Urteil des FG Köln vom 26.06.2002, 14 K 3037/01

Entschieden
26.06.2002
Schlagworte
Aufteilung, Vollstreckung, Beschränkung, Vorläufiger rechtsschutz, Einspruch, Pfändung, Vollziehung, Kirchensteuer, Abgabenordnung, Verwaltungsakt
Urteil herunterladen

Finanzgericht Köln, 14 K 3037/01

Datum: 26.06.2002

Gericht: Finanzgericht Köln

Spruchkörper: 14. Senat

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 14 K 3037/01

Tenor: Anmerkung: Die Klage wurde abgewiesen.

Schuldgrund Zeitraum Fälligkeit Schuldbetrag DM Säumniszuschläge DM

12 3 4 5 6

1.Einkommensteuer (Säumniszuschlag) 1997 26.1.2000 0,00 256,00

2.Solidaritätszuschlag Einkommensteuer (Säumniszuschläge) 1997 26.1.2000 0,00 12,00

3.Einkommensteuer 1998 6.11.2000 9.452,00 188,00

4.Einkommensteuer Verspätungszuschlag 1998 6.11.2000 4.360,00

5.Einkommensteuer Zinsen 1998 6.11.2000 282,00

6.Kirchensteuer ev 1998 6.11.2000 850,68

7.Solidaritätszuschlag 1998 6.11.2000 519,86 10,00

Summe 15.464,54 466,00

Summe Spalte 5 + 6 15.930,54

Pfändungsgebühren für diese Pfändung 140,00

Auslagen 11,00

Gesamtbetrag 16.081,54

Tatbestand 1

2Wegen Nichtabgabe der Einkommensteuererklärung 1998 schätzte der Beklagte die Einkommensteuer und Folgesteuern 1998 mittels Bescheid über Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer vom 2.10.2000. Der Betrag in Höhe von insgesamt 15.464,54 DM ist am 6.11.2000 fällig geworden.

Gegen die Steuerfestsetzung legte der Kläger Einspruch ein. 3

Mit Einspruchsentscheidung vom 22.2.2001 wurde der Einspruch als unbegründet zurückgewiesen, da der Kläger die Einkommensteuererklärung 1998 nicht einreichte. 4

Hiergegen erhob der Kläger am 26.3.2001 Klage. 5

6Innerhalb des Klageverfahrens reichte der Kläger am 22.6.2001 die Einkommensteuererklärung 1998 ein.

7Mit Schreiben vom 6.11.2000 beantragte der Kläger die Aufteilung der Einkommensteuer 1998.

8Die Aufteilung erfolgte durch den Beklagten mit Aufteilungsbescheid vom 24.11.2000 antragsgemäß. Wobei 100 % des aufzuteilenden Betrages von 15.464,54 DM auf den Kläger entfielen.

9Gegen den Aufteilungsbescheid legte der Kläger Einspruch ein. Den Einspruch begründetet der Kläger in der Folge jedoch nicht.

10Mit Einspruchsentscheidung vom 5.2.2001 wies der Beklagte den Einspruch als unbegründet zurück.

Hiergegen erhob der Kläger am 5.3.2001 ebenfalls Klage. 11

12Mit Bescheid vom 8.11.2000 lehnte der Beklagte einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung aufgrund des Fehlens der Einkommensteuererklärung 1998 ab und forderte die Kläger zur Zahlung auf.

13Da die Kläger zum Fälligkeitszeitpunkt des 6.11.2000 bzw. 26.1.2000 jedoch keine Zahlungen leisteten, pfändete der Beklagte die Konten des Klägers bei der ... mit Pfändungs- und Einziehungsverfügung vom 14.12.2000, wobei die Pfändungs- und Einziehungsverfügung nicht nur die Beträge für 1998 erfaßte, sondern auch Beträge für Einkommensteuer Säumniszuschläge und Solidaritätszuschlag Säumniszuschläge in Höhe von insgesamt 268,-- DM, welche am 26.1.2000 fällig waren.

