Tarifvertrag

für gesamtes Bundesgebiet

Manteltarifvertrag für die Bekleidungsindustrie in Baden-Württemberg

Tarifgebiet Nr. 29/12/M Nr. 29/13/M

Baden-Württemberg Bekleidungsindustrie

Angestellte

GEWERKSCHAFT TEXTIL-BEKLEIDUNG

Bezirk Baden-Württemberg

7000 Stuttgart 1, Willi-Bleicher-Straße 20

Manteltarifvertrag

mit Tätigkeitsverzeichnis Gültig ab 1.1.1974

_______________________________________________________________ Rechtsanspruch auf diesen Tarifvertrag haben nur Mitglieder der IG Metall Mitglied werden: http://www.bw.igm.de

Zwischen dem

Verband der Südwestdeutschen Bekleidungsindustrie e. V., Stuttgart

Landesverband der Bekleidungsindustrie für Baden e. V., Lahr

und der

Gewerkschaft Textil-Bekleidung, Bezirk Baden-Württemberg, Stuttgart

wird folgender

Manteltarifvertrag

geschlossen:

Tarifgebunden sind gemäß § 3 Tarifvertragsgesetz die Mitglieder der vertragsschließenden Parteien.

I. Geltungsbereich

§ 1

1. Dieser Tarifvertrag gilt:

a) räumlich:

für das Land Baden-Württemberg und den bayerischen Kreis Lindau

b) fachlich:

für die Betriebe der von den Vertragspartnern erfassten Industriezweige, einschließlich der Hilfs- und Nebenbetriebe sowie der Montagestellen

c) persönlich:

für alle Angestellten

2. Nicht als Angestellte im Sinne dieses Tarifvertrages gelten

a) in Betrieben einer juristischen Person die Mitglieder des Organs, das zur gesetzlichen Vertretung der juristischen Person berufen ist;

b) die Gesellschafter einer offenen Handelsgesellschaft oder die Mitglieder einer anderen Personengesamtheit in deren Betrieben;

c) die Prokuristen;

_______________________________________________________________ 2 Rechtsanspruch auf diesen Tarifvertrag haben nur Mitglieder der IG Metall Mitglied werden: http://www.bw.igm.de

d) die leitenden Angestellten, wenn sie zur selbständigen Einstellung oder Entlassung von im Betrieb oder in der Betriebsabteilung beschäftigten Arbeitnehmern berechtigt sind, sowie Angestellte mit einem Aufgabengebiet, das höhere Anforderungen stellt als die höchste tarifliche Beschäftigungsgruppe. 1

II. Einstellung und Kündigung

§ 2 Einstellung

1. Soweit bei der Einstellung kein schriftlicher Anstellungsvertrag geschlossen worden ist, ist das Arbeitsverhältnis alsbald nach Aufnahme der Arbeit, spätestens jedoch bei der ersten Gehaltszahlung dem Angestellten schriftlich zu bestätigen. Auf dem Anstellungsvertrag oder Bestätigungsschreiben müssen die Höhe und Zusammensetzung des Monatsgehalts, die Gehaltsgruppe des Angestelltentarifes sowie etwaige besonders vereinbarte Kündigungsfristen ersichtlich sein.

2. Der Angestellte hat vorübergehend auch andere Angestelltentätigkeiten auszuführen als die, für die er eingestellt wurde.

§ 3 Probezeit und Aushilfe

1. Wird eine Probezeit verlangt, so soll sie drei Monate nicht überschreiten. Sie muß schriftlich vereinbart werden. Während der Probezeit kann bis zum letzten Tage der Probezeit beiderseits mit Monatsfrist zum Monatsende gekündigt werden.

2. Die Anstellung zur Aushilfe richtet sich nach den gesetzlichen Bestimmungen.

3. Dieser Tarifvertrag gilt auch für stundenweise beschäftigte Angestellte, die verpflichtet sind, wöchentlich mehr als 15 Stunden zu bestimmten, regelmäßig wiederkehrenden Zeiten in einem Betrieb tätig zu sein. Solchen Angestellten stehen sämtliche Ansprüche aus diesem Tarifvertrag nach Maßgabe des tatsächlichen Umfangs ihrer Beschäftigung zu.

§ 4 Kündigung

1. Für die Kündigung gelten die gesetzlichen Vorschriften. Eine fristgemäße Kündigung muß schriftlich erfolgen; eine mündlich erklärte fristlose Kündigung ist unverzüglich schriftlich zu bestätigen.

2. Die Kündigungsfrist beginnt frühestens mit dem vereinbarten Tag der Arbeitsaufnahme zu laufen. Eine hiervon abweichende Absprache muß schriftlich niedergelegt sein.

1 Anm.: Der letzte Halbsatz (Angestellte mit einem Aufgabengebiet, das höhere Anforderungen stellt als die höchste tarifliche Beschäftigungsgruppe) wird erst wirksam, wenn die derzeitige Abgrenzung der Tarifgruppen K5/T5 (siehe Anlage zu § 10 Ziff. 1) von den Tarifvertragsparteien überprüft wurde.

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3. Nach der Kündigung des Arbeitsverhältnisses hat der Angestellte Anspruch auf Ausstellung eines vorläufigen Zeugnisses. Das vorläufige Zeugnis ist beim Ausscheiden des Angestellten durch ein endgültiges zu ersetzen.

Beim Wechsel maßgebender Vorgesetzter im Betriebe hat auf Verlangen des Angestellten der ausscheidende Vorgesetzte zu den Personalakten eine Erklärung über die Tätigkeit des Angestellten, über seine Führung und seine Leistungen abzugeben.

4. Nach der Kündigung ist dem Angestellten auf Wunsch angemessene Zeit zum Aufsuchen einer anderen Stellung zu gewähren.

III. Arbeitszeit

§ 5 Regelmäßige Arbeitszeit

1. Die Dauer der regelmäßigen Arbeitszeit ohne Pausen für die Angestellten ist die gleiche wie die der gewerblichen Arbeitnehmer.

2. Die Verteilung der regelmäßigen Arbeitszeit auf die Werktage sowie Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit und der Pausen werden mit Zustimmung des Betriebsrats festgesetzt.

3. An den Tagen vor Weihnachten und Neujahr sowie an Samstagen endet die Arbeitszeit spätestens um 12 Uhr. Für die an diesen Tagen ausfallende Arbeitszeit darf eine Gehaltskürzung nicht erfolgen.

