Urteil des BGH, Az. VI ZR 150/06

Leitsatzentscheidung
BUNDESGERICHTSHOF
IM NAMEN DES VOLKES
URTEIL
VI ZR 150/06 Verkündet
am:
15. Mai 2007
Böhringer-Mangold,
Justizamtsinspektorin
als
Urkundsbeamtin
der
Geschäftsstelle
in dem Rechtsstreit
Nachschlagewerk: ja
BGHZ: nein
BGHR: ja
BGB § 253 Abs. 2
a) Eine Schmerzensgeldrente kann im Hinblick auf den gestiegenen Lebenshal-
tungskostenindex abgeändert werden, wenn eine Abwägung aller Umstände des
Einzelfalls ergibt, dass die bisher gezahlte Rente ihre Funktion eines billigen
Schadensausgleichs nicht mehr erfüllt.
Falls nicht besondere zusätzliche Umstände vorliegen, ist die Abänderung einer
Schmerzensgeldrente bei einer unter 25% liegenden Steigerung des Lebenshal-
tungskostenindexes in der Regel nicht gerechtfertigt.
b) Eine auf Abänderung einer Schmerzensgeldrente gerichtete Klage, welche auf die
Steigerung der Lebenshaltungskosten gestützt wird, kann in der Regel nicht mit
der Begründung abgewiesen werden, der bei der Berechnung der Rente zugrunde
gelegte gesamte Kapitalbetrag des Schmerzensgeldes sei inzwischen ausbezahlt
worden.
BGH, Urteil vom 15. Mai 2007 - VI ZR 150/06 - LG Hanau
AG Gelnhausen
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Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung
vom 15. Mai 2007 durch die Vizepräsidentin Dr. Müller und die Richter
Dr. Greiner, Wellner, Stöhr und Zoll
für Recht erkannt:
Die Revision gegen das Urteil der 2. Zivilkammer des Landge-
richts Hanau vom 9. Juni 2006 wird auf Kosten der Klägerin zu-
rückgewiesen.
Von Rechts wegen
Tatbestand:
Die Parteien streiten um die Anpassung einer Schmerzensgeldrente an
die gestiegenen Lebenshaltungskosten.
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Die Klägerin wurde im März 1991 im Alter von sieben Jahren bei einem
Unfall durch eine von der Beklagten betriebene Kleinbahn schwer verletzt. Ihr
mussten zunächst beide Unterschenkel amputiert werden. Die Beklagte wurde
deshalb durch Urteile des Landgerichts Hanau vom 1. Juli 1992 und des Ober-
landesgerichts Frankfurt am Main vom 4. Mai 1994 zur Zahlung eines Schmer-
zensgeldes in Höhe von 170.000,00 DM und einer monatlichen Schmerzens-
geldrente in Höhe von 300,00 DM, zahlbar ab dem 1. Oktober 1991, verurteilt.
Nach den Ausführungen des Oberlandesgerichts entspricht die Rente kapitali-
siert einem weiteren Schmerzensgeld in Höhe von 70.000,00 DM. Wegen einer
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nachfolgenden Amputation im Bereich des rechten Beins verglichen sich die
Parteien in einem erneuten Rechtsstreit 1998 auf Zahlung eines weiteren
Schmerzensgeldes in Höhe von 40.000,00 DM. Mit der vorliegenden, im Juli
2005 erhobenen Klage verlangt die Klägerin unter Berufung auf § 323 ZPO eine
billige Erhöhung des Rentenbetrages. Sie behauptet dazu, seit der Verurteilung
durch das Oberlandesgericht im Jahre 1994 sei der Lebenshaltungskostenindex
um 16,25% gestiegen, und ist der Ansicht, dass deshalb eine Erhöhung der
Rente um mindestens 25,00 bis 30,00 € gerechtfertigt sei.
Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen. Das Berufungsgericht hat
die Berufung der Klägerin zurückgewiesen. Mit der vom Berufungsgericht zuge-
lassenen Revision verfolgt die Klägerin ihr Klageziel weiter.
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Entscheidungsgründe:
I.
Nach Auffassung des Berufungsgerichts kann dahin stehen, ob eine we-
sentliche Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse im Sinne des § 323 ZPO
auch in einer gravierenden Erhöhung des Lebenshaltungskostenindexes gese-
hen werden kann. Es meint, jedenfalls liege eine gravierende Veränderung hier
nicht vor. Da nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs die Dynamisie-
rung einer Schmerzensgeldrente nach Maßgabe der Veränderungen des Le-
benshaltungskostenindexes nicht zulässig sei, könne eine Abänderungsklage
nur bei einer außergewöhnlichen, nicht mehr hinnehmbaren Steigerung des In-
dexes Erfolg haben. Eine solche Steigerung liege hier nicht vor unabhängig da-
von, ob man die von der Klägerin genannte Steigerung von 16,25% oder die
von der Beklagten genannte Steigerung von 10,70% zugrunde lege.
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II.
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Diese Ausführungen halten den Angriffen der Revision jedenfalls im Er-
gebnis stand.
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1. Ohne Rechtsfehler geht das Berufungsgericht davon aus, dass grund-
sätzlich auch Schmerzensgeldrenten bei einer wesentlichen Veränderung der
Verhältnisse nach Maßgabe des § 323 ZPO angepasst werden können (GSZ,
BGHZ 18, 149, 167; Senatsurteil vom 8. Juni 1976 - VI ZR 216/74 - VersR
1976, 967, 969; Geigel/Pardey, Der Haftpflichtprozess, 24. Aufl.; Kap. 7 Rn. 22;
MünchKomm-BGB/Oetker, 4. Aufl., § 253 Rn. 62; Halm/Scheffler, DAR 2004,
71, 75; Notthoff, VersR 2003, 966, 970).
Fraglich ist allerdings, ob auch ein Anstieg des Lebenshaltungskostenin-
dexes Auslöser für eine Abänderung der Schmerzensgeldrente nach Maßgabe
des § 323 ZPO sein kann. Dies wird teilweise bejaht (z.B. OLG Nürnberg,
VersR 1992, 623; MünchKomm-BGB/Oetker, aaO; Halm/Scheffler, aaO, S. 76),
teilweise verneint (z.B. OLG Düsseldorf, ZfS 1986, 5; Küppersbusch, Ersatzan-
sprüche bei Personenschaden, 9. Aufl., Rn. 301; Diehl, ZfS 2002, 431). Die ab-
lehnende Ansicht stützt sich u.a. auf das Urteil des erkennenden Senats vom
3. Juli 1973 (VI ZR 60/72 - VersR 1973, 1067, 1068), in dem ausgeführt ist, eine
"dynamische" Schmerzensgeldrente durch Koppelung mit dem amtlichen Le-
benshaltungskostenindex könne schon deshalb nicht zugebilligt werden, weil
sie die Funktion der Rente als eines billigen Ausgleichs in Geld nicht zu ge-
währleisten vermöge; die Koppelung der Schmerzensgeldrente an die Werte
des Lebenshaltungsindexes sei als untaugliches Mittel dafür zu erachten, dieser
Rente im Zuge der künftigen Währungsentwicklung den Charakter der gesetz-
lich vorgesehenen "billigen Entschädigung in Geld" zu erhalten, weil Vermö-
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genswerte einerseits und der Wert von Gesundheit und seelischem Wohlbefin-
den andererseits ihrer Natur nach von vornherein inkommensurabel seien.
