Urteil des BPatG vom 27.11.2003, 28 W (pat) 30/04

Entschieden
27.11.2003
Schlagworte
Marke, Unterscheidungskraft, Beschreibende angabe, Verkehr, Bestandteil, Verbraucher, Datenträger, Eugh, Anpreisung, Zubehör
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BUNDESPATENTGERICHT

28 W (pat) 30/04

_______________________

(Aktenzeichen)

BESCHLUSS

In der Beschwerdesache

betreffend die Markenanmeldung 302 34 259.1/07

hat der 28. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der

Sitzung vom 9. August 2006 unter Mitwirkung

BPatG 152

08.05

beschlossen:

1. Auf die Beschwerde wird der Beschluss des Deutschen Patentund Markenamtes Markenstelle für Klasse 7 vom 27. November 2003 insoweit aufgehoben, als die Anmeldung für die Waren

"Heizungsgeräte" zurückgewiesen worden ist.

2. Im Übrigen wird die Beschwerde zurückgewiesen.

Gründe

I.

Angemeldet ist die Wortfolge

fry&more

ursprünglich als Kennzeichnung für zahlreiche Waren der Klassen 7, 9 und 11.

Die Markenstelle für Klasse 7 hat die Anmeldung mit Beschluss vom 27. November 2003 teilweise, nämlich für die Waren

"Fernbedienungs-, Signal- und Steuergeräte für Haushalts- und

Küchenmaschinen und -geräte; bespielte und unbespielte maschinenlesbare Datenträger für Haushaltsgeräte; Datenverarbeitungsgeräte und Datenverarbeitungsprogramme für die Steuerung und

Bedienung von Haushaltsgeräten;

Heizungs-, Dampferzeugungs- und Kochgeräte, insbesondere

Herde, Back-, Brat-, Grill-, Toast-, Auftau- und Warmhaltegeräte,

Tauchsieder, eigenbeheizte Kochtöpfe, Mikrowellengeräte"

wegen fehlender Unterscheidungskraft gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG zurückgewiesen. Die beanspruchte Wortfolge sei ein sprachüblich gebildeter Werbeslogan, der von einem beachtlichen Teil des Verkehrs in seiner Übersetzung "braten

und mehr" verstanden werde. Im Umfang der Zurückweisung diene der Slogan zur

Bezeichnung der Zweckbestimmung, der Funktion und des Gegenstandes der

fraglichen Waren bzw. ihrer Ausstattungsmerkmale. Aufgrund seiner häufigen Verwendung werde das Publikum den Bestandteil "& more" dabei nur als werbeüblichen Hinweis auf zusätzliche Merkmale der Waren auffassen und nicht als einen

interpretationsbedürftigen, mehrdeutigen Begriff ansehen. Der maßgebliche Verkehr werde die Marke daher nicht als betrieblichen Herkunftshinweis, sondern als

beschreibenden Hinweis auf die Funktion bzw. Zweckbestimmung der Waren verstehen. Ein mögliches Freihaltungsbedürfnis könne bei dieser Sachlage ungeprüft

bleiben.

Gegen diesen Beschluss hat die Anmelderin Beschwerde. Im Laufe des Beschwerdeverfahrens hat sie auf einen Teil der mit dem angefochtenen zurückgewiesenen Waren verzichtet, nämlich auf die Waren

"Küchenmaschinen, Dampferzeugungs- und Kochgeräte, insbesondere Herde, Back-, Brat-, Grill-, Toast-, Auftau- und Warmhaltegeräte, Tauchsieder, eigenbeheizte Kochtöpfe, Mikrowellengeräte".

Entsprechend diesen Beschränkungen stellt sie den Antrag,

den Beschluss des Deutschen Patent- und Markenamts vom

27. November 2003 insoweit aufzuheben, als damit die Anmeldung für die Waren

"Fernbedienungs-, Signal- und Steuergeräte für Haushaltsmaschinen- und -geräte; bespielte und unbespielte maschinenlesbare

Datenträger für Haushaltsgeräte; Datenverarbeitungsgeräte und

Datenverarbeitungsprogramme für die Steuerung und Bedienung

von Haushaltsgeräten; Heizungsgeräte"

zurückgewiesen wurde.