Erläuterung:

Die vor Weihnachten und Neujahr ab 12 Uhr ausfallende Arbeitszeit kann nicht in eine Regelung nach § 4 Abs. 2 Arbeitszeitordnung einbezogen werden. Auch darf die an diesen Tagen ab 12 Uhr ausfallende Arbeitszeit nicht auf den Jahresurlaub angerechnet werden.

4. Für Angestellte, deren Tätigkeit mit dem technischen Betrieb in unmittelbarem Zusammenhang steht, ist die dort geltende Arbeitszeit und Arbeitszeitverteilung maßgebend.

5. Der Betrieb kann an Werktagen vor und nach gesetzlichen Feiertagen sowie aus sonstigen und besonderen Anlässen im Sinne des § 4 Arbeitszeitordnung mit Zustimmung des Betriebsrats geschlossen werden. Die an diesen Tagen dadurch ausfallenden Arbeitsstunden können mit Zustimmung des Betriebsrats entsprechend den Bestimmungen des § 4 Arbeitszeitordnung vor- und nachgearbeitet werden. Diese Vorund Nacharbeit ist zuschlagsfrei.

§ 6 Mehr-, Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit

1. Unter Mehrarbeit wird eine Überschreitung der in § 5 Ziffer 1 festgelegten Arbeitszeit verstanden. Eine Verlängerung der Arbeitszeit ist in Vereinbarung mit dem Betriebsrat bis zu der für die gewerblichen Arbeitnehmer zulässigen Höhe möglich. Die gesetzlichen Bestimmungen sind zu beachten.

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2. Für Angestellte, deren Tätigkeit mit dem technischen Betrieb in unmittelbarem Zusammenhang steht, gilt für Mehrarbeit die Regelung für die gewerblichen Arbeitnehmer.

3. Vom Angestellten nicht verschuldete Ausfallstunden im Sinne von § 13 und lohnzahlungspflichtige Feiertage werden bei der Berechnung der wöchentlichen Arbeitszeit mitgezählt.

4. Mehrarbeit ist, soweit angängig, durch innerbetriebliche Umsetzung von Arbeitskräften oder Neueinstellungen nach Maßgabe der betrieblichen und technischen Möglichkeiten zu vermeiden. Andernfalls ist notwendige Mehr-, Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit im Rahmen der gesetzlichen und tarifvertraglichen Bestimmungen zu leisten, soweit nicht der Angestellte einen wichtigen Verhinderungsgrund geltend macht. Die Mehrarbeit muß jedoch angeordnet oder nachträglich genehmigt sein. Hierbei ist, abgesehen von betrieblich oder technisch notwendigen Sofortmaßnahmen, das Einvernehmen mit dem Betriebsrat erforderlich.

5. Nachtarbeit ist die in der Zeit zwischen 20 und 6 Uhr geleistete Arbeit mit Ausnahme bei Schichtarbeit.

6. Sonntags- und Feiertagsarbeit ist die an Sonntagen und lohnzahlungspflichtigen Feiertagen geleistete Arbeit. Beginn und Ende der Sonntags- und Feiertagsarbeit können bei Schichtarbeit mit Zustimmung des Betriebsrats abweichend festgelegt werden (z.B. von 6 bis 6 Uhr); die Sonntagsruhe soll jedoch mindestens 24 Stunden betragen.

§ 7 Vergütung für Mehr-, Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit

1. Der Angestellte erhält bei Mehrarbeit eine Vergütung, die sich nach § 9 Ziff. 2 errechnet.

2. Für Mehrarbeit, Nachtarbeit, Sonntags- und Feiertagsarbeit werden die folgenden Zuschläge gezahlt:

a) Mehrarbeit

1) für die ersten zehn Mehrarbeitsstunden in der Woche 25%

2) für die weiteren Mehrarbeitsstunden in der Woche 50%

3) für die dritte und jede weitere tägliche Mehrarbeitsstunde, die vor oder nach der regelmäßigen täglichen Arbeitszeit geleistet wird 50%

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Bei der Feststellung der Mehrarbeitsstunden nach Ziff. 2a Nr. 1 bleiben Mehrarbeitsstunden nach Ziff. 2a Nr. 3 außer Ansatz.

b) Nachtarbeit

1. für die innerhalb einer Schicht geleistete Nachtarbeit sowie solche, die infolge behördlicher Maßnahmen erforderlich geworden ist 15%

2. Dauernachtschichtarbeit von mindestens 3 Wochen 25%

3. für Nachtarbeit, soweit sie Mehrarbeit ist 50%

4. sonstige Nachtarbeit 20%

Soweit für die Arbeiter des betreffenden Betriebes oder der Betriebsabteilung in diesen Fällen tarifliche Zuschläge geregelt sind, gelten diese zeitlich und der Höhe nach.

c) Sonntags- und Feiertagsarbeit

1. bei Sonntagsarbeit und für Arbeit an lohnzahlungspflichtigen Feiertagen, die auf einen betrieblich regelmäßig arbeitsfreien Werktag oder Sonntag fallen sowie am Ostersonntag und Pfingstsonntag 100%

2. für Arbeit an lohnzahlungspflichtigen Feiertagen, die auf einen betrieblich regelmäßigen Arbeitstag fallen 150%

3. Bei Zusammentreffen mehrerer Zuschläge für dieselbe Arbeitsstunde ist nur ein Zuschlag, und zwar der höhere, zu zahlen. Nachtarbeitszuschläge gemäß Ziff. 2b) Nr. 4 sind jedoch gesondert neben dem Sonntags- und Feiertagszuschlag zu zahlen.

4. Arbeitsleistung in Ausnahmefällen, welche nicht länger als 15 Minuten über die festgelegte tägliche Arbeitszeit hinausgeht, ist nicht als Mehrarbeit anzusehen. Darüber hinaus ist die volle angefangene Stunde zu zahlen soweit die Voraussetzungen der Mehrarbeit 6 Ziff. 1 und 4) erfüllt sind.

5. Die Vergütung für Mehr-, Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit ist spätestens bis Ende des Monats auszuzahlen, der auf den Monat folgt, in dem diese Arbeit geleistet wurde.

6. Im Einvernehmen mit dem Angestellten kann für Mehrarbeit eine Pauschalabgeltung gewährt werden. Diese Abgeltung muß dem Umfang der tatsächlichen Mehrarbeit einschließlich der Zuschläge angemessen berücksichtigt werden. Sie ist dem Angestellten schriftlich zu bestätigen und bei eintretenden Gehaltsänderungen neu zu vereinbaren.

