Urteil des AG Mönchengladbach vom 09.03.2004, 13 Cs 343/03

Aktenzeichen: 13 Cs 343/03

AG Mönchengladbach: jugendamt, entlassung, stadt, trennung, hotel, klinik, wohnung, stationäre behandlung, gefährdung, gefahr

Amtsgericht Mönchengladbach, 13 Cs 343/03

Datum: 09.03.2004

Gericht: Amtsgericht Mönchengladbach

Spruchkörper: Einzelrichter

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 13 Cs 343/03

Normen: §§ 222, 13 StGB

Tenor: Der Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung kostenpflichtig zu ei-ner Geldstrafe von einhundertfünfzig (in Zahlen: 150) Tagessätzen zu je 40,00 EUR verurteilt.

Dem Angeklagten fallen auch die dem Nebenkläger .... entstandenen notwendigen Auslagen zur Last.

Angewendete Vorschriften: §§ 222, 13 StGB

I 1

Im Frühjahr 2001 wurde dem Jugendamt der Stadt Mönchengladbach im Rahmen von Mitteilungen des Nebenklägers und Zeugen .... bekannt, dass dieser nicht nur rüge, die Mutter .... des gemeinsamen Kindes der beiden, der am Februar 2001 geborenen ...., verweigere ihm Besuche des Kindes, sondern sie sei seit der Geburt depressiv, bisweilen aggressiv und befinde sich in fachärztlicher Behandlung. Parallel dazu macht der Zeuge und Nebenkläger ...., der im Hause neben der Kindesmutter wohnte, die Regelung seines Besuchsrechts beim Amtsgericht Mönchengladbach in einem gegen .... gerichteten Antrag geltend. Das Amtsgericht schaltet im Rahmen dieses Verfahrens ebenfalls das Jugendamt der Stadt Mönchengladbach ein.

3Im Juli 2001 berichtete das Jugendamt, vertreten durch den Sachbearbeiter und Zeugen ...., dem Gericht, die Beziehungen zwischen Frau .... und dem Kindesvater seien so konfliktbeladen, dass lediglich vom Kinderschutzbund begleitete Besuchskontakte möglich seien und die Kindesmutter sich vom 29. August bis 19. September 2001 in einer für notwendig erachteten Mutter-Kind-Kur befinden werde.

4

Vor dem Beginn dieser Kur führte der Zeuge .... getrennte Gespräche mit den Kindeseltern durch. Außerdem kam es zu zwei durch die Zeugin .... vom Kinderschutzbund vermittelte Zusammenkünfte von Kindesvater und ..... Aus anwaltlichen Schreiben und Schreiben des Zeugen .... wurde bekannt, dass sich Kindesmutter und Kindesvater gegenseitig körperlicher Angriffe und der Kindesvater 2

zusätzlich .... des Missbrauchs von Alkohol beschuldigen, wodurch nach Ansicht des Zeugen .... das Kindeswohl gefährdet werde.

5Mit Schreiben vom 12. September 2001 berichtete der Zeuge ...., der innerhalb der Aufgabenverteilung des Jugendamts für die Betreuung des Kindes .... zuständig war, gestützt auf die persönlichen Erlebnisse der Kindesmutter bei den Zusammenkünften und einem bei ihr durchgeführten Hausbesuch dem Familiengericht mit, Frau .... sei nach seinen und des Kinderschutzbund Erfahrungen in der Lage, die Versorgung des Kindes und seine Erziehung sicherzustellen, das Verhältnis zwischen ihr und dem Kind sei eine natürlich gewachsene enge Beziehung. Auch zwischen dem Kindesvater und .... bestehe eine gewachsene Beziehung.

6Intern vermerkte Herr .... in der Akte des Jugendamts Frau .... sei auf Grund des äußerst konfliktbeladenen Verhältnisses zu dem Zeugen .... zwar nervlich und körperlich angespannt, bezüglich der Versorgung des Kindes beständen von seiner Seite keinerlei Bedenken. Frau .... sei nach seinen Erfahrungen stets zu einer konstruktiven und verlässlichen Zusammenarbeit bereit. Auf Grund der Behauptungen des Kindesvaters über Alkoholmissbrauch seitens der Mutter der Frau ...., der Großmutter ...., führte Herr .... am 27. November 2001 nochmals bei der Kindesmutter und deren im Hause lebenden Mutter jeweils einen Hausbesuch durch, gewann den Eindruck, dass es sich um einen gepflegten und ordentlichen Haushalt handele, das Kind .... auch zu seiner Großmutter eine gewachsene Beziehung habe und teilte dem Familiengericht in einem Schreiben vom 10. Dezember 2001 diese seine Eindrücke mit und berichtete ferner, dass es sich bei .... um ein gepflegtes und gesund entwickeltes Kind handele, das eine tragfähige Beziehung zu seiner Mutter, die ihrerseits zu konstruktiver Mitarbeit bereit sei und Hilfestellungen annehme, habe.

7Da .... zwischenzeitlich zum Ausdruck gebracht hatte, mangels Vertrauens zu der Zeugin .... vom Kinderschutzbund deren Therapieangebot nicht annehmen zu wollen, hatte der Zeuge .... in Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund eine psychotherapeutische Betreuung der .... durch die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, die Zeugin .... vermittelt, die im Juli 2001 begonnen hatte. Parallel zu dieser Therapie hatte das Jugendamt vertreten durch den Zeugen .... die Zeugin .... dazu gewonnen, zur Entlastung der .... gegen ein entsprechendes Entgelt an zwei Tagen in der Woche das Kind .... als Tagesmutter in ihrem Haushalt von 9.00 . 13.00 Uhr zu versorgen, was dann auch ab September / Oktober 2001 geschah.

8In einem Hauptverhandlungstermin am 23. Januar 2002 vor dem Familiengericht behauptete der Vater .... erneut, die Kindesmutter sei auf Grund ihrer depressiven Stimmungsschwankungen nicht in der Lage, .... zu versorgen und zu erziehen. Nach dem Termin fragte der Zeuge .... den Zeugen Deckers, ob ihm bekannt sei, dass Frau .... etwa vierzehn Tage zuvor einen Suizidversuch unternommen habe, wollte aber auf die Nachfrage des Zeugen .... weitere Einzelheiten nicht mitteilen. Als der Zeuge .... .... mit dieser Behauptung des Zeugen .... konfrontierte, verneinte sie dies vehement und war erbost über diese "falsche" Behauptung.

9Im Verlaufe der psychotherapeutischen Betreuung durch die Fachärztin .... vermittelte diese .... einen Platz in einer Mutter-Kind-Station in Köln, den die Kindesmutter ablehnte, weil sie .... nicht sofort mit in diese Einrichtung mitnehmen konnte.

