Urteil des VG Düsseldorf vom 15.04.2009, 24 K 5867/08

Entschieden
15.04.2009
Schlagworte
Wirtschaftliche leistungsfähigkeit, öffentliche aufgabe, Satzung, Jugendhilfe, Kinderbetreuung, Freie mitarbeit, Jugendamt, Gemeinde, Erlass, Eltern
Urteil herunterladen

Verwaltungsgericht Düsseldorf, 24 K 5867/08

Datum: 15.04.2009

Gericht: Verwaltungsgericht Düsseldorf

Spruchkörper: 24. Kammer

Entscheidungsart: Gerichtsbescheid

Aktenzeichen: 24 K 5867/08

Tenor: Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Verfahrens tragen die Kläger.

Der Gerichtsbescheid ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar.

Der Vollstreckungsschuldner kann die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe des beizutreibenden Betrages abwenden, wenn nicht der Vollstreckungsgläubiger vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet.

T a t b e s t a n d : 1

2Die Kläger sind die Eltern des am 00.00.2002 geborenen Kindes U, das seit September 2005 den Kindergarten E besucht. Wegen des gleichzeitigen Besuchs eines Geschwisterkindes waren die Kläger bis zum Juli 2007 für U vom Elternbeitrag befreit; für das Kindergartenjahr 2007/2008 war ein Beitrag von monatlich 235,19 EUR festgesetzt gemäß der angegebenen, damals höchsten Einkommensstufe von über 61.000 EUR.

3Mit Wirkung zum Kindergartenjahr 2008/2009 hat die Beklagte unter dem 11. März 2008 eine auf das KiBiz gestützte neue Elternbeitragssatzung erlassen, die nun den Bereich von Einkommen oberhalb von 61.000 EUR in 4 weitere Stufen unterteilt und entsprechend erhöhte Elternbeiträge vorsieht.

4Auf die Nachfrage der Beklagten vom 21. Mai 2008 hin, gaben die Kläger ihr Einkommen im Kalenderjahr 2007 mit "über 100.000 EUR" an, was der neuen Höchstbeitragsstufe entspricht. (5 GA) Darauf bezogen erließ die Beklagte unter dem 27. Juli 2008 den hier angefochtenen Beitragsbescheid, in dem sie für das Kindergartenjahr 2008/2009 den monatlichen Elternbeitrag auf 420,- EUR festsetzte (Alterstufe 2 bis 6 Jahre; 45 Stunden wöchentlich). (31 GA) Unter dem 13. Oktober 2008 änderte die Beklagte diesen Bescheid für die Zeit ab dem Oktober 2008 auf monatlich 345,- EUR, weil die Kläger für U die Betreuung auf 35 Stunden pro Woche heruntergesetzt hatten.

5Die Kläger haben am 20. August 2008 Klage erhoben und tragen vor, der neue Höchstbeitrag verstoße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, weil er das 10-fache des Eingangsbeitragssatzes betrage; das sei mit dem Postulat der Beitragsgerechtigkeit bei gleicher Leistung und auch mit dem Gebot staatlicher Unterstützung von Familien nicht vereinbar; die Bescheidungsklage erziele so eine Kostenüberdeckung und versuche, Haushaltslücken zu schließen; unter der Annahme, der Elternbeitrag finanziere den Platz zu einem Drittel, müsste man davon ausgehen, der Platz des Sohnes U verursache monatliche Kosten von 1.200 EUR, was erfordere, dass die Beklagte ihr Rechenwerk offen lege; schließlich habe die Beklagte es verabsäumt, die Eltern wie die Kläger auf die Möglichkeiten hinzuweisen, wie eine solche Satzungsregelung hätte verhindert werden können.

Die Kläger beantragen sinngemäß, 6

den Beitragsbescheid der Beklagten vom 27. Juli 2008 in der Fassung des Beitragsbescheides vom 13. Oktober 2008 aufzuheben. 7

Die Beklagte beantragt, 8

die Klage abzuweisen. 9

10Sie habe den Entwurf der Elternbeitragssatzung den Eltern zugesandt; der einschlägigen Sitzung des Jugendwohlfahrtsausschusses habe die Klägerin selbst beigewohnt; der Elternbeitrag sei keine Gebühr im Sinne des KAG und deshalb nicht an den dortigen Bemessungsprinzipien auszurichten; die gewählte Staffelung der Einkommenstufen und der darauf entfallenden Beiträge sei ausgewogen; nur 6 % der Beitragspflichtigen fielen in die nun höchste Stufe; in den mittleren Einkommenstufen sei der Beitrag nun sogar niedriger als nach dem GTK; es gehe nicht um die Schließung von Haushaltslücken.

11Die Beteiligten sind zu der Möglichkeit einer Entscheidung ohne mündliche Verhandlung durch Gerichtsbescheid mit Verfügung des Gerichts vom 26. August 2008 angehört worden.

12Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf den Inhalt der Gerichtsakte sowie den der dazu beigezogenen Verwaltungsvorgänge des Beklagten Bezug genommen.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e : 13

14Das Gericht kann gemäß § 84 Abs. 1 Satz 1 VwGO ohne mündliche Verhandlung durch Gerichtsbescheid entscheiden, weil die Sache keine besonderen Schwierigkeiten tatsächlicher oder rechtlicher Art aufweist, der Sachverhalt geklärt ist und die Beteiligten zu der Möglichkeit einer solchen Entscheidung gehört worden sind.

Die zulässige Klage ist unbegründet. 15

16Dass der angefochtene Bescheid die einschlägige Satzung korrekt anwendet und der Beklagte die dort vorgesehene Ermittlung und Zuordnung des Einkommens der Kläger ordnungsgemäß vorgenommen hat, ist unter den Beteiligten nicht umstritten.

17Das Vorbringen der Kläger zielt vielmehr auf die Wirksamkeit der Satzung des Beklagten vom 11. März 2008. Diese ist nach Ansicht des Gerichts jedoch nicht zu beanstanden:

18Was die formelle Rechtmäßigkeit der Satzung und ihren ordnungsgemäßen Erlass angeht, ist für Zweifel nichts vorgetragen oder ersichtlich.

