Urteil des BAG, Az. 7 AZR 488/06

BAG (vorübergehend, arbeitszeit, arbeitsvertrag, befristung, arbeitnehmer, grund, anteil, land, einstellung, umfang)
BUNDESARBEITSGERICHT Urteil vom 7.11.2007, 7 AZR 488/06
Befristung - Haushalt
Tenor
Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des Landesarbeitsgerichts
Düsseldorf vom 7. April 2006 - 10 (9) Sa 65/06 - aufgehoben.
Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das
Landesarbeitsgericht zurückverwiesen.
Tatbestand
1 Die Parteien streiten über die Wirksamkeit der Befristung ihres Arbeitsvertrags vom 7. Juni 2005.
2 Die Klägerin war nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Justizangestellten seit dem 30. Juli 1999 auf
Grund mehrerer befristeter Arbeitsverträge im Justizdienst des beklagten Landes zuletzt bei dem
Amtsgericht M tätig. Auf das Arbeitsverhältnis fanden auf Grund einzelvertraglicher Bezugnahme
die Bestimmungen des Bundes-Angestelltentarifvertrages (BAT) und der diesen ergänzenden oder
ersetzenden Tarifverträge Anwendung. In dem Arbeitsvertrag vom 30. Juli 1999, auf den die
nachfolgenden Arbeitsverträge verwiesen haben, ist die Einstellung auf bestimmte Zeit nach der SR
2y BAT und die Befristungsgrundform der Zeitangestellten vereinbart.
3 Im Vertrag vom 7. Juni 2005 vereinbarten die Parteien die befristete Weiterbeschäftigung der
Klägerin für die Zeit vom 1. Juli 2005 bis zum 31. Dezember 2005. Der Vertrag lautet auszugsweise
wie folgt:
“Frau S, geb. St wird am 01.07.2005
a) mit 0,25 Anteil der durchschnittlichen regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit einer
entsprechenden vollbeschäftigten Angestellten bis zum 21.08.05,
b) mit der Hälfte der durchschnittlichen regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit einer
entsprechenden vollbeschäftigten Angestellten bis zum 31.08.05,
c) mit 0,125 Anteil der durchschnittlichen regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit einer
entsprechenden vollbeschäftigten Angestellten bis zum 31.12.05 weiterbeschäftigt und zwar
wegen Vorliegens der folgenden sachlichen Gründe:
Vorübergehend freie Haushaltsmittel (§ 7 Abs. 3 HHG[richtig: HG NW 2004/2005]) der
befristet nutzbaren Stellenanteile
zu a) 0,25 Anteil der Hilfsstelle des BKS-Dienstes Vergütungsgruppe V c BAT der
Justizangestellten C, AG O, die aufgrund Vereinbarung gemäß § 15b BAT bis zum 21.08.05
teilzeitbeschäftigt ist,
zu b) 0,25 Anteil der Hilfsstelle des BKS-Dienstes Vergütungsgruppe V c BAT der
Justizangestellten W, die bis zum 31.12.05 beurlaubt ist (Elternzeit und Sonderurlaub), sowie
eines weiteren Stellenanteils von 0,25 der Hilfsstelle des BKS-Dienstes Vergütungsgruppe V c
BAT der Justizangestellten L, die aufgrund Vereinbarung gemäß § 15 b BAT bis zum 31.08.06
teilzeitbeschäftigt ist,
teilzeitbeschäftigt ist,
zu c) 0,125 Anteil der Hilfsstelle des BKS-Dienstes Vergütungsgruppe V c BAT der
Justizangestellten B, AG W, die bis zum 31.12.05 beurlaubt ist (Elternzeit)...”