14Die Pfändungs- und Einziehungsverfügung vom 14.12.2000 enthielt folgende Rückstandsaufstellung:

15Hinsichtlich der Säumniszuschläge betreffend die Einkommensteuer 1997 in Höhe von 256,00 DM und der Säumniszuschläge betreffend den Solidaritätszuschlag 1997 in Höhe von 12,00 wurde der Kläger am 23.6.2000 gemahnt.

16Gegen die Pfändungs- und Einziehungsverfügung legte der Kläger fristgerecht Einspruch ein, mit dem er geltend machte, daß aufgrund des laufenden Aufteilungsverfahrens ein Vollstreckungsverbot gemäß § 277 Abgabenordnung 1977 (AO) eingreife.

17Mit Einspruchsentscheidung vom 17.4.2001 wies der Beklagte den Einspruch als unbegründet zurück. Zur Begründung führte er aus, daß die Aufteilung der Steuerschuld entsprechend dem Antrag des Klägers gemäß der §§ 268 ff. AO erfolgt sei. Dabei sei die gesamte Steuerschuld dem Kläger nach dem Aufteilungsmaßstab zugewiesen worden. Unter Zugrundelegung dieses Aufteilungsmaßstabes sei die angefochtene Pfändung auch nur gegenüber dem Kläger erfolgt. Die festgesetzte Einkommensteuer 1998 sei selbst nicht zweifelhaft, daher sei eine aufzuteilende Steuerschuld vorhanden.

18Das Vorbringen gegen den Aufteilungsbescheid vom 20.12.2000 sei bislang nicht begründet worden und bewirke daher nicht die Einstellung der Vollstreckungsmaßnahme. Es sei nicht erkennbar, inwieweit eine andere Aufteilung der Steuerrückstände vorzunehmen sei. § 277 AO sei daher nicht anwendbar.

19Gründe, die eine Einschränkung der Vollstreckung oder einen Vollstreckungsaufschub gemäß § 258 AO rechtfertigten lägen ebenfalls nicht vor.

Andere die Vollstreckung hindernde Umstände seien ebenfalls nicht vorhanden. 20

21Die zur Zeit noch verbleibenden Rückstände in Höhe von 16.0981,54 DM seien fällig und auch vollstreckbar. Die Pfändung der Konten des Klägers bei der ... sei daher zu Recht erfolgt.

22Hiergegen hat der Kläger am 18.5.2001 Klage erhoben. Hierzu trägt er vor, daß § 277 AO verletzt sei. Da über den Antrag der Aufteilung der Steuerschuld gemäß §§ 268ff. AO noch nicht unanfechtbar entschieden worden sei, folge daraus gleichzeitig das Vollstreckungsverbot des § 277 AO. § 277 AO verbiete daher eine Einziehung und ließe die Vollstreckung nur zu, soweit sie zur "Sicherung" erforderlich sei. Einzige gesetzliche Voraussetzung sei es, daß ein Antrag auf Aufteilung vorliege und darüber noch nicht unanfechtbar entschieden worden sei. Diese Voraussetzungen lägen vor.

Der Kläger stellte zunächst den Antrag in Aussicht, 23

24die angefochtene Pfändungs- und Einziehungsverfügung vom 14.12.2000 und die Einspruchsentscheidung vom 17.4.2000 aufzuheben.

25Nachdem der Beklagte am 6.7.2001 in voller Höhe die Vollziehung der Einkommensteuer und Folgesteuern ausgesetzt und die Pfändung vom 14.12.2000 aufgehoben hat, trägt der Kläger nunmehr vor, es bestünde ein Feststellungsinteresse, da die Pfändung diskreditierende Wirkung gehabt habe und hätte. Daraus folge ein Rehabilitationsinteresse.

26Außerdem seien ihm Kosten durch die Erhebung des Rechtsmittels entstanden. Hinsichtlich dieser Kosten würde er den Beklagten in Anspruch nehmen.

