Urteil des BGH vom 14.01.2010, IX ZR 78/09

Entschieden
14.01.2010
Schlagworte
Verpfändung, Forderung, Gesellschaftsanteil, Pfandrecht, Gesellschaft, Entstehung der forderung, Abtretung, Zeitpunkt, Gesellschafter, öffentliche versteigerung
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BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

IX ZR 78/09 Verkündet am: 14. Januar 2010 Preuß Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

in dem Rechtsstreit

Nachschlagewerk: ja

BGHZ: nein

BGHR: ja

InsO § 91 Abs. 1

Verpfändet ein Gesellschafter monatlich entstehende Gewinnforderungen aus einer

Beteiligung an einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, erwirbt der Pfandgläubiger an

den nach Insolvenzeröffnung entstehenden Forderungen auch dann kein Pfandrecht,

wenn außerdem der Gesellschaftsanteil selbst verpfändet wurde.

InsO § 140 Abs. 1

Werden künftige Gewinnforderungen aus der Beteiligung an einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts verpfändet, so ist für die Anfechtung des Pfandrechts der Zeitpunkt

des Entstehens der verpfändeten Gewinnforderungen maßgeblich.

BGH, Urteil vom 14. Januar 2010 - IX ZR 78/09 - OLG Stuttgart LG Ulm

Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung

vom 14. Januar 2010 durch den Vorsitzenden Richter Dr. Ganter, die Richter

Prof. Dr. Gehrlein und Vill, die Richterin Lohmann sowie den Richter Dr. Fischer

für Recht erkannt:

Die Revision gegen das Urteil des 3. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 8. April 2009 wird auf Kosten der Klägerin

zurückgewiesen.

Von Rechts wegen

Tatbestand:

1Der Beklagte ist Verwalter in dem auf den Eigenantrag vom 18. Dezember 2006 über das Vermögen des F. S. (nachfolgend: Schuldner)

am 3. Juli 2007 eröffneten Insolvenzverfahren.

2Der Schuldner ist zu 25 % an der W. GbR in L.

beteiligt, die aus dem Sondereigentum über ein Ladengebäude monatliche

Mieteinnahmen erzielt. Auf der Grundlage von § 11 Nr. 5 des Gesellschaftsvertrages wird an den Schuldner monatlich ein Gewinnvorschuss in Höhe von

1.278,23 (= 2.500 DM) aus den seitens der Gesellschaft eingezogenen Mieten ausbezahlt. Mit Rücksicht auf die zum jeweils dritten Werktag eines Monats

fälligen Mieten erfolgt die Gewinnauszahlung vereinbarungsgemäß zum jeweils

zehnten Werktag eines Monats.

3Die Klägerin, die Ehefrau des Schuldners, gewährte der F. S.

GmbH ein Darlehen über 100.000 DM; der Schuldner übernahm am

28. Februar 1998 die Darlehensverbindlichkeit. Als Sicherheit für diese Forderung, alle gegenwärtigen und künftigen Unterhaltsansprüche sowie weitere Forderungen aus vertraglichen Verpflichtungen verpfändete der Schuldner am

27. August 1998 sowohl seinen Gesellschaftsanteil als auch das daraus folgende Gewinnbezugsrecht an die Klägerin. Die nach § 11 Nr. 8 des Gesellschaftsvertrages zulässige Verpfändung wurde der Gesellschaft ordnungsgemäß angezeigt.

4Der - bereits am 1. März 2007 als vorläufiger Verwalter eingesetzte - Beklagte vereinnahmte für die Monate April bis August 2007 den monatlichen Gewinnvorschuss des Schuldners. Mit vorliegender Klage begehrt die Klägerin, die

durch die Verpfändung gesicherte Forderungen über 148.411,45 zur Insolvenztabelle angemeldet hat, unter Berücksichtigung eines Kostenbeitrags von

9 % Auskehr eingezogener Gewinne in Höhe von 5.815,94 €. Das Berufungsgericht hat die Klage nach Stattgabe durch das Landgericht abgewiesen. Mit

der von dem Berufungsgericht zugelassenen Revision begehrt die Klägerin die

Wiederherstellung des Ersturteils.

Entscheidungsgründe:

5Die Revision bleibt ohne Erfolg.

I.