4 Die Arbeitszeit der beim Amtsgericht O beschäftigten Justizangestellten C war im Zeitraum vom
22. Februar 2005 bis zum 21. August 2005 auf ein Viertel der regelmäßigen Arbeitszeit einer
vollzeitbeschäftigten Angestellten reduziert. Die Justizangestellte W war vom 5. November 2004 bis
zum 31. Dezember 2005 nach § 50 BAT beurlaubt. Die Arbeitszeit der Justizangestellten L war in
der Zeit vom 1. September 2004 bis zum 31. August 2006 gemäß § 15b BAT auf ein Viertel der
regelmäßigen Arbeitszeit einer vollzeitbeschäftigten Angestellten abgesenkt. Beide
Justizangestellten waren wie die Klägerin beim Amtsgericht M tätig. Der beim Amtsgericht W
beschäftigten Justizangestellten B war im Zeitraum vom 1. Januar 2005 bis zum 31. Dezember
2005 Elternzeit bewilligt worden.
5 Mit der am 5. September 2005 beim Arbeitsgericht eingegangenen Klage hat die Klägerin beantragt,
1. festzustellen, dass das zwischen den Parteien bestehende Arbeitsverhältnis nicht auf
Grund der Befristung in dem Arbeitsvertrag vom 7. Juni 2005 zum 21. August 2005 bzw.
zum 31. August 2005 sowie nicht zum 31. Dezember 2005 beendet wurde,
2. für den Fall des Obsiegens mit dem Antrag zu 1. das beklagte Land zu verurteilen, die
Klägerin über den 21. August 2005 hinaus für die Dauer des Rechtsstreits mit einer
Arbeitszeit von 7/8 von 41 Stunden wöchentlich als teilzeitbeschäftigte Justizangestellte
weiter zu beschäftigen.
6 Das beklagte Land hat Klageabweisung beantragt.
7 Beide Vorinstanzen haben die Klage abgewiesen. Mit der Revision verfolgt die Klägerin ihre Anträge
weiter, während das beklagte Land die Zurückweisung der Revision beantragt.
Entscheidungsgründe
8 Die Revision der Klägerin ist begründet und führt unter Aufhebung des Berufungsurteils zur
Zurückverweisung des Rechtsstreits an das Landesarbeitsgericht. Das angefochtene Urteil hält
der revisionsrechtlichen Überprüfung nicht stand. Das Landesarbeitsgericht hat die rechtzeitig
erhobene Befristungskontrollklage (§ 17 Satz 1 TzBfG) der Klägerin mit der Begründung
abgewiesen, der Sachgrund der zeitweilig verfügbaren Haushaltsmittel nach § 14 Abs. 1 Satz 2
Nr. 7 TzBfG rechtfertige die im Arbeitsvertrag vom 7. Juni 2005 vereinbarte Befristung. Die
bisherigen Feststellungen des Landesarbeitsgerichts tragen diese Würdigung nicht. Zur
Beurteilung der Frage, ob die im Arbeitsvertrag enthaltenen Befristungen zum 21. August 2005,
zum 31. August 2005 sowie zum 31. Dezember 2005 durch den in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG
enthaltenen Sachgrund gerechtfertigt sind, bedarf es weiterer Sachaufklärung durch das
Landesarbeitsgericht. Der zu 2. gestellte Weiterbeschäftigungsantrag fällt dem Senat nicht zur
Entscheidung an.
9 A. Der Senat kann auf der Grundlage der bisherigen tatsächlichen Feststellungen nicht
abschließend beurteilen, ob die in dem Arbeitsvertrag vom 7. Juni 2005 enthaltene
Befristungsabrede durch den Sachgrund der nur vorübergehend verfügbaren Haushaltsmittel in
§ 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG gerechtfertigt ist.
10 I. Nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG liegt ein sachlicher Grund für die Befristung eines
Arbeitsverhältnisses vor, wenn der Arbeitnehmer aus Haushaltsmitteln vergütet wird, die
haushaltsrechtlich für eine befristete Beschäftigung bestimmt sind, und er entsprechend
beschäftigt wird. Der Sachgrund des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG erfordert nach der
Rechtsprechung des Senats wie bereits die wortgleiche Vorschrift des § 57b Abs. 2 Nr. 2 HRG in
der bis zum 30. Dezember 2004 geltenden Fassung die Vergütung des Arbeitnehmers aus
Haushaltsmitteln, die mit einer konkreten Sachregelung auf der Grundlage einer nachvollziehbaren
Zwecksetzung versehen sind. Die für die Vergütung des befristet eingestellten Arbeitnehmers
verfügbaren Haushaltsmittel müssen für eine Aufgabe von nur vorübergehender Dauer
vorgesehen sein (BAG 18. Oktober 2006 - 7 AZR 419/05 - Rn. 11, AP TzBfG § 14 Haushalt Nr. 1
= EzA TzBfG § 14 Nr. 34) . Die Voraussetzungen des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG liegen nicht
vor, wenn Haushaltsmittel lediglich allgemein für die Beschäftigung von Arbeitnehmern im Rahmen
von befristeten Arbeitsverhältnissen bereitgestellt werden. Dies folgt aus der Auslegung des
Gesetzes unter Berücksichtigung seiner Entstehungsgeschichte sowie unter der gebotenen
Beachtung der verfassungsrechtlichen und gemeinschaftsrechtlichen Vorgaben (vgl. dazu die
ausführliche Begründung des Senats in seiner Entscheidung vom 18. Oktober 2006 - 7 AZR
419/05 - Rn. 12 - 22, aaO) .
