Urteil des BVerwG vom 05.09.2013, 10 C 1.13

Aktenzeichen: 10 C 1.13

Pflicht zur Duldung, Einstellung des Verfahrens, Bundesamt, Abnahme

BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

BVerwG 10 C 1.13 VGH 20 B 12.30300

Verkündet am 5. September 2013 Thiele als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

In der Verwaltungsstreitsache

hat der 10. Senat des Bundesverwaltungsgerichts auf die mündliche Verhandlung vom 5. September 2013 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Berlit und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Dörig, Prof. Dr. Kraft, die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Fricke und den Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Maidowski

für Recht erkannt:

Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 14. Januar 2013 aufgehoben. Der Rechtsstreit wird zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an den Verwaltungsgerichtshof zurückverwiesen.

Die Kostenentscheidung bleibt der Schlussentscheidung vorbehalten.

G r ü n d e :

I

1Der Kläger, nach eigenen Angaben ein somalischer Staatsangehöriger, wendet

sich gegen die Einstellung seines Asylverfahrens nach §§ 32, 33 Abs. 1

AsylVfG.

2Er beantragte am 23. August 2010 die Anerkennung als Asylberechtigter. Ihm

wurden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Bundesamt - am gleichen Tag Fingerabdrücke abgenommen. Dabei wurde festgestellt, dass eine

Auswertung zum Zwecke des erkennungsdienstlichen Abgleichs nicht möglich

war. Der mit der Abnahme der Fingerabdrücke befasste Mitarbeiter des Bundesamts hielt in einem Vermerk fest, dass die Fingerkuppen des Klägers Spuren von Manipulationen aufwiesen (z.B. Verletzungen der Haut), was dieser

bestritt. Daraufhin wurde der Kläger mit Schreiben vom 23. August 2010 aufgefordert, sein Asylverfahren dadurch zu betreiben, dass er zum einen binnen eines Monats in der Außenstelle des Bundesamts erscheine und sich „auswertbare Fingerabdrücke“ abnehmen lasse. Zum anderen solle er schriftlich darlegen,

in welchen Staaten er sich nach dem Verlassen seines Herkunftslandes aufgehalten habe, ob er dort bereits einen Asylantrag gestellt habe und dieser ggf.

abgelehnt worden sei. Gleichzeitig wurde er unter Bezugnahme auf § 33

AsylVfG darauf hingewiesen, dass sein Asylantrag als zurückgenommen gelte,

wenn er das Verfahren länger als einen Monat nicht betreibe und in diesem Fall

über das Vorliegen von Abschiebungsverboten gemäß § 60 Abs. 2 bis 5 oder

Abs. 7 AufenthG nach Aktenlage zu entscheiden sei. Ihm wurde eine Übersetzung des Schreibens in die Sprache Somali überreicht.

3Der Kläger hat sich in einem weiteren Termin - nach Angaben des Bundesamts

am 8. September 2010 - erneut Fingerabdrücke abnehmen lassen, die nach

Mitteilung des Bundeskriminalamts vom 8. Oktober 2010 wiederum nicht verwertbar waren.

4Die Beklagte stellte mit Bescheid vom 27. Oktober 2010 fest, dass der Asylantrag als zurückgenommen gilt und das Asylverfahren eingestellt ist (Ziff. 1). Weiter wurde festgestellt, dass Abschiebungsverbote nach § 60 Abs. 2 bis 7 AufenthG nicht vorliegen (Ziff. 2). Schließlich wurde der Kläger unter Androhung

der Abschiebung in den Herkunftsstaat aufgefordert, die Bundesrepublik

Deutschland innerhalb einer Woche nach Bekanntgabe der Entscheidung zu

verlassen (Ziff. 3). Das Bundesamt hat den Bescheid im Wesentlichen darauf

gestützt, dass der Kläger der Betreibensaufforderung nicht nachgekommen sei.

Weder am 23. August 2010 noch beim Folgetermin hätten verwertbare

Fingerabdrücke gewonnen werden können. Die angeforderten schriftlichen Erklärungen (zum Reiseweg) habe der Kläger nicht abgegeben. Die Feststellung

von Abschiebungsverboten nach § 60 Abs. 2 bis 7 AufenthG scheitere bereits

daran, dass für den Kläger kein Herkunftsland habe festgestellt werden können.

5Mit seiner Klage begehrt der Kläger die Aufhebung des Bescheids sowie hilfsweise die Verpflichtung der Beklagten zur Feststellung von Abschiebungsverboten nach § 60 Abs. 2 bis 7 AufenthG hinsichtlich Somalias. Zur Begründung hat

er geltend gemacht, es habe kein Anlass zum Erlass einer Betreibensaufforderung vorgelegen. Zudem habe er sein Verfahren dadurch betrieben, dass er

sich einer weiteren erkennungsdienstlichen Maßnahme unterzogen habe.

6Während des Klageverfahrens forderte das Bundesamt den Kläger mit einem

an seine Verfahrensbevollmächtigten gerichteten Schreiben vom 26. Oktober

2011 erneut auf, das Verfahren dadurch zu betreiben, dass er beim Bundesamt

erscheine und sich Fingerabdrücke abnehmen lasse. Dazu erhalte er vom Bundesamt einen Ladungstermin. Die Pflicht zur Duldung erkennungsdienstlicher

Maßnahmen umfasse auch die Verpflichtung, im Vorfeld der erneuten Fingerabdrucknahme alle Verhaltensweisen zu unterlassen, die die Auswertbarkeit

der Fingerabdrücke beeinträchtigen oder vereiteln könnten. Das Schreiben ging

den Verfahrensbevollmächtigten am 28. Oktober 2011 zu.

7Mit Schreiben vom 9. November 2011 wurde der Kläger zur erneuten erkennungsdienstlichen Behandlung auf den 24. November 2011 geladen. Er erschien an diesem Termin; die abgenommenen Fingerabdrücke erwiesen sich

wiederum als nicht auswertbar. Nach einem Vermerk stellte der mit der Abnahme befasste Mitarbeiter des Bundesamts an den Fingerkuppen des Klägers

Abschürfungen, Vernarbungen, starke Hornhautbildung, Verhärtungen, besonders trockene Finger und äußerst schwache Papillarlinien fest. Der Kläger bestritt, seine Fingerkuppen manipuliert zu haben.

8Das Verwaltungsgericht hat den Bescheid des Bundesamts aufgehoben. Der

Verwaltungsgerichtshof hat die hiergegen gerichtete Berufung der Beklagten

mit Urteil vom 14. Januar 2013 zurückgewiesen. Zur Begründung hat er im Wesentlichen ausgeführt, dass der Asylantrag nicht nach § 33 Abs. 1 Satz 1

AsylVfG als zurückgenommen gelte. Denn der Kläger sei gemäß § 15 Abs. 2

Nr. 7 AsylVfG nicht verpflichtet, Fingerabdrücke abzugeben, die im Rahmen

des Eurodac-Systems verwertbar seien. Er habe vielmehr seiner gesetzlichen

Mitwirkungspflicht genügt, indem er sämtlichen Aufforderungen der Beklagten,

erkennungsdienstliche Maßnahmen nach § 15 Abs. 2 Nr. 7 AsylVfG zu dulden,

gefolgt sei und sich Fingerabdrücke habe abnehmen lassen. Beschränke der

Gesetzgeber die Mitwirkung im Fall einer erkennungsdienstlichen Behandlung

auf eine Duldungspflicht, sei es dem Bundesamt verwehrt, durch behördliche

Verfügung darüber hinausgehende Mitwirkungshandlungen einzufordern und

diese bei Unterbleiben mit einer Verfahrenseinstellung zu sanktionieren. Mangels entsprechender gesetzlicher Verpflichtung zur Abgabe verwertbarer

Fingerabdrücke komme es nicht darauf an, ob der Kläger die Unverwertbarkeit

seiner Fingerabdrücke zu vertreten habe. Soweit die Einstellungsverfügung

auch darauf gestützt sei, dass der Kläger entgegen der Betreibensaufforderung

keine Angaben zum Reiseweg und bereits gestellten Asylanträgen gemacht

habe, sei er dazu vom Bundesamt nicht angehört worden. Auch insoweit lägen

daher die Voraussetzungen des § 33 AsylVfG nicht vor.