6Das Berufungsgericht hat ausgeführt, Ansprüche der Klägerin aus § 812

Abs. 1 BGB schieden aus, weil nicht die Klägerin, sondern die Gesellschaft eine

Leistung an den Beklagten erbracht habe. Mangels Erwerb einer gesicherten

Rechtsposition an den verpfändeten Gewinnauszahlungsansprüchen stehe der

Klägerin auch ein Anspruch auf Absonderung nach § 170 Abs. 1 Satz 2 InsO

nicht zu. Die Verpfändung eines Gesellschaftsanteils könne ein Absonderungsrecht begründen, wenn das Pfandrecht vor Einleitung des Insolvenzverfahrens

wirksam bestellt worden sei. Werde eine Forderung ab Fälligkeit gesichert,

komme eine abgesonderte Befriedigung für nach Insolvenzeröffnung fällige

Forderungen nicht in Betracht. Der Anspruch auf Vorauszahlungen auf den

Gewinnanteil sei mit den Einnahmen der Gesellschaft aus der Vermietung des

Objekts zwingend verknüpft. Bei den Vorauszahlungen handele sich um erst mit

dem Eingang der Mieten auf dem Gesellschaftskonto entstehende befristete

Ansprüche, deren Verpfändung erst zu diesem Zeitpunkt wirksam werde. Die

Vorauszahlungen auf den Gewinnanteil seien in vorliegender Gestaltung rechtlich wie Mietzahlungen zu behandeln.

7Soweit die Gewinnauszahlungen nach Insolvenzeröffnung für die Monate

Juli und August den Gegenstand der Klage bildeten, stehe einem Rechtserwerb

der Klägerin bereits § 91 Abs. 1 InsO entgegen. Im Blick auf die Gewinnzahlungen für die Monate April bis Juni 2007, die nach der Insolvenzantragstellung,

aber vor Insolvenzeröffnung eingezogen worden seien, scheitere ein insolvenzfestes Absonderungsrecht an der Möglichkeit der Anfechtung. Hinsichtlich dieser Zahlungen seien die Voraussetzungen des § 130 Abs. 1 Nr. 2 InsO gegeben, weil es sich um Zahlungen nach dem Eröffnungsantrag handele und der

Klägerin sowohl der Insolvenzantrag als auch die Zahlungsunfähigkeit des

Schuldners bekannt gewesen sei.

II.

8Diese Ausführungen halten rechtlicher Prüfung stand.

91. Im Ergebnis zutreffend hat das Berufungsgericht angenommen, dass

der Klägerin hinsichtlich der für die Monate Juli und August 2007 an den Beklagten ausgeschütteten Gewinne ein Erstattungsanspruch aus § 816 Abs. 2

BGB nicht zusteht, weil sie an diesen nach Insolvenzeröffnung fällig gewordenen Forderungen infolge der Anwendbarkeit von § 91 Abs. 1 InsO kein Pfandrecht erworben hat.

10a) Zugunsten der Klägerin wurde von dem Schuldner sowohl der Gesellschaftsanteil an der GbR als auch das daraus fließende Gewinnbezugsrecht

verpfändet.

11aa) Die Bestellung des Pfandrechts an einem Recht erfolgt gemäß

§ 1274 Abs. 1 Satz 1 BGB nach den für die Übertragung des Rechts geltenden

Vorschriften. Sofern ein Recht nicht übertragbar ist, kann daran gemäß § 1274

Abs. 2 BGB ein Pfandrecht nicht bestellt werden. Der Gesellschafter einer Personengesellschaft kann seinen Gesellschaftsanteil ("die Mitgliedschaft") mit Zustimmung der übrigen Gesellschafter durch ein Verfügungsgeschäft im Wege

der Abtretung (§§ 413, 398 BGB) an einen Dritten übertragen, der damit in die

Gesellschafterstellung des Veräußerers einrückt (BGHZ 44, 229, 231; 71, 296,

299; 81, 82, 84; BGH, Urt. v. 22. November 1996 - V ZR 234/95, NJW 1997,

860, 861). Da der Gesellschaftsanteil sonach bei Einverständnis sämtlicher Gesellschafter fungibel ist, bestehen gegen die Möglichkeit seiner Verpfändung

keine grundsätzlichen rechtlichen Bedenken. Demgemäß entspricht es nahezu

einhelliger Auffassung, dass ein rechtsgeschäftliches Pfandrecht an dem Gesellschaftsanteil selbst und nicht nur an einzelnen aus ihm fließenden Vermögensrechten bestellt werden kann (RGZ 57, 414, 415; OLG Hamm Rpfleger

1977, 136, 137; MünchKomm-BGB/Ulmer/Schäfer, 5. Aufl. § 719 Rn. 51; Staudinger/Habermeier, BGB 2002 § 719 Rn. 18; Bamberger/Roth/Timm/Schöne,

BGB 2. Aufl. § 717 Rn. 25; Erman/Westermann BGB 12. Aufl. § 717 Rn. 10;

MünchKomm-HGB/K. Schmidt, § 105 Rn. 225; Staub/Schäfer, HGB 5. Aufl.