Die Anmelderin macht geltend, dass zwischen der angemeldeten Wortfolge und

den nunmehr noch beanspruchten Waren kein sachlicher Zusammenhang mehr

gegeben sei. Die Marke werde vom Verkehr daher nicht als beschreibende Angabe angesehen. Außerdem sei der Verkehr durchaus an eine kennzeichnungsmäßige Verwendung von vergleichbaren Wortzusammensetzungen mit dem Bestandteil "& more" aus einer Vielzahl von Firmenbezeichnungen gewöhnt. Auch die

Rechtsprechung habe vergleichbare Zusammensetzungen für eintragungsfähig

beurteilt. So sei etwa die Gemeinschaftsmarke "fry&more" der Anmelderin anstandslos eingetragen worden. Der angemeldeten Marke könne daher nicht die erforderliche Unterscheidungskraft abgesprochen werden. An ihr bestehe zudem

kein Freihaltungsbedürfnis. Sie sei bisher nie zur Beschreibung der fraglichen Waren verwendet worden, was im Übrigen auch gegen einzukünftiges Freihaltungsbedürfnis spreche, da die einzelnen Bestandteile der angemeldeten Marke dem

Verkehr seit langem bekannt seien.

II.

Die zulässige Beschwerde ist auch auf der Grundlage des eingeschränkten Warenverzeichnisses nur bezüglich der Waren "Heizungsgeräte" begründet. Im Übrigen bleibt sie ohne Erfolg.

1. Für die im Tenor genannten Heizungsgeräte ist die Marke nicht gemäß § 8

Abs. 2 Nr. 2 MarkenG von der Eintragung ausgeschlossen, da sie nicht aus Angaben, besteht, die im Verkehr zur Bezeichnung der Art, der Beschaffenheit, oder

sonstiger Merkmale der betreffenden Waren dienen können. Die beiden Wortbe-

standteile "fry" (Verb "braten", vgl. z. B. Internetwörterbuch LEO, English-German

Dictionary, http://dict.leo.org) und "more" ("mehr, weiter, weitere", vgl. nochmals

Internetwörterbuch LEO, English-German Dictionary, a. a. O.) sind dem inländischen Publikum zwar als Begriffe des englischen Grundwortschatzes in ihrem entsprechenden deutschsprachigen Bedeutungsgehalt geläufig. Dem Begriffsinhalt "braten und mehr" kann aber im Zusammenhang mit Heizungsgeräten keine

produktbeschreibende Aussage zugeordnet werden.

Hinsichtlich dieser Waren kann der angemeldeten Marke auch nicht jegliche Unterscheidungskraft gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG abgesprochen werden. Unterscheidungskraft i. S. v. von § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG ist die einer Marke innewohnende, konkrete Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungsmittel für die von

der Marke erfassten Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens gegenüber solchen anderer Unternehmen aufgefasst zu werden (st. Rspr. BGH,

GRUR 2003, 1050 Cityservice). Ob eine Marke diese Herkunftsfunktion erfüllen

kann, ist zum einen im Hinblick auf die Waren, für die sie angemeldet worden ist,

und zum anderen im Hinblick auf die Anschauung der beteiligten Verkehrskreise

zu beurteilen. Dabei ist der markenrechtlichen Prüfung die mutmaßliche Wahrnehmung eines durchschnittlich informierten, aufmerksamen und verständigen Durchschnittsverbrauchers der fraglichen Waren zugrunde zu legen (vgl. EuGH

GRUR 2003, 514, Rz. 41 - Linde, Winward u. Rado). Keine Unterscheidungskraft

besitzt eine Marke demnach dann, wenn ihr die angesprochenen Verkehrskreise

für die fraglichen Waren oder Dienstleistungen lediglich einen im Vordergrund stehenden beschreibenden Begriffsinhalt zuordnen oder es sich um ein gebräuchliches Wort der deutschen oder einer bekannten Fremdsprache handelt, das vom

Verkehr nur als solches und nicht als betriebskennzeichnendes Unterscheidungsmittel verstanden wird (vgl. BGH GRUR 2003, 1050 - "Cityservice").