9Die Beklagte rügt mit ihrer vom Berufungsgericht zugelassenen Revision, die

Auslegung des § 15 AsylVfG seitens des Berufungsgerichts verletze Bundesrecht. Aus § 15 Abs. 2 Nr. 7 AsylVfG oder dem Rückgriff auf Absatz 1 der Vorschrift ergebe sich die Pflicht, alle zielgerichteten Maßnahmen zu unterlassen,

die den Erfolg einer erkennungsdienstlichen Behandlung vereiteln könnten.

Nach der maßgeblich unionsrechtlich beeinflussten gesetzlichen Konzeption

habe das Bundesamt vorrangig die Frage der Zuständigkeit der Bundesrepublik

Deutschland als Mitgliedstaat der Europäischen Union für die Prüfung des

Schutzbegehrens zu klären. Selbst wenn Deutschland zuständig sei, müsse

geklärt werden, ob und ggf. mit welchem Ergebnis der Asylbewerber zuvor ein

Asylverfahren betrieben habe, da ein weiteres Asylbegehren sich als Zweitantrag darstelle.

10Der Kläger hält sich in Übereinstimmung mit den Urteilen der Vorinstanzen nicht

für verpflichtet, verwertbare Fingerabdrücke abzugeben. Ferner rügt er, in der

Betreibensaufforderung vom 23. August 2010 nur unzureichend belehrt worden,

insbesondere nicht darauf hingewiesen worden zu sein, dass die Einstellung

des Verfahrens unmittelbar den Erlass einer Abschiebungsandrohung nach

§ 34 AsylVfG zur Folge habe. Der an seine Verfahrensbevollmächtigten gerichteten Betreibensaufforderung vom 26. Oktober 2011 sei keine Übersetzung beigefügt gewesen.

11Der Vertreter des Bundesinteresses beim Bundesverwaltungsgericht schließt

sich weitgehend der Rechtsauffassung der Beklagten an. Nach seiner Auffassung darf das Bundesamt nicht darauf verwiesen werden, die Tatsache einer

Manipulation der Fingerkuppen nur bei der Prüfung der Voraussetzungen einer

Ablehnung des Asylantrags als offensichtlich unbegründet gemäß § 30 Abs. 3

Nr. 2 AsylVfG zu würdigen. Die Betreibensaufforderung diene gerade der Klärung, ob die Voraussetzungen für eine Sachentscheidung vorlägen oder ob eine

Überstellung des Ausländers in einen anderen Mitgliedstaat der Europäischen

Union zu erfolgen habe, in dem der Kläger (bei Schutzbedürftigkeit) internationalen Schutz beanspruchen könne.

II

12Die zulässige Revision der Beklagten hat Erfolg. Das Berufungsgericht hat die

Aufhebung der angefochtenen Einstellungsverfügung durch das Verwaltungsgericht mit einer Begründung bestätigt, die Bundesrecht verletzt 137 Abs. 1

VwGO). Zwar hat der Verwaltungsgerichtshof zutreffend entschieden, dass sich

aus § 15 Abs. 2 Nr. 7 AsylVfG keine Garantieverpflichtung des Asylbewerbers

ableiten lässt, für die Auswertbarkeit seiner Fingerabdrücke einstehen zu müssen. Die in der Vorschrift normierte Mitwirkungspflicht umfasst aber entgegen

der Auffassung der Vorinstanz die Verpflichtung, im Vorfeld der Abnahme von

Fingerabdrücken deren Auswertbarkeit nicht zu vereiteln. Da das Berufungsgericht die Aufforderung zur Schilderung des Reisewegs in der Betreibensaufforderung vom 23. August 2010 zu Unrecht beanstandet und unter Verletzung von

§ 77 Abs. 1 Satz 1 AsylVfG die zweite Betreibensaufforderung vom 26. Oktober

2011 und das Verhalten des Klägers im Zusammenhang mit der dritten erkennungsdienstlichen Behandlung vom 24. November 2011 nicht in den Blick genommen hat, kann der Senat mangels ausreichender tatsächlicher Feststellungen im Berufungsurteil weder zugunsten noch zulasten des Klägers selbst abschließend entscheiden. Daher ist das Verfahren an den Verwaltungsgerichtshof zurückzuverweisen 144 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 VwGO).

13Maßgeblich für die rechtliche Beurteilung des klägerischen Begehrens ist das

Asylverfahrensgesetz i.d.F. der Bekanntmachung vom 2. September 2008

(BGBl I S. 1798), zuletzt geändert durch das Gesetz zur Umsetzung aufenthaltsrechtlicher Richtlinien der Europäischen Union und zur Anpassung nationaler Rechtsvorschriften an den EU-Visakodex vom 22. November 2011 (BGBl I

S. 2258).

141. Das Berufungsgericht ist zutreffend davon ausgegangen, dass die hier erhobene Anfechtungsklage statthaft ist. Der Gesetzgeber hat mit der in §§ 32, 33

AsylVfG geregelten Verfahrenseinstellung durch Verwaltungsakt dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Bundesamt - eine Handlungsmöglichkeit zur

Verfügung gestellt, gegen die der Betroffene nur im Wege der Anfechtungsklage Rechtsschutz erlangen kann. Macht das Bundesamt von dieser gesetzlichen

Ermächtigung fehlerhaft Gebrauch, darf das Gericht mit der Aufhebung der

nach §§ 32, 33 AsylVfG getroffenen Entscheidung nicht zugleich über die Begründetheit des Begehrens auf Gewährung von Asyl und Zuerkennung der

Flüchtlingsanerkennung entscheiden. Vielmehr ist die Sachentscheidung nach

den Regelungen des Asylverfahrensgesetzes zunächst dem Bundesamt vorbehalten. Der Asylsuchende muss die Aufhebung dieses Bescheides erreichen,

wenn er eine Entscheidung über seinen Asylantrag erhalten will (so schon Urteil

vom 7. März 1995 - BVerwG 9 C 264.94 - Buchholz 402.25 § 33 AsylVfG Nr. 12

S. 2).

152. Nach § 33 Abs. 1 AsylVfG gilt ein Asylantrag, der nach § 13 Abs. 1 und 2

AsylVfG auch den Antrag auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft erfasst,

als zurückgenommen, wenn der Ausländer das Verfahren trotz Aufforderung

des Bundesamts länger als einen Monat nicht betreibt (Satz 1). In der Aufforde-

rung ist der Ausländer auf die nach Satz 1 eintretende Folge hinzuweisen

(Satz 2). Liegen die Voraussetzungen einer (fiktiven) Antragsrücknahme vor,

darf das Bundesamt keine Sachentscheidung mehr über den Asylantrag treffen.