§ 105 Rn. 132; Roth ZGR 2000, 187, 204 f; a.A. Soergel/Hadding, BGB

12. Aufl. § 717 Rn. 17).

12Die - ebenso wie bei einer Abtretung - für eine Verpfändung des Gesellschaftsanteils notwendige Zustimmung der Gesellschafter kann im Gesellschaftsvertrag vorab erteilt werden (MünchKomm-BGB/Ulmer/Schäfer, aaO

§ 719 Rn. 52). Gestattet der Gesellschaftsvertrag lediglich eine Übertragung

des Gesellschaftsanteils, so wird bezweifelt, ob die Regelung zugleich als Billigung auch einer Verpfändung zu verstehen ist (vgl. Soergel/Habersack, BGB

13. Aufl. § 1274 Rn. 40; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Wertenbruch, HGB

2. Aufl. § 105 Rn. 168). Eine dahingehende Unklarheit ist im Streitfall nicht gegeben, weil § 11 Nr. 8 des Gesellschaftsvertrages ausdrücklich vorsieht, dass

die einzelnen Gesellschafter zur Verpfändung des Gesellschaftsanteils berechtigt sind. Eine Anzeige der Verpfändung des Gesellschaftsanteils gegenüber

den Gesellschaftern oder der Gesellschaft 1280 BGB) ist entbehrlich, weil es

sich nicht um die Verpfändung einer Forderung handelt (RGZ 57, 414, 415;

MünchKomm-BGB/Ulmer/Schäfer, aaO; MünchKomm-BGB/Damrau, 5. Aufl.

§ 1274 Rn. 70; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Wertenbruch, aaO § 105

Rn. 169; Roth, aaO S. 204).

13bb) Von der Verpfändung eines Gesellschaftsanteils ist die Verpfändung

des mit ihm verbundenen Gewinnbezugsrechts zu unterscheiden. Die Verpfändung des Gesellschaftsanteils erstreckt sich bis zur Vollstreckung nicht auf das

Gewinnbezugsrecht, weil insoweit § 1289 BGB nicht analog anwendbar ist

(BGHZ 119, 191, 194 f; MünchKomm-BGB/Damrau, aaO § 1274 Rn. 72 i.V.m.

Rn. 56, 57; Soergel/Habersack, aaO § 1274 Rn. 32; Scholz/Winter/Seibt,

GmbHG 10. Aufl. § 15 Rn. 181; Ulmer/Winter/Löbbe, GmbHG § 15 Rn. 158;

a.A. Roth, S. 204, 210). Erst die Vollstreckung aus dem Pfandrecht an dem Gesellschaftsanteil erfasst alle danach entstehenden Ansprüche aus der Mitgliedschaft, mithin Gewinnanteile (vgl. § 725 Abs. 2 BGB) ebenso wie ein Auseinandersetzungsguthaben (Wertenbruch, Die Haftung von Gesellschaften und Gesellschaftsanteilen in der Zwangsvollstreckung, 2000 S. 508). Die Verpfändung

des Gewinnbezugsrechts erfolgt durch den Abschluss eines eigenständigen

Rechtsgeschäfts (Reichert/Weller, Der GmbH-Geschäftsanteil 2006 § 15

Rn. 291; Michalski/Ebbing, GmbHG 2002 § 15 Rn. 225). Sie entfaltet selbst bei

der hier gegebenen gleichzeitigen Verpfändung des Gesellschaftsanteils infolge des Einziehungsrechts aus §§ 1282, 1228 Abs. 2 BGB bis zur Vollstreckung

aus dem Pfandrecht an dem Gesellschaftsanteil eigenständige Rechtswirkungen. Die Verpfändung des Gewinnbezugsrechts ist im Unterschied zur Verpfändung des Gesellschaftsanteils wegen seiner Rechtsnatur als Forderung

gemäß § 1280 BGB an die zusätzliche Voraussetzung einer Anzeige an die

Gesellschaft geknüpft (Staudinger/Wiegand, BGB 2002 § 1274 Rn. 52; Münch-

Komm-BGB/Damrau, aaO § 1274 Rn. 70; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/

Wertenbruch, aaO § 105 Rn. 172). Das Gewinnbezugsrecht wurde hier rechtsgültig an die Klägerin verpfändet, weil die Pfandrechtsbestellung das Gewinn-

bezugsrecht neben dem Gesellschaftsanteil ausdrücklich als Pfandgegenstand

bezeichnet. Ferner hat der Schuldner als Gesellschafter und Gläubiger der Forderung 1280 BGB) die Verpfändung der Gesellschaft angezeigt.