§ 8 Kurzarbeit und Kurzarbeitsvergütung

1. Kurzarbeit zur Vermeidung von Entlassungen kann für sämtliche Angestellte oder für Angestellte einzelner Betriebsabteilungen nach eingehender gemeinsamer Überprüfung mit dem Betriebsrat, ohne Rücksicht auf Kündigungsfristen der einzelnen Arbeitsverträge, mit einer Ankündigungsfrist von 2 Wochen nach dem Ankündigungstag eingeführt werden. Die Durchführung ist mit dem Betriebsrat zu vereinbaren.

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2. Eine solche Herabsetzung der wöchentlichen regelmäßigen Arbeitszeit bis auf 40 Stunden einschließlich darf keine Gehaltskürzung zur Folge haben.

3. Beträgt die wöchentliche Arbeitszeit weniger als 40 Stunden, so ist für jede wöchentlich an 40 Stunden fehlende Arbeitsstunde ein Abzug der in § 9 Ziff. 2 für eine Arbeitsstunde festgelegten Grundvergütung, die aus dem vereinbarten Monatsgehalt (brutto ohne Sozialzulage) errechnet wird zulässig.

4. Der Arbeitgeber hat zum Kurzgehalt und dem Kurzarbeitergeld einen Zuschuß zu zahlen, damit der Angestellte 80% seines vereinbarten Monatsgehalts erreicht.

5. Wird die Kurzarbeit durch eine mindestens 8 Wochen dauernde Vollarbeit unterbrochen oder wird sie nach der Ankündigungsfrist nicht eingeführt, so muß eine neue Ankündigungsfrist von 30 Tagen eingehalten werden.

6. Wird einem Angestellten während der Kurzarbeit gekündigt, so hat er für die Zeit der Kündigungsfrist Anspruch auf das volle Gehalt. Dasselbe gilt bei Kündigung vor Einführung der Kurzarbeit, wenn das Ende des Arbeitsverhältnisses in die Kurzarbeit fällt. In diesen Fällen kann der Arbeitgeber volle Arbeitsleistung verlangen.

IV. Gehaltsregelung

§ 9 Allgemeine Bestimmungen

1. Die im Gehaltstarifvertrag für den Kalendermonat festgelegten Gehaltssätze sind Mindestgehälter.

2. Der Berechnung des tariflichen Monatsgehalts liegt eine Arbeitszeit nach § 5 Ziff. 1 zugrunde. Die Vergütung für eine Arbeitsstunde errechnet sich aus dem Monatsgehalt geteilt durch das 4,25fache der Wochenarbeitszeit.

3. Auf die Mindestgehälter sollen je nach Leistung Zulagen gewährt werden, die als solche schriftlich auszuweisen sind. Beim Vorrücken in eine höhere Tarifgruppe besteht ein Anspruch auf die seitherige Leistungszulage nicht mehr. Jedoch ist bei Festsetzung des neuen Gehalts eine Minderung der seitherigen Gesamtbezüge ausgeschlossen.

Erläuterung:

Die Höhe der Leistungszulage soll bei Tariferhöhungen überprüft und gegebenenfalls neu festgesetzt werden.

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4. Das Gehalt der höheren Gehaltsstufe ist vom Beginn des Monats an zu zahlen, in welchem die Voraussetzungen (z.B. höheres Alter, Einrücken in eine höhere Tarifgruppe) eingetreten sind. Das gleiche gilt für die Gewährung von Sozialzulagen.

5. Das Gehalt für den laufenden Monat ist spätestens für den letzten Arbeitstag jeden Kalendermonats zur Verfügung zu stellen.

Erläuterung:

Aus der schriftlichen Gehaltsabrechnung sollen ersichtlich sein:

a) Tarifgehalt b) Zuschläge nach § 7 MTV c) Zulagen unterteilt nach Leistungszulagen nach § 9 Ziff. 3 MTV

sonstige Zulagen d) Bruttogehalt e) Abzüge unterteilt nach Lohnsteuer, Kirchensteuer,

Sozialversicherungsbeiträge usw. f) Nettogehalt

§ 10 Tätigkeitsgruppen

1. Die Angestellten werden in Tätigkeitsgruppen eingereiht (siehe Anlage).

2. Für die Einreihung in eine Tätigkeitsgruppe ist allein die Tätigkeit des Angestellten maßgebend. Die bei den Gruppen aufgeführten Beispiele sind weder erschöpfend noch für jeden Betrieb zutreffend. Die Art des Erwerbs und des Nachweises der für die Tätigkeit erforderlichen Fähigkeiten ist an keine bestimmten Bedingungen gebunden.

In Zweifelsfällen ist ein Angestellter in diejenige Gruppe einzureihen, die seinem Aufgabenkreis am nächsten kommt.

Übt ein Angestellter Tätigkeiten aus, die in verschiedenen Tätigkeitsgruppen gekennzeichnet sind, so wird er in diejenige Gruppe eingereiht, welche seiner überwiegenden Tätigkeit entspricht.

Bei einer Umgruppierung sind dem Angestellten die neue Gruppe und die Zusammensetzung des neuen Gehalts schriftlich mitzuteilen. Die Bestimmungen des Betriebsverfassungsgesetzes sind zu beachten.

3. Aushilfsweise Tätigkeit oder vorübergehende Stellvertretung in einer höheren Gruppe begründet, sofern diese Tätigkeit nicht länger als zwei Monate dauert, keinen Anspruch auf die Gehaltsbezüge der höheren Gruppe.

§ 11 Vergütung der Mehraufwendungen bei Arbeit außerhalb des Betriebsorts

Bei Arbeit außerhalb des Betriebsorts ist der dadurch entstehende Mehraufwand zu ersetzen, sei es durch Vergütung der nachgewiesenen angemessenen Mehrkosten, sei es durch Pauschalsätze. Diese Vergütungen sind spätestens am Ende des Monats zu zahlen, welcher auf den Monat folgt, in dem die Aufwendungen nachgewiesen worden sind. Bei größeren Aufwendungen sind Vorschüsse oder Abschlagszahlungen zu leisten.

_______________________________________________________________ 8 Rechtsanspruch auf diesen Tarifvertrag haben nur Mitglieder der IG Metall Mitglied werden: http://www.bw.igm.de

§ 12 Reisende

Angestellte Reisende sind entsprechend ihrer Tätigkeit in die Tätigkeitsgruppen einzureihen. Dabei kann das tarifliche Mindestgehalt in Festgehalt und Provision aufgeteilt werden. Der Reisende hat jedoch in jedem Falle Anspruch auf das monatliche Tarifmindestgehalt. Reisespesen bleiben dabei außer Ansatz. Das Mindesteinkommen gilt als gewährt, wenn es im Vierteljahresdurchschnitt erreicht wird.