Und auch materiell steht die Satzung mit Gesetz und Verfassung in Einklang. 19

Rechtsgrundlage für den Satzungsgeber ist § 23 Abs. 1 KiBiz 20

Gesetz zur Bildung und Förderung von Kindern (Kinderbildungsgesetz KiBiz) vom 30. Oktober 2007 GV.NW. 2007, S. 462 . 21

Der Rat der Beklagten war für den Erlass der Satzung zuständig. 22

Gerichtsbescheid des Gerichts vom 11. März 2009 24 K 4222/08 -. 23

24Adressat dieser Satzungsermächtigung ist nicht etwa das "Jugendamt", wie es der Wortlaut des § 23 KiBiz nahe legen könnte. Vielmehr regelt das Gesetz explizit nur die Ebene der Einzelfallabwicklung des Beitragsverhältnisses mit dem Instrument des Verwaltungsaktes.

25Auf dieser Ebene ist eine Zuordnung der Aufgabe an das Jugendamt unproblematisch, wie auch § 70 Abs. 2 SGB VIII zeigt, wonach die Geschäfte der laufenden Verwaltung im Bereich der öffentlichen Jugendhilfe vom Leiter der Verwaltung der Gebietskörperschaft oder in seinem Auftrag vom Leiter des Jugendamtes geführt werden.

Das KiBiz setzt dabei 26

27- wenn man von der beiläufigen Erwähnung "nach kommunalem Satzungsrecht" in § 23 Abs. 2 KiBiz absieht -

28ungeschrieben eine abstrakt generelle Regelung als untergesetzliche Rechtsgrundlage dieser Verwaltungsakte voraus. Im Bereich der Selbstverwaltung einer Kommune ist das genuine Instrument für normative Regelungen die Satzung. Die Organkompetenz für den Erlass einer Satzung liegt aber beim Rat und ist nicht übertragbar; § 41 Abs. 1 Satz 2 lit. f GO NW. Mithin macht das bereits in § 17 des GTK in seiner letztgültigen Fassung angelegte und von § 23 KiBiz insoweit ohne die Absicht einer inhaltlichen Änderung übernommene System der Beitragserhebung nur Sinn, wenn man die Norm dahin versteht, dass der Adressat der als funktionsnotwendig unterstellten und implizierten Satzungsbefugnis der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe ist, nach § 1a Abs. 1 AG-KJHG also die kommunale Selbstverwaltungskörperschaft. Auch § 1a Abs. 2 AG- KJHG, wonach die Aufgaben des örtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe durch das Jugendamt wahrgenommen werden, vermag an der Ratskompetenz für den Satzungserlass nichts zu ändern. Vielmehr bestimmt § 3 Abs. 1 AG-KJHG, dass vorbehaltlich speziellerer Regelung im AG-KJHG oder dem SGB VIII die Gemeinde- und Kreisordnung gelten.

Zum grundsätzlichen Vorrang von Ratsbeschlüssen gegenüber Beschlüssen des 29

Jugendhilfeausschusses vgl. etwa Mann/Püttner, Handbuch der kommunalen Wissenschaft und Praxis, 3. Auf. 2006, § 25 Rdnr. 61;

30Auch gebieten Sinn und Zweck der bundesrechtlichen Vorschriften über das Jugendamt nicht etwa, § 23 KiBiz insoweit beim Wort zu nehmen. Denn Sinn der "Regelungen über die kommunalen Jugendämter ist es, den Bürgern, die durch freie Mitarbeit am Gemeinwohl Gemeinsinn bewiesen haben, Mitverantwortung für die Erziehung der Jugend zu übertragen, um auf diese Weise den Sachverstand und die großen Erfahrungen der freien Träger der Jugendhilfe auch in der öffentlichen Jugendarbeit zum Tragen zu bringen".

Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 15. Dezember 1994 5 C 30.91 -. 31

32Ausgestaltung und Bemessung der Elternbeiträge sind keine Fragen der Erziehung, sondern solche der sachlichen (also der örtlichen Jugendhilfeplanung im Sinne des § 18 KiBiz) und finanziellen (vgl. dazu §§ 19 ff KiBiz) Planung der Kommune als dem haftenden örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe.

33Bezeichnender Weise geht § 23 Abs. 2 KiBiz auch von der ergänzenden Wirkung eines "kommunalen" also nicht etwa "jugendhilferechtlichen" Satzungsrechtes aus.

34Zudem ist schon aus Gründen der verfassungsgemäßen Verteilung der Gesetzgebungskompetenzen der Bund auf die für die Effektivität des Vollzuges des SGB VIII notwendigen Regelungen beschränkt und muss im Übrigen die Hoheit der Länder für das Kommunalverfassungsrecht achten.

Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 15. Dezember 1994 5 C 30.91 -. 35

36Auch die amtliche Begründung (Lt.Drs. 14/4410) zu § 23 KiBiz nötigt nicht etwa zu der Annahme, der Gesetzgeber habe mit den unterschiedlichen Termini in dieser Norm auch eine sachliche Unterscheidung vorgeben wollen; vielmehr verwendet die Begründung zu den hier terminologisches Befremden provozierenden Absätzen 1 und 4 die fraglichen Ausdrücke selbst nicht, wohingegen die Begründung zu Absatz 5 von "Jugendamt" spricht, wo das Gesetz gerade (zutreffend) den örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe als Adressaten nennt.

Dem Umstand, dass § 17 GTK a.F. 37

durch Gesetz vom 23. Mai 2006 (GV.NRW. S. 197) 38

39durchweg den "örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe" ansprach, § 23 KiBiz diese Terminologie in seinem Absatz 5 ausdrücklich übernimmt, in den Absätzen 1 und 4 hingegen abweichend

40und ohne erkennbaren Sinn; denn es ist nicht ersichtlich, dass es sich auch bei der Ausgestaltung und Abwicklung der Beitragserhebung um die spezifisch jugendhilferechtlichen Angelegenheiten handeln sollte, zu deren fachgerechter Regelung dem Jugendamt seine auch gegenüber der allgemeinen Organisationshoheit der Kommune gesicherte relative organisatorische Selbstständigkeit im Verhältnis zu den anderen Ämtern einer Kommune zugebilligt wird,

41vom "Jugendamt" spricht, kann deshalb keine durchschlagende Bedeutung beigemessen werden.