11 Der Sachgrund erfordert neben der nur zeitlich begrenzten Verfügbarkeit von Haushaltsmitteln den
überwiegenden Einsatz des befristet beschäftigten Arbeitnehmers entsprechend der
Zwecksetzung der bereitstehenden Haushaltsmittel. Dabei sind die Umstände bei Vertragsschluss
maßgeblich. Dies gilt auch für die Frage, ob der Arbeitnehmer aus den Haushaltsmitteln vergütet
worden ist. Wird später festgestellt, dass der Arbeitnehmer tatsächlich nicht aus den bei
Vertragsschluss verfügbaren Haushaltsmitteln vergütet oder entsprechend der Zwecksetzung der
zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel beschäftigt wird, kann dies ein Indiz dafür sein, dass der
Befristungsgrund in Wirklichkeit nicht gegeben, sondern nur vorgeschoben ist. Es obliegt in
diesem Fall dem Arbeitgeber, die vom Vertrag abweichende Handhabung zu erklären (BAG
14. Februar 2007 - 7 AZR 193/06 - Rn. 11, AP TzBfG § 14 Haushalt Nr. 2 = EzA TzBfG § 14
Nr. 38) .
12 II. Der Senat kann auf der Grundlage der bisherigen Feststellungen des Landesarbeitsgerichts
nicht beurteilen, ob im Streitfall die Voraussetzungen für eine nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG
gerechtfertigte Befristung gegeben sind. Die Klägerin ist zwar nach den von der Revision nicht
angegriffenen Feststellungen des Landesarbeitsgericht aus Haushaltsmitteln vergütet worden, die
auf Grund der vorübergehenden Abwesenheit bzw. der zeitweisen Teilzeitbeschäftigung der im
Arbeitsvertrag vom 7. Juni 2005 genannten Justizangestellten C, W, L sowie B für die Einstellung
von Aushilfskräften iSd. § 7 Abs. 3 des Gesetzes über die Feststellung der Haushaltspläne des
Landes Nordrhein-Westfalen für die Haushaltsjahre 2004/2005 (HG NW 2004/2005) für die
Beschäftigung von Aushilfskräften zur Verfügung standen. Die bisherigen Feststellungen des
Landesarbeitsgerichts rechtfertigen aber nicht die Annahme, dass die Klägerin entsprechend der in
§ 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 enthaltenen haushaltsrechtlichen Zwecksetzung als Aushilfskraft
beschäftigt worden ist.
13 1. Nach § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 können Planstellen und Stellen für Zeiträume, in denen
Stelleninhaberinnen und Stelleninhabern vorübergehend keine oder keine vollen Dienstbezüge zu
gewähren sind, im Umfang der nicht in Anspruch genommenen Planstellen- oder Stellenanteile für
die Beschäftigung von beamteten Hilfskräften und Aushilfskräften in Anspruch genommen werden.
Nach der Senatsrechtsprechung liegt eine Beschäftigung als Aushilfskraft iSd. § 7 Abs. 3 HG NW
2004/2005 vor, wenn die haushaltsmittelbewirtschaftende Dienststelle hierdurch entweder einen
Mehrbedarf bei sich oder in einer Dienststelle ihres nachgeordneten Geschäftsbereichs abdeckt
oder einen betrieblichen Bedarf in der Dienststelle ausgleicht, der der vorübergehend abwesende
Planstellen- oder Stelleninhaber angehört. Mit diesem Inhalt genügt die Vorschrift den an eine
ausreichende haushaltsrechtliche Zwecksetzung zu stellenden Anforderungen (BAG 14. Februar
2007 - 7 AZR 193/06 - Rn. 14, AP TzBfG § 14 Haushalt Nr. 2 = EzA TzBfG § 14 Nr. 38) .