Angestellte im Außendienst erhalten anstelle der tariflichen Vergütung für Mehr-, Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit die im Anstellungsvertrag vereinbarte Entschädigung.

§ 13 Vergütung in Sonderfällen und bei Arbeitsverhinderung

1. Krankheit

In Krankheitsfällen ist der Angestellte verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich anzuzeigen und hierüber spätestens innerhalb von drei Tagen eine ärztliche Bescheinigung vorzulegen.

Erläuterung:

Unberührt hiervon bleiben betriebliche Übungen. Eine formalistische Anwendung dieser Bestimmung sollte unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles vermieden werden.

Soweit dem Angestellten Kosten für die ärztliche Bescheinigung entstehen und diese nicht von der Krankenkasse getragen werden, übernimmt sie der Arbeitgeber.

a) Angestellte haben nach Maßgabe der Zusatzvereinbarung vom 26.05.1999 zum Manteltarifvertrag für die gewerblichen Arbeitnehmer der Bekleidungsindustrie in der Fassung vom 18.03.1996 Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall bis zur Dauer von 6 Wochen.

Bei angestellten Reisenden, deren monatliche Bezüge sich aus dem Festgehalt und Provisionen zusammensetzen, errechnen sich die Bezüge aus dem laufenden Festgehalt und dem Jahresdurchschnitt ihrer Provisionsbezüge.

b) Angestellte nach fünfjähriger Tätigkeit im selben Betrieb erhalten über die Frist nach a) hinaus für einen weiteren Monat, Angestellte mit mindestens zehnjähriger Tätigkeit im selben Betrieb für zwei weitere Monate als Zuschuß zum Krankengeld die Differenz zwischen dem Krankengeld und 90 v.H. der monatlichen Nettogehaltsbezüge. Anspruch auf diese Zusatzleistungen besteht nur einmal im Kalenderjahr, ausgenommen bei Betriebsunfällen. Bei der Berechnung der Betriebszugehörigkeit werden alle als Angestellte im Betrieb verbrachten Zeiten angerechnet, wenn nicht das Anstellungsverhältnis insgesamt länger als zwei Jahre unterbrochen war.

Bei nichtkrankenversicherungspflichtigen Angestellten sind für die Zuschussberechnung die Krankengeldhöchstsätze für Versicherungspflichtige zu Grunde zu legen. Maßgebend sind die Sätze der für den Betrieb zuständigen Krankenkasse.

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c) Kann der Angestellte aufgrund gesetzlicher Vorschriften von einem Dritten Schadenersatz wegen des Verdienstausfalls beanspruchen, der ihm durch die Arbeitsunfähigkeit entstanden ist, so geht dieser Anspruch in soweit auf den Arbeitgeber über, als dieser dem Angestellten nach diesen tariflichen Bestimmungen Gehalt und sonstige Bezüge fortgezahlt und darauf entfallende von den Arbeitgebern zu tragende Beiträge zur Sozial- und Arbeitslosenversicherung sowie zu Einrichtungen der zusätzlichen Altersund Hinterbliebenenversorgung abgeführt hat. Die zur Geltendmachung des Schadensersatzanspruchs erforderlichen Angaben hat der Angestellte dem Arbeitgeber unverzüglich zu machen.

2. Unterstützung bei Todesfall

Beim Todesfall eines Angestellten gewährt der Arbeitgeber an unterhaltsberechtigte Angehörige eine Unterstützung in Höhe eines Brutto-Monatsgehaltes. Nach fünfjähriger Zugehörigkeit als Angestellter zum Betrieb erhöht sich der Betrag auf zwei Brutto- Monatsgehälter, nach zehnjähriger Zugehörigkeit auf drei Brutto-Monatsgehälter. Bei tödlichen Betriebsunfällen gewährt der Arbeitgeber an unterhaltsberechtigte Angehörige einen Betrag von drei Brutto-Monatsgehältern.

3. Arbeitsverhinderung

Freizeit, ohne daß ein Abzug vom Gehalt oder eine Anrechnung auf den Urlaub stattfinden darf, ist nur in folgenden Fällen zu gewähren:

a) bei eigener Eheschließung und bei Niederkunft der Ehefrau 2 Tage

b) bei Wohnungswechsel mit eigenem Hausstand oder bei Gründung eines eigenen Hausstandes sofern das Arbeitsverhältnis ungekündigt ist, bei Eheschließung von eigenen Kindern und Stiefkindern, beim Todesfall von Schwiegereltern und Geschwistern 1 Tag

c) beim Tode der Eltern, Kinder und Stiefkinder 1 Tag

jedoch werden bei Teilnahme an der Beerdigung 2 Tage gewährt

d) beim Tode des Ehegatten 3 Tage

e) bei Stellensuche infolge ordentlicher Kündigung durch den Arbeitgeber bis zur Höchstdauer von insgesamt 8 Stunden; die Freistellung ist zu verlangen und der erforderliche Zeitaufwand glaubhaft zu machen.

f) bei Ausübung von Pflichten aus öffentlichen Ehrenämtern; Voraussetzung für die Fortzahlung des Gehalts ist, daß der Ausfall nicht von anderer Seite ersetzt wird oder ersetzt verlangt werden kann. In diesen Fällen ist vom Arbeitgeber der Anteil zur Rentenversicherung nach dem vollen Monatsgehalt zu entrichten.

4. Auf die in Ziff. 1 bis 3 festgelegten Leistungen können betriebliche Leistungen angerechnet werden.

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V. Urlaub

§ 14 Urlaubsanspruch

1. Jeder Angestellte hat in jedem Jahr einmal Anspruch auf Urlaub unter Weiterzahlung seiner Bezüge. Der Urlaub dient der Erholung. Das Urlaubsjahr ist das Kalenderjahr.

2. Der volle Urlaubsanspruch wird einmalig nach 6monatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses erworben (Wartezeit).

3. Im Eintritts- und Austrittsjahr hat der Angestellte für jeden vollen Monat des Bestehens des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf 1/12 des Jahresurlaubs. Hat der Angestellte beim Austritt bereits Urlaub über den ihm zustehenden Umfang hinaus erhalten, so kann das dafür bezahlte Urlaubsentgelt nicht zurückgefordert werden.