42Zudem indiziert § 23 Abs. 5 KiBiz mit der dort erlaubten Möglichkeit, mit der Durchführung der Aufgaben nach den vorstehenden Absätzen die "Gemeinden" zu beauftragen, also nicht notwendiger Weise die organisatorischen Sondereinheit eines Jugendamtes, denn die Beauftragten verfügen selbst nicht über ein solches.

43Vgl. dazu, dass eine solche Delegation das delegierende Jugendamt nicht von seiner Verantwortlichkeit für eine rechtmäßige Aufgabenwahrnehmung entbindet, Janssen/Dreier/Selle, Kurzkommentar KiBiz, 2. Aufl. 2008, S. 121.

Dementsprechend geht auch die Kommentierung 44

45Janssen/Dreier/Selle, Kinderbetreuung in Nordrhein-Westfalen, Losebl. Stand August 2008, § 23 Anm. 2

46ohne weiteres davon aus, die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe müssten zum 1. August 2008 " in eigener Zuständigkeit in Form einer Satzung eigene Regelungen treffen; "

Diese gesetzliche Ermächtigungsgrundlage ist hinreichend bestimmt. 47

48An eine formellgesetzliche Satzungsermächtigung sind nicht etwa die inhaltlichen Anforderungen zu stellen, die Art 80 Abs. 1 Satz 2 GG für Verordnungsermächtigungen aufstellt.

49Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 9. Mai 1972 1 BvR 518/62 und 308/64 - BVerfGE 33, 125, 156/7; von Mangoldt/Klein/Strack, 5. Aufl 2005, Art 80 Rndr. 17 m.w.N.

50Denn die Satzung ist das typische Handlungsinstrument der Selbstverwaltung, die Verordnung hingegen das der staatlichen Exekutive. Dem entspricht eine kürzere, direktere demokratische Legitimation über die direkte Wahl der Mitglieder des satzungsgebenden Organs unmittelbar durch die Satzungsunterworfenen

51Dass die Handlungsform der Satzung nicht ausdrücklich im Gesetz genannt wird, dürfte unschädlich sein. Wenn § 23 Abs. 1 KiBiz der Verwaltung der Kommune die Befugnis zum Erlass von Beitragsbescheiden einräumt, setzt dies eine generell-abstrakte Rechtsgrundlage voraus; diese enthält das Gesetz nicht selbst, setzt sie aber voraus, so dass sie nur durch Ausfüllung der allgemeinen Satzungshoheit der Gemeinde ausgefüllt werden kann.

52Etwas anderes kann auch nicht aus § 23 Abs. 5 KiBiz gefolgert werden; dort ist die Handlungsform der Satzung ersichtlich nur erwähnt als Alternative zu der dort auch für angängig gehaltenen Verwaltungsvereinbarung, die ein einseitig hoheitliches Beitragserhebungsverhältnis offenbar nicht in Betracht käme.

53Die Verfassungsmäßigkeit der strukturgleichen Ausgestaltung durch den letzten § 17 Abs. 1 GTK (in der Fassung des Gesetzes vom 23. Mai 2006 GV.NRW. S. 197) ist

soweit ersichtlich in dieser Hinsicht nie in Zweifel gezogen worden.

Es ist auch nicht ersichtlich, dass gegen den verfassungsrechtlichen Grundsatz, dass der Gesetzgeber alle wesentlichen Fragen selbst regeln muss (sog. Parlamentsvorbehalt), verstoßen worden wäre. Dabei ist zu bedenken, dass der Parlamentsvorbehalt stets in Relation zur Grundrechtsbetroffenheit der Normadressaten zu setzen ist. Hier geht es nicht um Grundrechtseingriffe, sondern lediglich die Beteiligung der Eltern an den Kosten für die freiwillige Inanspruchnahme einer ihren Kindern gebotenen sozialen Leistung. Vor diesem Hintergrund durfte der Gesetzgeber hier durchaus schon das OB einer Heranziehung zu Elternbeiträgen in das Ermessen der Kommunen stellen. Für den Fall, dass sie von dieser ihnen gewährten Möglichkeit Gebrauch machen, hat der Gesetzgeber einige für die Ausgestaltung der Elternbeiträge ganz wesentliche Grundannahmen in § 23 Abs. 4 KiBiz mit der zwingenden Vorgabe einer sozialen Staffelung sowie dem Zwang zur Berücksichtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der Betreuungszeit durchaus selbst geregelt. Die dabei verwandten Begriffe sind in Literatur und Rechtsprechung zu ihren wortgleichen Vorgängern hinreichend ausgedeutet und mithin auch durchaus geeignet, dem Willen des Parlamentsgesetzgebers gegenüber dem Satzungsgeber Geltung zu verschaffen.

55Innerhalb dieser wenn auch hinreichenden, so doch wenigen gesetzlichen Vorgaben ist der dem Satzungsgeber belassene Gestaltungsfreiheit weit.

56

Eine ordnungsgemäße Wahrnehmung dieser Freiheit erfordert nicht etwa eine umfassende Abwägung aller in Betracht kommender Belange, wie man sie aus der Rechtsprechung des 15. Senates herzuleiten versuchen könnte. Wenn dieser für das Kommunalverfassungsrecht zuständige Senat des Obergerichtes in seinem Beschluss 54

vom 24. Mai 2007 15 B 778/07 57

betont, bei den Elternbeiträgen handele es sich jenseits aller 58

59vom 15. Senat auch ausweislich der Verweise in Rdnr. 12 ausdrücklich nicht in Zweifel gezogener

60kindergartenrechtlichen Besonderheiten um "Entgelte für kommunale Leistungen", so ist damit deren Einordnung in das System des § 77 Abs. 2 GO gemeint;

so ausdrücklich in Rdnr. 13 a.a.O. 61

Daraus leitet der 15. Senat sodann 62

a.a.O. 63

64auch her, dass "den Gemeinden bei der Bemessung der "vertretbaren und gebotenen" Höhe der Elternbeiträge ein gegenüber sonstigen Abgaben größerer Spielraum zur Berücksichtigung sozialer Belange zusteht", und hebt nur hervor, dass mit der Kommunalisierung nicht etwa (auch) ein Erhebungsermessen eingeräumt werde, sondern es bei der kommunalabgabenrechtlichen "Abgabenerhebungspflicht nach Maßgabe von §§ 75 Abs. 2 Satz 1, 77 Abs. 2 und 3 GO" bleiben sollte;

a.a.O. Rdnr. 14, 16. 65

66In diesem Kontext erwähnt der 15. Senat nach ausdrücklicher Feststellung, dass der Spielraum des Satzungsgebers wegen der sozialen Prägung grundsätzlich weit sein möge, dass der Gemeinde die Pflicht "einer sorgfältigen Abwägung zwischen der gegenüber der Steuererhebung und der Kreditaufnahme vorrangigen Beitragserhebung einerseits und der Einbringung sozialer Gesichtspunkte in die Beitragsbemessung andererseits" obliege;