Vielmehr hat es nach § 32 AsylVfG in seiner Entscheidung festzustellen, dass

das Asylverfahren eingestellt ist und ob ein Abschiebungsverbot nach § 60

Abs. 2 bis 5 oder 7 AufenthG vorliegt (Satz 1). In den Fällen des § 33 AsylVfG

ist nach Aktenlage zu entscheiden (Satz 2). Das Bundesamt erlässt ferner eine

Abschiebungsandrohung; die dem Ausländer zu setzende Ausreisefrist beträgt

nach §§ 34, 38 Abs. 2 AsylVfG eine Woche.

16Die Vorschriften über die fiktive Rücknahme des Asylantrags im Verwaltungsverfahren bei Nichtbetreiben des Verfahrens und die daran anknüpfende Einstellungsentscheidung des Bundesamts wurden durch das Gesetz zur Neuregelung des Asylverfahrens vom 26. Juni 1992 (BGBl I S. 1126) in das Asylverfahrensgesetz eingefügt. Die in § 33 AsylVfG getroffene Regelung ist der für das

Gerichtsverfahren geltenden fiktiven Rücknahme der Klage 81 AsylVfG)

nachgebildet (vgl. BTDrucks 12/2062 S. 33). Durch sie soll verhindert werden,

dass Ausländer das Asylverfahren durch bewusstes Nichtbetreiben verzögern.

Im Hinblick auf den Ausnahmecharakter sowie die weitreichenden Konsequenzen der Vorschrift dürfen die Anforderungen an das Verhalten eines Schutzsuchenden, mit dem dieser sein fortbestehendes Interesse an einer behördlichen

Sachentscheidung zum Ausdruck bringen muss, nicht überspannt werden (vgl.

zur Betreibensaufforderung im gerichtlichen Verfahren: BVerfG, Beschluss vom

27. Oktober 1998 - 2 BvR 2662/95 - DVBl 1999, 166; BVerwG, Beschluss vom

18. September 2002 - BVerwG 1 B 103.02 - Buchholz 310 § 92 VwGO Nr. 16).

Diese bisher nur für die gerichtliche Betreibensaufforderung formulierten Maßstäbe sind auch auf § 33 AsylVfG übertragbar (so auch Funke-Kaiser in: GK-

AsylVfG, Stand: Januar 2010, § 33 Rn. 6).

17Die Aufforderung im Sinne des § 33 Abs. 1 AsylVfG setzt einen bestimmten Anlass voraus, der geeignet ist, Zweifel an dem Bestehen oder Fortbestehen des

Sachentscheidungsinteresses zu wecken. Solche Zweifel können sich auch aus

einer Vernachlässigung verfahrensrechtlicher Mitwirkungspflichten ergeben; in

diesem Fall dient die Betreibensaufforderung dazu, den Ausländer nachdrück-

lich auf diese Pflichten hinzuweisen (vgl. Urteil vom 23. April 1985 - BVerwG 9

C 48.84 - BVerwGE 71, 213 <219> = Buchholz 402.25 § 33 AsylVfG Nr. 3 S.

12; Beschluss vom 18. September 2002 a.a.O.). Berechtigte Zweifel können

sich aber nur aus der Verletzung einer Mitwirkungspflicht ergeben, die eine

gesetzliche Grundlage hat. Auch die Betreibensaufforderung selbst darf

inhaltlich nur auf die Erfüllung einer gesetzlich begründeten Mitwirkungspflicht

gerichtet sein. Das Instrument der Betreibensaufforderung stellt sich gerade

auch in solchen Fällen als geeignete Reaktion auf eine Vernachlässigung

gesetzlicher Mitwirkungspflichten dar, in denen der Ausländer bei der Klärung

der Zuständigkeit deutscher Behörden für die Sachentscheidung über das

Asylbegehren nicht hinreichend mitwirkt.

18Die allgemeinen Mitwirkungspflichten von Asylbewerbern und Ausländern, die

die Anerkennung als Flüchtling im Sinne von § 3 Abs. 1 und 4 AsylVfG begehren, ergeben sich aus § 15 AsylVfG. Diese Vorschrift wurde ebenfalls durch das

Gesetz zur Neuregelung des Asylverfahrens 1992 in das Asylverfahrensgesetz

eingefügt. Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 AsylVfG ist der Ausländer persönlich verpflichtet, bei der Aufklärung des Sachverhalts mitzuwirken. § 15 Abs. 2 AsylVfG

regelt beispielhaft („insbesondere“) einzelne, besonders wichtige Mitwirkungspflichten (BTDrucks 12/2062 S. 30). Danach ist der Ausländer u.a. verpflichtet,

den mit der Ausführung dieses Gesetzes betrauten Behörden die erforderlichen

Angaben mündlich und nach Aufforderung auch schriftlich zu machen (Nr. 1),

den gesetzlichen oder behördlichen Anordnungen, sich bei bestimmten Behörden oder Einrichtungen zu melden oder dort persönlich zu erscheinen, Folge zu

leisten (Nr. 3) und die vorgeschriebenen erkennungsdienstlichen Maßnahmen

zu dulden (Nr. 7).

193. Anlass zum Erlass einer Betreibensaufforderung kann sich folglich aus der

Verletzung der dem Asylbewerber nach § 15 Abs. 2 Nr. 7 AsylVfG auferlegten

Pflicht zur Duldung der vorgeschriebenen erkennungsdienstlichen Maßnahmen

ergeben. Zwar lässt sich aus dieser Vorschrift keine Garantieverpflichtung für

die Auswertbarkeit der Fingerabdrücke ableiten. Die in § 15 Abs. 2 Nr. 7

AsylVfG normierte Mitwirkungspflicht umfasst aber auch die Verpflichtung des

Asylbewerbers, im Vorfeld einer geplanten Fingerabdrucknahme alle Verhal-

tensweisen zu unterlassen, die die Auswertbarkeit seiner Fingerabdrücke beeinträchtigen oder vereiteln könnten.

20Inhalt und Bedeutung der Mitwirkungspflicht des Ausländers bei der erkennungsdienstlichen Behandlung nach § 15 Abs. 2 Nr. 7 AsylVfG ergeben sich

aus dem Sinnzusammenhang der Regelung mit § 16 AsylVfG und den unionsrechtlichen Regelungen zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats nach

der Verordnung (EG) Nr. 343 des Rates vom 18. Februar 2003 (ABl EU L

Nr. 50 vom 25. Februar 2003 S. 1) - sog. Dublin-Verordnung - und der Verordnung vom 11. Dezember 2000 über die Einrichtung von „Eurodac“ für den Vergleich von Fingerabdrücken zum Zwecke der effektiven Anwendung des Dubliner Übereinkommens (Abl EG L 316/1) - Eurodac-Verordnung. Zu dulden sind

nach Art, Umfang und Zielsetzung die nach § 16 AsylVfG gebotenen erkennungsdienstlichen Maßnahmen, auch wenn der Asylbewerber selbst nicht unmittelbarer Adressat dieser Regelung ist. Auch § 16 AsylVfG wurde durch das

Gesetz zur Neuregelung des Asylverfahrens vom 26. Juni 1992 (BGBl I

S. 1126) in das Asylverfahrensgesetz eingefügt. Die Vorschrift regelt, welche

Mittel der Identitätsfeststellung zulässig sind, wer dafür zuständig ist, wer dabei

Amtshilfe leistet, in welchem Rahmen die erhobenen Daten verwendet, gespeichert und übermittelt werden dürfen und wann sie zu löschen sind. In § 16

Abs. 1 Satz 1 AsylVfG wird die Verpflichtung der zuständigen Behörde zur Sicherung der Identität eines um Asyl nachsuchenden Ausländers durch erkennungsdienstliche Maßnahmen begründet, sofern er das 14. Lebensjahr vollendet hat. Zur Identitätssicherung nach Satz 1 dürfen gemäß § 16 Abs. 1 Satz 2

AsylVfG nur Lichtbilder und Abdrücke aller zehn Finger aufgenommen werden.