Erläuterung:

Bruchteile von Urlaubstagen, die 0,5 oder mehr betragen, werden auf einen vollen Urlaubstag aufgerundet.

4. Der Anspruch auf Urlaub besteht für die Zeit nicht, für die dem Angestellten im laufenden Kalenderjahr bereits von einem früheren Arbeitgeber Urlaub gewährt oder abgegolten worden ist.

5. Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem Angestellten eine Bescheinigung über die Zeit auszuhändigen, für die im laufenden Kalenderjahr bereits Urlaub gewährt oder abgegolten worden ist. Diese Bescheinigung ist bei Antritt des neuen Beschäftigungsverhältnisses vorzulegen.

6. Der Urlaub ist in der Regel zusammenhängend zu gewähren und zu nehmen.

7. Der Urlaubsanspruch erlischt 3 Monate nach Ablauf des Urlaubsjahres, es sei denn, daß er erfolglos geltend gemacht wurde.

8. Der Urlaubsplan wird von der Geschäftsleitung im Einvernehmen mit dem Betriebsrat aufgestellt. Auf die Wünsche des Angestellten und die Belange des Betriebes ist Rücksicht zu nehmen.

9. Während des Urlaubs darf der Angestellte keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten. Bei Zuwiderhandlung kann die bezogene Urlaubsvergütung zugunsten einer betrieblichen Unterstützungseinrichtung oder zur Verwendung zugunsten der Arbeitnehmer zurückverlangt werden.

10. Bei einer vom Angestellten verschuldeten fristlosen Entlassung oder bei vertragswidriger Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch den Angestellten wird der Urlaubsanspruch für das laufende Jahr verwirkt, wenn in diesem Fall eine grobe Verletzung der Treuepflicht aus dem Arbeitsverhältnis vorliegt. Die so ersparte Urlaubsvergütung ist einer betrieblichen Unterstützungseinrichtung zuzuführen oder sonst zugunsten der Arbeitnehmer zu verwenden.

_______________________________________________________________ 11 Rechtsanspruch auf diesen Tarifvertrag haben nur Mitglieder der IG Metall Mitglied werden: http://www.bw.igm.de

§ 15 Urlaubsdauer

1. Der volle Jahresurlaub beträgt für alle Arbeitnehmer einschließlich der Jugendlichen ab 1981 29 Arbeitstage (5 Kalenderwochen u. 4 Arbeitstage) ab 1982 30 Arbeitstage (6 Kalenderwochen)

Die regelmäßige Arbeitswoche (Kalenderwoche) rechnet zu 5 Urlaubstagen, unbeschadet der tatsächlichen Verteilung der Arbeitszeit.

Ist die Arbeitszeit ständig oder wechselnd auf 6 aufeinanderfolgende Werktage verteilt, so sind so viele Samstage arbeitsfrei zu belassen, wie von der regelmäßigen Arbeitszeit des Arbeitnehmers im Zeitraum von 5/6 Kalenderwochen erfaßt werden.

Feiertage im Sinne des Gesetzes zur Regelung der Lohnfortzahlung an Feiertagen vom 2. August 1951 rechnen nicht als Urlaubstage.

2. Der Angestellte hat mindestens Anspruch auf die gleiche Urlaubsdauer wie der gewerbliche Arbeitnehmer gleichen Alters und gleicher Betriebszugehörigkeit im gleichen Industriezweig.

3. Für den Urlaub der Jugendlichen und den Zusatzurlaub für Schwerbeschädigte gelten die gesetzlichen Bestimmungen.

4. Wenn Zeiten bestehender Arbeitsunfähigkeit sowie Schonungszeiten im Anschluß an Heilverfahren und Kuren insgesamt länger als 5 Monate im Urlaubsjahr dauern, so kann vom Jahresurlaub für jeden weiteren vollen Monat 1/12 abgezogen werden. Der gesetzliche Mindesturlaub darf hierbei nicht unterschritten werden. Die so errechnete Urlaubsdauer ist auf volle Tage aufzurunden. Ist die Arbeitsunfähigkeit die Folge eines Betriebsunfalles, so ist der Urlaub in voller Höhe zu gewähren.

5. Bei Werkferien kann bei Angestellten, deren Urlaubsanspruch geringer ist als die Dauer der Werkferien, eine Anrechnung auf den Urlaub des laufenden Urlaubsjahres erfolgen; im übrigen haben sie Anspruch auf Beschäftigung oder, soweit dies nicht möglich ist, auf Gehaltszahlung.

§ 16 Urlaubsvergütung

1. Während des Urlaubs wird das Gehalt nebst tariflichen und außertariflichen Zulagen weiterbezahlt (Urlaubsentgelt). Auf Wunsch des Angestellten ist das Urlaubsentgelt bei Antritt des Urlaubs für dessen Dauer vorauszubezahlen.

2. Eine Abgeltung des Urlaubs ist unzulässig, es sei denn, daß der Urlaub als bezahlte Freizeit infolge Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr gewährt werden kann.

3. Der Angestellte hat nach Maßgabe der tariflichen Regelung für gewerbliche Arbeitnehmer im gleichen Industriezweig Anspruch auf ein zusätzliches Urlaubsgeld.

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VI. Sonstiges

§ 17 Anschlußfristen

1. Nicht erfüllte Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis sind dem Arbeitgeber gegenüber zunächst mündlich, bei Erfolglosigkeit schriftlich folgendermaßen geltend zu machen:

a) Bei bestehendem Arbeitsverhältnis innerhalb von vier Monaten gerechnet vom Gehaltszahlungstag an, an welchem dem Angestellten die Abrechnung für den betreffenden Abrechnungszeitraum ausgehändigt wurde, es sei denn, daß die Bestimmungen des § 2 Ziff. 1 nicht eingehalten worden sind,

b) alle übrigen Ansprüche innerhalb von vier Monaten nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

2. Diese Fristen sind Ausschlußfristen. Ansprüche, die nicht vor Ablauf dieser Fristen schriftlich geltend gemacht werden, erlöschen 4 Abs. 4 Tarifvertragsgesetz).

§ 18 Schlichtung von Streitigkeiten

1. Streitigkeiten, die aus der Auslegung oder Durchführung des Tarifvertrages entstehen, sollen vor Anrufung des Arbeitsgerichts durch Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat und, falls dies nicht möglich ist oder keine Verständigung erzielt wird, durch Hinzuziehung von Vertretern der Tarifvertragsparteien geregelt werden.