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2. Ob und gegebenenfalls inwieweit die gelegentlich daran geäußerte
Kritik (vgl. Jaeger/Luckey, Schmerzensgeld, 3. Aufl., Rn. 115 f.; Halm/Scheffler,
aaO, S. 74) gerechtfertigt ist, muss hier nicht erörtert werden. Die Erwägungen,
die für die Ablehnung einer von "vornherein dynamisierten" Schmerzensgeld-
rente sprechen, sind nicht unmittelbar auf die hier vorliegende Fragestellung zu
übertragen, bei der es darum geht, ob eine wesentliche Veränderung der Le-
benshaltungskosten die der Rentenzahlung zugedachte Funktion wesentlich
entwerten und deshalb eine Anpassung der Rente geradezu fordern kann. Die-
se Frage ist grundsätzlich zu bejahen. Der erkennende Senat hat bereits früher
im Zusammenhang mit der Erörterung der Anforderungen an die Kapitalisierung
einer Verdienstausfallrente darauf hingewiesen, dass die wirtschaftliche Ent-
wicklung für einen gerechten Schadensausgleich durchaus in Betracht gezogen
werden muss (BGHZ 79, 187, 199 f.). Dies gilt grundsätzlich auch für Schmer-
zensgeldrenten. Auch wenn der Wert von Gesundheit und seelischem Wohlbe-
finden mit Vermögenswerten grundsätzlich inkommensurabel ist, soll doch der
Geschädigte durch die Zubilligung von Schmerzensgeld in die Lage versetzt
werden, sich Erleichterungen und andere Annehmlichkeiten zu verschaffen, die
Beschwernisse, die er durch die immaterielle Beeinträchtigung erfährt, lindern.
Diese Ausgleichsmöglichkeit kann aber für den Geschädigten gemindert oder
gar wertlos werden, wenn der Geldwert in erheblichem Maße sinkt (vgl. OLG
Nürnberg VersR 1992, 623 f.; Halm/Scheffler, aaO, S. 76).
Doch ist dem Berufungsgericht darin zuzustimmen, dass eine Abände-
rung nur unter besonderen Umständen in Betracht kommt. Erforderlich ist, dass
eine ganz erhebliche Steigerung der Lebenshaltungskosten vorliegt und die zu-
gesprochene Rente deshalb nicht mehr als "billiger" Ausgleich der immateriel-
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len Beeinträchtigungen des Geschädigten angesehen werden kann. Dabei lässt
sich die Frage, ob ein Abänderungsgrund vorliegt, nicht ohne weiteres durch
den Rückgriff auf bestimmte Prozentsätze beantworten. Auch die mathemati-
schen Berechnungen der Revision, die zeigen, dass eine aus einem Kapitalbe-
trag abgeleitete Rente den künftigen Kaufkraftschwund nicht oder nur unzurei-
chend berücksichtigen kann, werden der Problematik nicht gerecht. Es kommt
darauf an, ob bei Abwägung aller Umstände des Einzelfalls, insbesondere unter
Berücksichtigung der Rentenhöhe, des zugrunde liegenden Kapitalbetrages
und der bereits gezahlten und voraussichtlich noch zu zahlenden Beträge, die
gezahlte Rente ihre Funktion eines "billigen" Schadensausgleichs noch erfüllt
oder ob dies nicht mehr der Fall ist. Nur in dem letztgenannten Fall ist eine An-
passung gerechtfertigt. Bei der vorzunehmenden Abwägung kann auch ange-
messen berücksichtigt werden, ob die Zahlung einer erhöhten Rente dem
Schädiger billigerweise zugemutet werden kann, etwa weil die Haftungshöchst-
summe des Versicherers "erschöpft" ist (dazu Notthoff, aaO, S.
969;
Halm/Scheffler, aaO, S. 75), wobei allerdings darauf hinzuweisen ist, dass Ren-
tenzahlungen grundsätzlich nicht zu einer "Erschöpfung" der Versicherungs-
summe führen können (vgl. Senatsurteil vom 10. Oktober 2006 - VI ZR 44/05 -
VersR 2006, 1679, 1680, m.w.N.).