14 a) Bei der Beschäftigung einer Aushilfskraft zur Deckung eines Mehrbedarfs müssen der
vorübergehend abwesende Planstellen- oder Stelleninhaber und der befristet beschäftigte
Arbeitnehmer nicht der gleichen Dienststelle angehören. Es ist ausreichend, dass beide
Arbeitnehmer dem Geschäftsbereich der haushaltsmittelbewirtschaftenden Dienststelle
zugeordnet sind und vergleichbare Tätigkeiten ausüben. Hierdurch wird der für das Merkmal des
Aushilfsangestellten iSd. § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 erforderliche Zusammenhang hergestellt.
Ein die Einstellung einer Aushilfskraft iSd. § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 rechtfertigender
Mehrbedarf liegt vor, wenn die Arbeitsmenge in einer Dienststelle des Geschäftsbereichs der
haushaltsmittelbewirtschaftenden Dienststelle so angestiegen ist, dass sie nicht oder in nicht
angemessener Zeit mit dem nach dem Stellenplan verfügbaren Personal dieser Dienststelle
erledigt werden kann. Das Volumen der üblicherweise zu bewältigenden Arbeitsleistung wird durch
die im Stellenplan festgelegte Personalausstattung bestimmt, deren Angemessenheit einer
befristungsrechtlichen Kontrolle entzogen ist. Liegt in der Dienststelle ein mit der
stellenplanmäßigen Personalausstattung nicht mehr zu bewältigender Arbeitsanfall vor, besteht ein
Bedürfnis für die Beschäftigung eines Arbeitnehmers in dem von dem Mehrbedarf betroffenen
Arbeitsbereich. Anders als bei dem Sachgrund nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 TzBfG muss sich
die Prognose des öffentlichen Arbeitgebers nicht darauf beziehen, dass die Arbeitsmenge nach
Ablauf des befristeten Arbeitsvertrags wieder mit dem nach dem Stellenplan verfügbaren Personal
bewältigt werden kann. Eine Beschäftigung als Aushilfskraft iSd. § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005
liegt bereits dann vor, wenn bei Vertragsschluss die Annahme gerechtfertigt ist, dass der
Mehrbedarf voraussichtlich während der Vertragsdauer des befristet beschäftigten Arbeitnehmers
bestehen wird. Der öffentliche Arbeitgeber hat im Bestreitensfall die angestiegene Arbeitsmenge
nachvollziehbar darzulegen. Ein Mehrbedarf iSd. § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 liegt nicht mehr
vor, wenn der öffentliche Arbeitgeber von einem dauerhaften Anstieg der Arbeitsmenge ausgeht
und auf organisatorische Maßnahmen zur Anpassung der Stellenausstattung an den Bedarf, wie
zB das Einwerben von neuen Stellen, die Verlagerung von Stellen von anderen Dienststellen oder
die Umorganisation des Arbeitsablaufs verzichtet.
15 b) Vom Begriff der Aushilfskraft iSd. § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 ist auch eine Beschäftigung zur
Bewältigung eines Arbeitsbedarfs bei der Dienststelle umfasst, der der vorübergehend abwesende
Planstellen- bzw. Stelleninhaber bis zu dem Beginn seiner Freistellung angehört hat. Der Bedarf an
der Arbeitsleistung des befristet beschäftigten Arbeitnehmers muss dabei nicht auf einer
angestiegenen Arbeitsmenge beruhen, sondern kann auf eine fehlende Abdeckung der bisherigen
Arbeitsmenge durch die vorhandene Belegschaft zurückzuführen sein. Anders als bei dem
Sachgrund der Vertretung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 TzBfG ist jedoch kein
Kausalzusammenhang zwischen der befristeten Beschäftigung der Aushilfskraft und dem durch
die vorübergehende Abwesenheit des Planstellen- oder Stelleninhabers in der Dienststelle
entstandenen Arbeitskräftebedarfs erforderlich. § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 verlangt nicht, dass
der befristet beschäftigte Arbeitnehmer zur Vertretung des vorübergehend abwesenden
Planstellen- bzw. Stelleninhabers oder eines anderen Arbeitnehmers eingestellt worden ist. Eine
rechtliche und fachliche Austauschbarkeit der Aushilfskraft mit dem vorübergehend abwesenden
Planstellen- oder Stelleninhaber ist nicht erforderlich. Es ist vielmehr ausreichend, wenn der
Beschäftigte Aufgaben wahrnimmt, die ansonsten einem oder mehreren anderen Arbeitnehmern
der Dienststelle übertragen worden wären, die dem Arbeitsbereich des vorübergehend
abwesenden Planstellen- oder Stelleninhabers angehören.