Nach Satz 3 darf zur Bestimmung des Herkunftsstaats oder der Herkunftsregion

auch das gesprochene Wort des Ausländers auf Ton- oder Datenträger aufgezeichnet werden. Dabei ergibt sich aus den Gesetzesmaterialien das Ziel des

Gesetzgebers, durch eine generelle erkennungsdienstliche Behandlung der

Gefahr entgegen zu wirken, dass Asylsuchende gleichzeitig oder nacheinander

unter verschiedenen Namen und unter Verschweigen des anhängigen oder abgeschlossenen anderweitigen Asylverfahrens einen weiteren Asylantrag stellen

(BTDrucks 12/2062 S. 30).

21Außerdem dient § 16 AsylVfG der Erfüllung der unionsrechtlichen Verpflichtungen der Mitgliedstaaten aus der Eurodac-Verordnung (BTDrucks 14/7386 S. 59;

allgemein S. 36). Nach Art. 4 Abs. 1 der Eurodac-Verordnung ist die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, jedem Asylbewerber, der mindestens 14 Jahre

alt ist, unverzüglich die Fingerabdrücke aller Finger abzunehmen und der Eurodac-Zentraleinheit zu übermitteln. Die Zentraleinheit vergleicht sie nach Art. 4

Abs. 3 der Verordnung mit den von anderen Mitgliedstaaten übermittelten und

in der zentralen Datenbank bereits gespeicherten Daten, auf Wunsch auch mit

früher übermittelten Fingerabdruckdaten des gleichen Mitgliedsstaats (Art. 4

Abs. 4 Verordnung). Zweck des Eurodac-Systems ist es, die Anwendung des

Dubliner Übereinkommens über die Bestimmung des für die Prüfung zuständigen Mitgliedsstaats zu erleichtern (Art. 1 Abs. 1 der Eurodac-Verordnung). Um

den Verpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland aus der Eurodac-

Verordnung nachzukommen, muss das Bundesamt den Asylbewerbern

Fingerabdrücke in einer Qualität abnehmen, die einen Datenabgleich innerhalb

des Eurodac-Systems ermöglicht.

22Dient § 16 AsylVfG jedenfalls auch der Erfüllung der Verpflichtungen aus der

Eurodac-Verordnung und verpflichtet § 15 Abs. 2 Nr. 7 AsylVfG den Ausländer,

die in § 16 AsylVfG inhaltlich näher bestimmten erkennungsdienstlichen Maßnahmen zu dulden, ergibt sich daraus für die Abnahme von Fingerabdrücken

Folgendes: § 15 Abs. 2 Nr. 7 AsylVfG ist nur als Duldungspflicht formuliert. Diese soll der Behörde aber erkennungsdienstliche Maßnahmen im Sinne von § 16

Abs. 1 AsylVfG ermöglichen, die zur Auswertung im Eurodac-System geeignet

sind. Den Asylsuchenden trifft mit der ihm obliegenden Pflicht zur Duldung dieser erkennungsdienstlichen Maßnahmen zwar nicht die Garantieverpflichtung

zu gewährleisten, dass die von ihm abgegebenen Fingerabdrücke im Rahmen

des Eurodac-Systems auswertbar sind. Er ist nach § 15 Abs. 2 Nr. 7 i.V.m. § 16

Abs. 1 AsylVfG aber verpflichtet, alle Maßnahmen zu unterlassen, die eine

Identitätsfeststellung auf Grundlage der gesetzlichen Vorschriften - einschließlich der Eurodac-Überprüfung - erschweren oder vereiteln (ähnlich Funke-

Kaiser in: GK-AsylVfG, § 33, Stand: Mai 2011, Rn. 21.3). Dieser Inhalt der gesetzlichen Verpflichtung des Asylbewerbers ergibt sich hinreichend klar aus einer an Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung orientierten Auslegung, ohne

dass es hierfür - wie das Berufungsgericht meint - einer gesetzlichen Neuregelung oder Klarstellung bedarf.

23Die dem Asylbewerber nach § 15 Abs. 2 Nr. 7 AsylVfG auferlegte Pflicht zur

Duldung der Abnahme seiner Fingerabdrücke und Unterlassung aller Maßnahmen, die eine Verwertbarkeit der Fingerabdrücke zum Zwecke der Identitätsfeststellung erschweren oder vereiteln, ist mit Art. 11 der Richtlinie 2005/85/EG

vom 1. Dezember 2005 (Asylverfahrensrichtlinie) vereinbar. Diese Fassung der

Verfahrensrichtlinie findet nach der Übergangsregelung in Art. 52 der Richtlinie

2013/32/EU vom 26. Juni 2013 im vorliegenden Verfahren weiterhin Anwendung. Nach Art. 11 Abs. 1 der Richtlinie 2005/85/EG können die Mitgliedstaaten

die Asylbewerber verpflichten, mit den zuständigen Behörden zusammenzuarbeiten, sofern diese Verpflichtung für die Bearbeitung des Antrags erforderlich

ist. Der Katalog der Pflichten in Art. 11 Abs. 2 der Richtlinie, die Asylbewerbern

auferlegt werden dürfen, enthält die Verpflichtung zur Duldung der Abnahme

von Fingerabdrücken zwar nicht. Das ist aber auch nicht erforderlich, da es sich

nur um Regelbeispiele handelt („insbesondere“). Die Auferlegung einer Pflicht

zur Mitwirkung bei der Abnahme von Fingerabdrücken ist jedoch durch die Generalklausel des Art. 11 Abs. 1 der Richtlinie gedeckt, wonach die Asylbewerber

von den Mitgliedstaaten zu den Mitwirkungshandlungen verpflichtet werden

können, die für die Bearbeitung des Asylantrags erforderlich sind. Denn die Abnahme von Fingerabdrücken, die für einen Datenabgleich im Eurodac-System

geeignet sind, gehört zu den für die Antragsbearbeitung erforderlichen Pflichten. Dies unterstreicht auch Art. 23 Abs. 4 Buchst. n der Richtlinie, der eine

Verpflichtung der Antragsteller zur Abnahme ihrer Fingerabdrücke als nach gemeinschaftsrechtlichen oder nationalen Rechtsvorschriften zumindest möglich

voraussetzt. Auch aus der Pflicht der Mitgliedstaaten zur Fingerabdrucknahme

nach der Eurodac-Verordnung ergibt sich, dass die Mitgliedstaaten insoweit die

Antragsteller zur Duldung der Fingerabdrucknahme verpflichten dürfen.