3. Bei Anwendung dieser Grundsätze erweist sich das Berufungsurteil
als richtig. Es ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden, dass das Beru-
fungsgericht eine Steigerung des Lebenshaltungskostenindexes um 16,25%
angesichts der hier in Betracht zu ziehenden Wertverhältnisse (Rente von
300,00 DM, Erhöhungsbetrag unter 50,00 DM) nicht für ausreichend gehalten
hat.
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Bei den vorliegenden Wertverhältnissen wird, falls nicht zusätzliche Um-
stände vorliegen, eine Abänderung bei einer unter 25% liegenden Steigerung
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des Lebenshaltungskostenindexes in der Regel nicht gerechtfertigt sein. Dies
folgt daraus, dass Schmerzensgeldrenten anders als etwa Unterhaltsleistungen
oder Leistungen wegen Verdienstausfalls bei Aufhebung oder Minderung der
Erwerbsfähigkeit (§ 843 BGB) nicht der täglichen Deckung eines konkret ermit-
telten Bedarfs dienen und deshalb mit dem Niveau der Lebenshaltungskosten
nicht unmittelbar verkoppelt sind. Die Höhe der billigen Entschädigung in Geld
hängt von einer umfassenden Würdigung der immateriellen Beeinträchtigungen
ab, wobei sich im Rahmen der Ermessensausübung eine erhebliche Schwan-
kungsbreite ergibt. Aus diesem Grund wird dem Geschädigten nicht angeson-
nen, seinen Schmerzensgeldantrag im Prozess konkret zu beziffern, und ist das
Gericht an die vom Kläger genannte Mindestsumme oder Größenvorstellung
nicht im Rahmen des § 308 ZPO gebunden (vgl. Senatsurteil BGHZ 132, 341,
350 ff. m.w.N.). Der aufgrund eines derartig angelegten Schätzungsermessens
letztlich gefundene Betrag muss sich in der Folge nicht deshalb als "unbillig"
erweisen, weil das Niveau der Lebenshaltungskosten gestiegen ist. Jedenfalls
ist der Tatsache, dass die ursprüngliche Festlegung der Schmerzensgeldrente
auf einem breiten Schätzungsermessen beruht, dadurch Rechnung zu tragen,
dass für eine wesentliche Veränderung der Verhältnisse im Sinne des § 323
ZPO auf eine gravierende Veränderung des Niveaus der Lebenshaltungskosten
abgestellt wird, die die ursprünglichen Billigkeitserwägungen als korrekturbe-
dürftig erscheinen lässt. Zu Unrecht beruft sich die Revision deshalb auf die
Grundsätze, die etwa für Abänderungsklagen im Bereich des Unterhaltsrechts
gelten (etwa OLG Düsseldorf, NJW-RR 1994, 520).
4. Bei dieser Sachlage kommt es nicht mehr auf das weitere Argument
der Revisionserwiderung an, dass bereits jetzt 54.900,00 DM an Schmerzens-
geldrente bezahlt seien, so dass der volle kapitalisierte Rentenbetrag in etwas
mehr als vier Jahren gezahlt sein werde. Die Revision bezieht sich insoweit auf
eine Entscheidung des Landgerichts Hannover, in der die Ansicht vertreten
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wird, eine auf die gewöhnliche Veränderung der Lebenshaltungskosten gestütz-
te Abänderungsklage scheide aus, wenn der bei der Berechnung einer
Schmerzensgeldrente zugrunde gelegte gesamte Kapitalbetrag des Schmer-
zensgeldes inzwischen ausbezahlt sei (LG Hannover, ZfS 2002, 430 f. m. Anm.
von Diehl). Insoweit sei vorsorglich Folgendes hinzu gefügt:
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Die vom Landgericht Hannover in der zitierten Sache zugelassene Revi-
sion der dortigen Klägerin ist zurückgenommen worden. Der Senatsbeschluss
vom 28. November 2002 (VI ZR 283/02) enthält demgemäß keine Entscheidung
über die Nichtannahme (so unrichtig Notthoff, aaO, S. 970), sondern lediglich
den Verlustigkeits- und Kostenausspruch.