Stattdessen begab sich ...., zumal die Überlastungssituationen sich häuften, mit Wissen 10

des Zeugen .... am 29. Januar 2002 in psychotherapeutische stationäre Behandlung in die Rheinischen Kliniken Viersen, Fachbereich Psychiatrie und Psychotherapie. Während dieser Zeit betreute zunächst ihre Mutter, die Zeugin .... das Kind ..... Am 18. Februar 2002 wollte .... den stationären Aufenthalt jedoch nicht mehr fortsetzen, weil sie es schlecht in der Klinik aushalte und sie zudem ihr Kind vermisse. Obgleich ihr von Seiten der Klinik angeboten wurde, in baldiger Zukunft an Stelle einer anderen Patientin, die entlassen werde, im Rahmen eines "rooming in" ihr Kind zu sich in die Klinik zu nehmen, kehrte sie am 19. Februar 2002 von einer Tagesbelastungserprobung nicht ins Krankenhaus zurück und teilte telefonisch mit, sie wolle überhaupt nicht mehr zurückkommen, erschien dann aber am 20. Februar 2002 wieder in der Klinik und teilte mit, dass ein weiterer stationärer Aufenthalt wegen der Schwierigkeiten mit ihrer Mutter und dem Zeugen ...., insbesondere aber deshalb nicht in Betracht komme, weil sie ihr Kind zu sehr vermisse. Mit Zustimmung der .... und unter Einschaltung des Jugendamts sollte .... dann in die Tagesklinik in Mönchengladbach auf der Regentenstraße verlegt werden, sobald das Jugendamt eine Pflegefamilie gefunden habe, in der .... während des Aufenthalts der Mutter in der Tagesklinik versorgt werden könne. Zwei Tage später erklärte .... , sie wolle das angestrebte "rooming in" nicht, sondern die Klinik verlassen, obgleich der behandelnde Arzt ihr die Folgen für ihre und ihrer Kind Zukunft deutlich vor Augen hielten, erklärte sich allerdings bereit das Angebot der Tagesklinik Regentenstraße anzunehmen, wo sie dann auch am 25. Februar 2002 erschien, dann aber entgegen erneutem ärztlichen Rat diese endgültig verließ und zu einer Freundin nach Essen fuhr. Von dieser Entwicklung wurde das Jugendamt in Kenntnis gesetzt.

In einem am 4. März 2002 zwischen dem Zeugen .... und .... geführten Gespräch wiederholte sie, das Angebot der Tagesklinik nicht annehmen zu wollen, sondern die ambulante Behandlung bei der Fachärztin .... fortzusetzen, was dann auch geschah.

12Nach einem weiteren Termin in dem Verfahren wegen Umgangsregelung vor dem Familiengericht Mönchengladbach bestellte dieses die Zeugin .... zur Verfahrenspflegerin für das Kind .....

13Am 8. Juni 2002 meldete sich .... telefonisch völlig verzweifelt bei der Zeugin ...., die bis dahin .... weiterhin als Tagesmutter betreut hatte, und berichtete, dass es ihr sehr schlecht ginge, sie höre Stimmen, die ihr befählen, aus dem Fenster zu springen. Obgleich die Zeugin .... aus persönlichen Gründen große Schwierigkeiten hatte, sich frei zu machen, fand sie sich nicht zuletzt auch aus Sorge um .... bereit, Frau .... in die Rheinische Landesklinik für Psychiatrie in Mönchengladbach zu bringen, wo sie noch am selben Tag aufgenommen wurde. Die Zeugin .... unterrichtete den Zeugen .... vom Jugendamt nicht nur von diesem Geschehen und seinem Anlass am Tage danach, sondern später auch davon, dass .... nach zwei Tagen bei ihr in der Wohnung erschienen sei, ihr Vorwürfe gemacht habe, dass sie trotz ihrer der Zeugin eigener Belastung nicht täglich mit .... zum Krankenhaus komme, .... genommen habe, mit ihr sich zu ihrer Mutter begeben habe und sie die Zeugin wegen des aus diesem Verhalten der Frau .... resultierenden Zerwürfnisses nicht mehr bereit sei, als Tagesmutter zur Verfügung zu stehen.

14

Da .... wegen des Drucks, dem sie von Seiten des Kindesvaters, des Zeugen ...., ausgesetzt war und dem sie sich auch von Seiten ihrer Mutter ausgesetzt empfand, von diesen beiden weg in einen anderen Stadtteil von Mönchengladbach umgezogen war, wurde statt des Zeugen .... der Angeklagte, der ebenfalls bei dem Jugendamt als Sozialarbeiter beschäftigt ist, am 14. Juni 2002 als Betreuer für das Kind .... zuständig. 11

Im Rahmen des Übergabegesprächs wies der Zeuge .... den Angeklagten auf die Gesamtproblematik hin und übergab ihm zur weiteren Sachbearbeitung die Fallakte "....", in der die Schreiben des Zeugen .... an das Jugendamt und an das Familiengericht, die im Rechtsstreit vor dem Familiengericht gewechselten Schriftsätze, die Sitzungsprotokolle des Familiengerichts, seine Beschlüsse und Vermerke des Zeugen .... enthalten waren, aus denen der Angeklagte die gesamte Problematik des Falls und die Gründe für die Befassung des Jugendamts im Zusammenhang mit dem Bericht seines Vorgängers sowie die Notwendigkeit, Frau .... nicht mit ihren Problemen allein zu lassen, sondern ihr Hilfe zukommen zu lassen, um das Wohl des Kindes .... nicht zu gefährden, entnehmen konnte.

15Am 22, Juli 2002 teilte der Zeuge ....dem Angeklagten telefonisch mit, er und .... hätten sich ausgesprochen, seine Bedenken gegen die Erziehungsfähigkeit der Frau .... nehme er zurück, beiden wollten künftig ihre Angelegenheiten ohne die Einmischung und Beteiligter Dritter selbst regeln und ein weitergehender Beratungsbedarf bestehe soweit nicht. Dies ließ sich der Angeklagte im gleichen Telefonat von Frau .... bestätigen und teilte dies mit Schreiben vom 24. Juli 2002 dem Familiengericht mit

16Zu Beginn dieses Schreibens wies er allerdings zunächst darauf hin, Herr .... habe, ohne konkrete Dinge benennen zu können, am 17. Juli 2002 die kontinuierliche Erziehungsfähigkeit der Frau .... bezweifelt, sie als sprunghaft und nicht zuverlässig beschrieben und erklärt, sie habe mehrfach suizidale Äußerungen gemacht und er stehe einer psychiatrischen Behandlung kritisch gegenüber, weil sie stationäre Behandlungen entgegen ärztlichen Rat abgebrochen habe.

17Am 21. August 2002 teilte der Zeuge .... dem Angeklagten mit, dass er sich wieder von Frau .... getrennt habe, er habe festgestellt, dass diese die Windeln nicht gewechselt habe, das Kind zu warm anziehe und äußerte ansonsten nicht konkretisiert die Auffassung, Frau .... sei nicht erziehungsfähig. Allerdings hatte der Angeklagte auch in Erfahrung gebracht, dass der Zeuge anlässlich eines Besuchskontakts Frau .... so heftig ins Gesicht geschlagen hatte, dass diese einen Nasenbeinbruch davon getragen hatte.

18Im August 2002 fand unter den Mitarbeitern des Jugendamts der Stadt Mönchengladbach eine Supervision statt, bei der der Angeklagte den Fall .... vortrug, das Für und Wider einer Trennung von Mutter und Kind diskutiert wurde und das Team zu dem von allen getragenen Ergebnis gelangte, dass es besser sei, .... bei ihrer Mutter zu belassen, damit auch ihr Vertrauen gegenüber dem Angeklagten zu stärken, um sie so erfolgreicher zu veranlassen, auf die Hilfsangebote des Angeklagten einzugehen, wobei dem Gericht nicht bekannt geworden ist, worin diese zu diesem Zeitpunkt über die psychotherapeutische Betreuung seitens der Fachärztin .... und das Abwarten der Entwicklung hinaus konkret hätten bestehen sollen.

