den genannten, von der Aufspaltungskonzeption des § 358 Abs. 3 BGB

aF abweichenden Beschaffungszweck des Kaufvertrags im Rahmen der angestrebten Leasingbeziehungen. Zum anderen übersieht es, dass bei Leasingverträgen nach dem Eintrittsmodell mangels Schutzbedürftigkeit des Verbrauchers

kein Bedürfnis besteht, die Vorschrift des § 358 Abs. 2 BGB aF auch ohne Vorliegen der Voraussetzungen des § 358 Abs. 3 BGB aF analog anzuwenden.

Denn das Aufspaltungsrisiko, das die §§ 358, 359 BGB kompensieren sollen,

wird bereits durch die leasingtypische Wechselbeziehung zwischen Kaufvertrag

und Leasingvertrag und ihre Handhabung durch die höchstrichterliche Rechtsprechung hinreichend begrenzt (Wolf/Eckert/Ball, aaO Rn. 1799).

20Das gilt nicht nur für § 359 BGB, für dessen entsprechende Anwendung

schon deshalb kein Bedürfnis besteht, weil der Käufer nach seinem Wechsel in

die Rolle des Leasingnehmers durch die vom Senat in ständiger Rechtsprechung gebilligte leasingtypische Abtretungskonstruktion (zuletzt Senatsurteil

vom 13. November 2013 - VIII ZR 257/12, aaO Rn. 13 mwN) einen gleichwertigen Schutz erfährt (Wolf/Eckert/Ball, aaO Rn. 1799, 1801; Beckmann, aaO

Rn. 12; MünchKommBGB/Habersack, aaO, § 359 Rn. 12). Vielmehr gilt dies in

gleicher Weise für den hier in Rede stehenden § 358 BGB aF. Dass diese Bestimmung auf Leasingverträge nach dem Eintrittsmodell nicht passt, zeigt bereits dessen Abs. 4 Satz 3, wonach der Darlehensgeber bei einem Widerruf des

Finanzierungsgeschäfts kraft Gesetzes an die Stelle des Verbrauchers in den

verbundenen Vertrag eintritt. Denn der Leasinggeber wird bei dieser Vertragskonstruktion mit dem Zustandekommen des Leasingvertrages ohnehin alleiniger Vertragspartner des Beschaffungsvertrages mit dem Lieferanten, so dass

ein Bedürfnis des Leasingnehmers, ihn vor diesen vertraglichen Bindungen zu

schützen, nicht mehr besteht (OLG Düsseldorf, aaO S. 2260).

21Ebenso ist entgegen der Auffassung der Revisionserwiderung ein die

Anwendung des § 358 Abs. 2 BGB aF rechtfertigendes Schutzbedürfnis des

Käufers zu verneinen, wenn es - wie hier - gar nicht erst zum Eintritt des Leasinggebers in den Beschaffungsvertrag kommt. Denn der Käufer kann das Risiko einer nicht zustande kommenden Leasingfinanzierung und einer in diesem

Fall drohenden Inanspruchnahme aus dem Kaufvertrag von vornherein dadurch

begrenzen, dass er den Bestand des Beschaffungsvertrags ausdrücklich oder

konkludent unter eine dahingehende auflösende Bedingung im Sinne des § 158

Abs. 2 BGB stellt (Senatsurteil vom 9. Mai 1990 - VIII ZR 222/89, WM 1990,

1241 unter II 2 c bb). Das kann schon dann anzunehmen sein, wenn er - wie

hier - zeitgleich mit Abschluss des Kaufvertrags einen vom Verkäufer vermittelten Leasingantrag stellt (OLG Düsseldorf, DAR 2005, 625; Reinking/Eggert,

aaO Rn. L 260), wobei ihm ein als Verbraucher zustehender Schutz nicht

dadurch gemäß § 162 BGB verloren ginge, dass er noch vor Zustandekommen

des Leasingvertrags von einem ihm zustehenden Widerrufsrecht Gebrauch

macht und auf diese Weise einen Vertragsschluss verhindert (Münch-

KommBGB/Koch, aaO, Finanzierungsleasing Rn. 41 mwN).

22Selbst wenn eine solche Bedingung aber weder ausdrücklich noch konkludent vereinbart sein sollte, wäre er nicht schutzlos gestellt. Denn es entspricht bei einer solchen Einschaltung des Leasinggebers in die Sicherstellung

der Kaufpreisfinanzierung regelmäßig einer interessengerechten Auslegung des

Beschaffungsvertrages, dass das Zustandekommen eines in Aussicht genommenen Leasingvertrags Geschäftsgrundlage des Beschaffungsvertrages sein

soll, es sei denn, der Käufer nimmt sich einen ihm auf diese Weise zukommenden Schutz selbst dadurch, dass er deutlich macht, auch für den Fall des Nichtzustandekommens des Leasingvertrages das Finanzierungsrisiko uneingeschränkt übernehmen und sich dann eigenständig eine alternative Finanzierung

besorgen zu wollen (vgl. Martinek in Schimansky/Bunte/Lwowski, Bankrechts-

Handbuch, 4. Aufl., § 101 Rn. 94).

III.

23Nach alledem kann das Urteil des Berufungsgerichts keinen Bestand haben; es ist daher aufzuheben 562 Abs. 1 ZPO). Der Rechtsstreit ist nicht zur

Endentscheidung reif, weil das Berufungsgericht - von seinem Standpunkt aus

folgerichtig - keine abschließenden Feststellungen zu der Frage getroffen hat,

ob der Kaufvertrag unter einer auflösenden Bedingung zustande gekommen ist

oder ob dessen Geschäftsgrundlage durch das Nichtzustandekommen des angestrebten Leasingvertrages entfallen sein könnte. Ebenso wenig hat sich das

Berufungsgericht bislang mit dem Einwand des Beklagten befasst, dass der

Kaufvertrag über den Anhänger wegen einer sittenwidrigen Überhöhung des

Kaufpreises nichtig sei. Der Rechtsstreit ist daher zur neuen Verhandlung und

Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen 563 Abs. 1 Satz 1

ZPO).

Ball Dr. Milger Dr. Achilles

Dr. Schneider Dr. Fetzer

Vorinstanzen:

LG Mönchengladbach, Entscheidung vom 04.11.2011 - 3 O 246/10 -

OLG Düsseldorf, Entscheidung vom 17.05.2013 - I-17 U 187/11 -

Urteil vom 29.09.2016

X ZR 58/14 vom 29.09.2016

Urteil vom 06.10.2016

I ZR 97/15 vom 06.10.2016

Urteil vom 09.11.2016

5 StR 425/16 vom 09.11.2016

Anmerkungen zum Urteil