Urteil des AG Gummersbach vom 20.09.1996, 17 C 67/96

Entschieden
20.09.1996
Schlagworte
Fahrzeug, Mensch, Verkehrsmittel, Vollstreckbarkeit, Tarif, Datum, Deckung
Urteil herunterladen

Amtsgericht Gummersbach, 17 C 67/96

Datum: 20.09.1996

Gericht: Amtsgericht Gummersbach

Spruchkörper: Abteilung 17

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 17 C 67/96

Tenor: Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt der Kläger.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Gemäß § 313 a ZPO ohne Tatbestand. 1

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e : 2

Die Klage ist unbegründet. 3

4Der Kläger hat keinen über den von der Beklagten zu 2) ausgeglichenen Betrag hinausgehenden Schadenersatzanspruch gegen die Beklagten.

5Die dem Kläger in Rechnung gestellten Mietwagenkosten stellen jedenfalls hinsichtlich des nicht von der Beklagten zu 2) erstatteten Betrag keinen ersatzfähigen Schaden im Sinne des § 249 BGB dar.

6Grundsätzlich sind nur solche Aufwendungen als Schaden anzusehen, die ein wirtschaftlich vernünftig denkender Mensch in der Lage des Geschädigten machen würde. Ein Unfallgeschädigter kann im Allgemeinen während des Ausfalls seines beschädigten Fahrzeuges einen Mietwagen in Anspruch nehmen. Auf die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel braucht er sich in der Regel nicht verweisen zu lassen, denn private Fahrzeuge werden im allgemeinen gerade zum dem Zweck gehalten, nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein.

7Etwas anderes gilt jedoch in Ausnahmefällen, nämlich dann, wenn die Kosten der Inanspruchnahme eines Mietwagens völlig außer Verhältnis zu der tatsächlichen Nutzung stehen. Es kann dann von dem Geschädigten verlangt werden, auf die preiswertere Nutzung von Taxis zurück-zugreifen.

8Vorliegend stehen die dem Kläger berechneten Mietwagenkosten völlig außer Verhältnis zu der tatsächlichen Nutzung.

9Der Kläger legte mit dem von ihm angemieteten Fahrzeug innerhalb der Mietdauer von fünf Tagen insgesamt 115 km zurück. Dies entspricht einer täglichen Fahrleistung von 23 km.

Kein wirtschaftlich vernünftig denkender Mensch würde für einen derart geringen Fahrbedarf ein Fahrzeug zu einem völlig außer Verhältnis stehenden Preis von insgesamt 455,86 DM täglich anmieten.

10Ein wirtschaftlich vernünftig denkender Mensch hätte für in diesem Umfang zurückzulegende Strecken Taxis benutzt oder zumindest ein Fahrzeug einer deutlich preiswerteren Gruppe angemietet.

11Die dadurch möglicherweise entstehenden, angesichts der kurzen Wegstrecken nur sehr geringen Komforteinbußen wären unter dem Gesichtspunkt der Schadensminderungspflicht von dem Kläger hinzunehmen gewesen.

12Aus dem Vortrag des Klägers ergibt sich auch, daß der geringe tägliche Fahrbedarf ohne weiteres vorhersehbar war.

13Daß der von dem Kläger beauftragte Sachverständige für die Beschaffung eines Ersatzfahrzeuges 14 Werktage kalkulierte, es dem Kläger jedoch gelungen ist, in kürzerer Zeit ein neues Fahrzeug zu finden, vermag den geltend gemachten Anspruch nicht zu begründen. Es hätte einen schweren Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht dargestellt, wenn der Kläger trotz der offenbar gegebenen Möglichkeit, früher einen Ersatzwagen zu erhalten, die von dem Sachverständigen angesetzte Zeit vollständig ausgenutzt hätte.

14Daß die Mietwagenkosten erforderlich waren zur schnellen Beschaffung eines Ersatzfahrzeuges, Taxis oder zumindest ein Fahrzeug einer kleineren Klasse hierzu nicht genügten, ist nicht ersichtlich und von dem Kläger auch nicht substantiiert vorgetragen worden.

15Es ist evident, daß dem Kläger bei der Benutzung von Taxis oder wenigstens der Anmietung eine Fahrzeuges einer preiswerteren Gruppe, das zur Deckung seines geringen Fahrbedarfs jedenfalls genügt hätte, keine höheren als die von der Beklagten zu 2) ersetzten Kosten entstanden wären.

16Es kann nach alledem dahinstehen, ob der Unfallersatztarif der Autovermietung XY derart aus dem Rahmen des Üblichen fällt, daß der Kläger dies erkennen mußte und ihn nicht ohne vorherige Preisvergleiche akzeptieren dürfte. Ebenso kann dahinstehen, ob der Tarif tatsächlich vereinbart wurde.

17Die Entscheidung über die Kosten und die vorläufige Vollstreckbarkeit beruht auf §§ 91, 708 ff. ZPO.

Streitwert: Bis 600,-- DM 18

AG Gummersbach (kläger, höhe, gas, annahme, vertrag, bereicherung, verzug, abschluss, grund, vertragsschluss)

16 C 218/09 vom 01.09.2010

AG Gummersbach: vernehmung von zeugen, grundstück, abschleppen, winter, vollstreckung, verfügung, akte, foto, anforderung, wiederherstellung

1 C 310/03 vom 08.01.2009

AG Gummersbach: treu und glauben, geschiedener ehegatte, unterhalt, nettoeinkommen, vergleich, arbeitsstelle, fahrtkosten, wohnung, gesetzesänderung, geburt

22 F 50/08 vom 25.11.2008

Anmerkungen zum Urteil