24Eine weitergehende Pflicht zur Abgabe auch auswertbarer Fingerabdrücke

kann auch nicht aus § 15 Abs. 1 AsylVfG hergeleitet werden. Die in Absatz 2

der Vorschrift speziell geregelten Pflichten sind zwar nicht abschließend („insbesondere“). Auch soweit Pflichten in Bezug auf erkennungsdienstliche Be-

handlungen nicht abschließend in § 15 Abs. 2 Nr. 7 AsylVfG normiert sein sollten, verlangte eine Einstandspflicht für die Auswertbarkeit abgenommener Fingerabdrücke dem Asylbewerber mehr ab, als dieser zumutbar zu leisten vermag; dies bürdete dem Asylbewerber nicht zuletzt auch das Risiko einer ihm

nicht zurechenbaren Nichtauswertbarkeit auf.

254. Mit dem Instrument der Betreibensaufforderung darf auf die Verletzung der

Pflicht zur Mitwirkung an der Identitätsklärung reagiert werden. Dies schließen

weder die nationalen noch die unionsrechtlichen Vorschriften über die Behandlung von Asylanträgen aus.

26§ 30 Abs. 3 Nr. 2 AsylVfG, nach dem ein unbegründeter Asylantrag als offensichtlich unbegründet abzulehnen ist, wenn der Asylbewerber über seine Identität täuscht oder diese Angaben verweigert, bildet keine abschließende Regelung. § 30 Abs. 3 Nr. 2 AsylVfG setzt einen als unbegründet abzulehnenden

Asylantrag und damit die Befugnis des Bundesamts für die Sachprüfung des

Antrages voraus. Er tritt selbständig neben die Möglichkeit, zur Prüfung dieser

Befugnis einen Asylbewerber nach § 33 AsylVfG durch entsprechende Aufforderung zum Betreiben des Verfahrens durch Mitwirkung an der Identitätsfeststellung anzuhalten und im Falle des Nichtbetreibens das Verfahren ohne

Sachprüfung einzustellen. Der vorliegende Fall gibt dabei keinen Anlass, das

Verhältnis beider Regelungen näher zu bestimmen. Jedenfalls in der hier vorliegenden Fallkonstellation kommt ein Vorgehen nach §§ 32, 33 Abs. 1 AsylVfG

(Betreibensaufforderung und ggf. die Verfahrenseinstellung) dem gesetzgeberischen Ziel näher, Mehrfachanerkennungen und einander widersprechende

Sachentscheidungen über Asylanträge innerhalb der EU zu vermeiden. Denn

ohne die Möglichkeit der Verfahrenseinstellung nach §§ 32, 33 AsylVfG im Fall

der unzureichenden Mitwirkung bei der Identitätsfeststellung müsste das Bundesamt eine Sachentscheidung über die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft treffen, obwohl ihm dies nach § 60 Abs. 1 Satz 6 i.V.m. Satz 2 AufenthG

verwehrt ist, wenn dem Betroffenen die Rechtsstellung eines Konventionsflüchtlings bereits außerhalb der Bundesrepublik Deutschland zuerkannt worden ist.

Demgegenüber gewährleistet die Möglichkeit der Verfahrenseinstellung nach

§§ 32, 33 Abs. 1 AsylVfG, dass über seinen Antrag nicht inhaltlich entschieden

wird, wenn der Asylbewerber in zurechenbarer Weise die Klärung seiner Identität verhindert.

27Auch das Unionsrecht lässt für Fälle der vorliegenden Art Raum für eine Betreibensaufforderung nach § 33 AsylVfG. Art. 20 Abs. 1 der Richtlinie 2005/85/EG

(Asylverfahrensrichtlinie) eröffnet ausdrücklich sowohl die Einstellung des Verfahrens als auch die Ablehnung des Asylantrags als alternative Reaktionen im

Falle des Nichtbetreibens des Verfahrens durch den Asylbewerber. Zwar ermöglicht Art. 28 Abs. 2 i.V.m. Art. 23 Abs. 4 Buchst. n der Asylverfahrensrichtlinie den Mitgliedstaaten auch die Ablehnung des Asylantrags als offensichtlich

unbegründet, wenn der Antragsteller sich weigert, der Verpflichtung zur Abnahme seiner Fingerabdrücke gemäß den einschlägigen Rechtsvorschriften

nachzukommen. Hiermit wird jedoch nur eine von mehreren Möglichkeiten eröffnet, wie die Mitgliedstaaten auf die Verletzung der Mitwirkungspflicht reagieren können. Dass insoweit keine abschließende Regelung getroffen wurde, ergibt sich schon daraus, dass Art. 23 Abs. 4 der Asylverfahrensrichtlinie auf die

Grundprinzipien nach Kapitel II der Richtlinie verweist, wozu die Möglichkeit der

Einstellung der Antragsprüfung nach Art. 20 Abs. 1 der Richtlinie im Fall der

Nichtbetreibung des Verfahrens zählt. Wollte man dem nicht folgen, müsste

auch bei ungeklärter Identität des Asylbewerbers stets eine Sachentscheidung

ergehen. Dies würde aber dem unionsrechtlichen Ziel der Bestimmung eines -

und nur eines - zuständigen Mitgliedstaats für die Asylentscheidung durch Art. 3

Abs. 1 Satz 2 der Dublin-Verordnung widersprechen.

28Das Urteil des französischen Cour Nationale du Droit d' Asile vom 21. Februar

2012 (No. 11032252) besagt nichts anderes. Danach widerspricht es französischem Recht, den Asylantrag eines Ausländers wegen fehlender Ausweisdokumente und nicht verwertbarer Fingerabdrücke abzulehnen, ohne sich mit den

individuellen Gegebenheiten des Schutzgesuchs auseinanderzusetzen. Die

Begründung der Entscheidung bezieht sich nämlich nicht auf Unionsrecht, sondern ausschließlich auf die in Frankreich geltenden nationalen Rechtsvorschriften, in denen eine Verfahrenseinstellung entsprechend den §§ 32, 33 AsylVfG

gerade nicht vorgesehen ist.

295. Berechtigte Zweifel am Bestehen eines Sachentscheidungsinteresses ergeben sich allerdings nicht allein aus der Unverwertbarkeit der einem Schutzsuchenden abgenommenen Fingerabdrücke. Denn die Unverwertbarkeit von Fingerabdrücken ist nicht zwangsläufig auf eine zielgerichtete Manipulation zurückzuführen. Sie kann ihre Ursache beispielsweise auch in einer genetischen

Disposition oder Erkrankung des Betroffenen haben (zur Seltenheit eines angeborenen Fehlens von Papillarleisten vgl. Bettina Burger u.a., Das „Immigrationsverzögerungs-Leiden“ in: HAUT 2011 S. 25 f.) oder auf die Folgen einer

Chemotherapie zurückzuführen sein. Außerdem kann sie auf einer fehlerhaften

Abnahme und/oder Auswertung der Fingerabdrücke durch die Behörde beruhen. Auch eine untypische Häufung von Qualitätsmängeln bei bestimmten Herkunftsländern stellt für sich genommen keinen hinreichenden Anlass dar. Anders verhält es sich jedoch, wenn über die bloße Unverwertbarkeit der

Fingerabdrücke hinaus bei der Abnahme konkrete Anhaltspunkte für eine Manipulation der Fingerkuppen bestehen, etwa wenn die Fingerkuppen sichtbare

Anomalien aufweisen (z.B. Abschürfungen, Vernarbungen, Schleifspuren, Fehlen von oder auffallend geringe Höhe der Papillarleisten) und der Betroffene

diese nicht schlüssig erklären kann. Gleiches gilt bei mehrfacher Unverwertbarkeit der Fingerabdrücke mit unterschiedlichen Fehlstellen. In diesen Fällen besteht der Verdacht, dass der Asylsuchende die Verwertbarkeit seiner

Fingerabdrücke durch eigenes Tun vereitelt hat, um so seine wahre Identität zu

verschleiern. Ein derartiges Verhalten ist geeignet, Zweifel an der Ernsthaftigkeit seines Asylbegehrens zu begründen. Das Bundesamt ist gut beraten, wenn

es dann die Indizien, die auf eine Manipulation hindeuten, und die Einlassung

des Betroffenen hinreichend dokumentiert, um im Streitfall das Bestehen berechtigter Zweifel am Vorliegen eines Sachentscheidungsinteresses nachweisen zu können.