Wie bereits dargelegt, beinhaltet die angemeldete Marke im Hinblick auf die im Tenor genannten Waren keinen beschreibenden Bedeutungsgehalt. Dass es sich bei

der Wortfolge "fry &more" um eine übliche Bezeichnung handeln könnte, die vom

Verkehr nur als solche und nicht als betriebskennzeichnendes Unterscheidungsmittel verstanden wird, hat weder die Markenstelle belegt, noch hat der Senat dies

feststellen können. Unter Berücksichtigung des Eintragungsanspruchs der Anmelderin gemäß § 33 Abs. 2 MarkenG war der angefochtene Beschluss daher insoweit aufzuheben, als darin die Anmeldung für die Waren "Heizungsgeräte" zurückgewiesen wurde.

2. Anders ist jedoch die Unterscheidungskraft der angemeldeten Marke hinsichtlich der weiteren beschwerdegegenständlichen Waren zu beurteilen.

Zutreffend hat die Markenstelle ausgeführt, dass es sich bei der angemeldeten

Marke "fry&more" um eine sprachüblich gebildete, sloganartige Wortfolge handelt,

die für das inländische Publikum ohne weiteres Nachdenken in ihrem Bedeutungsgehalt "braten und mehr" verständlich ist. Auch bei fremdsprachigen Wörtern darf

die Verständnisfähigkeit des inländischen Durchschnittsverbrauchers nicht zu gering veranschlagt werden (vgl. Ströbele in Ströbele/Hacker, MarkenG, 8. Aufl., § 8

Rdn. 253). Die Floskel "& more" wird in der inländischen Werbesprache seit langem verwendet und begegnet dem Publikum auf den unterschiedlichsten Warenund Dienstleistungsbereichen. Mit ihr wird in werbeüblicher Weise auf ein breites

Leistungsspektrum bzw. auf zusätzliche Eigenschaften oder Funktionen der fraglichen Waren hingewiesen, die im Zusammenhang mit dem jeweils vorangestellten

Sachbegriff stehen. Mit dem Hinweis "& more" oder den weiteren Abwandlungen "and more" oder "und mehr" soll dabei ein möglichst breit gefasster Bereich

produktbezogener Merkmale umfasst werden, ohne diese im Einzelnen - und damit in einer für die beteiligten Verkehrskreise unübersichtlicheren Weise - benennen zu müssen.

Der im vorliegenden Fall einschlägige Produktbereich ist der Warensektor für

Hausgeräte -und maschinen sowie Zubehör, was im Übrigen bereits die von der

Anmelderin gewählte Formulierung "für Haushaltsmaschinen- und -gerät" bzw. "für

Haushaltsgeräte" veranschaulicht. Auf diesem Warensektor sind die beteiligten

Verkehrskreise an ständig fortschreitende technische Weiterentwicklungen und

funktionale Neuerungen gewöhnt. Die Vorteile der erweiterten Anwendungsmöglichkeiten von so genannten Multifunktionsgeräten sind für die Verbraucher regelmäßig ein relevanter Gesichtspunkt bei ihrer Kaufentscheidung. Aufgrund der Erwartungshaltung ihrer Kunden bieten die Hersteller auf dem hier maßgeblichen

Warensektor eine umfangreiche Produktpalette von entsprechenden Haushaltsgeräten an, wie beispielsweise Backöfen mit Back-, Brat-, Toast- und/oder Grillfunktionen und stellen neue Produkteigenschaften oder zusätzliche Funktionalitäten

werbemäßig besonders heraus. Vor dem Hintergrund dieser allgemein bekannten

Branchenpraxis, werden die angesprochenen Verbraucher die Wortfolge "fry&more", mit ihrem Bedeutungsgehalt "braten und mehr", ohne weiteres

Nachdenken nur als werbeübliche Anpreisung von Zubehör für Haushaltsmaschinen- und -geräten verstehen, die neben einer Bratfunktion noch über weitere

Funktionen verfügen. Dem steht nicht entgegen, dass die Anpreisung nur in Form

einer oberbegriffsartigen Benennung erfolgt. Soweit der angemeldeten Marke im

Hinblick auf einige der Waren möglicherweise eine gewisse begriffliche Unbestimmtheit zukommen mag, kann dies an dem ausschließlich sachlichen Warenbezug nichts ändern, zumal dem inländischen Publikum die Werbepraxis vertraut

ist, durch die Verwendung von "&more" einen möglichst weiten Bereich sachbezogener Merkmale zu erfassen.

