Urteil des OVG Nordrhein-Westfalen vom 01.10.1997, 19 A 6455/96

Entschieden
01.10.1997
Schlagworte
Aufnahme, 1995, Schüler, Schuljahr, Verordnung, Bildung, Ausführung, Bekanntmachung, Erziehung, Schule
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Oberverwaltungsgericht NRW, 19 A 6455/96

Datum: 01.10.1997

Gericht: Oberverwaltungsgericht NRW

Spruchkörper: 19. Senat

Entscheidungsart: Beschluss

Aktenzeichen: 19 A 6455/96

Vorinstanz: Verwaltungsgericht Düsseldorf, 1 K 10073/96

Tenor: Die Berufung wird zurückgewiesen.

Die Klägerin trägt die Kosten des Berufungsverfahrens.

Der Beschluß ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar.

Die Revision wird nicht zugelassen.

Der Streitwert wird auch für das Berufungsverfahren auf 8.000,-- DM festgesetzt.

G r ü n d e : 1

2Der Senat kann die Berufung gemäß § 130 a der Verwaltungsgerichtsordnung - VwGO - durch Beschluß zurückweisen, weil er sie einstimmig für unbegründet und eine mündliche Verhandlung nicht für erforderlich hält. Die Beteiligten sind hierzu gemäß § 130 a Satz 2 iVm § 125 Abs. 2 Satz 3 VwGO gehört worden; ihrer Zustimmung bedarf es nicht.

3Das Verwaltungsgericht hat die Klage zu Recht abgewiesen. Ein Anspruch der Klägerin auf Aufnahme in die Städtische Gesamtschule E in W. besteht nicht.

4Das durch Art. 8 Abs. 1 Satz 1 der Verfassung für das Land Nordrhein-Westfalen - LV - und Art. 2 Abs. 1, Art. 12 des Grundgesetzes - GG - begründete Recht der Klägerin auf Erziehung und Bildung umfaßt ebenso wie das durch die Verfassung gewährleistete Recht ihrer Eltern, die Erziehung und Bildung ihrer Kinder zu bestimmen (Art. 8 Abs. 1 Satz 2 LV, Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG), den Anspruch auf Zugang zum öffentlichen Bildungswesen und insoweit insbesondere das Recht, zwischen den bestehenden Schulformen zu wählen.

5Vgl. OVG NW, Urteil vom 1. Juni 1984 - 5 A 736/84 - NVwZ 1984, 806; Beschlüsse vom 17. August 1992 - 19 B 3241/92 - und vom 21. September 1994 - 19 B 1459/94 -.

6Die mithin verfassungsrechtlich gewährleistete Schulformwahlfreiheit hat allerdings ihre Grenze dort, wo die Aufnahme des betreffenden Schülers zu einer Gefährdung des Bildungs- und Erziehungsauftrags der aufnehmenden Schule führen würde, weil deren Kapazität erschöpft ist.

7Vgl. OVG NW, Beschlüsse vom 16. September 1994 - 19 B 2188/94 - und vom 21. September 1994 - 19 B 1459/94 -.

8Als die Klägerin im Oktober 1995 ihre Aufnahme in die Städtische Gesamtschule E beantragte, war die Kapazität der für sie damals in Betracht kommenden 5. Jahrgangsstufe erschöpft. Für die sechszügig geführte Gesamtschule beträgt der Klassenfrequenzhöchstwert nach der damals maßgeblichen Regelung in § 3 Abs. 5 b der Verordnung zur Ausführung des § 5 des Schulfinanzgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 19. April 1993 (GV. NW. S. 150) ebenso wie nach der für das Schuljahr 1997/98 maßgeblichen Regelung in § 5 Abs. 5 b der Verordnung zur Ausführung des § 5 des Schulfinanzgesetzes idF der Bekanntmachung vom 22. Mai 1997 (GV. NW. S. 88) 29 Schüler, deren Zahl in Ausnahmefällen auf 30 Schüler erweitert werden kann. Nach der unbestrittenen Darstellung des Beklagten sind zum Schuljahr 1995/96 alle sechs Klassen der 5. Jahrgangsstufe mit 30 Schülern belegt worden, so daß die Kapazität bei Antragstellung der Klägerin im Oktober 1995 erschöpft war. Die zum Schuljahr 1995/96 aufgenommenen und am Schuljahresende am Unterricht teilnehmenden Schüler wurden in die 6. und zum Schuljahr 1997/98 in die 7. Jahrgangsstufe übernommen.

9Soweit in den sechs Klassen zwischenzeitlich drei Plätze wieder frei geworden sind, ist rechtlich nicht zu beanstanden, daß die Klägerin keinen dieser Plätze erhalten hat, sondern daß diese Plätze an andere Schüler vergeben worden sind. Gemäß § 5 Abs. 2 der Allgemeinen Schulordnung vom 8. November 1978 - ASchO -, zuletzt geändert durch Verordnung vom 28. Februar 1997 (SGV. NW. 223) entscheidet der Schulleiter innerhalb des vom Schulträger für die Aufnahme festgelegten allgemeinen Rahmens über die Aufnahme der Schüler in die Schule. Das ihm bei dieser Entscheidung eingeräumte Auswahlermessen unterliegt gemäß § 114 VwGO nur einer eingeschränkten gerichtlichen Überprüfung dahin, ob der Schulleiter den vom Schulträger für die Aufnahme festgelegten allgemeinen Rahmen beachtet, von seinem Ermessen in einer dem Zweck der Ermächtigung nicht widersprechenden Weise Gebrauch gemacht und seiner Ermessensentscheidung einen zutreffenden Sachverhalt zugrundegelegt hat.

10Diesbezügliche Fehler haften der hier maßgeblichen Entscheidung nicht an. Nach den von der Klägerin nicht bestrittenen Angaben des Beklagten sind die frei gewordenen Plätze mit Schülern wieder besetzt worden, die - anders als die Klägerin - bereits zu Beginn des Schuljahres 1995/96 die Aufnahme in die damals 5. Jahrgangsstufe beantragt hatten und die die vom Schulträger vorgegebenen Kriterien erfüllten, aber mangels Kapazität damals nicht aufgenommen werden konnten und auf einer aus den nicht aufgenommenen Schülern gebildeten Warteliste die ersten Plätze einnahmen. Gründe, die im vorliegenden Einzelfall eine Durchbrechung dieses im übrigen willkürfreien Besetzungssystems zugunsten der Klägerin erforderlich gemacht hätten, sind weder geltend gemacht noch sonst ersichtlich.

11Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO, die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit auf § 167 VwGO iVm §§ 708 Nr. 11, 713 der Zivilprozeßordnung - ZPO -.

12Die Voraussetzungen des § 132 Abs. 2 VwGO iVm §§ 130 a Satz 2, 125 Abs. 2 Satz 4 VwGO für die Zulassung der Revision liegen nicht vor.

Die Streitwertfestsetzung folgt aus § 13 Abs. 1 des Gerichtskostengesetzes - GKG -. 13

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