30Liegt ein hinreichender Anlass für den Erlass einer Betreibensaufforderung vor,

muss diese folgenden Maßgaben genügen: Eine besondere Form ist für die

Betreibensaufforderung nicht vorgeschrieben. Als verfahrensleitende Verfügung

braucht sie in Ermangelung einer entsprechenden Regelung nicht förmlich zugestellt zu werden, wie in § 31 Abs. 1 AsylVfG für Entscheidungen über Asylanträge vorgeschrieben (vgl. Urteil vom 7. März 1995 - BVerwG 9 C 264.94 -

Buchholz 402.25 § 33 AsylVfG Nr. 12 S. 6). Wegen der mit ihrem Zugang in

Lauf gesetzten Monatsfrist bedarf es aber eines Nachweises, dass und zu welchem Zeitpunkt die Aufforderung dem Betroffenen tatsächlich zugegangen ist.

Außerdem bestehen wegen der einschneidenden Folgen der gesetzlichen

Rücknahmefiktion besondere Anforderungen hinsichtlich der inhaltlichen Bestimmtheit einer Betreibensaufforderung. Sowohl der die Betreibensaufforderung auslösende Anlass als auch das von dem Schutzsuchenden erwartete

Verhalten sind in der Aufforderung so weit zu individualisieren und zu konkretisieren, dass dieser hinreichend deutlich erkennen kann, warum das Bestehen

eines Sachentscheidungsinteresses angezweifelt wird. Schließlich muss klar

erkennbar sein, welche konkreten Mitwirkungshandlungen von dem Betroffenen

binnen Monatsfrist verlangt werden, um so den Eintritt der gesetzlichen Rücknahmefiktion nach Ablauf eines Monats zu verhindern. Dabei gehen etwaige

Unklarheiten hinsichtlich Art und Umfang des vom Ausländer zur Vermeidung

der Rücknahmefiktion konkret erwarteten Verhaltens zu Lasten der Behörde.

31Außerdem ist der Schutzsuchende über die gesetzlich eintretende Rücknahmefiktion zu belehren 33 Abs. 1 Satz 2 AsylVfG). Dazu gehört, dass er zutreffend und unmissverständlich auf die Monatsfrist des § 33 AsylVfG hingewiesen

wird, innerhalb derer er die geforderte Mitwirkung erbringen muss und nach deren Ablauf der Antrag als zurückgenommen gilt, wenn er der Aufforderung nicht

nachkommt (Beschluss vom 1. März 2002 - BVerwG 1 B 403.01 - Buchholz

402.25 § 81 AsylVfG Nr. 1). Des Weiteren gebietet der Grundsatz des fairen

Verfahrens (vgl. BVerfG, Beschluss vom 10. März 1994 - 2 BvR 2371/93 -

DVBl 1994, 631), den Asylbewerber darüber zu belehren, dass das Bundesamt

im Fall der Beendigung des Verfahrens ohne weitere Anhörung nach Aktenlage

über etwaige Abschiebungsverbote entscheidet 32 AsylVfG). Eines darüber

hinausgehenden Hinweises auf den mit einer Einstellungsverfügung im Fall der

negativen Entscheidung über Abschiebungsverbote regelmäßig verbundenen

Erlass einer Abschiebungsandrohung gemäß § 34 AsylVfG bedarf es jedoch

- entgegen der Auffassung des Klägers - nicht. Denn selbst für einen anwaltlich

nicht vertretenen Asylbewerber ist erkennbar, dass die Einstellung seines Asylverfahrens wegen Verletzung einer ihm obliegenden Mitwirkungspflicht bei

gleichzeitiger negativer Entscheidung über Abschiebungsverbote die Einleitung

aufenthaltsbeendender Maßnahmen zur Folge haben wird. Schließlich muss

das Bundesamt den Asylbewerber über den Inhalt der ergangenen Aufforderung und die erforderliche Belehrung über die Monatsfrist und die Folgen ihrer

Versäumung - jedenfalls in Fällen, in denen er anwaltlich nicht vertreten ist und

die Betreibensaufforderung ihm unmittelbar zugeht - in einer für ihn verständlichen Sprache unterrichten, etwa durch Übersetzung der Betreibensaufforderung (vgl. § 24 Abs. 1 Satz 2 AsylVfG).

32Inhaltlich muss eine Betreibensaufforderung auf die Erfüllung einer gesetzlich

begründeten Mitwirkungspflicht gerichtet sein. Weiter muss die geforderte

Handlung zur weiteren Durchführung des Asylverfahrens erforderlich und dem

Schutzsuchenden tatsächlich möglich und zumutbar sein. Wird vom Asylbewerber eine Mitwirkung bei der Abnahme von Fingerabdrücken verlangt, darf die

Betreibensaufforderung - wie sich aus oben näher dargelegten Gründen ergibt

(Rn. 22, 24) - nur auf die gesetzesunmittelbar bestehende Pflicht hinweisen, im

Vorfeld alle Verhaltensweisen zu unterlassen, die die Auswertbarkeit seiner

Fingerabdrücke beeinträchtigen oder vereiteln könnten. Auf einen Erfolg der

Auswertung der Fingerabdrücke darf sie hingegen nicht gerichtet sein.

33Auch darf vom Asylbewerber verlangt werden, schriftliche Angaben zu seinen

bisherigen Voraufenthalten und zu einer eventuell bereits erfolgten Asylantragstellung zu machen. Eine solche Mitwirkungspflicht ergibt sich aus § 15 Abs. 2

Nr. 1 AsylVfG, wonach der Ausländer verpflichtet ist, dem Bundesamt die erforderlichen Angaben mündlich und nach Aufforderung auch schriftlich zu machen.

Zu den erforderlichen Angaben zählen nach § 25 Abs. 1 Satz 2 AsylVfG (u.a.)

auch solche über Reisewege, Aufenthalte in anderen Staaten und dort eingeleitete oder durchgeführte Asylverfahren. Diese Angaben benötigt das Bundesamt, um seine Zuständigkeit im Rahmen der Dublin-Verordnung feststellen zu

können und um u.a. die Frage zu klären, ob der Ausländer bereits Schutz in

einem sicheren Drittstaat gefunden hat oder aus einem solchen Staat eingereist

ist (vgl. § 26a ff. AsylVfG).

346. Die Prüfung der Betreibensaufforderungen vom 23. August 2010 und 26. Oktober 2011 anhand der o.g. Vorgaben als Vorfrage für die Rechtmäßigkeit des

angefochtenen Einstellungsbescheids führt zu dem Ergebnis, dass das Berufungsurteil in mehrfacher Hinsicht auf der Verletzung von Bundesrecht beruht.