19Ebenfalls im September, nämlich am 16. September 2002, beendete .... die bis dahin weitergeführte psychiatrische Betreuung durch die Fachärztin ..... Da der Verlauf der Behandlung durch ein Auf und Ab von Hilfesuche und deren Ablehnung gekennzeichnet war, hatte die Zeugin .... beim letzten Besuch der Frau ...., bei dem diese wieder alle Hilfeangebote ablehnte, subjektiv ein ungutes Gefühl, hatte Befürchtungen um das Wohl des Kindes und versuchte, die Patientin zu provozieren und zu Äußerungen zu veranlassen, die ihr eine Handhabe gegeben hätten, selbst das Kind Frau .... abzunehmen und die zuständigen Stellen zu benachrichtigen, damit eine Inobhutnahme des Kindes durchgeführt werde. Da Frau .... nicht suizidal, nicht

psychotisch und nicht aggressiv reagierte, die Zeugin .... aber dennoch ihr ungutes Gefühl behalten hatte, rief sie nach dem Besuch der .... den Angeklagten als Vertreter des Jugendamts an und teilte ihm das Erlebnis dieses Besuchs, ihre Befürchtung vor einer Kurzschlusshandlung der Frau .... mit, wies darauf hin, dass sie selbst nur mit der Androhung, ihr andernfalls das Kind zu entziehen, dazu gebracht habe, die ihr verschriebenen Psychopharmaka einzunehmen und verstärkt auf Frau .... zu achten, gegebenen Falls das Kind herauszunehmen sei.

20Die Zeugin ...., die vom Gericht zur Wahrnehmung der Interessen des Kindes .... bestellte Verfahrenspflegerin, hatte sich zuvor durch mehrere Besuche bei dem Zeugen .... und .... ein Bild von dem Persönlichkeitsbild der beiden verschafft und hatte den Eindruck gewonnen, dass Frau .... psychisch krank sei; denn Frau .... hatte ihr gegenüber Suizidgedanken geäußert und erklärt, sie werde .... mitnehmen. Sie hatte aber auch zum Ausdruck gebracht, dass sie Leute habe, mit denen sie darüber sprechen könne. Insgesamt hatte Frau .... den Eindruck, dass das Auf und Ab im Verhalten des Kindes für das Kindeswohl sehr schädlich war; Sie hielt Frau .... für nicht mehr kalkulierbar und nicht therapiewillig. Deshalb sprach sie auch die Zeugin .... darauf an, die die Auffassung der Zeugin .... bestätigte, deren direkte Frage, ob es weiter zu verantworten sei, dass .... bei ihrer Mutter bleibe, aber nicht konkret, sondern mit dem Hinweis auf ihre eigenen großen Sorgen beantwortete.

21Am 2. Oktober 2002 fand dann wieder ein Termin vor dem Familiengericht statt, zu dem auch der Angeklagte und die Zeugin ...., nicht aber .... erschien waren. Frau .... hatte in Vorbereitung zu diesem Termin, aus Sorge um das Kindeswohl über die Aufgabenstellung der Verfahrenspflegerin in einem Besuchsregelungsverfahren hinausgehend, den Antrag gestellt, für beide Elternteile ein psychiatrisches Gutachten mit der Fragestellung einzuholen, ob bei .... eine das Kindeswohl gefährdende und bei dem Kindesvater eine den Umgangsausschluss rechtfertigende psychische Erkrankung vorliege.

In diesem Termin äußerte sich Frau .... ausweislich des Protokolls sinngemäß wie folgt. 22

23Nach meiner Ansicht müsste der Frau .... auferlegt werden, Hilfen zur Erziehung beim Jugendamt der Stadt Mönchengladbach zu beantragen. Ich kann den derzeitigen Zustand der Frau .... nicht einschätzen. Ich mache mir wirklich Sorgen um ..... Ich halte es für unverantwortlich, wenn Frau .... mit .... bis zum Vorliegen des Gutachtens allein gelassen wird.

24Der Angeklagte erklärte darauf hin sinngemäß, in der nächsten Woche seien weitere Gespräche mit Frau .... beabsichtigt. Sie habe verschiedene Schritte geplant. Es sei auch angedacht, Hilfen zur Erziehung einzurichten. Wenn Frau .... die geplanten Schritte nicht durchführe, sei ihr schon angekündigt worden, dass dies dem Gericht mitgeteilt werde.

25Der Richter, der Zeuge ...., erklärte abschließend, dass er derzeit der Kindesmutter nicht die Beantragung konkreter Hilfen zur Erziehung auferlegen könne, er aber davon ausgehe, dass das Jugendamt umgehend dem Gericht mitteile, sobald sich im Rahmen der laufenden Gespräche mit der Kindesmutter herausstelle, dass diese nicht bereit oder in der Lage sei, erforderliche Hilfe anzunehmen.

Dann erließ das Gericht einen Beschluss, in dem es die fachpsychologische 26

Untersuchung der Parteien, bezüglich ... zu folgendem Fragenkatalog anordnete:

Ist die Kindesmutter erziehungsfähig? Ist sie zur Versorgung und Erziehung des Kindes .... , gegebenen Falls bei Hinzutreten öffentlicher Hilfen, in der Lage? Ist die Erziehungsfähigkeit der Kindesmutter durch eine gegebenen Falls vorliegende psychiatrische Erkrankung in der Weise beeinträchtigt, dass dadurch eine Gefährdung des Kindeswohls besteht?

28Wenige Tage danach, nämlich am 7. Oktober 2002 kam es zu einer kontroversen Besprechung zwischen dem Angeklagten und Herrn .... einerseits und der Zeugin .... andererseits, in der die Zeugin .... die dringende Erforderlichkeit einer Jugendhilfemaßnahme, zum Beispiel einer sozialpädagogischen Familienhilfe vertrat, um einen Blick auf Mutter und Kind zu haben und eine Kindeswohlgefährdung ausschließen zu können. In diesem Zusammenhang schlug sie für den Fall einer Herausnahme dem Angeklagten vor, Informationen einzuholen, wo das Kind untergebracht werden könnte. Außerdem wies sie spätestens in diesem Gespräch den Angeklagten, auf die Erklärungen der .... zu einem erweiterten Selbstmord hin und äußerte ihre Sorge, dass es bei Frau .... zu einer Überreaktion kommen könnte, die in einem erweiterten Selbstmord münden könnte.

29Demgegenüber vertraten der Angeklagte und der Zeuge .... die Auffassung, man solle das Vertrauen der Kindesmutter in ihre eigenen Fähigkeiten stärken, in dem man das Kind bei der Mutter belasse und sie so stärke.

30Da Frau .... zu diesem Termin nicht erschienen war, wurde ein erneuter Termin für den 17. Oktober 2002 bestimmt, vor dem der Angeklagte versuchen wollte, Kontakt zu Frau .... aufzunehmen. Der Angeklagte erklärte darüber hinaus, dass das Amtsgericht entsprechend benachrichtigt und Herausgabebeschluss beantragt werden sollte, falls es nicht gelinge bis zu diesem Tag Kontakt zu Frau .... herzustellen.

31Am 15. Oktober stellte Frau .... sich in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Lengerich vor, ohne dass es zu einer Aufnahme kam.