67a.a.O. Rdnr. 18. Im entschiedenen Fall folgte daraus übrigens, dass das Absehen von einer Erhöhung der Elternbeiträge durch die Gemeinde seitens des Senates für rechtswidrig gehalten wurde! Denn wegen der grundsätzlichen Verbotes, Finanzierungsausfälle durch Steuer- oder Kreditmittel aufzufangen, sei die Gemeinde dazu verpflichtet, wenn nicht "jede Beitragserhöhung unvertretbar wäre".

68Gegen eine Pflicht zu einer umfassenden Abwägung aller in Betracht kommender Belange - wie etwa bei Erlass eines Bebauungsplanes spricht ferner, dass es hier nur um finanzielle Belastungen und nicht um die Ausgestaltung fundamentaler Grundrechte geht. Zudem wird man von einer Elternbeitragssatzung nur freiwillig erfasst, ist ihr also nicht so zwangsweise unterworfen wie ein Grundstückseigentümer im Plangebiet.

69Deshalb genügt die Vermeidung von Willkür. Dies hat das Obergericht dahin umschrieben: Der Gesetzgeber "besitzt hier eine weitaus größere Gestaltungsfreiheit als innerhalb der Eingriffsverwaltung und ist deshalb in weitem Umfang zum Erlass typisierender und generalisierender Regelungen berechtigt. Räumt er dem Bürger einen Anspruch auf staatliche Leistung ein und begünstigt er hierbei einzelne Gruppen, verletzt er die Grenze des Art. 3 Abs. 1 GG nicht, wenn sich aus dem Gegenstand der Regelung für die Art der Differenzierung ein sachlich vertretbarer Gesichtspunkt anführen lässt und wenn im übrigen die besonderen Wertentscheidungen der Verfassung beachtet bleiben"

70Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 13. Juni 1994 - 16 A 2645/93 -, Rdnr. 13,, bestätigt im Urteil vom 19. August 2008 12 A 2866/07 -.

71Dies dürfte gleichzusetzen sein mit der Fruchtbarmachung vernünftiger und sich am Zweck des gesetzlichen Ermächtigung ausrichtender Erwägungen.

72Bei der Erhebung von Elternbeiträgen geht es "um eine Regelung in einem sozialen Leistungsgesetz. In diesem Bereich erfährt der allgemeine Gleichheitssatz zulässige Einschränkungen durch das Sozialstaatsprinzip des Art 20 Abs. 1 GG und lässt bei einer Entgeltregelung aus diesem Prinzip ableitbare Differenzierungen nach der sozialen Belastbarkeit" zu.

73Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 13. Juni 1994 - 16 A 2645/93 -, Rdnr. 5.

74Einschränkungen ergeben sich "aus dem Äquivalenzprinzip, also dem Gebot eines angemessenen Verhältnisses von Leistung und Gegenleistung, sowie allgemein aus dem auf dem Rechtsstaatsprinzip fußenden allgemeinen Verhältnismäßigkeitsgrundsatz"

75Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 13. Juni 1994 - 16 A 2645/93 -, Rdnr. 8.

76Aus dem Wesen der Mitfinanzierung der Kosten für Kindertageseinrichtungen aus dem Aufkommen aus den Elternbeiträgen folgert das Oberverwaltungsgericht, dass der Ermessensspielraum des Gesetzgebers größer ist als etwa im Steuerrecht.

77Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 13. Juni 1994 - 16 A 2645/93 -, Rdnr. 13.

78Von daher ist der Aspekt der "Abgaben- oder Beitragsgerechtigkeit" hier allenfalls im Lichte der Natur des Elternbeitrages als einer Sozialleistung eigener Art zu beachten und bildet mithin eine angesichts der übrigen Vorgaben rechtlich kaum wahrnehmbare Grenze für den Satzungsgeber.

79Ferner ist der Satzungsgeber berechtigt, dem Aspekt der Verwaltungspraktikabilität gebührend Rechung zu tragen, was seine etwaige Pflicht zu (weiteren) Differenzierungen erheblich einschränkt.

80Das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen hat dazu ausgeführt: "Der geringe Grad der mit den Elternbeiträgen zu erreichenden Kostendeckung führt im Rahmen der hier gegebenen staatlichen Leistungsgewährung zu einer entscheidenden Bedeutung des Grundsatzes der Verwaltungspraktikabilität: Sollen die geringen Elternbeiträge ihrer Bestimmung gemäß tatsächlich in nennenswertem Umfang für den Betrieb der Tageseinrichtungen aufgewendet und nicht in einem ausgefeilten bürokratischen Prüfungsverfahren aufgezehrt werden, muss der Verwaltungsaufwand für die Festsetzung und die Einziehung der Beiträge so gering wie möglich gehalten werden."

81Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 19. August 2008 12 A 2866/07 -.

82Die bei der Ausgestaltung seines Gestaltungsspielraumes vom Satzungsgeber hier angewandten Instrumente sind aus der Praxis des GTK in seiner zunächst strikteren und zuletzt ebenfalls kommunalisierten Fassung durchweg bekannt.

83Nahezu alle der nun gegen die Wirksamkeit der Rechtsgrundlage der angefochtenen Bescheide vorgebrachten Einwände sind auf diese Weise bereits Gegenstand intensiver gerichtlicher und höchstrichterlicher Kontrolle in Gestalt der Vorgängerregelungen gewesen und haben zu durchschlagenden Bedenken keinen Anlass gegeben.

84Vielmehr entsprach es gefestigter Rechtsprechung und gesicherter Erkenntnis, dass die vormals formell-gesetzliche Rechtsgrundlage der Beitragserhebung mit dem höherrangigen Recht, insbesondere der Verfassung und den sich daraus ergebenden Grundsätzen vereinbar ist.

85Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 13. Juni 1994 - 16 A 2645/93 -, amtl. Umdr. S. 6 ff, und Urteil vom 13. Juni 1994 - 16 A 571/94 -, amtl. Umdr. S. 8 ff, wo insbesondere die verfassungsrechtlichen Bedenken wegen - der Pauschalierung der Beiträge sowie - der Staffelung nach (nur 6)

Einkommensgruppen und (nicht) der Kinderzahl - der (auch im Verhältnis zum Ausbildungsförderungs- recht) beschränkten Abzugs- und Berücksichtigungsfähigkeit von Aufwendungen - des Verbotes des Verlustausgleichs und - des "Geschwisterrabattes" nur bei gleichzeitigem Besuch der Tageseinrichtung durch die Kinder im Hinblick auf den Gleichheitsgrundsatz des Art 3 Abs. 1 GG und die Gebote des Art 6 Abs. 1 GG wegen - der Höhe der Beitragssätze - der Nichtberücksichtigung des konkreten Umfanges der Inanspruchnahme im Hinblick auf das Äquivalenz- und das Rechtsstaatsprinzip und wegen - des Einkommensbegriffs im Hinblick auf die Grenzen des legislativen Ermessens ausdrücklich geprüft und zurückgewiesen worden sind. Das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen hat diese Rechtsprechung bestätigt und fortgeführt u.a. in seinem Urteil vom 21. November 1994 - 16 A 2799/93 -, Beschluss vom 1. Oktober 1997 - 16 A 2982/95 -, Urteil vom 6. März 1998 - 16 A 525/97 -, Urteil vom 7. August 1998 - 16 A 221/94 -.

86Das Bundesverwaltungsgericht hat die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des OVG NW vom 13. Juni 1994 - 16 A 2645/93 - mit Beschluss vom 28. Oktober 1994 - 8 B 159.94 - zurückgewiesen und seine Rechtsprechung insoweit bestätigt und fortgeführt mit Beschluss vom 14. Februar 1995 - 8 B 19.95 -, Beschluss vom 15. März 1995 - 8 N 1.95 -, Beschluss vom 4. Juli 1997 - 8 B 97.97 -, Beschluss vom 22. Januar 1998 - 8 B 4.98 -.

87Das Bundesverfassungsgericht hat im Verfahren 1 BvR 2369/94 zu dem Ausgangsverfahren 16 A 2645/93 des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen mit Beschluss vom 22. Juli 1998 festgestellt, dass die Staffelung der Gebühren für die Kindergartenbenutzung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern mit der Verfassung vereinbar ist, und diese wie auch alle anderen Verfassungsbeschwerden gegen das Gesetz für Tageseinrichtungen für Kinder nicht zur Entscheidung angenommen.

88Dies hat das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen noch zur alten Fassung des GTK (2005) erst vor wenigen Monaten bestätigt.

89Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 19. August 2008 12 A 2866/07 mit zahllosen weiteren Nachweisen.

90Eine abweichende rechtliche Bewertung der so behandelten Fragen ist daher nur möglich, soweit sie sich aus der strukturellen Umgestaltung der rechtlichen Grundlagen ergibt.

91In diesem Sinne auch Janssen/Dreier/Selle, Kinderbetreuung in Nordrhein-Westfalen, Losebl. Stand August 2008, § 23 Anm. 2.

92Diese Umgestaltung besteht darin, dass der zunächst die Details weitgehend selbst in einem Parlamentsgesetz regelnde Gesetzgeber die inhaltliche Ausgestaltung nun in die Satzungshoheit der kommunalen Selbstverwaltungsträger gegeben hat. Das kann Probleme aufwerfen vor allem mit Blick auf die Zulässigkeit einer so weit reichenden Delegation bei gleichzeitig höchster Zurückhaltung des Gesetzgebers in inhaltlicher Hinsicht.

93An der die oben wiedergegebene nahezu einhellige Meinung zur Verfassungsmäßigkeit der instrumentellen Ausgestaltung des vormaligen GTK tragenden und sie

rechtfertigenden systematischen Einordnung des Elternbeitrages als "einer sozialrechtlichen Abgabe eigener Art"

94Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 13. Juni 1994 - 16 A 2645/93 -, Rdnr. 7.

95Dort hatte der Senat wörtlich ausgeführt: "Diese allgemeine Definition trifft ersichtlich nicht den Sinngehalt des Teilnahmebeitrages nach § 90 Abs. 1 Satz 1 KJHG bzw. § 17 Abs. 1 Satz 1 GTK. Dieser wird als Gegenleistung für die tatsächliche (jährliche) Inanspruchnahme von Tageseinrichtungen für Kinder erhoben, wie schon die zusätzliche Bezeichnung "Teilnahme" verdeutlicht. Er wird andererseits in seiner spezifischen Ausgestaltung als Ausgleich für eine Sozialleistung, nämlich eine Leistung der Jugendhilfe, auch nicht durch den herkömmlichen Gebührenbegriff (vgl. § 4 Abs. 2 KAG NW) hinreichend und vollständig erfasst, und unterscheidet sich von diesem insbesondere dadurch, dass ihm im Hinblick auf die sozialpolitischen Ziele der bundes- wie landesrechtlichen Bestimmung weder das gebührentypische "Kostendeckungsprinzip", noch der gebührentypische Grundsatz der "speziellen Entgeltlichkeit" immanent ist , so dass vieles dafür spricht, von einer sozialrechtlichen Abgabe eigener Art auszugehen".

96bestätigt erneut : Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 19. August 2008 12 A 2866/07 mit zahllosen weiteren Nachweisen,

die jenseits strikter Geltung von spezieller Entgeltlichkeit und Kostendeckungsprinzip 97

98Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 13. Juni 1994 - 16 A 2645/93 -, Rdnr. 5.

99im Kern eine Minderung staatlicher Subventionierung einer zur freiwilligen Inanspruchnahme angebotenen Leistung der öffentlichen Hand bewirken soll, hat sich jedoch dadurch, dass die Festlegung der Details seiner Erhebung mit dem KiBiz (und zuvor schon § 17 GTK in seiner letztgültigen Fassung) zur ortsrechtlichen Ausgestaltung in die Hand der Träger der kommunalen Selbstverwaltung gegeben worden ist, nichts geändert.

