OLG Stuttgart 20 W 3/09 Squeeze out, Abfindung, Unternehmen, Wachstum

Urteil 20 W 3/09 des OLG Stuttgart vom 19.01.2011

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hier  nicht  der  Fall  (dazu  unten  d)).  99  a)  Nicht  zu  beanstanden  ist  entgegen  der  Auffassung  der  Beschwerdeführer,  dass  das  Landgericht  die  im  Rahmen  des  Unternehmenswertgutachtens  zugrunde  gelegten  Prognosen  der  künftigen  Erträge  der  übernommen  hat.  Dies  gilt  sowohl  für  die  Analyse  der  Vergangenheit,  auf  der  die  Prognosen  gründen  (dazu  unten  aa)),  als  auch  für  die  Ertragsprognosen  in  Phase  (dazu  unten  bb))  bzw.  in  Phase  II  (dazu  unten  cc))  und  die  Ausschüttungsannahmen  bzw.  die  Berücksichtigung  typisierter  persönlicher  Ertragsteuern  der  Anteilseigner  (dazu  unten  dd)).  100  aa)  Die  Prognose  der  künftigen  Erträge  des  Unternehmens,  auf  denen  das  Unternehmenswertgutachten  gründet,  beruhen  auf  einer  hinreichenden  Analyse  und  Bereinigung  der  Ergebnisse  der  Vergangenheit.  101  (1)  Die  besonderen  Verhältnisse  des  Unternehmens  der  geben  insbesondere  keinen  Anlass,  die  Analyse  der  Vergangenheitsergebnisse  über  den  Zeitraum  von  drei  Jahren  (2002  bis  2004)  hinaus  zu  erstrecken.  Nach  den  Feststellungen  der  sachverständigen  Prüfer  korreliert  die  Entwicklung  der  Werkzeugbranche,  in  welcher  die  tätig  ist,  mit  derjenigen  des  Maschinenbaus;  dieser  Markt  bewegt  sich  zyklisch  in  einer  relativ  regelmäßigen  Zeitspanne  von  drei  bis  vier  Jahren  (Bl.  470,  533  f.).  Dieser  Zyklus  spiegelt  sich  grundsätzlich  auch  in  der  Entwicklung  der  wider,  wie  die  sachverständigen  Prüfer  anhand  der  Entwicklung  des  EBIT  der  von  1999  bis  2008  dargestellt  haben  (Bl.  521).  102  (2)  Fehl  geht  der  Einwand  einzelner  Antragsteller,  die  erforderlichen  Bereinigungen  der  Vergangenheitsdaten  seien  unterblieben.  103  (2.1)  Dem  Umstand,  dass  die  2004  mit  ihrem  Geschäftsbereich  Maschinen  einen  wesentlichen  Teil  ihres  Unternehmens  veräußerte,  ist  im  Unternehmenswertgutachten  dadurch  Rechnung  getragen,  dass  die  Vergangenheitsdaten  nach  Geschäftsbereichen  getrennt  analysiert  wurden  (GA  S.  24),  so  dass  die  Zukunftsprognosen  auf  die  Vergangenheitsdaten  der  verbliebenen  Geschäftsbereiche  Werkzeug  und  Software  gestützt  werden  können.  Auf  die  Phase  wirkt  sich  die  Veräußerung  im  Übrigen  nach  den  Feststellungen  der  sachverständigen  Prüfer  nur  geringfügig  aus  (Bl.  494).  Unbegründet  ist  zudem  die  Befürchtung  einzelner  Antragsteller,  der  Aufwand  des  Jahres  2004  könnte  durch  die  Veräußerung  des  Geschäftsbereichs  „Maschinen“  beeinflusst  worden  sein,  weil  die  im  Jahresabschluss  2004  gebildeten  Steuerrückstellungen  dem  aus  der  Veräußerung  erzielten  Ertrag  geschuldet  seien;  die  sachverständigen  Prüfer  haben  festgestellt,  dass  der  den  Rückstellungen  zugrunde  liegende  Steueraufwand  plausibel  errechnet  wurde  und  im  Wesentlichen  auf  der  Erhöhung  des  EBIT  im  Geschäftsbereich  „Werkzeug“  von  18,362  Mio.  Euro  in  2003  auf  29,709  Mio.  Euro  in  2004  beruht  (Bl.  523,  ÜB  S.  28).  Schließlich  wird  die  Plausibilität  der  2002  bis  2004  gebildeten  Pensionsrückstellungen  nach  den  Feststellungen  der  sachverständigen  Prüfer  (Bl.  524)  durch  die  Reduzierung  der  Mitarbeiterzahl  infolge  der  Veräußerung  des  Geschäftsbereichs  „Maschinen“  nicht  in  Frage  gestellt.  