16 Die Voraussetzungen des § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 liegen hingegen nicht vor, wenn der
befristet beschäftigte Arbeitnehmer nicht in der Dienststelle des vorübergehend abwesenden
Planstelleninhabers, sondern in einer anderen Dienststelle zur Abdeckung eines durch die
Abwesenheit eines anderen Arbeitnehmers entstandenen Bedarfs eingesetzt wird. In diesem Fall
fehlt es an dem für § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 erforderlichen Zusammenhang zwischen dem
Fehlen des Planstellen- oder Stelleninhabers und der Beschäftigung des neu eingestellten
Arbeitnehmers.
17 2. Das Landesarbeitsgericht hat zwar angenommen, dass die Klägerin als Aushilfskraft iSd. § 7
Abs. 3 HG NW 2004/2005 beschäftigt worden ist. Es hat aber nicht festgestellt, dass die nach § 7
Abs. 3 HG NW 2004/2005 erforderlichen Voraussetzungen für eine Beschäftigung der Klägerin als
Aushilfskraft tatsächlich vorliegen. Es fehlt schon an Feststellungen zu den Zuständigkeiten für die
Bewilligung der Haushaltsmittel, aus denen die Klägerin vergütet werden sollte. Ihre Beschäftigung
als Aushilfskraft iSd. § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 setzt die Zugehörigkeit der Amtsgerichte M, O
und W zu dem Geschäftsbereich derselben haushaltsmittelbewirtschaftenden Dienststelle voraus.
Daneben hat sich das Landesarbeitsgericht nicht mit dem Beschäftigungsbedarf bei dem
Amtsgericht M, bei dem die Klägerin beschäftigt werden sollte, befasst. Dies führt zur Aufhebung
der angefochtenen Entscheidung.
18 III. Die Zurückverweisung erübrigt sich nicht deshalb, weil das beklagte Land gehindert wäre, sich
auf den Sachgrund des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG zu berufen oder die im Arbeitsvertrag vom
7. Juni 2005 vereinbarte Befristung aus anderen Gründen unwirksam ist. Beides ist nicht der Fall.
19 1. Das beklagte Land kann sich auf den Befristungsgrund aus § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG
berufen, da die Parteien, die einzelvertraglich das Tarifwerk des BAT in Bezug genommen haben,
die Befristungsgrundform des Zeitangestellten vereinbart haben, der der Sachgrund der zeitlich nur
begrenzt verfügbaren Haushaltsmittel zuzuordnen ist (BAG 4. Dezember 2002 - 7 AZR 437/01 -
AP BAT § 2 SR 2y Nr. 24 = EzA BGB 2002 § 620 Nr. 1, zu A II 3 der Gründe; 17. April 2002 -
7 AZR 665/00 - BAGE 101, 84 = AP BAT § 2 SR 2y Nr. 21 = EzA BGB § 620 Nr. 194, zu I 3 der
Gründe) .
20 2. Die Würdigung des Landesarbeitsgerichts, der beim Amtsgericht M gebildete Personalrat sei
von dem Direktor des Amtsgerichts vor Abschluss des befristeten Arbeitsvertrags
ordnungsgemäß beteiligt worden, wird von der Klägerin in der Revisionsinstanz nicht mehr in
Zweifel gezogen.
21 B. Das Urteil des Landesarbeitsgerichts ist danach aufzuheben und der Rechtsstreit zur weiteren
Sachaufklärung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen, § 563 Abs. 1 ZPO.
