Urteil des AG Potsdam vom 13.03.2017, 32 C 217/07

Entschieden
13.03.2017
Schlagworte
Diebstahl, Versicherungsvertrag, Auszug, Versicherungsschutz, Versicherer, Vollstreckbarkeit, Link, Quelle, Sammlung, Versicherungsleistung
Urteil herunterladen

Gericht: AG Potsdam Quelle:

Entscheidungsdatum: 10.01.2008 Norm: § 5a Buchst b VHB 2001

Aktenzeichen: 32 C 217/07

Dokumenttyp: Urteil

Hausratversicherung: Beweislast für den Zeitpunkt des Eintritts des Versicherungsfalles bei einem Diebstahl aus einem verschlossenen Kraftfahrzeug

Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt der Kläger.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Tatbestand

1Von der Darstellung des Tatbestandes wird gemäß § 313 a ZPO abgesehen.

Entscheidungsgründe

2Die Klage ist nicht begründet.

3Dem Kläger steht ein Anspruch auf Versicherungsleistung aus dem mit der Beklagten geschlossenen Versicherungsvertrag über die Hausratversicherung, Versicherungsnummer aufgrund des Schadensfalls vom nicht zu.

4Es kann dahinstehen, ob der Diebstahl von Gegenständen aus einem Jetbag, der auf dem Fahrzeug montiert ist, einen Diebstahl aus dem verschlossenen Kraftfahrzeug im Sinne des § 5 lit. b) der in den Vertrag einbezogenen VHB 2001 Komfort darstellt. Denn die Voraussetzungen der Haftung der Beklagten, wonach der Schaden nachweislich zwischen 6 und 22 Uhr eingetreten sein muss oder das Kraftfahrzeug auf einem bewachten Parkplatz oder einem verschlossenen Hofraum abgestellt war, liegen nicht vor. Der Schadenseintritt erfolgte zwischen 21.45 Uhr und 8.45 Uhr, der genaue Zeitpunkt des Schadenseintritts ist nicht mehr feststellbar. Der Kläger ist beweispflichtig dafür, dass der Schadenseintritt innerhalb des Zeitraumes von 6 und 22 Uhr erfolgt ist, da in der genannten Klausel die Haftung der Beklagten unter diese Voraussetzung gestellt ist und der Kläger für die seinen Anspruch begründenden Tatsachen beweispflichtig ist. Die Regelung in § 5a lit b) stellt eine objektive Risikobegrenzung dar (ausführlich LG Bielefeld, Az.: 22 S 252/06, Entscheidung vom 28.02.2007 m.w.N) mit der Folge, dass der Versicherungsnehmer das Vorliegen eines von dem Versicherungsvertrag erfassten Versicherungsfalles nachweisen muss.

5Die Risikobegrenzung in § 5a lit b) der VHB 2001 Komfort stellt auch keine überraschende Klausel i.s.d. § 305 c BGB dar. Eine überraschende Klausel liegt vor, wenn die Klausel objektiv ungewöhnlich ist und hinzu kommt, dass der Vertragspartner mit dieser Klausel nicht zu rechnen braucht (Palandt / Heinrichs, BGB, 67. Aufl., § 305 c, Rz. 3 und 4). Allgemein sind derartige Risikobeschränkungen in Hausratversicherungen für den Diebstahl aus Kraftfahrzeugen und den Diebstahl von Fahrrädern üblich (AG Berlin- Charlottenburg, VersR 1985, S. 156). Der Versicherer gewährt zusätzlich zu dem innerhalb des Haushalts gewährten Versicherungsschutz einen Schutz auch für Fahrräder und Gegenstände in Kraftfahrzeugen; er ist berechtigt, das Risiko in diesem Fall zu beschränken, ohne dass der Versicherungsvertrag dadurch ausgehöhlt würde. Vielmehr bleibt der Versicherungsschutz während der überwiegenden Zeit des Tages bestehen, für die Nachtzeit, in der das Risiko eines Diebstahls aus einem Kraftfahrzeug höher ist, gilt die Haftung ebenfalls, ist allerdings an eine zusätzliche Sicherung des Fahrzeuges geknüpft.

6Die Klausel ist hier auch nicht aufgrund der in Vorbereitung des Vertrages übergebenen Unterlagen überraschend. Zwar kann sich der Charakter einer überraschenden Klausel grundsätzlich auch aus dem Widerspruch der Klausel zu den Vertragsverhandlungen ergeben. Vorliegend stellt der Vorschlag zur Hausratversicherung der Beklagten vom

ergeben. Vorliegend stellt der Vorschlag zur Hausratversicherung der Beklagten vom 11.02.2003, auf den der Kläger sich bezieht, jedoch ersichtlich keinen konkreten Auszug aus den Versicherungsbedingungen dar. Dies ergibt sich zum einen aus dem ausdrücklichen Hinweis auf der dritten Seite des Vorschlages unten, wonach der Auszug keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und die Versicherungsbedingungen maßgeblich sind; ferner aus dem Umstand, dass die Darstellung des Versicherungsschutzes auf der zweiten Seite des Vorschlages schon von ihrer Formulierung her lediglich allgemein das versicherte Risiko darstellt, nicht aber konkrete Bedingungen für die Versicherung enthält. Auch dem Laien ist aber bekannt, dass die konkreten Voraussetzungen der Versicherung im Einzelnen geregelt und abgegrenzt werden, um das versicherte Risiko für den Versicherer im Verhältnis zu den geleisteten Versicherungsbeiträgen tragbar zu machen. Die stichwortartige Bezeichnung der versicherten Risiken ist hierfür nicht geeignet. Mit dem Hinweis auf die einzubeziehenden Versicherungsbedingungen im Versicherungsantrag erhält der Kunde die Gelegenheit, sich zusätzlich zu dem Versicherungsvorschlag über die Grenzen des Versicherungsschutzes und über seine Obliegenheiten zu informieren.

7Ansprüche auf Erstattung der Kosten der Rechtsverfolgung und der Zinsen scheitern an der Unbegründetheit des Hauptanspruchs.

8Die Kostenentscheidung ergeht gemäß § 91 Abs. 1 ZPO, die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus §§ 708 Nr. 11, 711, 713 ZPO.

9Streitwert: 500,-

Datenschutzerklärung Kontakt Impressum

AG Potsdam: strafverfahren, marketing, systematische auslegung, hinreichender tatverdacht, beweismittel, auskunftspflicht, beweisverwertungsverbot, geschäftsführer, ausnahmefall, arbeitsentgelt

35 IN 879/01 vom 02.04.2017

AG Potsdam: kostenvoranschlag, reparaturkosten, ausbesserung, abrechnung, versicherter, anwaltskosten, vollstreckbarkeit, sammlung, quelle, link

34 C 274/07 vom 02.04.2017

AG Potsdam: abrechnung, betriebskosten, vollstreckung, wohnfläche, abwasser, widerklage, ausnahme, mietvertrag, wartung, vermieter

26 C 287/06 vom 15.03.2017

Anmerkungen zum Urteil