Urteil des AG Düsseldorf vom 08.03.1991, 28 C 16770/90

Entschieden
08.03.1991
Schlagworte
Kläger, Hotel, Zimmer, Höhe, Minderung, Land, Betrag, Zpo, Katalog, Marokko
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Amtsgericht Düsseldorf, 28 C 16770/90

Datum: 08.03.1991

Gericht: Amtsgericht Düsseldorf

Spruchkörper: Richterin

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 28 C 16770/90

Tenor: hat das Amtsgericht Düsseldorf

auf die mündliche Verhandlung vom 22.2.1991

durch die Richterin am Amtsgericht X

für R e c h t erkannt :

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden den

Klägern als Gesamtschuldnern auferlegt.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

T a t b e s t a n d : 1

2Die Kläger buchten bei der Beklagten eine Reise nach Marokko für die Zeit vom 28.8.1990 bis 11.9.1990 zum Gesamtpreis von 4.196,-- DM. Es handelte sich um ein Kombinationsprogramm, welches drei Nächte in Marrakesch und 11 Nächte in Agadir vorsah.

Mit der Klage machen die Kläger Minderung des Reisepreises geltend. 3

4Sie haben zunächst Minderung in Höhe von 1.528,40 DM unter Berücksichtigung des von der Beklagten bereits geleisteten Betrages in Höhe von 150,-- DM verlangt. Sie haben aufgrund einer weiteren Zahlung der Beklagten in Höhe von 480,-- DM die Klage in dieser Höhe zurückgenommen.

5Die Kläger behaupten, in Marrakesch sei keine Reiseleitung der Beklagten gewesen. Nicht beraten hätten sie sich einem einheimischen Fremdenführer anvertraut, der sie mit einem Messer bedroht und einen völlig überhöhten Preis für seine Führung verlangt

einem Messer bedroht und einen völlig überhöhten Preis für seine Führung verlangt hätte. Der Service im gebuchten Hotel in Marrakesch sei schlecht gewesen, da gleichzeitig ein großer Ärztekongress stattgefunden habe und sich das ganze Personal ausschließlich um die Kongressteilnehmer gekümmert hätte. Der Transfer von Marrakesch nach Agadir habe in einem äußerst engen Kastenwagen stattgefunden. Der Wagen sei total verschmutzt gewesen. Den größten Teil der Fahrt hätten sie mit angewinkelten Beinen sitzen müssen. Das im Hotel X zugewiesene Zimmer sei primitiv eingerichtet, schmutzig und viel zu klein gewesen. Es sei mit Wanzen und Kakerlaken übersät gewesen. Auf ihre Beschwerde hin sei ihnen ein anderes Zimmer gezeigt worden, das zwar größer, aber ebenso primitiv eingerichtet und völlig verschmutzt gewesen sei. Sie hätten sich daraufhin entschlossen, das Hotel abzulehnen. Am nächsten Tag hätten sie in das Hotel XX umziehen können. Dort hätten sie bis 1.00 Uhr nachts überdurchschnittlich laute Musik aus der Hotelbar ertragen müssen. Auch tagsüber hätten sie keine Ruhe gefunden wegen unmittelbar an die Hotelanlage angrenzender Baustellen. Insgesamt sei eine Minderung in Höhe von 40 % des Reisepreises angemessen.

Die Kläger beantragen, 6

die Beklagte zu verurteilen, an die Kläger 7

1048,40 DM nebst 4 % Zinsen seit dem 6.11.1990 8

zu zahlen. 9

Die Beklagte beantragt, 10

die Klage abzuweisen. 11

12Sie ist der Ansicht, über den kulanter Weise gezahlten Betrag in Höhe von 630,--DM hinaus stünden dem Kläger keine weiteren Ansprüche zu. Im Katalog sei auf eine individuelle Erkundung Marrakeschs hingewiesen. Aus dem Katalog ergäbe sich auch, dass dem gebuchten Hotel in Marrakesch ein Kongreßzentrum angeschlossen war. Für den Transfer nach Agadir hätten die Kläger keinen klimatisierten Reisebus erwarten können. Das gebuchte Zimmer im Hotel X sei nicht mit Wanzen und Kakerlaken übersät und verdreckt gewesen. Der Umzug in das Hotel XX habe auf dem eigenen Wunsch der Kläger beruht. Für Lärmbelästigungen dort sei sie nicht verantwortlich, weil die Kläger in der ursprünglich gebuchten Anlage hätten bleiben können.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e : 13

Die Klage ist nicht begründet. 14

Über die von der Beklagten geleisteten 630,-- DM hinaus stehen den Klägern Minderungsansprüche nicht zu.

16

Aus der Katalogbeschreibung ist zu ersehen, dass in Marrakesch ein individueller Aufenthalt gebucht war. Jedem Reisenden, auch einem Pauschalreisenden, ist es zuzumuten, sich vor Antritt einer Reise in ein fremdes Land über die dortigen Gegebenheiten, z. B. anhand eines Reiseführers zu informieren. Die Gefahren eines Besuchs der Altstädte in Marokko dürften als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. 15

17Mängel hinsichtlich eines schlechten Services in dem in Marrakesch gebuchten Hotel sind nicht substantiiert dargelegt worden.

18Zutreffend weist die Beklagte darauf hin, dass es sich bei der Fahrt von Marrakesch nach Agadir nicht um eine gebuchte Busreise, sondern lediglich um einen Transfer handelte. Mit dem Komfort eines Reisebusses konnten die Kläger nicht rechnen. Zu berücksichtigen ist auch stets, dass nicht die Maßstäbe angelegt werden können, die in einem zivilisierten europäischen Land gelten.

19Schon aus der Hotelbeschreibung, wonach die Zimmer zweckmäßig eingerichtet sein sollten, hätten die Kläger entnehmen können, dass es sich um eine einfache und nicht eine Luxusausstattung der Zimmer handelte. Eine bestimmte Größe des Zimmers war den Klägern auch nicht zugesagt worden. Darüber hinaus ist den Klägern ein anderes Zimmer in der Hotelanlage angeboten worden, das - wie die Kläger selbst in ihrem Schreiben an die Beklagte eingeräumt haben - größer war.

20Substantiierte Ausführungen zum angeblichen Dreck in den Zimmern der gebuchten Hotelanlage liegen nicht vor.

21Wie gerichtsbekannt ist, muss auch in Luxushotels in südlichen Ländern mit Ungeziefer gerechnet werden. Diese Mängel werden üblicherweise durch Insektensprays beseitigt. Von Wanzen und Kakerlaken in dem ersatzweise angebotenen Zimmer der gebuchten Hotelanlage ist nicht die Rede, so dass lediglich nicht substantiiert vorgetragener Schmutz als Mangel übrig bliebe.

22Nach all dem hatten die Kläger keinen Anspruch darauf, in ein anderes Hotel umzuziehen. Wenn sie dies aufgrund freien Entschlusses taten, müssen sie die dort vorhandenen Mängel entschädigungslos in Kauf nehmen.

23Zusammenfassend ist festzustellen, dass den Klägern ein über die Kulanzleistung hinausgehender Betrag nicht zusteht.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO. 24

Die Anordnung der vorläufigen Vollstreckbarkeit beruht auf § 708 Ziffer 11 ZPO. 25

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Anmerkungen zum Urteil