22 I. Bei der Beurteilung der Voraussetzungen des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG wird das
Landesarbeitsgericht von Folgendem auszugehen haben:
23 1. Die Justizangestellten W und L sind wie die Klägerin bei dem Amtsgericht M beschäftigt. Eine
Beschäftigung als Aushilfskraft iSd. § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 liegt vor, wenn die Klägerin in
der Zeit vom 1. Juli 2005 bis zum 31. August 2005 Aufgaben wahrnehmen sollte, die ansonsten
einem oder mehreren anderen im BKS-Bereich des Amtsgerichts M beschäftigten
Justizangestellten übertragen worden wären.
24 2. Die Justizangestellten C und B gehörten zum Zeitpunkt des Abschlusses des Arbeitsvertrags
vom 7. Juni 2005 nicht der Dienststelle an, in der die Klägerin beschäftigt werden sollte. Diese
Justizangestellten waren bei den Amtsgerichten O bzw. W tätig, während die Klägerin bei dem
Amtsgericht M eingesetzt werden sollte. Eine Beschäftigung als Aushilfskraft iSd. § 7 Abs. 3 HG
NW 2004/2005 liegt danach nur vor, wenn die Amtsgerichte M, O und W dem Geschäftsbereich
derselben haushaltsmittelbewirtschaftenden Dienststelle zugeordnet sind und die Klägerin zur
Deckung eines Mehrbedarfs bei dem Amtsgericht M beschäftigt werden sollte.
25 Hinsichtlich der haushaltsrechtlichen Voraussetzungen wird das Landesarbeitsgericht daher
aufzuklären haben, welcher Dienststelle die Bewirtschaftung der Haushaltsmittel für die Einstellung
der Aushilfskräfte übertragen ist. Gehören die Amtsgerichte M, O und W nicht zu dem
Geschäftsbereich derselben haushaltsmittelbewirtschaftenden Dienststelle, liegt keine
Beschäftigung als Aushilfskraft iSd. § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 vor. Liegen die
haushaltsrechtlichen Voraussetzungen für die Beschäftigung der Klägerin als Aushilfskraft iSd. § 7
Abs. 3 HG NW 2004/2005 dagegen vor, wird das Landesarbeitsgericht weiter aufzuklären haben,
ob zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses bei dem Amtsgericht M im Bereich des mittleren
Justizdienstes ein Beschäftigungsbedarf bestanden hat, der mit dem nach dem Stellenplan
verfügbaren Personal nicht oder in nicht angemessener Zeit bewältigt werden konnte. Kommt das
Landesarbeitsgericht dazu, dass bei Vertragsschluss am 7. Juni 2005 ein Mehrbedarf iSd. § 7
Abs. 3 HG NW 2004/2005 prognostiziert werden konnte, der in der Zeit vom 1. Juli bis zum
21. August 2005 den Einsatz einer Justizangestellten mit dem Umfang von einem Viertel der
Arbeitszeit einer vollzeitbeschäftigten Angestellten sowie bis zum 31. Dezember 2005 im Umfang
von einem weiteren Achtel einer vollzeitbeschäftigten Angestellten gerechtfertigt hat, wäre die
Klägerin insoweit als Aushilfskraft für die Justizangestellten C und B iSd. § 7 Abs. 3 HG NW
2004/2005 anzusehen.
26 II. Liegen die Voraussetzungen des § 7 Abs. 3 HG NW 2004/2005 nicht vor, muss sich das
Landesarbeitsgericht unter Würdigung des bisher von den Parteien und den Vorinstanzen nicht
weiter problematisierten Vertragsschlusses mit der Frage auseinandersetzen, mit welchem
zeitlichen Umfang das Arbeitsverhältnis der Parteien nach § 16 Satz 1 1. Halbsatz TzBfG
unbefristet fortbesteht. Da das Landesarbeitsgericht zur Auslegung der im Arbeitsvertrag
enthaltenen Befristungsabrede bislang weder Tatsachen festgestellt noch eine rechtliche
Bewertung vorgenommen hat, sieht der Senat von weiteren Hinweisen ab.
27 C. Der auf Weiterbeschäftigung gerichtete Hilfsantrag zu 2. fällt dem Senat nicht zur Entscheidung
an. Er ist für den Fall des Obsiegens mit dem Klageantrag zu 1. gestellt. Diese innerprozessuale
Bedingung tritt nicht ein.
Dörner
Gräfl
Koch
Coulin
Becher