Nach alldem ist der angemeldeten Marke für die nicht im Tenor genannten, beschwerdegegenständlichen Waren jegliche Unterscheidungskraft abzusprechen

8 Abs. 1 Nr. 1 MarkenG). Ob ihrer Eintragung in das Register darüber hinaus

ein Freihaltungsbedürfnis gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG entgegen steht, lässt

der Senat dahingestellt.

Der Hinweis der Anmelderin auf eine Reihe von Firmenbezeichnungen mit dem

Zusatz "& more" führt zu keiner anderen rechtlichen Beurteilung. Dies bereits deshalb nicht, weil die namensmäßige Unterscheidungskraft i. S. v. § 5 Abs. 2 Satz 1

MarkenG nicht mit der konkreten Unterscheidungskraft i. S. v. § 8 Abs. 2 Nr. 1

MarkenG gleichgesetzt werden kann (vgl. Hacker in Ströbele/Hacker, MarkenG,

8. Aufl., § 5 Rdn. 28). So werden an die Unterscheidungskraft von Firmenbezeichnungen und Werktiteln regelmäßig geringere Anforderungen gestellt als an die Unterscheidungskraft von Marken.

Soweit die Anmelderin auf verschiedene inländische und internationale Voreintragungen verweist, bleibt festzuhalten, dass aus Voreintragungen möglicherweise

vergleichbarer, aber möglicherweise auch löschungsreifer Marken kein Anspruch

auf Eintragung abgeleitet werden kann. Damit wird ein Rechtssatz umschrieben,

nach dem aus Voreintragungen weder für sich genommen noch in Verbindung mit

dem Gleichheitssatz des Art. 3 GG eine anspruchsbegründende Selbstbindung

der über die Schutzgewährung entscheidenden Stellen abgeleitet werden kann

(vgl. EuGH GRUR 2004, 428, Rz. 62 - HENKEL). Die Entscheidung über die

Schutzfähigkeit einer Marke stellt keine Ermessens-, sondern eine reine Rechtsfrage dar (vgl. BGH BlPMZ 1998, 248, 249 - TODAY; BPatGE 32, 5 CREATION

GROSS). Eine Bindung durch Voreintragungen wäre unter rechtlichen Gesichtspunkten auch nicht mit der Möglichkeit einer Löschung von Marken wegen Vorliegens absoluter Schutzhindernisse gemäß § 50 MarkenG, zu vereinbaren (vgl.

hierzu Ströbele in Ströbele/Hacker, Markengesetz, 8. Aufl., § 8 Rdn. 25). Zudem

darf im vorliegenden Fall nicht unberücksichtigt bleiben, dass es auch Entscheidungen gibt, in denen die Schutzfähigkeit von Wortkombinationen mit dem Bestandteil "& more" oder vergleichbarer Bestandteile verneint worden ist, wie beispielsweise die von der Anmelderin zitierte, rechtskräftige Entscheidung

32 W (pat) 91/04 - "Choco´n´More" (vgl. darüber hinaus auch die Entscheidungen

29 W (pat) 132/99 FON + MORE; 29 W (pat) 248/99 DESIGN & MORE;

33 W (pat) 16/02 BANKING & MORE; 25 W (pat) 24/01 HAIR’N’MORE;

29 W (pat) 248/99 - Design & more; 29 W (pat) 13/01 - OIL & MORE;

29 W (pat) 308/99 - Phone + more; 24 W (pat) 212/03 - Com & More).

Die Beschwerde der Anmelderin musste daher erfolglos bleiben. Für eine Zulassung der Rechtsbeschwerde gemäß § 83 Abs. 2 MarkenG bestand kein Anlass,

da weder eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung zu entscheiden ist,

noch die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes erfordert. Die rechtliche Würdigung des vorliegenden Falles beruht auf der Anwendung der Rechtsprechungsgrundsätze des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesgerichtshofs.

gez.

Unterschriften

Urteil vom 10.01.2000

9 W (pat) 55/99 vom 10.01.2000

Urteil vom 10.01.2000

9 W (pat) 23/99 vom 10.01.2000

Urteil vom 10.01.2000

14 W (pat) 63/98 vom 10.01.2000

Anmerkungen zum Urteil