27Letztlich bestünde auch eine Wiederholungsgefahr, auch in dem Verfahren 14 K 7354/00 mit gleichem Rubrum habe der Beklagte die Vorschrift des § 277 AO verletzt.

28In der mündlichen Verhandlung berief sich der Kläger bezüglich seiner zu § 277 AO vertretenen Auffassung auf den Beschluß des Bundesfinanzhof vom 20.11.1993 VII B 199/93, BFH/NV 1994, 525.

Der Kläger beantragt nunmehr 29

festzustellen, daß die Pfändungs- und Einziehungsverfügung vom 14.12.2000 rechtswidrig war und im Unterliegensfalle die Revision zuzulassen. 30

Der Beklagte beantragt, 31

die Klage abzuweisen. 32

die Klage abzuweisen. 32

33Hierzu trägt er vor, die Vollstreckungsmaßnahme, sei aufgrund einer rechtswirksamen Steuerfestsetzung und Aufteilung gemäß § 268ff. AO erfolgt. Sinn der Vorschrift des § 277 AO sei der Schutz eines Gesamtschuldners vor Vollstreckungsmaßnahmen für eine über den Betrag hinausgehende Gesamtschuld, auf den bei Aufteilung nach Maßgabe der §§ 269 bis 278 AO die Vollstreckung gegen ihn beschränkt würde. Mit Erlaß des Aufteilungsbescheides vom 24.11.2000 habe er dem Antrag des Klägers entsprochen. Die begehrte Einschränkung der Vollstreckung der Einkommen- und Folgesteuern 1998 sei nicht gerechtfertigt, da ein Schutzbedürfnis des Klägers im Sinne des § 277 AO nicht vorliege. § 277 AO sei nicht wörtlich dahingehend auszulegen, daß es auf eine Beschränkung der Vollstreckbarkeit bis zur unanfechtbaren Entscheidung über den Aufteilungsantrag ankäme. Dies würde sowohl gegen den Zweck als auch gegen die durch die Rechtsnorm verfolgte Lösung verstoßen und Gesamtschuldner bevorzugen.

34Verwaltungsakte seien unabhängig von ihrer Unanfechtbarkeit vollstreckbar, § 251 AO, soweit die Vollziehung nicht gehemmt oder ausgesetzt sei, § 361 AO, § 69 Finanzgerichtsordnung (FGO).

35Im Falle unbegründeter Anträge und Rechtsmittel wäre, wenn der Argumentation des Klägers gefolgt würde, ein Alleinschuldner gegenüber dem nach einer Aufteilung im Sinne der §§ 268ff. AO allein die Vollstreckung duldenden Gesamtschuldner der gleichen Steuer, erheblich benachteiligt. Dem Alleinschuldner bliebe die Möglichkeit einer andauernden Vollstreckungseinschränkung für Einkommensteuerrückstände durch Ausschöpfung des Rechtsweges bis zur Unanfechtbarkeit des Festsetzungs-/ Aufteilungsbescheides mangels Anwendbarkeit des § 277 AO verschlossen.

36Die angefochtene Pfändungs- und Einziehungsverfügung vom 14.12.2000 sei rechtmäßig gewesen. Die allgemeinen Vollstreckungsvoraussetzungen der §§ 249ff. AO hätten vorgelegen. Die zugrundeliegende Steuer sei durch Verwaltungsakt festgesetzt und fällig gewesen, ebenso die Nebenleistungen.

37Der Antrag auf Aussetzung der Vollziehung sei am 8.11.2000 aufgrund fehlender Einspruchsbegründung abgelehnt worden. Die Vollstreckungsmaßnahme sei auch ermessensgerecht gewesen. Angesichts der Höhe des Gesamtbetrages sei eine sinnvolle andere Vollstreckungsmöglichkeit nicht in Betracht gekommen.

38Auch das Vollstreckungsverbot des § 277 AO habe der Vollstreckung nicht entgegengestanden. Aufgrund des § 277 AO dürften Vollstreckungsmaßnahmen, solange nicht über den Antrag auf Beschränkung der Vollstreckung unanfechtbar entschieden ist, nur soweit durchgeführt werden, als dies zur Sicherung des Anspruchs erforderlich sei.