32Irgendwann zwischen dem Gerichtstermin vom 2. und Ende Oktober 2002, ansonsten ließ sich ein genauerer Zeitpunkt nicht feststellen, teilte die Zeugin .... , die dies im Rahmen ihrer therapeutischen Betreuung einer Patientin, nämlich der Zeugin ...., erfahren hatte, aus Sorge um das Wohl der .... dem Angeklagten bewusst als dem zuständigen und verantwortlichen Mitarbeiter des Jugendamts Mönchengladbach mit, ihre Patientin habe .... in Mönchengladbach kennen gelernt. Diese habe ihr anvertraut, dass sie bereits mehrfach einen Schal um den Hals des Kindes gelegt habe. Sie habe ihn aber immer noch rechtzeitig gelöst, ohne das Kind zu verletzen. Der Angeklagte schlug darauf hin vor, die Patientin der Zeugin .... solle gemeinsam mit ihm Frau .... aufsuchen und sie mit dieser Aussage konfrontieren. Die Zeugin .... prüfte, ob sie dies aus medizinischer Sicht vertreten könne, kam zu dem Schluss, dass dies eigentlich für ihre Patientin nicht gut sei, fragte die Zeugin .... aber dennoch und teilte dies dem Angeklagten dann in einem weiteren Telefonat, nachdem auch Frau .... dies nicht wollte, mit.

33

Der Angeklagte seinerseits hielt wegen dieser Weigerung der Zeugin .... deren Bericht nicht für genügend beweiskräftig und gerichtsverwertbar, unternahm deshalb zur weiteren Aufklärung des Sachverhalts nichts, veranlasste der Angeklagte trotz der ihm 27

bekannten ernsten Sorgen der Fachärztin .... um das Kindeswohl, des Hinweises des Zeugin .... auf die Äußerungen der .... zu einem erweiterten Selbstmord von Mutter und Kind und schließlich des Hinweises der Zeugen .... nichts, ging damit auch nicht wieder in eine Supervision mit den übrigen Mitarbeitern des Jugendamts und teilte insbesondere von diesem ihm allein, weil bei ihm alle Fäden zusammenliefen, umfassend bekannten Sachverhalt auch nichts dem Familiengericht mit, das nicht nur mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln der Prozessordnung den von der Zeugin .... berichteten Sachverhalt hätte aufklären können, sondern, wie der Angeklagte im Termin vom 2. Oktober 2002 erkannt hatte, den Gegenstand des Verfahrens über die Besuchsregelung hinaus auf die Gefährdung des Kindeswohls bei einem Verbleiben des Kindes bei der Mutter ausgedehnt hatte und deshalb von allen neuen Entwicklungen unterrichtet werden wollte.

In der Folgezeit verlief die weitere Entwicklung wie bisher. Mal gelang es zu Frau .... Kontakt aufzunehmen, mal nicht. Insbesondere ihre Mutter teilte wiederholt mit, dass sie sich Sorge um ihre Tochter mache..

35Am 24. Oktober 2002 hatte .... gemeinsam mit ihrer Tochter ein Vorstellungsgespräch in der Westfälischen Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie in Lengerich. Dabei fielen den Mitarbeitern der Klinik nicht nur ein zu passives Verhalten des Kindes ...., sondern insbesondere frische und alte blaue Flecken im Gesicht des Kindes, kleine Schnittwunden an dessen Scheide und Oberschenkeln auf. Die Zeugin ...., die bei diesem Aufnahmegespräch dabei war, sprach .... darauf an, erhielt aber nur ausweichende Antworten, wie das Kind habe sich gestoßen, und sie teilte, da sie dies nicht für glaubhaft hielt, zumal .... selbst Impulsausbrüche und Überforderungsgefühle ihrerseits einräumte, dies im Zusammenhang aus Sorge um das Kindeswohl zwischen dem 24. Oktober und 8. November 2002 sowohl dem Angeklagten und Herrn .... beim Jugendamt der Stadt Mönchengladbach als auch dem Zeugen .... vom sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt Mönchengladbach telefonisch mit. Der Angeklagte nahm diese Information dann auch in seinen Vermerk vom 18. November 2002 auf.

36Anfang November konnte die vorgesehene Maßnahme der Aufnahme von Mutter und Kind in einer entsprechenden Einrichtung in Köln nicht erfolgen, weil diese nur aus dem Raum Köln stammende Patienten aufnahm.

37Am 18. November 2002 vermerkte der Angeklagte in der Verfahrensakte des Jugendamts, dass auf Grund der von ihm durchgeführten Hausbesuche und vergeblichen Versuche, Frau .... anzutreffen, insgesamt sich die Hinweise häuften, dass .... in ihrer Situation überbelastet sei, zu verstärktem Alkoholkonsum und Tablettenkonsum neige, die Gefährdung .... im Haushalt der Kindesmutter verstärkt sei und vorgeschlagen werde, unverzüglich einen Anhörungstermin anzuberaumen und gegebenen Falls einen Sorgerechtsentzug durchzuführen.

38Im zweiten Drittel November 2002 schlug Frau .... ...., so dass sie sich eine Prellung unter dem Auge zuzog. Dem Angeklagten gegenüber erklärte sie später wahrheitswidrig, .... sei ihr bei einem Martinszug von der Schulter in einen Stock gerutscht.

39

Wegen dieses Vorfalls informierte der Zeuge .... am 19. November 2002 die Polizei, die sich auch Einlass in die Wohnung der .... verschaffte, aber keine Anhaltspunkte für eine 34

Vernachlässigung. Verwahrlosung oder Gefährdung des Kindeswohls fand.

40Da sich der Zustand von .... zusehends verschlechterte, nahm der Angeklagte Kontakt zu Frau .... vom Gesundheitsamt der Stadt Mönchengladbach auf, um eine psychiatrische Betreuung zu erreichen.

41Trotz der rapiden Verschlechterung der Situation seit dem Gerichtstermin vom 2. Oktober 2002 und der eigenen Erkenntnis, dass die Gefährdung des Kindes ein solches Maß angenommen hatte, dass ein weiteres Verbleiben des Kindes in der Obhut der Mutter nicht zu verantworten war, unternahm der Angeklagte nichts, um diese akute Gefahr zu beseitigen, unterrichtete auch von den zahlreichen Hinweisen der Kindeswohlgefährdung nicht das Familiengericht, hoffte vielmehr es würde, bis zu dem Zeitpunkt, zu dem die von ihm und .... gesuchte Mutter-Kind Therapie gefunden werde, nichts passieren.

42Schließlich gelang es dem Angeklagten, für .... zusammen mit .... zum 11. Dezember 2002 Aufnahme in die Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie des St. Vinzenzhospitals Dinslaken zu erreichen. Ziel der stationären Therapie war es neben einer medikamentösen Einstellung, das Vorliegen einer schizoaffektiven Störung abzuklären, eine ausreichende Stabilisierung und Reduktion der massiven Angst- sowie depressiven Symptomatik zu erreichen, Frau .... im Umgang mit der konflikthaften familiären Situation zu unterstützen, die Mutter-Kind Interaktion und mütterlichen Kompetenzgefühle zu fördern und eine Zukunftsperspektive zu entwickeln.