Der Senat vermag nicht selbst festzustellen, ob wegen Verdachts der Manipulation der Fingerkuppen des Klägers ein hinreichender Anlass für den Erlass der

Betreibensaufforderungen vorlag und der Kläger das Verfahren nicht betrieben

hat, weil er gegen seine Mitwirkungspflicht aus § 15 Abs. 2 Nr. 1 oder 7 AsylVfG

verstoßen hat.

356.1 Zutreffend ist das Berufungsgericht allerdings davon ausgegangen, dass die

dem Kläger in der Betreibensaufforderung vom 23. August 2010 auferlegte

Verpflichtung, sich „auswertbare Fingerabdrücke“ abnehmen zu lassen, rechtswidrig und unwirksam ist. Wie oben bereits ausgeführt (Rn. 24), lässt sich aus

§ 15 Abs. 2 Nr. 7 AsylVfG keine Garantieverpflichtung für die Auswertbarkeit

der Fingerabdrücke ableiten.

366.2 Das Berufungsurteil verletzt jedoch Bundesrecht, da es die in der Betreibensaufforderung vom 23. August 2010 enthaltene, erkennbar selbständige

Verpflichtung zur schriftlichen Darlegung des Reisewegs und der Stellung von

Asylanträgen mangels Anhörung durch das Bundesamt als unwirksam erachtet

hat (UA Rn. 30). Die Verpflichtung beruht auf § 15 Abs. 2 Nr. 1 AsylVfG und ist

inhaltlich nicht zu beanstanden (s.o. Rn. 33). Die Angaben waren zur weiteren

Durchführung des Asylverfahrens erforderlich, und es sind keine Anhaltspunkte

dafür ersichtlich, warum sie dem Kläger nicht möglich und zumutbar gewesen

sein sollten. Die Aufforderung enthält auch den Hinweis auf die Rechtsfolge

eines Nichtbetreibens des Verfahrens gemäß § 33 Abs. 1 Satz 2 AsylVfG, dass

der Antrag als zurückgenommen gilt. Darüber hinaus weist sie darauf hin, dass

in diesem Fall über das Vorliegen von Abschiebungsverboten nach § 60 Abs. 2

bis 5 oder Abs. 7 AufenthG ohne persönliche Anhörung nach Aktenlage zu entscheiden ist. Die Betreibensaufforderung wurde für den Kläger übersetzt 24

Abs. 1 Satz 2 AsylVfG), und dieser hat den Empfang des Schreibens am

23. August 2010 mit seiner Unterschrift bestätigt. Er hat dieser Aufforderung jedoch keine Folge geleistet.

37Das würde aber nur dann die gesetzliche Fiktion der Rücknahme des Asylantrags gemäß § 33 Abs. 1 Satz 1 AsylVfG auslösen, wenn bei der erkennungsdienstlichen Behandlung am 23. August 2010 für das Bundesamt tatsächlich ein

hinreichender Anlass für ein Vorgehen gemäß § 33 AsylVfG bestand. Dieser

wäre gegeben, wenn die Fingerkuppen des Klägers zu diesem Zeitpunkt tatsächlich Manipulationsspuren in Gestalt von Verletzungen der Haut sowie

schlechter Erkennbarkeit und Beschädigung der Papillarlinien aufgewiesen hätten und der Kläger dies nicht schlüssig zu erklären vermochte, wie das der mit

der Abnahme der Fingerabdrücke betraute Mitarbeiter des Bundesamts in einem Vermerk vom gleichen Tag festgehalten hat (BA-Akte Bl. 18). Da der Verwaltungsgerichtshof hierzu -von seinem Rechtsstandpunkt aus konsequent -

keine tatsächlichen Feststellungen getroffen hat, nötigt das zur Aufhebung des

Berufungsurteils und Zurückverweisung der Sache an das Berufungsgericht

144 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 VwGO).

386.3 Das Berufungsgericht hat zudem § 77 Abs. 1 Satz 1 AsylVfG verletzt, weil

es die Betreibensaufforderung vom 26. Oktober 2011 bei der Beurteilung der

Rechtmäßigkeit des angefochtenen Einstellungsbescheids nicht berücksichtigt

hat. Denn für die Überprüfung des Bescheids kommt es maßgeblich darauf an,

ob die Voraussetzungen der §§ 32, 33 AsylVfG im Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht vorlagen. Das ergibt sich aus § 77

Abs. 1 Satz 1 Halbs. 1 AsylVfG, wonach das Gericht in Streitigkeiten nach diesem Gesetz auf die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der letzten mündlichen

Verhandlung abstellt. Das hat zur Folge, dass für die Beurteilung der Rechtmäßigkeit des angegriffenen Einstellungsbescheids vom 27. Oktober 2010 nicht

nur die Betreibensaufforderung vom 23. August 2010, sondern auch die erst

nach Bescheidserlass ergangene Betreibensaufforderung vom 26. Oktober

2011 zu berücksichtigen ist. Selbst wenn die erste Betreibensaufforderung zu

Unrecht ergangen und der daraufhin ergangene Einstellungsbescheid des Bundesamts ursprünglich rechtswidrig gewesen sein sollte, könnte er durch die

Nichterfüllung der in der Betreibensaufforderung vom 26. Oktober 2011 geforderten Mitwirkungspflicht nachträglich rechtmäßig geworden sein. Das Verfahren wäre dann nach Ablauf eines Monats seit Zugang der zweiten Betreibensaufforderung am 28. Oktober 2011 eingestellt.

39Die Betreibensaufforderung vom 26. Oktober 2011 entspricht - vorbehaltlich des

noch aufzuklärenden berechtigten Anlasses - den gesetzlichen Anforderungen.

Sie bezeichnet die vom Kläger erwartete Mitwirkungshandlung - das Erscheinen

in der Außenstelle des Bundesamts zum Zwecke der erneuten Abnahme von

Fingerabdrücken - hinreichend konkret. Auch wird erneut darüber belehrt, dass

der Asylantrag als zurückgenommen gilt, wenn der Kläger das Verfahren trotz

Aufforderung länger als einen Monat nicht betreibt. Der Klarheit der Belehrung

über die Monatsfrist steht nicht entgegen, dass dem Kläger in der Betreibensaufforderung zugleich eine Ladung zu einem Termin zur Abnahme der Fingerabdrücke angekündigt wird. Zum einen lag der mit gesonderten Schreiben anberaumte Termin (24. November 2011) innerhalb der Monatsfrist. Zum anderen

entsteht durch den Hinweis auf die Terminsladung keine Unklarheit hinsichtlich

der geltenden Monatsfrist. Denn für den Empfänger wurde nicht der Eindruck

erweckt, dass der Termin die gesetzliche Monatsfrist für das Betreiben des Verfahrens verkürzt. Entgegen der Rechtsauffassung des Klägers brauchte die Betreibensaufforderung nicht erneut übersetzt zu werden, da sie an seine Verfahrensbevollmächtigten gerichtet war. Dadurch wurden die Grundsätze des fairen

Verfahrens schon deshalb nicht verletzt, weil der Kläger auf die Monatsfrist und

die Folgen eines Nichtbetreibens bereits am 23. August 2010 in einer für ihn

verständlichen Sprache hingewiesen worden war. Weitergehende Übersetzungspflichten ergeben sich auch nicht aus Art. 10 Abs. 1 der Richtlinie

2005/85/EG. Eines nochmaligen Hinweises auf die mit einer Verfahrenseinstellung einhergehende Entscheidung über Abschiebungsverbote nach § 60 Abs. 2

bis 5 oder 7 AufenthG bedurfte es schon deshalb nicht, weil bei Erlass der zweiten Betreibensaufforderung insoweit bereits eine negative Entscheidung vorlag.