2. Können zwischen den Tarifvertragsparteien entstandene Streitigkeiten über die Auslegung und Durchführung des Tarifvertrages oder über das Bestehen oder Nichtbestehen eines Tarifvertrages durch Verhandlungen nicht beigelegt werden, so entscheidet auf Antrag einer Partei die Schiedsstelle der Tarifvertragsparteien.

Die Schiedsstelle setzt sich aus je zwei Beisitzern und einem von den Tarifvertragsparteien zu wählenden unparteiischen Vorsitzenden zusammen. Falls keine Einigung über den Vorsitzenden erzielt wird, bestimmt ihn der Präsident des zuständigen Landesarbeitsgerichts. Die Schiedsstelle entscheidet verbindlich unter Ausschluß des Rechtsweges.

VII. Schlussbestimmungen

§ 19 Übergangsbestimmungen

Bestehende günstigere betriebliche Regelungen werden durch das Inkrafttreten dieses Tarifvertrages nicht berührt.

_______________________________________________________________ 13 Rechtsanspruch auf diesen Tarifvertrag haben nur Mitglieder der IG Metall Mitglied werden: http://www.bw.igm.de

§ 20 Inkrafttreten, Kündigung des Tarifvertrages

1. Dieser Tarifvertrag tritt am 1. Januar 1974 in Kraft und kann von jeder Vertragspartei mit 6-Monats-Frist zum Monatsende gekündigt werden.

Einzelne Bestimmungen können mit einer Frist von 3 Monaten zum Halbjahresende gekündigt werden.

Die Bestimmungen über die Arbeitszeit 5 Abs. 1 und 4) sind mit einer Frist von 2 Monaten, erstmals zum 30.04.1995 kündbar.

2. Die Regelungen über die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall 13 Ziff. 1 a Satz 1) treten am 1. Januar 2000 in Kraft. Mit dem Wirksamwerden dieser Tarifbestimmung tritt die Regelung Manteltarifvertrag § 13 Ziff. 1 a Satz 1 vom 25. Februar 1997 außer Kraft.

Diese Regelung kann mit einer Frist von zwei Monaten zum Monatsende, erstmals zum 30. April 2001, gekündigt werden.

3. Mit Inkrafttreten dieses Tarifvertrages treten der Manteltarifvertrag vom 2. März 1973 abgeschlossen zwischen der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände e.V., Stuttgart, namens und in Vollmacht seiner folgenden Mitgliedsverbände: Verband der Baden-Württembergischen Textilindustrie e. V., Stuttgart, einschließlich der Fachvereinigung Wirkerei-Strickerei Ebingen e. V., Ebingen, Verband der Südwestdeutschen Bekleidungsindustrie e. V., Stuttgart, und der Gewerkschaft Textil-Bekleidung, Bezirk Baden-Württemberg, Stuttgart, - der Manteltarifvertrag für die kaufmännischen und technischen Angestellten in der Industrie in Südbaden vom 4. Oktober 1971. für den Bereich der vertragschließenden Parteien sowie der Manteltarifvertrag zwischen dem Landesverband der Bekleidungsindustrie für Baden e.V. und der Gewerkschaft Textil-Bekleidung, Bezirk Baden-Württemberg vom 5. Januar 1972, außer Kraft.

Stuttgart, den 21. Dezember 1973/21.2.1974

Verband der Landesverband der

Südwestdeutschen Bekleidungsindustrie Bekleidungsindustrie e. V. für Baden e. V. gez. Rentschler gez. Weber

_______________________________________________________________ 14 Rechtsanspruch auf diesen Tarifvertrag haben nur Mitglieder der IG Metall Mitglied werden: http://www.bw.igm.de

Anlagen

zu § 10 Abs. 1 des Manteltarifvertrages

Verzeichnisse der Tarifgruppen

Tarifgebiet Nordbaden, Nordwürttemberg, Südwürttemberg-Hohenzollern und bayerischer Kreis Lindau

Ausschlaggebend für die Eingruppierung in eine der Tarifgruppen sind die Tätigkeitsmerkmale. Die bei den Tarifgruppen aufgeführten Beispiele sind weder erschöpfend noch für jeden Betrieb zutreffend. Die Art des Erwerbes und des Nachweises der für die Tätigkeit erforderlichen Fähigkeiten ist an keine bestimmten Bedingungen gebunden. Aus Titeln und Berufsbezeichnungen können keine Gehaltsansprüche abgeleitet werden. Im Zweifelsfall ist ein Angestellter in diejenige Gruppe einzureihen, die seinem Aufgabenkreis am nächsten kommt. Übt ein Angestellter mehrere Tätigkeiten gleichzeitig aus, die in verschiedenen Tarifgruppen gekennzeichnet sind, so erfolgt seine Einreihung in diejenige Gruppe, welche der überwiegenden Tätigkeit des Angestellten entspricht.

Nordbaden, Württemberg, Lindau

Kaufmännische Angestellte

Gruppe K 1

Tätigkeitsmerkmale: Einfache Tätigkeiten, die nach entsprechender Einweisung ausgeführt werden können und die in der Regel keine vollendete Berufsausbildung oder entsprechende auf andere Weise erworbene Kenntnisse im Beruf voraussetzen.

Beispiele: Fertigmachen der Post, Abheften und Sortieren von Schriftgut nach einfachen Ordnungsmerkmalen Bedienen kleinerer Fernsprechanlagen Schreib- und Rechenarbeiten einfacher Art nach Vorlage, auch mit Maschine Werkstattschreibertätigkeit einfacher Art Aufnehmen und Übertragen von Stenogrammen, soweit die Voraussetzungen für K 2 nicht erfüllt sind (in der Regel von Nachwuchskräften während der Einarbeitungszeit) Numerisches Lochen, nach einfachen, vorbereiteten Unterlagen Lochen nach den Voraussetzungen von K 2 während der Einarbeitungszeit (längstens 6 Monate).

Gruppe K 2

Tätigkeitsmerkmale: Kaufmännische Tätigkeiten, die in der Regel eine vollendete Berufsausbildung oder entsprechende auf andere Weise erworbene Kenntnisse im Beruf voraussetzen. Die Arbeiten dieser Gruppe erfolgen nach eingehender Anweisung.