43Im Rahmen der Kontaktaufnahme seitens des Angeklagten mit dem St. Vinzenz- Hospital unterrichtete er den zuständigen Oberarzt Dr. .... von den vorerwähnten Hinweisen auf Impulsdurchbrüche der Kindesmutter, insbesondere auch von den ihm, dem Angeklagten, seitens der Zeugin .... berichteten Versuchen der ...., ihr Kind mit einem Schal zu erdrosseln und sagte nach dem Hinweis des Dr. ...., dass die Weiterbehandlung und Betreuung nach dem Klinikaufenthalt auf Grund der Lage des Falles elementar wichtig sei, zu dass von Seiten des Jugendamts nach einer Entlassung für die dann von den behandelnden Ärzten erforderliche Erziehungshilfe und Entlastung der Mutter gesorgt werde.

44Zwar behandelt das Gericht die Behauptung der Verteidigung, der behandelnde Arzt Dr. .... habe dem Angeklagten anlässlich eines Telefongesprächs am 30. Januar 2003 mitgeteilt, .... arbeite kooperativ mit, als wahr, ansonsten gelang es dem St. Vinzenz- Hospital jedoch nicht, zum Angeklagten oder einem anderen Mitarbeiter des Jugendamts telefonisch Kontakt herzustellen, so dass die Mitarbeiterin des Krankenhauses Hinze am 20. Januar 2003 ein Fax an das Jugendamt schickte, in dem sie um eine Kostenzusage für .... bat, damit diese im Rahmen einer qualifizierten Mutter- Kind Behandlung in einer Kindertageseinrichtung untergebracht werden konnte.

45Im Rahmen der Planung für eine Entlassung der .... vereinbarte das St. Vinzenz-Hospital mit dem Angeklagten für den 14. Februar 2003 ein Gespräch am "Runden Tisch" An diesem Gespräch sollten neben dem Angeklagten das gesamte Behandlungsteam, nämlich eine Heilpädagogin, eine Psychologin, ein Arzt und eine Pflegerin teilnehmen.

46Etwa 20 Minuten vor dem Termin sagte der Angeklagte diesen ab. Die Zeugin ...., die dieses Gespräch entgegennahm und in Hinblick darauf, dass eine Anreise von Mönchengladbach nach Dinslaken mit dem Auto normalerweise eine Stunde in

Anspruch nimmt, so dass man, wenn die vom Angeklagten behauptete Überbelastung vorgelegen hätte, erheblich früher den Termin hätte absagen können, gab ihr Befremden über diese kurzfristige Absage zum Ausdruck, erinnerte ihn daran, dass er eine zentrale Person bei diesem Gespräch sei und wies ihn darauf hin, dass die verschiedenen an der Behandlung beteiligten Berufsgruppen erfahren wollten, welche Hilfen für .... in Frage kommen, um nach einer Entlassung genügend Unterstützung an ihrer Seite zu haben, um stabil bleiben zu können.

47Das Gericht kann letztlich nicht beurteilen, ob der Angeklagte an der Wahrnehmung dieses Termins durch die Bearbeitung eines anderen Falls tatsächlich gehindert war. In der anderen Sache, die den Angeklagten zweifelsfrei sehr in Anspruch nahm und in der auf Grund der Sachlage die Unterbringung der fünf Kinder unverzüglich erfolgen musste, waren diese bereits am 13. Februar 2003 aus einem Frauenhaus in Viersen fremduntergebracht worden und der Angeklagte hatte am 14. Februar einen fünfseitigen Bericht verfasst und mit dem Jugendamt Viersen ein Telefongespräch über die Frage geführt, ob das Jugendamt Viersen oder das Jugendamt Mönchengladbach für die weitere Betreuung dieser Familie und damit auch für die Übernahme der Unterbringungskosten zuständig sei. Darüber hinaus ging am 14. Februar beim Jugendamt ein Hinweis ein, dass eines der untergebrachten Kinder möglicherweise die Unterbringungsstelle verlassen und zum Vater zurückkehren wolle, woraufhin der Angeklagte die Unterbringungsstelle von diesem Hinweis unterrichtete und diese zusicherte, das Kind unter Beobachtung zu halten.

48Zweifelsfrei war die Abfassung des Berichts wichtig und er hätte seine Abfassung möglicherweise unterbrechen können, um an dem Termin in Dinslaken teilzunehmen. Da er aber um die Wichtigkeit seiner Teilnahme an dem "Round-Table-Gespräch" und seine Zuständigkeit für die für den Zeitpunkt der Entlassung anstehenden, von ihm auch zugesagten Hilfemaßnahmen wusste, hätte zumindest in den Tagen danach sich nach dessen Ergebnis und den von ihm für den Zeitpunkt einer Entlassung vorzubereitenden Erziehungshilfemaßnahmen telefonisch erkundigen können und ihm Rahmen seiner Zusagen von Erziehungshilfemaßnahmen auch müssen.

49Das Gespräch am "Runden Tisch" der an der Behandlung der .... beteiligten Mitarbeiter des St. Vinzenz-Hospitals fand dann am 14. Februar 2003 ohne den Angeklagten statt und hatte das folgende Ergebnis:

50Zügig nach einer Entlassung solle Vanessa heilpädagogisch, zum Beispiel durch eine Frühförderstelle oder eine heilpädagogische Praxis, gefördert werden, um Defizite im Bereich der Kommunikation und Sprachentwicklung aufzuholen und in der Zukunft nur durch eine einzige Einrichtung (zum Beispiel eine Kindertagesstätte) betreut werden, um für sie Kontinuität bei den Bezugs- und Kontaktpersonen zu gewährleisten. Dabei gingen sowohl die behandelnden Ärzte wie das gesamte Behandlungsteam davon aus, dass .... durch Einschalten der Tagesmutter, einer Frau ...., die ....wöchentlich sechs Stunden beaufsichtigen sollte, entlastet und sozial psychologisch an einen entsprechenden Therapeuten angebunden werde.

51Von dem Ergebnis dieses Gesprächs unterrichtete weder das St. Vinzenz Hospital den Angeklagten, noch fragte dieser seinerseits nach, sondern ging angeblich davon aus, er werde vor der eigentlichen Entlassung vom Krankenhaus nochmals vom St. Vinzenz- Hospital bei der Besprechung der nach der Entlassung vorzunehmenden Maßnahmen eingebunden.

52Am 21. Februar 2003 ließ .... sich gegen den Rat ihres Behandlungsteams, insbesondere der Ärzte, die eine weitere stationäre Behandlung für wichtig erachteten, entlassen. Auch das Angebot einer ambulanten nachstationären psychiatrischen Behandlung auf der Station zur Überleitung in eine Weiterbehandlung kam sie nicht nach. Zwar hatte das St. Vinzenzhospital ursprünglich vor, das Jugendamt über den Sachverhalt zu informieren. Da .... aber dies dringend nicht wünschte und glaubhaft zusicherte, von sich aus das Jugendamt über den Sachverhalt zu informieren, sah das Krankenhaus, um keinen Vertrauensbruch der Patientin gegenüber zu begehen, davon ab.

53Am 23. Februar 2003 meldete sich .... dann bei ihrer Mutter und teilte ihr mit, dass sie gegen ärztlichen Rat das Hospital verlassen habe. Am 24. Februar suchte die Zeugin .... sie in ihrer Wohnung auf, stellte fest, dass sie bereits in den Morgenstunden Wein trank, .... halb angezogen durch die Wohnung lief und drohte ihr an, wenn sie sich nicht bis morgen früh bei ihr melde, das Jugendamt, also den Angeklagten, einschalten zu wollen. Am nächsten Tag meldete sich .... weinend telefonisch bei ihrer Mutter und räumte ein, möglicherweise .... geschlagen zu haben.