Zum  einen  sei  nur  ein  Teil  der  ausgeschiedenen  Mitarbeiter  pensionsberechtigt  gewesen,  zum  anderen  seien  Rückstellungen  schon  aufgrund  des  Zinseffekts  und  der  weiter  zurück  gelegten  Dienstzeiten  zu  erhöhen  (Bl.  525).  104  (2.2)  Die  Investitionstätigkeit  der  in  den  Jahren  2002  bis  2004  gibt  zu  Bereinigungen  ebenfalls  keinen  Anlass,  da  sie  nach  den  Feststellungen  der  sachverständigen  Prüfer  Bestandteil  der  operativen  Unternehmenstätigkeit  und  notwendige  Voraussetzung  für  die  geplanten  künftigen  Umsatzzuwächse  war  (Bl.  491).  Ähnliches  gilt  für  die  2004  gebildete  Rückstellung  für  ein  geändertes  Logistikkonzept.  Diese  deckt  nach  den  Feststellungen  der  sachverständigen  Prüfer  die  Kosten  für  die  künftige  Freisetzung  von  Personal  ab,  welche  sich  in  der  ab  2005  geplanten  Reduzierung  des  Personalaufwands  widerspiegelt  (Bl.  492).  105  (2.3)  Schließlich  sind  die  wegen  der  in  der  Vergangenheit  durchgeführten  Umstellung  vom  Gesamtkostenverfahren  auf  das  Umsatzkostenverfahren  sowie  wegen  einer  geänderte  Gängigkeitsbewertung  erforderlichen  Bereinigungen  bei  der  Vergangenheitsanalyse  nach  dem  Ergebnis  der  Prüfungen  der  sachverständigen  Prüfer  vorgenommen  worden  (Bl.  491).  Abweichungen  des  Einzel-  oder  Konzernabschlusses  von  den  Vorgaben  des  HGB  oder  von  einzelnen  Antragstellern  pauschal  eingeworfene  „Bilanzierungsvorgaben“  der  Antragsgegnerin,  die  Anlass  zu  weiteren  Bereinigungen  der  Vergangenheitsdaten  geben  könnten,  sind  nicht  ersichtlich.  106  bb)  Die  dem  Unternehmenswertgutachten  zugrunde  gelegten  Ertragsprognosen  für  die  Phase  hat  das  Landgericht  zu  Recht  nicht  beanstandet.  107  Zu  beachten  ist,  dass  bei  der  Tatsachenfeststellung  zur  Unternehmensbewertung  im  Spruchverfahren  die  in  die  Zukunft  gerichteten  Planungen  der  Unternehmen  und  die  darauf  aufbauenden  Prognosen  ihrer  Erträge  nur  eingeschränkt  überprüfbar  sind.  Diese  Beschränkung  der  gerichtlichen  Prüfungsdichte  folgt  aus  der  Natur  der  Prognose.  Planungen  und  Prognosen  sind  in  erster  Linie  ein  Ergebnis  der  jeweiligen  unternehmerischen  Entscheidung  der  für  die  Geschäftsführung  verantwortlichen  Personen.  Diese  Entscheidungen  haben  auf  zutreffenden  Informationen  und  daran  orientierten,  realistischen  Annahmen  aufzubauen;  sie  dürfen  zudem  nicht  in  sich  widersprüchlich  sein.  Kann  die  Geschäftsführung  auf  dieser  Grundlage  vernünftigerweise  annehmen,  ihre  Planung  sei  realistisch,  darf  diese  Planung  nicht  durch  andere  letztlich  ebenfalls  nur  vertretbare  Annahmen  des  Gerichts  ersetzt  werden.  (OLG  Stuttgart,  ZIP  2010,  274  [juris  Rn.  146  ff.];  OLG  Stuttgart,  ZIP  2008,  883  [juris  Rn.  65];  OLG  Stuttgart,  NZG  2007,  112  [juris  Rn.  28];  ebenso  OLG  Düsseldorf,  I-26  6/08  [juris  Rn.  26].)  108  Fehl  geht  die  Auffassung  eines  Beschwerdeführers,  diese  Vorgaben  widersprächen  der  höchstrichterlichen  Rechtsprechung.  In  formaler  Hinsicht  verkennt  der  Beschwerdeführer  bereits,  dass  die  von  ihm  angeführte  Entscheidung  des  Bundesgerichtshofs  (BGH,  AG  2007,  625.)  kein  Spruchverfahren,  sondern  eine  den  Vorschriften  der  ZPO  unterliegende  Anfechtungsklage  zum  Gegenstand  hatte.  