Urteil des AG Mönchengladbach vom 29.11.2004, 19 IK 3/99

Entschieden
29.11.2004
Schlagworte
Treuhänder, Höchstbetrag, Anteil, Lohnpfändung, Bruttoeinkommen, Verfügung, Auflage, Nettoeinkommen, Einkünfte, Zustellung
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Amtsgericht Mönchengladbach, 19 IK 3/99

Datum: 29.11.2004

Gericht: Amtsgericht Mönchengladbach

Spruchkörper: Rechtspfleger

Entscheidungsart: Beschluss

Aktenzeichen: 19 IK 3/99

Tenor: Auf Antrag des RSB-Treuhänders wird gemäß §§ 292 Abs. 1 Satz, 36 Abs. 4, Abs. 1 Satz 2 InsO der pfändbare Teil des laufenden Einkommens und des Weihnachtsgeldes des Schuldners für das Jahr 2003 nach § 850 a Nr. 4 ZPO auf

590,00 festgesetzt.

Der darüber hinausgehende Antrag wird zurückgewiesen.

G r ü n d e 1

I. 2

3Der Schuldner ist verheiratet. Er bezieht ein laufendes regelmäßiges Bruttoeinkommen in Höhe von monatlich EUR 2.727,73. Für den Monat Dezember 2003 wurde ihm zusätzlich ein Weihnachtsgeld in Höhe von 1.363,87 brutto gezahlt.

II. 4

a) 5

6Dem Schuldner wurde durch Beschluss des Gerichts vom 25.09.2000 die Restschuldbefreiung für die Dauer von 5 Jahren ab Aufhebung des Verfahrens angekündigt. Das Insolvenzverfahren wurde durch Beschluss vom 30.08.2001 aufgehoben. Treuhänder ist RA. XXX. Der Schuldner hat seine pfändbaren Bezüge aus dem Dienstverhältnis durch Erklärung vom 21.12.1998 an den Treuhänder abgetreten. Bei der Berechnung der pfändbaren Beträge ist ein Unterhaltsberechtigter zu berücksichtigen.

b) 7

8Mit Schreiben vom 06.05.2004 beantragt der Treuhänder gem. §§ 292 Abs. 1 Satz 3, 36 Abs. 4, 1 Satz 2 InsO den pfändbaren Anteil des Weihnachtsgeldes des Schuldners für 2003 gemäß § 850 a Nr. 4 ZPO auf 685 festzusetzen. Der Treuhänder ist der Auffassung, dass zu dem Grundgehalt das Weihnachtsgeld, vermindert um den nicht pfändbaren Anteil nach § 850 a Nr. 4 ZPO, hinzuzurechnen und die Summe dieser Beträge als Grundlage für die Berechnung des pfändbaren Anteils zu berücksichtigen sei. Seiner Auffassung nach handelt es sich bei dem pfandfreien Betrag nach § 850 a Nr. 4 ZPO um einen Bruttobetrag. Daher sei eine fiktive Berechnung der steuerlichen Abzugsbeträge erforderlich. Denn der

auf den pfandfreien Höchstbetrag von 500 entfallende Steueranteil sei vom Schuldner aus diesem Betrag zu zahlen und dürfe nicht aus den übrigen Bezügen entnommen werden.

9Zur Begründung bezieht sich der Treuhänder u.a. auf Stöber, Forderungspfändung, 12. Aufl., Rd.Ziff. 999 ff, 984; Hintzen Lohnpfändung; Hock in C.H.Beck Wirtschaftsverlag: Handbuch der Lohnpfändung; Boewer/Bommermann: Lohnpfändung-Abtretung, Rd.Ziff 498/497 sowie in der ergänzenden Stellungnahme im Schreiben vom 11.11.2004 auf Münzberg in Stein/Jonas, ZPO, § 850a, Rz. 28 und weitere Fundstellen. Ferner bezieht er sich auf die Entscheidung des Insolvenzgerichts Mönchengladbach vom 12.01.2004 - 32 IK 29/02, in der seiner Auffassung der Berechnung gefolgt wurde.

c) 10

11Das Landesamt für Besoldung und Versorgung des Landes NRW als Gehalt zahlende Stelle des Schuldners hat mit Schreiben vom 11.06.2004 Stellung genommen. Es vertritt die Auffassung, dass der pfändbare Betrag auf 590 festzusetzen sei und fügt eine Berechnung der Steuern und Abgaben anhand der konkreten Einkünfte des Schuldners für 2003 bei. In der ergänzenden Stellungnahme des LBV vom 19.07.2004 wird unter Bezugnahme auf Zöller, ZPO, 24. Auflage, Rd.Ziff. 11 die Auffassung vertreten, dass dem Schuldner der Höchstbetrag von 500 ungekürzt verbleiben müsse und daher eine fiktive Berechnung des Steueranteils nicht für zulässig angesehen wird.

d) 12

13Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf die Anträge und Stellungnahmen des Treuhänders vom 06.05.2004 und 11.11.2004 sowie des LBV vom 11.06.2004 und 19.07.2004 Bezug genommen.