_______________________________________________________________ 15 Rechtsanspruch auf diesen Tarifvertrag haben nur Mitglieder der IG Metall Mitglied werden: http://www.bw.igm.de

Beispiele: Einfachere Arbeiten auch unter Verwendung von Buchungsmaschinen an Sach- oder Kontokorrentkonten, in der Lohnabrechnung und im Rechnungswesen (z.B. Auftragsbearbeiter, Vor- oder Nachberechner, soweit nicht die Voraussetzung für K 3 gegeben sind) Tätigkeit als Werkstattschreiber oder Registrator Tätigkeit im Lager- und/oder Materialwesen (auch Verwalten eines kleineren Lagers) oder im Versand Bedienen von Fernsprech- und/oder Fernschreibanlagen Erledigung von Routine-Schriftwechsel Geläufiges Aufnehmen und sicheres Übertragen von Stenogrammen (erforderlich sind in der Regel etwa 150 Silben) Lochen oder Prüfen von Lochkarten Sortieren von Lochkarten nach genauen Unterlagen Hilfsarbeiten beim Tabellieren in Lochkartenabteilungen (Angestellte während der Ausbildungszeit zum Tabellierer)

Gruppe K 3

Tätigkeitsmerkmale: Kaufmännische Tätigkeiten, die gegenüber der Gruppe K 2 erhöhte Fachkenntnisse und in der Regel Erfahrungen erfordern. Die Angestellten dieser Gruppe arbeiten selbständig im Rahmen allgemeiner Anweisungen.

Beispiele: Führen von Sach- und Kontokorrentkonten, auch unter Verwendung von Buchungsmaschinen, Teilarbeiten an Betriebsabrechnungsbogen, Erstellen von Lohn- und Gehaltsabrechnungen Verwalten von Registraturen Führen einer Kasse Bearbeiten von Angeboten oder Bestellungen im Rahmen des Einkaufs oder Verkaufs, einschließlich der Fristenüberwachung (Sachbearbeiter im Einkauf oder Verkauf) Verwalten eines Lagers oder vergleichbare Tätigkeiten im Lager- oder Materialwesen Expeditionsarbeiten, die gründliche Kenntnisse des Speditions- und Tarifwesens erfordern Tätigkeit als Korrespondent Tätigkeit als Nachkalkulator Tätigkeit als Rechnungsprüfer Fremdsprachliches Übersetzen, stenografisches Aufnehmen und Übertragen von fremdsprachlichen Texten Tätigkeit als Sekretär oder Sekretärin Selbständiges Sortieren von Lochkarten ohne Unterlagen Tabellieren in Lochkartenabteilungen Gruppenleiter im Lochkartensaal Protokollnotiz Nach K 3 können Angestellte eingruppiert werden, die auch mit Aufnehmen und Übertragen von Stenogrammen beschäftigt sind, bei denen im übrigen aber die Tätigkeiten nach den Voraussetzungen der Gruppe K 3 überwiegen.

_______________________________________________________________ 16 Rechtsanspruch auf diesen Tarifvertrag haben nur Mitglieder der IG Metall Mitglied werden: http://www.bw.igm.de

Gruppe K 4

Tätigkeitsmerkmale: Kaufmännische Tätigkeiten, die selbständig und verantwortlich ausgeübt werden und umfangreiche Berufserfahrung und Sachkunde sowie Überblick über die das Aufgabegebiet berührenden betrieblichen Zusammenhänge erfordern.

Beispiele: Den vorstehenden Merkmalen entsprechende Tätigkeiten auf den Gebieten: Finanz-, Betriebs-, Lohn- und Gehaltsbuchhaltung, Kassenwesen, Einkauf, Verkauf, Versand, Kalkulation, Lager- und Materialwesen. Tätigkeit als Dolmetscher oder als fremdsprachlicher Korrespondent oder als gleichwertige fremdsprachliche Tätigkeiten, die in der Regel mehrjährige Auslandserfahrung erfordern. Tätigkeit als Sekretär oder Sekretärin, mit der nicht nur gelegentlich das Aufnehmen und Übertragen von fremdsprachlichen Stenogrammen sowie Übersetzerarbeiten verbunden ist. Tabellieren von sämtlichen vorkommenden Arbeiten mit selbständigem Schalten und Einrichten von Lochkartenmaschinen. Gruppe K 5

Tätigkeitsmerkmale: Verantwortliche kaufmännische Tätigkeiten mit Dispositionsbefugnissen oder hochwertige Tätigkeiten, zu denen besondere theoretische Fachkenntnisse und längere Erfahrungen erforderlich sind, die über die Merkmale von K 4 hinausgehen. Die Angestellten dieser Gruppe arbeiten im Rahmen der Betriebserfordernisse selbständig.

Technische Angestellte

Gruppe T 1

Tätigkeitsmerkmale: Einfache technische Tätigkeiten, für die eine Berufsausbildung nicht erforderlich ist.

Beispiele: Einfaches Kopieren von Zeichnungen und Zeichnen einfacher Werkzeuge nach Vorlage, sowie Ausführen einfacher Zeichnungsänderungen Ablegen von Zeichnungen Führen von technischen Karteien

Gruppe T 2

Tätigkeitsmerkmale: Einfache technische Tätigkeiten, die in der Regel eine vollendete Berufsausbildung oder entsprechende auf andere Weise erworbene Kenntnisse im Beruf voraussetzen.

_______________________________________________________________ 17 Rechtsanspruch auf diesen Tarifvertrag haben nur Mitglieder der IG Metall Mitglied werden: http://www.bw.igm.de

Beispiele: Zeichnen von Teilen oder Schaltplänen Detaillieren von Maschinen- oder Baukonstruktionen nach eindeutigen Angaben und Unterlagen Konstruieren von einfachen Teilen, Werkzeugen, Vorrichtungen Einfaches technisches Rechnen Einfache Arbeiten der Offertkalkulation Terminverfolgen auf kleineren Arbeitsgebieten Ermitteln von Stückzeiten nach vorhandenen Tabellen und Zeitrichtwerten Bestellen von Teilen und Werkstoffen nach Unterlagen einschließlich Mengenberechnung Fotografieren technischer Objekte Durchführung von Analysen oder physikalischen Prüfungen nach festliegenden Vorschriften Technische Arbeiten im Prüffeld oder Labor Prüfen und Kontrollieren auf Einhaltung der Qualitätsbedingungen Führen größerer technischer Karteien Muster- und Gewebezeichnen Patronieren einfacher Gewebe Verwalten von Gewebe- und Garnkarteien

Gruppe T 2a

(nur Württemberg)

Tätigkeitsmerkmale: Tätigkeiten gemäß T 2, die aber mehr Selbständigkeit und Erfahrung erfordern, jedoch noch nicht den Merkmalen der Gruppe T 3 entsprechen.