39Diese Voraussetzungen seien nicht erfüllt gewesen, da der Kläger keinen Anspruch auf Beschränkung der Vollstreckung gestellt habe. Zwar habe er einen Antrag auf Aufteilung der Einkommensteuer gestellt, dies stelle indes nur für dessen Ehefrau, nicht jedoch für den Kläger einen Antrag auf Beschränkung dar. Dem Kläger sei die Einkommensteuerschuld allein zuzurechnen, so daß der Aufteilungsbescheid lediglich für dessen Ehefrau eine die Vollstreckung ausschließende Wirkung entfalte. Aufgrund der Aufteilung sei für Vollstreckungszwecke die Gesamtschuld entfallen und er zum alleinigen Vollstreckungsschuldner geworden.

40Der Kläger mißverstehe § 277 AO. Die Vorschrift besage nicht, daß sie schon dann eingreife, solange über den Antrag auf Aufteilung der Steuerschuld nicht unanfechtbar entschieden sei.

41§ 277 AO greife hinsichtlich der Pfändung auch deshalb nicht ein, da es sich um eine Sicherungsmaßnahme gehandelt habe.

Entscheidungsgründe 42

Die Klage ist zulässig 43

44I. Der Klage ist statthaft, da der Kläger ein berechtigtes Interesse an der Feststellung der Rechtswidrigkeit des angefochtenen Verwaltungsaktes hat, der sich durch die Aufhebung der Pfändungs- und Aussetzungsverfügung nach Klageerhebung erledigt hat.

45II. Der Kläger hat auch ein berechtigtes Interesse an der begehrten Feststellung geltend gemacht. Das konkrete, vernünftigerweise anzuerkennende schutzwürdige Interesse rechtlicher, wirtschaftlicher oder ideeller Art wird im Streitfall durch die hinreichend konkrete Wiederholungsgefahr indiziert (vgl. von Groll, in: Gräber, Finanzgerichtsordnung, 5. Aufl., München 2002, § 100 Rdn. 60 m.w.N.). Wie das ebenfalls beim Finanzgericht Köln unter 14 K 7354/00 anhängige Verfahren zeigt besteht die hinreichend konkrete Gefahr einer Wiederholung gleichartiger Verwaltungsentscheidungen, dabei reicht die durch das weitere Verfahren 14 K 7354/00 bestärkte begründete Annahme, daß der Beklagte unter im Wesentlichen unveränderten tatsächlichen und rechtlichen Umständen einen gleichartige Pfändungs- und Einziehungsverfügung erlassen wird (BFH-Urteil vom 28.6.2000 X R 24/95, BStBl II 2000, 514).

Die Klage ist jedoch unbegründet. 46

47III. Die Pfändungs- und Einziehungsverfügung vom 14.12.2000 war rechtmäßig und verletzt den Kläger nicht in seinen Rechten, § 100 Abs. 1 Satz 4 Finanzgerichtsordnung (FGO) im Umkehrschluß.

1. Die Pfändungs- und Einziehungsverfügung war rechtmäßig. 48

Die allgemeinen Vollstreckungsvoraussetzungen liegen vor. 49

50Insbesondere fehlt es nicht an einem Leistungsgebot hinsichtlich der Säumniszuschläge für 1997, § 254 Abs. 1 AO. Zwar greift die Ausnahme des § 254 Abs. 2 AO nicht ein, da die Säumniszuschläge für 1997 nicht zusammen mit der Steuer beigetrieben werden, sondern selbständiger Gegenstand der Vollstreckung sind. Allerdings liegt ein Leistungsgebot im Sinne des § 254 Abs. 1 Satz 1 AO vor, denn der Kläger ist durch die Mahnungen vom 23.6.2000 zur Leistung aufgefordert worden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Säumniszuschläge auch bereits fällig, da die Säumniszuschläge mit ihrer Entstehung fällig werden, § 220 Abs. 2 Satz 1 AO. Soweit nämlich eine Mahnung erstmalig zur Zahlung von Säumniszuschlägen auffordert, liegt darin ein Leistungsgebot im Sinne des § 254 Abs. 1 Satz 1 AO, da dem Kläger damit aufgegeben wird, die geschuldete Leistung in einer bestimmten Frist zu bewirken (vgl. Finanzgericht Baden- Württemberg, EFG 1980, 262; Tipke/Kruse, Abgabenordnung und