100Janssen/Dreier/Selle, Kinderbetreuung in Nordrhein-Westfalen, Losebl. Stand August 2008, § 23 Anm. 4.

101In diesem Lichte ist deshalb auch die aktuelle Satzungsermächtigung in § 23 KiBiz zu interpretieren.

102Auch aus Sicht des federführenden Ministeriums sollte neben der primär angestrebten Haushaltskonsolidierung

103vor allem dadurch, dass für Ausfälle bei den Elternbeiträgen mit der "Kommunalisierung" zum 1. August 2006 nur noch der örtliche Träger der Jugendhilfe, nicht aber das Land selbst belastet werden sollte,

104Vgl Janssen/Dreier/Selle, Kinderbetreuung in Nordrhein-Westfalen, Losebl. Stand August 2008, § 23 Anm. 1.2.

keine substantielle Änderung des Elternbeitragsrechtes eintreten 105

Vgl Janssen/Dreier/Selle, Kinderbetreuung in Nordrhein-Westfalen, Losebl. Stand August 2008, § 23 Anm. 2.

107Mithin seien die bisherigen Erkenntnisse hinsichtlich vor allem der Rechtsqualität der Elternbeiträge und des Einkommensbegriffs uneingeschränkt übertragbar

108Vgl Janssen/Dreier/Selle, Kinderbetreuung in Nordrhein-Westfalen, Losebl. Stand August 2008, § 23 Anm. 2.

109Gemessen an den vorstehend aufgezeigten Maßstäben ist die angefochtene Bescheidlage tragende Elternbeitragssatzung nicht zu beanstanden. Im einzelnen gilt dazu folgendes:

110Von der Ermächtigung überhaupt Gebrauch gemacht und eine Elternbeitragssatzung erlassen zu haben, kann dem Satzungsgeber nicht mit dem Hinweis vorgehalten werden, das KiBiz formuliere die Bildung und Erziehung von Kindern im Vorschulalter als öffentliche Aufgabe (vgl. etwa §§ 2 Satz 3, 13 KiBiz). Zuzugeben ist, dass eine solche Ausgestaltung als öffentliche Aufgabe eine jedenfalls auch öffentliche Förderung impliziert. Das ist aber hier schon dadurch gewahrt, dass das Land Nordrhein-Westfalen und die Kommune stets einen nicht unwesentlichen Teil der Kosten tragen. Bildung und Erziehung von Kindern im Vorschulalter mag eine öffentliche Aufgabe (geworden) sein, eine staatliche im Sinne von allein aus dem Steueraufkommen zu finanzierende ist sie deshalb nicht geworden.

111Die konkrete Ausgestaltung der unterschiedlichen Einkommensstufen genügt den rechtlichen Vorgaben.

112Überhaupt Einkommensstufen vorzusehen, erfüllt die gesetzliche Anordnung in § 23 Abs. 4 Satz 1 KiBiz, wonach eine soziale Staffelung zwingend vorgeschrieben ist.

113Zu diesem Zweck mit einer Mehrzahl von Einkommensstufen zu operieren, ist zunächst rechtlich unbedenklich. Einer nach Einkommenshöhe stufenweise Steigerung der Beiträge "liegt die abstrakte, typisierende Annahme zu Grunde, dass eine höhere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit grundsätzlich dazu führt, dass der wirtschaftlich Stärkere auch eine höhere Beitragsleistung wirtschaftlich zu tragen imstande und diese ihm bei der hier zu beurteilenden, in besonderer Weise sozialstaatlich geprägten Kategorie von öffentlichen Einrichtungen auch zuzumuten ist."

114Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 19. August 2008 12 A 2866/07 -.

115Sowohl die Abschichtung der Einkommensstufen in relativ großen Schritten wie auch die damit einhergehende relative Ungleichbehandlung der in der jeweiligen Stufe am unteren oder oberen Rande rangierenden Schuldner bei Betrachtung des Beitrages im Vergleich zum Einkommen haben die Billigung der Rechtsprechung gefunden:

116

"Auch die Staffelung der Elternbeiträge nach Einkommensgruppen, für die der Bundesgesetzgeber in § 90 Abs. 1 Satz 2 KJHG keine weiteren Vorgaben gemacht hat, 106

nach den in der Anlage zu § 17 Abs. 3 GTK bezeichneten sechs Jahreseinkommensgruppen (bis 24.000,-- DM; bis 48. 000,-- DM; bis 72.000,-- DM; bis 96.000,-- DM; bis 120. 000,-- DM; über 120.000,-- DM) steht in ihrer konkreten Ausgestaltung in Einklang mit Art. 3 Abs. 1 iVm Art. 20 Abs. 1 GG. Die Differenzierung berücksichtigt das Einkommen als einen für die Bemessung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit maßgeblichen Umstand und trägt mit der konkreten Staffelung in Stufen von jeweils 24.000,-- DM der Leistungsfähigkeit des Beitragspflichtigen unter sozialstaatlichen Gesichtspunkten angemessen Rechnung."

Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 13. Juni 1994 - 16 A 2645/93 -, Rdnr. 10.

118"Angriffe, die Staffelung sei wegen der Belastungsschwankungen innerhalb der einzelnen Stufen zu grob gestaltet bzw. die anteilige Beitragsbelastung falle in den sechs Stufen zu unterschiedlich hoch aus, gehen fehl. Die Belastungsschwankungen liegen insgesamt in der systembedingten Bandbreite jeder pauschalierenden Regelung, und die Beitragshöhe steigt kontinuierlich an. So hat die jährliche Beitragsbelastung z. B. hinsichtlich des Kindergartenplatzes einen prozentualen Anteil am Jahreseinkommen zwischen 0,88 % (48.000,-- DM) und 2,4 % (120.000,01 DM); die größte Bandbreite wird dabei in der Stufe von 24.000,01 DM bis 48.000,-- DM mit einer Differenz von 0,87 % (1,75 % zu 0,88 %) erreicht, sofern man die nach oben offene Stufe von Jahreseinkommen über 120.000,-- DM außer Betracht lässt."

119Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 13. Juni 1994 - 16 A 2645/93 -, Rdnr. 10.

