OLG Oldenburg 12 U 91/10 Haftung des betreibers, Gemischter vertrag, Entlastungsbeweis, Obhut

Urteil 12 U 91/10 des OLG Oldenburg vom 04.01.2011

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Gründe:  I.  Die  Parteien  streiten  über  Schadensersatzansprüche  der  Klägerin  aus  einem  Tierpensionsvertrag.  Die  Klägerin  ist  Eigentümerin  der  Schimmelstute  ´R…´  von  R…  D…,  die  sie  aufgrund  eines  mündlich  geschlossenen  Tierpensionsvertrages  ab  dem  01.09.2007  in  einer  ihr  von  der  Beklagten  zugewiesenen  Box  auf  dem  Hof  der  Beklagten  eingestallt  hatte.  Die  Beklagte  war  vertraglich  zur  Stallunterbringung  und  Fütterung  des  Pferdes  sowie  zur  Reinigung  der  Box  und  zum  Einstreu  verpflichtet.  In  der  Nacht  vom  14.  auf  den  15.10.2007  geriet  das  Pferd  nach  Herausbrechen  eines  Gitterstabes  mit  dem  rechten  Hinterbein  zwischen  die  Gitterstäbe  der  Pferdebox  und  zog  sich  in  der  Folge  erhebliche  Verletzungen  zu.  Der  konkrete  Schadenshergang  blieb  dabei  ungeklärt.  Wegen  der  eingetretenen  Verletzungsfolgen,  insbesondere  einem  reduzierten  Marktwert  des  Pferdes,  hat  die  Klägerin  die  Beklagte  auf  Zahlung  von  Schadensersatz  in  Höhe  von  13.564,81  €  in  Anspruch  genommen.  Das  Landgericht  hat  der  Klage  nach  umfangreicher  Beweisaufnahme  in  Höhe  eines  Betrages  von  12.244,81  €  stattgegeben.  Zur  Begründung  hat  es  ausgeführt,  dass  von  einer  schadensursächlichen  Pflichtverletzung  der  Beklagten  im  bestehenden  Verwahrungsverhältnis  auszugehen  sei,  da  sich  die  Beklagte  wegen  des  in  ihrem  Verantwortungsbereich  entstandenen  Schadens  nicht  habe  entlasten  können.  Der  Entscheidung  lag  dabei  vorrangig  zugrunde,  dass  die  Gitterstäbe  der  Pferdebox  nach  den  Feststellungen  des  vom  Landgericht  beauftragten  Sachverständigen  unzureichend  mit  dem  auf  die  Holzeinfassung  der  Box  aufgesetzten  Rahmen  verschweißt  waren.  Gegen  die  Entscheidung  richtet  sich  die  Berufung  der  Beklagten.  Sie  wiederholt  ihr  erstinstanzliches  Vorbringen  und  trägt  weiter  vor,  dass  eine  mangelhafte  Verschweißung  der  Gitterstäbe  für  sie  nicht  erkennbar  und  im  Übrigen  auch  nicht  die  primäre  Schadensursache  gewesen  sei.  Die  Beklagte  beantragt,  das  Urteil  des  Landgerichts  Osnabrück  vom  31.08.2010  abzuändern  und  die  Klage  abzuweisen.  Die  Klägerin  beantragt,  die  Berufung  zurückzuweisen.  Die  Klägerin  tritt  der  Berufung  nach  Maßgabe  ihrer  Erwiderung  entgegen.  Wegen  der  weiteren  Einzelheiten  des  Vorbringens  der  Parteien  wird  auf  die  angefochtene  Entscheidung  Bezug  genommen.  II.  Die  zulässige  Berufung  der  Beklagten  hat  Erfolg.  Die  Klägerin  kann  von  der  Beklagten  weder  unter  dem  Gesichtspunkt  einer  schuldhaften  Pflichtverletzung  im  bestehenden  Vertragsverhältnis  noch  aus  unerlaubter  Handlung  Schadensersatz  wegen  der  eingetretenen  Verletzung  ihres  Pferdes  verlangen.  Ebenso  wie  das  Landgericht  geht  der  Senat  davon  aus,  dass  es  sich  bei  dem  von  den  Parteien  mündlich  geschlossenen  Tierpensions  bzw.  Einstellungsvertrag  um  einen  entgeltlichen  Verwahrungsvertrag  i.S.v.  § 688 BGB  handelt.  Nach  dem  Vertrag  schuldete  die  Beklagte  der  Klägerin  neben  der  Überlassung  einer  Pferdebox  u.a.  auch  die  Fütterung  des  Pferdes  und  die  Übernahme  der  Fürsorge  und  Obhut  für  das  eingestellte  Tier.  Vertragsinhalt  war  daher  nicht  nur  die  Vermietung  einer  Box  (vgl.  insoweit  BGH  NJWRR  1990,  1422),  sondern  auch  die  Lieferung  von  Futter  und  die  Erbringung  weiterer  (Dienst)Leistungen  (vgl.  BGH  Urt.  v.  12.06.1990,  Az.:  IX  ZR  151/89,  wonach  der  Einstellvertrag  als  Dienstvertrag  zu  qualifizieren  ist),  namentlich  der  Fütterung  und  Fürsorge.  Der  zu  beurteilende  Pferdepensions  bzw.  Einstellvertrag  ist  demnach  ein  gemischter  Vertrag,  der  sich  aus  Elementen  des  Mietvertrages,  des  Kaufvertrages,  des  Dienstvertrages  und  des  Verwahrungsvertrages  zusammensetzt.  Ein  solcher  Vertrag  bildet  ein  einheitliches  Ganzes  und  kann  deshalb  bei  der  rechtlichen  Beuteilung  nicht  in  dem  Sinne  in  seine  verschiedenen  Bestandteile  zerlegt  werden,  dass  auf  den  Mietvertragsanteil  Mietrecht,  auf  den  Kaufvertragsanteil  Kaufrecht  und  auf  den  Verwahrungsvertragsanteil  Verwahrungsrecht  anzuwenden  wäre.  Der  Eigenart  des  Vertrages  wird  vielmehr  grundsätzlich  nur  die  Unterstellung  unter  ein  einziges  Vertragsrecht  gerecht,  nämlich  dasjenige,  in  dessen  Bereich (WhfZrhzGrgzyQbphzrag1.83)
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Anmerkungen zum Urteil 12 U 91/10