54Erstmalig am 5. oder 6. März, das Gericht geht vom 6. März 2003 aus, teilte .... selbst dem Angeklagten mit, sie habe die Klinik gegen den Rat der Ärzte verlassen, und bat um einen Termin, der für den 12. März 2003 vereinbart wurde. Sie äußerte sich dahingehend, dass sie nicht wolle, dass der Angeklagte sich über die Umstände der Entlassung in Dinslaken erkundige. Darüber wolle sie mit ihm am 12. März sprechen.

55Der Angeklagte seinerseits konnte auf Grund des Umstands, dass bei einer Gefährdung von Mutter oder Kind, das St. Vinzenz-Hospital die Voraussetzungen für eine Unterbringung nach dem PsychKG bejaht und .... nicht mit dem Kind hätte gehen lassen, davon ausgehen, dass eine solche nicht vorlag und in ihrem Gesundheitszustand, da sie in diesem in wenigen Sätzen geführten Telefongespräch ruhig und besonnen gewirkt haben kann, trotz des Therapieabbruchs auf Grund der bisherigen Dauer der Therapie eine nicht unerhebliche Verbesserung eingetreten sei und, zumal sie selbst ein Gespräch über die Zukunft suchte, annehmen eine akute, sein sofortiges Eingreifen im Sinne einer Überprüfung ihres psychischen Zustands sei nicht erforderlich. Unter diesen Umständen erscheint es aus der Aufgabenstellung des Angeklagten zumindest für vertretbar, dass er es als ausreichend und angemessen ansah, mit .... für den 12. März 2003 ein zeitnahes Treffen zu vereinbaren, bei dem er nicht nur die Gründe für den Therapieabbruch, sondern auch die von ihm vor Beginn der Behandlung in St. Vinzenz- Hospital in Aussicht gestellten Hilfsmaßnahmen behandeln wollte, auch wenn .... bei diesem Telefongespräch zum Ausdruck gebracht hatte, es sei ihr nicht recht, dass der Angeklagte Informationen aus der Klinik einhole; sie erklärte ihm nämlich auch, Genaueres wolle sie im Termin vom 12. März 2003 erklären.

56Allerdings konnte er davon ausgehend, auch der erneute, möglicherweise dritte Therapieabbruch indiziere nicht unbedingt die Unbehandelbarkeit der .... und die direkte Gefährdung des Kindes, nicht annehmen, weitere zusätzliche Hilfemaßnahmen seien überhaupt nicht erforderlich; denn sein gesunder Menschenverstand, seine berufliche Erfahrung, seine Zusagen gegenüber dem St. Vinzenz-Hospital vor Beginn der Therapie hatten ihn diese Notwendigkeit bereits selbst erkennen lassen, er kannte sie tatsächlich, spätestens seit dem Telefongespräch mit der Zeugin .... anlässlich des von ihm verpassten Round-Table Gesprächs am 14. Februar 2003. Der vereinbarte Termin

vom 12. März konnte deshalb von der gesetzlich normierten Aufgabenstellung des Angeklagten nicht so sehr die erwartete Information über den Therapieverlauf, sondern primär nur Art und Weise der vor und während der Therapie zugesagten Hilfsmaßnahmen sein.

Einen Tag später teilte Frau .... sen. dem Angeklagten mit, dass sie sich Sorgen mache, .... trinke wieder. Diese wenig konkreten, jedenfalls keinen Alkoholabusus anzeigenden Angaben allein deuteten aus der Sicht des Angeklagten nicht auf eine akute Verschlechterung der Situation hin und machten deshalb auch zunächst keine Änderung der Vorgehensweise -Gespräch 12. März- erforderlich

58Zwischenzeitlich hatte sich .... mit ...., und zwar am 5. März 2003 in das Ibis-Hotel in Düsseldorf begeben, wo ihr das Kind .... vernachlässigende und psychisch abnorme Verhalten bis zum 9. März 2003 so auffällig war, dass die Zeugin ...., die Direktorin des Hotels am 9. März sich mit einem Zweitschlüssel in das Zimmer begab und den desolaten Zustand der .... und ihres Kindes feststellte. Frau .... erklärte ihr diesen unter anderem damit, dass ihr Freund, gemeint war offensichtlich der Nebenkläger und Zeuge ...., sie am 4. März 2003 geschlagen habe.

59Der Zeugin .... gelang es dann in mehrstündigen Gesprächen, bei denen .... immer wieder in Weinen ausbrach, dann wieder in Apathie wechselte und sich Hilfeangeboten verweigerte, sie zu überreden, mit .... am 9. März im Frauenhaus um Aufnahme im Frauenhaus Düsseldorf nachzusuchen. Auch im Frauenhaus blieb das Verhalten der .... auffällig. Sie war verwirrt und auffällig apathisch, kümmerte sich nicht um ihre Tochter, so dass die Insassinnen des Frauenhauses dies übernahmen. Auch .... zeigte ein auffälliges Verhalten, in dem sie sich ständig die Haare vom Kopf riss. Am darauf folgenden Tag, also am 10. März 2002, führte die Zeugin ...., eine hauptamtliche Mitarbeiterin des Frauenhauses, mit .... ein Gespräch, das äußerlich ähnlich verlief, wie das mit der Zeugin .... im Ibis-Hotel, in dem sie davon berichtete, sie sei aus einer Mutter-Kind-Einrichtung in Dinslaken geflüchtet und habe sich am 8. März 2003 im Ibis- Hotel in Düsseldorf das Leben nehmen wollen. Sie wolle auch wieder in eine Mutter- Kind-Einrichtung und bat die Zeugin ...., ihr bei der Suche nach einer solchen behilflich zu sein, was diese bejahte

60Am selben Tag, nämlich am 10. März, meldete sich .... telefonisch beim Angeklagten und erklärte ihm, sie habe in ihrer Wohnung Angstzustände bekommen. Sie habe Angst vor dem Zeugen ..... Sie habe sich deshalb ins Frauenhaus begeben. Unter den Frauen gehe es ihr gut, auch .... fühle sich wohl. Den 12. März könne sie nicht wahrnehmen, sie überlege sich, ob sie wieder eine Mutter-Kind Therapie mache. Bis zur Aufnahme Ende März in einer Klinik in Lengerich, zu der sie Kontakt habe, wolle sie im Frauenhaus bleiben. Der Angeklagte wies .... darauf hin, dass sie dies gegebenenfalls mit ihrer Krankenkasse abzusprechen habe, um eine Kostensicherung zu erhalten, insbesondere vor dem Hintergrund der letzten, kürzlich beendeten Therapie in Dinslaken. Wenn dies nicht möglich sei, so solle Frau .... unbedingt erwägen, sich allein in Therapie zu begeben und .... bei ihrer Mutter oder in einer Pflegestelle zu belassen, was .... aber ablehnte, weil sie unbedingt eine Mutter-Kind-Therapie bevorzuge. Dann vereinbarte er mit ihr, dass sie sich melde, sobald sie Klarheit über den Platz in Lengerich habe.