120Auch die Einführung neuer, auf die vormals 6. und höchste gleichsam aufgesattelter Einkommensstufen mit entsprechenden Anhebungen des darauf entfallenden Beitrages ist von § 23 KiBiz gedeckt.

121Was die weitere Aufteilung der höchsten Einkommensstufe im Lichte kontinuierlicher relativer Beitragsbelastungsminderung anbelangt, so hatte das Obergericht 1994 nur Anlass zu der Feststellung, dass "der Gesetzgeber im übrigen nicht verpflichtet" war, "diesen Fällen singulären Charakters durch weitere Stufen Rechnung zu tragen";

122Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 13. Juni 1994 - 16 A 2645/93 -, Rdnr. 10.

123

Daraus kann man zwanglos die Zulässigkeit des Gegenteiles herleiten, zumal, wenn der 1994 unterstellte singuläre Charakter des Erreichens dieser höchsten Einkommensstufe inzwischen statistisch dahin widerlegt ist, dass je nach Gemeinde ungefähr ein Viertel der Beitragsschuldner sich in dem Segment der vormals 6. und damit höchsten Stufe bewegt. Dann weitere Stufen einzuziehen, entspricht vielmehr dem Gebot der Beitragsgerechtigkeit, um zu vermeiden, dass bei einer nennenswerten Anzahl der Pflichtigen der tatsächlich geschuldete Beitrag trotz möglicherweise ganz erheblich unterschiedlicher Höhe des Einkommens gleich ist. Wenn sich in der Wirklichkeit der Anteil in die vormals höchste Stufe fallender Beitragsschuldner aufgrund der Einkommensentwicklung und oder der Inflation erheblich erhöht, entspricht die weitere Ausdifferenzierung der Satzung auch dem Gebot, die sich vornehmlich in der Höhe des Einkommens niederschlagende "wirtschaftliche Leistungsfähigkeit" der Schuldner zu berücksichtigen, wie es § 23 Abs. 4 Satz 1 KiBiz ausdrücklich vorschreibt. 117

124Soweit ersichtlich, entspricht die Einführung weiterer, das obere Einkommenssegment unterteilender Einkommensstufen auch verbreiteter Praxis.

125Janssen/Dreier/Selle, Kinderbetreuung in Nordrhein-Westfalen, Losebl. Stand August 2008, führen in § 23 Anm. 3 eine Anzahl gängiger Beispiele von Satzungen an, worunter sich auch das Muster befindet, anhand dessen 13 Städte und Gemeinden im Ruhrgebiet ihre Satzungen entwickelt haben, die neben einer engeren Staffelung der Stufen bis 60.000 (in 9 Stufen) für Einkommen bis 125.000 weitere 6 Stufen in Schritten von 10.000 €, ab 100.000 in Schritten von 25.000 vorsehen..

126Bei der Bemessung der Höhe des auf die jeweilige Einkommensstufe entfallenden Elternbeitrages eine lineare Gestaltung ohne Progression oder Degression vorzunehmen, ist dem Satzungsgeber nicht zwingend vorgeschrieben. Ergänzend sei darauf verwiesen, dass eine gewisse relative Ungleichbehandlung als systembedingte Folge gebotener Verwaltungspraktikabilität ohnehin hinzunehmen ist.

127Dass mit der Aufsattelung weiterer Einkommensstufen und der Festsetzung darauf entfallender höherer Elternbeiträge auch eine Anhebung des Gesamtaufkommens erzielt wird, ist zwar nicht im einzelnen dargelegt, rechnerisch aber durchaus nachvollziehbar. Anlass zu einer rechtlichen Beanstandung böte dies aber nur, wenn damit das Gesamtaufkommen aus der Summe der Elternbeiträge so hoch wäre, dass er die anvisierten 19 % überstiege. Dafür ist nichts ersichtlich.

128Die Höhe des für die neuen oberen Einkommensstufen vorgesehenen Beitrages ist ebenfalls nicht zu beanstanden.

129Dass sich der Satzungsgeber bei seinem Berechnungen für die Ermittlung der einzelnen Beitragssätze und deren Summe als Gesamtaufkommen daran orientiert, dass damit ungefähr aber auch höchstens 19 % der Kosten erlöst werden, ist rechtlich unbedenklich.

130Dass der anzustrebende und mithin vom Gesetzgeber für zulässig gehaltene - Deckungsbeitrag durch die (Summe der) Elternbeiträge 19 % betragen soll, steht nun nicht mehr ausdrücklich im Gesetz, ergibt sich aber als Differenz zwischen dem Gesamtaufwand (100 %) abzüglich des (variierenden) Trägeranteils und der Summe der Refinanzierungsanteile der öffentlichen Hand; für letztere geht der Gesetzgeber weiter vom Grundsatz der Konnexität und mithin gleicher Höhe der Anteile aus, die nach Maßgabe des § 21 Abs. 1 KiBiz das Land trägt, und die bei der Kommune verbleiben sollen.

131Vgl Janssen/Dreier/Selle, Kurzkommentar KiBiz Ergänzungsband; § 23 Anm. C. dies. Kinderbetreuung in Nordrhein-Westfalen, Losebl. Stand August 2008, § 23 Anm. 1.3

132Es ist nicht auszumachen, dass die unter Geltung des GTK soweit ersichtlich nie angezweifelte Höhe von bis zu 19 % unter Geltung des KiBiz als solche zu beanstanden sein könnte.

133Es war vielmehr schon unter Geltung des GTK sowohl in seiner ursprünglich die Höhe der Elternbeiträge landeseinheitlich festsetzenden als auch in seiner letzten Fassung in der Praxis so, dass die tatsächlich erzielbaren Beiträge im landesweiten Durchschnitt

nur zwischen 11 und 13 % bewegten.

134Vgl Janssen/Dreier/Selle, Kinderbetreuung in Nordrhein-Westfalen, Losebl. Stand August 2008, § 23 Anm. 1.2.