Richtig ist, dass bei einer Rentenzahlung von 300,00 DM monatlich ein
Kapitalbetrag von 70.000,00 DM in etwa zwanzig Jahren vollständig bezahlt ist
und der Begünstigte von da an auf Lebenszeit Zahlungen erhält, die über den
Kapitalbetrag hinausgehen. Darauf kann aber nicht abgestellt werden.
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Bei einer Gesamtentschädigung aus Schmerzensgeldkapital und
Schmerzensgeldrente muss der monatliche Rentenbetrag so bemessen wer-
den, dass er kapitalisiert zusammen mit dem zuerkannten Kapitalbetrag einen
Gesamtbetrag ergibt, der in seiner Größenordnung einem ausschließlich in Ka-
pitalform zuerkannten Betrag zumindest annähernd entspricht (vgl. Senatsurteil
vom 8. Juni 1976 - VI ZR 216/74 - aaO, S. 968 f., OLG Hamm, ZfS 2005, 122,
123; OLG München, VersR 1992, 508, m.w.N.). Dem folgend ist im vorliegen-
den Fall der Rentenbetrag von 300,00 DM monatlich seinerzeit offensichtlich
ausgehend von einem Kapitalbetrag von 70.000,00 DM und einer Verzinsung
von ca. 5% unter Berücksichtigung der Lebenserwartung der Klägerin und unter
Anwendung der Kapitalisierungstabellen errechnet worden. Die 70.000,00 DM
stellten mithin den Barwert der Rentenforderung zum damaligen Zeitpunkt dar,
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der Anspruch der Klägerin ist indes auf eine Rentenzahlung auf Lebenszeit ge-
richtet. Diese Art der Berechnung trägt der Tatsache Rechnung, dass der Ge-
schädigte, soweit ihm Schmerzensgeldrente statt des Kapitalbetrages zuer-
kannt wird, gehindert ist, das Kapital gewinnbringend anzulegen, während der
Schädiger die Möglichkeit hat, die Renten aufgrund einer gewinnbringenden
Anlage des Kapitals zu bedienen. Entgegen der Ansicht des Landgerichts Han-
nover (ebenso Diehl und Notthoff, aaO) wird also der Geschädigte, der infolge
der Rentenleistungen mehr erhält als den Nennwert des gesamten der Schmer-
zensgeldberechnung zugrunde gelegten Kapitalbetrages keineswegs gegen-
über einem Geschädigten privilegiert, der ein Schmerzensgeldkapital zuerkannt
bekommt und der dieses ab Auszahlung gewinnbringend anlegen kann.
Danach kann der Gesichtspunkt, dass dem Geschädigten bereits ein er-
heblicher Teil des der Rentenberechnung seinerzeit zugrunde gelegten Bar-
werts des Rentenanspruchs zugeflossen ist, für die Frage, ob eine die Abände-
rung rechtfertigende wesentliche Veränderung der Verhältnisse vorliegt, allen-
falls dann eine ausschlaggebende Rolle spielen, wenn konkret vorgetragen
wird, dass sich die der Kapitalisierungsberechnung zugrunde liegende Erwar-
tung, die Rentenzahlung könne durch Gewinne aus der Anlage des zunächst
beim Schädiger verbleibenden Kapitals bedient werden, nicht erfüllt hat. Dafür
ist hier indes nichts ersichtlich.
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III.
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Die Revision ist danach mit der Kostenfolge aus § 97 Abs. 1 ZPO zu-
rückzuweisen.
Müller Greiner Wellner
Stöhr Zoll
Vorinstanzen:
AG Gelnhausen, Entscheidung vom 16.12.2005 - 51 C 320/05 -
LG Hanau, Entscheidung vom 09.06.2006 - 2 S 13/06 -