14b) Die Klägerin hat an dem Gesellschaftsanteil - der Mitgliedschaft - infolge der Verpfändung vom 27. August 1998 außerhalb der kritischen Zeit ein

insolvenzfestes Absonderungsrecht erlangt.

15Betrifft die Verpfändung den Gesellschaftsanteil, so ist der Pfandgläubiger gemäß § 1277 BGB zur Verwertung des Anteils im Wege der Zwangsvollstreckung berechtigt. Auf der Grundlage eines mindestens vorläufig vollstreckbaren Duldungstitels gegen den Anteilsinhaber kann der Pfandgläubiger den

Gesellschaftsanteil nach § 859 Abs. 1 ZPO pfänden (BGHZ 97, 392, 393). Die

Verwertung geschieht dann gemäß § 857 Abs. 5, § 844 ZPO durch öffentliche

Versteigerung oder freihändigen Verkauf des Gesellschaftsanteils (Münch-

Komm-BGB/Ulmer/Schäfer, aaO § 719 Rn. 57). Als Alternative kann der Pfandgläubiger nach § 725 Abs. 1 BGB die Gesellschaft kündigen, um sich nach

§ 835 Abs. 1, § 857 Abs. 1 ZPO das Abfindungsguthaben zur Einziehung

überweisen zu lassen. Diese Art der Verwertung setzt nach § 725 Abs. 1 BGB

die Anteilspfändung sowie einen rechtskräftigen, nicht nur vorläufig vollstreckbaren Titel voraus (MünchKomm-BGB/Ulmer/Schäfer, aaO § 719 Rn. 58). Die

Vollstreckung in die Mitgliedschaft erfasst sämtliche Ansprüche, die dem Gesellschafter bei einer Auseinandersetzung zustehen (BGH, Urt. v. 8. Dezember

1971 - VIII ZR 113/70, WM 1972, 81, 82), mithin auch offene Gewinnansprüche

(BGHZ 97, 392, 394 f; 116, 222, 229; MünchKomm-BGB/Ulmer/Schäfer, aaO

§ 725 Rn. 8, 11; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Lorz, aaO § 135 Rn. 12; Roth,

aaO S. 194). Es ist anerkannt, dass sich die Pfändung des Gesellschaftsanteils

auch auf zuvor im Voraus abgetretene Gewinnbezugsrechte erstreckt, weil sich

die Pfändung des Geschäftsanteils bereits vor der Entstehung des Gewinnbezugsrechts verwirklicht (BGHZ 104, 351, 354; MünchKomm-HGB/K. Schmidt,

aaO § 135 Rn. 16). Infolge der lange vor Insolvenzeröffnung bewirkten Verpfändung hätte die Klägerin in der geschilderten Weise im Wege der abgesonderten Befriedigung auf den Gesellschaftsanteil zugreifen können (Hadding in

Hadding/Schneider, Gesellschaftsanteile als Kreditsicherheit, 1979 S. 37, 55 f).

Dann hätte sich ihr Pfandrecht kraft dinglicher Surrogation an einem Erlös aus

seiner Verwertung und bis dahin entstandenen Gewinnbezugsrechten fortgesetzt (MünchKomm-BGB/Damrau, aaO § 1274 Rn. 72; Reichert/Weller, aaO

§ 15 Rn. 304). Von dieser rechtlichen Möglichkeit hat sie jedoch keinen

Gebrauch gemacht.

16c) Mangels einer Vollstreckung in den Gesellschaftsanteil bilden ausschließlich Ansprüche der Klägerin aus der Verpfändung der Gewinnansprüche

den Gegenstand der Klage. Die Verpfändung der Gewinnansprüche verleiht

dem Pfandgläubiger nach §§ 1282, 1228 Abs. 2 BGB die Befugnis, die Forderung nach Pfandreife einzuziehen (MünchKomm-BGB/Ulmer/Schäfer, aaO

§ 719 Rn. 54). An den Gewinnansprüchen für die Monate Juli und August 2007

hat die Klägerin im Blick auf die Regelung des § 91 Abs. 1 InsO wegen der zwischenzeitlichen Eröffnung des Insolvenzverfahrens kein Forderungspfandrecht

erworben.