135Allein eine etwaige Verstärkung des Bildungs- und Erziehungsauftrages der Kindertageseinrichtungen als etwaiges Indiz einer weiteren Verlagerung vgl. dagegen § 2 Satz 2 KiBiz - der Aufgabe aus der Hand und Verantwortung der insoweit durch Art 6 GG sowohl geschützten als auch in die Pflicht genommenen Eltern auf die öffentliche Hand würde nicht etwa zwingend zur Folge haben, dass die öffentliche Hand die Kosten für die Erfüllung dieser Aufgabe nun zu noch mehr als vier Fünfteln tragen muss. Immerhin ist der Besuch einer Kindertageseinrichtung auch unter Geltung des KiBiz keineswegs zwingend und sind die Kindergärten auch nur zum überwiegenden Teil öffentliche Einrichtungen der kommunalen Träger, zu einem erheblichen Teil aber auch in privater Trägerschaft.

136Für unter staatlicher Aufsicht stehende Not leidende Kommunen kommt das Gebot des § 77 Abs. 2 GO hinzu, so dass sie von Gesetzes wegen sogar verpflichtet sind, die Möglichkeiten der Minimierung der Unterdeckung des Haushaltes durch ein Ausschöpfen der ihnen zu Gebote stehenden Möglichkeiten der Generierung von Einnahmen zu bewirken;

137vgl. dazu Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 24. Mai 2007 15 B 778/07 .

138Was die Höhe der so zu erhebenden Beiträge nach oben begrenzen soll, ist das bis 2006 auch im GTK verwandte, dann entfallene und erst im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens für das KiBiz wieder eingeführte Kriterium der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

139Vgl Janssen/Dreier/Selle, Kinderbetreuung in Nordrhein-Westfalen, Losebl. Stand August 2008, § 23 Anm. 7.

140Schon aus dem Wortsinn des Begriffs Beitrag lässt sich folgern, dass der Beitrag nur bei-, aber nicht allein die Kosten tragen soll.

141Deshalb dürfte es nicht angängig sein, wenn eine Kommune ihre Elternbeitragssatzung so ausgestaltet, dass sie darüber sogar mehr als die vom Gesetzgeber angenommen 19 % der Gesamtkosten erwirtschaftet

142Vgl Janssen/Dreier/Selle, Kinderbetreuung in Nordrhein-Westfalen, Losebl. Stand August 2008, § 23 Anm. 2 und Anm. 9.3

143Die Zulässigkeit der Abschöpfung von bis zu, aber auch nur 19 % der Betriebskosten ist dabei nicht etwa zu beziehen auf den einzelnen Kindergartenplatz, den das Kind des Beitragspflichtigen innehält, und auch nicht auf den jeweiligen Kindergarten. Vielmehr folgt schon aus der Formulierung der bundesrechtlichen Grundreglung in § 90 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 SGB VIII, dass es nur auf die Gesamtkosten im Bezirk des jeweiligen örtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe ankommen kann, wenn dort ausdrücklich von der Inanspruchnahme von "Tageseinrichtungen" die Rede ist; das gleiche folgt aus der Verwendung des Begriffs "Kindertageseinrichtungen" in § 23 Abs. 1 KiBiz. Eine

andere Auslegung würde voraussetzen, dass der Bundes- und/oder Landes- bzw. Ortsgesetzgeber an irgendeiner Stelle des gestuften Regelwerkes eine ausdrückliche Verknüpfung des Elternbeitrages mit der konkret besuchten Einrichtung vornähme.

144Von daher geht die Annahme der Kläger, der Platz ihres Sohnes müsse nach der Logik der Elternbeitragssatzung monatlich 1.200 EUR kosten, von einer falschen Prämisse aus und mithin im Ergebnis fehl.

145Was den Gleichheitssatz mit Blick auf die Ausgestaltung der Elternbeiträge anbelangt, hat das Obergericht schon zum GTK postuliert, es komme nicht etwa auf die "möglichen und tatsächlichen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des einzelnen" an; vielmehr sei eine "stark vereinfachende und vergröbernde" Ausgestaltung vor allem wegen der zu berücksichtigenden Gesichtspunkte der Verwaltungspraktikabilität und Verwaltungsvereinfachung "durchaus geeignet, im Regelfall und nur darauf kommt es an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Leistungsverpflichtenden gegeneinander abzugrenzen"

146Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 13. Juni 1994 - 16 A 2645/93 -, Rdnr. 13.

147In diesem Zusammenhang hat das Obergericht eine Bandbreite von damals 24.000 DM bei den Einkommensstufen ausdrücklich gebilligt.

148Dass eine engere Staffelung der Einkommensstufen etwa für die unteren Bereiche der Tabelle demgegenüber eine Verminderung der gebotenen Beachtung des Art 3 GG mit Blick auf eine etwaige "Beitragsgerechtigkeit" sein sollte, ist schwer erkennbar.

149Da es sich beim Elternbeitrag nicht um eine gebührenähnliche Gegenleistung für die Inanspruchnahme einer öffentlichen Einrichtung der Gemeinde handelt, ist es auch rechtlich nicht zu beanstanden, wenn die im übrigen mit höherrangigem Recht vereinbare - Umgestaltung der Elternbeitragssatzung aus dem Zusammenspiel aufgesattelter Einkommensstufen zur Differenzierung der vormals höchsten Stufe und der Bemessung des diesen neuen Stufen zugeordneten Höhe des Beitrages ergibt, dass sich die Beitragslast der Kläger um nahezu 50 % erhöht, ohne dass dafür eine andere Leistung geboten würde als im Vorjahr.

150Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 1 VwGO, die über die vorläufige Vollstreckbarkeit auf den §§ 84 Abs. 1 Satz 3, 167 Abs. 2, Abs. 1 Satz 1 VwGO i.V.m. §§ 708 Nr. 11, 711 ZPO.

VG Düsseldorf: juristische person, zugang, geschäftsführer, vollstreckung, ausschluss, anschrift, unternehmen, subjektiv, vollstreckbarkeit, gerichtsakte

26 K 1871/04 vom 03.02.2006

VG Düsseldorf: öffentlich, kündigung, zivilrecht, verwaltungsakt, kontrahierungspflicht, rechtskraftwirkung, behörde, bedürfnis, ausschluss, abrede

1 L 3081/04 vom 05.11.2004

VG Düsseldorf (antragsteller, stelle, bewerber, bewerbung, eignung, bewertung, stellungnahme, abbruch, kommission, antrag)

2 L 1925/09 vom 15.03.2010

Anmerkungen zum Urteil