61

Spätestens in diesem vom Inhalt her schon längeren Telefongespräch muss dem Angeklagten auch die desolate Lage .... bekannt geworden sein, weil sie auf Grund Ihres Gesundheitszustandes gar nicht in der Lage war, im Gegensatz zu dem im Ibis- 57

Hotel und im Frauenhaus gezeigten Bild einer verzweifelten, depressiven, immer wieder in Weinen ausbrechenden Frau über die Dauer des Telefongesprächs die Fassade einer besonnenen, ihre zukünftigen Schritte wohl überlegenden und ihre Situation beherrschenden Frau aufrechtzuerhalten und in für den Angeklagten wahrnehmbares gleich gelagertes Verhalten wie in den Gesprächen mit den Zeuginnen .... und .... zurückgefallen sein muss, wenn er nicht gar erkannt hatte, dass .... wieder in das Krankheitsbild zurückgefallen war, das ohne den Aufenthalt in einer Einrichtung wie das St. Vinzenz-Hospital in Dinslaken spätestens im Dezember nicht nur wegen der Gefährdung der Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit des Kindes ...., sondern auch für dessen Leib und Leben zur Trennung von Mutter und Kind hätte führen müssen.

Soweit der Angeklagte durch nochmalige Vernehmung der Zeugin .... unter Beweis gestellt hat, sie habe sich nach ihrer Entlassung aus dem St. Vinzenz-Hospital zunächst deutlich besser gefühlt, habe sich vor den Gesprächen mit dem Angeklagten -gemeint sind offensichtlich die Telefonate vom 5.6. und 10. März 2003- ausführlich vorbereitet, niedergelegt, was sie ihm sagen wollte und bewusst eine Phase abgewartet, in der sie ganz gefasst mit dem Angeklagten sprechen konnte, ihr sei es dann bis zum Einzug in das Ibis-Hotel Düsseldorf nach und nach immer schlechter gegangen, sie sei in das Ibis- Hotel gegangen, um sich der Drucksituation zu entziehen, sei im Frauenhaus davon ausgegangen, dass sie bald in die Klinik aufgenommen werden könne, habe in der Hoffnung auf diesen Klinikaufenthalt das Frauenhaus verlassen, nach dem Weggang aus dem Frauenhaus sei die Situation sehr schnell wieder schlechter geworden und sie habe keine klare Erinnerung, wie lange sie aus dem Frauenhaus weg gewesen sei, bevor sie ihrer Tochter die Medikamente verabreicht habe, hat das Gericht zwar die Zeugin wegen ihrer krankheitsbedingten Vernehmungsunfähigkeit nicht befragen können, darüber hinaus konnte das Gericht, soweit ihr Gesundheitszustand in den Beweisanträgen angesprochen ist, diesen auf Grund der hierzu vernommenen Zeugen aus dem Ibis-Hotel und dem Frauenhaus nachvollziehen, soweit sie die behauptete Vorstellung der Zeugin .... betreffen, diese als letztlich irrelevant betrachten, weil es nicht auf deren Vorstellung, selbst wenn sie diese den Zeuginnen aus dem Ibis-Hotel und dem Frauenhaus gegenüber nicht offenbart haben sollte, sondern das Wissen des Angeklagten aus der Vorgeschichte und den beiden Telefonaten am 5./6. und 10. März 2003 ankommt. Soweit der Angeklagte und seine Verteidigerin gar behauptet haben, .... habe niedergelegt, was sie dem Angeklagten habe sagen wollen, ist auch dies, abgesehen davon, dass es jedweder Lebenserfahrung widerspricht, den Inhalt eines Gesprächs, das aus Rede und Gegenrede besteht und das unerwartete Fragen enthält, vorher niederlegen zu können, insoweit irrelevant, als für die Frage, ob und wie der Angeklagte hätte handeln müssen, es auf den Gesprächsinhalt ankommt.

63

Als Sozialarbeiter war ihm wie schon jedem mit normaler Lebenserfahrung ausgestattetem Laien bekannt, dass .... in der falschen Einrichtung war; denn ein Frauenhaus ist eine Zufluchtsstätte für Frauen, gegen die der Ehemann oder Partner Gewalt ausübt und die dieser entkommen wollen, nicht aber eine Einrichtung, in der die auf einer psychischen Erkrankung beruhende gravierende Beeinträchtigung der Erziehungsfähigkeit einer labilen, depressiven Frau behandelt werden können. Ihm wurde bewusst, dass .... nicht nur zum vorgesehenen Gespräch vom 12. März 2003 nicht kommen wollte, sondern sich gänzlich seinem Einfluss entziehen wollte und damit die dem St. Vinzenz-Hospital zu Beginn der Behandlung in Aussicht gestellten Hilfen für Kind und Mutter überhaupt nicht zum Zuge kommen würden, sondern .... wieder der Angst erfüllten, labilen Mutter ausgesetzt sein würde. Auf Grund der ständigen Therapie- 62

und Behandlungsabbrüche in der Vergangenheit, dem erst wenige Tage zurück liegenden Therapieabbruch in Dinslaken konnte und durfte der Angeklagte nicht darauf vertrauen, .... bleibe mit .... bis zum Ende März im Frauenhaus und werde mehr oder minder ohne Schwierigkeiten in eine Klinik in Lengerich aufgenommen. Aus den Vorgesprächen mit dem behandelnden Arzt Dr. .... vor Aufnahme in das St. Vinzenz- Hospital, nochmals verstärkt durch das Telefongespräch mit der Zeugin .... am 14. Februar 2002 wusste er, wie eminent wichtig die die Kindesmutter entlastenden, zügig greifenden Hilfemaßnahmen nach einer Entlassung aus dem Hospital in Dinslaken für Mutter und Kind waren, diese bei einem Abwarten in dem von .... vorgeschlagenen Sinn nicht greifen würden und damit das Gefährdungspotential vom Dezember 2002 wieder zurückgekehrt war. Alles dies, wie auch die auf Grund des wenige Tage zurückliegenden Therapieabbruchs kritische Frage der Kostenübernahme für eine neue, konkret nicht feststehende, sondern allenfalls in mehreren Wochen mögliche Therapie überließ er der aus Ängsten geflüchteten Frau. Er tat vielmehr das, was er schon in der Zeit nach dem Gerichtstermin vom 2. Oktober 2002 bis zu den Aufnahmegesprächen bezüglich der Therapie in Dinslaken getan hatte, obwohl ihm schon damals als Sozialarbeiter ausweislich seines eigenen Aktenvermerks vom 18. November 2002 bewusst war, dass ohne eine klinische psychotherapeutische Behandlung Mutter und Kind hätten getrennt werden müssen, nämlich die weitere Entwicklung abwarten. Aus der Schilderung .... musste er auch entnehmen, dass die in der Diskussion mit der Zeugin .... geforderte Kontinuität für die Entwicklung .... wieder dem Auf und Ab des ständigen Flüchtens der Kindesmutter an andere Orte, in für .... ständig wechselnde personale Beziehungen und Stimmungsschwankungen der Kindesmutter gewichen war. Von einem akuten Behandlungsbedarf ging er ohnehin aus; denn er wusste, dass ..... das St. Vinzenz-Hospital gegen den Willen der Ärzte verlassen hatte, diese also die Notwendigkeit der Fortsetzung der Therapie bejaht hatten, und Frau .... selbst wieder eine Therapie wollte. Spätestens nach diesem Telefongespräch machte die sich aus den Bestimmungen des achten Buch des Sozialgesetzbuches, des Kinder- und Jugendhilfegesetzes herrührenden Verpflichtung zur Schutzgewährung für das Kind .... es erforderlich, dass der Angeklagte gehandelt, zunächst einmal die Angaben der ...., sie sei im Frauenhaus Düsseldorf verifiziert hätte, indem er anlässlich des Telefongesprächs mit .... entweder um Weitergabe des Gesprächs an eine verantwortliche Mitarbeiterin gebeten oder noch besser selbst direkt das Frauenhaus angerufen hätte. Dann hätte er nämlich nicht nur ein umfassenderes Bild von dem bekommen, was sich ihm ohnehin aufgedrängt haben muss, dass nämlich .... nicht nur wieder in ihr Krankheitsbild vom Dezember zurückgefallen war, sondern sie selbst wieder von Selbstmordgedanken und damit auch solchen eines erweiterten Selbstmordes gepeinigt wurde, das Personal des Frauenhauses auffordern müssen, Mutter und Kind notfalls unter Einsperren und Verbleiben einer Aufsichtsperson dort festzuhalten, die Polizei in Düsseldorf telefonisch oder per Fax unter Darlegung des Sachverhalts benachrichtigen und auffordern müssen, Maßnahmen zu ergreifen, die zur Sicherung von Mutter und Kind geführt hätten, und gleichzeitig seinerseits sei es persönlich, sei es unter Zuhilfenahme des Jugendamts der Stadt Düsseldorf, Maßnahmen in die Wege leiten müssen, die möglicherweise zunächst zu einer Trennung von Mutter in Kind in Form der vorläufigen Inobhutnahme und einer vorläufigen Unterbringung der .... nach dem PsychKG geführt, möglicherweise zu einer gemeinsamen Unterbringung beider in einem anderen psychiatrischen Krankenhaus oder anderen Erziehungshilfen geführt hätten, die jedenfalls das Kind .... nicht mehr allein in der Obhut seiner Mutter belassen und damit zur Beseitigung der Gefahr, in der Mutter und Kind waren, geführt hätten