Gruppe T 3

Tätigkeitsmerkmale: Schwierigere technische Tätigkeiten, die mehrjährige Berufserfahrung oder einer Fachschulausbildung entsprechende Berufskenntnisse erfordern. Die Angestellten dieser Gruppe arbeiten selbständig aufgrund gegebener Unterlagen und Anweisungen.

Beispiele: Konstruieren von einfachen Maschinen, von Bauelementen oder Werkzeugen Aufstellen und Berechnen von Schaltplänen Ausarbeiten von Projekten oder Angeboten Ausarbeiten von Fertigungs- oder Verfahrensplänen Terminverfolgen auf größeren Arbeitsgebieten Durchführen und Auswerten von Zeitaufnahmen Technische Kalkulationen Fotografieren technischer Objekte Durchführen von Analysen oder Versuchsarbeiten im Prüffeld oder Labor Bedienen und Warten hochwertiger physikalischer oder chemischer Apparaturen Tätigkeit als Abnahme- oder Prüftechniker in der Qualitätskontrolle Patronieren schwieriger Gewebe Berechnen bzw. Überwachen von Nutzeffekten an Textilmaschinen

_______________________________________________________________ 18 Rechtsanspruch auf diesen Tarifvertrag haben nur Mitglieder der IG Metall Mitglied werden: http://www.bw.igm.de

Gruppe T 4

Tätigkeitsmerkmale: Technische Tätigkeiten von erhöhter Schwierigkeit oder größerer Wichtigkeit, die in weitgehender Selbständigkeit und entsprechender Verantwortlichkeit erledigt werden. Für diese Tätigkeiten sind besondere Fachkenntnisse oder umfangreiche Berufserfahrung erforderlich.

Beispiele: Konstruktions- und Berechnungsarbeiten (auch Berechnungen in der Statik) Ausarbeiten oder Kalkulieren schwieriger Projekte und/oder Angebote Aufstellen komplizierter Fertigungs- und/oder Verfahrenspläne Aufstellen schwieriger Arbeitspläne in der Arbeitsvorbereitung und im Terminwesen Gestalten und Auswerten von schwierigen Versuchen Tätigkeit als Abnahme- oder Prüfingenieur in der Qualitätskontrolle Tätigkeit als Weberei- oder Spinnereitechniker oder Wirkerei/Strickereitechniker Tätigkeit als Berechnungs-, Planungs- oder Termintechniker in Textilbetrieben Kundenberatung in anwendungstechnischen Fragen in der chemischen Industrie Tätigkeit als Abteilungsleiter (Faktoren, Obermaschinenmeister) in graphischen Betrieben

Gruppe T 5

Tätigkeitsmerkmale: Verantwortliche technische Tätigkeiten mit Dispositionsbefugnissen oder hochwertige Tätigkeiten, zu denen besondere theoretische Fachkenntnisse und längere Erfahrungen erforderlich sind, die über die Merkmale von T 4 hinausgehen. Die Angestellten dieser Gruppe arbeiten im Rahmen der Betriebserfordernisse selbständig.

Meister

Gruppe M 1

Tätigkeit als Meister in einem einfachen Aufgabengebiet.

Gruppe M 2

Tätigkeiten als Meister mit entsprechenden fachlichen Kenntnissen und Erfahrungen in einem Aufgabengebiet von begrenzter Bedeutung oder mit Unterstellung unter einen anderen Meister.

Gruppe M 3

Tätigkeit als Meister in einem wichtigen Aufgabegebiet, für das eine berufliche Fachausbildung oder entsprechende Kenntnisse und eine gründliche Berufserfahrung erforderlich sind.

Gruppe M 4

Tätigkeit als Meister einer besonders wichtigen Abteilung, sowie Tätigkeit als Obermeister (nächst dem Betriebsleiter oder dessen Beauftragten) mehrerer Abteilungen oder selbständiger Obermeister eines kleinen Betriebes.

_______________________________________________________________ 19 Rechtsanspruch auf diesen Tarifvertrag haben nur Mitglieder der IG Metall Mitglied werden: http://www.bw.igm.de

Werkmeister

Tätigkeit von Angestellten, die in Konfektionsabteilungen die Aufsicht führen, die Ausgabe und/oder Abnahme der Waren besorgen und/oder deren ordnungsgemäße Ausführung überwachen. M 2

Tätigkeit von Angestellten gemäß M 1, die aufgrund umfangreicher Betriebserfahrungen höhere Anforderungen erfüllen und die Aufträge selbständig einteilen und durchführen. M 1

Ebenso Tätigkeit von Angestellten, die als Hilfs- oder Untermeister aufgrund ihrer fachlichen Kenntnisse und Erfahrungen überwiegend die Tätigkeit eines Meisters unterstützen oder denen ein einfaches Aufgabengebiet übertragen ist.

M 3

Tätigkeit von Angestellten, die als Meister mit entsprechenden fachlichen Kenntnissen und Erfahrungen in einem Aufgabengebiet mit begrenzter Bedeutung die Aufsicht führen, Maschinen einrichten, Störungen beheben und Reparaturen ausführen oder einem anderen Meister unterstellt sind.

M 4

Tätigkeit von Angestellten, die als Meister mit beruflicher Fachausbildung oder entsprechenden Kenntnissen und gründlicher Berufserfahrung ein wichtiges Aufgabengebiet selbständig und verantwortlich beaufsichtigen und, falls erforderlich, die Arbeitseinteilung vornehmen und, falls erforderlich, die Unterlagen für die betriebliche Akkordfindung erstellen oder denen Meister der Gruppe M 3 unterstellt sind.

M 5

Tätigkeit von Angestellten, die als Meister mit einem besonders wichtigen Aufgabengebiet betraut oder denen als Obermeister nächst der Geschäfts- und Betriebsleitung Meister der Gruppe M 4 unterstellt sind oder die als Obermeister selbständig die Abteilungen eines kleinen Betriebes leiten.

_______________________________________________________________ 20 Rechtsanspruch auf diesen Tarifvertrag haben nur Mitglieder der IG Metall Mitglied werden: http://www.bw.igm.de

Berechtigung fehlt

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Meta

Thema:
Bekleidungs- und Textilindustrie
Datum:
01.01.1974
Schlagworte
Bekleidung, Manteltarifvertrag, Tarifvertrag