Urteil des AG Recklinghausen vom 08.03.2005, 11 C 393/04

Entschieden
08.03.2005
Schlagworte
Treu und glauben, Wiederbeschaffungswert, Totalschaden, Fahrzeug, Obliegenheit, Wirtschaftlichkeit, Geldersatz, Verkehrsunfall, Reparatur, Datum
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Amtsgericht Recklinghausen, 11 C 393/04

Datum: 08.03.2005

Gericht: Amtsgericht Recklinghausen

Spruchkörper: 11. Abteilung des Amtsgerichts

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 11 C 393/04

Tenor: 1. Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin 370,-- nebst Zinsen

in Höhe von 5 %-Punkten über dem Basiszins seit dem 08.10.2004

zu zahlen.

2. Die Kosten des Rechtsstreits werden der Beklagten auferlegt.

3. Dieses Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

4. Berufung gegen dieses Urteil wird nicht zugelassen.

Von der Darstellung eines Tatbestandes wird abgesehen. 1

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e : 2

3Die zulässige Klage ist begründet. Gemäß § 3 Nr. 1 PflVersG steht der Klägerin gegenüber der Beklagten der aus dem Tenor ersichtliche Zahlungsanspruch zu.

4Durch den streitgegenständlichen Verkehrsunfall vom 18. Mai 2004 in Reckling-hausen ist an dem klägerischen Kraftfahrzeug ein wirtschaftlicher Totalschaden ein-getreten. Nach dem Gutachten des RWTÜV beträgt der Wiederbeschaffungswert

5des verunfallten klägerischen Kraftfahrzeugs 1.900,-- €; der Restwert des Fahrzeuges wird in dem Gutachten mit 100,-- angegeben.

6Soweit die Beklagte die Rechtsauffassung vertritt, die Klägerin müsse sich im Rahmen des Restwertes über den Betrag, den der Sachverständige ermittelt hat, einen weiteren Betrag anrechnen lassen, der durch einen von der Beklagten benannten Restwertaufkäufer gezahlt werden würde, vermag sich das Gericht nicht anzuschließen. Der Geschädigte kann grundsätzlich zwischen der Reparatur des verunfallten Kraftfahrzeuges und Geldersatz zur Beschaffung eines gleichwertigen Kraftfahrzeuges wählen, § 249 BGB. Der von der Klägerseite beanspruche Schadensersatzbetrag muss jedoch dem Gebot der wirtschaftlichen Vernunft ent-sprechen. Im Rahmen des hier zur Entscheidung anstehenden wirtschaftlichen Totalschadens und seines wirtschaftlichen Ausgleiches bedeutet dies, dass die Klägerin grundsätzlich den von dem Gutachter ermittelten

Wiederbeschaffungswert abzüglich eines Restwertes beanspruchen kann. Die Höhe des Wiederbeschaffungs-wertes steht zwischen den Parteien nicht im Streit. Bei der Ermittlung der Höhe des anzusetzenden Restwertes gilt ebenfalls das Wirtschaftlichkeitspostulat wie auch bei der Ermittlung des Wiederbeschaffungswertes (vgl. dazu BGH, Urteil vom 30.11.1999 - VI ZR 219/98 -). Dieses Gebot der Wirtschaftlichkeit wird hier von der Klägerin hinreichend beachtet. Denn auch bei der Ermittlung des Restwertes darf die Klägerin den von einem anerkannten Sachverständigen geschätzten Restwert durchaus zugrunde legen. Denn das Gutachten eines solchen anerkannten Sachver-ständigen bildet in der Regel eine geeignete Grundlage für die Bemessung des im Einzelnen anzusetzenden Restwertes. Das Gericht verkennt dabei nicht, dass der vorgenannte Grundsatz auch Ausnahmen beinhaltet. So ist es durchaus denkbar, dass bei der Gesamtabrechnung des wirtschaftlichen Totalschadens ein höherer Restwertpreis eines insofern spezialisierten Restwertaufkäufers zu berücksichtigen sein wird. Denn es sind durchaus Fälle konkret denkbar, in denen der Kläger schon aus dem Rechtsgedanken des § 254 Absatz 2 BGB gehalten ist, ein solches für ihn günstigeres Restwertangebot eines spezialisierten Restwertaufkäufers in Anspruch zu nehmen. Eine solche Obliegenheit trifft den Kläger jedoch nach den Grundsätzen von Treu und Glauben in Verbindung mit § 254 Absatz 2 BGB nur in den Fällen, in denen er auch tatsächlich sein verunfalltes Fahrzeug, bei dem ein wirtschaftlicher Totalschaden eingetreten ist, verkaufen möchte oder aber anderweitig in Zahlung geben möchte. Denn nur in solchen Fällen hat er auch tatsächlich die konkrete Möglichkeit, das erhöhte Angebot des Restwertaufkäufers in Anspruch zu nehmen. Im zur Entscheidung anstehenden Fall hat die Klägerin jedoch das verunfallte Kraft-fahrzeug behalten und selbst wieder instand gesetzt. Sie konnte insofern das Angebot des Restwertaufkäufers, welchen ihr die Beklagte benannt hat, gar nicht annehmen. In einem solchen Fall verbleibt es aber bei dem bereits oben nieder-gelegten Grundsatz, wonach der Geschädigte den ermittelten Restwertbetrag dem Sachverständigengutachten entnehmen und bei der Schadensabrechnung zugrunde legen darf.

7Das führt in der Sache dazu, dass die Klägerin von der Beklagten den aus dem Tenor ersichtlichen Differenzbetrag zwischen dem Restwertangebot der Beklagten und der Restwertermittlung des Gutachters verlangen kann.

8Der darüber hinaus geltend gemachte Zinsanspruch ist gemäß §§ 291, 288 Absatz 1 BGB begründet.

9Die weiteren Nebenentscheidungen ergeben sich aus den §§ 91 Absatz 1 Satz 1 ZPO, 708 Nr. 11, 711, 713 ZPO.

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