Im  Übrigen  hat  sich  der  Bundesgerichtshof  dort  nicht  mit  der  gerichtlichen  Überprüfbarkeit  von  unternehmerischen  Entscheidungen  im  Rahmen  der  Unternehmensbewertung  befasst,  sondern  mit  der  Frage,  ob  das  dortige  Berufungsgericht  wegen  überhöhter  Anforderungen  an  die  Substantiierungslast  der  Kläger  von  einer  Beweisaufnahme  abgesehen  hat.  (BGH,  AG  2007,  625  [juris  Rn.  8].)  Im  hiesigen  Verfahren  hat  dagegen  bereits  das  Landgericht  in  einer  den  Besonderheiten  des  Spruchverfahrensgesetzes  entsprechenden,  in  § 8 Abs. 2 SpruchG  ausdrücklich  zugelassenen  Weise  durch  Anhörung  der  sachverständigen  Prüfer  Beweis  erhoben  (dazu  bereits  oben  1.  a)).  109  Anlass,  die  dem  Unternehmenswertgutachten  zugrunde  liegenden  Planannahmen  zugunsten  der  übrigen  Aktionäre  durch  andere  zu  ersetzen,  besteht  danach  nicht.  110  (1)  Aus  methodischer  Sicht  bestehen  gegen  die  Planung  der  den  Anteilseignern  in  Phase  zufließenden  Erträge  keine  Bedenken.  Insbesondere  können  die  Antragsteller  keine  Fehler  aus  dem  Umstand  ableiten,  dass  nicht  für  jede  Tochtergesellschaft  der  ein  gesonderter  Ertragswert  ermittelt,  sondern  eine  konsolidierte  Ertragswertermittlung  durchgeführt  wurde.  Die  sachverständigen  Prüfer  haben  die  methodische  Zulässigkeit  und  Üblichkeit  dieses  Verfahren  bestätigt  (Bl.  485).  Angesichts  der  konsolidierten  Betrachtungsweise  geht  zugleich  der  pauschale  Einwand  eines  Beschwerdeführers  fehl  (Bl.  696),  es  sei  nicht  gesichert,  dass  die  Ergebnisse  der  einzelnen  Beteiligungen  in  der  richtigen  Höhe  eingeflossen  seien,  weil  häufig  die  Gewinne  auf  der  Ebene  von  Beteiligungen  thesauriert  würden.  Die  konsolidierte  Betrachtung  vermeidet  gerade  eine  Trennung  in  unterschiedliche  Ebenen,  indem  sie  das  Unternehmen  als  rechtliche  Einheit  betrachtet.  111  (2)  Zu  Unrecht  rügen  die  Antragsteller,  die  Unternehmensplanung  habe  die  Wachstumschancen  des  Unternehmens  nicht  hinreichend  berücksichtigt.  112  (2.1)  Die  dem  Unternehmenswertgutachten  zugrunde  liegende  Unternehmensplanung  stellt  sich  in  ihren  Annahmen  bezüglich  der  Entwicklung  der  Umsatzerlöse  nicht  als  überzogen  konservativ,  sondern  eher  als  ambitioniert  dar.  113  (2.1.1)  Die  sachverständigen  Prüfer  vermochten  nicht  festzustellen,  dass  bei  der  Planung  der  künftigen  Umsatzentwicklung  fehlerhaft  das  bilanzielle  Vorsichtsprinzip  angewandt  worden  wäre.  Stattdessen  haben  sie  errechnet,  dass  in  Phase  ein  jährlicher  Anstieg  der  Umsatzerlöse  in  Höhe  von  durchschnittlich  9,4%  geplant  wurde  (Bl.  486).  114  Fehl  geht  die  Rüge  eines  Beschwerdeführers  (Bl.  694),  diese  Wachstumsrate  sei  falsch  errechnet  worden.  Zwar  trifft  es  zu,  dass  die  in  Phase  geplanten  Umsatzerlöse  nur  von  2006  nach  2007  um  9,26%  ansteigen,  der  Anstieg  von  2007  nach  2008  bzw.  2005  nach  2006  dagegen  nur  3,39  bzw.  5,03%  beträgt.  Der  Beschwerdeführer  verkennt  aber,  dass  die  Unternehmensplanung  einen  wesentlichen  Anstieg  der  Umsatzerlöse  bereits  zu  Beginn  der  Phase  von  2004  nach  2005  vorsieht,  nämlich  um  20,71%.  Dies  gilt  jedenfalls  dann,  wenn  man  die  2004  erreichten (WhfZrhzGrgzyQbphzrag1.83)
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Anmerkungen zum Urteil 20 W 3/09

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