Urteil des BGH vom 22.07.2010, 3 StR 133/10

Entschieden
22.07.2010
Schlagworte
Actio libera in causa, Bedingter vorsatz, Stgb, Opfer, Ergebnis, Schusswaffe, Begründung, Beweisantrag, Literatur, Durchführung
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BUNDESGERICHTSHOF

BESCHLUSS

3 StR 133/10

vom

22. Juli 2010

in der Strafsache

gegen

1.

2.

3.

4.

wegen zu 1. und 3.: Mordes u. a. zu 2.: Raubes mit Todesfolge zu 4.: Anstiftung zum schweren Raub

Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und nach Anhörung der Beschwerdeführer am 22. Juli 2010 einstimmig

beschlossen:

1. Die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Stade vom 13. Mai 2009 werden als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat 349 Abs. 2 StPO).

2. Die sofortige Beschwerde des Angeklagten D.

gegen die Kosten- und Auslagenentscheidung des vorgenannten Urteils wird verworfen, weil diese Entscheidung der Sachund Rechtslage entspricht.

3. Jeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels

und die den Nebenklägern im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Ergänzend zur Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:

1. Zur Verfahrensrüge Nr. 7. des Angeklagten C.

Zwar hat das Landgericht den Beweisantrag auf Vernehmung der Geschädigten

des Raubüberfalls vom 23. Januar 2007 in L. rechtsfehlerhaft mit der

Begründung zurückgewiesen, die Beweisbehauptungen seien aufs Geratewohl

ins Blaue hinein aufgestellt, sodass es sich in Wahrheit um einen nicht ernstlich

gemeinten, zum Schein gestellten Beweisantrag handele. Der Senat kann jedoch ausschließen, dass das Urteil auf diesem Rechtsfehler beruht. Nach dem

Ergebnis der von der Strafkammer durchgeführten Beweisaufnahme wurde bei

dem Raubüberfall keine Beute gemacht. Aus dem verlesenen DNA-Gutachten

ergibt sich, dass die Angeklagten V. und P. als Mitverursacher der am Tatort sichergestellten Spuren ausscheiden (UA S. 146).

2. Zur Sachrüge des Angeklagten V.

Das Landgericht hat den Angeklagten im Ergebnis zu Recht wegen Raubes mit

Todesfolge 251 StGB) verurteilt.

Es bestehen Bedenken, ob dem Angeklagten V. das vorsätzliche

Erschießen der Opfer F. und W. durch den Mitangeklagten C. , der nach dem gemeinsamen Tatplan die geladene Selbstladepistole lediglich zur Drohung verwenden sollte, über die Grundsätze der "sukzessiven Mittäterschaft" deshalb zugerechnet werden kann, weil er sich nach

der von ihm erkannten Tötung weiter an der Durchführung des Raubüberfalls

beteiligte. Gegen die Rechtsprechung, die dies bejaht (vgl. BGH, Urteil vom 18.

Dezember 2007 - 1 StR 301/07, NStZ 2008, 280), werden von der Literatur Einwendungen von Gewicht erhoben (Walter NStZ 2008, 548, 553 f.; Schünemann

in LK 12. Aufl. § 25 Rn. 197 ff.). Der Senat muss die Rechtsfrage nicht entscheiden; denn die getroffenen Feststellungen tragen den Schuldspruch mit

einer anderen Begründung.

Wie sich aus dem Gesamtzusammenhang der Urteilsgründe ergibt (UA S. 182),

schob der Angeklagte nach dem von ihm erkannten Mittäterexzess des Mitangeklagten C. seine ursprünglichen Bedenken hinsichtlich des Einsatzes

der Schusswaffe beiseite und billigte weitere von ihm als möglich erachtete

Gewalthandlungen mit der geladenen Pistole. Damit hat sich sein geänderter

bedingter Vorsatz auf den Einsatz der Schusswaffe gegen die bis dahin noch

nicht schwerwiegend verletzten fünf weiteren Opfer erstreckt. Er hat hinsichtlich

des Todes dieser Menschen im Sinne des § 251 StGB leichtfertig gehandelt,

weil sich ihm wegen des sofortigen Waffeneinsatzes gegen die ersten Opfer

F. und W. kurz zuvor die vorsätzliche Tötung der weiteren

Opfer durch den Mitangeklagten C. als nahe liegende Möglichkeit aufdrängte.

Es beschwert den Angeklagten nicht, dass das Landgericht bei der Strafzumessung nicht vom Strafrahmen des § 251 StGB, sondern von dem des § 250 Abs.

2 StGB ausgegangen ist (UA S. 204 f.).

3. Zu den Rügen der Angeklagten hinsichtlich § 21 StGB

Die Bejahung einer verminderten Steuerungsfähigkeit der Angeklagten

C. , D. und V. wegen der kurz vor dem Raubüberfall konsumierten

Drogen schied schon nach den Grundsätzen der "actio libera in causa" aus.

Becker Pfister von Lienen

Hubert Schäfer

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