17aa) Zwar muss die Verfügungsbefugnis des Veräußerers eines Rechts

bis zum letzten Teilstück der Verfügung gegeben sein. Die Abtretung einer

künftigen Forderung enthält jedoch - im Unterschied zu der neben der rechtsgeschäftlichen Einigung eine Übergabe erfordernden Übereignung beweglicher

Sachen - bereits selbst alle Merkmale des Übertragungstatbestands. Deshalb

wird die Wirksamkeit einer Vorausabtretung nicht dadurch berührt, dass der

Zedent im Zeitraum zwischen Abtretung und Entstehung der Forderung die Verfügungsbefugnis verliert (BGHZ 135, 140, 144; BGH, Urt. v. 22. Oktober 2009

- IX ZR 90/08, ZIP 2009, 2347, 2348 f Rn. 9 ff). Diese Grundsätze gelten auch

im Rahmen der Pfändung und Verpfändung einer künftigen Forderung (vgl.

BGHZ 135, 140, 144; MünchKomm-InsO/Ganter, 2. Aufl. Rn. 23 vor §§ 49-52).

18Bei der Verpfändung einer künftigen Forderung muss ebenso wie bei der

Abtretung zwischen der Verbindlichkeit des auf die Pfandrechtsbestellung gerichteten Verfügungsgeschäfts und dem Wirksamwerden der Pfandrechtsbestellung unterschieden werden. Ein Pfandrecht kann unter Beachtung aller

rechtlichen Voraussetzungen einer Pfandrechtsbestellung einschließlich der

Anzeige nach § 1280 BGB in der Weise an einer künftigen Forderung bestellt

werden, dass das Pfandrecht zeitgleich mit der Forderung entsteht (BGHZ 157,

350, 354; MünchKomm-BGB/Damrau, aaO § 1273 Rn. 4). Zwar gehört die Entstehung des Rechts nicht zu dem Verfügungstatbestand. Rechtswirksamkeit

kann die Verpfändung einer künftigen Forderung aber erst entfalten, wenn diese selbst entsteht (vgl. BGHZ 88, 205, 206 f; BGH, Urt. v. 24. Oktober 1996

- IX ZR 284/95, ZIP 1996, 2080, 2082; vgl. zur Vorausabtretung BGH, Urt. v.

19. Mai 2009 - IX ZR 37/06, WM 2009, 1475, 1477 Rn. 21 m.w.N.). Die für das

Entstehen des Rechts entscheidende Voraussetzung einer Vorausverpfändung

liegt in der Begründung der verpfändeten Forderung. Entsteht - wie im Streitfall

hinsichtlich des Gewinnbezugsrechts für die Monate Juli und August 2007 - die

im voraus verpfändete Forderung erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens,

kann der Pfandgläubiger daran gemäß § 91 Abs. 1 InsO grundsätzlich zu Lasten der Masse kein Pfandrecht erwerben (BGH, Urt. v. 5. Januar 1955 - IV ZR

154/54, NJW 1955, 544; Urt. v. 20. März 2003 - IX ZR 166/02, WM 2003, 896,

897; MünchKomm-InsO/Ganter, aaO).

19bb) Eine andere rechtliche Wertung ist nicht deswegen geboten, weil die

den Gegenstand der Klage bildenden Forderungen aus einer gesellschaftsrechtlichen Beteiligung und mithin einem Dauerschuldverhältnis herrühren.

20Allerdings tritt das Erwerbsverbot des § 91 Abs. 1 InsO ausnahmsweise

zurück, wenn der Gläubiger bereits vor der Verfahrenseröffnung eine gesicherte

Rechtsposition an der abgetretenen oder verpfändeten Forderung erlangt hat

(BGH, Urt. v. 25. Juni 2009 - IX ZR 98/08, WM 2009, 1515, 1516 Rn. 11). Bei

der Abtretung von Ansprüchen aus einem Dauerschuldverhältnis kommt es

darauf an, ob sie bereits mit Abschluss des zugrunde liegenden Vertrages "betagt", also nur in ihrer Durchsetzbarkeit vom Beginn oder vom Ablauf einer bestimmten Frist abhängig sind, oder ob sie erst in der Zukunft mit der Inanspruchnahme der jeweiligen Gegenleistung entstehen. Im letztgenannten Fall

hat der Abtretungsempfänger keine gesicherte Rechtsposition (BGHZ 167, 363,

365 f; BGH, Urt. v. 8. Januar 2009 IX ZR 217/07, WM 2009, 416, 418 Rn. 32;

Urt. v. 25. Juni 2009, aaO). Von einer gesicherten Rechtsstellung kann nur

dann ausgegangen werden, wenn sie dem Erwerber nicht mehr entzogen werden kann und ihr Eintritt nicht von freien Entscheidungen des Schuldners oder

eines Dritten abhängt (BGH, Urt. v. 11. Dezember 2008 - IX ZR 194/07, WM

2009, 237, 238 Rn. 12).