40Materiell war die Betreibensaufforderung vom 26. Oktober 2011 auf eine Mitwirkungshandlung gerichtet, die im Gesetz eine Stütze findet 15 Abs. 2 Nr. 7

AsylVfG). Denn durch sie wurde der Kläger neben der Pflicht zur Duldung der

Abnahme von Fingerabdrücken lediglich darauf hingewiesen, im Vorfeld der

geplanten Fingerabdrucknahme alle Verhaltensweisen zu unterlassen, die die

Auswertbarkeit seiner Fingerabdrücke beeinträchtigen oder vereiteln könnten.

Die Erfüllung dieser von der Kernmitwirkungspflicht umfassten, gesetzesun-

mittelbaren Unterlassungspflicht war zur weiteren Durchführung des Asylverfahrens erforderlich, und es sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, warum sie dem

Kläger nicht möglich und zumutbar sein sollte.

41Auch insoweit fehlen jedoch tatsächliche Feststellungen des Berufungsgerichts

dazu, ob für diese Betreibensaufforderung ein hinreichender Anlass bestand.

Sollte sich der Manipulationsverdacht des Bundesamts vom 23. August 2010

bestätigen, wäre auch der Erlass der Betreibensaufforderung vom 26. Oktober

2011 gerechtfertigt. Denn auch die - nach Angaben des Bundesamts am

8. September 2010 erfolgte - weitere Abnahme von Fingerabdrücken führte

nach Aktenlage nicht zu einem auswertbaren Ergebnis.

427. Der Verwaltungsgerichtshof wird nunmehr aufzuklären haben, ob ein hinreichender Anlass zum Erlass der beiden Betreibensaufforderungen bestand. Dabei wird er insbesondere aufklären müssen, ob bei der Abnahme der

Fingerabdrücke am 23. August 2010 tatsächlich die in dem Vermerk vom gleichen Tag dokumentierten Anhaltspunkte für eine Manipulation der Fingerkuppen vorlagen und der Kläger hierfür keine nachvollziehbaren Gründe angegeben hat. Einer hautärztlichen Untersuchung bedarf es für die Annahme eines

hinreichenden Anlasses für den Erlass einer Betreibensaufforderung in derartigen Fällen grundsätzlich nicht. Etwas anderes gilt nur dann, wenn der Asylbewerber nachvollziehbare Gründe für eine Beschädigung seiner Fingerkuppen,

deren besondere Glätte oder eine besonders geringe Ausprägung der Papillarleisten vorträgt. Dabei ist auch der Regenerationszeitraum der Hautzellen zu

berücksichtigen, der nach den dem Revisionsgericht vorliegenden (allgemein

zugänglichen) Quellen in der Regel vier Wochen beträgt (vgl. Moll, Dermatologie, 7. Aufl. 2010, S. 6 oben - „Turn-over-Zeit“ von zweimal zwei Wochen). Bestätigt sich der Manipulationsverdacht, liegen die Voraussetzungen einer rechtmäßigen Betreibensaufforderung zur schriftlichen Darlegung der Voraufenthalte

und eventuellen Stellung von Asylanträgen vor. Da der Kläger keine entsprechenden Angaben gemacht hat, wäre das Asylverfahren dann bereits mit Ablauf

eines Monats nach Zugang der Betreibensaufforderung vom 23. August 2010

eingestellt. Sollte das Berufungsgericht zu dem Ergebnis kommen, dass vor

Erlass der ersten Betreibensaufforderung kein hinreichender Anlass bestand,

wird es weiter zu prüfen haben, ob zumindest die zweite Betreibensaufforderung zu einer Einstellung des Verfahrens geführt hat. Das würde voraussetzen,

dass für den Erlass dieser Betreibensaufforderung ein hinreichender Anlass

bestand und der Kläger zur vollen Überzeugung des Gerichts das Verfahren

infolge Manipulation seiner Fingerkuppen nicht betrieben hat. Für den Fall, dass

die Klage im Hauptantrag keinen Erfolg hat, wird es schließlich auch über den

Hilfsantrag des Klägers auf Feststellung von Abschiebungsverboten zu entscheiden haben.

438. Die Kostenentscheidung bleibt der Schlussentscheidung vorbehalten. Gerichtskosten werden gemäß § 83b AsylVfG nicht erhoben. Der Gegenstandswert ergibt sich aus § 30 RVG.

Prof. Dr. Berlit Prof. Dr. Dörig Prof. Dr. Kraft

Fricke Dr. Maidowski

Sachgebiet: BVerwGE: ja

Asylrecht Fachpresse: ja

Rechtsquellen:

AufenthG § 60 Abs. 2 bis 7 AsylVfG § 15 Abs. 1 und 2 Nr. 1 und 7; §§ 16, 24 Abs. 1; §§ 26a, 30 Abs. 3 Nr. 2; § 31 Abs. 1; §§ 32, 33 Abs. 1; § 34; § 77 Abs. 1; § 81 Richtlinie 2005/85/EG Art. 10 Abs. 1, Art. 11 Abs. 1, Art. 20 Abs. 1; Art. 23 Abs. 4, Art. 28 Abs. 2 Verordnung Eurodac Art. 4 VwGO § 137 Abs. 1; § 144 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2

Stichworte:

Abnahme von Fingerabdrücken; Anfechtungsklage; Angaben zum Reiseweg; Anlass für Betreibensaufforderung; Auswertbarkeit; Belehrung; Betreiben des Verfahrens; Betreibensaufforderung; Dublin-Verfahren; Duldung; Einstellung des Asylverfahrens; erkennungsdienstliche Behandlung; Eurodac; Manipulation; Monatsfrist; maßgeblicher Zeitpunkt; Mitwirkungspflichten; offensichtlich unbegründet; Papillarlinien; Regeneration der Hautzellen; Sachentscheidung; schriftliche Angaben; Übersetzung.

Leitsätze:

1. Die in § 15 Abs. 2 Nr. 7 AsylVfG normierte Pflicht des Asylbewerbers zur Duldung erkennungsdienstlicher Maßnahmen umfasst die Verpflichtung, im Vorfeld einer geplanten Fingerabdrucknahme alle Verhaltensweisen zu unterlassen, die eine Auswertbarkeit seiner Fingerabdrücke beeinträchtigen können. Eine Garantieverpflichtung für die Auswertbarkeit der Fingerabdrücke durch das Bundesamt ergibt sich aus § 15 AsylVfG hingegen nicht.

2. Eine Manipulation der Fingerkuppen, die die Abnahme auswertbarer Fingerabdrücke beeinträchtigt, kann zur Einstellung des Asylverfahrens nach §§ 32, 33 Abs. 1 AsylVfG führen.

Urteil des 10. Senats vom 5. September 2013 - BVerwG 10 C 1.13

I. VG Regensburg vom 13.12.2011 - Az.: VG RN 7 K 10.30552 - II. VGH München vom 14.01.2013 - Az.: VGH 20 B 12.30300 -

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