III. 14

15Das Gericht schließt sich hinsichtlich der Berechnung des pfändbaren Anteils des Weihnachtsgeldes der Auffassung des LBV an.

16Zwar wurde im Schreiben vom 24.06.2004 noch die Auffassung vertreten, dass der steuerliche Anteil an dem Höchstbetrag des Weihnachtsgeldes von 500 auch aus diesem zu entnehmen ist und nicht aus dem restlichen zur Verfügung stehenden Einkommen. An dieser Auffassung wird nach erneuter Überprüfung nicht festgehalten.

17Unstreitig geht der Gesetzgeber in der Definition des Arbeitseinkommens in § 850 ZPO vom Bruttoeinkommen aus. Dazu zählt neben dem regelmäßigen monatlichen Einkommen auch das jährlich einmalig gezahlte Weihnachtsgeld. In § 850 e ZPO wird die Berechnung des pfändbaren Einkommens normiert. Nach § 850 e Abs. 1 Nr. 1 ZPO sind für die Berechnung des pfändbaren Einkommens neben den in § 850 a ZPO der Pfändung entzogenen Beträge auch die Beträge, die auf Grund steuerrechtlicher oder sozialrechtlicher Vorschriften abzuführen sind, nicht mitzurechnen.

18Der Gesetzgeber gibt nach hiesiger Auffassung damit vor, dass die Berechnung nach den maßgebenden Vorschriften des Steuerrechts zu erfolgen hat. Dies bedeutet, dass von dem jeweiligen Einkommen (lfd. Bezüge bzw. Weihnachtsgeld) die Steuern und Abgaben zu berechnen sind, wie sie sich aus den entsprechenden Vorschriften und Steuertabellen ergeben. Dass das Einkommen oder das Weihnachtsgeld bei der steuerlichen Behandlung zum Zwecke einer fiktiven Berechnung vorab um gewisse Beträge zu kürzen ist, kann der

Vorschrift nicht entnommen werden.

19In vorliegendem Fall ergeben sich für das lfd. monatliche Einkommen (einschließlich der Reinigungskostenpauschale von 4 €) steuerliche Abzüge von 593,39 €. Es verbleibt insoweit ein Nettoeinkommen in Höhe von 2.138,34 €. Für das Weihnachtsgeld sind Steuern in Höhe von insgesamt 541,58 abzuführen. Es verbleiben Netto 822,29 €. Als Zwischensumme ergeben sich aus der Addition der beiden Nettobeträge 2.960,93 €.

20Weiterhin gibt § 850 e Abs. 1 Nr. 1 ZPO vor, dass die nach § 850 a ZPO der Pfändung entzogenen Beträge bei der Berechnung des pfändbaren Einkommens nicht mitzurechnen sind. Dies bedeutet, dass von der zuvor ermittelten Zwischensumme des Gesamtnettoeinkommens der hier maßgebende Höchstbetrag von 500 abzuziehen ist.

21Als Betrag für die Berechnung des pfändbaren Einkommens verbleiben 2.460,63 €. Nach der Tabelle zu § 850 c ZPO sind unter Berücksichtigung eines Unterhaltsberechtigten damit 590 pfändbar.

22Dass diese Berechnung ggf. bei besonderen Einkommenskonstellationen dazu führt, dass in einem Monat mit Zahlung von Weihnachtsgeld sogar geringere Beträge pfändbar und an den Treuhänder abzuführen sind, als in Monaten mit ausschließlich lfd. Einkommen - vgl. Verfahren 32 IK 29/02 - muss hingenommen werden.

23Insbesondere mit der Vorschrift des § 850 a Nr. 4 ZPO wollte der Gesetzgeber der Bedeutung des Weihnachtsgeldes Rechnung tragen. Er hat daher die Weihnachtsvergütung im Hinblick auf die besondere Zweckbestimmung aus sozialen Gründen einem besonderen Pfändungsschutz unterworfen. Dieser würde durch die Berechnungsweise, wie sie der Treuhänder unter Bezugnahme auf die diversen Kommentatoren vornimmt, unterlaufen.

24Das Gericht ist daher mit Zöller (a.a.O.) der Auffassung, das dem Schuldner der unpfändbare Betrag in voller Höhe verbleiben muss und auch die auf die Weihnachtsvergütung entfallenden Steuern und Abgaben in voller Höhe dem übrigen Einkommen zu entnehmen sind.

IV. 25

26Dieser Beschluss kann von dem Treuhänder und dem Schuldner innerhalb von zwei Wochen ab Zustellung beim Insolvenzgericht mit der sofortigen Beschwerde angefochten werden.

AG Mönchengladbach (zpo, vertrag, verweisung, besteller, betrag, gerichtsstand, ergänzung, werkvertrag, anzahl, täuschung)

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AG Mönchengladbach (höhe, mwst, zpo, zustellung, zahlung, rechnung, vollkaskoversicherung, fahrzeug, versicherungsnehmer, vermietung)

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AG Mönchengladbach: jugendamt, entlassung, stadt, trennung, hotel, klinik, wohnung, stationäre behandlung, gefährdung, gefahr

13 Cs 343/03 vom 09.03.2004

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