21Mietraten, die abschnittsweise mit dem Beginn des jeweiligen

Gebrauchsüberlassungszeitraums fällig werden, stellen danach keine eine gesicherte Rechtsposition vermittelnde Forderungen dar (BGHZ 111, 84, 93 f;

170, 196, 200 Rn. 12). Bis zum Erreichen des jeweiligen Nutzungsintervalls erlangt der Vermieter ebenso wie ein Zessionar oder Pfandgläubiger mit Rücksicht auf die Kündigungsbefugnis des Mieters und die beschränkte Bindung von

Vorausverfügungen über die Miete 566b BGB) noch keinen gesicherten An-

spruch auf die entsprechende Rate (BGH, Urt. v. 30. Januar 1997 - IX ZR

89/96, ZIP 1997, 513, 514; Urt. v. 17. September 2009 - IX ZR 106/08, Rn. 12 ff

z.V.b. in BGHZ). Auch der abgetretene oder verpfändete Anspruch auf eine

dienstvertragliche Vergütung entsteht nicht vor Ableistung der Dienste (BGH,

Urt. v. 11. Mai 2006 - IX ZR 247/03, ZIP 2006, 1254, 1255 Rn. 7). Demgegenüber ist jedenfalls der Anspruch auf die in der festen Grundmietzeit zu erbringenden Leasingraten als betagte Forderung anzusehen, weil die Leasingraten

nicht nur die Gegenleistung für eine zeitlich begrenzte Gebrauchsüberlassung,

sondern zugleich das Entgelt für die vom Leasinggeber vorweg erbrachte Finanzierungsleistung darstellen (BGHZ 109, 368, 372 f; 111, 84, 94 f; 118, 282,

290 f; ebenso für ein befristetes Mietverhältnis BGH, Urt. v. 4. November 2009

- XII ZR 170/07, Rn. 20 ff). Ebenso entsteht der gesamte Rentenanspruch mit

dem Eintritt des Berechtigten in das Rentenalter. Bei Rentenbezügen ist eine

Vertragskündigung nicht möglich; ebenso scheiden Störungen der Vertragsabwicklung aufgrund von Leistungsstörungen aus; ferner ist der Erwerb nicht mehr

von einer Gegenleistung des Berechtigten abhängig (BGH, Versäumnisurt. v.

19. Mai 2009 - IX ZR 37/06, WM 2009, 1475, 1477 f Rn. 24).

22cc) Die an die Klägerin verpfändeten Gewinnansprüche bilden nach diesen Maßstäben in ihrem Entstehen ungesicherte künftige Forderungen.

23(1) Diese Wertung folgt im Streitfall bereits aus der Verknüpfung des

Gewinnbezugsrechts mit dem Eingang der periodisch geschuldeten Mietraten.

Da die Gesellschafter nach § 11 Nr. 5 des Gesellschaftsvertrags Ausschüttung

der auf sie entfallenden "Nettoerträge aus der Vermietung" verlangen können,

hängt das Gewinnbezugsrecht von dem Eingang der monatlichen Mietraten ab.

Folgerichtig ist ausgehend von den zum dritten Werktag eines Monats fälligen

Mieten der Fälligkeitszeitpunkt der Gewinnausschüttungen auf den zehnten

Werktag eines Monats bestimmt. Demnach ist nicht etwa eine feste, sondern

eine an den Eingang der Mieten gekoppelte Gewinnbeteiligung geschuldet. Bei

dieser Sachlage ist es - im Blick auf die bloße Zwischenschaltung der Gesellschaft - allein angemessen, die Gewinnansprüche Mietforderungen gleichzustellen, die keine gesicherte Rechtsposition vermitteln. Mithin handelt es sich

um einen Anspruch, der die Inanspruchnahme des Mietgegenstands voraussetzt (Ganter, aaO Rn. 24 vor §§ 49-52).

24(2) Davon abgesehen erwirbt der Zessionar oder Pfandgläubiger grundsätzlich keine gesicherte Rechtsposition an künftig entstehenden gesellschaftsrechtlichen Gewinnbezugsrechten.