Finanzgerichtsordnung, 16. Aufl., Köln Lsbl., Stand November 2001, § 259 Rdn. 5).

51Die übrigen allgemeinen Vollstreckungsvoraussetzungen der §§ 249ff. AO hinsichtlich der Steuern und steuerlichen Nebenleistungen lagen ebenfalls vor. Die zugrundeliegende Steuer war durch Steuerbescheid vom 2.10.2000 festgesetzt und am 6.11.2000 hinsichtlich der Einkommensteuer, Kirchensteuer, des Solidaritätszuschlages sowie bezüglich der steuerlichen Nebenleistungen fällig und der Kläger durch Leistungsgebot zur Leistung aufgefordert worden, § 254 Abs. 1 Satz 1 AO. Hinsichtlich der für 1998 angefallenen Säumniszuschläge bedurfte er keines Leistungsgebotes im Sinne des § 254 Abs. 1 Satz 1 AO, da im Rahmen der Pfändungs- und Einziehungsverfügung die Säumniszuschläge zusammen mit der Steuer beigetrieben wurden. Gleiches gilt für die auf die Steuern und steuerlichen Nebenleistungen entfallenden Kosten, §§ 337 Abs. 1, 254 Abs. 2 Satz 2 AO.

52Die Vollstreckungsmaßnahme war auch ermessensgerecht. Eine andere sinnvolle Vollstreckungsmaßnahme ist nicht ersichtlich und kam offensichtlich nicht in Betracht, § 249 Abs. 1 Satz 1 AO.

532. Der Beklagte war auch nicht durch die Norm des § 277 AO an dem Erlaß einer Pfändungs- und Einziehungsverfügung gehindert. Aufgrund der Bestimmung des § 277 AO dürfen Vollstreckungsmaßnahmen, solange nicht über den Antrag auf Beschränkung der Vollstreckung unanfechtbar entschieden ist, nur soweit durchgeführt werden, als dies zur Sicherung des Anspruchs erforderlich ist.

54a) Hinsichtlich der Pfändungsverfügung im Sinne des § 309 Abs. 1 AO greift bereits die Ausnahme des § 277, 2. Halbsatz AO, da die Pfändungsverfügung lediglich der Sicherung dient, durch sie entsteht ein Pfändungspfandrecht und die Pfandverstrickung der Forderung, sie gibt dem Vollstreckungsgläubiger lediglich das Recht zur Befriedigung. Dagegen entspricht die Einziehungsverfügung im Sinne des § 314 Abs. 1 AO dem "Verwertungsakt" bei der Forderungspfändung, sie allein kann zu einer Befriedigung des Beklagten führen (vgl. dazu auch Tipke/Kruse, Abgabenordnung und Finanzgerichtsordnung, 16. Aufl., Köln Lsbl., Stand November 2001, § 314 AO Rdn. 1). Insoweit der Kläger die Feststellung der Rechtswidrigkeit der Pfändungsverfügung verlangt, ist die Fortsetzungsfeststellungsklage hinsichtlich der Pfändungsverfügung bereits aus diesem Grunde unbegründet.