64Tatsächlich tat der Angeklagte, der im Gegensatz zu den Mitarbeitern des Frauenhauses die gesamte Vorgeschichte, die Labilität ...., das Gefährdungspotential für .... in Bezug auf ihr Wohlergehen und ihre Erziehung und die nicht geringe Wahrscheinlichkeit dafür kannte, dass .... das Frauenhaus bald wieder verlassen würde, nichts dergleichen, sondern überließ .... und ihr Kind letztlich sich selbst.

65Auch wenn er davon ausging, dass ihm das St. Vinzenz-Hospital gegen den Willen .... keine Auskunft über den Verlauf der Therapie erteilen würde, wusste er, dass das Krankenhaus in Hinblick auf die Prognose von seiner zentralen Rolle für die Nachsorge ausgegangen war und wohl noch ging, so dass spätestens nach der Absage des Treffens für den 12. März 2003 die ihm schon wegen seiner Säumnis im Round-Table- Gespräch vom 14. Februar 2003 in erhöhtem Maß obliegende Pflicht dem Angeklagten aufgab, die Klinik anzurufen, ihr die neuste Entwicklung zu berichten und mit ihr die nunmehr unverzüglich in Angriff zu nehmenden in Betracht kommenden Hilfsmaßnahmen abzuklären.

66Der Angeklagte konnte zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr davon ausgehen, dass unter den obwaltenden Umständen Dr. .... die Unterbringung im Frauenhaus als Handlungskompetenz .... gewertet hätte, selbst wenn er davon ausging, dass dieser bei Vorliegen des Gesundheitszustands am 21. Februar 2004 eine solche Fragestellung bejaht hätte; denn der Angeklagte kannte die ganze Vorgeschichte und wusste auf Grund des Gesamterlebnisses beider Telefongespräche mit ...., dass dieser Gesundheitszustand spätestens beim Telefongespräch am 10. März 2003 nicht mehr vorlag, sondern .... mit hoher Wahrscheinlichkeit in dem Zustand war, den sie unmittelbar vor der Behandlung im St. Vinzenz-Hospital in Dinslaken hatte und der nach seinem eigenen dafürhalten ohne eine Therapie zur Trennung von Mutter und Kind hätte führen müssen.

67Wie wenig der Angeklagte die ihm obliegende Verantwortung für .... übernehmen wollte, kommt schon darin zum Ausdruck, dass er der Kindesmutter, von der er wusste, wie sehr sie an ihrem Kind hing, antrug, wenn sie keine Mutter-Kind Therapie finden würde, allein in Therapie zu gehen und für diese Zeit .... in die Obhut ihrer Mutter zu geben, bezüglich der der Angeklagte ausweislich des Beweisantrags der Verteidigung -Blatt 557- wusste, dass der behandelnde Arzt Dr. .... .... für die Zukunft geraten hatte, sich der Kontrolle ihrer Mutter zu entziehen und die Beziehung zu ihr auf Distanz zu halten. Stattdessen rät er ihr, sich in die Abhängigkeit der Mutter zu begeben.

68Er wird auch nicht dadurch entlastet, dass für die ad hoc Maßnahmen das Jugendamt Düsseldorf zuständig gewesen wäre; denn zum einen hatte er die Betreuung .... und .... übernommen, zum andern kannte er allein den Handlungsbedarf und hätte auf Grund dieser Umstände, zumindest das Jugendamt Düsseldorf von dem Sachverhalt in Kenntnis setzen und zum angemessenen Handeln auffordern müssen.

69Am 11. März 2003 verließ Frau .... jun. mit .... das Frauenhaus wieder, kehrte zurück nach Mönchengladbach und hielt sich dann mit .... in ihrer Wohnung auf.

70Am 12. März 2003 sprach die Mutter der .... in der Dienststelle bei dem Angeklagten vor und teilte ihm Folgendes mit: .... habe sie am 22. Februar 2003 gebeten, ihr einige Tabletten zu überlassen, weil das St. Vinzenz-Hospital ihr keine Medikamente zur Weiterbehandlung gegeben habe, Sie benötige jedoch bestimmte Medikamente, dies seien dieselben, die sie Frau .... sen. selbst nehme. Darauf hin habe sie ihr einige

Tabletten überlassen. Am nächsten Tag habe sie anlässlich einer Geburtstagsfeier Alkohol zu sich genommen und bei der Familie von Bekannten übernachtet. In den Morgenstunden des 25. Februar habe Frau .... sen. .... in ihrer Wohnung Rotwein trinkend angetroffen. Sie, Frau .... sen. habe ihr ..... wegnehmen und mit zu sich nehmen wollen, wogegen .... sich vehement gewehrt habe. Am nächsten Tag, nämlich am 26. Februar 2003 habe Manuela ihre Mutter weinend angerufen, ihr mitgeteilt, .... habe ein blaues Auge, sie wisse nicht woher und sie habe Angst, .... geschlagen zu haben. Sie habe immer wieder geweint und erklärt, wie leid es ihr täte. Am Abend dieses Tages sei .... zu ihr, der Zeugin, gekommen, habe die Wohnung aber wieder mit einer erkälteten .... verlassen, weil sich der Freund der Frau .... sen. angesagt habe. Am 4. März 2003 seien .... und .... mit ihr auf dem Veilchendienstagszug gewesen, habe zwei Dosen Bier getrunken und habe sie nach dem Abschluss der Veranstaltung verlassen. Am 6. März 2003 habe Manuela sie zweimal angerufen und am Telefon nur geweint und geschluchzt.

71Trotz des Handlungsbedarfs der bereits nach dem Telefongespräch