25Bei dem Anspruch des Gesellschafters auf die Abfindung oder auf das

Auseinandersetzungsguthaben handelt es sich nicht um einen bereits bestehenden, nur noch nicht fälligen, also betagten, sondern um einen künftigen Anspruch, der erst mit dem Ausscheiden des Gesellschafters oder der Auflösung

der Gesellschaft entsteht. Diese Würdigung beruht auf der Erwägung, das der

Gesellschafter im Falle der Veräußerung seiner Beteiligung an einen Dritten

den - mithin zugunsten eines Zessionars oder Pfandgläubigers nicht rechtlich

gesicherten - Abfindungsanspruch verliert (BGHZ 88, 205, 206; 104, 351,

352 f). Nicht anders verhält es sich bei dem Anspruch auf periodisch entstehende Gewinnbezugsrechte, der ebenfalls bei einer Veräußerung in der Person

des Zessionars oder Pfandgläubigers nicht zum Entstehen gelangt. Eine Abtretung oder Verpfändung dieser Rechte wird darum erst mit ihrem Entstehen

wirksam (MünchKomm-BGB/Ulmer/Schäfer, aaO § 717 Rn. 31; Staub/Schäfer,

aaO § 105 Rn. 132).

26Eine andere Bewertung folgt nicht daraus, dass der Schuldner im Streitfall über den Gewinnanspruch hinaus auch seinen Gesellschaftsanteil an die

Klägerin verpfändet hat und dessen vollstreckungsrechtliche Verwertung auch

Gewinnbezugsrechte erfasst. Wie bereits dargelegt, vermittelt die Verpfändung

des Gesellschaftsanteils keine gesicherte Rechtsposition an den außerdem

verpfändeten Gewinnbezugsrechten. Das Pfandrecht an dem Gesellschaftsanteil würde zwar infolge des Prioritätsgrundsatzes durch eine spätere Abtretung

des Anteils an einen Dritten mangels der Möglichkeit eines gutgläubigen lastenfreien Erwerbs von Rechten in seiner Wirksamkeit nicht berührt (RGZ 73, 276,

278; MünchKomm-HGB/K. Schmidt, aaO § 135 Rn. 15; Oetker/Kamanabrou,

HGB 2009 § 135 Rn. 9; Wertenbruch, aaO S. 522; Reichert/Weller, aaO § 15

Rn. 314) und im Falle einer Zwangsvollstreckung einer Vorausabtretung oder

Vorausverpfändung von Gewinnbezugsrechten vorgehen (BGHZ 104, 351,

353 f; MünchKomm-HGB/K. Schmidt, aaO § 135 Rn. 16). Soweit der Klägerin

demzufolge gesicherte Ansprüche auf Gewinnbezugsrechte zukommen mögen,

hat sie jedoch die insoweit notwendige Zwangsvollstreckung 1277 BGB) nicht

in die Wege geleitet. Deshalb hätte im Falle der Abtretung des Geschäftsanteils

der Erwerber im Zeitpunkt ihres Entstehens sowohl von dem - nicht ausgeübten - Pfandrecht an dem Gesellschaftsanteil als auch von deren Verpfändung

unbelastete Gewinnansprüche erlangt (BGHZ 104, 351, 355; Stöber, Forderungspfändung 14. Aufl. S. 910 f Rn. 1623). Mithin erwirbt der Inhaber eines

Pfandrechts an einem Gesellschaftsanteil vor Einleitung der Zwangsvollstreckung an künftig entstehenden Gewinnansprüchen schon wegen der Möglichkeit einer Abtretung des Gesellschaftsanteils keine gesicherte Rechtsposition.

27Abgesehen von der Möglichkeit einer Übertragung der Beteiligung sind

gesellschaftsrechtliche Gewinnbezugsrechte auch bei einer Verpfändung des

Gesellschaftsanteils aus einer weiteren Erwägung nicht gegen Handlungen Drit-

ter gesichert: Es kann nämlich nicht ausgeschlossen werden, dass das Gesellschaftsverhältnis infolge einer rechtlich unentziehbaren 723 Abs. 3 BGB) außerordentlichen Kündigung (vgl. BGHZ 126, 226, 230 f; MünchKomm-

BGB/Ulmer/Schäfer, aaO § 723 Rn. 74) eines Mitgesellschafters, einer Kündigung durch dessen Gläubiger 725 BGB) oder einer Kündigung 725 Abs. 1,

§ 1277 BGB) eines im Vergleich zu dem Inhaber des Pfandrechts nachrangigen

Pfandgläubigers des verpflichteten Gesellschafters (Staub/Schäfer, aaO § 135

Rn. 14; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Lorz, aaO § 135 Rn. 15) vor dem Zeitpunkt der Fälligkeit von Gewinnansprüchen endet. Infolge der dann gebotenen

Abwicklung ist für die Entstehung künftiger Gewinnansprüche kein Raum.