55b) Darüber hinaus sind jedoch auch die Voraussetzungen der Bestimmung des § 277, 1. Halbsatz AO im Streitfall nicht erfüllt, weil nicht jeder Antrag auf Aufteilung der Steuerschuld gleichzeitig ein Antrag auf Beschränkung der Vollstreckung beinhaltet. Zwar haben der Kläger und seine Ehefrau einen Antrag auf Aufteilung der Steuerschuld für 1998 gestellt. Dieser Antrag bewirkte aber lediglich für die Ehefrau eine Beschränkung der Vollstreckung, da aufgrund der antragsgemäß vorgenommenen Aufteilung, dem Kläger die Einkommensteuerschuld für 1998 allein zuzurechnen war. Vollstreckungsbeschränkung im rechtstechnischen Sinne bedeutet dabei, daß jegliche Verwirklichung der Gesamtschuld über den auf den jeweiligen Ehegatten entfallenden Aufteilungbetrag hinaus ausgeschlossen ist (vgl. BFH-Urteil vom 12.6.1990 VII R 69/89, BStBl II 1991, 493; BFH-Beschluß vom 30.11.1993 VII B 199/93, BFH/NV 1994, 525). Sinn der Vorschrift ist damit, daß der Ehegatte nur seine aufgrund der Aufteilung auf ihn entfallende Steuer zu tragen hat, die Gesamtschuld damit im Ergebnis in Teilschulden aufgespalten wird. (vgl. BFH-Urteil vom 12.6.1990 VII R 69/89 BStBl II 1991, 493). Einen darüber hinausgehenden Schutz soll § 277 AO nicht vermitteln. Ist die geschätzte

Steuerschuld geringer, so hat der Kläger vornehmlich die Möglichkeit gegen den Steuerbescheid selbst vorzugehen und die Steuererklärung einzureichen. Vorläufigen Rechtsschutz kann er dabei über die Vorschriften der § 361 AO und § 69 FGO erlangen. Wird vorläufiger Rechtsschutz gewährt, so wird dem Verwaltungsakt gleichzeitig die Vollstreckbarkeit genommen, § 251 Abs. 1 AO, so daß es dann bereits an den allgemeinen Vollstreckungsvoraussetzungen fehlt. Nur die Ehefrau, nicht jedoch der Kläger bedurfte daher des Schutzes des § 277 AO. Für den Kläger ergab sich dagegen keinerlei Beschränkung, sondern vielmehr eine Erweiterung aufgrund des Aufteilungsbescheides. Aufgrund der Aufteilung entfiel die Gesamtschuld und der Kläger wurde alleiniger Vollstreckungsschuldner für Vollstreckungszwecke.

56Die Berufung des Klägers auf § 277 AO beruht auf einer Fehlinterpretation der Norm, da der Kläger davon ausgeht, daß die Vorschrift des § 277 AO bereits dann eingreift, wenn über den Antrag auf Aufteilung der Steuerschuld unanfechtbar nicht entschieden sei. Die besagt die Norm jedoch nicht.

573. Es stellt sich im übrigen als rechtsmißbräuchlich dar, wenn der Kläger einen Aufteilungsbescheid beantragt, der entsprechenden seinem Antrag auch ergeht und diesen - ohne jegliche Begründung - bloß aus dem Grunde anficht, die Vollstreckung zu verhindern.

58IV. Die Revision war nicht zuzulassen, da Zulassungsgründe für eine Revisionszulassung nicht vorliegen. Die Vorschrift des § 277 AO ist von ihrem Wortlaut her eindeutig. Sie verlangt eine Beschränkung der Vollstreckung.

V. Die Kostenentscheidung folgt aus § 135 Abs. 1 FGO. 59

FG Köln: arbeitslohn, bemessungsgrundlage, gesellschafter, einkünfte, sozialversicherung, betrug, einspruch, minderung, einheit, fremder

6 K 2835/01 vom 23.07.2003

FG Köln: geldwerter vorteil, betrug, darlehen, sicherheitsleistung, verwaltung, aufwand, finanzen, markt, zivilprozessordnung, vollstreckbarkeit

10 K 999/01 vom 10.03.2005

FG Köln: anteil, doppelbesteuerung, einkünfte, behandlung, beitrag, sozialversicherung, leistungsfähigkeit, einspruch, höchstbetrag, arbeitslohn

12 K 2253/06 vom 20.12.2006

Anmerkungen zum Urteil