28Überdies ähneln gesellschaftsrechtliche Gewinnbezugsrechte Forderungen auf Zins wegen einer Kapitalüberlassung (vgl. § 121 Abs. 1, § 168 Abs. 1

HGB). Derartige nach Insolvenzeröffnung fällige Forderungen gelten auch erst

als zu diesem Zeitpunkt entstanden (BGHZ 110, 47, 80 f; BGH, Urt. v. 30. Januar 1997, aaO). Bei dieser Sachlage scheitert der Erwerb eines Pfandrechts

durch die Klägerin an den nach Insolvenzeröffnung begründeten Gewinnansprüchen für die Monate Juli und August 2007 an § 91 Abs. 1 InsO.

292. Die vor Insolvenzeröffnung entstandenen Gewinnauszahlungsansprüche für die Monate April, Mai und Juni 2007 sind der Klägerin mangels Anwendbarkeit des § 91 Abs. 1 InsO wirksam verpfändet worden. Der auf § 816

Abs. 2, §§ 1282, 1228 Abs. 2 BGB gestützte Anspruch auf Auszahlung dieser

Beträge scheitert indes an der Anfechtbarkeit des Forderungserwerbs.

30Das Pfandrecht der Klägerin an den Gewinnbezugsrechten des Schuldners in den Monaten April, Mai und Juni 2007, unterliegt gemäß § 130 Abs. 1

Nr. 2 InsO der Anfechtung, weil die Rechtshandlung nach dem Insolvenzantrag

vorgenommen wurde und die Klägerin zu diesem Zeitpunkt den Insolvenzantrag

kannte. Das Pfandrecht der Klägerin an den Gewinnbezugsforderungen ist gemäß § 140 Abs. 1 InsO erst mit der Fälligkeit dieser Forderungen zum jeweils

zehnten Werktag der Monate April, Mai und Juni 2007 begründet worden.

31Dies folgt bereits aus dem Grundsatz, dass in den Fällen der Vorausabtretung einer künftigen Forderung, deren Verpfändung oder Pfändung auf den

Zeitpunkt abzustellen ist, in dem die Forderung entsteht (BGHZ 170, 196, 201

Rn. 14; BGH, Urt. v. 17. September 2009 - IX ZR 106/08, Rn. 13 z.V.b. in

BGHZ). Mithin bestimmt sich in dem hier zu beurteilenden Fall der Verpfändung

einer künftigen Forderung der Zeitpunkt der Vornahme 140 Abs. 1 BGB)

nach dem Entstehen der Gewinnansprüchen in den Monaten April, Mai und Juni 2007. Die Klägerin hat an den verpfändeten Gewinnansprüchen nach den

vorstehenden Ausführungen überdies keine zur Anwendung des § 140 Abs. 3

InsO führende gesicherte Rechtsstellung (vgl. BGH, Urt. v. 17. September 2009

- IX ZR 106/08, Rn. 14) erworben. Darum kann bei der Auslegung des § 140

InsO nicht auf einen früheren als den im Rahmen des § 91 Abs. 1 InsO für die

Begründung des Rechts maßgeblichen Zeitpunkt abgestellt werden (vgl. BGH,

Urt. v. 22. Oktober 2009, aaO S. 2349 Rn. 16). Schließlich ist hier das Gewinnbezugsrecht an die Entrichtung der den Gewinnzahlungen zugrunde liegenden

Mietforderungen gekoppelt. Bei der Verpfändung künftiger Mietforderungen

richtet sich der für die Anfechtung maßgebliche Zeitpunkt nach dem Beginn des

jeweiligen Nutzungsverhältnisses (BGH, Urt. v. 17. September 2009 - IX ZR

106/08, Rn. 8, 12 ff z.V.b. in BGHZ). Auch diese Wertung führt zu dem Ergebnis, dass die Rechtshandlung hier in der kritischen Zeit vorgenommen wurde.

III.

32Bei dieser Sachlage ist die Revision der Klägerin nach § 561 ZPO zurückzuweisen.

Ganter Gehrlein Vill

Lohmann Fischer

Vorinstanzen:

LG Ulm, Entscheidung vom 06.11.2008 - 2 O 212/08 -

OLG Stuttgart, Entscheidung vom 08.04.2009 - 3 U 240/08 -

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 278/01 vom 17.10.2001

Urteil vom 17.10.2001

2 ARs 245/01 vom 17.10.2001

Leitsatzentscheidung

NotZ 39/02 vom 31.03.2003

Anmerkungen zum Urteil